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Camino del Norte

April 2019
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  • Day35

    Camino del Norte

    May 9 in Spain ⋅ ⛅ 20 °C

    Bereis drei Versuche habe ich gestartet ein Schlusswort zum Camino del Norte zu verfassen. Unmöglich. Dieser Camino ist schon in meinem Kopf nur schwer fassbar, das Ganze in Worte zu fassen, ein Ding der Unmöglichkeit. Da ich jetzt im Flugzeug nach Sevilla sitze, um da die Via de la Plata zu starten, habe ich noch ein bisschen Zeit, darüber nachzudenken.

    Von den Leuten zu Hause kommen oft Fragen wie: warum tust du dir das an? Suchst du Gott? Oder dich selbst? Laufen ja, aber wieso so lange? Reicht nicht eine Woche?

    Eine eindeutige Antwort auf all diese Fragen kann man eigentlich gar nicht geben. Alles was ich weiss, ist, dass ich auf diesem Camino wahrscheinlich die besten 5 Wochen meines Lebens hatte. Ausserdem auch die erlebnisreichsten, abenteuerlichsten, lustigsten, zugleich härtesten, emotionalsten, und generell intensivsten Wochen überhaupt. Jemandem diese Gefühle mit Worten zu beschreiben, kommt nicht annähernd an die Realität heran.

    Die Worte von Ernesto, dem Hospitalero in Güemes, gehen mir nicht mehr aus dem Kopf: du gehst hier nicht nur den Camino del Norte, du gehst den Camino de la Vida. Der Camino ist ein Spiegelbild deines Lebens. Leute kommen, Leute gehen und jeder hinterlässt einen kleineren oder grösseren Fussabdruck in deinem Leben. Von jedem Menschen, der dir begegnet, kannst du etwas mitnehmen. Und das habe ich. Und wie ich das habe. Ich habe Menschen kennengelernt, die mit einer unglaublichen Offenheit und Gutmütigkeit auf andere Menschen zugehen. Ich habe Menschen kennengelernt, die jedem Menschen, dem sie begegnet sind ein Lächeln geschenkt haben. Menschen, die mich wieder an das Gute in der Menschheit haben glauben lassen. Ich habe Menschen kennengelernt ohne zu wissen, was sie arbeiten, wie alt sie sind oder woher sie kommen. Weil es egal war. Man lernt hier, jeden Menschen so zu nehmen, wie er ist. Ohne Vorurteile. Ohne Schubladen. Man redet nicht viel über den Alltag, darüber was vorher war, was nachher kommt. Man ist komplett im Hier und Jetzt. Kostet jeden Moment voll aus. Wenn ich nur schon daran denke, kriege ich Gänsehaut.
    Neben all den schönen Begegnungen mit Mitpilgern lernt man natürlich auch sich selbst wieder besser kennen. Man lernt, auf sich, seinen Körper und sein Herz zu hören. Meiner Meinung nach ist das auch das einfachste Rezept, einen Camino zu bewältigen. Nicht zu viel überlegen, sondern einfach das zu tun, was dein Herz und dein Körper dir sagen. Schlussendlich bringt das ein enormes Selbstvertrauen und ein riesiges Glücksgefühl.

    Also was jetzt so einen Camino wirklich ausmacht? So ganz weiss ich das noch immer nicht. Die Natur, das Draussen-Sein, die Bewegung, die Anstrengung, die Grenzerfahrung, die Grenzüberschreitung, die Begegnungen, das Leute-Kennenlernen, das Sich-Selbst-Kennenlernen... Was auch immer es ist, es macht süchtig!

    So, jetzt bin ich in Sevilla gelandet. Der Camino del Norte ist damit abgeschlossen. Eigentlich. In meinem Herzen wird er immer bleiben.
    Buen Camino!
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  • Day33

    Muxia

    May 7 in Spain ⋅ ☁️ 13 °C

    Heute Morgen bin ich nach einem Frühstück in Finisterre erst mal noch 3 km ans Kap hochgelaufen, weil ich das gestern noch nicht gemacht habe. Das Wetter war leider sehr trüb und je näher ich ans Kap kam, desto nebliger wurde es. Am 0,000 km Stein waren noch zwei andere Pilger, die ein Foto von mir schossen. Die waren aber bereits auf dem Rückweg und so hatte ich plötzlich das ganze Kap für mich alleine. Dass das überhaupt möglich ist, hätte ich nie gedacht, schätzte es aber umso mehr. Ich kletterte auf den Steinen rum, setzte mich hin und genoss den Moment. Kurz liess ich nochmals den Camino im Kopf durchgehen, schweifte aber mit den Gedanken schnell ab. Weit draussen auf dem Meer sah ich ein kleines Boot. So ein winzig kleines Boot auf solch einem unglaublich riesigen Ozean. Die Erkenntnis wie klein und unbedeutend der Mensch in diesem Universum ist, jagte mir ein Schauer über den Rücken.

    Irgendwann lief ich zurück nach Finisterre. Erst um 10:30 Uhr trat ich dann den eigentlichen Weg nach Muxia an, bereits 6 km in den Beinen und von dort aus noch 30 zu gehen. Nach einem solchen Camino hat man aber ein solches Vertrauen in sich und seine Füsse, dass ich nicht eine Sekunde besorgt war, die Strecke zeitig zu schaffen.

    15 km weiter in Lires machte ich eine Mittagspause und sah Elena noch schnell. Sie beschloss mit den jungen Italienern dort nochmals zu übernachten, ich jedoch bevorzuge die älteren Italiener und ziehe weiter nach Muxia.

    Auch heute bin ich zu müde um noch ans Kap zu gehen und verschiebe das auf morgen. Am Abend sass ich mit Fabio, Nino und Rudi zusammen und wir liessen gemütlich unseren letzten Wandertag ausklingen. Irgendwie habe ich mir die letzten Kilometer spezieller vorgestellt, vielleicht auch emotionaler, aufwühlender. Stattdessen war ich wie eigentlich jeden Tag einfach nur froh, in der Herberge angekommen zu sein.

    Morgen werde ich sicher noch ans Kap von gehen und dann um 14:30 Uhr den Bus zurück nach Santiago nehmen. Das Wetter bringt momentan eine Weltuntergangsstimmung ins Dorf, wie ich selten erlebt habe. Es stürmt so fest, dass man sich kaum auf den Beinen halten kann und regnet quer. Sogar die Betten in der Herberge knarren vom Wind. Ich hoffe, das bessert bis morgen.
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  • Day32

    Finisterre

    May 6 in Spain ⋅ ⛅ 14 °C

    Finisterre. Das Ende der Welt. Die letzten 30 km bis an die Westküste haben wir heute noch geschafft. Das traumhafte Wetter der letzten Tage ist leider verschwunden. Es ist bedeckt. Ich bin müde und ruhe mich erstmal in unserem Hotelzimmer aus. Nicht einmal Lust ans Kap zu gehen habe ich. Naja, einen Sonnenuntergang wird man bei diesem Wetter auch nicht beobachten können. Später beginnt es sogar noch zu regnen. Stimmungsmässig hätte ich mir die Ankunft am Ende der Welt etwas emotionaler vorgestellt. Momentan ist aber alles, was ich tun will nur noch schlafen.

    Wahrscheinlich nehme ich morgen früh die 3 km bis ans Kap noch auf mich, bevor es dann weiter nach Muxia geht. Für morgen ist der ganze Tag Regen angesagt.
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  • Day31

    Der Sommer kommt!

    May 5 in Spain ⋅ ⛅ 16 °C

    Heute war ein unglaublich toller Tag! 40 km habe ich heute geschafft (neuer Rekord) und ich hätte sogar noch weiter gehen können. Da die nächste Herberge aber 13 km weiter weg war und es bereits 17:30 Uhr war als wir ankamen, entschieden wir uns dort zu bleiben. Guter Entscheid! Die Herberge ist schön und die Hospitaleros unglaublich freundlich.

    Am Morgen ging es erstmal ohne Frühstück los, weil alles Bars erst um 10 Uhr öffneten. Ich traf am Morgen Nico und ging ein Stückchen mit ihm. Nach 13 km fand ich dann endlich ein Café und kriegte dann was zu essen. Nach 27 km gab es die nächste Pause und von da an wurde bis zum Schluss durchgezogen. Trotz den heissen Temperaturen (geschätzt 25-30 Grad) lief es erstaunlich gut.

    Bis jetzt gefällt mir die Strecke nach Finisterre sehr gut. Viel besser als erwartet. Aber obwohl ich diesen Weg vor 6 Jahren schon einmal gegangen bin, kann ich mich an praktisch nichts erinnern.

    Für morgen bleiben noch 30 km bis nach Fisterra und am Tag darauf gehts noch nach Muxia. Wir hoffen, das Wetter wird besser als vorausgesagt...
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  • Day30

    Weiter gehts!

    May 4 in Spain ⋅ ☀️ 15 °C

    Nach einem Tag Pause in Santiago geht es (leider) bereits wieder weiter. Elena und ich wollen nach Finisterre ans Meer, was nochmals 90 km sind und etwa 3 Tage in Anspruch nehmen wird. Danach gehen wir noch einen Tag weiter bis nach Muxia, was angeblich sogar noch schöner wie Finisterre sein solle.

    Nach dem Feiern gestern Nacht klingelte der Wecker heute Morgen erst um 8 Uhr. Wir wollten das schöne Bett so lange wie möglich ausnutzen. Wir frühstückten gemütlich in einem Café und liefen erst kurz vor 10 Uhr los. Ich hatte ziemliche Motivationsschwierigkeiten. Das Bett heute Nacht war einfach zu bequem und meine Füsse und Beine fühlen sich noch genauso müde an wie nach einem 30 km Marsch. Ich war drauf und dran Finisterre abzublasen und noch einen Tag in Santiago zu bleiben.

    Irgendwie habe ich es dann doch noch geschafft, mich aufzuraffen. Die neuen Schuhe laufen sich zum Glück super. Meine Blasen (habe übrigens vom Zieleinlauf noch zwei neue gekriegt) spüre ich gar nicht mehr darin. Das wunderschöne Wetter schaffte es dann doch noch mich zu motivieren. Sehr weit kamen wir heute aber nicht. Nach ca. 22 km war Schluss in Negreira. Wir entspannen uns für den Rest des Tages und geben Morgen dann wieder Vollgas!
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  • Day29

    Santiago de Compostela

    May 3 in Spain ⋅ ☀️ 14 °C

    Der Zieleinlauf. 27 km waren es noch bis nach Santiago de Compostela. Ein unbeschreibliches Gefühl.

    Am Morgen des 2. Mais frühstückte ich noch in der Bar neben der Herberge und kurz vor 8 Uhr lief ich dann los. Die ersten paar Kilometer war ich noch alleine, weil wir normalerweise nicht an den typischen Etappenenden übernachten. Das änderte sich aber leider sehr bald. Von allen Richtungen bogen immer mehr und mehr Pilger auf den Camino ein und liefen mit mir mit. Irgendwann wurde es ein richtiger Strom. Ein Pilger nach dem anderen, nur wenige Meter Abstand.
    Horror!
    Bald schaltete ich meine Musik ein, anders war es nicht auszuhalten. Nur so schaffte ich es, ein bisschen von dem ganzen Trubel Abstand zu gewinnen und in Ruhe nochmals meinen Camino im Kopf durchleben zu können.
    Nach 12 km machte ich die letzte Pause, die nächsten 15 km werden am Stück durchgezogen. Geplant waren eigentlich mehr Pausen, aber ich will einfach nur noch möglichst schnell ankommen, möglichst schnell aus diesem Wahnsinn raus. Ich wurde immer schneller. Ich rannte schon fast. Überholte einen Pilger nach dem anderen. "Gring abe u seckle" war alles, was ich noch dachte. Nicht unbedingt die Einstellung, die man sich für den Einlauf in Santiago wünscht.
    Auf dem Weg sah man alle Arten von "Pilger". Pilger in Lederleggings, in Flip Flops, mit Kinderwagen, im Rollstuhl, mit Parfümfahne und Handtasche. Es gibt nichts, das es nicht gibt. Pilger mit grossen Rucksäcken, durchgelatschten Schuhen und ein wenig eigenem Laufstil, wie man sie von den letzten paar hundert Kilometern kannte, sieht man hier nur wenige.
    Nach dem letzten steilen Anstieg ging es endlich bergab und von da an wusste ich, dass es nicht mehr weit sein kann. Bald schon erreichte ich den Stadtrand. Mittlerweile tat mir auch alles weh. 27 km mit nur einer 20 Minuten Pause machen sich bemerkbar. Anhalten will man jetzt aber auch nicht mehr. Wie im Tunnel laufe ich und laufe ich immer weiter in die Stadt hinein. Etwa 500 Meter vor dem Ziel an der Kathedrale kommen mir erste Plätze und Cafés wieder bekannt vor vom letzten Camino. Das war der Moment, in dem es mich überkam und bei mir die Tränen liefen. Ich dachte nochmals an all die wunderschönen Momente der letzten Wochen, die atemberaubenden Landschaften und die unglaublich tollen Leute, die ich alle kennengelernt habe. Ich glaube es waren Freudentränen, aus Dankbarkeit für das Erlebte. Und vielleicht auch ein bisschen aus Traurigkeit, dass es jetzt aufs Ende zugeht.
    Als ich dann um 13:30 Uhr auf den Platz vor der Kathedrale kam, dachte ich an gar nichts mehr. Ich sah meine Leute, setzte mich einfach nur noch hin, war glücklich und müde. Elena, Fabio, Nino und Federico waren da. Val kam später auch noch dazu.
    Die Italiener mussten sich noch eine Herberge suchen, deshalb ging ich mit Elena und Val erstmal noch was essen. Ich hatte einen Mordshunger!
    Nachdem Elena und ich unser Doppelzimmer in einer Pension bezogen hatten, trafen wir Valerie wieder beim Friseur und liessen es uns da gut gehen. Am Abend gingen wir nochmals etwas essen, und kurz darauf ins Bett.

    Am nächsten Morgen schliefen wir schön aus. Elena machte dann am Morgen unsere Wäsche und ich holte meine Pilgerurkunde ab. Danach frühstückten wir gemütlich in einem Café. Wir teilten uns dann auf, sodass jeder seine Sachen erledigen konnte. Ich kleidete mich mit neuen, leichteren Schuhen und weniger warmen Kleidern ein für die nächsten 1000 km und schickte ein Paket nach Hause mit 4.5 kg Ware drin. Ca. 1.5-2kg davon waren meine alten Schuhe, aber der Rest war Ausrüstung aus dem Rucksack! Das heisst, ich trage jetzt vermutlich nur noch ca. 8kg Gepäck auf meinem Rücken. Wahnsinn!
    Am Abend gingen wir wieder miteinander Essen. Nico aus Bayern, den ich in der letzten Herberge vor Santiago kennengelernt und zufällig in Santiago wiedergetroffen habe, kam ebenfalls mit. Veronica, eine Polin die mit Val unterwegs war, begleitete uns ebenfalls zusammen mit ihrem Freund Guille, der ein waschechter Santiagoaner ist. Dieser zeigte uns die besten Plätze abseits der Touristenströme, was genial war!
    Später trafen wir uns noch mit den jungen Spaniern auf ein Bier, die ihrerseits mit einer Truppe von Pilgern unterwegs waren. Und wer war da dabei? Martin aus Uruguay, den ich das letze Mal an meinem dritten Wandertag gesehen habe. Unglaublich! Das sind die Camino Wunder!
    Um 1 Uhr gingen wir dann zurück in die Pension und mussten uns leider endgültig von Valerie verabschieden. Sie fliegt am 6. Mai weiter nach Rom und bleibt bis dahin in Santiago. Elena und ich werden uns am nächsten Morgen aufmachen Richtung Finisterre.
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  • Day27

    Der Pilgerstrom

    May 1 in Spain ⋅ ⛅ 13 °C

    Heute Morgen wollte ich früh losgehen, um nicht wieder in der Mittagshitze laufen zu müssen. Als mein Wecker dann um 6:30 Uhr abging wurde dieser im Schlaf ausgestellt und weitergeschlafen. Um 7 Uhr klingelten dann zum Glück noch andere Wecker im Zimmer und ich wachte doch noch auf. Ich packte alle Sachen zusammen und bemerkte, dass meine abnehmbaren Hosenbeine fehlten. Ich suchte im Badezimmer, in der Küche, im Rucksack, ging zurück ins Zimmer, nirgends auffindbar. Als ich dann nochmals den ganzen Rucksack ausgeräumt habe, tauchten sie endlich auf. Daraufhin brauchte ich erstmal ein Frühstück. Um 8:15 lief ich dann endlich los. Soviel zum frühen Start heute.

    Der Morgen lief sehr gut. Meine Blasen schmerzten nicht mehr, das Wetter war gut, die Stimmung war gut und die Vorfreude auf Santiago gross. Am frühen Nachmittag kam ich in Arzua an. Das ist der Ort, wo der Küstenweg mit dem Camino frances zusammentrifft. Eigentlich freute ich mich auf diesen Moment. Als ich an die besagte Kreuzung kam, sah ich gerade gleichzeitig einen Pilger vom französischen Weg herkommen und lächle ihn an. Keine Reaktion. Dann schaue ich die Strasse hinauf und hinab. Mich trifft fast der Schlag. Ein Pilger nach dem anderen. Die gesamte Strasse wimmelt davon. In jedem Café sitzen sie. Unglaublich. So ein Bild hätte ich niemals erwartet und hatte es auch nicht mehr so in Erinnerung von meinem letzten Camino. Eigentlich wollte ich im Städtchen eine Pause einlegen, aber diese Masse an Pilger löschte mir völlig ab. Nichts wie weg hier. 11 km hatte ich noch vor mir und die bin ich praktisch gerannt. Ich wollte nur noch weg von all den Menschen. Was ich nicht überlegt habe, wenn ich so schnell laufe, überhole ich alle und treffe somit auf noch mehr Menschen. Nach gerade mal knapp 2h habe ich die Strecke geschafft und finde ein Bett in einer Herberge in Salceda. Hier werde ich sehr herzlich empfangen und treffe wieder auf Fabio. Elena hat heute eine Abkürzung genommen und ist schon ein Stück weiter als ich. Ich werde sie wahrscheinlich morgen erst in Santiago wiedersehen. In der Herberge komme ich mit zwei Deutschen ins Gespräch. Die beiden bewundern uns, dass wir den Küstenweg komplett gemacht haben und fragen immer wieder, wie es war mit den Höhenmetern. Die waren im Nachhinein zwar streng, aber definitiv machbar mit einem gewissen Fitnesslevel. Aber auf jeden Fall ein gutes Gefühl, etwas geleistet zu haben.
    Jetzt wird nach einer Massagedusche (!!!) sogar noch meine Wäsche gewaschen und ich warte im Schlafsack, bis ich wieder etwas zum Anziehen kriege.

    Heute habe ich leider praktisch keine Fotos gemacht, ich war zu beschäftigt mit Laufen ;-)

    Für morgen bleiben noch 27 km bis Santiago, ich freu mich unglaublich auf die Pause dort!
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  • Day26

    Hochmut kommt vor dem Fall

    April 30 in Spain ⋅ ⛅ 13 °C

    Und heute kam der Fall...
    Meine Blasen sind alle offen, die Schmerzen waren unerträglich und es waren 32km unter brennender Sonne zu bewältigen.

    Mir war sehr wohl bewusst, was für ein unglaubliches Glück ich hatte, bisher so unversehrt den ganzen Camino bewältigt haben zu können. Um mich herum hatten alle ihre Wehwehchen: überlastete Knie, entzündete Füsse, geschwollene Füsse, mit Blasen übersääte Füsse, verspannter Rücken, verbrannte Haut und so weiter und so fort. Von alledem blieb ich verschont. Bis jetzt. Man könnte meinen nach 750 Kilometern hatten die Füsse genug Zeit, sich an die Schuhe zu gewöhnen. Dem war wohl nicht so. Zwei grosse Blasen zieren seit gestern meine linke Ferse. Aus welchem Grund auch immer hielt ich es gestern Abend für eine gute Idee in diese reinzupieksen, um sie austrocknen zu lassen. Schlechte Idee. Die Schmerzen heute morgen waren höllisch. Teilweise liessen einzelne Schritte meinen ganzen Körper zusammenzucken und trieben mir Tränen in die Augen. Heute mussten wir allerdings 32km schaffen, da es dazwischen keine Herberge mehr gab. Also lief ich trotzdem weiter, einen Schritt nach dem anderen. Ich war sogar kurz davor eine Schmerztablette zu nehmen, DIE Pilgerdroge schlechthin. Dann habe ich aber wieder gedacht, ich habe den ganzen Weg jetzt ohne Medikamente überlebt, dann schaffe ich jetzt auch noch die letzten 100km. Also lief ich weiter. Ich lief und lief und gelangte in eine Art Trance und war wie in einem Tunnel. Ich dachte sogar noch darüber nach, wie faszinierend der menschliche Körper doch ist, sich selbst in so einen Trance-Zustand versetzen zu können, wenn man solche Schmerzen hat. Irgendwann spürte ich gar nichts mehr. Und irgendwann fiel ich fast hin, weil ich meine Füsse nicht mehr richtig heben konnte. Das war der Moment, als ich bemerkte, dass dieser Zustand nicht von den Schmerzen herbeigeführt wurde, sondern von meinem mittlerweile viel zu tiefen Blutzucker. Sofort setzte ich mich einfach mitten auf den Weg und ass alles, was mir in die Hände gelangte. Dass ich den zu tiefen Blutzucker nicht bemerkte ging mir durch Mark und Bein und geht mir auch jetzt noch nicht aus dem Kopf. Zum Glück ging nochmals alles gut. Mit steigendem Blutzucker stiegen leider auch wieder die Schmerzen in den Füssen. Etwa nach der Hälfte der Strecke gewöhnte ich mich an den Schmerz und er wurde erträglicher. Wahrscheinlich ist das jetzt noch die letzte Härteprobe vor der Ankunft in Santiago. Vermutlich ist man kein richtiger Pilger, wenn man nicht wenigstens einmal einen richtigen Schmerz ausgehalten hat. Dann würde ich jetzt mal sagen Santiago kann kommen! Gerade mal 60km bleiben noch übrig. Unglaublich, da nur noch eine zweistellige Zahl stehen zu sehen. Dieses Gefühl ist einfach unbeschreiblich.

    Heute übernachten wir im Kloster in Sobrado des Monxes. Zusammen mit Elena, Fabio und Federico gab es ein Pilgeremenü im Dorf. Morgen wollen wir alle ziemlich früh starten, damit wir möglichst viele Kilometer schaffen, bevor die Sonne zu stark wird. Das sind wirklich deutliche Zeichen dafür, dass der Sommer ansteht!
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  • Day25

    The Final Countdown

    April 29 in Spain ⋅ ⛅ 20 °C

    So. Langsam gilts ernst. Wir sind heute in Baamonte angekommen, was ziemlich genau 100 km vor Santiago liegt. Diese letzten 100 km werden also in den nächsten drei Tagen noch zurückgelegt, wenn alles gut geht.
    Meine Füsse stellen mich momentan nochmal richtig auf die Probe. Den ganzen Weg lang hatte ich ihnen keine grosse Beachtung geschenkt, da alles in Ordnung schien. Vor zwei Tagen habe ich dann mal Vaseline gekauft, um sie ein bisschen zu pflegen und zu massieren. Heute folgen zwei schmerzhafte Blasen. Ist das der Dank dafür?

    Abgesehen davon lief es heute super! Am Morgen lief ich zu Beginn noch mit Elena zusammen. Wir haben auf der Strasse das erste Mal Santiago angeschrieben gesehen. Wir haben uns bereits ausgemalt, wie es wird in Santiago einzulaufen. Und wir haben schon unzählige Ideen geschmiedet, was wir alles tun werden, wenn wir angekommen sind. Wir freuen uns schon riesig!
    Gegen Mittag wurde es dann sehr heiss, ca. 25 Grad und man freute sich über jeden Schatten und jedes Lüftchen. Der Sommer ist im Anmarsch!

    Heute Abend in der Herberge trafen wir wieder auf jenste bekannte Gesichter. Sascha aus Deutschland, Daniel, Fabio und Nino aus Italien und die zwei jungen Spanier deren Namen ich gar noch nicht weiss. Da die Etappen bis Santiago nicht mehr gross zu variieren sind, werden wir dann sehr wahrscheinlich alle gemeinsam am 2. Mai in Santiago einlaufen. Ich freu mich schon riesig auf die Erholung dort! Und meine Füsse noch viel mehr!
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  • Day24

    Der Aufstieg

    April 28 in Spain ⋅ ☀️ 13 °C

    Nach einem 9 km Marsch heute Morgen und einem anschliessenden, ausgiebigen Frühstück wurden wir vor die Wahl gestellt: entweder wir gehen 12 km über einen Berg oder wir gehen 17 km lang der Strasse entlang um den Berg herum. Nach langem Hin und Her entschied ich mich schlussendlich doch für den Berg.
    Kurz vor dem Berg ging es noch einige Meter eben voran. Als der erste steile Anstieg in Sicht kam, setzte ich mich erst mal hin und kürzte meine Hosenbeine, da die Sonne heute ganz schön brannte. Danach blieb ich sitzen und wartete auf einen Motivatinsschub. Und wartete. Und wartete. Irgdendwann lief ich dann doch los. Beim Betrachten der Steigung wusste ich, dass ich sterben würde. Ich sagte mir, dass ich einfach viele Pausen machen würde und falls es nicht mehr geht, werde ich einfach ein bisschen Musik hören. Ich stieg also auf. Weiter und weiter. Und es lief gut. Sehr gut! Obwohl ich nach jeder Kurve dachte, jetzt kommt dann gleich die Krise, kam sie nicht. Irgendwann erreichte ich den Waldrand und bemerkte, dass ich ja bereits schon fast oben war. Wie konnte das denn so plötzlich sein?

    In diesem Augenblick überkam mich ein Moment unfassbarer Dankbarkeit. Ich bin so dankbar zwei funktionierende Füsse zu haben, zwei Beine, die mich den Berg hochzustemmen schaffen, ein Herz, das genügend pumpen mag und ein Kopf, der mich überhaupt erst auf solche Ideen bringt. Es ist ausserdem ein unglaublich tolles Gefühl, den eigenen Trainingsfortschritt mitverfolgen zu können. Bei Steigungen wie der heutigen wäre ich früher deutlich schneller ausser Atem gekommen, heute dagegen war das alles einfach irgendwie easy peasy! Der menschliche Körper ist einfach ein unglaubliches Phänomen, das wir alle mehr zu schätzen lernen sollten :)

    Nach knapp 30 km kamen wir dann in eine der schönsten Herbergern am ganzen Camino. Hier trafen wir wieder auf den Italiener Fabio sowie die beiden Deutschen Daniel und Sascha.
    Die Strecke heute war im Allgemeinen sehr schön, womit ich ehrlich gesagt gar nicht mehr gerechnet habe. Nach einem supee leckeren Pilgermenü heute Abend falle ich jetzt nur noch tot ins Bett. Gute Nacht!
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