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  • Day169

    Im hintersten Winkel Kolumbiens

    February 27 in Panama ⋅ ⛅ 29 °C

    Manche Nächte auf Reisen lassen einen ganz schön altern. Und hiermit meine ich nicht die Partynächte (wobei die einen bestimmt auch nicht gerade verjüngen), sondern Busfahrten wie die der letzten Nacht: Um 19 Uhr fuhren wir vom Hostel in Cartagena zum Busbahnhof. Um 20 Uhr im Bus nach Montería, wo wir um halb zwei ankamen. Dort warteten wir eineinhalb Stunden auf den Minibus, der uns nach Necogli fuhr, wo wir um halb 6 ankamen. Dort liefen wir bei Sonnenaufgang zum Hafen. Erstmal warteten wir wieder eineinhalb Stunden und dann ging das Chaos richtig los. Ein sehr verwirrendes Ticketkaufsystem stellte uns vor die nächste Herausforderung. Es gab die verschiedensten Schlangen zum Anstellen, am Ende fanden wir heraus, dass man sich bei allen Schlangen nacheinander anstellen muss, da man verschiedene Tickets für verschiedene Dinge kaufen musste. Ein Mann stand auf einer Tribüne und bellte unverständliche Informationen in sein Mikrofon, welches natürlich absolut unverzichtbar war bei den zwanzig Menschen, die dort in aller Herrgottsfrüh versammelt waren. Es folgte ein schwer durchschaubares System der Zuordnung von Menschen zu Booten: Nacheinander rief der dicke Mann Namen in sein Mikrofon. Über eineinhalb Stunden standen wir also bereit, immer wartend ob unsere Namen aufgerufen werden, damit wir unsere Pässe von der Polizei kontrollieren lassen und dann - man glaubt es kaum - finally ins Boot steigen durften. Geschafft!

    Von wegen.
    Total übermüdet versuchten wir uns mit letzter Kraft an den Sitzbänken des Speedboots festzuklammern, wenn El Capitan mal wieder volle Karacho über die Wellenberge drüberheizte. Jedes Mal, wenn das Boot krachend auf der Wasseroberfläche aufschlug, bekam Felix einen kleinen Panikanfall. Aber nicht wegen mir oder ihm selbst. Nein. Natürlich wegen seines Surfbretts. Dieses kleine Sensibelchen.
    Um zwölf Uhr erreichten wir dann triefend nass unser Ziel Capurganá.

    So sitzen wir nun hier am zauberhaften Strand, den wir uns mit galoppierenden Wildpferden und Kuschelentzug-Hunden teilen. Unsere Wirbelsäulen fühlen sich an, als wären sie um einige Zentimeter kürzer, zusammengestaucht von der bumpy Bootsfahrt.
    Capurganá ist ein kleines idyllisches Fischerdorf mit sehr entspanntem Flair, das sich in einer abgeschiedenen Ecke im Nordwesten Kolumbiens versteckt. Am Strand schlendern wir an einer bunt bemalten Holzhütte vorbei, in der Josefina frische Meeresfrüchte zubereitet. Wir setzen uns auf die roten Plastikstühle im Sand, schauen aufs Meer und genießen unsere Pasta Fruta del mar.
    Am Ende des Strandes führt ein Pfad durch den Palmenwald, am Türkis schimmernden Meer entlang. Er schlängelt sich auf und ab, über Felsen und Wurzeln und führt uns schließlich zu einem Naturpool. Wie nett von Mutter Natur, dass sie uns hier einfach eine Badewanne gebaut hat, von der aus man gemütlich die brechenden Wellen beobachten kann.

    Am nächsten Morgen frühstücken wir richtige Schoko-Croissants mit richtigem Cappuccino bei Jonathans kleinem Straßencafé und unterhalten uns mit Camilla aus Medellin. Auf spanisch wohlgemerkt :) Ich bekomme einen kurzen Medellin-Sehnsucht-Flashback. Camilla erzählt uns von einem Mann, der hier in einem Haus aus recyceltem Material wohnt. Den wollen wir natürlich direkt besuchen. Wir folgen ihrer Wegbeschreibung (so richtig oldschool auf Papier gezeichnet) und erkennen das Haus schon von weitem am Vorhang aus altem Plastik. Kaum haben wir das Grundstück betreten, kommt er uns mit einem riesigen Grinsen auf dem Gesicht auch schon entgegen - Alveiro Uribe. Er selbst nennt sich aber Niño Dios (Kind Gottes), da er am 24.12 geboren wurde. Er präsentiert ganz stolz, was er alles aus Plastikmüll kreiert hat: von Stühlen und Tischen über Fußböden zu Wandbehängen. Auf eines dieser Wandbilder ist er besonders stolz: 15.252 Plastik-Deckel hat er gesammelt und darin verbaut.
    Sein großes Ziel ist, im Guiness Buch der Rekorde zu stehen. Und zwar für die weltweit längste Kette aus alten Dosenclips. Die Kette ist wirklich sehr beeindruckend, ultralang und ultrastabil. Immer wieder wunderschön, Menschen zu treffen, die unsere Welt ein kleines Stückchen besser machen.

    Am Mittag treffen wir dann auf die Menschen, mit denen wir in den kommenden vier Tagen ein Karibikerlebnis der ganz besonderen Art erleben werden. Per Boot wollen wir von Kolumbien nach Panama reisen.

    Unser Guide Angie könnte ein amerikanischer StandUp Comedian sein, so lustig erklärt sie schon beim ersten Meeting, was auf uns zukommen wird.

    Mit der gesamten 16 köpfigen Gruppe fahren wir mittags eine Bucht weiter, nach Sazpurro. Gleich wie Capurganá ist auch dieses Fischerdörfchen nur per Boot erreichbar und befindet sich zwischen dicht bewaldeten Bergen und tiefblauem Wasser. Sazpurro liegt so nah an der Grenze, dass man zu Fuß in 15 Minuten über einen Hügel nach Panama laufen kann. Wir wollen das natürlich unbedingt machen, aber der militärische Kontrollpunkt (ein Soldat mit Logbuch) ist nach 17 Uhr gesperrt, da momentan sehr viele Menschen versuchen illegal über die Grenze zu kommen und es daher ab Einbruch der Dunkelheit gefährlich werden kann.

    So verbringen wir unseren letzten Nachmittag in Kolumbien am leuchtend weißen Strand in Sazpurro und vor allem damit, unsere Rucksäcke um- und absolut wasserdicht zu verpacken.

    Angie‘s Anweisung: Verpackt alles 100% wasserdicht und freundet euch jetzt schon an mit dem Gedanken IMMER nass zu sein. Es wird Wasser von unten, von den Seiten und von oben geben. Sobald ihr euch damit abgefunden habt, werdet ihr es lieben und eine unglaubliche Zeit haben.

    Na das klingt doch vielversprechend :)

    Morgen früh um halb sieben gehts los!!
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