• Every journey comes to an end

    17. december 2024, Indien ⋅ 🌙 12 °C

    Die Sonne nähert sich als orange leuchtender Ball links von uns dem Horizont. Die Beifahrer auf den Motorrädern hüllen sich fester in ihre Decken, die Kühe legen sich in Gruppen am Straßenrand zusammen. Unser letzter Tag in Indien neigt sich dem Ende zu, während wir auf der Rückbank von Qayums Suzuki von Agra Richtung Delhi rollen.
    Motorenlärm und das notorische Hupkonzert dringen in mein Ohr und vor meinem inneren Auge tauchen Bilder der letzten Wochen auf. Es waren so viele Eindrücke, dass ich sie gar nicht zu ordnen vermag. Alles, was ich über Indien gehört und gelesen habe, hat sich bewahrheitet. Noch nie zuvor habe ich so dicht neben einander so starke Kontraste erlebt.
    - Sie füttern überall Tauben und sogar Ameisen, weil es gut für's Karma ist, und dennoch sind einige Streuner in einem erbärmlichen Zustand. -Sie bauen staatliche Altersheime für "pensionierte" Milchkühe, aber setzen immer noch zahlreiche von ihnen sowie die "nutzlosen" Stierkälber in der Stadt oder dem Jungel aus und überlassen sie dort sich selbst und dem naheliegenden Tod.
    - Sie bilden Eliten im IT-Sektor und Ingenieurwesen aus und haben dennoch in einigen Bundesstaaten enorm hohen Analphabetismus.
    - Sie haben in ihren Großstädten fortschrittliche Metrosysteme, aber keine etablierten Müllrecyclingstrategien.
    Und das ließe sich lange so fortsetzen.

    Ich selbst bin mit klapprigen Bussen inmitten der indischen Landbevölkerung gefahren und auch im privaten PKW mit eigenem Fahrer durch Rajasthan kutschiert worden, mit den Gesichtern bettelnder Kinder an meiner Scheibe.
    Ich habe in Ashrams und schlichten Unterkünften ohne eigener Dusche genauso übernachtet, wie in einem 4 Sterne Hotel, wo es zur Begrüßung Blumenketten und heiße Handtücher gab und abends eine Schar Kellner um uns herumschwirrten.

    Das Leben ist so vielseitig, wie es Menschen und Möglichkeiten gibt. Darum lass dich nicht einschränken, probiere dich selber aus! Immer wieder aufs Neue. Bleibe geistig flexibel, neugierig und offen. Und höre nie auf zu reflektieren, zu lieben und für andere da zu sein.

    Noch ein richtig massiver Stau auf den letzten Kilometern zum Indira Gandhi Flughafen. 6 bis 8 Spuren verengen sich auf geschätzt 3 bis 4, aber mit all den Motorrädern, Kleintransportern, Autos und LKWs sind es immer noch mindestens 6! Es wird geschnitten, gedrängelt, überholt, aber alle sind dennoch freundlich mit einander. Die Hupe dient lediglich der Kommunikation, dem Aufmerksam machen. Auch nach 5 Wochen Indien ist es mir ein Rätsel, welchen Regeln sie genau folgen, wenn sie sich im dichten Straßenverkehr bewegen. Unser Fahrer meinte auf meine diesbezügliche Frage nach der wichtigsten Regel für den indischen Verkehr "Bremsen und Hupe", mehr Regeln bräuchte man nicht.

    Wir kommen unversehrt und sehr rechtzeitig am Flughafen an. Eingecheckt haben wir schon gestern abend, also nur mehr das Gepäck am Selbstabgabeschalter aufgeben. Wozu es noch Bodenpersonal gibt, frage ich mich, wenn der Fluggast eh die ganze Arbeit selber macht...😉

    Heute haben wir uns übrigens noch den Mausoleen in Agra gewidmet. Wir besuchten das Baby Taj (Mausoleum von einem Mogulischen Schatzmeister), das Mausoleum von Akbar, einem sehr weisen und toleranten Mogulherrscher und natürlich das Taj Mahal, die Ruhestätte, die der Kaiser Schah Jahan für seine geliebte Frau Mumtaz Mahal, die ihm 14 Kinder gebar, errichten ließ. Sie ist von den beiden vorab genannten Bauwerken inspiriert . Unglaublich eindrucksvoll ist die künstlerische Intarsienarbeit, wo in den weißen Marmor Edelsteine in Form von geometrischen Mustern, Blumen und Kalligraphie eingearbeitet wurden. Eine Handwerkskunst, die es in dieser Form nur in Agra gibt. Am Taj Mahal arbeiteten von 1632 an mehr als 20.000 Handwerker aus vielen verschiedenen Ländern ca. 16 Jahre lang.
    Nach dem Sightseeing lud uns unser heutiger Guide Charanjeet Singh zu sich nach Hause zum Tee ein. Neben einer Hausbesichtigung und dem Vorstellen seiner ganzen Familie gab es dann noch ein warmes Essen mit Bryani Reis, Aloo Subje, leckeren Weizen-Kichererbsen Rotis, Pickles und Mango Chutney. Und danach Chai und eine sehr herzliche Verabschiedung 😉

    Trotz all dieser Erlebnisse blieben viele Fragen offen und viel mehr wundervolle Orte unentdeckt, was nur eines bedeuten kann: Indien, ich komme wieder!

    Und dann gibt es auch einige bekannte Menschen zu besuchen!
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