Kirche St. Sotir in Korça
May 13, 2025 in Albania ⋅ ☁️ 14 °C
Die Kirche St. Sotir (Kisha e Shën Sotirit) in Korça ist das bedeutendste Gotteshaus der aromunischen Gemeinschaft Albaniens. Sie symbolisiert nicht nur den religiösen Glauben, sondern auch das kulturelle Selbstverständnis und die historische Verwurzelung der Aromunen im südostalbanischen Raum.
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1. Historischer Hintergrund
Die aromunische Kirche St. Sotir wurde ursprünglich in den 1920er-Jahren errichtet – ein Projekt des aromunischen Priesters Haralambie Balamaci, der sich für die spirituelle und nationale Eigenständigkeit der Aromunen einsetzte. Balamaci war zugleich ein Protagonist des sogenannten pro-rumänischen Aromunismus, einer Bewegung, die von Rumänien unterstützt wurde, um die kulturelle Nähe zwischen Rumänen und Aromunen im Balkanraum zu betonen. Er wurde 1914 von pro-griechischen Kräften ermordet, noch bevor der Bau abgeschlossen war.
Während der kommunistischen Diktatur in Albanien wurde die ursprüngliche Kirche wie viele andere Gotteshäuser zerstört. Das Gelände der Kirche war lange ungenutzt oder säkular überbaut.
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2. Wiederaufbau nach dem Kommunismus
Nach dem Fall des kommunistischen Regimes wurde mit rumänischer Unterstützung der Wiederaufbau der Kirche begonnen, der schliesslich 2005 abgeschlossen wurde. Die heutige Kirche steht am Stadtrand von Korça, am Eingang des Rinia-Parks, dort wo sich früher auch ein aromunischer Friedhof befand.
Die neue Kirche ist ein byzantinischer Kuppelbau mit drei Apsiden und einer kunstvollen Ikonostase. Die Gottesdienste werden teilweise in Albanisch, Aromunisch und Rumänisch abgehalten – ein klares Zeichen der kulturellen Vielfalt.
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3. Bedeutung für die Aromunen
Die Kirche ist ein zentraler Identifikationsort für die aromunische Minderheit, die in Korça, Moscopole und umliegenden Regionen historisch stark vertreten war. Die Aromunen, auch als Vlachen oder Kutzovlachen bekannt, sind eine romanisierte Volksgruppe des Balkans, deren Sprache dem Rumänischen sehr ähnlich ist.
• Die St.-Sotir-Kirche dient als Ort für religiöse Feste, Sprachunterricht, kulturelle Veranstaltungen und Gedenkfeiern.
• Sie ist eng mit der rumänischen Botschaft und der orthodoxen Kirche Rumäniens verbunden, die das Projekt unterstützte.
• Auf dem Kirchengelände befindet sich eine Büste von Haralambie Balamaci, der heute als Märtyrer der aromunischen Identität verehrt wird.
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4. Fazit
Die Kirche St. Sotir ist mehr als ein Gotteshaus: Sie ist Ausdruck des Widerstands gegen religiöse und kulturelle Unterdrückung, ein Denkmal der transnationalen Verbindung zwischen Rumänien und der aromunischen Diaspora sowie ein lebendiger Ort der Erinnerung und der Identitätsbewahrung in einer Region voller Umbrüche.Read more









