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  • Day7

    Von Dreverna nach Verbejnieki

    July 19 in Latvia ⋅ ⛅ 18 °C

    Schönstes Bilderbuchwetter herrscht, als wir am Vormittag abfahrt bereit sind. Kurz bevor wir starten, fährt ein Bulli mit Herforder Kennzeichen auf den Platz. Wie es sich bei einem kurzen Gespräch herausstellt, kommt die Besatzung aus Löhne Obernbeck. Die Welt ist schon manchmal klein. Wir werden noch mit ein paar Tipps versorgt, was den Aufenthalt in Tallin und Riga betrifft, und dann fahren wir los. Michael hat einen Campingplatz in der Nähe von Liepaja, direkt an der Ostsee, herausgesucht. Dort wollen wir heute hin. Aber zunächst müssen wir wieder zurück nach Klaipeda. Über die holprige Straße und durch die unübersichtlichen Kreisel, bevor wir über die gut ausgebaute A13 weiter nördlich fahren können. Doch die Ruhe dauert nicht lange. Mathilde, unser Navi, meldet sich und verkündet, dass die A13 gesperrt ist. Sie will uns an der nächsten Ausfahrt ableiten und einen großen Bogen über Kretinga schlagen. Nirgendwo haben wir Hinweisschilder über eine Sperrung gesehen, und deshalb ignorieren wir Mathildes Anweisung einfach. Doch mit ungeahnter Hartnäckigkeit wiederholt sie die Anweisung bei jeglicher Möglichkeit abzufahren oder zu drehen. Sie nervt so lange, bis die Autobahn einspurig wird und dann wegen der Vollsperrung eine Umleitung eingerichtet ist. Erst auf der Straße nach Palanga gibt sie sich zufrieden und nimmt ihre normale Navigation wieder auf. Wir fahren mitten durch Palanga, einem gepflegten Badeort. Palanga ist DER Badeort Litauens und hat sogar einen Flugplatz. Palanga bedeutet in der kurischen Sprache" Am Sumpfloch". Doch das ist heute nicht unser Ziel. Wir wollen noch etwas weiter. Von Palanga sind es noch gut 20 km bis zur lettischen Grenze. Lettland, das landessprachlich "Latvia" heißt. Die lettischen Autos haben die Abkürzung" LV". Der Grenzübergang vollzieht sich fast unbemerkt, da das Baltikum in der EU ist. Kurz nach der Grenze kommt eine, für uns gut gelegene Tankstelle, und wir beschließen zu tanken. Da heißt es sich erst einmal zu orientieren, was Benzin und Diesel ist. Wir gehen davon aus, dass das D auf den Zapfhähnen für Diesel steht. Aber es gibt "D" und "DD" . Wir entscheiden uns für "D" , auch wenn "DD" viel günstiger ist. Beim Bezahlen erfahre ich, dass "DD" für landwirtschaftliche Fahrzeuge wie Traktoren ist. Alles richtig gemacht. Die weitere Fahrt Richtung Liepaja führt über eine nagelneue und schnurgerade Landstraße, die durch das Naturschutzgebiet von Pape führt. Ein ca. 57 km² großes Gebiet um den sumpfigen Papesee mit seinen Mooren und Sümpfen. Kilometer um Kilometer nichts als Wald. Irgendwie tun mir die Radwanderer auf dieser Straße leid, die stundenlang mit der gleichen Aussicht trampeln. Wir kommen an mehreren Hinweisschildern zu Camps an der Ostsee vorbei. Endlich kommt auch das zum Camp Verbejnieki. Eine kleine Straße führt bis zu einer Schranke. Und nun? Die Anweisungen auf lettisch verstehen wir nicht und drücken einfach auf einen Knopf. Prompt fällt ein kleiner roter Plastikchip heraus und die Schranke öffnet sich. Wo ist denn hier bloß die Rezeption? Suchend schauen wir uns um und lassen das Wohnmobil erst einmal stehen, wo es ist. Ein kleines Stück weiter auf einer Wiese befinden sich Campingfahrzeuge. Dorthin gehe ich und wende mich in Englisch, wie ich es immer in einem Land mache, dessen Sprache ich nicht spreche, an einen dickbäuchigen Letten, der vor seinem Wohnwagen sitzt. Auf mein: "Do you speak English?", schüttelt er den Kopf und sagt in etwa, er spräche nur lettisch. Aber verstanden hat er mich schon. Dann bietet er mir an, die Unterhaltung auf russisch weiter zu führen. Ich schüttele meinerseits den Kopf und sage: "Sorry! Leider spreche ich nur deutsch, englisch, französisch, etwas italienisch und auf spanisch könnte ich auch noch guten Tag sagen." Auch das hat er verstanden und sagt zu mir auf englisch!!!, er wäre Lette und wenn jemand etwas von ihm wolle, solle er gefälligst lettisch oder russisch sprechen. Ich wende mich kopfschütteln ab. So viel Unfreundlichkeit und offensichtliche Ablehnung habe ich im Ausland noch nie erlebt. Bei dem scheint die EU noch nicht angekommen zu sein. Aus dem deutschen Wohnmobil gegenüber kommt eine Frau, die uns dann die gewünschten Auskünfte gibt.
    Wir fahren das Wohnmobil auf die Wiese und gehen in die Gastronomie, die auch gleichzeitig Rezeption für die Campinggäste ist. 19 Euro kostet der Platz mit Strom. Wir bekommen eine Quittung fürs Wohnmobil und einen neuen Plastikchip für die Ausfahrt. Danach gehen wir auf Stellplatzsuche. Drei verschiedene Plätze gibt es in der Anlage. Der obere ist bereits ziemlich voll. Der zweite liegt im Kiefernwald und der dritte auf einer Wiese zum Strandübergang. Hier ist noch reichlich Platz. Den nehmen wir. Als wir Wohnmobil und Hänger stehen und uns eingerichtet haben, gehe ich auf Entdeckungsreise durch die Anlage und zum Strand. Ich bin begeistert. Mit wieviel Liebe zum Details hier alles angelegt ist, damit es vor allem auch Familien mit Kindern gefällt. Nicht nur, dass es einen tollen Spielplatz mit allen erdenklichen Geräten gibt, es gibt sogar einen Streichelzoo.
    Überall findet man Picknickbänke und Feuerstellen Der urige Biergarten hat extra Hütten zum Einkehren, Liegen, Terrassen und , und, und.
    Der kilometerlangen, weißen, feinkörnigen Sandstrand, den man durch ein kleines Wäldchen nach nur 50 m erreicht, erscheint menschenleer. Und das bei Superwetter mitten im Sommer. Wir freuen uns über diesen schönen Platz, und es steht sofort fest, dass wir hier mindestens 3 Tage bleiben werden.
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