• Petra sehen & sterben! Absolut TOP!

    November 17, 2025 in Jordan ⋅ ☀️ 11 °C

    Petra ist wirklich absolut faszinierend.
    Das ist Wahrheit :-)
    Nach dem sehr, sehr stimmungsvollen Abend "Petra by Night" ging's heute relativ zeitig los auf zur großen Petra Wanderung durch die Hintertür.
    Sharif engagierte gestern einen deutschsprachigen Führer, der mit mir rund sechs Stunden durch die Berge und Schluchten von Petra wandern sollte.
    Pünktlich heute Morgen um 7.30 Uhr traf ich Awad in der Lobby meines Hotels.
    Awad, so war als der Name des Mannes, der mir Petra in Detail zeigen und erklären wollte. Awad dürfte so Ende Anfang 40 sein und ist lizensierter Touristenführer in der Sprache Deutsch. Auf meine Rückfrage meinte er, dass er für keine andere Sprache als Deutsch zugelassen/lizensiert sei. Er dürfe beispielsweise keine englischspachige Reisegruppe führen, nur Deutsch. Sein Deutsch ist Universitäts- und Touristendeutsch. Es ist gut und er ist verständlich, man merkt jedoch, dass er noch nie Deutschland war bzw. noch nie Deutsch im Alltagsleben verwendet hat.
    Auf meine Frage, weshalb er ausgerechnet Deutsch als Fremdsprache lernte meinte, dass daran sein Vater "schuld" sei. Sein Vater fuhr einen Mercedes Baujahr 1971. Er liebte dieses Auto und alles was Deutsch war (Mercedes) war gut. Deshalb sagte sein Vater zu Awad "Sohn lerne Deutsch. Die bauen Mercedes. Das ist ein gutes Autom. Das sind gute Menschen" Und -so für mich als Kleingedrucktes- Deutsche reisen immer und sind in der Regel freundlich, wissbegierig und geben anständig Trinkgeld.
    Der Nachteil an der exklusiven Fixierung auf deutsche Touristen ist, dass z.Zt. nicht allzu viele Deutsche kommen (Stichwort: Gaza Krieg) und er viel zu oft nichts zu tun hat. So wartete er seit drei Tagen (!) in Petra auf mich, ohne dass er zwischendrin noch einen anderen Job hatte. So wird man (Awad) nicht reich und eine Familie kann man so auch nicht versorgen. Awad ist seit einem Jahr verheiratet, seine Frau hat einen gute Stelle bei einem französischen Konzern und Kinder sind noch keine da. Somit ist -derzeit- noch alles gut. Inschallah!
    Die Hintertür zu Petra ist ein Zugang über die Hochebene durch Klein Petra. Klein Petra ist deshalb klein Petra, weil es dort auch fantastische in Stein gemeisselte Bauwerke gibt, jedoch nicht so viele und nicht ganz so oppulent.
    Wir also zuerst Klein Petra besichtigt. Auch hier verschlägt es einem den Atem über die Bauwerke/Kunstwerke die da stehen. Wirklich, wirklich toll.
    Nach Klein Petra ging es dann zur Hintertür von Petra. Auf der Pritsche eines Pick Up wurden wir über die Hochebene zum Einstieg in den Pfad nach Ad-Dier gebraucht. Ad-Dier wird im Deutschen als "Kloster" bezeichnet, was es lt. Awad aber nie war. Es war Totenhaus, Wohnhaus, Verwaltungshaus von Nabatäern gebaut und von Römer und Byzantinern im Laufe der Jahre verändert.
    Wie die gesamte Region Petra wurde auch Ad-Dier durch ein schweres Erbeben Mitte des 3. Jahrhundert größtenteils zerstört. Da zerstört, wurde Petra von den Bewohnern verlassen. Über die Jahrhunderte nutzten die Beduinen die Reste von Petra als Behausung, ohne zu Wissen in welch historischen Schätzen sie lebten.

    Johannes Burckhardt, ein schweizer Forscher, (wieder) entdeckte Petra im Jahr 1812. Es gab schon immer Gerüchte über diese verschollene Stadt. Burckhardt verkleidete sich als Beduine wandelte so unerkannt in der Region. Nach einigem Suchen und mit Hilfe seines Beduinenführers entdeckte er Petra. Seitdem ist Petra der Weltöffentlichkeit wieder bekannt.
    Aber keiner wusste wie Petra von 1812 denn aussieht. Das änderte sich im Jahr 1839 als der schottische Maler David Roberts durch Petra streifte und malte rund 14 Bilder über die Gebäude von Petra. Diese Bilder zeigen in welchem Zustand die Gebäude damals waren. Drucke dieser Bilder werde an fast jedem Stand hier in Petra verkauft.

    Nun aber zurück zu Awad und er Wanderung an Ad-Dier.
    Als wir von der Pritsche runter stiegen erwarteten uns schon beduinische Dienstleister, um uns ihre Esel und Maultiere als Transporttiere anboten. Ich wollte unbedingt laufen (muss meine Pobacken trainieren) und ausserdem hatte ich mich die letzten Tage zu wenig bewegt. Also verneinte ich das Ansinnen der Dienstleister. Awad war von meiner Absage nur begrenzt begeistert, denn er wusste was vor uns lag. Vor uns lag eine fantastische Wanderung. Ein der schönsten Wanderungen, die ich je gemacht hab. Auf einer Skala von 0 - 10 hat diese Wanderung ein 10 verdient. Fantastisch die Landschaft. Fantastisch der in Stein gehauene Weg. Fantastische die unterschiedlichen Farben der Felsformationen. Wirklich spektakulär.
    Da der Weg nach Petra über den Hintereingang touristisch nicht so überlaufen ist, waren wir fast alleine. Das fand ich toll, die am Wegesrand ihrer Waren anbietenden Beduinen weniger. Awad meinte, dass die sehr wenig verkaufen. Alle jammern und hoffen auf "Inschallah".
    Irgendwann nach ca. 3 Stunden zeichneten sich die Umrisse Ad-Dier (dem Kloster) ab. Absolut monumental, extra-ordinär-super-wahnsinns-toll.
    Hier bei Ad-Dier trafen wir auf Touristen, die im Haupttal von Petra den Weg in Richtung Ad-Dier genommen hatten. Sie kamen quasi über den Vordereingang. Dieser Vordereingang hat den ungeschminkten Namen "Weg der tausend Stufen". Laut Awad sind es zwar "nur" um die 900 Stufen, trotzdem sind 900 Stufen 900 Stufen und die wollen erst mal begangen werden. Und ich war froh, dass wir die Hintertür gewählt hatten und für uns der "Weg der tausend Stufen" Abstieg und nicht Aufstieg bedeuteten. Die uns entgegenkommenden Touris waren schon schwer am
    ächzen. Hier hatten die beduinischen Dienstleister und ihre Esel ein gutes Geschäft. Nicht wenige nahmen das Angebot an und ließen sich auf dem wackligen Rücken von Eseln über die Treppe nach oben bringen.
    Awad und ich waren dann so um die Mittagszeit im Talgrund angekommen. Auf dem Weg hatte ich Awad einige deutsche Wörter und Sätze beigebracht. Als wir beispielsweise oben an dem "Weg der tausend Stufen" standen, erzählte ich ihm, dass es ein deutsches Lied gebe, welches "Von nun an ging's bergab" (Hildegard Knef) heißt. Das wäre doch ein wunderbares Motto für unseren Weg nach unten. So übte Awad ausdauernd die Aussage "Von nun an geht's bergab."

    Mit Awad war ich dann bis in gegen 14 Uhr noch im Petra Tal unterwegs und bestaunte alle die Weltwunder, die es da zu sehen gab. Angefangen von den Königsgräbern, der Säulenstraße, Amphitheater über verschlungene Wege zu Grabstellen in den Höhen über dem Tal.

    Ganz am Schluß dann doch nochmal das Schatzhaus. Jenes Haus, welches ich gestern schon zweimal besuchte. Ob es tatsächlich ein Schatzhaus gewesen sei, wisse man nicht. Es könne auch eine Bibliothek, ein Tempel oder etwas ähnliches gewesen sein.
    Nun war dann aber auch gut. Gut mit Laufen und gut mit Informationen. Jetzt hieß es, so bald als möglich Füße hochlegen.
    Und so machte ich es wie Indiana Jones. Der ging auch nicht zu Fuß aus Petra raus. Er hatte ein Pferd. Awad und ich nahmen ein Golfcaddy. So ändern sich die Zeiten.

    Somit schließe ich Petra. Mein zweites Weltwunder. Es war/ist fantastisch!
    Ich würde gerne nochmal zurückkommen. Die beste Jahreszeit -so Adwa- sei April/Mai. Da ist Frühling und die Wüste blüht in allen Farben.
    Ich sage: Inhallah!

    Fußnote: Ich benutze das Wort so oft, da die alle hier "Inshallah" (So Gott will) inflationär benutzen. Ob das Wetter gut wird, die Kinder groß, die Frau schön, das Essen gut, die Toilette sauber, der Bauchumfang kleiner... ....alles ist "Inshallah"
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