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Endless Summer

September 2018 - May 2019
...immer der Sonne entgegen
  • Day206

    Nationalpark Gandoca-Manzanillo

    April 5 in Costa Rica

    Heute ist Daniels Geburtstag und wir haben ein wundervolles Programm vor. Nach einem sehr frühen Geburtstagsfrühstück in unserem Dschungelgarten fahren wir mit dem Bus nach Manzanillo, einem kleinen Küstenörtchen südlich von Puerto Viejo. Der Ort ist nach der Sorte Apfelbaum benannt, die hier am Strand wächst. Luis und Edgar sind die Guides, die uns heute durch den Nationalpark Gandoca-Manzanillo führen und sie überschlagen sich fast vor Informationen. Luis erzählt noch von den sieben verschiedenen Kokosnusssorten, da zupft Edgar schon wieder irgendwelche Blättchen von irgendeinem Busch. Blatt gegen Moskitostiche. Blatt zum Teekochen. Blatt, das wie ein Klettverschluss an Charlys Tshirt kleben bleibt. Blatt als Klopapier (sogar mit natürlichem Frischeduft und geschmeidig wie Seide). Blatt gegen Zahnweh. Blatt als Schmuck.
    Wir kommen kaum hinterher, alle Früchte zu probieren, alle Blätter anzufassen, Spinnennetzen auszuweichen, Schlangen und Giftfrösche zu spotten. Die zwei Jungs sind absolute Moglis, Dschungelboys. Vor lauter Stolz auf ihren Urwald funkeln ihre Augen beim Erzählen, Erklären und Zeigen. Dschungeltour mit allen Sinnen!
    Sie berichten, dass es in Costa Rica 143 Schlangenarten gibt. Zwei wunderschöne Exemplare davon bekommen wir sogar zu Gesicht.
    Mich faszinieren am allermeisten die kleinen Giftfrösche in den knalligsten Farben. Sie heißen Dart Frogs, weil die indigenen Völker deren Gift für die Pfeilspitzen verwendeten.

    Als wir weit oben im Baum ein Faultier sehen, erklärt Edgar, dass
    3-Finger-Faultiere zwischen 18 und 20 Stunden am Tag schlafen. Wenn die Weibchen „reif“ sind, pfeifen sie und die Männchen können das Kilometer weit hören. Nach dem Motto: „Warte, ich komme! Dauert nur ein bis zwei Tage!“ pfeifen die Männchen zurück. Der „Schnellste“ darf sich dann paaren. Die Frau gibt also den Ton an. Find ich spitze :)

    Was für ein interessanter Ausflug durch den Dschungel! Zugeschlammt und nassgeschwitzt gönnen wir uns Rum aus der Kokosnuss und ein lecker Fischmittagessen in einer Soda (so werden in Costa Rica die Local-Restaurants genannt) und schlummern danach am Strand weg. Leider verpassen wir dann auch den letzten Bus heim nach Puerto Viejo. Vielleicht war es doch eine Coco-Loco zuviel am frühen Mittag :) Pura Vida!

    Schnitt. Vier Stunden später. Wir laufen im Stockdunkeln den Strand von Gandoca ab. Kein Licht. Keine Geräusche. Kein hartes Auftreten.
    Warum? Wir sind auf der Suche nach der größten Schildkröte der Welt - der Lederrückenschildkröte.
    Wir befinden uns gerade am Anfang der Saison, in der diese faszinierenden Tiere an den Strand ihrer eigenen Geburt zurückkehren, um ihre Eier in den Sand zu legen. Ein Wahnsinnsspektakel, wenn man bedenkt, dass diese Schildkröten einen bis zu 2.5 Meter langen Panzer haben und bis zu 700kg wiegen können. Wir laufen und laufen und laufen im Gänsemarsch.
    Und trotz Felix dem Glücklichen im Gepäck soll es uns heute nicht gegönnt sein, diese Riesen zu sehen. Dafür erleben wir ein anderes Highlight: leuchtendes Plankton, das vom Meer angeschwemmt wird. Bei jedem Schritt leuchtet der Sand, es fühlt sich an, wie auf einem Sternenhimmel zu gehen. Magie!

    Muchas Gracias liebe Naturschönheit Costa Rica für diese fantastische tierreich-kunterbunte Zeit an deiner Karibikküste. Wir sind schon sehr gespannt, wie du dich uns am Pazifik präsentierst!
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  • Day204

    Puerto Viejo - Jaguar Rescue Center

    April 3 in Costa Rica ⋅ ☀️ 28 °C

    Wir sind im Jaguar Rescue Center in Puerto Viejo.

    Fun-Fact 1: dort gibt es gar keinen Jaguar. Aber egal. Wir sind eh hauptsächlich wegen der Baby-Faultiere hier.

    Es waren einmal zwei Biologen, die sich am Strand in Puerto Viejo verliebt haben und aus ihrer gemeinsamen Tierliebe heraus das Center gegründet haben. Das Ziel: Möglichst alle Tiere sollen wieder in die Natur entlassen werden.

    Fun-Fact 2: Selfies mit Faultieren sind in Costa Rica verboten. Viele Locals haben die Tiere vom Baum geschüttelt, um sie den Touris gegen eine Gebühr für ein Selfie anzubieten. (Eigentlich eher ein Sad-Fact)

    Fun-Fact 3: Die Langschwanzkatze ist seit elf Jahren im Center. Sie wurde schon zweimal ausgewildert, aber kam jedes Mal wieder zurück.

    Fun-Fact 4: sie kann ihre Pfoten um 180 Grad drehen.

    Fun-Fact 5: Langschwanzkatzen können Stimmen imitieren, zum Beispiel von Baby Affen - wenn die Mutter dann ankommt können sie sie fressen.

    Fun-Fact 6: Das Krokodil kann bis zu sechs (!!) Meter lang werden. WTF!

    Fun-Fact 7: Brüllaffen sind die lautesten Landlebewesen.

    Fun-Fact 8: Dreifinger-Faultiere sind so schnell gestresst, dass sie sterben würden, wenn zuviele Touristen sie anschauen. Deshalb dürfen wir sie nicht sehen.

    Fun-Fact 9: Das Nationaltier Costa Ricas ist ein Reh. (Warum zur Hölle nicht das Faultier???)

    Fun-Fact 10: Klammeraffen haben einen langen Schwanz mit dem sie sich an den Ästen halten. Ganz am Ende des Schwanzes ist ein felloser Teil mit einem ganz individuellen Fingerabdruck.

    Fun-Fact 11: Der Schnabel eines Regenbogen Tucans kann bis zu einem Drittel der Körpergröße ausmachen!!

    Fun-Fact 12: Die „Kapuziner Affen - Schule“: einmal am Tag gehen männliche Volunteers mit den Affenteenagern in den Dschungel und lassen sie das natürliche Umfeld schnuppern. Sobald die Volunteers wieder heimlaufen, kommen die Affen wieder vom Baum, weil ihre „Alpha-Männchen“ gehen. Sobald ein Affe mal oben im Baum bleibt spricht man von einer perfekten Auswilderung.

    Fun-Fact 13: Ein Faultier braucht 30 Tage bis es ein Blatt verdaut hat.

    Fun-Fact 14: Nur einmal pro Woche kommen sie vom Baum runter zum kacken. Wenn es sich gerade ergibt, paaren sie sich dann auch noch „schnell“.
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  • Day202

    Nach drei Wochen verlassen wir Bocas Del Toro. Und zwar im strömenden Regen. Der Fahrer unseres Holzbootes, das uns auf das Festland bringt, schreit irgendwas Unverständliches gegen den Lärm des Motors an. Er deutet auf eine blaue Plastikplane und gibt uns zu verstehen, dass wir sie uns über die Köpfe ziehen sollen. Also gut. Er ist der Kapitän. Eins, zwei, drei, hepp - spannen die anderen Fahrgäste und wir dieses blaue Riesenteil über uns und versuchen mit allen Leibeskräften die durch den Fahrtwind wild gewordene Plane zu zähmen. Regen hämmert auf Plane und Plane hämmert auf unsere Köpfe. So muss es sich anfühlen, wenn man geschmuggelt wird. Wir sehen nichts ausser dem tropfenden, lodernden Blau, das uns zu allen Seiten umgibt und es bleibt uns nichts anderes übrig, als El Capitan zu vertrauen, welcher mit Highspeed durch die von unten und oben nasse Szenerie heizt.

    Wir sind auf dem Weg nach Costa Rica. Von einem Paradies ins nächste. Direkt nach der Grenze fahren wir kilometerweise an Bananen-Feldern vorbei, riesige Chiquita-Container stehen davor. Wie lustig die Vorstellung ist, dass ich hier gerade eine Banane sehe, die vielleicht bald jemand zuhause im Rewe kauft und verspeist. Kleine Welt!

    Von der Grenze ist es nicht mehr weit und wir sind in Puerto Viejo, einem kleinen Dorf an der Karibikküste Costa Ricas.

    Wir laufen die letzten paar Meter zu unserer AirBnb, einem Holzhaus mit eigenem Dschungelgarten und da kommen uns auch schon Daniel und Charly entgegen, mit denen wir die kommenden zwei Wochen in diesem wunderschönen Land verbringen werden.

    Costa Rica wird auch „Die friedliche Seele“ genannt, da dieses grüne Land seit sieben Jahrzehnten ohne Armee auskommt. Außerdem steht mehr als ein Drittel des Landes unter Naturschutz.

    Puerto Viejo scheint sowohl geographisch als auch kulturell abgeschieden vom Rest des Landes. Mitte des 19. Jahrhunderts sind Arbeiter aus Jamaica hier angekommen, um die Eisenbahnlinie zu bauen und blieben, um für „United Fruit“ zu dienen. Daher ist die südliche Karibikküste Herz und Seele von Costa-Ricas Afro-karibischer Gemeinschaft. Den würzig-scharfen Geschmack kann man im Kokosnussreis schmecken, in der Reggaemusik hören und im Easy-Going Pura Vida erleben. Die Ticos, wie die Einwohner Costa Rica’s sich gerne nennen, sind unglaublich stolz auf ihr grünes Paradies. So stolz, dass die Corones-Scheine eher aussehen wie Tierlexika als wie Geld. Eine Anekdote dazu: Ich kaufe Bananen in einem kleinen Laden. Der Tico öffnet seine Kasse, um mir Rückgeld zu geben, hält kurz inne, schaut mich an und fragt: „Dos Monos o un perizoso?” (Zwei Affen [auf den 5er Scheinen] oder ein Faultier [auf dem 10er Schein]?)

    Rund um unser Holzhaus (genauer genommen auch darin) wimmelt es vor Tieren. Türkis/schwarz gefleckte Frösche, Riesen-Meerschweinchen, Tukane, Kolibris - ich bin im Tierparadies!

    Die Natur hier in Costa Rica ist so farbenfroh und artenreich, dass es einem fast wie in einem Comic vorkommt. Regenbogentukane beäugen einen vom Baum herunter, während weißgesichtige Kapuzineraffen in den Baumkronen hangeln, Faultiere in den Ästen hängen, handtellergroße Schmetterlinge leichtflüglig umherschwirren und man von allen Richtungen die markerschütternden Schreie der Brüllaffen hört.

    Mit unseren Beach-Cruisern cruisen wir jeden Tag in der Gegend herum, zum Beispiel zum Cahuita-Nationalpark. Der 8 Kilometer lange Pfad führt uns durch dichten Dschungel, indem Charly von frechen Kapuzineräffchen bedroht wird und schlängelt sich immer wieder raus an strahlend weiße Strände. Das Highlight dieses Parks sind für mich eindeutig die Waschbären. Ihr Gesicht erinnert mich ein bisschen an Erdmännchen, beiden sehen sie aus wie Banditen.

    In ordentlicher Pura Vida Manier faulenzen wir hier durch die Tage, tanzen in Charlys Geburtstag hinein
    und katern wieder aus ihm heraus.

    Das Leben ist schön!
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  • Day198

    Felix der Unbesiegbare

    March 28 in Panama

    Gastautor Felix H. (der sich immer beschwert, dass er in meinen Berichten als peinlicher Verlierer dargestellt wird):

    "WOW! 4 MINUTES AND 15 SECONDS! YOU COULD BE MY TEACHER!"
    Wie so oft übertraf ich mich mal wieder selbst. Beim regungslosen Luftanhalten im Wasser knackte ich direkt die Grenze der Lehrerprüfung und begeisterte meine Freedivelehrerin Mara. Was sag ich, sie jubelte! Vermutlich war sie direkt verliebt - kein Wunder.
    Beim späteren Tieftauchen entlang der Leine mit Flossen war ich direkt auf 20m. Tiefer darf man nicht beim ersten Kurs. Naja bevor es mir langweilig wird bin ich halt dann einfach auf die verschiedensten Arten nach unten. Im Froschstil ohne Flossen, nur mit den Händen runterziehen, Augen auf, Augen zu, Kopf nach oben, Kopf nach unten... und immer wieder 20 Meter. Mara flippte verständlicherweise total aus: "I can't teach you anymore".
    Ich nickte verständnisvoll, zwinkerte ihr zu und streichelte ihr mit meinem nassen Handrücken sanft über die Wange - Gott muss ich unwiderstehlich sein!
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  • Day198

    Ich sitze im Taxiboot von Sebastian.
    Er bringt mich nach Bastimentos, einer Insel im Bocas Del Toro Archipel, auf der das Dorf „Salt Creek“ liegt. Dort wohnen angeblich Mitglieder des indigenes Volkes der Ngäbe Buglé. Meine endlose Neugierde an anderen Kulturen zieht mich dorthin. Das Dorf ist recht weit weg und ich weiß noch nicht mal wirklich, ob ich die Eingeborenen dort überhaupt sehen werde. Normalerweise bucht man eine Cultural-Tour dorthin, dann ist alles für einen organisiert. Meistens sucht man dann noch Delfine, schnorchelt und fährt an irgendwelche Strände. Ich will aber NUR die Kultur der Ngäbe Buglé kennen lernen, ohne Delfinjagd.
    So sitze ich jetzt bei meinem Privatfahrer Sebastian im Boot. Wir schießen über die Wellen, vorbei an den verschiedenen Inseln des Archipels. Über das laute Dröhnen des Motors hinweg unterhalten wir uns schreiend miteinander. Ich erzähle ihm, dass ich unbedingt die Ethnie Ngäbe Buglé kennenlernen möchte. Da grinst er und sagt, dass ich einen davon direkt vor mir habe. WHAT? Was für ein Zufall. Ein Fuchs wie ich bin, frage ich ihn, wo denn sein Dorf liegt und ob wir nicht dorthin fahren können. Ganz verlegen meint er, dass er aus San Cristobal auf der Isla Cristobal kommt. Und ja. Alle Dorfbewohner seien Ngäbe-Buglé. Ob ich denn wirklich statt zum touristisch erschlossenen Salt Creek (unser eigentliches Ziel) zu seinem Dorf will.
    Ich jauchze fast vor Freude. Was für ein Glück ich schon wieder habe.
    Natürlich will ich in sein Dorf. Sebastian scheint es riesig zu freuen. Und ich sehe auch einen stolzen Glanz in seinen Augen.
    Also machen wir kehrt und steuern die Isla Cristobal an.

    So schnell kann es gehen und der Bootstaxifahrer wird zum persönlichen Guide. Sebastian führt mich ins Dorf und stellt mich der Vorsitzenden (von welchem Verein habe ich vergessen) vor.
    Ihr Name ist Damaris. Sie steckt in einem der traditionellen Kleider. Selbstgenäht, wie sie stolz berichtet. Auf diesen sogenannten Nagua sind Dreiecke und meistens Wellen zu finden, welche für die Berge und den Ozean stehen. Beides wichtige Lebensgrundlagen für die Ngäbe.
    Als sie erfährt, dass ich auch gerne nähe und es sogar unterrichte, ist sie völlig aus dem Häuschen und zieht mich an der Hand hinter ihr her. Wir laufen quer durchs Dorf, grüßen alle möglichen Leute und gehen dann Holztreppen zu einem Holzhaus über dem Wasser hoch.
    Sie ruft in ihrer Sprache etwas ins Haus und plötzlich kommen zwei bildschöne Mädels heraus. Sie tragen kurze Hosen und T-shirt’s. Da die Mama aber so stolz auf ihre Naguas ist, steckt sie ihre Töchter in diese bunten Kleider. Schaut das herzig aus! Damaris hat insgesamt 5 Töchter, jedoch nur Lina und Roxana sind gerade zuhause. Als die 15jährige Roxana erfährt, dass ich Mathelehrerin bin, funkeln ihre Augen und sie meint, sie liebt Mathe. Wow. So eine Reaktion bekomme ich nicht oft von einem Teenager.
    Unser Gelächter lockt die Oma aus dem Haus. Isabel ist 74 und kann kein Spanisch, da sie nie zur Schule ging. Aber mit Damaris als Übersetzerin klappt die Konversation bestens. Damaris ist so nett und übersetzt von spanisch auf ihre Sprache Guaymí.

    Plötzlich fragt mich Damaris, ob ich bereit bin. Ich weiß zwar nicht für was, aber ok. Es kann ja nur gut werden. Also folge ich ihr und wir treffen eine Freundin von ihr. Zusammen zeigen sie mir, wie sie die traditionellen Kraar-Taschen herstellen.
    Kurz vor Vollmond gehen alle Frauen auf den Berg hinterm Dorf, dort werden Äste der Pflanze „pita“, die bis zu 15 Meter hoch wachsen kann, abgeschnitten.
    Zuhause angekommen werden deren Fasern vom Rest getrennt, indem man darauf mit einem Bambusholz auf und ab reibt.
    Die Fasern werden anschließend gewaschen und dann 5 Nächte unter dem Vollmond getrocknet. Ist der Mond nicht voll, werden die Fasern nicht weiß, sondern gelb.

    Die getrockneten Fasern werden dann teils mit natürlichen Färbemitteln eingefärbt und schließlich in aufwendiger Handarbeit zu Taschen, Haarbändern und Ketten verhäkelt.

    Wir tauschen uns noch eine Weile aus, über Schnee, über Häkeln und Nähen, über Schule und über Lieblingsessen.

    Ich bin überglücklich, dass ich diese authentische Erfahrung machen durfte. Manchmal muss man einfach spontan sein, damit das Leben die wunderbarsten Dinge in die Wege leiten kann.
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  • Day197

    Bocas del Toro - Polo Beach 1

    March 27 in Panama ⋅ ⛅ 25 °C

    Das habe ich bestimmt schon ein paar mal gesagt. Aber dieses Mal ist es wirklich so: ich habe den schönsten Strand der Welt entdeckt. Polo Beach.
    Aber von vorne: Heute früh sind wir von unserer Wohnung in Bocas Town (Felix und ich sind jetzt wieder zu zweit und zum drittenmal auf der Isla Colon umgezogen) per Boot zur Insel Bastimentos gefahren. Das Hauptörtchen dort heißt Old Bank. Wir schlenderten also durch die einzige Gasse, die es gibt, bewunderten die bunten Holz-Häuschen überm Wasser und erhaschten hier und da ein paar Gesprächsfetzen der Einheimischen. Dies war der Hauptgrund, weshalb ich das Dorf besuchen wollte: hier ist der einzige Ort der Welt, an dem Gali-Gali gesprochen wird, ein Mix aus Jamaica-Englisch, Spanisch und Elementen des Guyamí (die Sprache der Eingeborenen Ngäbe-Buglé). So streunerten wir im Nieselregen durch das Dorf, in dem aus jedem vierten Haus lautstark Salsa oder Reggaeton dröhnt, und sogen den unverblümten karibischen Vibe ein.

    Nach einem oberleckeren French Toast im Sea-Monkey rat uns dessen Besitzer von unserer Idee ab, die Insel zu Fuß zu überqueren, um an den Red Frog Beach zu gelangen. Viele Touristen haben sich dabei schon im Dschungel verirrt und mit unseren Flipflops kämen wir auf dem schlammigen Untergrund eh nicht weit.

    Gut. Mal wieder bestens informiert.
    Also befolgten wir seinen Rat und hüpften in das nächste Taxiboot.
    Der Red Frog Beach ist ein Traum. Ein Bilderbuchstrand. Sogar im Regen. Weil wir überhaupt keine Orientierung hatten, liefen wir einfach mal einen Dschungelpfad entlang, der uns zu einem noch bilderbuchigeren Strand führte.
    In diesem Paradies sitzen wir nun und haben es ganz für uns alleine!
    Zugegeben lädt das Wetter auch nicht gerade zu einem Strandtag ein.
    Wir ignorieren den Regen und genießen unseren ganz privaten Traum-Strand.

    Na gut. Ehrlich gesagt motze ich am Nieselregen rum und diese doofen kleinen roten Frösche haben wir auch noch nicht gesehen.
    Felix ist ungeduldig, er will ein Bier. Schon blöd, dass es an so einem abgelegenen Strand keine Kneipe gibt.

    Denken wir. Und in dem Moment reißt der Himmel auf und die Sonne taucht unser Paradies in das zauberhafteste Licht, das man sich vorstellen kann. Als sei das nicht schon göttlich genug, entdecken wir eine kleine Holzhütte am Strand. Wir trauen unseren Augen nicht. Und dann überschlagen sich die Ereignisse. Erst zieht Señor Polo, der in der Hütte wohnt (und der Namensgeber des Strandes ist), aus seinem Kühlschrank (unglaublich aber wahr) zwei Dosen Bier. Dann frägt uns Titi (ein Einheimischer Rastafari mit Dreadlocks) auf schweizerdeutsch (er hat ne Schweizer Freundin), ob wir die Faultiere schon gesehen haben. Ich flipp fast aus und renne ihm hinterher. Mit dem schlechtesten Dschungeloutfit (ich war ja eben noch am Strand und trage deshalb nur meinen Bikini und bin barfuß) streife ich durch das Dickicht und plötzlich sehe ich sie: FAULTIERE!! Ich kann es nicht fassen. Meine ersten Faultiere, die ich ganz nah sehe. Und während ich noch glotze, springt Titi auch schon weiter und ruft: „Kommt hierher. Da sind die roten Frösche!“ WAAS? Auch noch das! Die Moskitos fressen mich auf, aber das ignoriere ich. Titi zeigt auf einen Baum und da sitzen sie echt: lauter minikleine knallrote Frösche mit schwarzen Punkten. Giftig. Erklärt uns Titi und fängt direkt einen und setzt ihn Felix auf die Hand.
    Ich weiß gar nicht, wo ich hinschauen soll. Frösche, Titi, Faultiere. Völlig überfordert stehe ich im Bikini im Dschungel und kann mein Glück nicht fassen.

    Am allermeisten feiere ich die Faultiere. Wie süß kann man eigentlich gucken? Augen auf Halbmast, der Blick ein bisschen wie dauerbekifft und eine Sturm-Frisur, die an die Vokuhilas der 80er erinnert. Überragend!

    Ich krieg gar nicht genug vom Beobachten, schieße aus jedem Winkel hunderte Fotos und darf sogar auf Felix Schultern sitzen, damit ich meine wuscheligen Freunde noch näher sehen kann.

    Felix gestattet mir noch einige Momente, bevor er heimdrängt. Wir haben noch einen langen Dschungelweg vor uns und müssen dann erstmal schauen, ob wir noch ein Taxiboot bekommen, da es schon dunkel wird. Ich sehe widerwillig ein, dass wir losmüssen.

    Da ich aber noch lange nicht genug geguckt habe, besuche ich mein privates Paradies, den Polo Beach am nächsten Tag gleich nochmal.

    Und wer hängt da noch an Ort und Stelle? Meine zwei Faulpelze ;)
    Keinen Zentimeter haben sie sich bewegt.

    Danke liebe Erde, dass du dich mir immer und immer wieder von deiner wunderschönsten Seite zeigst!
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