Auf in neue Abenteuer!
30. november 2024, Indien ⋅ 🌙 11 °C
Als ich es mir in dem bequemen Sitz des Volvo Nachtbusses bequem gemacht hatte, war ich noch überzeugt davon, ein paar gute Stunden Schlaf finden zu können. Aber selbst als ich mir gegen die Kälte beim nächsten Stop mein warmes Wolltuch aus dem Packrucksack geholt hatte, ließen die kurvigen Straßen mit ihren Schlaglöchern und der Tumult beim Aus- & Einsteigen an den diversen Haltestellen, kaum mehr als ein temporäres Wegdösen zu.
Ziemlich übernachtig, packte ich also auf geheiß des Busbegleiters mein Zeug zusammen, als es hieß: "Next stop Dehradun, Ma'am." Es war kurz nach 6 Uhr früh. Kaum auf der Straße, im Bemühen gerade meinen Rucksack aus seiner Schutzhülle zu schälen, fragte mich die quirlige junge Inderin vom Sitz vor mir, ob ich schon ein Ticket nach Rishikesh hätte. Als ich verneinte, sprach sie kurz in Hindi mit ein paar umstehenden Menschen und deutete gleich darauf auf einen lila Bus am gegenüberliegenden Straßenrand. "There, take that purple one. It goes to Rishikesh. Not the most comfortable, but it's cheap. Have a good trip!"
Ich schnappte meinen Packrucksack so wie er war und kletterte in den ausgewiesenen Bus, mich nochmals versichernd, ob er auch wirklich nach Rishikesh führe. Der Fahrer nickte, ich winkte ihr dankend aus dem Bus zu und kurz darauf setzten wir uns in Bewegung. Na das hatte ja bestens geklappt. So viel Freundlichkeit findet man bei uns selten. Und wie nach jeder Reise nehme ich mir fest vor, Touristen zuhause mit mehr Hilfsbereitschaft zu begegnen.
Mit vielen Halten zuckeln und rasen wir abwechselnd im Sonnenaufgang dieses neuen Tages meinem nächsten Aufenthalt entgegen.
Noch immer keine Ziege im Autobus, es ist wohl zu früh für sie 😉.
Da mir bei der Ankunft am Busbahnhof von Rishikesh jede Orientierung fehlt und ich 1. sehr gerädert bin und 2. schon dringend mal Pipi muss, nehme ich den erstbesten Tucktuckfahrer und bitte ihn, mich nach Parmarth Niketan zu bringen. Allerdings nicht ohne zumindest vorher nach dem Preis gefragt und verhandelt zu haben. Kaum sind wir auf der Hauptstraße draußen, fragt er mich, ob ich Hasch möchte, während er an seinem Joint zieht. Na großartig! Es ist mir egal, er wird wohl wissen, wie fahrtüchtig er ist, denke ich mir und vertraue meinen Schutzengeln 😇. Vor der großen Brücke über den Ganges, die nur von Mopeds und Fahrrädern befahren werden darf, lässt er mich aussteigen, ich gebe ihm den vereinbarten Betrag, vermutlich immer noch deutlich zu viel für die kurze Strecke und lehne es ab, seine Nummer zu notieren. Letzte Etappe also zu Fuß. Der Wind bläst heftig und ich finde es ganz schön frisch. Aber mit Rucksack und flottem Schritt wird mir bald warm, als ich durch die eben erwachenden Gassen zwischen Kühen und ersten Marktstandlern am Ganges entlang zum Ashram gehe.
Kaum bin ich durch den prunkvollen Eingang geschritten, offenbart sich eine ganz andere Welt: sauber, gepflegt, sehr grün und noch recht still präsentiert sich der Innenhof des Ashrams, welcher Zimmer für 1000 Gäste hat! Während ich mich noch orientierend umblicke, nähert sich mir ein Mann, wie sich herausstellt selber Gast hier, und weist mich zur Rezeption. Die ist erst ab 8:30 besetzt, aber es gibt Toiletten und einen Platz, wo ich alles abstellen und mich hinsetzen kann, um die restlichen 20min zu warten. Alles ist gut. Ich bin angekommen.
Ich bin sehr glücklich, schon einchecken zu können und meine erste Aktion hier ist es, dass ich mich mal für ein paar Stunden hinlege, um wieder klarer denken zu können. Die Zeiten, wo ich Nächte unbeschwert durchmachen konnte, sind lang vorüber 😅
Als ich gegen Mittags erwache, mache ich mich frisch und suche zuerst die Kantine auf, wo ich das satvische Mittagsmenü teste. Den Rest des Tages verbringe ich in Erkundung des Ashrams und kurz vor 17:00 schlendere ich hinunter zum Ganges, um mich für das tägliche Spektakel des Aarti einzufinden. Dies ist ein hinduistisches Ritual, wo synonym zum lebensspendenden Licht der Sonne, der Maha Ganga (Mutter Ganges) zu Sonnenuntergang ein Lichtopfer dargebracht wird. Es gibt Livemusik, mit der alle Teilnehmer über massive Lautsprecher dröhnend beschallt werden. Zahlreiche Kinder laufen mit großen Schalen herum und verkaufen Blumenspenden oder stempeln einem gegen eine kleine Spende Shivas Dreizack in rot auf die Stirn. Es wird zunehmend enger, als mit dem Eintreten der Dunkelheit mehr und mehr Menschen herbei strömen.
Die jungen gelb-rot gekleideten Buben des Ashrams laufen eifrig herum, bringen Lichter, Teller und assistieren dem Hindu Priester beim Zelebrieren des Rituals. Es ist der Leitung des Rituals anzurechnen, dass sie bitten, keine Lichter tatsächlich in den Fluss zu geben, im Sinne des Umweltschutzes, um Maha Ganga gesund und rein zu halten. Im Anschluss gibt es dennnoch zahlreiche Inder, die diese Blumenschiffchen mit Kerze und Räucherstäbchen bestückt ins Wasser setzen und sich mit dem heiligen Nass dann Gesicht und Kopf segnen. Solche Bräuche sitzen eben tief und Aussehen tut es ja auch schön. ...
Fun fact: für dieses Ritual zieht man seine Schuhe am Eingangsbereich aus und auf wundersame Weise habe ich sie trotz all der Menschen jedesmal wieder aufgefunden! 😅
Gleich anschließend geht es für Interessierte weiter zum Satsang, einer gemeinsamen Singveranstalung mit der Möglichkeit danach Fragen zu stellen. Wieder mit schmerzhaft tösenden Lautsprechern - unglaublich die müssen alle Gehörschäden haben...
Nach einer Gemüsesuppe, die leider ganz anders war, als ich es erwartet hatte, aber mit zum Glück leckerem Naanbrot, fiel ich dann erschöpft in mein Bett, sehr froh, ein Zimmer für mich zu haben.Læs mere





















