• Colmar

    January 23 in France ⋅ ☁️ 1 °C

    Irgendwo in meinem Kopf weiß ich, dass es Januar ist und dass ich gerade durch das Burgund und Elsass fahre. Mein Kopf müsste also auch verstehen, wenn Bobbys Armaturenbrett mich mit einer Schneeflocke anblinkt und 1 °C anzeigt. Aber irgendwo kapiere ich es nicht. Was tue ich hier? Warum fahre ich bei diesen Temperaturen noch weiter nach Norden?

    Trotzdem fahre ich weitere zwei Stunden und komme schließlich in Colmar an, eine Stadt, die wir schon vor sechs Jahren besuchen wollten. Damals noch mit Wohnwagen, mit meinem wunderschönen Adria Alpina, dem ich bis heute nachtrauere.

    Als ich am Port de Plaisance aussteige, um mich mit der Ticketmaschine des Stellplatzes auseinanderzusetzen, fährt mir die Kälte direkt in die Knie. Wow, ist das kalt. Und keine der beiden Maschinen funktioniert. Ich rufe die angegebene Nummer an. Eine Ansage teilt mir mit, dass derzeit geschlossen sei.

    Ich fahre weg von der Schranke, suche mir ein ruhiges Eckchen und stelle mich direkt neben den Grauwasserablass, der glücklicherweise groß genug ist. Kurz darauf kommen zwei weitere Wohnmobile. Einer der Fahrer, ein französisch sprechender Schweizer, entdeckt eine zweite Telefonnummer an der Ausfahrtsäule. Er ruft dort an. Ihm wird zugesagt, dass in etwa 30 Minuten ein Techniker kommen würde. Aber auch für die Techniker sind diese Maschinen schwierig, sie können sie offenbar nicht reparieren.

    Erst fast zwei Stunden nach unserer Ankunft können wir schließlich auf den Platz fahren. Für diese Nacht wird nichts berechnet, doch wir müssen morgen erneut anrufen, um wieder vom Platz herunterzukommen.

    Ich bin müde. Mir ist kalt. Und meine Knie tun weh.

    Am nächsten Tag trödele ich ein wenig herum und räume das Wohnmobil um – sozusagen vom Sommer- auf den Winterbetrieb. Das heißt, ich sortiere Schränke und Garage neu: Die Wintersachen nach vorne, die Sommersachen nach hinten. Gleichzeitig bereite ich das Wohnmobil auf die Ankunft in Alsfeld vor, denn die hintere linke Garagentür kann ich auf meinem Parkplatz nur schlecht öffnen und noch schlechter ausräumen. Also kommen all die Dinge, die später hinausmüssen, vorübergehend ins Wohnmobil.

    Erst danach gehe ich in die Stadt Colmar, begleitet von einem wie immer fröhlichen Bryan. Er wird überall freundlich begrüßt, viele Menschen machen ihm Komplimente, was ihm natürlich runtergeht wie Butter. Aber egal, wohin ich mit ihm gehe: Er freut sich einfach, mit mir unterwegs zu sein, und sein Schwanz wedelt ununterbrochen mit seinem fröhlichen Temperament.

    Auf dem Stellplatz hier können die Katzen definitiv hinaus, und sie genießen das beide sichtlich. Tagsüber stehen auf dem riesigen Platz nur drei Wohnmobile, und die beiden streifen draußen umher. Auch am Abend lasse ich sie noch einmal hinaus. Sie haben es sich ehrlich verdient. Dabei sehe ich dann auch, wie Watson über ein 2 m hohen Zaun klettert, etwas, was ich nicht für möglich gehalten hätte.
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