Daniel Würmli

Joined November 2018
  • Day124

    Bolivien - Erwartungen übertroffen

    March 10 in Bolivia ⋅ ☁️ 10 °C

    Bolivien ist gefährlich, man sollte keine ungeschälte Gemüse und Früchte essen, da das Wasser verschmutzt ist, die Einheimischen sind unfreundlich, es gibt nicht viel spannendes zu sehen, es ist Regenzeit, Strassen sind oft überflutet und Busfahrten sind teilweise sehr riskant.
    Kein Wunder hatten wir keine grosse Erwartungen an Bolivien. Zweimal haben wir darüber nachgedacht, Bolivien mehrheitlich auszulassen und zum Glück haben wir es nicht getan! Wir fühlten uns jederzeit sicher, haben Gemüse und Früchte gegessen (und nur einmal WC Drang gehabt - was in Argentinien und Chile bei mir wöchentlich der Fall war), viele sehr herzliche und freundliche Bolivianos kennengelernt, einmalige & faszinierende Orte besucht und das Land sehr liebgewonnen. Vom Wetter her hatten wir im Grossen und Ganzen viel Glück! Meistens schien die Sonne, ab und zu regnete es (stark), aber nach einigen Stunden war's dann auch wieder vorbei.

    Die Busse haben nicht die Qualität deren von Argentinien und Chile und trotzdem waren die Fahrten ganz okay. Nur einmal haben wir einen umgekippten Bus gesehen - und es war zum Glück nicht unserer. Allgemein sind die Busbahnhöfe ein Erlebnis. Man wird begleitet von jaulenden Angestellten, welche im ganzen Terminal ihre Destinationen im Kanon verbreiten.

    Man sieht viele arme Menschen, auch viele Bettler fragen nach Geld. Oft haben Frauen ihr Baby in einem farbigen Tuch eingewickelt, welches sie quasi als Rucksack tragen und laufen so herum um dieverses zu verkaufen wie Früchte, Süssigkeiten, Bier (am Karneval) etc. Die indigene Bevölkerung ist noch traditionell angezogen, vor allem die Frauen. Sie tragen breite, lange Röcke, ein Pullover, oftmals einen Hut und die langen Haare sind in zwei Zöpfe geflochten. Leider sind sie sehr fotoscheu und weigern sich, sich fotografieren zu lassen. So blieb mir nichts anderes übeig, als mal heimlich abzuklicken (was ich sonst eigentlich sehr unanständig finde).
    Anderseits findet man auch viele moderne Leute, vor allem junge. Sie sind ähnlich gekleidet wie wir und scheinen auch nicht umbedingt arm zu sein.

    Die Höhen in Bolivien sind gewöhnungsbedürftig. Wir waren immer zwischen 2500 und 4700 Meter, was einem teilweise den Schnauf raubte! Besonders wenn es bergauf, schneckte ich Dani hinterher und werde vom Lied 🎵es chrücht es Schnäggli🎶 angespornt. Ab und zu meldet sich auch leichter Kopfdruck, doch je länger wir so hoch sind, desto abgehärteter sind wir.
    Die Höhen bringen auch extreme Temperaturen mit sich. Bei Sonnenschein vergeht man fast und bei Wolken und in der Nacht ist es sehr frisch.
    Das Essen war schmackhaft und ich freute mich ab viel Abwechslung und auch mal etwas Gesundes... Quinoa, Gemüse, mexikanisch, Teigwaren, Pizza, Chorizo Sandwich... eine tolle Veränderung zu Hamburger, Pommes, Pizza und Fleisch in den vorangehenden Ländern.
    Nach 4 Wochen Bolivien geht es nun weiter nach Peru und wir sind gespannt, ob uns dieses Land auch so in den Bann ziehen kann! Machu Pichu wir kommen!
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  • Day124

    Copacabana & Isla del Sol - Titicacasee

    March 10 in Bolivia ⋅ ⛅ 15 °C

    Nein wir sind nicht am berühmtesten Strand Brasiliens angekommen sondern in der gleichnamigen Stadt in Bolivien. Dieses Copacabana war anscheinend zuerst und der Strand in Brasilien hat den Namen hier abgeschaut.
    Ein eigentlich ganz gemütliches kleines Dörfchen am Ufer des Titicacasee. Sehr touristisch, was evtl auch für die Unfreundlichkeit und das Desinteresse der Einwohner verantwortlich ist. Hier treffen wir Mathias und Selina wieder, unsere schweizer Reisegefährten vom argentinischen Norden. Gemeinsam wandern wir in ca. 40 Minuten den Berg hoch und berichten gegenseitig von dem Erlebten in den letzten Wochen. Allzuviel Atem bleibt jedoch nicht übrig, der steile Anstieg über Stock und Stein auf 3800 Meter ist dafür verantwortlich. Oben angekommen geniessen wir die Aussicht über Copacabana und den etwas bewölkten Sonnenuntergang. Nach dem Nachtessen verabschieden wir uns wieder und wer weiss, vielleicht sieht man sich in Peru wieder.
    Für uns geht es am nächsten Tag mit dem Schiff auf die Isla del Sol - die Sonneninsel auf dem Titicacasee. Der Titicacasee ist mit 8288 km2 übrigens der höchste kommerziel schiffbare See auf der Welt und der höchste Süsswassersee Südamerikas. Ist lustig, wie die Südamerikaner fast immer irgendetwas finden, was das beste, grösste, älteste.. der Welt ist.
    Auf jedenfall ist der See wirklich riesig und man könnte meinen es sei das Meer. Bevor wir die Isla del Sol ansteuern, machen wir einen Stop auf der Isla de la Luna (Mondinsel). Mit weiteren 100 Touristen bezahlen wir die 10 Bolivianos (CHF 1.50) um irgendwelche Ruinen zu bestaunen. Eine Stunde später fahren wir nun zu unserer Destination. Die Sonneninsel ist etwa 10 km lang und es gibt weder Strassen noch Verkehrsmittel. Drei Völker leben in den drei Gemeinden auf der Insel. Durch einen Konflikt der seit 2017 besteht, ist der nördliche Teil der Insel nicht für Touristen zugänglich und wir besuchen deshalb nur das Dorf Yumani im Süden. Zusammen mit unseren Bootsgenossen und dem Guide spazieren wir etwas auf der Insel herum, bevor wir uns verabschieden und eine Unterkunft suchen. Wir werden schnell fündig - 80 Bolivianos (ca CHF 12) für eim Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad. Toilettenpapier ist jedoch nicht inklusive und ein WC Ring nicht vorhanden.
    Ich geniesse den sonnigen Nachmittag auf der Terasse mit Blick auf den See währenddem der verschnupfte Daniel eine Siesta bevorzugt.
    Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um 6h15. Ich möchte mir den Sonnenaufgang ansehen. Dani pfuust weiter und ich spaziere ein paar Meter weiter hoch ins Dorf, um eine gute Sicht zu finden. Sogar die verschneiten Anden sind in der Ferne zu sehen. Nachdem die Sonne die Insel erhellt, bin ich voller Tatendrang. Ich spaziere durchs Dorf, begegne Hunden, Eseln, Katzen, Schweinen und ein paar weiteren Frühaufsteher. Kurzerhand besteige ich noch schnell einen 4000er in 30 Minuten und geniesse den herrlichen Ausblick rund um die Insel.
    Um 10h30 geht's mit dem Boot zurück nach Copacabana, wo wir uns nun auf den Weg machen nach Peru.
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  • Day121

    La Paz - Die hohe Nicht-Hauptstadt

    March 7 in Bolivia ⋅ ⛅ 16 °C

    La Paz, die grösste Stadt Boliviens ist irgendwie so ganz anders als andere Städte und sie gefällt uns. Der Präsident und das Parlament sind hier zu Hause, dennoch gilt Sucre als Hauptstadt.
    Auf 3640 Meter, inmitten von Hügeln gelegen, fragt man sich, wer auf die Idee kam, hier eine Stadt zu bauen. Als öffentliches Transportmittel sind seit 2014, nebst Bussen auch Gondeln im Einsatz. Ein Billet für eine Fahrt kostet 3 Bolivianes, also etwa 40 Rappen. Wechselt man die Gondel-Linie, ist jedoch wieder ein neues Ticket erforderlich. Die Bahnen sind Top modern und vom österreichischen Unternehmen Dallmayr in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Unternehmen CWA gebaut worden. Da kommt gerade ein bisschen Heimat Gefühl auf, wenn man in einer halbschweizerischen Gondel fährt.
    Aber oweh Dani und ich setzen uns auf die selbe Seite der Gondel (ohne weitere Personen), da weist einem das Personal gleich freundlich daraufhin, dass jemand die Seite wechseln muss um die Balance zu halten. Wir versuchen es etwa 4 mal, doch keine Chance... jedesmal wechseln wir selbstverständlich dann die Seite und können uns ein Lächeln nicht verkneifen.
    In La Paz wohnt ein Kolleg von mir, der gleichzeitig in Montevideo ein Austauschsemester machte. Joaquin ist Paceño und hier aufgewachsen. Spontan schreibe ich ihm und promt hat er Zeit für uns. Er zeigt uns die Stadt, das bolivianische valle de la luna, bringt uns zu seinem Lieblings-Strassenfoodstand, wo wir Kuhherz essen, lädt uns zu seiner Familienzusammenkunft ein, wo die Grossmutter für alle lecker gekocht hat und kommt mit uns ins Gourmet-Vegi Restaurant! Ich bin im Internet auf dieses Restaurant aufmerksam geworden. Für umgerechnet gut 20 Franken ist das Restaurant für bolivianische Verhältnisse sehr teuer. Doch es hat sich gelohnt! Wir entscheiden uns für das 5 Gang Überraschungsmenü. Jeder Gang wird vom Koch persönlich serviert mit den Erklärungen, was es genau ist. Wir fühlen uns wie Könige und geniessen den Abend. Auch Joaquin ist begeistert, dass es in seiner Stadt so exquisites Essen gibt.
    Viele Touristen kommen auch wegen der "Death Road" (Todesstrasse) nach La Paz. Einen 55km langen Trail, der man mit dem Mountainbike bewältigt. Zuerst wollte ich mich nicht in dieses Abenteuer stürzen, da immer wieder Menschen hunderte von Meter in die Tiefe stürzen und ihr Leben verlieren. Doch nach intensiver Internetrecherche habe ich mich doch dazu bewogen. Bis vor 10 Jahren galt diese Strasse ofiziell als gefährlichste der Welt. Sie war der einzige Durchgang um von La Paz nach Coroico zu gelangen und musste dadurch viel Verkehr aushalten. Die Strasse ist teilweise so eng, dass kreuzen (mit Autos) unmöglich ist, zudem haben waghalsige Überholmanöver die Situation keineswegs verbessert. So war es keine Seltenheit, dass Autos und Büsse die steile Klippe herunterfielen und die Strasse pro Jahr 200-300 Menschen in den Tod riss. Vor 10 Jahren wurde dann eine neue, sicherere, geteerte Strasse gebaut und die Alte bleibt vorwiegend den abenteuerfreudigen Touristen, die mit dem Bike ihren Adrenalinkick suchen, vorenthalten. Speziell ist, dass hier linksverkehr herrscht. Grund dafür ist, dass die Fahrer, welche ja auf der linken Seite sitzen, besser sehen können, wie nahe sie an der Klippe sind. Diese Regel gilt nach wie vor, was bedeutet, dass auch wir uns links halten müssen (auf der Seite der Klippe..), falls doch mal Gegenverkehr herrscht.
    Aber nun von Anfang an. Am Vortag haben wir die Tour mit dem Unternehmen Barracuda gebucht, es gilt als eines der besten Anbieter dieser Tour. Noch 8 weitere Touristen haben sich bereits für morgen angemeldet, also werden wir eine 10er Gruppe sein mit zwei Guides und einem Minibus, der jederzeit hinter uns herfährt und uns bei Bedarf auflädt.
    Pünktlich um 7h30 sind wir beim Treffpunkt, doch es ist weit und breit niemand anderes zu finden. Etwa 15 Minuten später trifft unser Guide Jubert ein. Wir seien eine kleine Gruppe heute - nur Dani und ich. Etwas verdutzt nehmen wir das zur Kenntnis und sind eigentlich ganz froh darüber, eine Privattour zu haben - ein Chauffeur und ein Guide nur für uns.
    Unser Fahrer Don Guillermo bringt uns auf den Gipfel in 4670 Meter Höhe. Es ist kalt aber zum Glück haben wir unsere warmen Kleider dabei. Los geht's! Die ersten 22 km sind Teerstrasse und wir kommen schnell vorwärts. Das Wetter meint es nicht gut mit uns. Der Nebel wird immet dichter und es setzt auch noch leichter Regen ein. Immerhin wird es kontinuierlich wärmer, indem wir ständig an Höhe verlieren. Die ofizielle Todesstrasse beginnt erst nach den 22km Teerstrasse. Nun wird es nämlich steinig und die Klippen sind angsterregend. Durch den Nebel sieht man zuerst wenig bis gar nichts und am liebsten wäre ich mit dem Minibus weitergefahren, aber das liess mein Stolz nicht zu. Doch nach einigen hundert Metern dann die Erleichterung, wir haben den Nebel hinter uns gelassen! Nun macht es deutlich mehr Spass. Auch der Regen lässt langsam nach. Da wir bis auf die Unterwäsche durchnässt sind, stört uns auch die Fahrt durch Wasserfälle und Flüsse überhaupt nicht.
    Jubert informiert uns konstant über die Gegebenheiten des Weges und wo wir etwas vorsichtiger fahren sollen. Er macht wirklich einen hervorragenden Job. Immer wieder gibt es kurze Pausen - eine Wohltat für meine vom ständigen Bremsen müden Hände.
    Nach ca 2/3 der Strecke müssen wir mit einer anderen Gruppe fusionieren. Ein Teilnehmer ist umgefallen und muss mit der Ambulanz ins Spital (ja, es gibt sogar eine Ambulanz auf der Strecke). Da ein Guide mit ihm ins Spital fährt, bleibt nur noch ein Guide übrig für 6 Personen und dies ist nicht optimal. So sind wir nun eine 8er Gruppe mit zwei Guides.
    Nach gut 5 Stunden unterwegs und 3500 Höhenmeter tiefer, haben wir es geschafft, wir haben die Death Road überlebt! Die Strecke und die Landschaften waren wunderschön und ich hatte auch zu keiner Zeit Angst (ausser als Dani einmal plötzlich nicht mehr hinter mir war.... Und ich etwa 30 ewig lange Sekunden warten musste, bis er um die Kurve kam. Der Joggel hat mir einen schönen Schock eingejagt - dabei hat er nur seine Sonnenbrille montiert).
    Trotzdem ist die Strecke nicht zu unterschätzen. Alles ist voll von grösseren und kleineren Steine und verliert man die Kontrolle, ist die Chance nicht ganz klein, dass man ins Tal runterfällt. So waren die Bremsen mein bester Freund heute.
    Dani hat wohl noch nicht genügend Abenteuer erlebt und will noch auf die Zip Line. Als treue Freundin begleite ich ihn halt. Nach 3 Linien durch den Dschungel über 1.5 Km ist auch das geschafft und nun ist der Sprung in den Pool mit einem kalten Bier und das Buffet Nachtessen (alles für uns alleine, da die andere Gruppe ihr Nachtessen anderswo hat) mehr als verdient.
    Um etwa 6 Uhr Abend nehmen wir die Rückfahrt (im Minibus) auf uns. Jubert erzählt uns allerlei aus seinem Leben, unter anderem dass er einer der besten Downhill Fahrer des Landes ist und letztes Jahr ein Bike im Wert von 2000$ gewonnen hat. Da waren wir ja mit einem richtigen Profi unterwegs! Und unser Fahrer Don Guillermo war einmal Ralley Fahrer, unter anderem hat er auch ein Rennen auf der Todesstrasse bestritten. Seine Künste lässt er auf dem Rückweg immer wieder aufblitzen doch er bringt uns heil und müde nach Hause!
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  • Day117

    Oruro - Karneval

    March 3 in Bolivia ⋅ ⛅ 16 °C

    Vor etwa einer Woche sind wir auf die Idee gekommen, wir könnten nach Oruro an den Karneval gehen. Respektive haben wir in einem Restaurant gegessen und der Besitzer hat uns vom grössten Karneval Boliviens vorgeschwärmt. Die Situation auf booking.com, wo wir eigentlich immer unsere Unterkünfte buchen, sieht düster aus. Noch ein Hotel hat Zimmer frei für 1000$ für zwei Nächte. Die haben den Preis gerade mal ver-10-facht. Oruro hat ausser dem jährlichen Karneval nicht viel zu bieten aber dieses eine Mal im Jahr platzt die Stadt aus allen Nähten. Meine Hoffnung war schon fast gestorben, als ich auf Air BnB eine Unterkunft für 15$ pro Nacht pro Person gefunden habe. Sofort gebucht! Osmar der Gastgeber meldet sich wenig später und gibt uns weitere Tipps.
    Am 1. März ist es soweit und wir kommen im 3700 Meter hohen Oruro an. Osmar holt uns vom Busterminal ab und bringt uns in die Unterkunft. Ein einfaches Zimmer mit zwei quitschenden Betten, dreckigem Boden und einem Geruch als wäre etwas frisch lackiert worden. Das Gemeinschaftsbad hat gerade kein Wasser aber sollte morgen wieder kommen. Osmar selber wohnt nicht hier, die Unterkunft war von seiner Grossmutter und das ist das erste Mal, dass er drei Zimmer vermietet, nur für den Karneval. Am Abend um 22 Uhr treffen wir uns mit Osmar und 10 weiteren Touristen, welche ebenfalls durch Osmar eine Unterkunft gefunden haben, am Ort, wo der Umzug morgen beginnen wird. Die ganze Strasse verwandelt sich in eine riesige Openairparty. Obwohl Strasse ist nicht ganz korrekt, eigentlich sind hier die Zuggleise. Doch für den Karneval werden diese jeweils kurz über-betoniert.
    Auf jeden Fall wird getrunken, gegessen, gemalt, gehandelt und Sitzplätze für den Umzug werden verkauft. Osmar vermittelt uns die Sitze eines Freundes von ihm, wo wir auf der Tribüne einen Zweitagespass für knapp 50 Franken kaufen.
    Um etwa 1 Uhr morgens kommen wir an der Plaza an, wo der Umzug dann enden wird.
    Dani und ich verabschieden uns und kehren zur Unterkunft zurück.
    Am 2. März steht der grosse Umzug an. Er beginnt um 8 Uhr morgens und dauert bis um ca 3 Uhr in der Nacht(!). Wir sind ab 10 Uhr anwesend und geniessen das Spektakel. Diese Farben, diese Masken, diese Kostüme, diese Musik, diese Stimmung... Nicht erstaunlich dass dieser Carneval zu den 10 besten der Welt gehört. Ein pures Feuerwerk für Augen und Ohren. Am späteren Nachmittag machen wir eine Siesta & Essenspause und kehren dann wieder zum Geschen zurück. Da dieser Umzug zu Ehren der Virgen Socavon (Jungfrau der Bergwerkstollen) veranstaltet wird, wird tagsüber kein Alkohol getrunken. Doch ab 19 Uhr ist dieser erlaubt und so verwandeln sich die Zuschauer mehr und mehr in ein Partyfolk und verdecken die Sicht. Dani und ich haben genug gesehen für heute und gehen um 21 Uhr nach Hause.
    Am 3. März treten alle Gruppen nochmals auf aber in umgekehrter Reihenfolge. Um 9 Uhr klingelt der Wecker. Auch unser Zimmernachbar aus Chile, Pablo ist schon auf. Soeben hat er von einem Cousin von Osmar (wohnt in unserem Air BnB) erfahren, dass Osmar in der Nacht auf Samstag gestorben ist. Wir sind geschockt! Eben noch waren wir am Freitag mit ihm unterwegs und er hat sich so gut um uns gekümmert. Was genau passiert ist, weiss man noch nicht. Pablo kehrte Freitag Nacht etwa um 3 Uhr zurück und Osmar muss zu diesem Zeitpunkt extrem betrunken gewesen sein, er habe dann noch bolivianische Freunde getroffen..
    Nachdem wir die Nachricht etwas verdaut haben, gehen wir erneut zum Karneval. Nicht mehr ganz so spannend wie gestern. Die Energie scheint den einen Gruppen etwas verloren gegangen zu sein - auch nicht erstaunlich, wenn sie vermutlich die letzte Nacht kaum geschlafen haben. Auch die grossen, wunderschönen Masken, sind nur noch selten zu sehen, wurden in den meisten Fällen durch Hüte ersetzt.
    Nach dem Mittag kommt das befreundete Paar von Osmar; Boris und Rita auf uns zu, welche uns die Plätze verkauft haben. Sie haben eine traurige Nachricht für uns, welche wir ja bereits vernommen haben. Sie fragen uns aus über Freitag Nacht, weil bis jetzt noch nicht bekannt ist, mit wem er anschliessend unterwegs war. Sie erzählen uns, dass man ihn am Samstag Morgen auf einem Tribünen Sitzplatz gefunden habe. Er sah aus als habe er geschlafen, bis dann jemand merkte, dass er wohl für immer eingeschlafen ist. Vermutlich konnte sein Herz die Alkoholmenge nicht verarbeiten.
    Sie erklären uns noch einiges zum Karneval, wie das so läuft. Boris scheint irgendwie an Dani Gefallen gefunden zu haben. Ständig gibt es einen Handshake und er würde uns später ein Abendessen kochen (was natürlich nicht zustande gekommen ist).
    Am späteren Abend, als wir eigenrlich schon heim gehen wollen, überredet er uns, noch zu bleiben. Er stellt uns all seine Freunde und Freundinnen vor. Zwei Freundinnen sind begeistert, Schweizer kennenzulernen und möchten auch gleich ein Selfie mit uns machen. Wir bleiben noch eine Weile, trinken noch ein Bierchen und tanzen zu der Musik. Boris erwähnt immer und immer wieder, wie er uns mag, wie er zwar mit Osmar einen Freund verloren hat, er ihm dafür zwei neue Freunde gebracht hat. Zudem seien wir seine ersten ausländischen Freunde.
    Allgemein sieht man kaum Gringos (wie hier alle Nicht-Südamerikaner genannt werden). Von den über 300'000 Besucher sind die Mehrheit Einheimische oder bolivianische Touristen.
    Wie verlassen Oruro am folgenden Tag mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Der Karneval war definitiv ein Highlight und wer die Chance hat, irgendwann einmal zu Karnevalszeit in Bolivien zu sein, sollte sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen.
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  • Day113

    Torotoro - Nationalpark

    February 27 in Bolivia

    Stromausfall, Wasserausfall, verfärbte Wäsche, kein Wlan, Baustelle im Hostel - und trotzdem haben wir diesen Ort liebgewonnen. 4 Stunden Schotterpiste im Minibus liegt dieses 1500 Menschenseelendorf von Cochabamba, der nächstgrösseren Stadt entfernt.
    Schon die Anreise ist ein Abenteuer!
    Genau wenn wir für einmal nicht gehofft haben, das der Bus aus Sucre pünktlich ankommt, war dieser eine Stunde zu früh in Cochabamba! Man sollte das Busterminal nicht bei Dunkelheit verlassen, da die Gegend nicht sehr sicher ist. So setzen wir uns im Halbschlaf in das Café und warten zwei Stunden, bis es um 6h30 genügend hell ist, um mit dem Taxi zur Minibus "Station" zu fahren. Diese Minibusse fahren los, sobald sie mindestens 7 Personen haben. So geht die Warterei weiter und eine Stunde später geht's endlich los. Unser Fahrer scheint wohl eine Ralley Karriere hinter sich zu haben, so wie der um die Kurven cruist. Er scheint sich aber gut auszukennen und fährt, wo nötig, auch mal vorsichtig. Auf dem Weg steigen Leute aus und andere gabeln wir auf. Unterwegs machen wir noch einen kurzen Essensstopp, wo wir uns mit einer Art Gerstensuppe für 5 Bolivianos (80 Rappen) stärken. Eine Stunde später kommen wir kurz nach 12 Uhr heil in Torotoro an.
    Den Nachmittag nutzen wir, um uns von den Reisestrapazen zu erholen und die nächsten beiden Tage zu planen.
    Tag 1 machen wir mit einem südkoreanischen Pärchen und zwei Deutschen eine Tagestour zu der Ciudad de Itas und zur Höhle Umajalanta. Da der Guide nur spanisch kann und alle unsere Gruppengenossen diese Sprache nicht beherrschen, dürfen Dani und ich Dolmetscher spielen. Ja, Dani versteht inzwischen bereits soviel, dass er sogar für andere übersetzen kann!
    Die Ciudad (Stadt) de Itas besteht aus einem "Gerichtssaal", einer "Gospelkirche" und einem "Theater". Wer jetzt meint es handelt sich um eine richtige Stadt, täuscht sich. Dies sind alles natürliche Felsformationen, die mit etwas Kreativität eben diesen "Lokalitäten" ähnlich sehen. Hier wohnt auch niemand, früher wurde dieser Ort lediglich von Dieben gebraucht, die ihre geklauten Kühe hier versteckten. Der rund 2.5 stündige Rundweg über Stock und Stein macht Spass und lässt uns immer wieder das schöne Umland beobachten, nur leider etwas bewölkt.
    Am Nachmittag geht's in die Tropfsteinhöhle. Ich habe mit ein paar Fotostops und ein paar Erklärungen gerechnet doch meine Erwartungen wurden übertroffen. 2 Stunden brauchen wir, um den 600 Meter-Rundweg zu bewältigen. Wir klettern an Seilen die Höhle rauf und runter, quetschen uns liegend durch unglaubglich enge Gänge (ein paar Kilos mehr und wir wären definitiv stecken geblieben - ich und der Rest der Gruppe auf jedenfall; für Äffchen Dani war das easy..), laufen mal gebückt und mal geht es kriecherisch vorwärts. Anstrengend für Arme und Beine, einmal von oben bis unten braun vor Dreck aber richtig abenteuerlich.
    Am Abend freuen wir uns auf eine fantastische Dusche - das Wasser ist heiss und der Strahl fantastisch - ja das erlebt man in Südamerika nicht jeden Tag und ist ein Grund zur besonderen Freude.
    Auf die Regendusche nach dem Nachtessen könnten wir jedoch gut verzichten. Auch wenn es nur ca 200 Meter vom Restaurant zurück zum Hostel sind, genügt das, um auf halbem Weg die Regenmemge zu ver-x-fachen und uns pflotschnass zu machen. Auch die Elekrizität hält dem Unwetter nicht stand und so ist es wenig später vorbei mit Strom. Gute Nacht.
    Am Tag 2 besuchen wir Dinosaurierspuren, den Canyon und den Wasserfall El Vergel. Wegen dem starken Regenfall am Vortag können wir den Wasserfall leider nur von weitem betrachten, da der Weg dorthin drei Mal den Fluss überquert und das unter diesen Konditionen nicht möglich ist. Trotzdem eine schöne gemütliche Wanderung der ganze Ausflug. Heute gibt's leider keine Dusche, da es im ganzen Dorf kein Wasser hat. Auch die Menuauswahl im Restaurant ist dementsprechend sehr eingeschränkt, immerhin gibts noch Pizza.
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  • Day110

    Erst wenige Tage vor unserer Ankunft haben wir überraschend erfahren, dass Sucre die Hauptstadt Boliviens ist - und nicht wie gedacht La Paz. Zwar ist dort der Regierungssitz, trotzdem ist Sucre nach langem hin und her, bis zu kriegerischen Auseinandersetzungen, nun ofiziell gemäss Verfassung die Hauptstadt.
    Die Stadt überrascht durch ihre Schönheit. Weisse Häuser prägen das Stadtbild, viele gemütliche Restaurants und Kaffees versüssen den Aufenthalt. Ihren Reichtum verdankt die Stadt dem Cerro Rico von Potosi. Als der Berg den Leuten noch viel Reichtum bescherte, suchten diese einen besseren Ort um zu leben und wurden mit Sucre fündig. Es hat ein milderes Klima und ist mit ca 2500m einiges wärmer als das über 4000m hohe Potosi.
    Der Name Sucre stammt vom revolutionären Führer Antonio José de Sucre und nicht wie man denken könnte von Zucker auf französisch übersetzt
    Als Unterkunft erwartet uns ein altes Herrenhaus und wir erfreuen uns ab einem schönen Doppelzimmer mit einem schönen Innenhof. Nicht zum ersten Mal haben wir ein gewöhnungsbedürftiges Bad - die Dusche besteht aus einer Brause und einem Drehkopf, Vorhang oder einen Rand gibt es nicht - sprich der ganze Badzimmer-Boden ist pflotschnass. Dafür kann man gleichzeitig Zähne putzen oder das WC nutzen;-)
    Wir werden freudig von Helen und Felix empfangen, ein sympathisches schwedisches Paar, welches wir im Hostel in San Pedro de Atacama kennengelernt haben. Sie waren bereits in La Paz, als sie feststellten, dass sie vergessen haben Sucre zu besuchen. Immerhin nur 10 Busstunden entfernt... auf dem Weg von La Paz nach Sucre merkten sie plötzlich, dass ihre Pässe nicht mitgekommen sind, die warten noch im Hotel Safe... Zwei wirklich amüsante Zeitgenossen:-)
    Nach der ersten Nacht entdecke ich drei Stiche am Nacken - alle beieinander. Dani entdeckt drei an seinem Arm und an seiner Stirn sind 4 rote Punkte zu sehen. Alarmstufe rot - wir befürchten das Schlimmste. Sogleich informieren wir eine Mitarbeiterin über unseren Wanzen Verdacht. Wie wir später erfahren haben sie anschliessend unser ganzes Zimmer auseinander genommen und das Bett neu angezogen und so wie es scheint erfolgreich, es kommen keine weiteren dazu.
    Nebst einer "Walking" Tour, auf der wir viel Spannendes über Sucre erfahren haben, buchen wir erstmals eine Pub Crawl Tour. Bei dieser Tour geht man von Bar zu Bar, erhält überall einen anderen Drink und lernt das Nachtleben kennen. Normalerweise bestehen solche Tours aus einem Guide und x ausländischen Touristen, die sich betrinken möchten - was eigentlich nicht unser Ding ist. Das Spezielle an unserer Tour ist, dass sie zum ersten Mal überhaupt stattfindet. Die Werbung scheint nicht so gut funktioniert zu haben und so sind die beiden Schweden und wir zuerst die einzigen Teilnehmer, später kommt noch ein Spanisch-Bolivianisches Paar dazu. Aber das Tolle ist, dass 7 Einheimische dabei sind und zwar alles Guides dieser Agentur, welche die erste Pub Crawl Tour nicht verpassen möchten. So haben wir jede Menge Spass, sie alle erzählen stolz, wo sie in Ihrer Jugend illegal getrunken haben (in Bolivien ist Trinken auf der Strasse illegal) und organisieren uns jede Menge Drinks. Das Gute ist, dass die Tour bereits um 8 Uhr begonnen hat und um 12/1h fertig ist und nicht wie in anderen Städten erst um Mitternacht beginnt.
    Was nicht so Spass macht, ist dann das Aufstehen am nächsten Morgen. Zum Glück haben wir kein grosses Programm und so gibt es einen Faulenz Tag.
    Dafür sind wir am Sonntag wieder voller Tatendrang und es wartet eine tolle Überrachung auf uns - Carneval! Um 10 Uhr morgens sind die Strassenrände bereits gefüllt mit Schaulustigen, etwa 30 Minuten später beginnt die Parade, die bis am Nachmittag dauern wird. Bunte Farben, prachtvolle Kleider, stimmungsvolle Musik, lachende Gesichter - ein Gaumenschmaus für die Augen! In den Lücken der aufeinanderfolgenden Gruppen wird die Strasse zu einer Schaum-Spray-Schlacht der Kinder. Auch wir werden nicht verschont und kriegen ein paar weisse Schaumflecken.
    Nach einer guten Stunde steht unser nächster Programpunkt an - Dinosaurierspuren! Hier sollte die grösste Sammlung der Welt sein! (Völlig überflüssig) ausgerüstet mit Helmen nähern wir uns mit etwa 30 Gleichgesinnten der berühmten Wand mit den Spuren. Man sieht die Fussabdrücke gut, trotzdem haut es uns irgendwie nicht um. Faszinierend ist jedoch der Gedanke, wie unglaublich alt die sein müssen und wie sie entstanden sind und gefunden wurden, schliesslich gehen die Spuren senkrecht die Wand hinauf. Unser Guide klärt auf: Früher war dort ein See mit viel Schlamm. Durch die speziellen Mineralien wurden diese Abdrücke versteinert. Als die tektonischen Platen aufeinandergestossen sind, erhebte sich die ganze Ebene zu einem Berg. Wegen einem Erdbeben vor ca 50 Jahren hat sich eine Zementfirma dort installiert und begonnen, den Berg abzubauen für Zement. Irgendwann stiessen sie auf schlechte Mineralien für Zement und haben den Abbau gestoppt. Durch Wind und Regen wurden die Dinosaurier Spuren plötzlich sichtbar und so nahm das Ganze seinen Lauf. Purer Zufall also diese ganze Entdeckung.
    Wir runden unseren Aufenthalt in Sucre mit dem Besuch der Wasserfontäne ab. Ein wunderschönes Schauspiel zwischen Musik, Farben und Wasser begeistert unsere Sinne und lässt uns fast die Zeit vergessen.
    Wir schaffen es noch pünktlich vor 21 Uhr ans Busterminal, wo unser Bus uns über Nacht nach Cochabamba bringen wird.
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  • Day106

    Potosi - Der Berg der Menschen frisst

    February 20 in Bolivia ⋅ ⛅ 12 °C

    Die Diskussion und Recherche betreffend dem Besuch der aktiven Minen im Cerro Rico (reicher Berg) findet bereits einige Wochen bzw. einige Tage vorher statt. Ist es gefährlich? Wieviel schädliche Stoffe atmen wir ein? Ist es moralisch vertretbar? Platzangst usw.? Anscheinend hat der Berg schon über 8 Millionen Menschen "gefressen". 1545 wurde er entdeckt und Potosi galt lange als die reichste Stadt Südamerikas. Heute ist sie eine der Ärmsten, irgendwie tragisch.
    Als wir in der höchsten Stadt Boliviens (4070m hoch) ankommen, lächelt uns der Berg schon von weitem an.
    Wir können ihm nicht widerstehen und entschliessen uns, die Minen zu besuchen und melden uns für die Morgentour an. Mit dem Bus fahren wir zuerst ins Depot wo wir mit Jacke, Hosen, Gummistiefel, Helm und Lampe entsprechend eingekleidet werden. Anschliessend geht es weiter in einen kleinen Laden, um Geschenke für die Mineure zu besorgen. Über Helme, Lampen, Getränke, Dynamit, Schaufeln und weiteren Arbeitsmaterialien ist hier alles zu finden, was man so braucht um in den Minen zu arbeiten. Unser Guide Oskar erzählt uns bei dieser Gelegenheit, wie das so läuft in den Minen: Der Berg gehört dem Staat und es gibt sogenannte Cooperativas wo man sich einmieten kann und dann quasi eine Mine zum Arbeiten erhält. Keinerlei Erfahrung ist notwendig und wenn wir möchten, können wir uns gleich mit Matetial eindecken (jeder Mineur muss seine eigenen Arbeitsutensilien kaufen) und in den neuen Job einsteigen. Nach reiflicher Überlegung lehnen wir jedoch dankend ab und begnügen uns noch ein bisschen länger mit dem Reiseleben.

    Nun zurück zu den Geschenken, wir erwerben jeweils eine Flasche Süssgetränk, eine Flasche Wasser und eine Stange Dynamit (ja richtiges Dynamit) mit Zündschnur und Zünder für 34 Bolivianos (4.90 Chf) alles zusammen. Zur Stärkung erhalten wir noch ein Schluck 96% Alkohol, welcher in der Mine das wohl beliebteste Getränk ist wie wir später selber noch erfahren. Prost.
    Bei der Mine angekommen, gehen wir noch schnell hinter die Steinhaufen ein Angstbisi machen und schon verabschieden wir uns vom Tageslicht für die nächsten 2 Stunden. Die einzige Lichtquelle sind unsere Stirnlampen. Wir betreten die Minen der 2. grössten Cooperativa am Cerro Rico und müssen schon das erste Mal rennen (auf ca. 4500MüM!), denn uns kommen mit 2 Tonnen Gestein gefüllte Looren entgegen (ja die Mine ist in Betriebszustand!). Im letzten Moment springen wir auf die Seite und die Looren donnern eine nach der anderen an uns vorbei. Die leeren Looren, die noch ca. 400kg. wiegen, werden auf der gleichen Schiene wieder hereingezogen und müssen, bei entgegenkommenden Looren, aus den Schienen gekippt und anschliessend wieder aufgerichtet werden. Immer wieder übergeben wir den vorbeidüsenden Mineuren mit riesigen Hamster-Cocablätter-Backen unsere mitgebrachten Geschenke. Beim Tio angekommen erklärt unser Guide (Oskar war wirklich herrvorragend und er arbeitete 24 Jahre in dieser Mine), dass die Mineure nur ausserhalb der Minen an Gott glauben, jedoch drinnen der Tio und Patchamama (Mutter Erde) verehrt werden. Der Tio ist eine teufelsähnliche Figur, ihm wird unter anderem möglichst purer Alkohol geopfert, damit er den Mineuren möglichst pure Mineralien zurückgibt. Nach einer kurzen Zeremonie geht es weiter einen extrem engen Schacht hinauf. Klettern ist angesagt und für Menschen die nur wenig mehr als wir auf den Rippen haben, wäre diese Kletterpartie nicht möglich. Oben angekommen können wir mit dem hier arbeitenden Mineur sprechen (wir können allgemein mit allen Mineuren sprechen und so viele Fotos machen wie wir möchten). Nach dem schweisstreibenden Abstieg geht es weiter den Korridor entlang. Ich merke nebenbei, dass ich bereits nach 100m die Orientierung verloren habe. Als nächstes steht uns ein Abstieg von ca. 35m bevor. Über kleine Holzbretter überqueren wir Löcher deren Tiefe wir nicht genau sehen können (und wollen). Leitern und Seile suchen wir vergeblich. Auf allen Vieren krakseln wir schweren Atems herunter. Unten angekommen dürfen wir uns an einer Silberader als Mineure versuchen. Mit Feustel und Meissel bearbeiten wir den Fels und sind nach ein paar Sekunden bereits ausser Atem. Als Andenken dürfen wir ein wenig Silbererz mitnehmen. Wir opfern und trinken noch ein 96% Alkoholfläschchen mit den Mineuren (zum Glück mit 50/50 Wasser verdünnt). Nun geht es weiter denken wir. Aber falsch gedacht. Da man von Gott 2 Hände, 2 Augen etc. erhalten hat, soll man auch 2 Alkoholfläschchen trinken. Somit geht die Trinkrunde weiter. Wir bleiben sicher 30 Minuten hier unten, die Mineure scheinen das Alkohol-Chränzli mit uns zu geniessen. Auch erfahren wie noch etwas mehr über das Leben der Mineure. Wenn sie Neulinge im Job sind, verdienen sie 30 Bolivianos (4.50 Chf) pro Tag. Nachdem sie sich schon etwas auskennen (nach 1-2 Wochen) gibt es ein Gehalt von 130 Bolivianos (knapp 20 Chf). Wir sind mittlerweile voller Staub, die Hände sind weiss. Nun ist es nicht besonders lecker, sich mit diesen Händen die Cocablätter ins Mund zu stecken. So wird zuerst über die Hände gebrünzelt, damit diese wieder "sauber" sind und erst dann erfolgt die Einnahme.
    Nachdem wir nun den Alkohol endlich fertig getrunken haben, überreichen wir hier unser Dynamit-Geschenk und widmen uns dem Aufstieg. Oben angekommen geht es in gekrümmter Haltung wieder Richtung Ausgang. Nicht jedoch ohne alle 50m auf die Seite springen zu müssen. Vor dem Ausgang treffen wir noch Mineure die den gleichen Weg wie wir machen, jedoch mit 50kg. Gestein im Rucksack. Diese Mineure sind jedoch nicht langsamer als wir! Nach den 2h in der Mine wissen wir den aufrechten Gang und die frische Luft sehr zu schätzen.
    Ist es gefährlich? Ja sicherlich. Aber unser Guide hat uns super betreut. Wieviel schädliche Stoffe atmen wir ein? Wissen wir nicht genau aber wir hoffen unser Alibi-Mund-Nasen-Tuch hat uns geschützt. Ist es moralisch vertretbar? Ja wir denken schon. Die Mineure freuen sich über die Geschenke und Gespräche. Platzangst usw.? Hatten wir zum Glück nicht und steckengeblieben oder schlimmeres sind wir auch nicht.
    Für 18'000 Menschen (darunter ca 360 Frauen) ist dieses Leben im Cerro Rico Alltag, für uns zum Glück einmalig. Wir sind nach dieser Tour total erledigt aber sind der Meinung, dass sich dieses once-in-a-lifetime Erlebnis mehr als gelohnt hat.
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  • Day97

    Salar de Uyuni - 4 Tagestour

    February 11 in Bolivia ⋅ ☁️ 10 °C

    Die grösste Salzpfanne der Welt, der Salar de Uyuni, liegt in Bolivien. Er ist über 10'000 km2 gross, also etwa gleich gross wie einen Viertel Schweiz! Von Tupiza aus möchten wir eine Viertagestour durch das bolivianische Hochland machen, wo am letzten Tag dann das Highlight (eben der Salar de Uyuni) auf uns wartet.
    Um 7 Uhr morgens holt uns Hernan, unser Fahrer und Guide für die nächsten 4 Tage, im Hostel ab. Mit dabei ist eine Köchin und unsere Tourgenossen, ein französisches Geschwisterpaar. Am ersten Tag steht vor allem viel Fahrzeit an. Immer wieder dürfen wir uns an der Anwesenheit von Lamas erfreuen. Wir besuchen unterwegs das Pueblo Fantasma, ein "Phantom Dorf" wo einst Silber augegraben wurde, heute jedoch nur noch ein paar Ruinen von den damailigen Wohnhäuser übrig bleiben. Gemäss einer Legende haben die Bewohner mit dem Teufel einen Pakt abgeschlossen, damit er ihnen durch die Mienen zu Reichtum verhilft. Die Einwohner haben sich jedoch nicht an ihre Versprechungen gehalten und somit hat sie der Teufel ausgelöscht.
    Wir erreichen ausserdem auf der Strecke einen neuen Höhenrekord, 4855 Meter!
    In Quetana Chico, das aus nichts mehr als ein paar Häusern besteht, erwartet uns das erste Übernachtungsrefugio. Von aussen erweckt es eher den Eindruck einer unfertigen Baustelle. Das es viel geregnet hat in letzter Zeit funktioniert der Generator nicht und ausser im Essensraum funktioniert kein Licht. Unsere Betten sind Betonklötze. Es ist kalt im Haus doch zum Glück erhalten wir warmen Tee. Die Heldin des Tages ist unsere Köchin. Sie verwöhnt uns mit einem hervorragenden Nachtessen inklusive Suppe. Wenig später fallen wir auf 4150m mit etwas schwerem Atem in den Tiefschlaf, müde aber zufrieden.
    An Tag zwei klingelt der Wecker bereits wieder um 6 Uhr. Als erster Stopp wartet der "Lama Selfie Ort" auf uns. Die Selfies gelingen nicht optimal, dafür können wir die Gesichter der eingezäunten Lamas schön festhalten. Weiter geht es zur Laguna Verde. Dieser See sollte bei etwas Wind in wunderschönem Grün erleuchten. Bei Ankunft ist alles bewölkt doch wir haben Glück und schon bald verziehen sich die meisten Wolken. Der Wind will jedoch nicht so recht und so geben wir uns auch mit der türkisen Farbe des Sees zufrieden.
    Nun erfreuen wir uns an einem heissen Bad in der Thermalquelle eines Vulkans. Einfach herrlich! Nach 20 Minuten müssen wir wieder raus, wegen den vielen Mineralien. Und schon hat uns die Köchin Saida wieder ein leckeres Menü vorbereitet. Zum Glück sitzen wir drinnen, als es plötzlich mit voller Ladung zu hageln beginnt! Innert kürzester Zeit verfärbt sich die Landschaft weiss. Als sich die Lage etwas bessert, fahren wir weiter. Nun liegt sogar ein wenig Schnee auf der Strecke, unglaublich. Wir fahren durch die Steinwüste Dali (desierto de dali), die ihren Namen vom Spanischen Maler Salvador Dali erhalten hat, da dieser einige Gemälde mit solcher Landschaften gemalt hat. Nur haben sie bei der Namensbenennung wohl nicht bedacht, dass in der Regenzeit tiefe Wolken und schneebedeckte Vulkane nicht viel mit farbigen Landschaften zu tun haben.
    Als nächstes folgt das heutige Highlight, die Geysire auf knapp 5000 Meter! Ein etwa zwei Kilometer grosses Geothermalgebiet, wo immer wieder Wasser aus dem Boden in die Höhe schiesst. Der Grund dafür ist Hitze im Erdboden. Geysire befinden sich in der Nähe von Vulkangebieten. Wenn Wasser im Erdboden auf heiße Steine trifft, wird es erhitzt. Als heißes Wasser und Dampf braucht es plötzlich mehr Platz und sucht einen Ausweg. Wegen dieses Drucks schießt es durch ein Loch im Boden nach oben wie eine Fontäne. Normalerweise sieht man die Fontänen am morgen am besten wegen der kalten Luft. Da es aber gerade wieder leicht hagelt und kalt ist, sind wir dem schlechtem Wetter zur Abwechslung mal dankbar, da wir so das Spektakel hervorragend beobachten können.
    Eigentlich sollte nun ein weiteres Highlight folgen, die Laguna Colorada (farbige Lagune) mit ihren Flamingos. Leider verdirbt uns der Regen die Sicht etwas, trotzdem überwinden wir uns, den kurzen Spaziergang zu bewältigen. Wir kommen ziemlich nahe an die Flamingos ran, was echt cool ist. Auch Lamas versüssen uns den Spaziergang.
    Total nass und ohne Autoheizung sind die weiteren zwei Stunden bis zu unserem Refugio in Villa Mar kalt und nicht gerade lässig. Immerhin haben wir im zweiten Refugio nun Licht und Strom. Wir warten eine gefühlte Ewigkeit, bis wir endlich essen erhalten und sind froh, uns nachher endlich unter der warmen Decke aufwärmen zu können.
    Tag 3 begrüsst uns zum Glück wieder mit Sonnenschein. Wir besichtigen den WM Pokal und das Lama, beides sind Steinformationen inmitten im Nirgendwo.
    Bei der Laguna Negra (schwarze Lagune), inmitten eines Steintals, kommt der Affe aus Dani raus. Er klettert hoch oben über die Steinwand und erfreut sich ab den vielen Viscachas. Das sind Hasengrosse Tiere, die Beine haben wie Käguruhs, einen Schwanz wie Eichhörnchen und Ohren wie der Hase.
    Hier sind wir ebenfalls auf den Spuren von Quinoa! Die Naturgegebenheiten scheinen optimal zu sein, dass dieser Superfood hier gut wächst. Auf der langen Fahrt erzählt uns Hernan ein bisschen aus seinem Leben. Er ist in sehr armen Verhältnissen aufgewachsen. Es gab eine Mahlzeit pro Tag und zwar immer die selbe. Er hat mit 14 angefangen zu arbeiten und später zog es ihn in die Mienen, bis sein Rücken kaputt war und er eine Alternative brauchte. Durch den guten Lohn in den Mienen konnte er sich diesen Jeep leisten, wo er nun damit im Tourismus Touren anbieten kann. Heute ist er 35 Jahre und hat ein Kind. Auch unsere Köchin Saida hat ein Kind. Leicht verlegen kommt zur Sprache, dass es dasselbe Kind ist und die beiden ein Paar sind, wie süss!:-)

    Langsam nähern wir uns der Salzpfanne. Aber zuerst beziehen wir noch unser letztes Refugio in Colchani. Wir sind begeistert, es ist ein Salzhostel! Boden, Betten, Wände, Tische, Stühle... alles ist aus Salz, was auch der unvermeidbare Schleck mit der Zunge bestätigt. Da wir so begeistert sind, haltet sich der Frust über nicht funktionierendes fliessendes Wasser (=kein Händewaschen, keine richtige WC Spülung...) in Grenzen. Nach einem warmen Tee und frisch gepoppten Popkorns begeben wir uns zur Küste des Salars, um von dort aus den Sonnenuntergang zu bestaunen, wie hunderte weitere Touristen ebenfalls. Die Stimmung ist hinreissend, die sinkende Sonne und die Blitze in der Ferne stehlen sich gegenseitig die Show.
    Bei unserem letzten Abendessen in der Gruppe wird sogar Wein aufgetischt. Beim Zapfen entfernen ist Daniel etwas zu euphorisch und so landen ein paar rote Tropfen auf unseren Hosen. Aber das ist ja kein Problem hier, man nimmt eine Handvoll Salz vom Boden, reibt die Flecken ein und schon sind sie verschwunden.
    Am vierten und letzten Tag unserer Tour werden wir bereits um 4h30 geweckt. Ohne Früstück geht's los Richtung Salar. Heute ist der ganze Vormittag ihm gewidmet. Wir fahren soweit in die Salzpfanne hinein, bis wir einen guten Blick haben um den Sonnenaufgang zu geniessen. Da 10-20 Zentimeter Wasser auf der Salzschicht liegen, heisst es Schuhe ausziehen und raus. Aber brrrr nach 10 Sekunden fühlen wir die Zehen kaum mehr und suchen wieder Unterschlupf im Auto. Kurz bevor uns die Sonne zuzwinkert, wagt es Dani nochmals raus, klettert auf das Autodach un beobachtet das ganze von oben - mit eiskalten Füsse.
    Nach dem Frühstück im Salzhotel inmitten des Salars steht das unerlässliche Fotoshooting in der Salzpfanne an. Durch den vielen Regen in den vergangenen Tagen wirkt die ganze Ebene wie ein riesengrosser Spiegel und es ist kaum zu erkennen, wo der Horizont endet und wo der Himmel beginnt. Etwa zwei Stunden geniessen wir dieses einzigartige Szenario und schiessen hunderte Fotos.
    Der Abschluss der Tour bildet der Zugfriedhof in Uyuni. Irgendwie schräg, dass bei all den Naturhighlights der Zugfriedhof ein fester Bestandteil der Tour ist. Wir hatten das grosse Glück, dass wir wie auch bei vielen anderen Stops, fast die einzigen Touris waren, da die meisten Tourjeeps von Uyuni oder von San Pedro in Chile starten und zu anderen Zeiten unterwegs sind. So kletterte das Daniäffchen von Wagen über Wagen und geniesst es sichtlich.

    Unsere Tour endet damit, wir verabschieden uns von allen und geniessen unsere erste Dusche nach vier Tagen.

    Unser nächstes Ziel: Atacama Wüste in Chile. Wir sind guten Mutes, dass es nun endlich klappen soll!
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  • Day93

    Tupiza - Hola Bolivia

    February 7 in Bolivia ⋅ ⛅ 21 °C

    Wir haben es nun geschafft, Argentinien zu verlassen! Zu Fuss spazieren wir über die Grenze von La Quiaca nach Villazon und möchten dort einen Bus nach Tupiza nehmen. 20 Bolivianos kostet dieser Minibus pro Person für ca 2h, das sind umgerechnet etwa 7 Franken!! Wollen die uns abzocken??? Doch wir haben keine andere Wahl, los geht's. Etwa in der Hälfte merken wir, dass wir den Wechselkurs verwechselt haben und wir nur etwa CHF 2.50 bezahlt haben, ein Schnäpli!
    Tupiza ist ein gemütliches Dörfchen inmitten eindrücklicher Felsformationen. Den ersten Tag widmen wir der Planung. Wir klappern diverse Reisebüros ab, lesen Kommentare auf tripadvisor bis wir unsere Agentur gefunden haben! Mit Natural Adventure buchen wir für den Folgetag eine Rössliriite Tour und anschliessend eine 4 Tagestour bis zur Salzebene von Uyuni.
    Ab 7 Uhr gibt es Frühstück in unserem Hostel. Wir staunen nicht schlecht, als es um 7h50 erst gerade vorbereitet wird. Anderes Land, andere Sitten. Überpünktlich um 8h55 stehen wir vor unserer Agentur, voller Vorfreude auf die Rösslitour. Als bis um 9h10 weder unsere zwei französischen Tourkollegen noch irgend ein Guide aufgetaucht ist, erkundigen wir uns bei einem Herr, der in der Agentur sitzt. Natürlich weiss er nicht Bescheid. Er versucht jemanden anzurufen, doch erfolglos... Und plötzlich stellt Dani die alles entscheidende Frage: was isch denn eigentlich für Ziit? Und sofort ist alles klar. Der Herr und die Rezeptionistin brechen in Gelächter aus, als uns bewusst wird, dass Bolivien eine Stunde hinter Argentinien ist. Wir sind eine Stunde zu früh! Und nun ist auch klar wieso das Frühstück noch nicht bereit war:-)
    Das Umland von Tupiza ist optimal, um es hoch zu Ross zu erkundigen. Wie in einem gemütlichen Wilden Westen Streifen, streift die eindrückliche Landschaft an uns vorbei.
    Am Nachmittag geht es mit einem Touri Bus noch in eine anderen Ecke. Wie sind die einzigen Teilnehmer und erfreuen uns ab einer Privattour. Schön und gemutlich bis fast zum Schluss. Auf dem Rückweg möchte unser Fahrer den im schneckentempo fahrenden Lastwagen vor uns überholen. Das gelingt auch fast, nur hat er wohl die Länge des Busses unterschätzt und ist zu früh wieder eingebogen. Es knatterte etwas und wie halten an, um die Situation zu klären. Resp. unser Guide, denn Dani und ich warten gespannt im Auto. Wir können jedoch erkennen, dass die Stossstange runterhängt. Es wird diskutiert, telefoniert und einige Minuten später rollt ein Jeep an mit zwei Mechaniker. Nun wird weiter diskutiert und plötzlich wird der Lastwagenfahrer agressiv gegenüber dem einen Mechaniker, es kommt leicht zu Körperkontakt doch der Sohn des Lastwagenfahrers kann eine Schlägerei vermeiden. Wir können nicht deuten, was das Problem ist. Ein paar Minuten später rollt ein Mototaxi heran und eine Frau und einen Mann steigen aus. Wie wir später erfahren, die Besitzer der Lastwagenfirma. Wir können die Situation nach wie vor nicht genau deuten doch wenig später kommt unser Fahrer zurück und weiter geht's. Er erklärt uns, dass der Lastwagenfahrer angetrunken war und es sein Fehler war. Schliesslich war ja die Stossstange kaputt, also sei der Lastwagen von hinten in unseren Touribus gefahren. Naja, interpretationssache... So kann ich die Agressionen des Lastwagemfahrers irgendwie nachvollziehen. Wir sind zum Glück dann aber doch noch heil in Tupiza angekommen.
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