Jonas und Judith

Joined October 2019Living in: Potsdam, Deutschland
  • Feb7

    Phnom Penh Tag 3

    February 7 in Cambodia ⋅ ☀️ 34 °C

    Nach dem heftigen zweiten Tag gingen wir den dritten und letzten Tag in Phnom Penh etwas ruhiger an. Es hätte zwar auch noch das ehemalige Gefängnis S21 gegeben, wo wir uns noch mehr über die Verbrechen der Khmer Rouge hätten informieren können, doch wir waren schon genug geschockt von den Killingfields gewesen.

    Und so schlenderten wir durch die Straßen in unserer Umgebung und gingen im Russian Market shoppen. Judith gelang es mit viel Verhandlungsgeschick eine große Bambusmatte für 6$ zu erstehen, die wir für unsere zukünftigen Ausflüge und Strandaufenthalte gut gebrauchen können. Wir kauften noch 7 Passionfruits für 2000 Riel (50 Cent 🙊) und gingen gut gelaunt nach Hause. (Falls ihr euch übrigens über die Preise wundert: alles über 1$ wird hier in US Dollar bezahlt, alles darunter in Riel, wobei 4000 Riel gleich 1$ sind sind. Riel ersetzen quasi die Dollar-Cents)
    Statt des großen Tourisprogramms hatte Jonas für uns eine gute und günstige Massage herausgesucht. Das besondere dabei: wir wurden von Menschen massiert, die nicht sehen können. Für 10,50$ ließen wir uns eineinhalb Stunden durchkneten.
    Wir wurden ohne Öl massiert, nur durch Druck, was sehr angenehm war. Die beiden hatten es ziemlich drauf und vor allem Jonas war super fasziniert von seinem Masseur, der ganz ohne Worte genau die Stellen gefunden hatte, an denen Jonas etwas Druck vertragen konnte. Kurzum ein wirklich schöner Abschluss in Phnom Penh.

    Drei Tage in der sich gerade extrem schnell wandelnden Stadt gehen vorbei. Vor allem für Jonas war es spannend, die Veränderung zu sehen, die Judith so ja gar nicht bewusst sein konnte. Hochhäuser gab es vor viereinhalb Jahren quasi noch nicht, heute kann man sie kaum noch zählen. Plötzlich gibt es Ampeln und einen einigermaßen geregelten Verkehr. Das Chaos hat eindeutig abgenommen. Auch fahren plötzlich überall neue Tuk Tuks herum. Die alten, selbstzusammengescharubten Motorroller mit Anhänger werden immer mehr von modernen Dreirädern vertrieben.

    Vielleicht kommen wir ja in viereinhalb Jahren wieder und wundern uns ein weiteres Mal wie krass sich die Stadt verändert hat. Jetzt geht es erstmal in den Dschungel für uns - ab in den Norden, nach Rattanakiri, an die laotisch-kambodschanische Grenze.
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  • Feb6

    Phnom Penh Tag 2 - Killingfields

    February 6 in Cambodia ⋅ ☀️ 34 °C

    Am zweiten Tag ging es an einen sehr bedrückenden Ort - die Killingfields. Zwischen 1975 und 1979 herrschten in Kambodscha die Khmer Rouge, eine Gruppe von fanatischen Kommunisten, die das Land in einen reinen Agrarstaat umwandeln wollten. Nur in der Armut und gleicher Arbeit auf dem Feld sei ein egalitäre Gesellschaft erschaffbar, so die Theorie. Feinde dieser Ideologie waren alle Menschen, die zur Intelligenz gehörten oder den Verdacht erregten, gebildet zu sein. Unter Verdacht geriet man bspw. bereits, wenn man eine andere Sprache sprechen konnte oder eine Brille trug. Massenhafte Vertreibung der Menschen aus den Städten auf die Felder und der Mord an 2-3 Millionen Menschen (ein Viertel der damaligen Bevölkerung) waren die Folge.
    Dem Morden fielen alle zum Opfer, ob durch zu wenig Nahrung bei der Feldarbeit oder weil jemand eine andere Person angeschwärzt hatte. Bereits für den Besitz von zwei Bananen konnte man erschlagen werden - es herrschte die Willkür und der Wahn.

    In diesem Kontext entstanden im ganzen Land die sogenannten Killingfields - Vernichtungslager für alle, die sich irgendwie verdächtig gemacht hatten oder unter Folter erfundene Geständnisse unterschrieben hatten. In ganz Kambodscha findet man noch Überreste dieser Orte. Dort wurden die Menschen mit allem hingerichtet was es gab. Da Kugeln zu teuer waren, wurden die Menschen mit Hacken und Hämmern erschlagen, erdrosselt oder ihnen wurde an einem Baum mit scharfen Kanten der Hals aufgeschlitzt. Am schlimmsten aber fanden wir, wie man die Kinder und Babys getötet hat, die Details ersparen wir euch.

    All diese und noch mehr Grausamkeiten wurden uns u.a. von Zeitzeugen (auf Deutsch übersetzt) im Audioguide erzählt. Unfassbare Gräultaten, die noch unwirklicher wirkten, da der Ort selbst auf den ersten Blick sehr friedlich ist. Viele grüne Bäume und freie Flächen säumen das Gelände. Vögel singen und man hört das Kreischen der Kinder von der Schule, die nebenan ist. Nichts erinnert an das Grauen - bis man die vielen großen Löcher im Boden sieht. Massengräber für mehr als 10.000 Menschen. Wir liefen über einen Steg an diesen Gräbern vorbei und waren einfach nur erschüttert. Und nicht nur sieht man die zerfurchte Landschaft, sondern man sieht immer wieder Kleidungs- und Knochenreste und Zähne im Boden. Durch die Erosion und den Regen kommen diese laufend an der Oberfläche zum Vorschein. Alle paar Wochen werden diese von den Mitarbeitenden eingesammelt und in eine Glasvitrine gelegt, die ebenfalls auf dem Gelände ausgestellt ist.
    An einem kleinen See hörten wir uns verschiedene Geschichten von Überlebenden und Tätern an, die uns tief berührten. Zum Schluss erreichten wir eine große Gedenkstupa. Ein viereckiges traditionelles Gebäude, in dem Schädel und Knochen von über 9.000 Personen aufbewahrt werden. Wir standen direkt vor den Glasscheiben, hinter denen sich diese vielen Gebeine erstreckten und konnten es nicht glauben. Wie können Menschen anderen Menschen so etwas antun?

    Das Ganze ist so beklemmend, weil es so greifbar ist. Man sieht die Gebeine der Toten, man sieht die Löcher in ihren Schädeln, dort wo sie vom Hammer erschlagen wurden und man findet immer noch Überreste im Boden. So als würde der Ort einfach nie zur Ruhe kommen. Noch lange werden die Hüter des Ortes Monat für Monat Knochen und Kleidunsreste auf dem Gelände einsammeln.
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  • Feb6

    Let's talk about Cambodia #4 Khmer Rouge

    February 6 in Cambodia ⋅ ☀️ 34 °C

    Teil 4 - Steinzeitkommunismus

    Die Militärdiktatur war gefallen, viele Menschen feierten im ganzen Land den Beginn einer neuen Zeit. Die Führung der siegreichen Kommunisten, die sich selbst Khmer Rouge nannten, versprachen eine egalitäre Gesellschaft. Wie das dann jedoch in Kambodscha ausgestaltet wurde beschreibt euch Jonas in seinem vierten Post über Kambodscha.

    1975 begann eine neue Zeitrechnung im nun sozialistischen Kambodscha. Die Revolution kam und sie fegte im Nu alles Alte hinweg. Staatliche Institutionen wurden neu strukturiert, Religion, Geld und Privatbesitz verboten. Doch was den Kommunismus in Kambodscha so von den anderen Formen des Sozialismus/Kommunismus unterscheidet, war die Brutalität und Menschenverachtung, die komplett neue Dimensionen erreichte.

    Eine egalitäre, gleiche Gesellschaft, so die Theorie, könne erreicht werden, wenn alle "gleich arm wären", wenn alle Bauern und Bäuerinnen wären.
    Dieser Grundgedanke führte dazu, dass alle Städte in Kambodscha leergefegt wurden. Nur drei Tage nach der Einnahme war Phnom Penh quasi leer. Jede*r hatte sich zu seinem Heimatdorf zu begeben, um dort auf dem Feld zu arbeiten. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurden jedoch auch Menschen wahrlos Dörfern zugeteilt und später wurden die familiären und dörflichen Bande durch Umverteilungen weiter zerstört. Um zu verstehen, was das bedeutet, muss man sich die Lebensform in Kambodscha vor Augen führen. Oft wohnen mehrere Generationen unter einem Dach, die Verbindung zur Familie und auf dem Land auch zur Dorfgemeinschaft sind sehr sehr eng. Von der Familie verstoßen oder getrennt zu sein, bedeutet hier jedes sozialen Rückhalts beraubt zu werden. Die Khmer Rouge sprengten mit voller Absicht diese Bande und ließen viele Menschen auf sich allein gestellt zurück. Durch die Umverteilungen gab es in den neu zusammengewürfelten Gruppen keinen solchen Zusammenhalt und Widerstandskraft gegen die Willkür und Grausamkeit des Regimes. Man arbeitete gemeinsam mit Fremden auf den Feldern im ganzen Land.

    Von jetzt auf Gleich sollte die Produktion auf den Reisfeldern verdreifacht werden und das durch Arbeitskräfte, die noch nie auf dem Feld gearbeitet hatten. 12 und mehr Stunden arbeitete der Großteil der Bevölkerung auf dem Feld. Doch nicht um die eigene Ernährung zu sicher. Die Khmer Rouge exportierten einen großen Teil der Ernte nach China, um Waffen und Luxusgüter für die Armee und die Führungsriege finanzieren zu können. Die Bevölkerung hungerte und bekam während der harten Feldarbeit oft nur eine leichte Reissuppe pro Tag zu essen. Viele Menschen starben bereits nach wenigen Wochen.

    Doch nicht nur das führte dazu, dass unter dem Khmer Rouge ein Viertel der Bevölkerung starb. Sie machten systematisch Jagd auf jegliche Art von Intelligenz. Der Untergrabung des Bauernkommunismus verdächtig waren alle, die Bildung genossen hatten. So wurden Lehrer*innen und Akademiker*innen verfolgt, jede*r der*die eine andere Sprache sprechen konnte und auch Menschen, die einfach eine Brille trugen. Zudem wurden Minderheiten deportiert. Vor allem die vietnamesische Minderheit fiel dem nationalistischen Wahn zum Opfer. Und auch Nonnen und Mönche wurden interniert und getötet. Eine unglaubliche Masse an Vernichtungslagern verteilten sich über das ganze Land. Wir besichtigten die Killing Fields in der Nähe von Phnom Penh, wo zu Hochzeiten 300 Menschen pro Tag umgebracht wurden. Umgebracht von einem Regime, was zunehmend paranoid wurde. Grundlage für die Deportation konnte das "Stehlen" von zwei Bananen oder die erfundenen Anschuldigungen anderer sein. Nur der leiseste Verdacht den fanatischen Staat unterwandern zu wollen und sei es nur, weil man Liebesbriefe schrieb oder Hunger hatte, wurde bestraft. Die Menschen wurden dann so lange gefoltert, bis sie alles unterschrieben, was man ihnen vorlegte. Meistens gestanden sie ein, für amerikanische Geheimdienste spioniert zu haben. Danach wurden sie direkt in die Vernichtungslager deportiert.
    Nicht nur wurden unschuldige Menschen ermordet, nein auch ihre Familien fielen immer öfter dem Morden zum Opfer. Kinder der Opfer könnten sich ja rächen und gegen den allmächtigen Staat rebellieren, so die paranoiden Gedanken des Regimes.

    In Kambodscha geschah etwas, was auch in Deutschland vor 80 Jahren geschah. Die massenhafte Vernichtung von Millionen von Menschen. In Kambodscha waren es zwischen 2 und 3 Mio., bei einer Bevölkerungszahl von 8 Mio. Einwohner*innen. Umgebracht wegen einer verblendeten Ideologie, einer Idee von Gleichheit durch Armut, einer Idee davon lieber die Unschuldige umzubringen, als die Schuldigen vielleicht leben zu lassen.

    Doch wer tat dies? Wer machte sich dieser Verbrechen schuldig? Die führenden Personen waren teilweise gut gebildete Männer, die in Frankreich studiert hatten. Der Genosse Nummer Eins Paul Pot hatte während seines Studiums der Radiotechnik in Frankreich die französischen Kommunisten kennengelernt und war begeistert von Mao. Eine Begeisterung, die er in einer eigenen kommunistischen "Utopie" verarbeitete. Er selbst war in Kambodscha Lehrer und rebellierte gemeinsam mit anderen Lehrern gegen die französische Besatzung. Kollegen, die er wenige Jahre später vernichten lassen würde.
    Vernichten durch einfache Menschen, durch meist schlecht gebildete junge Männer vom Land. Rekrutierungstrupps kam in die Dörfer, wählten ein paar junge Männer aus und zwangen sie der Armee beizutreten. Ihnen blieb oft keine andere Wahl als zu folgen, sie wären sonst selbst Opfer des Regimes geworden.
    Ohne diesen Menschen die Schuld an den von ihnen verübten Taten abnehmen zu wollen, war es doch innerhalb der Armee kaum möglich zu widersprechen ohne sein Leben zu riskieren. Gut möglich, dass es auch viele gab, die an die Staatsideologie glaubten und deswegen im Namen der "guten Sache" Menschen töteten, doch gab es auch viele, die keine Wahl hatten als auf Befehl massenhaft Menschen zu vernichten.
    Im Verlauf der Jahre wurde das Regime immer paranoider, immer mehr Menschen wurden umgebracht und immer mehr Teile der Armee schlossen sich dem Widerstand gegen die Khmer Rouge an. Viele von ihnen flohen nach Vietnam.

    Nachdem auch die Vernichtungswut gegen Vietnamesen immer weiter zunahm und das Regime Kambodschas, auf Grundlage der historischen Grenzen des Khmerreiches, ein Auge auf das Mekongdelta geworfen hatte, griff Vietnam ein. Im Dezember 1978 marschierte der sozialistische Nachbar in Kambodscha ein und beendete 1979 die Herrschaft der Khmer Rouge. Diese zogen sich in den Nordwesten Kambodschas zurück, von wo aus sie einen Untergrundkampf gegen die vietnamesischen Besatzer führten.
    Vietnam hielt Kambodscha bis 1991 besetzt, weswegen der sozialistische Staat Kambodscha von vielen Staaten der Welt nicht anerkannt wurde. U.a. die USA, UK, Frankreich und Deutschland sahen bis weit in die 90er Jahre die Khmer Rouge als offizielle Vertreter Kambodschas an. Noch bis 1993 vertraten die Khmer Rouge Kambodscha bei der UNO und erhielten sogar Gelder aus dem Westen. Unfassbar, wenn man nun im Nachhinein darauf schaut...

    Was bleibt nun von diesem Schrecken? Ein internationales Gericht unter der Leitung Japans sollte die Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufklären und die Hauptverantwortlichen verurteilen. Paul Pot starb bereits 1998 - wahrscheinlich in Gefangenschaft seiner eigenen Leute, die sich gegen ihn gewendet hatten. Wenige der Führungsriege wurden vor Gericht gestellt. Vom 2000 Personen umfassenden Führungskader wurden gerade mal drei verurteilt, zwei sind mittlerweile im Gefängnis verstorben. Insgesamt ein Armutzeugnis für einen internationalen Gerichtshof, der ein solch schreckliches Verbrechen aufklären soll.
    Dazu muss aber auch gesagt werden, dass die kambodschanische Regierung diesen nur unter Vorbehalt anerkannte und nicht eng mit ihm zusammenarbeitet. Hun Sen billigte nur die Verhandlung der oben genannten fünf Anklagen, keine weiteren Ermittlung oder Prozesse. Dies kann auch daran liegen, dass Teilen der jetzigen Regierung vorgeworfen wird, sie seien auch Teil der Führungsebene unter den Khmer Rouge gewesen. Der bekannteste Oppositionspolitiker (Ramsey) wurde wegen des Publikmachens dieses Vorwurfs gegen einige Minister angeklagt. Jahrelange politische Verfolgung waren die Folge. Das Hun Sen nicht will, dass diesem Vorwurf, unter der Leitung eines internationalen Gerichtshofes, weiter nachgegangen wird, scheint logisch.

    Die Aufarbeitung wird auch dadurch erschwert, dass das steinzeitkommunistische Kambodscha von der Außenwelt nahezu angeschnitten war. Einzig einige Diplomaten konnten offiziell einreisen. Es gab kaum Berichte über das Land und über die Gräultaten der Khmer Rouge. Es bleibt ein kollektives gesellschaftliches Trauma innerhalb der Bevölkerung. Denn viele Kambodschaner*innen haben die Zeit der Khmer Rouge noch miterlebt. In Gänze aufgearbeitet wird dies wohl nie. Eine gesellschaftliche Vergangenheitsbewältigung scheint unwahrscheinlich unter Hun Sen.
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  • Feb5

    Phnom Penh Tag 1 - der Königspalast

    February 5 in Cambodia ⋅ ☀️ 34 °C

    Jetzt hatten wir also ein paar Tage Zeit, um uns Phnom Penh's nochmal richtig anzuschauen.
    Man kann Phnom Penh lieben und hassen. Hassen für die überfüllten Straßen, die Luftverschmutzung oder den allgegenwärtigen Müll, hassen für überteuerten Eintritte, die hässlichen Hochhäuser und viel höhere Lebenserhaltungskosten als im Rest von Kambodscha. Doch man kann Phnom Penh auch lieben, für die kleinen Refugien, wie unsere Unterkunft eine war, für die unzähligen komplett verwirrenden Sträßchen und Gässchen und für den Trubel, der einen irgendwie auch mitreißt. Man kann Phnom Penh für all die vielen schönen Erinnerungen lieben (wie Jonas) oder für die vielen neuen Dinge, die es zu sehen gibt (wie Judith).
    All dies und viel mehr nehmen wir aus Phnom Penh mit. Wir erlebten drei Tage in der Hauptstadt Kambodschas, die sich irgendwie wie eine Woche anfühlten und die vor allem eins hatten, ein klein wenig Alltag.

    Nachdem wir ausgeschlafen hatten, schleppten wir uns durch die Vormittagshitze in ein kleines veganes Café gleich um die Ecke. Es war recht fancy und hatte touristische Preise, aber eine angenehme Atmosphäre und eine schöne Mischung aus kambodschanischen und westlichen Gerichten.
    Danach liefen wir zum Russian Market, einem großer Markt, der gleichzeitig Ort zum Einkaufen für die Einheimischen ist und viel Krimskrams für Tourist*innen bereithält. Wir streiften etwas durch die Gänge und kauften eine riesige Avocado 🥑.
    Von da ging es dann zu Fuß durch die Straßen Phnom Penh's. Das ist eigentlich ziemlich dumm, die Einheimischen würden uns wohl für komplett verrückt erklären. Es gibt kaum Fußwege und wenn, dann sind sie mit allem möglichen zugestellt. So muss man quasi dauerhaft auf der vielbefahrenen Straße laufen. Außerdem war es nun noch heißer als am Vormittag - unser Wasserverbrauch hat sich enorm gesteigert und wir waren echt fertig nach einer halben Stunde Fußweg. Auf dem Weg ging es an Jonas alter Musikschule und Wohnung vorbei, er zeigte Judith seinen alten Kiez und den Ort, wo er am liebsten Mittags gegessen hatten. Judith diese Orte zeigen zu können, war schon was besonderes für ihn.

    Unser Ziel für den Tag war der Königspalast, den wir dann am Nachmittag besichtigten. Teile des riesigen Areals können von Besucher*innen angeschaut werden und vor allem Judith war ganz begeistert von den vielen kleinen Details an den Bauwerken. Besonders beeindruckend waren kleine Gebäude, die Jonas zufolge die Gräber der Königsfamilie sind.
    Ziemlich fertig ging es dann früh zum Essen, denn wir hatten für den Abend noch etwas vor. Wir gingen ins Kino Flicks, in dem Jonas früher auch schon öfters war. Es ist eine kleines süßes Kino, in dem man 4$ bezahlt und den ganzen Tag Filme schauen kann. Das Kino hat nur knapp 30 Plätze, von denen die Hälfte Liegen sind, sodass man in entspannter Chillposition ein paar Filme schauen kann. Da am Montag die Oscars verliehen werden, waren Oscarwochen und wir kamen in den Genuss "Richard Jewell" zu schauen, welcher für einen Oscar nominiert ist. Passend dazu lief davor der mehrfach ausgezeichnete Film "Just Mercy". Beide Filme fanden wir toll und berührend - können wir uneingeschränkt empfehlen. Für uns beide war der Abend wirklich etwas besonderes, da wir mal wieder etwas "Normales" gemacht haben und uns irgendwie auf eine andere Weise mit der Stadt verbunden gefühlt haben.
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  • Feb4

    Tropisches Inselparadies

    February 4 in Cambodia ⋅ ☀️ 28 °C

    So, da sind wir wieder! Entschuldigt bitte die längere Pause hier. Unsere Abende in Phnom Penh waren immer so voll, dass wir nicht dazu gekommen sind, weiter zu berichten.

    Am 29.01. sind wir von HCMC in den Bus nach Phnom Penh gestiegen. Der Grenzübergang und das Visa on Arrival haben problemlos funktioniert und wir mussten noch nicht mal selbst etwas tun, weil die Busbegleiterin alle Pässe eingesammelt hat und alles geregelt hat (zugegebenermaßen hatten wir erst etwas Angst, dass das ein scam ist und wir dann viel mehr bezahlen, dem war aber zum Glück nicht so).
    Dann haben wir das erste Mal auf der Reise im Dorm geschlafen, weil die Preise für Doppelzimmer in Phnom Penh uns zu teuer waren und wir sowieso nur auf der Durchreise. Für die eine Nacht war es in Ordnung, aber ansonsten haben wir festgestellt, dass es uns eher stresst, wenn wir nach einen vollen, anstrengenden Tag keinen ruhigen Rückzugsort haben und keinen Platz, um unsere Rucksäcke richtig auszupacken. Zudem hatten wir einen sehr freundlichen "Mitbewohner" der uns, statt eines Hallos, zur Begrüßung gleich mal fragte, ob wir in China gewesen seien und das Corona Virus hätten. Nachdem wir mehrmal versichert hatten, dass wir schon lange aus China raus seien und es uns seither blendet ging und wir auch nicht in der Nähe von Wuhan waren, kriegte es sich wieder ein. Dafür ging er dann dazu über, uns wilde Verschwörungstheorien über das Virus zu erzählen. Das ist nämlich in Wirklichkeit - Leute, halte euch fest - eine chemische Waffe der USA, da war er sich ganz sicher.
    Wir sind noch ein bisschen durch Phnom Penh gelaufen und Jonas war völlig geschockt, was sich in den letzten Jahren alles verändert hat, seit er hier 2015 vier Monate gelebt hat (Ampeln! Hochhäuser! andere Tuktuks!). Dann waren wir noch sehr lecker und recht teuer indisch essen. Wir sind bisher ein bisschen verwundert, weil wir davon ausgegangen waren, dass Kambodscha nochmal günstiger sein würde als Vietnam.
    Am nächsten Tag ging es früh wieder los mit dem Bus nach Sihanoukville um von dort die Fähre nach Koh Rong Samloem zu nehmen. Der Minibus war voll mit anderen Westler*innen und wir sind dem in Südostasien sehr beliebten Tuktuk- bzw Taxiscam erlegen, bei dem der Busfahrer einen nicht an der Busstation, sondern ein ganzes Stück außerhalb rausschmeißt, wo dann eine Horde Tuktukfahrer wartet, die einen zu völlig überteuerten Preisen zum eigentlichen Ziel fahren. Leider hatten wir keine Wahl, da die Strecke zu weit zum Laufen gewesen wäre, Grab funktionierte in der kleinen Stadt nicht und wir waren noch nicht dahinter gekommen, dass es in Kambodscha noch eine andere Taxiapp, Pass, gibt. Nach endloser Diskussion ließ der Fahrer sich von 6 auf 4 Dollar pro Person runterhandeln. Wir haben später in der Pass App nachgesehen, die Strecke hätte eigentlich 2 Dollar gekostet und zwar wie üblich pauschal und nicht pro Person. Da auch noch zwei andere Frauen mit uns gefahren sind, hat er also für die Fahrt 16, statt 2 Dollar bekommen. Wir finden es immer schwer, bei sowas noch Verständnis aufzubringen dafür, dass die Menschen das Geld sicher nötiger haben, als es uns fehlen wird. In diesem Fall war es einfach völlig unverhältnismäßig, dreist und ein abgemachter Betrug - die eigentliche Busstation wäre fast direkt an der Anlegestelle der Fähre gewesen, wir hätten also gar kein Tuktuk gebraucht.
    Sihanoukville selbst ist eine komplette Baustelle. Es ist keine Übertreibung: jede Straße, durch die man fährt, ist aufgerissen, es gibt nur provisorische Möglichkeiten, von der Straße über die riesigen Löcher in die Häuser an den Seiten zu kommen. Und auch fast jedes Haus ist eine Baustelle. Jonas erklärt in seiner Reihe mit Hintergrundwissen zu Kambodscha (Teil 1), wieso das so ist.
    An der Fähre mussten wir noch einige Stunden Zeit totschlagen, da wir diese schon vorher gebucht hatten. Vermutlich hätten wir das auch bei Ankunft machen können, dann hätten wir einfach die nächste Fähre nehmen können.
    Am späten Nachmittag ging es dann endlich los. Die Fähre war etwas eine Stunde unterwegs, fuhr erst noch eine andere Station an und dann kamen wir am M'Pai Beach an. Direkt am Pier gibt es einige Bars, in denen sich zahlreiche Backpacker tummeln. Die Stimmung ist aber sehr gemütlich. Die Musik ist nicht zu laut und die Tische und Stühle stehen direkt am Strand im Sand. Überall hängen Lampions und Lichterketten. Die Insel hat sich erst vor wenigen Jahren dem Tourismus geöffnet und gilt als etwas entspannter und authentischer als die große Nachbarinsel Koh Rong, zu der die meisten Urlaubenden fahren und die als Partyinsel verschrien ist. Trotzdem war Jonas etwas überrascht, wie sehr sich Koh Rong Samloem, seit er das letzte Mal vor 5 Jahren hier war, auf den Tourismus eingestellt hat. Das kleine Dorf am M'Pai Beach hat sich sehr vergrößert, zahlreiche Westler*innen haben sich niedergelassen um eigene Cafés und Guesthouses zu eröffnen und auch die Einheimischen haben Shops und Restaurants eröffnet und leben wohl mittlerweile größtenteils vom Tourismus. Noch vor einigen Jahren gab es keinen Strom auf der Insel, es gibt keinen ATM, Wlan gibt es auch heute noch nicht in allen Unterkünften, auch kein Warmwasser (was niemanden stört, da es das ganze Jahr über heiß ist und das Wasser dadurch auch nie ganz kalt).
    Unser Guesthouse lag zwei Minuten vom Strand entfernt auf einem kleinen Hügel am Ende des Dorfs. Von der angeschlossenen Bar hat man einen schönen Blick aufs Meer.
    Die nächsten Tage waren wir damit beschäftigt, uns durch die Frühstückskarte eines veganen Cafés am Strand zu essen (es war unfassbar lecker und immer so viel, dass wir danach kein Mittag mehr brauchten) und die Strände in der Nähe zu erkunden. Obwohl der kleine Ort recht voll mit Backpackern war, waren die Strände so langgestreckt, dass wir oft einen ganzen Strandabschnitt für uns hatten. Vor allem am Clearwater Beach, zu dem wir eine Dreiviertelstunde einen kleinen unebenen Pfad durch den Dschungel laufen mussten, waren meist nur eine Handvoll anderer Menschen. Und die Strände auf der Insel sind absolute Traumstrände. Das Wasser ist kristallklar, türkis und sooooo warm. In den Buchten muss man ewig weit rauslaufen, bis das Wasser tief wird. Und der Strand besteht aus feinem weißen Sand und Palmen. Obwohl man denkt, dass es sowas nur in Reisekatalogen oder auf Instagramfotos gibt, haben sich tatsächlich Menschen die Mühe gemacht, Holzschaukeln an den Strand oder in das Wasser zu stellen, auf denen man das perfekte Urlaubsfoto schießen kann 😅.
    An einem Tag haben wir dann noch das Taxiboot zur Saracen Bay genommen, dem anderen großen Pier auf der Insel. Obwohl die Insel winzig ist, gibt es keinen Weg durch den dichten Urwald im Innenen der Insel und man muss daher mit dem Boot außen rum fahren. Vom Saracen Bay sind wir dann einmal auf die andere Seite zum Lazy Beach gelaufen. In dem fancy Resort direkt am Strand war Jonas damals mit seinem Onkel gewesen, bei dem er in Phnom Penh auch gewohnt hatte. Wir verbrachten den Tag dort an dem ebenfalls wunderschönen Strand.
    Eigentlich hatten wir nach den vier Tagen noch nicht genug Meerluft und Strandleben getankt. Kurz haben wir überlegt, ob wir in einem der Cafés und Guesthouses als Freiwillige gegen Kost und Logis arbeiten, das machen nämliche viele hier. Aber dann hätten wir so einige Reiseziele streichen müssen, um einige Wochen zu bleiben. Und um einfach so noch länger zu bleiben, fehlte uns das Geld, das Inselleben ist nämlich für kambodschanische Verhältnisse recht teuer und unser Bargeld war alle (wie gesagt, kein ATM auf der Insel).
    Am 04.02. waren wir also noch ein letztes Mal am Strand frühstücken, was den praktischen Nebeneffekt hatte, dass wir die Anlegestelle die ganze Zeit im Blick hatten. Um 12.30 kam dann unsere Fähre. Diesmal war es ein etwas kleineres Boot für ca. 20-30 Personen und es machte dem Namen "Speedferry" alle Ehre. Der Fahrer gab ordentlich Gas, wodurch das Boot nur so über die Wellen flog. Wir und die anderen Fahrgäste hatten tierischen Spaß daran, wenn das Boot zwischen den Wellen für einen kurzen Augenblick komplett vom Wasser abhob.
    Dann ging es zurück nach Phnom Penh, wo wir gegen Abend ankamen. Diesmal hatte wir ein Airbnb gebucht und staunten nicht schlecht, als wir von einer sehr durchschnittlichen kambodschanischen Straße (Durchschnitt = recht schlechter Zustand des Asphalts, Müll am Straßenrand und eigenartiger Geruch) durch ein Tor liefen und plötzlich in einem wunderschönen Innenhof standen. Der Boden war gefliest, zwischen den Häuserwänden hingen Laternen und Lampions und überall standen Pflanzen in Blumenkübeln. Eine Metalltreppe führte auf einen Balkon, von dem aus wir in unser Zimmer gelangten. Es war klein, aber sauber und modern. Wir finden es erstaunlich, wieviel besser man es es in einer großen, lauten, dreckigen und chaotisch Stadt aushält, wenn man abends eine kleine Oase als Rückzugsort hat.
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  • Feb3

    Let's talk about Cambodia #3 - 1863-1975

    February 3 in Cambodia ⋅ ☀️ 32 °C

    Teil 3 - Das lange 20. Jahrhundert - von der Kolonie in die Unabhängigkeit

    Im dritten Teil von Jonas Bericht geht es um die Kolonialzeit und die Unabhängigkeit Kambodschas im 20. Jh.

    Das 20. Jh. war in Kambodscha ähnlich ereignisreich, wie das in Europa. Das Land hat in den letzten hundert Jahren insgesamt 8 verschiedene politische Systeme durchschritten. Von der französischen Kolonialherrschaft bis zur Demokratie, von der Monarchie zur Militärdiktatur, von der japanischen Besatzung zum Sozialismus unter vietnamesischer Vorherrschaft, vom vernichtenden Steinzeitkommunismus zur Autokratie. Die Geschichte des Landes ist genauso eine Geschichte der politischen Systeme und Umwälzungen, wie es die deutsche Geschichte ist. Es ist eine Geschichte der Befreiung, der Revolutionen, des unsinnigen Tötens und dem Streiten um Macht und Einfluss. Noch bis vor 25 Jahren wurde in diesem Land erbittert um die Macht gekämpft.

    Wir beginnen die Geschichte der verschiedenen Systeme in Indochina, dem südostasiatischen Kolonialreich Frankreichs. In diesem vereinten sich Vietnam, Laos und Kambodscha. Wie im letzten Artikel beschrieben, hatte sich Kambodscha 1863 freiwillig unter französischen Protektorat gestellt und so mehr Autonomierechte behalten als bspw. Vietnam. Das endete jedoch 1884, als Kambodscha in Indochina eingegliedert wurde und so auch praktisch Teil des französischen Kolonialreiches wurde.
    Spätestens zu diesem Zeitpunkt begann die Ausbeutung des Landes. Khmer war die Möglichkkeit in hohe Ämter zu kommen versperrt. Diese wurden entweder von Franzosen oder Vietnamesen bekleidet, was den Khmer zusätzlich aufstieß, hatten sie sich doch vor der vietnamesischen Vorherrschaft bewahren wollen. Auch das Königshaus wurde nach dem I.WK. immer weiter entmachtet. Der Widerstand gegen die Fremdherrschaft der Franzosen wuchs stetig. Genauso, wie es in vielen anderen Kolonien der Fall war.

    Während des II. WK wurden die südostasiatischen Kolonien vom französischen Vichy-Regime (kollaborierte mit dem 3.Reich), dem mit Nazi-Deutschland verbündeten, Japan quasi übergeben. Japan erhielt das Recht Truppen zu stationieren und übernahm so die Macht in Kambodscha. Im Frühjahr 1945 wurden, unter japanischer Besatzung, alle Verträge mit Frankreich aufgelöst. Auf Grundlage dessen erklärte König Sihanouk die Unabhängigkeit Kambodschas. Was jedoch nach Kriegsende zurückgenommen werden musste - Frankreich bestand auf sein altes Kolonialreich.
    1949 gliederte Frankreich das Mekongdelta in das südvietnamesische Kolonialreich ein und schuf so Sprengstoff, der noch heute die Beziehungen zwischen Kambodscha und Vietnam belastet. Genauso wie in Laos und Vietnam entbrannte auf die Wiederherstellung des Kolonialreichs der Indochinakrieg in Kambodscha. Dieser führte 1953 zur Unabhängigkeit Kambodschas in den heutigen Grenzen. Diese wurde endgültig bei der Genfer-Friedenskonferenz 1954 bestätigt.

    Die wiedergeborene Monarchie führte Kambodscha in einen neuen Frühling. König Sihanouk investierte nach der Unabhängigkeit viel in den Bildungssektor. So eröffneten in Kambodscha die ersten Universitäten Südostasiens nach dem 2. Weltkrieg. Kinder der gesamten asiatischen Oberschicht wurden zum Austausch nach Kambodscha geschickt. In dieser Zeit war Kambodscha mit Abstand das reichste Land Südostasiens und wurde häufig auch die Schweiz Südostasiens genannt. Übrigens nicht nur wegen des Reichtums, sondern auch wegen der neutralen Haltung gegenüber der Konflikte im Nachbarland Vietnam. Verschiedene soziale und wirtschaftliche Reformen wurden durchgeführt, die Kambodscha langsam von einer agrarischen zu einer industriellen Gesellschaft verändern sollte. König Sihanouk legte dabei vor allem auf die wirtschaftliche Unabhängigkeit und Bewährung der Traditionen wert. Kambodscha war auf dem Weg ein Erfolgsbeispiel ehemaliger Kolonien zu werden.

    In der Blüte seiner Entwicklung erreichte der Vietnamkrieg den Höhepunkt. Ein Krieg, in dem sich das Königreich neutral verhielt. Neutral, aber im Sinne dessen, dass es sowohl süd- als auch nordvietnamesische Aktivitäten im Osten Kambodschas tolerierte. In der Provinz Rattanakiri findet man bspw. noch heute Überreste des berühmten Ho Chi Minh Pfades, über den die Guerillakämpfer versorgt wurden und über den sie sich zurückziehen konnten.
    Auf Grund dieser Unterstützung wurden Teile Ostkambodschas auch Opfer der amerikanischen Bombardements gegen den Vietcong. Noch heute finden sich extrem viele Blindgänger in der Grenzregion, weshalb viele Gebiete nicht ohne eine*n Führer*in betreten werden sollten. Gleiches ereilte übrigens auch Laos. In Laos und Kambodscha fielen während des Vietnamkriegs mehr Bomben als im gesamten zweiten Weltkrieg auf Japan abgeworfen wurden.

    Als das Bombardement Kambodschas die, aus Sicht der USA, allzu freundliche Haltung König Sihanouks mit den Vietcong nicht grundlegend änderte, putschte sich ein Teil der Armee an die Macht. Mit amerikanischer Hilfe wurde von 1970 bis 1975 eine Militärdiktatur errichtet. Der Wiederstand aus dem monarchistischen und den kommunistischen Lager wuchs stetig. Große Teile der Bevölkerung hungerten und litten unter der harten Hand des Militärregimes. Und so entschied sich König Sihanouk zu einem gewagten Schritt. Er verbündete sich mit seinem Erzfeinden, den Kommunisten, um das verhasste Militärregime zu stürzen. Chaotische Zeiten folgten, bürgerkriegsähliche Zustände und Unsicherheit prägten den Beginn der 70er Jahre. Der Vietcong drang weit in die Kambodschanischen Nordgebiete ein und der Vietnamkrieg wurde weiterhin auch auf kambodschanischen Boden ausgetragen. Dies endete erst, als sich die Amerikaner aus Südostasien zurückzogen und es den Khmer Rouge/ den Kommunisten gelang, 1975 Phnom Penh einzunehmen.

    Die siegreichen Kommunisten luden die Bevölkerung zur Siegesfeier nach Phnom Penh. Dies sollte der Anfang der schrecklichsten Jahre in der kambodschanischen Geschichte sein. Einige Historiker*innen gehen davon aus, dass erst die Angriffe der Amerikaner auf Kambodscha und die Militärdiktatur die Schreckensherrschaft der Kommunisten in Kambodscha möglich machte.
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  • Feb2

    Let's talk about Cambodia #2 - Angkor

    February 2 in Cambodia ⋅ ☀️ 27 °C

    Teil 2 - Die Anfänge das Reich der Khmer

    Spricht man Menschen an, was man in Kambodscha gesehen haben sollte sagen euch wahrscheinlich 100 von 100 Personen: Angkor Wat. Und ja, es ist ein beeindruckender Tempel. Doch viel beeindruckender ist die Geschichte dieses Ortes, denn um den Tempel Angkor Wat befand sich noch vor einigen Jahrhunderten die Hauptstadt der Khmer-Reiches Angkor. Um die Anfänge Kambodschas und die Entwicklung des Reiches bis zur Neuzeit soll es in Jonas zweitem Bericht über Kambodscha gehen.

    Angkor, die alte Hauptstadt Kambodschas und heutiger Touristenmagnet - das ist nicht nur der Haupttempel Angkor Wat, sondern hunderte Paläste in einem Bereich von mehr als 100 qkm Ausdehnung. Noch 50 km vom Haupttempel entfernt findet man beeindruckende Überreste der Hochkultur. In den Hochzeiten des Khmer-Reichs, im 12. Jahrhundert, war Angkor wahrscheinlich die größte Stadt der Welt. Während Berlin noch nichtmal gegründet war und sich in der größten europäischen Stadt Córdoba (Andalusien) nur 100.000 Menschen tummelten, lebten in Angkor schon mehr als eine Millionen Menschen. Eine unglaubliche Stadt, die noch immer eine Faszination auf knapp 5 Mio. Besucher*innen jährlich ausübt.

    Die ersten Spuren gesellschaftlichen, menschlichen Zusammenlebens in Kambodscha gehen je nach Quellen auf das 2. Jahrhundert n.Chr. oder sogar auf das 3.Jh. v. Chr. zurück. Seitdem entwickelte sich ein großes Reich der Volksgruppe der Khmer, welches ab dem 9. Jahrhundert eine Blütezeit erlebte. Während dieser Zeit wechselte der Sitz der Hauptstadt immer etwas, so findet man im Umkreis Angkors Überreste mehrere älterer Hauptstädte. Grund für den Wechsel war die jeweils günstigere (Tal-)Lage. Die erste Hauptstadt entstand nah des hinduistischen Heiligtums Preah Vihear an der heutigen Grenze zu Thailand. In den Bergen Nordkambodschas war der Reisanbau jedoch deutlich schwieriger, weswegen neue Siedlungsgebiete in besserer Lage erschlossen wurden. Die Konzentration auf den möglichst ertragreichen Anbau von Gemüse, speziell Reis, verhalf dem Reich der Khmer zur vollen Blüte. Durch raffinierte Bewässerungssysteme war es möglich viermal jährlich eine Reisernte einzufahren. Dies wurde durch riesige Wasserbecken ermöglicht, die das Wasser aus der Regenzeit speicherten. In der Trockenzeit konnte dies dann für den wasserintensiven Reisanbau verwendet werden. Dieses für die damalie Zeit extrem fortschrittliche Bewässerungssystem und die militärische Stärke führten zur Blüte des Reiches.

    Im 12. Jh. gehörten große Teile Südostasiens zu Kambodscha und die Khmer prägten die Region nachhaltig. Beispielsweise fanden wir auch in Tuy Hoa Spuren der Khmer. Die Architektur der Khmer findet sich noch heute sowohl traditionellen, als auch in neuen Bauten in Kambodscha. Unglaubliche Details und Ornamente lassen sich an vielen Tempeln und heiligen Städten finden.
    In dieser Zeit wurde zudem der Grundstein dafür gelegt, dass der Buddhismus noch heute so präsent in der Region ist. Der bis dahin vorherrschende Hinduismus verschmolz mit dem Buddhismus und führte zu einer ganz eigenen Form der Glaubensausübung. In Kambodscha verbanden sich zu dieser Zeit Hinduismus, Buddhismus, Animismus (Geisterglaube) und die Verehrung von Einzelpersonen, wie dem König. Noch heute sind über 97 Prozent der Kabodschaner*innen Buddhist*innen, glauben gleichzeitig aber auch an verschiedene Firmen von Geistern, haben spezielle Ahnenriten und man findet auch viele Gestalten aus den hinduistischen Sagen.

    Bereits nach wenigen Jahrhunderten bröckelte jedoch die Macht der Khmer. Aus dem Westen eroberte Thailand große Teile des Reiches. Deswegen musste die Hauptstadt im 14. Jh. von Angkor nach Udong (in der Nähe von Phnom Penh) und dann nach Phnom Penh verlegt werden. Bis in die Neuzeit kam es zu Angriffen vietnamesischer und thailändischer Königreiche. Kambodscha schrumpfte mehr und mehr und stellten sich deswegen im 19. Jh (1863) freiwillig unter französisches Protektorat. Besser fremdbeherrscht, als gar kein Königreich mehr. Das Königshaus blieb bestehen und im Vergleich zu Vietnam war Kambodscha in einer deutlich privilegierteren Position im späteren Kolonialreich Indochina.

    Vom Großreich der Khmer ist die riesige Tempelanlage von Angkor erhalten geblieben. Das Wahrzeichen Kambodschas wird seit einigen Jahrzehnten touristisch genutzt. Noch in den 80er Jahren wurden jedoch illegale Backpacker-Technopartys im Haupttempel Angkor Wat gefeiert. Dabei wurden häufig Teile des Weltkulturerbes abgeschlagen und als Souvenir mitgenommen. Auch heute ist die Beschädigung durch kulturunsensible Tourist*innen ein enormes Problem. Diebstahl und die Belastung der Bauten durch die Massen an Besucher*innen sind nur einige der Probleme des Erbes des Khmerreiches.

    Auch die Zeit der Kriege mit Vietnam und Thailand haben noch deutliche Auswirkungen auf heute. Gebietsansprüche Kambodschas auf Teile der beiden Staaten und angespannte Verhältnisse zu den beiden Nachbarn sind Folgen dessen. So ist die Meinung, das gesamte Mekongdelta gehöre zu Kambodscha, innerhalb der Bevölkerung noch sehr verbreitet. Tatsächlich lebt dort eine große Minderheit an Khmer (bis zu 12 Mio. Menschen). Ob das ein Grund für kriegerische Auseinandersetzungen sein sollte ist die andere Frage. Auch mit Thailand gab es ähnliche Konflikte. Beide wurde offiziell von den Regierungen beigelegt, schwelen aber nach wie vor in der Bevölkerung.
    Der Stolz, auf die Größe des Reichs vor so langer Zeit, bleibt. Ähnlich wie in einigen europäischen Staaten, wie Serbien oder Kroatien nahm dieser Stolz auch schon vernichtende Züge an, als unter den Khmer Rouge in den 70er Jahren tausende Vietnames*innen deportiert wurden. Das war u.a. der Grund für den Einmarsch Vietnams in Kambodscha 1979. Es ist wirklich spannend, wie Patriotismus sich immer auf Glanzzeiten der Reiche bezieht, die aber häufig seit Jahrhunderten vergangen sind. Ähnliches begegnete mir bspw. in Polen. Nationalisten beziehen sich dort immer noch auf das Großreich Polen-Litauen aus dem frühen Mittelalter.

    Und so bleiben das Khmer-Reich und speziell Angkor weiterhin die wichtigsten nationalen Identifikationsmerkmale, auf die sich der kambodschanische Patriotismus aufbaut. Nicht umsonst ziert der Haupttempel Angkor Wat die Flagge des kleinen südostasiatischen Staates. Und erst durch Angkor ist das Land ein solcher Tourist*innenmagnet geworden.

    (Bilder aus Angkor gibt es dann übrigens im Post zu Siem Reap, wahrscheinlich um den 20.02. herum)
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  • Jan31

    Let's talk about Cambodia #1 - China

    January 31 in Cambodia ⋅ ☁️ 29 °C

    Teil 1 - Kambodscha und China

    Im ersten Teil von Jonas Berichten über Kambodscha verschlägt es uns nach Sihanoukville. Einer kleinen Stadt am Golf von Thailand, das zum Sinnbild chinesischen Expansionsstreben in Kambodscha und Südostasien geworden ist. Der Bericht besteht aus der Zusammenstellung vieler Artikel über den Einfluss Chinas und aus eigenen Erfahrungen und Gesprächen, die Jonas in Kambodscha sammelte.

    Die letzten Tage verbrachten wir auf der wunderschönen Insel Koh Rong Samloem. Kleine, kaum besuchte Strände und ein ruhiges entspanntes Inselleben erwartet uns. Um jedoch auf die Insel zu kommen, muss man unweigerlich die Fähre aus Sihanoukville nehmen. Auch wir fuhren also durch diese, nach dem Vater des jetzigen Königs benannte, Stadt. Dieser Ort erinnert in seiner ganzen Art an eine aufstrebende Kleinstadt im Herzen Chinas. Chinesische Schriftzeichen sind überall, fast jedes Geschäft hat das Schild auch auf Chinesisch übersetzt. Ob an Einkaufszentren, Baustellen oder kleinen Restaurants, überall ist Chinesisch zu lesen.
    Diese kleine Beobachtung spiegelt sich auch in anderen Bereichen wieder. Auch in der geschätzten Bevölkerungszusammensetzung Sihanoukvilles kann man sehen, dass die Stadt etwas chinesisches hat. Tatsächlich sind in Sihanoukville, verschiedenen Angaben zufolge, bereits bis zu 50 Prozent der Stadtbevölkerung chinesische Staatsbürger*innen. Andere Schätzungen gehen sogar davon aus, dass mittlerweile dreimal so viele Chines*innen als Kambodschaner*innen dort wohnen. Denn Sihanoukville ist für China das was Las Vegas für die USA ist - eine Stadt voller Kasinos und Hotels, eine Stadt zum Spaß haben und Party machen.

    Aus dem kleinen Fischerdorf ist mittlerweile eine Stadt voller Wolkenkratzer geworden. Überall wird gebaut und es entsteht ein Megahotel nach dem nächsten. Das komplette Straßennetz ist eine einzige Baustelle und von dem ruhigen Fischerdorf ist nichts übriggeblieben. Kein schöner Strand, keine entspannten Lokale, nichts. Kleine Straßenlokale müssen großen Shoppingmalls weichen, unbebaute Küstenabschnitte weichen riesigen Resorts. In der Theorie partizipieren an solchen Umbrüchen und der touristischen Entwicklung ja auch Teile der einheimischen Bevölkerung. Baustellen, Gastronomie und Gewerbe schaffen neue, und vielleicht sogar besser bezahlte Arbeitsstellen und der Lebensstandard steigt. So die schöne Theorie, doch die Praxis in der kambodschanischen Küstenstadt sieht ganz anders aus.

    Die vielen Bauprojekte werden von chinesischen Firmen gestemmt, die nicht nur das Know How und Baumaterial mitbringen, sondern auch gleich die Bauarbeiter*innen. Für die Einheimischen bleiben wenn überhaupt nur die Jobs, für die keinerlei Erfahrung und Qualifikation notwendig ist. Ein Kurzzeitvertrag folgt dem nächsten, Arbeitnehmer*innenrechte bestehen praktisch nicht. Tausende von Chines*innen sind mittlerweile auf den Baustellen beschäftigt.
    Die Lebenserhaltungskosten sind enorm gestiegen. So berichteten verschiedene Medien, dass die Miete für eine kleine 2-Zimmerwohnung innerhalb der letzten Jahre von 35$ pro Monat auf 150$ gestiegen ist. Eine Miete, die in einem Land mit knapp 190$ pro Monat Mindestlohn, schon existenzbedrohend ist. Oft werden auch Chines*innen als Mieter*innen bevorzugt und Kambodschaner*innen gekündigt.
    Die vielen chinesischen Arbeiter*innen und Tourist*innen gehen zudem ausschließlich in chinesische Restaurants essen, kaufen bei Chines*innen ein usw.. Einheimische Familienbetriebe, die seit Generationen ihr Restaurant/Shop in der Stadt betreiben, werden durch diese neuen Betriebe verdrängt und haben sowieso nicht mehr genug Kundschaft. Mittlerweile werden 90 Prozent aller Hotels, Restaurants und Kasinos von chinesischen Staatsbürger*innen betrieben.
    Mit der Gruppe der chinesischen Tourist*innen hat die einheimische Bevölkerung quasi nichts mehr zu tun. Neben den eigenen Restaurants werden auch die Hotels und Kasinos komplett von Chines*innen betreut. Von der Putzkraft bis zum Dealer am Pokertisch gilt, wer kein lupenreines Mandarin spricht hat keine Chance auf einen der lukrativen Jobs. Selbst eigene chinesische Fahrer*innen gibt es mittlerweile.
    Das ganze ist noch skurriler, da die über 100 Kasinos in Sihanoukville von den Einheimischen sowieso nicht benutzt werden dürfen. Glücksspiel ist Kambodschaner*innen nämlich gesetzlich untersagt.
    Gleichzeitig häufen sich zudem die Beschwerden über die chinesischen Tourist*innen, die respektlos mit den Einheimischen umgehen würden. Interviews mit der einheimischen Bevölkerung zeigten, dass das chinesische Investment sehr kritisch gesehen wird. Viele Anwohner*innen stören sich an den lauten und oft betrunkenen Gruppen an Chines*innen. Beschweren sich die Anwohnenden würde sie jedoch eher bedroht und beschimpft, als das auf sie Rücksicht genommen werden würde. Die einheimische Bevölkerung hat all dem im korrupten Ein-Parteienstaat Kambodscha nichts entgegenzusetzen. Jeglicher Protest gegen die chinesischen Investments und die Tourist*innen wird unterbunden.

    Und auch in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh gibt es sie, die chinesischen Kasinos. Im Luxuskasino Nagaworld verspielten 2017 nur die High-End-Spieler (die reichsten der reichen Zocker) 21 Mrd. Dollar, was ungefähr dem BIP Kambodschas entspricht. Die meisten von ihnen waren neureiche Chines*innen. Profitieren tuen davon jedoch vor allem die chinesischen Betreiberfirmen.
    Auch in Phnom Penh sieht man überall die chinesischen Baustellenschilder. In den letzten 5 Jahren sind so viele Wolkenkratzer aus der Erde gestampft worden, dass man sie gar nicht mehr zählen kann. Die chinesische Regierung beteiligt sich zudem mit Millionenbeträgen an Infrastrukturprojekten. Schätzungsweise ein Drittel aller Straßen im Land sind von chinesischen Firmen gebaut worden. Auch eine neue Mekongbrücke finanzierte China mit 57 Mio. $. Bei der Einweihung dieser Brücke fasste der kambodschanische Premierminister Hun Sen die Situation aus seiner Sicht zusammen. Er sprach davon, dass China keinerlei Forderungen im Gegenzug zur Untersützung Kambodschas erhebe. Die westlichen Entwicklungsgelder seien aber immer an Dinge, wie Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Menschenrechte und Umweltstandards, geknüpft. Die chinesische Regierung würde ihn (Hun Sen) auf Augenhöhe behandeln, die westlichen Geberländer hätten dies nie getan.
    Doch was liegt der chinesischen Regierung daran so viel Geld in Kambodscha zu investieren wie alle anderen Staaten zusammen (Stand 2014, Tendenz steigend)?

    Eine Antwort darauf könnten Dokumente liefern, die im Herbst letzten Jahres bekannt wurden. Einige der insgesamt 17 Kooperationsabkommen Chinas mit Kambodscha wurden geleakt. Aus den nicht öffentlich einsehbaren Dokumenten geht u.a. der Verkauf von 20 Prozent der Küstenlinie an chinesische Investoren hervor. In der, von Sihanoukville westlich gelegenen, Provinz Koh Kong soll eine noch größere Tourist*innen-City aus dem Boden gestampft werden. Ein Flughafen für 10 Millionen Fluggäste jährlich und eine Schnellzugverbindung sind geplant. Zum Vergleich wird der Flughafen in Sihanoukville zurzeit von weniger als einer halben Millionen Menschen jährlich genutzt. Ein Flughafen für zwanzigmal so viele Passagiere in einer Provinz, die bis jetzt kaum touristisch erschlossen ist, wirft Fragen auf. Das sieht auch das amerikanische Verteidigungsministerium so. Mit Hilfe von Satellitenaufnahmen stellte dieses fest, dass die Landebahn deutlich zu lang für eine rein zivile Nutzung ist. Startbahnen dieser Größe benötigen normalerweise nur Militärflughäfen. Grund sich vor Chinas zweiten außerchinesischen Militärstützpunkt zu fürchten?

    Laut einiger renommierter amerikanischer Zeitungen und der amerikanischen Regierung lautet die Antwort eindeutig: Ja. Denn neben dem neuen Flughafen bereitet auch das Projekt "Dara Sakor" Sorgen. Unter diesem Projektnamen entsteht an der Küste Koh Kongs zur Zeit ein riesiger Hafen. China investiert in diesen Hafen mehr als 3,8 Milliarden US-Dollar. Dieser soll laut offiziellen Angaben rein logistisch genutzt werden. Amerikanische Medien, u.a. das Wallstreet Journal stellen dies, auf Grundlage der bekanntgewordenen Geheimdokumente, jedoch in Frage. Daraus geht die Planungen eines Marinestützpunkt Chinas an der Küste Kambodschas hervor. Erste chinesische Militärschiffe wurden bereits in Sihanoukville gesichtet.
    Bereits im vorletzten Jahr fragte der amerikanische Vizepräsident Mike Pence offiziell bei den beiden Regierungen nach und verlangte Aufklärung, bis jetzt ohne Erfolg. Hun Sen tat bisher alle Berichte über angebliche Militärstützpunkte Chinas als Falschnachrichten ab: "Das ist die schlechteste ausgedachte Nachricht gegen Kambdoscha, die es je gegeben hat".
    Ganz so weit hergeholt ist das ganze jedoch nicht. Das zeigen nicht nur die geleakten Dokumente. Analysten sehen in einem möglichen chinesischen Stützpunkt im Golf von Thailand eine klare Taktik um Gebietsansprüche Chinas gegenüber dem gemeinsamen Nachbarn Vietnam durchsetzen zu können. Die beiden Länder streiten seit langem über Inseln im südchinesischen Meer (unter denen u.a. Erdgas vermutet wird). Zudem könnte China seinen Einfluss im Golf von Thailand auszuweiten und so mehr Kontrolle über einen der wichtigsten Seewege der Welt, die Straße von Malakka, gewinnen.

    Wirtschaftlicher und militärischer Machtgewinn müssen in der chinesisch kambodschanischen Kooperation also zusammengesucht werde . Neben der möglichen militärischen Nutzung ist das Projekt "Dara Sakor" nämlich auch Teil des weltweiten Infrastrukturprojektes "Neue Seidenstraße", von dem sich China eine deutliche Steigerung des Handelsvolumens mit angeschlossenen Ländern erhofft. So soll das Handelsvolumen mit Kambodscha bis Ende 2020 auf neun Milliarden Dollar anwachsen. Teil dieses Projektes ist auch der Ausbau der Infrastruktur in andere ostasiatische Länder wie Laos oder Thailand.

    Momentan profitieren von Chinas Investment die immer gleichen Personen, die in Kambodscha seit Jahren gut leben können. Immobilienmarkler, Oligarchen und korrupte Beamte und Politiker gewinnen enorm durch das chinesische Interesse an dem kleinen Staat. Die Zivilbevölkerung bleibt dabei auf der Strecke. Im ganzen Land gehen chinesische Investoren und kambodschanische Regierung Hand in Hand gegen die einheimische Bevölkerung vor. Gleichzeitig wird immer klarer, was China mit seinem Investment in Kambdoscha bezwecken möchte - Expansion durch wirtschaftliche Macht unter Einbezug der lokalen Eliten, Ausdehnung des militärischen Machtbereichs und Schaffung von Abhängigkeitsverhältnissen kleinerer Staaten zu China. Dem Großteil der kambodschanischen Bevölkerung stößt dies böse auf, sie sprechen bereits von China als neuen Invasoren.

    Hier noch ein paar Artikel zum weiterlesen:
    Spiegel (24.04.2019): https://www.spiegel.de/politik/ausland/china-investiert-milliarden-in-kambodscha-der-ausverkauf-a-1263466-amp.html

    NDR (17.10.2019): https://www.ndr.de/nachrichten/info/sendungen/echo_der_welt/Kambodscha-Die-Chinesen-sind-da-,sihanoukville112.html

    Handelsblatt (22.07.2019 und 07.11.2019): https://amp2.handelsblatt.com/politik/international/suedostasien-amerika-fuerchtet-chinesische-militaerbasis-in-kambodscha/24687316.html
    https://amp2.handelsblatt.com/politik/international/rueckschritte-bei-demokratie-in-kambodscha-geraet-machthaber-hun-sen-zunehmend-unter-druck/25200166.html

    Die Zeit (14.03.2018): https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-03/kambodscha-suedostasien-china-macht-investitionen?wt_zmc=sm.ext.zonaudev.mail.ref.zeitde.share.link.x
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  • Jan30

    Let's talk about Cambodia - Einführung

    January 30 in Cambodia ⋅ ⛅ 26 °C

    Nun sind wir also in Kambodscha angekommen und Jonas ist ganz aufgeregt. So vieles kommt wieder hoch - vor allem ganz viel Wissen. Judith kaut er schon ein Ohr ab mit den vielen Fakten über dieses Land und was alles so in der Geschichte los war. Um Judith etwas davon zu erlösen und weil er auch einfach Lust drauf hat dazu nochmal etwas zu recherchieren und alles mal gebündelt aufzuschreiben, gibt es ein paar Sonderbeiträge zu Kambodscha - zur Geschichte, dem politischen System und der Gesellschaft. Eine hoffentlich für euch interessante Mischung aus Erfahrungsbericht und Geschichtsstunde.

    Falls ihr also Lust habt euch ein bisschen mit Kambodscha zu befassen sind einige der nächsten Blogeinträge etwas für euch, ansonsten könnt ihr sie aber auch überspringen. Jonas empfiehlt sie euch natürlich sehr 😜, zudem erschließen sich dadurch einige baldige Stationen deutlich besser (u.a. Killingfields oder Angkor Wat).
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  • Jan29

    Nochmal Großstadtwahnsinn

    January 29 in Vietnam ⋅ ☀️ 33 °C

    Nach unserer lustigen ersten Nacht ging es am späten Morgen etwas übermüdet in die Innenstadt von Ho Chi Minh City. Wir waren erstmal etwas erschlagen von der Hitze, die gefühlt schlimmer war, als in allen Städten, die wir bisher besucht hatten. Mittags kletterten die Temperaturen auf 33° und keine Wolke war am Himmel zu sehen.
    Am ersten Tag besuchten wir die beiden Walkingstreets. Die eine befindet sich direkt in der Innenstadt und war zu Tet etwas kitschig geschmückt. Die andere ist direkt in der Backpacker-Gegend, also genau da, wo wir unser Hostel gebucht hatten. Wie der Titel des Posts verrät, handelt es sich dabei aber nicht um eine süße Gegend, sondern um eine Partymeile. Es reihen sich keine kleinen authentischen Restaurants und Kneipen aneinander, sondern schrecklichste Partybuden, mit schlimmen Technoremixen bekannter Lieder und saufenden Tourist*innen. Die Kackofonie der "Musik" aus den vielen Bars hörten wir leider auch noch in unserem Hostelzimmer... Zum Glück machten immerhin die ganz nahegelegenen Bars nicht so lange Partys, meist war um halb eins die Musik aus.
    Ein paar Straßen weiter war es dann schon wieder erträglicher, auch in der Gasse, in der unser Hostel lag, lief alles etwas anders und ruhiger ab. In der knapp 1,5m breiten Gasse verkaufte eine Omi Eiskaffee, fuhren Einheimische mit ihren Motos lang und man konnte in jedes Wohnzimmer reingucken, weil die Leute ihre Türen einfach offen hatten. Der Kontrast war schon sehr lustig.

    Unseren zweiten Tag widmeten wir dann dem Kriegsrestemuseum/ dem Museum, was die Geschichte der Unabhängigkeitskriege aufbereitet. Diese Kriege sind bei uns als Indochina- und Vietnamkrieg bekannt. Während des Indochinakriegs (1945-1954) erkämpften sich Kambodscha, Laos und Nordvietnam ihre Unabhängigkeit von der französischen Kolonialherrschaft. In Südvietnam etablierte sich ein autoritärer Marionetten-"staat", der erst unter franz. Kontrolle, dann mehr und mehr unter amerikanischer Kontrolle stand. Nach dem Friedensschluss begannen von beiden vietnamesischen Seiten aus jedoch bereits weitere Konfrontationen, was im Vietnamkrieg/ zweitem Indochinakrieg (1955-1975) mündete. In diesem Krieg beteiligte sich die USA nicht nur mit finanzieller und infrastruktureller Hilfe, sondern ab den 60ern auch mit mehreren Millionen Soldaten.
    Den ganzen Krieg hier nachzuerzählen wäre natürlich quatschig, aber soviel: die USA mussten mal wieder Weltpolizei spielen und setzten enorme Mittel ein, um zu verhindern, dass ganz Vietnam unter sozialistische Herrschaft geraten könnte. Auf beiden Seiten wurde schwerste Kriegsverbrechen begannen. Zeitzeugen verglichen die Lager, die in Südvietnam für Feinde errichtet worden waren, mit KZs in der Nazizeit. Die USA beging schwerste Kriegsverbrechen durch Massaker an der Zivilbevölkerung und den Einsatz von chemischen Waffen. Das bekannteste Mittel darunter ist Agent Orange, es wurde u.a. für die Entlaubung des Dschungels verwendet. Unter den Folgen des massenhaften Einsatzes von Agent Orange leiden noch heute hunderttausende Menschen. Es verändert das Erbgut und kann zu verschiedensten schweren Mutationen und Krankheiten führen. Die USA setzte es zur Bekämpfung der südvietnamesischen Landbevölkerung ein, die häufig den sozialistischen Norden unterstützten.
    Das Museum fokussierte sehr auf die Kriegsverbrechen der USA. Gar nicht wurden Verbrechen des sozialistischen Nordens thematisiert (ist irgendwie auch logisch im sozialistischen Vietnam). Auch die Taten südvietnamesischer Armeeangehöriger wurden kaum angesprochen. Das folgt sicher der Logik, die Wunden des Kriegs gegen die eigenen Mitbürger*innen nicht nochmal aufzureißen, verhindert aber eine gesamte Aufarbeitung und Überwindung.

    Trotz der stark tendenziösen Darstellung war das Museum unglaublich. Es ist nicht groß aufbereitet oder mit vielen Medien super neu und modern, sondern schlicht und einfach gehalten. Die Geschichte wird fast ausschließlich durch Fotos erzählt, die in Plakatgröße gedruckt an den Wänden hängen. Daneben gibt es kleine Schilder, die erklären, was und wen man sieht. Aufgenommen wurden sie von Kriegsfotograf*innen, die hautnah bei Massakern, Erschießungen und Folter dabei waren. Sie alle sind bei ihrer Arbeit selbst gestorben, aber haben der Welt diese grauenhaft eindrucksvollen Bilder hinterlassen und so einen einmaligen, unfassbar nahen Eindruck vom Kriegsgeschehen zugänglich gemacht.
    Es war extrem hart, sich diese Fotos anzuschauen. Man bekommt verstümmelte Leichen zu sehen oder verängstigte Familien mit Kindern, zu denen man durch die Bildunterschrift erfährt, dass sie wenige Sekunden nach der Aufnahme des Fotos auf der Straße von Soldaten hingerichtet wurden, einfach so, ohne Grund. Es gibt Bilder von Menschen, die in Reisfeldern arbeiten, daneben rollen Panzer vorbei. Bilder von Menschen, die um ihr Leben rennen und Bilder von Menschen, die gefoltert wurden.
    Dann gibt es einen ganzen Abschnitt zu Agent Orange. Es gibt Fotos von völlig zerstörten Landschaften, wo nichts, aber auch gar nichts mehr wächst, oder lebt.
    Dann werden Kinder gezeigt, deren Eltern mit Agent Orange in Kontakt gekommen waren und die schwere Fehlbildungen, Hautkrankheiten oder geistige Behinderungen haben. Die zum Teil so schwer krank sind, dass sie sich nicht bewegen, nicht essen, nichts selbstständig machen können.
    Manche Menschen, die Opfer des Giftes wurden, wurden mehrere Male in ihrem Leben besucht und fotografiert. Man konnte so ziemlich genau sehen, was Agent Orange mit ganzen Familien macht. Ein Mann hatte als Kind im betroffenen Gebiet gelebt und verstarb deswegen sehr früh an Parkinson. Viele seiner Kinder hatten psychische und physische Leiden, wie verkümmerte Gliedmaßen oder spastische Anfälle.
    Ein anderer dieser Fälle zeigte siamesische Zwillinge, die auf Grund von Agent Orange an den Unterleibern zusammengewachsen waren. Ihre beiden Eltern waren zur Zeit des Einsatzes in den betroffenen Gebieten gewesen. Nach Jahren wurden sie operativ voneinander getrennt (auch das wurde fotografisch festgehalten), einer der beiden Jungen starb kurze Zeit später.
    Besonders schlimm fanden wir auch ein Bild von einem Mädchen, das im Wohnzimmer der Familie in einem engen Käfig lebte, weil sie sich permanent selbst gefährdete.
    Das Museum zeigte so eindrucksvoll, wie vielfältig die Leiden der Menschen sind und wie viele Menschen betroffen sind (in der ersten Generation waren es mehrere Hunderttausende direkt Betroffene und immernoch werden Kinder geboren, deren Erbgut und Entwicklung durch Agent Orange beeinflusst wurde). Wir lernten, was die Verbrechen im Krieg noch heute mit den Menschen anstellen und wie sie damit umgehen.
    Denn es gab auch positive Beispiele von Menschen, die obwohl sie keine ausgebildeten Hände haben Schreiner wurden oder, trotz der Schwierigkeiten des Umgangs mit Kleinwüchsigkeit oder Gehbehinderung, Lehrer oder Direktorinnen von Banken wurden. Insgesamt ist der Umgang mit dem Thema Agent Orange in Vietnam aber immer noch schwierig, da viele Menschen mit Behinderung von ihren Familien versteckt oder verstoßen werden. Wir fanden auch die verwendete Sprache in den Bildunterschriften zum Teil respektlos und degradierend formuliert, es kann aber auch sein, dass diese durch die zum Teil recht plumpe Übersetzung ins Englische entstand.
    Übrigens gibt es bis jetzt keinerlei Entschuldigung oder Entschädigung von Seiten der USA für die Menschen, die noch heute unter dem Einsatz eines solch furchtbaren Mittels leiden müssen.
    Insgesamt waren wir fast vier Stunden im Museum, weil wir öfter Pausen brauchten, um einfach mal durchzuschnaufen. Was hier noch vor 50 Jahren passiert ist, ist einfach richtig heftig und grausam.

    Für den nächsten Tag hatten wir nicht so einen richtigen Plan gemacht. Wir liefen einfach mal los und wollten einen Markt angucken, auf dem Jonas beim letzten Mal gewesen war. Das war ein riesen Reinfall, weil der extrem touristisch geworden ist. Es übertraf alles, was wir bisher in Vietnam erlebt hatten. Wir drängelte uns durch Massen an Verkäufer*innen, die uns hinterherriefen "wanna buy something?", gleichzeitig war alles so extrem überteuert, dass wir schnell wieder verschwanden. Es hatte keinen Zweck sich dort noch länger aufzuhalten. Danach besuchten wir noch die Kathedrale und das berühmte Postamt (beides war ok, aber kein Grund nach HCMC zu fahren). Wir schlenderten noch etwas durch die Gegend, fanden einen süßen kleinen Büchermarkt und suchten uns dann tot nach einem Ort zum Essen. Komischerweise hatte am ersten Nicht-Feiertag (28.) gefühlt weniger offen, als am letzten Tag von Tet (27.). Wir haben dann aber noch was gefunden, keine Sorge. Das Lokal hat uns sogar extra noch Banh Xeo gemacht, obwohl es nichtmal auf Karte stand, weil wir das so gerne nochmal essen wollten. 😍

    Insgesamt war HCMC sehr wuselig und viel großstädtischer als Hanoi. Trotz Tet war einiges los. Die Stadt selbst fanden wir aber jetzt nicht so sehenswert. Ein paar nette Orte gab es, aber uns haben andere Städte in Vietnam deutlich besser gefallen.

    Nun endet unserer Reise in Vietnam auch schon und wir fahren nach Kambodscha. Jonas war die ganze Zeit in HCMC schon sehr aufgeregt, alles wiederzusehen und Judith endlich ganz viele Orte zeigen zu können, an denen er vor vier Jahren war. Phnom Penh (die Hauptstadt) wird jedoch nur ein Kurzaufenthalt, da wir erstmal ans Meer fahren und 5 Tage Inselurlaub machen. Danach geht es dann für einen längeren Aufenthalt zurück nach Phnom Penh.
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