Michael Künnell

Joined March 2019
  • Day57

    Die Tatacoa-Wüste

    May 17 in Colombia ⋅ ⛅ 31 °C

    Von Bogotá aus mussten wir zunächst mit dem Bus nach Nieva fahren, um dort einen Van nach Villavieja zu erwischen, wo wir ein Hostel gebucht hatten. Von dort aus kann man Ausflüge in die Tatacoa-Wüste starten. Leider hat unser Bus diesmal 2 Stunden länger gebraucht als geplant, wodurch wir den letzten Bus nach Villavieja verpasst haben. Die Gastgeber aus unserem Hostel haben uns einen Taxifahrer organisiert, der uns dann gar zum Hostel gefahren hat.

    Am nächsten Tag liefen wir mit unserem kompletten Gepäck zum Hauptplatz, um uns einen Fahrer für einen halben Tag zu suchen. Schnell hatten ein Tuktuk gefunden, zuerst würden wir die verschiedenen Teile der Wüste anschauen, dann werden wir zu unserem Hotel gefahren. Der Fahrer sprach nur Spanisch, aber ohne eine kleine Herausforderung wäre es ja langweilig 😀 Zuerst kamen wir in der roten Wüste an. Genau genommen ist die Gegend keine Wüste, sondern ein tropischer Trockenwald. Dort wachsen nur Kakteen und kleine Bäume, die 3-6 Meter lange Wurzeln haben um an ausreichend Wasser zu kommen. Von den interessanten Informationen die uns unser Guide gab, verstanden wir erstaunlich viel. Unser Spanisch wird auf jeden Fall immer besser! Wir wanderten ungefähr eine Stunde bei sengender Hitze durch die faszinierenden Formationen, die durch Wind und Wasser entstanden sind. Zur Erfrischung gab es bei einer Hütte Zuckerrohrsaft mit Limette und Cholupa-Saft, der uns an Maracuja erinnerte.

    Dann ging die Fahrt mit dem Tuktuk weiter, bis wir an einem Aussichtspunkt ankamen, von dem wir in die graue Wüste blicken konnten. Schließlich erreichten wir auch schon unser Hotel, das mitten in der Wüste lag. Es gab keine Zimmer, sondern nur große Betten die um den Pool rum auf einem Holzpodest standen. So hatte man selbst vom Bett aus einen tollen Ausblick in die weite, graue Wüste. Den restlichen Tag verbrachten wir bei Cocktails in der Sonne. 🍹
    Read more

  • Explore, what other travelers do in:
  • Day55

    Bogotá

    May 15 in Colombia ⋅ 🌧 18 °C

    Nach Salento sollte es nach Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens gehen. Diese ist politisches, industrielles, kulturelles und religiöses Zentrum des Landes und der gesamte Großraum hat mehr als 8 Mio. Einwohner. Somit lebt dort jeder fünfte Kolumbianer.

    Wir nahmen den Nachtbus und sollten eigentlich um 6.30 Uhr ankommen, kamen aber durch die schnelle Fahrweise unseres Fahrers bereits um 4.00 Uhr an und mussten unsere Gastgeberin im Gästehaus rausklingeln. Die nahm das extrem gelassen und bot uns das Sofa zum Schlafen an und sogar noch einen Kaffee. Auch hier spürte man wieder diese Freundlichkeit.

    Überrascht, allerdings in die andere Richtung, hat uns die Kühle. Uns war zwar klar, dass Bogotá auf 2640 Metern liegt und somit keine Hitzewellen zu erwarten waren, aber auf zeitweise 15 Grad bei starkem Regen waren wir nicht vorbereitet. Hinzu kamen die raschen Wetterveränderungen (sonnig, bewölkt, regnerisch, ...) so dass man ständig das Bedürfnis hatte, sich an- oder auszuziehen.

    Wir konnten dann im Laufe des Vormittags unser Zimmer beziehen und duschten uns erstmal warm. Es gab natürlich keine Heizung im gesamten Gebäude und wir waren sicherlich übernächtigt. Dann gingen wir los, um die landesstypische Suppe, Ajiaco, zu probieren. Diese besteht aus Huhn und drei unterschiedlichen Kartoffelsorten. Dazu gibt es Reis und Avocado sowie Sahne und Kapern. Nach einer etwas längeren Suche (maps.me war mal wieder komplett falsch gelegen) fanden wir ein verstecktes Restaurant und bekamen die Suppe, eine Banane und Getränk für 3 €. Das Gericht schmeckte uns beiden ausgezeichnet. Wir wollten dann eine Free Walking Tour machen und ins Goldmuseum, aber am Montag ging leider nichts und so erkundeten wir unser Stadtviertel, La Candelaria, auf eigene Faust.

    Am nächsten Morgen machten wir dann die Free Walking Tour und unser Guide, Lady, erklärte uns historische und kulturelle Hintergründe zu Bogotá und gab uns auch Informationen aus dem täglichen Leben. Der Rundgang durch die Altstadt wurde durch eine Verkostung von Chicha, eine Art Cider vom Geschmack her und ein bisschen gewöhnungsbedürftig für europäische Gaumen, gekrönt. Danach gingen wir ins Goldmuseum, das unzählige Exponate der unterschiedlichen Stämme, wie z.B. der Tayrona, zeigte. Bei uns sprang allerdings der Funke nicht so toll über und wir entschieden auf den Monserrate, den Hausberg von Bogotá, mit der Seilbahn hochzufahren. Von über 3.150 Metern hatten wir eine tolle Aussicht auf die Stadt.

    Tags darauf fuhren wir nach Zipaquira, ca. 45 km nördlich von Bogotá, um die unterirdische Salzkathedrale zu besichtigen. Wir nahmen das Abenteuer auf uns, das Vorhaben mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen. Also rein in den Transmilenio (das Bussystem, U-Bahn gibt es keine) und Richtung Nordbusbahnhof gefahren. Die Herausforderung ist in den richtigen Bus einzusteigen, was mit Durchfragen irgendwie gelingt. Wie gesagt, Kolumbianer sind extrem freundlich und hilfsbereit. Am Nordbahnhof galt es nur auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig in den Bus nach Zipaquira zu steigen. In der Salzkathedrale angekommen, staunten wir nicht schlecht. Ein kolumbianischer Künstler hatte in die alten Stollen einen Kreuzweg und am Ende eine Kathedrale erschaffen, die einem fast den Atem nahmen. Vor allem die Lichteffekte begeisterten uns. Auch, wenn das keine offizielle Kirche ist, fanden wir den Ort magisch und inspirierend.

    In den Tagen in Bogotá sind wir auch nochmal intensiv in die kolumbianische Küche eingetaucht, die nach unserer Einschätzung viel mehr zu bieten hat, als man glaubt und sich vorstellen kann. Aber dazu schreiben wir nochmal gesondert.

    Bogotá hat uns positiv überrascht. Oft konnte man Lesen, dass es mit Cartagena und Medellin nicht mithalten kann. Das finden wir nicht. Es gibt hier genauso einen alten Stadtkern, extrem viele schöne Restaurants, Leben auf den Strassen, Street Art, freundliche Menschen, etc. Für uns ein Muss, wenn man Kolumbien bereist.
    Read more

  • Day51

    Salento - El Valle de Cocora

    May 11 in Colombia ⋅ 🌧 20 °C

    Von Jardín aus machten wir uns auf den Weg nach Salento. Dafür mussten wir einen Bus gleich um 8 Uhr am Morgen nehmen, sonst hätten wir keinen Anschlussbus mehr an diesem Tag erwischt. Durch Berge ging es auf schmalen Straßen entlang, bis wir in Riosucio ankamen. Dort mussten wir umsteigen und zunächst Tickets für den nächsten Bus kaufen. Währenddessen wurden uns Empanadas angeboten, von denen wir zwei kauften und positiv überrascht waren - bei einem Busbahnhof mitten im Nirgendwo bekamen wir die bisher besten Empanadas! Die nächste positive Überraschung: Scheinbar wurde das Busnetz weiter ausgebaut, und so mussten wir nicht noch ein zweites Mal umsteigen wie es online beschrieben war, sondern konnten von hier aus direkt nach Salento fahren! Der Bus war luxuriös wie so oft hier - da können deutsche Busse bei weitem nicht mithalten. Liegt vielleicht auch daran, dass der Bus hier das Hauptfortbewegungsmittel ist, weil es keine Züge gibt. Wir hatten bequeme Sitze, super Beinfreiheit und an jedem Sitz einen Bildschirm mit Filmen und Musik - sogar auf Englisch.

    Plötzlich machte es einen lauten Knall - danach schepperte unser Bus vor sich hin. Nach ungefähr einem Kilometer hielt es unser Busfahrer doch mal für nötig rechts ranzufahren und seinen Bus zu begutachten. Hinten war der zweite Reifen zerrissen (die hinteren Achsen waren doppelt bereift) - direkt unter uns. Das waren wohl zwei Empanadas zu viel 😂. Das hinderte den Busfahrer nicht, nochmal 4km weiter zu fahren. Wir fragten uns ernsthaft, ob er die restlichen zwei Stunden Fahrt so durchziehen wollte. Der Lärm wurde immer schlimmer, und das abhängende Stück Reifen schlug mit jeder Umdrehungen von unten gegen den Boden. Sämtliche Rinder, Pferde und Hunde an den angrenzenden Weiden rannten verängstigt weg oder bellten den Bus laut an. Aber dann kamen wir doch endlich wieder zum stehen - der Busfahrer wusste wohl, dass bald ein Reifenwechselservice kommt. Mitten im Nirgendwo, eine kleine Hütte. Da der Bus einen Ersatzreifen dabei hatte, war das Problem in einer halben Stunde gelöst. Wir hatten schon erwartet, dass wir einige Stunden auf einen Ersatzbus warten müssen, aber manchmal geht alles viel einfacher als man denkt.

    In Salento angekommen, war unser Hostel gleich neben dem Busterminal, und von dort aus hatten wir einen schönen Blick ins Grüne. Unsere Stimmung war allerdings nicht so gut - die Müdigkeit durch die lange Busfahrt, das kältere Klima, der bewölkte Himmel. Trotzdem rafften wir uns auf, um den Ortskern zu erkunden. Der war teilweise ziemlich touristisch, aber trotzdem ließen wir uns nieder um zum ersten Mal eine Limonada de Coco zu probieren - Kokosmilch mit Wasser, Limettensaft und etwas Zucker. Das war genau was wir brauchten, eine tolle Erfrischung! Wir gingen noch einen Kreuzweg, der zu einem Aussichtspunkt über die Stadt führte. Dann stand für Michael ein Frisörbesuch an, und danach gab es nur noch Abendessen.

    Am nächsten Tag machten wir uns früh auf den Weg, um das zu besuchen, was uns nach Salento geführt hat: das Valle de Cocora mit seinen bis zu 60 Meter hohen Wachspalmen. Diese gehören zu den höchsten Weltweit, leider sind sie aber vom Aussterben bedroht. Mit einem Geländewagen wurden wir vom Hauptplatz in Salento ins Tal gefahren. Damit sich die Fahrt auch lohnt, wurde das Gefährt vollgestopft bis zum geht nicht mehr. Somit stand ich hinten auf der Stoßstange und musste mich gut festhalten. Der Vorteil an der Sache war, dass ich nach der 20 minütigen Fahrt endlich wach war! Die Wanderung war wunderschön, immer wieder hatten wir tolle Aussichten auf die gigantischen Wachspalmen. Uns begegneten freilaufende Pferde, und auf 2900 Metern Höhe machten wir Rast bei einer Kolibrifarm. Dort probierten wir eine weitere Spezialität des Landes: “Chocolate con Queso“. Nichts anderes als Kaba mit Käse 😬 Obwohl wir sonst nicht wählerisch sind, konnten wir uns dafür nicht begeistern. Salziger Käse, der schmeckt wie Feta - das passt für uns einfach nicht mit Kaba zusammen. Aber wir habens probiert, immerhin. Die Wanderung ging weiter durch ein Tal, immer an einem Fluss entlang, den wir immer wieder auf alten Brücken überqueren mussten. Ein sehr schöner Ausflug. Zurück in Salento ruhten wir uns zunächst auf der Terrasse unseres Hostels aus.

    Abends wollten wir eigentlich nur was essen gehen, aber danach blieben wir in einer Kneipe mit vielen Billardtischen hängen. Das schöne war, dass diese vor allem von Einheimischen besucht war. Nach zwei Runden Billard entdeckten wir den Keller der Kneipe: ein eigener Bereich in dem Tejo gespielt wurde - ein traditionelles kolumbianisches Spiel. Und schon tauchten zwei deutsche auf, die es auch mal ausprobieren wollten. Man wirft aus 16 Metern Entfernung mit einem Metallstück in einen Kasten, der mit Lehm gefüllt ist. Darin liegt ein Metallring, auf dem vier Päckchen mit Schießpulver liegen. Trifft man das Schießpulver, macht es einen lauten Knall, das gibt Extrapunkte. Es gibt verschiedene Spielregeln was die Punkteverteilung angeht, und wir hatten einen riesen Spaß!

    Am nächsten Tag haben wir noch eine Kaffeefarm besucht, auf der uns die einzelnen Schritte vom Anbau bis zur Herstellung von Kaffee gezeigt wurden. Hier erfuhren wir, dass für viele Farmen mittlerweile der Anbau von Avocados attraktiver ist, weil sie mit diesen höhere Gewinne erzielen können. Der hausgemachte Kaffee war sehr lecker, wenn auch anders als man ihn bei uns in Deutschland kennt. Durch die andere Röstung schmeckte er regelrecht fruchtig.

    Am Nachmittag nahmen wir einen Bus von Salento nach Armenia, von wo aus wir einen Nachtbus nach Bogotá gebucht hatten.
    Read more

  • Day49

    Jardín - (noch) ein Geheimtipp

    May 9 in Colombia ⋅ 🌧 20 °C

    Nach dem Stadt-Leben in Medellin sollte es wieder aufs Land gehen (auch, wenn wir uns in die Stadt verliebt hatten) und zwar nach Jardín, ca. 4 Auto-Stunden südlich von Medellín und in den Ausläufern der Anden auf knapp 1750 Metern im Kaffee-Gebiet Kolumbiens gelegen. Neben Kaffee werden dort Bananen und andere Früchte angebaut und Forellen-Zucht betrieben. Die Ortschaft wurde erst vor 160 Jahren gegründet und ist noch ein Geheimtipp.

    Wir kamen erst Spätnachmittags an und gingen nach dem Einchecken im Hostel direkt zur Ortsmitte. Die Häuser waren alle bunt bemalt und lieb hergerichtet. Auf dem Hauptplatz herrschte ein buntes Treiben der Einheimischen in den Cafés, Restaurants und Bars. Die Männer trugen die ortsüblichen Sombreros und die Stimmung war ausgelassen. Fast alle wippten mit den Stühlen gegen die Häuserwände. Das gehörte wohl zum guten Ton. 😊

    Eigentlich war die Nacht in Jardín eher dazu gedacht, die lange Fahrt von Medellín nach Salento in zwei Etappen zu unterteilen. Doch schon nach dem ersten Eindruck war uns klar, dass wir hier länger bleiben wollten, und so verlängerten wir im Hostel um eine Nacht.

    Am nächsten Tag machten wir einen Ausritt zu Pferde auf einen Aussichtspunkt und staunten nicht schlecht. Von oben betrachtet sah die Ortschaft und die umliegenden Hügel und Berge mit ihrem satten Grün wie im Bilderbuch aus. Weiter ging es dann zu einem Wasserfall, der über einen erst vor ein paar Jahren erbauten Tunnel erreicht werden konnte. Dieser beherbergte auch noch hunderte von Fledermäusen. Nachmittags stiegen wir dann auf der anderen Seite der Ortschaft den Berg zu Fuße hoch und der Weg war voll von Kaffeeplantagen, Bananen-, Orangen- und Avocadobäumen, letztere haben wir beide zum ersten Mal gesehen! Irgendwie der Garten Eden. Die Vielfalt der Früchte schlug sich auch in den Getränkekarten nieder, und so probierten wir zum ersten Mal Lulo-Saft, der schmeckt wie eine saure Kiwi, und Baumtomaten-Saft. Beides sehr lecker.

    Wir waren von Jardín und seinen Einwohnern richtig begeistert und wünschen uns, dass diese Gemütlichkeit und Herzlichkeit so bleibt.
    Read more

  • Day47

    Guatapé

    May 7 in Colombia ⋅ ⛅ 25 °C

    Von Medellín aus starteten wir einen Tagesausflug nach Guatapé. Diese kleine Kolonialstadt ist berühmt für einen 220 Meter hohen Granitfelsen, von dem aus man einen wunderschönen Ausblick auf die umliegende Stausee-Landschaft genießen kann. Doch auch der Ort selbst ist einen Besuch wert.

    In Medellín locken viele Touranbieter mit Ausflügen nach Guatapé, aber nachdem wir es meistens eher nervig finden wenn wir die ganze Zeit lang einen Guide an den Fersen kleben haben, beschlossen wir die Tour auf eigene Faust zu machen. Nach zwei Stunden Busfahrt kamen wir am Fuß des Felsen “La Piedra del Peñol“ an. Zu Fuß ging es weiter bis zum Eingang, wo wir unser Ticket kauften, bevor der Aufstieg begann: 650 Stufen. Die Treppen sind in den Felsen hineingebaut, und oben wurden wir mit einem grandiosen Ausblick belohnt.

    Wieder unten angekommen fuhren wir mit einem Tuktuk ins Dorf. Hier sahen wir schöne, bunt bemalte Fassaden in kleinen Gassen. Auch die Kirche war interessant. Allerdings war der Ort komplett auf Tourismus ausgerichtet, weit und breit waren nur Souvenirshops und Restaurants zu sehen, und jeder Laden verkaufte das Gleiche. Das ist dann die Schattenseite des Ganzen. Wir genossen einige Stunden in der Sonne bei Säften und Kaffee, beobachteten das Treiben am Hauptplatz und lasen. In Kolumbien gibt es überall spottbillige, frisch gepresste Säfte aus verschiedensten Früchten, die entweder mit Wasser oder Milch gemischt werden, das ist immer wieder eine willkommene Erfrischung!

    Dann nahmen wir einen Bus zurück nach Medellín, auch das hat problemlos geklappt. Alles in allem hat uns der Tag ein Fünftel von dem gekostet, was die Touranbieter verlangen, und ein Guide war ohnehin nicht nötig.
    Read more

  • Day46

    Medellín

    May 6 in Colombia ⋅ ⛅ 27 °C

    Nach 16 Stunden Fahrt mit dem Nachtbus kamen wir in Medellín an. Am Nachmittag wollten wir gleich etwas von der Stadt sehen und schlossen uns einer kostenlosen Stadtführung durch das Zentrum an. Bezahlt werden die Guides durch Trinkgeld, ein gutes Konzept. So geben sie sich wirklich Mühe, wir hatten eine tolle Führung. Zuerst lernten wir einiges über die Geschichte der Stadt, natürlich auch hier nicht ohne über Pablo Escobar zu sprechen. Wir sahen Regierungsgebäude und kamen dann zum Platz der Lichter, der für den Wandel der Stadt steht. Einst ein krimineller Hotspot sind dort nun zig Lichtsäulen aufgestellt und eine Bibliothek wurde gebaut. Auf dem Plaza Botero konnten wir überdimensionale Skulpturen bestaunen, die überall herumstanden. Unser Guide hat uns noch mit vielen Tipps für die Stadt versorgt, auch in kulinarischer Hinsicht.

    Noch am Anfang der 90er Jahre war Medellín die gefährlichste Stadt der Welt mit einer hohen Mordrate. 2013 wurde Medellín dann als innovativste Stadt der Welt gekürt, unter anderem wegen der neuen Seilbahnen, die die Armenviertel mit dem Zentrum verbinden. Auf diesen Wandel sind die Einheimischen sehr stolz, und sie freuen sich sehr darüber, dass mittlerweile auch immer mehr Touristen kommen. So Willkommen wie hier haben wir uns selten gefühlt, die Menschen schauen einen an und lächeln, sagen Hallo und bleiben während der Führung interessiert bei unserer Gruppe stehen, weil sie eine fremde Sprache gehört haben.

    Abends haben wir uns richtig darauf gefreut, in unserem Airbnb zum ersten Mal wieder selber zu kochen! Es lohnt sich hier zwar finanziell überhaupt nicht selbst zu kochen, aber wir hatten mal wieder Lust und haben Pasta al Arrabiata gezaubert.

    Am nächsten Tag haben wir die Communa 13 besucht, auch in Form einer “Free Walking Tour“. Dieser Stadtteil ist für seine Straßenkunst und die Rolltreppen bekannt. Da die Communa am Hang liegt und es ab einer gewissen Höhe keine Straßen mehr gibt, sondern nur noch Treppen, wurden irgendwann öffentliche, kostenlose Rolltreppen im Freien eingerichtet. Überall waren coole Graffitis an den Wänden, und die Aussicht über die Stadt von oben war gigantisch! Auch eine Fahrt mit einer der Seilbahnen ließen wir uns nicht entgehen.

    Abends haben wir mit Martina und Max, die wir in Costa Rica schon mehrmals getroffen haben, in Max Geburtstag reingefeiert.

    Was uns oft empfohlen wurde, ist ein Fussballspiel anzuschauen. Also sind wir ins Stadion gegangen, Nacional Medellín gegen Santa Fé. Tolle Stimmung, Medellín hat 2:1 gewonnen und sich den Einzug in die Play Offs gesichert.

    Das Essen in Kolumbien ist meistens einfach, aber lecker. Unsere Favoriten sind Buñuelos (frittierte Käsebällchen), Empanadas mit verschiedenen Füllungen und Soßen sowie Arrepitas, frittierte Fladen aus Maismehl, die wie eine Pitatasche gefüllt werden, und zum Nachtisch Churros. Am Ende eines Tages haben wir uns mal gefragt, ob wir eigentlich irgendwas nicht frittiertes gegessen haben 🤔 Die Antwort lautete Nein.
    Auch das typische lokale Gericht, Bandeja Paisa, ist sehr reichhaltig: es ist ein Teller mit frittierter Wurst, Schweinebauch, Avocado, Salat, Arrepa, Reis, Spiegelei, Hackfleisch, Kochbanane und Bohnensoße. Wir hatten zu zweit mit einer Portion zu kämpfen, so viel dazu 😀

    Medellín ist bisher auf unserer Reise eindeutig die Stadt, die uns am besten gefällt. Der interessante historische Hintergrund, die tollen Aussichten, die netten und fröhlichen Menschen, das pulsierende Nachtleben in unserem Viertel El Poblado, irgendwie passt hier einfach alles. Dank Metro kommt man auch überall gut hin. Die Guides von beiden Touren haben gesagt, dass die Tour für sie ein Erfolg ist, wenn wir nach Hause gehen und allen erzählen, dass Kolumbien ein Land ist, das man entgegen vieler Annahmen problemlos bereisen kann. Das Land leidet immer noch unter dem Image-Schaden der Vergangenheit, auch wenn der Tourismus langsam zunimmt, worüber sich die Einheimischen freuen. Wir fühlen uns hier nicht weniger sicher als irgendwo anders, in Medellín, aber auch im Rest Kolumbiens den wir bisher bereist haben. Absolut zu empfehlen!
    Read more

  • Day45

    Auf den Spuren von Pablo Escobar

    May 5 in Colombia ⋅ ⛅ 27 °C

    Wir sind jetzt seit 3 Tagen in Medellin und erleben eine aussergewöhnliche Stadt. Dazu schreiben wir in ein paar Tagen. Heute wollen wir ausschließlich von der gestrigen Pablo Escobar Tour berichten.

    Wir wurden um 9.00 Uhr in der Unterkunft von Diego, unserem Guide, abgeholt. Als wir zu ihm ins Auto stiegen ahnten wir noch nicht, wen wir da vor uns haben. Gleich zu Anfang verkündete er uns, dass er Teil des Medellin Kartells war und jahrelang Kokain von Mexiko nach New York schmuggelte. Wahnsinn! Irgendwie war es ein beklemmendes Gefühl bei ihm im Auto zu sitzen, andererseits wahnsinnig interessant, und wie könnte so eine Tour authentischer sein? Natürlich löcherten wir ihn mit Fragen. Ursprünglich war er Fussballspieler und verdiente um die 200 Dollar pro Spiel. Dann wurde er irgendwann von einem anderen Spieler gefragt, ob er nicht so richtig Geld verdienen wolle, und er stieg ein. Da er sowohl die kolumbianische als auch die Staatsbürgerschaft der vereinigten Staaten hat, war er der perfekte Mann für den Schmuggel. In New York hatte er 50 Leute unter sich, somit war er ein Dealer im großen Stil. Zwischen ihm und Pablo Escobar war nur sein Boss gewesen, der ihn nach eigener Aussage immer sehr gut behandelte und bezahlte. Im Alter von 20 Jahren hatte er bereits 2 Millionen Dollar auf dem Konto. Allerdings wurde er geschnappt und verbrachte 12 Jahre im Gefängnis, sein Vermögen wurde natürlich beschlagnahmt. Jetzt macht er also Touren für Touristen!

    Zunächst fuhren wir an den Ort, wo Escobars Haus bis vor 2 Monaten stand. Es war 6-stöckig, früher waren darin Kunstschätze im Wert von 100 Mio. $. Die Regierung von Kolumbien will das Thema Pablo Escobar am liebsten totschweigen und ist gerade dabei, sämtliche Erinnerungen auszumerzen. Dann fuhren wir zum Friedhof, wo Escobar und der Rest seiner Familie begraben sind. Auch hier herrscht reges Interesse, es kommen wohl bis zu 300 Leute am Tag zum Grab. Dann ging es zum Ort, wo er sich die letzten 3 Monate vor seinem Tod verschanzt hatte. Dort wurde er aufgrund langer Telefonate mit seiner Familie von der Polizei aufgespürt. Daraufhin hat sich selbst erschossen oder er wurde erschossen, hier gehen die Meinungen auseinander. Die Wahrheit wird man wohl nicht erfahren. Zuletzt fuhren wir noch in das Pablo Escobar Viertel. Dort hat er 860 Häuser für Arme gebaut und verschenkt. Deswegen wird er dort nach wie vor wie ein Heiliger gefeiert, in vielen Häuser hängt statt einem Bild von Jesus eines von Pablo Escobar. Viele vergessen dabei scheinbar völlig, wie viele Menschen er auf dem Gewissen hat. Hier gibt es sogar ein winziges Museum das in Privatbesitz ist, was der Regierung ein Dorn im Auge ist.

    Unser Guide hat trotz seines Hintergrundes versucht, die Person Pablo Escobar so neutral wie möglich zu beschreiben. Wir fanden, dass es extrem informativ und authentisch war. Das Thema hat uns so beschäftigt, dass wir abends auf Netflix anfingen die Serie “Narcos“ zu schauen.
    Read more

  • Day41

    Costeño Beach und Tayrona Nationalpark

    May 1 in Colombia ⋅ ⛅ 31 °C

    Von Taganga aus sind wir mit öffentlichen Bussen nach Costeño gefahren, wo wir ein abgelegenes Hostel direkt am Strand gebucht haben. Die Stimmung im Hostel war richtig entspannt, die Strandbar lockte mit kaltem Bier, Kokosnüssen und Cocktails. Eigentlich wollten wir hier Surfstunden nehmen, aber der Surflehrer meinte dass die Bedingungen im Moment nicht gut sind. Also sind wir auf Yoga umgestiegen, mit Blick auf das Meer 😍

    Danach haben wir Caro aus Deutschland kennen gelernt und spontan beschlossen, zu dritt eine Fahrradtour zu machen. Ziel war ein kleiner Wasserfall. Die Fahrt ging durch kleine Dörfer über staubige Schotterwege den Berg hoch, bis wir am Fluss ankamen. Im Wasser konnten wir und endlich abkühlen! Zurück am Hostel spielte Michael noch bei einem Volleyball-Turnier mit. Anthony, der mit uns den Lost City Trek gelaufen war, war auch zufällig da. Man sieht sich halt doch immer zweimal!

    Am nächsten Tag wollten wir den Tayrona-Nationalpark besuchen. Caro und Said aus der Schweiz haben sich uns spontan angeschlossen, und so sind wir mit all unserem Gepäck auf Motorradtaxis zum Nationalpark gefahren. Unsere großen Rucksäcke haben wir am Eingang zwischengelagert und das nötigste für eine Nacht in die kleinen Rucksäcke gepackt. Dann konnte es losgehen.

    Die Wege führten durch den Dschungel, Treppen hoch und runter und an Stränden entlang. Tiere haben wir keine gesehen, wahrscheinlich ist der Nationalpark dafür zu stark besucht und sie ziehen sich tiefer in den Dschungel zurück. Aber die Strände waren schön. Am Ende des Wanderwegs ruhten wir uns im Schatten aus, bevor wir noch auf einen Aussichtspunkt stiegen. Dann traten Caro und Said den Rückweg an, sie blieben nicht über Nacht im Nationalpark. Wir gingen noch baden und sonnten uns.

    Unser Camp war mitten im Dschungel, nicht wie die meisten Camps am Strand. Dort hatten wir uns zwei Hängematten gebucht, die mit ca. 20 weiteren in einer Hütte hingen, deren Wände aus Moskitonetzen bestanden. Die Duschen waren wie immer kalt, aber das sind wir seit Beginn unserer Reise gewöhnt 😀 Es war für uns beide die erste Nacht in Hängematten, und wir haben erstaunlich gut geschlafen!

    Auf dem Rückweg sahen wir dann doch noch eine ganze Bande Kapuzineraffen 😊 Am Parkeingang trafen wir zufällig Susanne und Andi wieder, die mit uns auf dem Segelboot waren, die Welt ist klein! Für uns ging es dann mit einem Minivan zurück nach Santa Marta zum Busterminal, wo das nächste Abenteuer auf uns wartete: 16 Stunden Nachtbus nach Medellín.
    Read more

  • Day38

    Tauchen in Taganga

    April 28 in Colombia ⋅ ⛅ 34 °C

    Nach den Strapazen der Wanderung hatten wir uns entschlossen, uns ein wenig zu erholen und sind nach Taganga weiter gezogen. Taganga ist ein kleiner Fischerort neben Santa Marta und am Eingang des Tayrona Nationalparks. Mit seinen 5.000 Einwohnern und der zum Nationalpark gehörenden Isla de La Aguya als Taucherparadies genau das Richtige für uns.

    Wir hatten mit Reto, einem Schweizer, der dort seit 8 Jahren lebt, genau den Richtigen für die Tauchgänge gefunden. So ging es auch an 2 Tagen jeweils 2 mal unter Wasser und wir staunten nicht schlecht: wir sahen Seepferdchen, Steinfische, Rotfeuerfische, Gitarrenrochen und vieles mehr.

    Am Nachmittag nach dem Tauchen genossen wir den Pool auf der Dachterasse im kaum bewohnten Hostel sowie den Ausblick in die Bucht. Abends gingen wir zum Strand und genossen den Sonnenuntergang und das bunte Treiben. Der Strand war auf seine eigene Art und Weise schön: an sich eher schmutzig und nicht zum baden einladend, aber hier fand das wahre Leben statt! Überall Einheimische die ihr Wochenende hier verbrachten, Fischerboote und Tauchboote. Ein weiteres Highlight war ein Schwarm von ca. 30-40 grünen Wellensittichen, die laut kreischend in den Palmen saßen und hin und her flogen. Kolumbien ist das erste Land, wo wir diese schönen Vögel in freier Wildbahn sehen konnten!

    Taganga hat uns mit seiner Gemütlichkeit und Ursprünglichkeit begeistert, die es trotz des vor allem lokalen Tourismus nicht verloren hat.
    Read more

  • Day35

    Lost City Trek - Ciudad Perdida

    April 25 in Colombia ⋅ 🌧 22 °C

    Nach 4 Stunden Busfahrt bei gefühlt 2 Grad Celsius (die Klimaanlage lässt grüßen) kamen wir abends in Santa Marta an. Zum Aufwärmen für das was bevorstand sind wir knapp 3 Kilometer voll bepackt durch die Stadt gelaufen, weil wir kein Taxi gefunden haben, ein mal wenn man eins braucht 😀 Aus unserer Unterkunft sind wir nicht ganz schlau geworden, der Gastgeber wohnte selbst in der Wohnung, aber aus sämtlichen Zimmern kamen immer mehr völlig unterschiedliche Leute. Binnen weniger Minuten fanden wir uns auf einem kleinen Sofa im Wohnzimmer wieder, beschallt von der kolumbianischen Version von “The Voice Kids“. Der Raum war riesig, aber bis auf das Sofa, den Fernseher und einen kleinen Tisch vollkommen leer. Um uns rum ein reges kommen und gehen und viele spanische Gespräche, von denen wir nicht viel verstanden. Und natürlich sorgte die eisige Klimaanlage dafür, dass Sophia sich sogar ihre Jacke geholt hat. Irgendwie eine komische, aber auch lustige Situation.

    Am nächsten Tag ging es dann auf eine 4-tägige Wanderung zur Lost City, die in der Sierra Nevada auf ca. 1100 Höhenmetern liegt, vom Stamm der Teyuna um 700 n.Chr. gegründet wurde und die erst in 1973 wieder entdeckt wurde.

    Wir waren eine 17 köpfige Gruppe und bunt gemischt. Die Stimmung war von Anfang an gut und entspannt. So ging es nach einer 3-stündigen Fahrt in das Gebiet gegen Mittag mit Walter, unserem Guide, los. Gleich bergauf und im vollen Regen, wir waren mitten in der Regenzeit. Der Weg verwandelte sich in Matsch und wir rutschten so vor uns hin bis wir endlich im ersten Camp ankamen. Die wenigsten, und wir gehören nicht dazu, schafften es ohne eine Landung im Matsch 😂 Nachdem die Klamotten und Schuhe im Fluss gewaschen waren, gab es ein reichhaltiges Abendessen: Fisch mit Reis, Salat, Gemüse und Kochbananen-Chip. Das einzige Transportmittel waren die zahlreichen Mulis (eine Kreuzung aus Pferd und Esel), die Vorräte zu den Camps trugen, meist geführt von den Indigenen. Nach dem Essen lagen wir müde, aber glücklich im Bett.

    Am nächsten Tag ging es um 5.00 Uhr aus den Federn, wir hatten einige Entfernung und Höhenmeter zu bewältigen. Es regnete heute zum Glück nicht mehr und die Sonne war in den Anstiegen fast zu heiß. Wir liefen durch Regen- und später durch Nebelwälder, meisst am Fluss entlang, wo wir mittags und abends Abkühlung suchten. Die Landschaft war saftig grün und wunderschön.

    Am dritten Tag morgens war es dann soweit: Wir kamen nach 1600 Stufen endlich in der Lost City an und staunten nicht schlecht. Mitten in den Bergen und total verborgen lebten hier zu Hochzeiten bis zu 6000 Menschen, die die Ansiedlung als festen Wohnsitz hatten, aber auch regelmäßig als Nomaden unterwegs waren, um zu Jagen etc. Ein sehr beeindruckender Ort, das war jede Mühe wert. Wir verbrachten den ganzen Vormittag dort und liefen gegen Mittag einen Teil des gleichen Weges wieder zurück, leider auch wieder bei strömendem Regen. Nass bis auf die Knochen kamen wir im Camp an, wo wir die dritte Nacht verbrachten. Die Dusche war wie immer eiskalt 😯 Um 22 Uhr wachten wir auf: jemand schlug mit einem Besen gleich neben unseren Betten im großen Schlafsaal auf den Boden ein und rief, dass alle in den Betten bleiben sollen. Einer von den Guides hatte gesehen, dass eine giftige Blutotter in den Schlafsaal gekrochen war. Er hat die Schlange mit dem Besen auf den Boden gedrückt und auf Hilfe eines weiteren Guides gewartet, der der sich windenden Schlange nach einigen Fehlschlägen mit einem weiteren Besen den Schädel zertrümmert hat. Das ist der Nachteil von Betten in der freien Natur, aber immerhin hatten wir immer Moskitonetze um die Betten herum.

    Den restlichen Teil des Rückweges machten wir dann Tags darauf. Die Schuhe waren noch tropfnass, aber Augen zu und durch. Wir waren froh, als wir wieder am Ausgangspunkt ankamen.

    Insgesamt war es eine richtig schöne Tour, und die Verpflegung war auch top! In einen Geländewagen gequetscht wurden wir zurück nach Santa Marta gefahren, wo wir in der gleichen Unterkunft blieben.
    Read more

Never miss updates of Michael Künnell with our app:

FindPenguins for iOS FindPenguins for Android