• Suncheon: Überlebenskampf auf dem Jungan-Markt

    April 25 in South Korea ⋅ ☀️ 20 °C

    Die südkoreanischen Seniorinnen faszinieren mich. Bisher bin ich hauptsächlich den Wanderfüdlis begegnet. Heute habe ich etwas über die Not der Frauen gelernt, die trotz ihrem hohen Alter noch arbeiten müssen.

    Ihre Gesichter sind verhärmt, jede Linie erzählt eine Geschichte. Sie sind meistens klein, die Körper oft nach vorne gebeugt, gezeichnet von einem harten Leben. Und doch sind sie es, die heute am Markt den Ton angegeben haben. Sie sitzen in jeder Gasse auf dem Boden, verkaufen Obst, Gemüse oder Fisch und keifen sich an, wenn eine andere sich nicht an die Regeln hält (siehe Filmli). Denn hier kämpft jede ums Überleben.

    Ich weiss nicht, wie alt sie sind. Die Menschen hier sehen teilweise sehr viel jünger aus. Deshalb schätze ich mal vorsichtig, dass sie zwischen 70 und 90 Jahre alt sind. Weil Südkorea erst 1988 ein staatliches Rentensystem eingeführt hat, können die Frauen kaum Ansprüche geltend machen. So weist Südkorea eine der höchsten Altersarmutsraten unter den OECD-Staaten auf: Fast die Hälfte aller Senioren gelten in Südkorea als arm.

    Viele Frauen müssen auch nach dem offiziellen Pensionierungsalter von 60 Jahren weiterhin Geld verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Oft in prekären Beschäftigungsverhältnissen, z. B. als Strassenputzerinnen, beim Sammeln von Altpapier – oder eben auf dem Markt.

    Gerne hätte ich mich mit ihnen unterhalten. Doch das war leider unmöglich. Diese Frauen reden kein Englisch und haben auch keine Zeit für Gespräche. Denn es herrscht ein grosser Konkurrenzdruck und jede überwacht ständig, was die andere macht. Wir Schweizerinnen können echt dankbar sein für unser System.
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