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  • Day13

    Irgendwo im Nirgendwo...

    December 12, 2017 in Uruguay ⋅ ☀️ 21 °C

    ... die letzten Meter zu unserem neuen Zuhause in Uruguay waren nochmals eine ordentliche Odyssee.
    Es sah alles so einfach aus, doch es stellte sich als echte Herausforderung heraus. Während einer 14 Stündigen Fahrt und siebenmaligen Umsteigen, sind wir durch die tollsten Ortschaften an der Küste von Uruguay entlang gefahren. Überall coole alte, auch leicht verrostete Karren, bunte Häuser, Pferdekutschen zum Transport von Waren, die wie ein Pick Ups benutzt werden, singende Busfahrer und unzählige freilebenden Tiere. Unheimlich hilfsbereite und sympathische Leute überall. Sogar eine wildfremde Frau kam vorbei und küsste mich einfach so am Arm, während Simone auf dem Klo war. Weiß nicht was das sollte, aber es war irgendwie sympathisch.
    Alle fragten, ob sie uns mit den Weg helfen können, weil wir etwas verirrt aussehen und überall hatte man Geduld für einen. Die Landschaft ist traumhauft, erinnert sehr an den 17 miles drive in Kalifornien, wer mal da war. Strand, blaues Meer, Robben, Palmen, Wald und die Tiere haben einfach Platz für freies Leben.
    Das Wetter ist bislang super, immer blauer Himmel und Sonnenschein, doch durch den Wind lässt es sich gut ohne Klima aushalten.

    Die Fernbusse hier sind übrigens sehr geräumig und bequem, was die Reise nicht so schwer machte.
    Jeden falls sind wir in La Pedrera angekommen, wo Mariana uns abgeholt hat. Sofort wurden wir mit Küsschen begrüßt.
    Sowieso werden hier alle, egal ob fremd oder nicht, ob alt oder jung, mit einem einseitigen Küsschen begrüßt. Macht es gleich viel vertrauter und gemütlicher hier.

    Die Ortschaft von La Pedrera ist winzig, ein paar einsame Strandbars, auf einer leicht sandigen Straße, wenige Hostels und einige Hunde gibt es hier. Es ist wunderschön und liegt direkt am Meer.
    Mariana zeigte uns kurz noch das Örtchen und wir fuhren dann gemeinsam zu ihrem Haus, welches quasi am Ende vom Strand liegt.
    Das Haus hat sie übrigens komplett selbst aus Holz und Lehm gebaut. Es liegt an einem Feld und Waldstück, in der Nähe des Strandes und ist echt urig.
    Wir wurden direkt von zwei Hunden begrüßt. Semicha und Carosso. Eine Katze gibt es auch noch...Isolde. trickreicher Vierbeiner sag ich euch.
    Mariana führte uns ein paar Meter durch den Wald, zu unserer Caballa oder so ähnlich ^^
    Eine kleine Holzhütte, in der wir alles haben was man braucht. Und das Bad befindet sich direkt um die Ecke. Der Blick aus dem Fenster ist pure Natur.Alles ist aus Holz oder Pflanzen gemacht.
    Doch mit Tieren sollte man besser keine Probleme haben, denn sie sind ALLE hier......

    Jedenfalls hat Mariana uns noch was zum Essen gemacht und ihren Mann vorgestellt.
    Er ist übrigens aus Konstanz, was die Kommunikation etwas erleichterte.

    Nach einem Mate Tee und etwas Kennenlernen, erklärt er uns wie das hier alles so abläuft und was es zu beachten gibt.
    So klärte er uns über die Beschaffenheit seiner Tiere auf. Carosso zum Beispiel wurde von einem Fremden mit einer Machete auf der Schnauze und in den Nacken geschlagen. Es ist sieht fürchterlich grausam aus. Das arme Tier. Aber hier peppelt man ihn gut wieder auf. Die Menschen hier geben leider nicht alle so viel auf Tiere. Hunde zum Beispiel gibt es sehr viele hier und wenn einer nicht funktioniert, wird ihm eben mal manchmal auch ein kurzer Prozess gemacht.

    Semicha dagegen ist ihnen zugelaufen. Eine sehr liebesbedürftige kleine Hündin. Simone ist allzeit bereit zum Kraulen. Ihr Glück.... Und mein Pech. Seit dem die Tiere hier sind, spiele ich nur noch die zweite Geige. Mich gibt es schließlich immer....
    Roger sprach weiter über das Essen im Haus. Die Küche dürfen wir mitbenutzen, mittags kocht sie für alle, sonst gilt Selbstverpflegubg. Der Haushalt ist hauptsächlich vegan oder vegetarisch. Mariana war mal Köchin und wir alle profitieren davon. :D
    Niemals hätte ich gedacht, dass es so gut schmecken kann. Heute gab's Rote Beete Burger mit Salat und selbstgemachten Brot. Ja ja... rote Beete, ich dacht es auch nie. Aber sie hat es echt gut hinbekommen. Und an alle Fleischesser, mit geschlossenen Augen kann man es fast raus schmecken das nicht vorhandene Fleisch.

    Mariana hat zwei Söhne, welche hin und wieder da sind. Ansonsten gibt es noch Elli, unsere rastaköpfige Nachbarin. Ein Engel von Mensch. Sie wiederum hat auch zwei Kinder, welche gelegentlich da sind.
    Sonst gibt es nur noch Roger und uns.
    Wenn man von Grundstück zu Grundstück will, besonders Abends, dann klatscht man vorher und ruft kurz. Erst bei einer Zustimmung darf sich der jenige näher. Altmodische Klingel sozusagen. Sonst geht man eben wieder.
    Betreten ohne Befugnis spricht sich wie ein Lauffeuer um. Alle klatschen und schreien, und die Hunde bellen. Kommt aber nicht oft vor.
    Moderne Alarmanlage eben.

    Ansonsten ist alles ruhig, bis auf das Ein oder anderen Tierchen, welches die Meisten wohl lieber meiden.
    Wir lassen uns von den Kröten, den Mosquitos, Bremsen, Schlangen, stechenden Raupen, Spinnen oder Skorpione nicht abschrecken. Ehrlich gesagt lebt man hier in solch einem Frieden mit der Natur, dass sogar die Mosquitos einen in Ruhe lassen.
    Nachts jedoch hört man den ganzen Wald, von Pferd und Kuh, über alle Vogelarten, alle Sträuchertiere und alle Summer und einiges mehr, alle sind sie dabei.

    Auf dem Weg zum Strand gibt es manchmal Hunde die hunger haben und gerne mal in kleinen Rudeln jagen.
    Also empfiehlt er uns einen Stock mitzunehmen, denn die Meisten wurden mit Wechen geschlagen und haben deshalb besonders Angst und lassen somit leichter nach.
    Der Strand ist nur 10-15 min weit weg. In Uruguay verkauft man uns das allerdings als zwei Minuten. Aber alle Leben hier ohne Uhr, also haben sie auch kein empfinden mehr für Zeit.
    Das Meer ist echt schön, aber etwas ruff und wir haben den Strand quasi für uns ganz alleine. Nur Einzelne verirren sich hier her.

    Der Rest vom Haus beziehungsweise von unserem Grundstück ist fabelhaft. Überall grün und Tiere, Hängematte, sonnige und schattige Plätzchen, das Meer, ein schöner Garten, entspannte Leute, Idylle wo man hinschaut, und sein eigenes kleines Häuschen. Und zu allem Übel müssen wir das gute Quellwasser trinken. Kommt direkt aus der Leitung und schmeckt erste Sahne. Zwischen unserem Zimmer und dem freien Nachbar Zimmer ist das Bad mit zwei Spiegeln und zwei Waschbecken. Jeden falls ist unser Vogelfreund Lui immer wieder hier und springt zwischen den beiden Spiegel hin und her und kämpft dort gegen sich selbst. Die andere Theorie ist, er betrachtet sich einfach nur selbst, weil er narzisstisch ist. Aber wirklich niedlich, er müsste es nur nicht auch nachts machen ^.^
    Aber nachts machen die Tiere hier die Musik. Entweder man liebt es oder man stört sich daran. Ich denke wir tendieren zum Ersten.

    Roger und Mariana sind zwei sehr liebe, aber eigene Menschen. Wir kommen jedoch sehr gut mit ihnen aus und freuen uns Über ihrer Gastfreundschaft und ihr Vertrauen.
    Mariana versucht deutsch zu lernen, also können wir ihr hier und da helfen. So wie sie mit uns auch mal Spanisch spricht.

    Die beiden leben hauptsächlich als Selbstversorger, so wie die Meisten hier in Uruguay.
    Nur das Nötigste wird im nächsten Dorf gekauft, das Meiste stellt man hier selbst her.
    So sind die beiden auch Experten für Kräuter und Öle. Wir werden sicherlich das Ein oder Andere testen. Rizinos Öl oder so ähnlich , soll beispielsweise sehr gut für vielerlei Hinsicht sein. Lassen wir uns überraschen.
    Oder auch mal eine Mandelmilch wird hier zum beispiel selbst gemacht. Es geht hier wirklich anders vor sich her als wir es kennen.

    Generell wird hier viel Zeit fürs Essen investiert und vor allem zur Vorbereitung. Sie steht gerne mal 2 Stunden in der Küche für ein Mittagessen. Aber es lohnt sich auch wirklich. Der Haushalt dagegen ist nicht so wichtig. So kommt es auch vor, dass man neben einem Werkzeugkasten isst oder etwas Schmutz mit ins Haus trägt.
    Doch das fällt hier nicht ins Gewicht bzw. Wird nicht so eng gesehen.

    Die lange Fahrt am ersten Tag und der starke Kontrast hier.... unsere Körper sind angekommen, aber unsere Geister müssen noch folgen. Am zweiten und dritten Tag haben wir es schon mehr begriffen was es heißt soweit von allem weg zu sein und ein derartig anderes Leben kennenzulernen. Das Internet ist nur manchmal für kurze Zeit und schwach verfügbar. Also heißt es wirklich mal abschalten.
    Hilft hier, um Blödsinn aus dem Kopf zu bekommen.

    Hier wird morgens meditiert, mittags vegan oder zumindest vegetarisch gegessen, verschiedene Öle zu medizinischen Zwecken hergestellt und immer wieder viel Hand rund ums Haus angelegt.
    Die wenigstens Leute haben hier Berufe, wie die die wir üblicherweise in Deutschland ausführen. Außer in Montevideo, der Hauptstadt. Die Leute haben hier eher Land und Tier. Nur 3 Mio Einwohnern... Und so viel Land. Da sind die Menschen hier rund um die Uhr als Selbstversorger tätig. Scheint aber gut zu funktionieren. Man hilft einander gerne.
    Ja man könnte fast schon einen Schritt weiter gehen und sagen sie leben so autark, dass es schon an Anarchismus grenzt. Es wird weniger über Links und rechts in der Politik gesprochen, sondern über Kontrolle (oben) vs liberty(unten),
    Wirklich interessant mit anzusehen. vielleicht nimmt man ja ne Scheibe hiervon mit. Es scheint hier aber Allen gut zu gehen. Keiner jammert, alle haben was sie brauchen. So zumindest Roger zu uns.
    Land und Tier hier zu kaufen, ist für deutsche Verhältnisse nicht all zu teuer. Ca.3000 € der Häckter. Ich könnte, mir das für die Rente jedenfalls gut vorstellen. ^^
    Und wer ein Pferd will, kann sich das wohl auch leisten. Hier können also Träume wahr werden, für die die drauf stehen.

    Unsere Aufenthaltsberechtigung besteht darin, dass wir beim Rumwerkeln helfen. So haben wir beispielsweise an einer Stelle Bodenplatten entfernt, wo Neue reinkommen und aus Erde und Wasser Lehm hergestellt und mit Hilfe eines Gerätes, Flaschen, Tannenzapfen, Blättern und Stöckchen eine Lehmwand für eine kommende Küche hochgezogen. Zumindest die Hälfte. Der Rest folgt noch. Es ist nicht wirklich schwierig, man macht sich nur etwas dreckig und muss genug trinken. Ansonsten macht es sogar wirklich Spaß und es ist am nächsten Tag schön anzusehen, was man am Tag zu vor geleitstet hat. Etwas Gartenarbeit oder ähnliches könnte uns noch bevorstehen, aber wir machen's gerne.

    Unterm Strich haben wir etwas gebraucht, um mental hier anzukommen, doch wir sind uns sicher, wir werden hier bis Ende des Jahres aufhalten, denn es gefällt uns ganz gut hier.
    Es ist ein Leben hier, wie wir es bislang noch nicht kennen, aber von dem wir uns gerne was abschauen, denn es sieht wirklich idyllisch und zufriedenstellend aus.
    Bin gespannt was man uns noch alles beibringt und wie sich das auf unser Gemüt niederlässt. Könnte sehr der Erholung dienen.
    Danach könnte es nach Brasilien weiter gehen. Mal schauen.
    Um euch nicht noch mehr vollzuquatschen, machen wir mal Schluss für heute.

    Unter diesem freien und klaren Sternenhimmel sagen sich nicht nur Igel und Hase gute Nacht, sondern auch die Glühwürmchen und die Mosquitos.
    Buenas noche.
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    Janet Faraci

    wolltet ihr nicht genau soetwas mal kennen lernen? Großartig. Das komplette Gegenteil von berufstätigen Stadtleben. Ich beneide euch :)

    12/13/17Reply
    Janet Faraci

    Könnt ihr noch ein paar Fotos hinzufügen bitte. Die Tiere, der Strand, das Gelände, Roger und Mariana......

    12/13/17Reply
    Simone und Luca Free

    Bilder folgen .. dadurch dass das Internet hier nur begrenzt verfügbar ist und der Empfang auch sehr schlecht, ist es nicht so leicht die Bilder hoch zu laden.

    12/13/17Reply
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