• Lorca

    December 1, 2025 in Spain ⋅ ☀️ 15 °C

    So war das wirklich nicht geplant. Noch dazu Lorca – wir waren dort letztes Jahr schon einmal, haben aber deutlich bequemer übernachtet als jetzt in der Autowerkstatt. Nun kann ich meinen Erfahrungen hinzufügen, wie es ist, den ADAC Spanien zu kontaktieren; auch die LVM steht mir unterstützend zur Seite. Überraschenderweise kümmern sich beide Gesellschaften rührend um mich. Natürlich habe ich bei beiden eine Auslandsreiseversicherung – und Gott sei Dank ist das so. Die LVM zahlt 450 Euro fürs Abschleppen des Wohnmobils, der ADAC 300 Euro. Zusammen werden sie also die Kosten meines Abschleppdienstes tragen.

    Da ich zuerst die rechte Fahrspur der N332 blockiere, kommt die Guardia Civil und schiebt beherzt meine 4,8 Tonnen von der Straße. Jetzt blockiere ich zwar eine Parkplatzeinfahrt, aber das ist den Polizisten egal – und damit auch mir. Während ich auf den Abschleppdienst warte, werde ich „freundlich“ angehupt. Der Abschlepper hatte angekündigt, dass er etwa eine Stunde brauchen würde. Nach einer Stunde bekomme ich jedoch zunächst nur ein Dokument vom ADAC, das bestätigt, dass ich den Betrag, der über die 300 Euro hinausgeht, persönlich tragen werde. Das muss ich unterschreiben, bevor sie den Abschlepper überhaupt beauftragen.

    Danach braucht der Abschlepper – zum dritten Mal – die Maße meines Wohnmobils, um mit dem richtigen Fahrzeug zu kommen. Als er dann erscheint, ist er sehr kompetent. Trotzdem konnte ich von Anfang an sagen, dass das rückwärtige Aufladen des Wohnmobils wegen des hinteren Überhangs und der Schräglage des Abschleppers nicht funktionieren würde. Er versucht es dennoch, hat das Wohnmobil dann halb drauf, und wir stimmen überein, dass gedreht werden muss – aber an dieser Stelle ist das nicht möglich. Also fährt er mit halb aufgeladenem Wohnmobil eine Wendeschleife, dreht den Wagen und damit Bobby, lädt wieder ab und dann vorwärts wieder auf. Mir gehen die Muffen, aber er bleibt ruhig und arbeitet sauber. Es ist Millimeterarbeit.

    Ich lasse Watson und Ivo im Wohnmobil – das ist das Beste. Der Abschlepper fragt mich dann, wie ich es mit Bryan machen möchte, denn die Leiter zum Fahrerhaus ist hoch. Aber er kennt Bryan nicht: Der versteht sofort, dass er da hoch muss, und fängt an zu klettern. Er vertraut darauf, dass ich ihm helfe, wenn er stecken bleibt – was er tut. Am Ende steht er mit den Hinterpfoten auf meiner Schulter und klettert hinein. Keine Sekunde des Zögerns. Was für ein Hund.

    Dann fahren wir nach Lorca, mit meinem Wohnmobil millimetergenau auf dem Abschlepper – und der fährt nicht unbedingt langsam. Ich habe selten in meinem Leben so viel Angst gehabt. Er tippt am Handy, telefoniert, schreit ins Telefon und überholt alles, was vor uns ist. In Lorca wirkt die Autowerkstatt auf den ersten Blick extrem groß, aber nicht unbedingt vertrauenerweckend. Der Abschlepper versichert mir jedoch auf Spanisch, dass dies eine gute Werkstatt sei und alles in Ordnung gehe.

    Der ADAC ruft mehrere Male an und stellt schließlich eine spanischsprachige Dame dazu, die alles übersetzt. Sie arbeitet zwar im medizinischen Bereich, hilft aber gerne aus und dokumentiert alles entsprechend. Vier oder fünf Mechaniker sind nötig, um das Wohnmobil in die Halle zu schieben, und ich darf darin übernachten. Mir wird sogar gezeigt, wie ich die Werkstatt auf- und zuschließe. Kaum zu glauben.

    Ebenfalls kaum zu glauben ist, dass dort Leute bis 22:00 Uhr arbeiten. Vier oder fünf Mechaniker klopfen fleißig herum; am Ende bleibt einer übrig, der bis Mitternacht weitermacht. Ich recherchiere, wann sie morgens wieder öffnen. ChatGPT meinte 8:00 Uhr – tatsächlich wird dort schon um 7:00 Uhr aufgeschlossen, und das Hämmern beginnt erneut. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass ich schlecht oder zumindest deutlich zu wenig geschlafen habe.

    Ich warte immer noch auf meinen Kostenvoranschlag, mir wird aber wieder gesagt, er käme „jede Minute“. Vorher müsse das Wohnmobil aber auf die Grube geschoben werden – also rangieren ohne Motor und ohne Servolenkung. Ich werde gebeten, das Steuer zu übernehmen, merke jedoch nach wenigen Metern, dass es zu eng ist, selbst wenn die Servolenkung funktionieren würde. Also übergebe ich das Lenken dem Werkstattbesitzer. Ohne Servo 4,8 Tonnen zu bewegen, ist nicht die Aufgabe dieser Frau.

    Sie versuchen es ein zweites, drittes und viertes Mal. Sie geben nicht auf. Schließlich wird jemand ins gegenüberliegende Restaurant geschickt, wo bereits Frühstück serviert wird – und die halbe Gästeschaft kommt rüber, um zu helfen. Endlich steht Bobby auf der Grube.

    Es ist kalt in Lorca, und ich habe vor Aufregung nur meine Strickjacke und Bryan mitgenommen. Also frage ich, ob ich meine warme Jacke holen darf – und stelle sofort fest, wie angenehm warm das Wohnmobil ist. Das Wartezimmer in der offenen Halle ist genauso kalt wie der Rest. Ich frage, ob ich im Wohnmobil sitzen darf, während sie den Diesel ablassen und den Filter wechseln. Kein Problem.

    Zu meinem Erstaunen sitze ich also im Wagen, Bryan neben mir, Ivo ganz dicht bei mir, weil er das Ungewohnte nicht mag, und auch Watson ist erstaunlich ruhig. Auf einmal schweben wir in die Höhe – die Hebebühne fährt hoch, zwei Meter oder mehr. Lustig, denn ich wollte mit Bryan noch einmal Gassi gehen. Aber er war ja heute Morgen zumindestens schon kurz draußen.

    Gegen 13:00 Uhr wird das Auto wieder heruntergelassen. Immer noch kein Kostenvoranschlag – den habe ich inzwischen aufgegeben. Ich gehe mit Bryan Gassi. Als ich zurückkomme, höre ich das vertraute Tuckern von Bobbys Motor. Gott sei Dank!

    Es geht ans Bezahlen. Ich schulde 375 Euro für die Arbeiten sowie den Wechsel der Scheibenwischerblätter. Die ausgewechselte Blinker-Glühlampe brauche ich nicht zu bezahlen. Es sind 18 Liter Diesel im Tank – die kann man von den 375 Euro abziehen. Ich finde den Preis angemessen und bin erleichtert.

    Was für ein Abenteuer! Und ehrlich gesagt war es viel leichter und angenehmer, als es im Wohnmobilforum immer beschrieben wird. Ich weiß nicht, was für Chaoten dort schreiben, und warum sie so viel Panik verbreiten: angebliche Abschlepper, die den Dienst verweigern, angeblich kein Unternehmen, das über 3,5 Tonnen abschleppt, und ein ADAC, der angeblich nichts tun würde. Alles falsch.

    Natürlich geht der ADAC nur bis zur Vertragsgrenze, und das sind nun einmal 300 Euro im Ausland. Ende der Diskussion. Bei der LVM sind es 450 Euro. Ebenfalls Ende der Diskussion. Beide Versicherer haben sich aber sofort bereit erklärt, miteinander zu kooperieren: Ich reiche beim ADAC ein, bekomme dort das Maximum, und den Rest übernimmt die LVM. Die LVM erklärte mir sogar, dass man – wenn ich kein Hotel oder keinen Mietwagen benötige – im Notfall Mittel umschichten könne. Mir wurde ein Hotel angeboten, ein Mietwagen ebenfalls. Aber mit meinen Tieren wäre das die schlechtere Lösung gewesen.

    Offenbar fanden beide Versicherer auch, dass ich mich nicht unvernünftig angestellt habe – sie riefen mehrfach an, fragten, ob es mir gut gehe, ob ich etwas brauche. Selbst als ich schon Richtung Málaga unterwegs war, kam noch einmal ein Kontrollanruf.

    Ja, die spanische Werkstatt arbeitet anders als eine deutsche. Das ist zu erwarten. Aber am Ende waren sie kompetent und fanden für alles eine Lösung. Wie oft habe ich in Deutschland schon gehört: „Geht nicht“, „Machen wir nicht“, „Suchen Sie sich jemand anderen“. Davor hatte ich am meisten Angst – dass ich in Lorca feststecken und einen zweiten Abschlepper bräuchte. Aber so kam es nicht.

    Kartenzahlung war kein Problem. Ja, ich hätte diesen Stopp in Lorca nicht gebraucht – aber alles in allem ging es sehr gut über die Bühne.
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