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Südamerika

May 2018 - May 2019
May 2018 - May 2019
  • Day204

    Flying home

    December 20, 2018 in Panama ⋅ ⛅ 29 °C

    Die Rückreise nach Deutschland hat eigentlich ganz entspannt angefangen. Ich hatte einen relaxten Vormittag in Bogotá, bin dann mittags zum Flughafen, der erste Flieger nach Panama war pünktlich, es war - wider Erwarten - ein richtig gutes, modernes Flugzeug, bekam auf dem Kurzflug (2 Std.) sogar Essen serviert... alles in allem also ein sehr guter Start.

    In Panama angekommen, war der Anschlussflug nach Punta Cana auch schon angeschlagen und ich dachte nur, super läuft!
    Das Boarding begann und die ersten Passagiere stiegen ins Flugzeug. Doch dann wurde das Boarding auf einmal unterbrochen. Kurze Zeit später wurde es unruhig in der wartenden Menge und eine der Stewardessen informierte die vorne wartenden Passagiere, dass der Flieger nicht pünktlich abfliegen wird. Damit begann das Chaos…

    Erste empörte Passagiere stürmten zum Schalter und regten sich lautstark auf. Was denn los sei? Was das denn solle?! Sie würden den Anschlussflug verpassen! Das kann doch nicht sein! ...
    Die Informationen waren in der Tat etwas dürftig. Was uns aber mitgeteilt wurde war, dass der Flug nicht nur verspätet losfliegen sollte, sondern komplett gecancelt wurde.
    Warum der Flieger nicht geflogen ist, weiß ich bis heute nicht. Es hieß nur, es musste irgendein Teil ausgewechselt werden.

    Aus der Menschenmenge heraus formte sich relativ schnell eine Gruppe, die die gleiche Flugverbindung hatte wie ich. Panama - Dom. Rep. - Düsseldorf. Die meisten Passagiere haben die Situation recht gelassen genommen, man konnte ohnehin nichts daran ändern. Es waren aber auch meist junge Leute, die - wie ich - von einer längeren Reise kamen und diese unschlagbar günstige Verbindung nach Hause gebucht haben. Also waren alle lange Reisezeiten & Chaos gewohnt. Wahrscheinlich war deshalb die Stimmung auch sehr gelassen.

    Nach und nach trudelten mehr Infos ein. Einen Weiterflug an dem Abend wird es definitiv nicht geben. Das hieß also, eine Nacht in Panama. Das Hotel wird uns gestellt und es wird nach neuen Flügen geschaut. Bis es soweit war, hatten wir aber 2 Stunden Zeit. Zeit, in der wir u.a. was essen konnten. Dafür wurden uns Voucher im Wert von 10$ gestellt.Viel konnte man sich dafür in den teuren Flughafenrestaurants nicht leisten, für eine Portion Sushi hat es aber gereicht.

    Mit 2 anderen Deutschen (David & Lena) und einer Holländerin (Loes) haben wir uns dann noch ein, zwei Bierchen geholt und damit am Serviceschalter der Copa Airline auf die nächste Ansage gewartet. Die Stimmung war nach wie vor gut.
    Irgendwann wurden dann sukzessive die Flüge verteilt. Jeder, der bereits einen Flieger bekommen hat, hat daraufhin nochmal mit dem Servicepersonal diskutiert. Geht’s nicht früher/später? Anderer Flughafen? Anderer Zielort? Die Copa Airline Leute habe ich an dem Abend nicht beneidet, eher bewundert, wie ruhig und gelassen sie geblieben sind und sogar noch Späßchen gemacht haben.

    Als ich meine neue Verbindung bekommen habe, war ich mit dieser, wie so Viele auch, nicht besonders glücklich. Es ging am nächsten Vormittag erst nach San Jose (Costa Rica), dann neun Stunden später nach Frankfurt und von Frankfurt endlich nach Düsseldorf. Ich würde mehr als einen Tag später ankommen, zudem nervten mich die 9 Std. in San Jose. Alternativen gab es aber keine. Es war Hochsaison, alle wollten für Weihnachten zurück nach Hause.

    Es hat ewig gedauert, bis alle ihre neuen Flüge hatten und die Diskussionen dazu beendet waren. Dann hieß es aber, Gepäck abholen und zum Hotel.
    Am Gepäckband warteten wir erneut. Hier stellte sich heraus, dass unser Gepäck schon mal auf dem Band war und wieder abtransportiert wurde, da es keiner abgeholt hat. Als das Gepäckband sich irgendwann wieder in Bewegung setzte war es mittlerweile schon kurz vor 23.00 Uhr. Alle holten ihr Gepäck ab, mein Rucksack war jedoch nicht dabei. Lt. Servicepersonal sollte er aber da sein. Es standen jede Menge herrenlose Koffer in der Halle rum, meinen Rucksack konnte ich dazwischen aber nicht finden. Loes half mir bei der Suche und fand einen Rucksack, der komplett offen war und alle Sachen in einer Folie rum flogen. Es war mein Rucksack! Der Zoll hat ihn komplett auseinander genommen. Jede Tasche, jedes noch so kleine Beutelchen wurde geöffnet oder aufgerissen. Nach der offensichtlich erfolglosen Suche nach was auch immer, wurden die Sachen wieder irgendwie in den Rucksack gestopft. Dabei wurde nicht mal versucht die Sachen wieder in die Taschen/Beutel zu stecken. Es wurde einfach alles irgendwie reingeschmissen und die Hälfte der Sachen lag einfach draußen bzw. in der Folie.
    Bis dahin habe ich hab die ganze Flugausfall-Sache recht entspannt gesehen. Beim Anblick meines Rucksacks verging mir aber jegliche Laune. Zumal ich auch dachte, dass er 1. kaputt sei, da ich ihn nicht mehr zumachen konnte und 2. Sachen fehlten (u.a. meine Armbänder inkl. der Agata-Perlen).
    Ich hab grob alles in dem Rucksack verstaut und verließ zusammen mit Loes als Letzte die Flughafenhalle. Wir waren beide ziemlich angepisst. Sie vermisste nämlich auch ihre Sneaker und ihr Rucksack war ebenfalls beschädigt.
    Warum es ausgerechnet meinen Rucksack erwischt hat, weiß ich nicht. Entweder war es eine zufällige Kontrolle oder die Hunde haben auf meine Coca Bonbons angeschlagen, die ich seit Peru in meinem Rucksack hatte. Diese haben die Zollbeamten allerdings nicht angerührt.

    Mit dem Bus ging es ins Hotel. Es war bereits nach Mitternacht als wir am schicken Riu Plaza ankamen. Dieses Hotel war mit Abstand die beste Unterkunft der ganzen Reise. Jeder von uns hat ein fettes Doppelzimmer für sich alleine bekommen. Zu schade nur, dass man von dem Luxus so wenig hatte. Früh morgens ging es nämlich schon wieder weiter. Und so habe ich nur noch meinen Rucksack wieder zusammengepackt und bin totmüde ich mein Kingsizebett gefallen.

    Am nächsten Morgen erwartete uns dann aber erstmal ein fantastisches Frühstück. Ich glaub ich bin mindestens 3x zum Buffet gegangen, weil die Auswahl so groß war und ich so viel probieren wollte.
    Gleich danach hieß es für einen Teil der Gruppe, ab in den Bus und zurück zum Flughafen und den Flieger nach San Jose nehmen. Der war sogar pünktlich.

    In San Jose musste ich 9 Std. auf den Flug nach Frankfurt warten. Loes und David hatten die gleiche Verbindung und so warteten wir gemeinsam in dem langweiligen Flughafen. Die Zeit verflog aber irgendwie schneller als gedacht. Wir haben uns gut verstanden, quatschten viel, hatten Spaß und waren irgendwann nur noch albern, bedingt durch den Frischluftmangel wahrscheinlich. Wir hätten auch raus gehen und in die Stadt fahren können. David, als totaler Chaot und Lebenskünstler, war aber pleite und hatte nur noch Geld für die Heimfahrt in Berlin. Und so sind Loes und ich aus Solidarität einfach auch im FH geblieben.

    Später kam der Rest der Gruppe dazu. Sie hatten eine bessere Verbindung bekommen und durften ein paar Stunden länger in dem schicken Hotel verbringen.
    Wir haben uns zu dem Zeitpunkt die Zeit mit “Stadt, Land, Fluß” vertrieben. Ich habe ganz vergessen, wie lustig dieses Spiel sein kann. Ich hab teilweise Tränen gelacht - auch das könnte ggf. an der mangelnden Frischluft gelegen haben.
    Jedenfalls, als wir in der großen Gruppe so da saßen und u.a. darüber diskutierten ob Jesus zu einer berühmten Persönlichkeit gezählt werden kann oder nicht (für mich ganz klar ja), wurde der Lufthansa-Flug nach Frankfurt als verspätet angezeigt. Das konnte doch nicht wahr sein! Nicht schon wieder!
    Wieder warteten wir ohne eine Ansage, bin es endlich los gehen konnte. Zum Glück ging es dann aber auch los. Eine Stunde später als geplant steigen wir in den Flieger.
    Und als ich dann so in dem Flieger saß, fühlte es sich tatsächlich gut an wieder nach Hause zu fliegen.

    12 Std. später waren wir in Frankfurt. Jetzt hätte alles passieren können, von hier würde ich leicht nach Hause kommen. Und wie hätte es anders sein können, natürlich ist auch was passiert. Die geplante Maschine nach Düsseldorf war kaputt und musste gewechselt werden. Das dauerte.
    Irgendwann flogen wir dann aber los und keine Stunde später landete ich nach über 50 Stunden seit Verlassen des Hostels in Bogotá in Düsseldorf.

    Und so hätte diese Reise auch nicht spannender enden können.
    Es waren knapp 7 Monate voll mit neuen Erfahrungen, tollen Begegnungen, wunderschönen Erlebnissen, eigenen Grenzüberwindungen, vielen Hochs und ein paar Tiefs, überraschenden und freudigen Momenten, Nervenkitzel und nervenaufreibenden Situationen. Manchmal war ich selbst erstaunt, wie sich die Dinge so von selbst ergaben und wie gut und reibungslos die ganze Reise verlaufen ist. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich ohne Plan und Vorbereitung losgeflogen bin - vielleicht auch gerade deshalb. Eins weiß ich aber ganz sicher, es waren die Menschen und die atemberaubenden Eindrücke, die mich diese Reise nicht vergessen lassen werden.
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  • Day202

    Bogotá

    December 18, 2018 in Colombia ⋅ ⛅ 20 °C

    Eigentlich wollte ich nicht nach Bogotá. Nicht der Stadt wegen, sondern weil es für mich das Ende meiner Reise bedeutete. Denn von hier ging mein Rückflug nach Deutschland…

    Bevor es aber soweit war, hatte ich noch 2,5 Tage in der Stadt.
    Von Cartagena bin ich nach Bogotá geflogen. Der Flug war recht günstig, ersparte mir aber vor allem eine Menge Zeit.
    Am Flughafen in Bogotá angekommen, habe ich mich für Uber und nicht den Bus entschieden. Das war zwar wesentlich teurer, aber in dem Fall war mir die Zeitersparnis erneut wichtiger als das Geld.
    Der Fahrer bat mich mich vorne hinzusetzen und erklärte mir daraufhin, dass Uber in Kolumbien verboten ist und dass es auffällig ist, wenn keiner auf dem Beifahrersitz sitzt, dafür aber hinten. Diese Theorie fand ich etwas dünn, denn ob nun eine weiße, blonde Gringa vorne oder hinten sitzt, sie fällt in jedem Fall auf. Aber ok.

    Bogotá hat mich an meinen ersten Tag sehr nett empfangen. Es war bestes Sonnenscheinwetter, keine 40 Grad mehr wie in Cartagena, aber immernoch angenehme 20; das Viertel - Chapinero - in dem ich untergekommen bin, war ruhig, schön, recht schick und sah aus wie ein Vorort von London; das Hostel hat mir auf Anhieb gut gefallen; ich hatte einen guten Kaffee und ein leckeres Mittagessen essen in einem Restaurant das sich „Brot“ nannte (der Name war Programm) und es hat sogar mit dem Bus geklappt, als ich nachmittags noch auf einen Markt in das schicke Viertel Usaquén gefahren bin. Dort konnte ich dann einen weiteren Punkt auf der Must-do Liste abhaken: einmal ins Kino gehen (Bohemian Rhapsody auf Englisch mit spanischem Untertitel)... also alles in allem ein guter Start des Reiseendes.
    Einziger Wermutstropfen an diesem Tag: ich habe meine schöne und teure Sonnenbrille auf dem Markt verloren. Dabei schmerzte nicht mal der materielle, sondern viel mehr emotionale Verlust. Denn durch diese Brille habe ich so viele schöne Dinge gesehen...gut, das ist vielleicht etwas zu emotional, ärgerlich und traurig war es aber trotzdem. Dafür freut sich jetzt aber eine kolumbianische Omi, die mit der Brille wahrscheinlich ihren Wochenumsatz gemacht hat.

    Große Pläne hatte ich für Bogotá nicht, nur einen: Christmas-Shopping. Auch wenn wir in der Familie entschieden haben uns zu Weihnachten nichts bzw. nur Kleinigkeiten zu schenken, nach 7 Monaten konnte ich auch nicht mit leeren Händen nach Hause fliegen.
    Das war auch der Grund, warum ich überhaupt zu dem Markt in Usaquén gefahren bin. Gefunden habe ich dort allerdings nichts, dafür war der Markt viel zu hip. Generell war diese Ecke so gar nicht kolumbianisch. Fast jeder sprach dort reinstes Englisch, obwohl es keine Touris waren, die Leute waren sehr modern gekleidet und schön zu Recht gemacht, die Cafés und Restaurants waren super schick und der Supermarkt dort hatte nur die feinsten Produkte im Sortiment.
    Wenn man mich da blind ausgesetzt hätte, hätte ich gesagt, ich bin irgendwo in UK, aber ganz sicher nicht in Kolumbien.

    Nachdem die erste Shopping-Tour wenig erfolgreich war, habe ich mich am zweiten Tag in das “Leder-Viertel” aufgemacht. Den Tipp habe ich von Camille auf der La Guajira Tour bekommen. Es waren tatsächlich mehrere Straßen auf denen nur Lederwarengeschäfte waren und alle gehörten sie irgendwie zusammen. Hat man in dem einen Laden nichts gefunden, ist die Verkäuferin einfach in das benachbarte Geschäft und hat mehr Ware geholt. Ein Bisschen komisch war das.
    Auf dem Rückweg zum Hostel habe ich dann durch Zufall noch das Rotlicht-/Transvestiten-Viertel entdeckt und war froh, dass es noch hell war. Ich glaube am Abend wäre ich da nicht einfach so durchgelaufen.
    Die Shopping-Tour ging am nächsten Tag nochmal weiter. Dieses mal im Stadtzentrum, wo es die typischen Touri-Märkte und Souvernir-Läden geben sollte. Die, die ich gefunden habe, hatten aber nicht so viel zu bieten bzw. waren übertrieben teuer.
    Es sollte aber noch irgendwo einen großen Markt geben. Als ich mich auf die Suche danach begeben habe und dabei ständig auf mein Handy guckte, sprach mich ein älterer Mann an und fragte, ob er mir helfen könne. Ich sagte ihm, dass ich nach dem Souvenir-Markt Ausschau halte, der ganz in der Nähe sein müsste. Das war er auch. Der nette Mann hat mir angeboten mich zu dem Markt zu begleiten. OK, warum nicht. Dabei blieb es aber nicht. Er zeigte mir nicht nur den Weg zu dem Markt, sondern führte mich einmal komplett herum, hetzte von einem Verkäufer zum anderen, fragte nach Sachen, die mich gar nicht interessierten, verhandelte Preise für mich, erklärte mir sämtliche typisch kolumbianische Gegenstände... das war alles nicht notwendig, aber er hat sich solche Mühe gegeben und war so freundlich, da konnte ich ihn nicht einfach wegschicken. Und am Ende hat er wirklich gute Preise für mich rausgeschlagen.
    Damit war’s aber noch nicht vorbei. Gegenüber des Souvenir-Marktes gab es einen Markt, auf dem die Kolumbianer ihren Krims Krams einkaufen. Billigste China-Ware. Die Straßen waren voller Menschen, es war eng, es war unangenehm, es war gefährlich. Selten habe ich meine Sache so fest festgehalten. Ich wollte da nur schnell raus.
    Nach der ausgiebigen Shopping-Tour (es waren bestimmt über 2 Std.) hatte ich auch genug von der Begleitung des alten Mannes. Zu mal es an der Stelle auch etwas seltsam wurde, als ich vorgab noch zu dem Stadtberg Monserate zu laufen und er anbot mich dorthin zu begleiten. So nett und behilflich er auch war, das wurde mir dann doch etwas zu viel.

    Zu dem Berg bin ich trotzdem gelaufen. Der war auch die einzige Sehenswürdigkeit der Stadt. Nach oben habe ich es aber nicht geschafft. Zum Hochlaufen war es schon zu spät und die Schlange für den Teleferico (Seilbahn) war so lang, dass ich mich locker 2 Stunden hätte anstellen müssen. Nee, keine Lust.

    Und dann gab es noch eine Überraschung in Bogotá. In Sinne von “so klein ist die Welt” habe ich in meinem Hostel Baltasar wiedergetroffen. Er war auf der Durchreise nach Ecuador und wollte noch ein paar Freunde in Bogotá besuchen. Da er die Stadt schon gut kannte, zeigte er mir am Abend ein Stadtteil, das ich wahrscheinlich niemals aufgesucht hätte. Die Zona T - ein sehr modernes und luxuriöses Viertel, für die obere Schicht von Kolumbien. Aber es war sehr nett, da alles so schön weihnachtlich geschmückt war. Jeder Baum, jedes Haus, jeder Weg hat geblinkt und geleuchtet. Man könnte auch sagen, es war total übertrieben und kitschig, aber die Kolumbianer lieben es so. Hier habe ich dann auch endlich diese Waffelsüßspeise (Obleas) gegessen, die ich so oft in Kolumbien gesehen haben, aber mich nie daran versucht habe, da es einfach nur Zucker mit Zucker und Käse auf einer Waffel war. Am letzten Tag war‘s mir aber egal...

    Meine Erwartungen an Bogotá waren nicht besonders hoch. Umso positiver wurde ich von der Stadt überrascht. Ich habe sie mir viel chaotischer, dreckiger, lauter vorgestellt (gut, im Zentrum war es auch so), erlebt habe ich aber eine internationale, moderne, offene Metropole.
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  • Day199

    Cartagena (1)

    December 15, 2018 in Colombia ⋅ ☀️ 30 °C

    Back in Cartagena. Wobei der erste Aufenthalt, der halbe Tag, eigentlich nicht gezählt werden kann. Aber da habe ich schon mal einen ersten Eindruck erhalten, der bereits sehr vielversprechend war. Jetzt freute ich mich auf mehr.
    Cartagena ist eine malerisch schöne Stadt, mit kunterbunten Kolonialhäusern, viel Streetart, vielen jungen hippen Menschen, netten Restaurants und Cafés und einer tollen, positiven Atmosphäre. Sehr beliebt bei den Touristen, insbesondere bei älteren Amerikanern, und deshalb auch teurer als die bisherigen Städte.

    Als ich am Abend nach der Rückfahrt von Rincón zurückgekommen bin, musste ich noch mal raus und mir ein wenig die Stadt angucken. Die Stimmung auf der Straße war einfach so ansteckend, da konnte man nicht im Hostel bleiben. Zudem war an jeder Ecke irgendeine Weihnachtsdeko, die geleuchtet, geblinkt oder gespielt hat und die musste man sich im Dunkeln angucken.
    Auf dem Hauptplatz wurde mein Übermut allerdings wieder ein wenig gedrückt. Die ganzen Menschenmassen, der Lärm und das Geblinke haben mich total überfordert. Nach einer Woche in der Abgeschiedenheit, war Cartagena eine totale Reizüberflutung. Und so habe ich nur eine kleine Runde durch die schönen Gassen der Innenstadt gedreht und mich anschließend auf einen Platz in der Nähe meines Hostels gesetzt und gewartet. Gewartet auf den besten Burger von Kolumbien. Rowan, der Australier von der El Cocuy Wanderung, hat mir davon erzählt. Wenn Du in Cartagena bist, musst Du unbedingt den Burger an der Plaza Trinidad probieren, hat er gesagt. Den Burgerstand wirst Du schon finden,
    Und tatsächlich war es ziemlich offensichtlich, um welchen von den vielen Food-Stands es sich handelte. Nämlich, um den, an dem alle davor standen. Es hat ein wenig gedauert, bis ich mein Burger bekommen habe. In der Zeit war es aber sehr spannend zu beobachten, wie die 3 jungen Männer das Essen zubereitet und wie die Menschen sich um das Essen gerissen haben. Nach einer Stunde war es dann endlich soweit. Ich setzte mich wieder auf die Mauer, packte das riesige Alu-Paket aus und biss rein. Und was soll ich sagen, Rowan hat nicht zu viel versprochen. Es war tatsächlich der beste Burger Kolumbiens - wobei man dazu sagen muss, dass es auch der einzige Burger war, den ich in Kolumbien gegessen habe. Er schmeckte aber wirklich gut. Interessant war die dicke Schicht Kartoffel-Sticks darauf (bei uns kennt man sie als Chips), die ich so auf Essen noch nie gehabt habe.

    Am nächsten Tag stand eine richtige Stadterkundung auf dem Programm. Wie immer ohne großen Plan. Den brauchte man in der Stadt aber auch nicht wirklich, denn egal wo man hinkam, irgendwas Hübsches entdeckte man immer. Außerdem, obwohl Cartagena zu einer der größten Städte Kolumbiens zählt, im Stadtkern bzw. in der Altstadt, ist alles fußläufig erreichbar. Die Altstadt gehört übrigens zum Unesco Weltkulturerbe und wurde erst vor wenigen Jahren komplett restauriert. Das sah man auch.

    Es war brüllend heiß an dem Tag, so dass das Laufen nur bedingt Spaß gemacht hat. Ich musste ständig Pausen einlegen, da selbst das langsame Gehen anstrengend war. Davon ganz abgesehen schwitzte man wie bekloppt.

    Gerade in der Altstadt merkte man schnell, dass Cartagena schon sehr an die Touristenströme gewöhnt war und die Leute wussten genau, wie man mit den Touris Geld machen kann. An jeder Ecke waren diese menschlichen Statuen aus gold oder silber, überall fuhren Eiswagen rum, sehr beliebt waren auch die “Fruchtfrauen” - Las Palenqueras - in ihren typisch bunten Kleidern, die entweder wirklich Obst verkauften oder nur für ein Foto posierten. Ich weiß nicht warum, vielleicht war ich so kurz vor dem Heimflug schon in der “jetzt ist eh alles egal” Stimmung, aber ich habe mich voll auf das Touri-Programm eingelassen. Bei einer Fruchtfrau habe ich den wohl teuersten Obstsalat der ganzen Reise gekauft (6€, statt sonst max. 2€) und mit zwei anderen habe ich für ein Foto um die Wette gestrahlt. Sie waren aber immer so nett und freundlich dabei, da hat man es ihnen nicht übel genommen, dass sie einen gerade über den Tisch gezogen haben.
    Straßenverkäufer gab es auch unzählige. Einer hat mich angesprochen während ich meinen teuren aber leckeren Obstsalat aß. Normalerweise hätte ich versucht ihn möglichst schnell wieder abzuwimmeln, an dem Tag ließ ihn erzählen.
    Er hat Perlenschmuck verkauft und erklärte mir die verschiedenen Perlen, die er selbst bearbeitet und daraus Ketten, Armbänder oder Ohrringe gemacht hat. Das was er dabei hatte traf nicht meinen Geschmack, also machte er mir schnell eine kleine Kette aus den Perlen, die mir gefallen haben. Erzählte über seine Familie, seine 3 Kinder, von denen eine Tochter auch Agata hieß. Nachdem ich ihm daraufhin meinen Namen verraten habe, zeigt er mir natürlich auch die Agata-Perlen. Er gab ehrlich zu, dass er die Touris oft abzockt, vor allem die Amerikaner und die Deutschen. Mir war klar, dass ich ihm am Ende irgendwas abkaufen musste, was ich dann auch gerne tat und kaufte 3 Armbänder (Agatha-Perlen inkl.) zu einem fairen Preis. So hatte ein nettes Gespräch und ein paar neue Mitbringsel - die: leider werden niemals in Deutschland angekommen sind.

    Das war aber nicht die einzige nette Begegnung an dem Tag. Kurze Zeit später, als ich mal wieder eine der vielen schönen Häuserfassaden fotografiert habe, sprachen mich zwei mittelalte indische Herren an. Wir unterhielten uns kurz, sie waren irgendwie total begeistert von der Tatsache, dass ich alleine reiste, ich wiederum dachte über sie: ach guck mal, homosexuelle Inder trifft man auch nicht so oft... am Ende tauschen wir unsere Nummern aus und verabredeten uns für den Abend.

    Ein 2ter heißer Tipp, den ich von Rowan bekommen habe, war der kleine Park mitten in der Stadt. Auf meiner “must see” Liste stand nämlich auch: einmal ein Faultier sehen. Ich wusste, dass es sie in Bolivien gab, allerdings in der Ecke, in der ich nicht war, in Zentralamerika gab es wohl auch überall welche, da würde ich aber innerhalb dieses Trips nicht mehr hinkommen und dann sollte es in dem kleinen unscheinbaren Park in Cartagena auch welche geben. Alles was ich tun musste, war, mich in den Park setzen und warten. Warten darauf, bis eine Gruppe Touris mit einem Guide vorbei kommt und nach den Tieren Ausschau hält. Und tatsächlich dauerte es nicht lange, da kam eine amerikanische Großfamilie mit einem kolumbianischen Guide, der das Faultier sofort in den Bäumen gesichtet hat. Ich stellte mich ganz unauffällig dazu, wurde natürlich sofort bemerkt, was aber niemanden störte. Sowohl der Guide als auch der Familienpapa halfen mir dabei das Faultier in den Bäumen zu entdecken - das war nämlich nicht ganz so einfach. Und auch wenn ich es nicht richtig gut erkennen konnte, gefreut habe ich mich trotzdem, es wenigsten von der Ferne gesehen zu haben.

    Am Abend kam dann tatsächlich auch eine Nachricht von den Indern. Sie würden später noch ausgehen, ob ich nicht mitkommen möchte. So ein Abend mit einem älteren, schwulen, indischen Pärchen könnte ganz lustig werden, habe ich gedacht und ihnen zugesagt.
    Getroffen haben wir uns an dem Hauptplatz. Einen genauen Treffpunkt haben wir allerdings ausgemacht und so hat es etwas gedauert, bis wir uns gefunden haben.
    Umesh, der Jüngere der beiden, brachte mich dann in eine Rooftop-Bar oberhalb des Hauptplatzes. Alleine wäre ich da niemals hingegangen. Viel zu schicki-micki, viel zu sehen-und-gesehen-werden, viel zu teuer. Aber der Ausblick war schön.
    Als wir an dem Tisch angekommen sind, saß dort nicht nur Umeshs Freund Jogi, sondern noch ein weiterer Inder. Phil. Die drei waren gemeinsam unterwegs. Kannten sich aus ihrem Heimatort in Uganda, lebten aber auch lange Zeit zusammen in Orlando/Florida.
    Wie sich im weiteren Verlauf des Gesprächs ergab, waren die 3 auch gar nicht schwul. Sie hatten Frauen und Familie - Alibi? Bei dem ein oder anderem fiel es mir tatsächlich schwer es zu glauben.
    Nach einem Bier in der Bar, sind wir anschließend zum Essen in ein indisches Restaurant. Denn Inder essen am liebsten Indisch. Es war wahrscheinlich das einzige indische Restaurant in der Stadt und es war gut. Zumindest haben es die 3 Experten in Nachhinein so beurteilt.
    Da ich in der indischen Küche nur Curry kenne, habe ich mich bei der Bestellung des Essens zurückgehalten und ich habe auch keine Ahnung was genau wir da gegessen haben, aber es war lecker.

    So nett und unterhaltsam der Abend auch war, so strange war er gleichzeitig auch. Als ich nach dem Essen zurück ins Hostel gelaufen bin musste ich die ganze Zeit nur grinsen und den Kopf schütteln. Was war das für ein schräger Abend?! In jedem Fall werde ich ihn so schnell nicht vergessen. .

    Am Ende hat mir Cartagena deutlich besser gefallen als gedacht. So überfüllt und touristisch es auch war, die Atmosphäre in der Stadt hat mich irgendwie gepackt. Gerne wäre ich noch ein, zwei Tage länger geblieben...
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  • Day197

    Rincón del Mar

    December 13, 2018 in Colombia

    In das kleine Fischerdorf Rincón del Mar wäre ich wohl niemals hin gereist, wenn mir nicht zwei Französinnen, unabhängig voneinander, erzählt hätten wie schön, ruhig, untouristisch und entspannt es da sein soll. Also, perfekt für meine letzten Tage.

    Die Anreise dahin war aber alles andere als entspannt.
    Es fing mit der Ankunft in Cartagena an. Hier musste ich nach der La Guajira Tour eine Nacht verbringen, da es zu der späten Stunde keine Verbindung mehr nach Rincón gab.
    Ich kam so gegen 22.00 Uhr an, der Busterminal lag außerhalb der Stadt, Linienbusse fuhren nicht mehr, alle Hostels waren in der Innenstadt, also blieb mir nichts anderes übrig als mir ein Taxi zu nehmen. Das wusste der Taxifahrer mit der dicken Hornbrille auch und hat mir nicht nur den teureren Touripreis genannt, sondern auch noch einen Aufschlag draufgepackt. Eine Wahl hatte ich allerdings nicht und bin in das alte, klapprige Taxi eingestiegen. Der Fahrer schien der Brille nach zu urteilen nicht nur halb blind zu sein, er war offensichtlich auch noch halb taub. Die Musik, oder was das Gejaule auch immer war, in dem alten Pick-Up war so laut aufgedreht, dass ich mir die ganze Fahrt über die Ohren zuhalten musste. Die Bitte, das Radio etwas leiser zu stellen wurde zwar erhört, aber 2 Lautstärkepunkte weniger halfen da nicht. Und dann ist er auch noch wie ein Bekloppter gefahren. Rote Ampeln, egal. Gegenspur, egal. Andere Taxis schneiden, egal. Ich war so froh als ich heil im Hostel angekommen bin.

    Am nächsten Morgen lag mein großer Rucksack dann erstmal mitten im Zimmer und ein Teil meiner Sachen war im ganzen Raum verstreut. Scheinbar habe ich meinen Rucksack nachts im Dunklen vor jemanden Spint gestellt und Der-/Diejenige sah keinen anderen Ausweg als ihn einfach umzuwerfen. Da war ich gleich morgens schon genervt.
    Nach der Dusche und dem guten Frühstück wurd’s aber besser.
    Bevor es in die Abgeschiedeheit ging musste ich dringend noch Wäsche machen. Während ich also darauf wartete, habe ich mich - ganz mutig -entschieden zum Frisör zu gehen. Nötig war das allemal. Um die Ecke war ein Laden, der recht ansprechend aussah. Ich also da rein. Die liebe Rosario war auch sehr bemüht und hat keine schlechte Arbeit geleistet - und das trotz der stumpfen Schere. Der neue Udo Walz von Kolumbien wird sie jetzt nicht, aber zumindest konnte ich mich danach weiterhin auf der Straße sehen lassen.

    Nachdem dann auch die Wäsche fertig war konnte ich endlich nach Rincón aufbrechen. Ich wollte nur nicht schon wieder zu viel Geld für ein Taxi ausgeben und frage an der Rezeption nach einer Busverbindung zum Terminal. Das junge Mädel kannte nur das Taxi als Transportmittel hat, eine Kollege hat ihr dann aber noch einen anderen Weg aufgezeigt. Irgendwo an einer Kreuzung, 10 Min. vom Hostel entfernt, gäbe es gelbe Busse, die zum Terminal fuhren. Die könnte ich nehmen. Ok, das wird doch wohl nicht so schwer sein. Ich also zu der Kreuzung, die keine Kreuzung war, sondern ein Wirrwarr von einem Kreisverkehr. Zig Straßen, vollgestopft mit Autos, Bussen und Mopeds, jeder hupte oder schrie und irgendwo in diesem Chaos fuhren gelbe Busse. Man konnte aber beim besten Willen nicht erkennen in welche Richtung. Selbst wenn ich mich durchfragen würde, hätte es bei dem Verkehr ewig dauern, bis ich am Terminal ankomme. Also hab ich mich spontan für ein Mototaxi entschieden. Preislich ok und auf jeden Fall der schnellste Weg - gleichzeitig aber auch der Aufregendste.
    Der junge Mann, den ich mit als Fahrer ausgesucht habe, hat sein Motorrad grundsätzlich souverän durch die Straßen manövriert. Ich habe mich aber noch nie so fest an ein Moped klammern und auch noch nie die Augen schließen müssen bei einer Mopedfahrt. Alter Falter, das war teilweise ganz schön eng alles und ich würde fast behaupten mit das Gefährlichste, was ich auf diesem Trip erlebt habe. Über eine halbe Stunde hat der Höllenritt gedauert.

    Im Busterminal angekommen, wurde ich erstmal von mehreren Busanbietern angeschrien „San Onofre, San Onofre“ (da musste ich hin). Sie haben schon förmlich an mir gezerrt. Einer hat sich dann am Ende durchgesetzt.
    Und so kam ich von der einen Höllenfahrt in die Nächste. Der Fahrer nahm den Fuß gar nicht vom Gaspedal. Nur wenn er gemerkt hat: ups, da kommt mir ein Auto entgegen, ich glaube, ich schaffe es doch nicht den Laster zu überholen. Vollbremsung! Überholen in einer Kurve oder auf dem Berg, riesiges Schlaglöcher mitnehmen und immer wieder Vollgas… Schrecklich.
    Und dann war da noch diese Omi neben mir. Erst fragte sie mich wohin der Bus fährt, was ich schon komisch fand, weil man normalerweise weiß in welchen Bus man einsteigt. Das fragte sie aber mehrmals. Dann faselte sie die ganze Zeit nur vor sich hin, was ich irgendwann nur noch ignorierte, bis sie meine Narbe am Bein entdeckte und meinte sie ständig anfassen zu müssen. Ich wollte nur noch raus aus diesem bekloppten Bus.

    2 Stunden später in San Onofre wurde ich wieder angeschrien „Mototaxi, Mototaxi“. Ja, ich will eins, dafür müsst ihr doch aber nicht immer so schreien.
    Wieder habe ich zu viel für die Fahrt bezahlt nur weil es schon dunkel war, aber dafür musste ich mich wenigstens nicht wieder um mein Leben sorgen. Es war eine vergleichsweise entspannte und unterhaltsame Fahrt.

    In dem kleinen Fischerdorf hatte man das Gefühl, die Zeit ist hier vor Jahren stehen geblieben und wird sich auch so schnell nicht weiterdrehen. Die Leute lebten einfach in den Tag hinein, hingen entweder vor ihren Häusern rum oder liefen die Straße auf und ab, Frauen kehrten den Sand vorm Haus oder stillten ihre Kinder davor, man sehr viele Kinder und fragte sich, warum sie nicht in der Schule sind, selbst die Hunde lagen nur faul in der Ecke. Nur die Hühner, die wurden angeseilt, weil sie wahrscheinlich sonst zu viel Wirbel veranstalten würden.

    Ich verbrachte 2 Tage in Rincón und passte mich den Dorfbewohnern an: relax & enjoy. Also habe ich nichts, absolut gar nichts, gemacht außer am Strand zu liegen, ab und an mal ins wohltemperierte Wasser zu gehen, etwas zu schwimmen oder ein wenig im Dorf zu spazieren.

    Das Hostel war nett, super sauber und ich mochte das Dorm unterm Dach, weil es an zwei Seiten offen war und man so morgens direkt mit Meerblick aufgewacht ist. Allerdings konnte ich irgendwie nicht richtig mit den Leute dort connecten, weder mit den Mitarbeitern noch mit den Gästen.
    Viel Essensauswahl gab es auch nicht. Meist wurde frittierter Fisch mit frittierten Kochbananen und frittiertem Reis angeboten, dafür waren die Preise aber unschlagbar günstig. Ich ärgere mich ein wenig nicht den Lobster probiert zu haben.

    Am letzten Abend war ich dann noch etwas aktiv und habe eine Plankton Tour gemacht. Leuchtendes Plankton kannte ich zwar schon aus Kambodscha, weil ich es aber da so schön fand, wollte ich es nochmal sehen. In Kambodscha musste ich allerdings keine Tour buchen, sondern hatte es direkt am Strand. Aber gut.
    Das kleine Boot musste recht weit rausfahren. Bestimmt eine halbe Stunden saßen ein kleiner dicker Junge, sein Vater und ich darin. In einem 2ten Boot saß die Mutter des dicken Jungen, sein Bruder und ein deutsches Pärchen. Wir sind zunächst zu einer Insel gefahren, wo sich hunderte von Vögeln eingenistet haben. Mit dem Sonnenuntergang im Hintergrund sah das alles schon sehr nett. Anschließend ging es weiter durch einen Sumpf, wo wir aus dem Boot steigen und es durch den Sumpf schieben mussten. Auf der anderen Seite war dann das Gewässer “where the magic happened”. Um das Plankton zu sehen musst es stockfinster sein. Selbst der Schein des Mondes ist schon zu hell. An dem Abend hatten wir glücklicherweise keinen Vollmond, trotzdem hat das Plankton nicht so hell geleuchtet wie ich es mir erhofft habe. Nur im Schatten des Bootes konnte man “the magic” sehen.
    Was ich ganz clever fand, das nette deutsche Pärchen hatte eine Flasche dabei, in der sie das Planktonwasser abgefüllt hat. Hätte mich interessiert, ob es Zuhause in Deutschland noch geleuchtet hat.

    Nach einer halben Stunde Plantschen ging es mit rasendem Tempo wieder zurück. Der kleine dicke Junge war wieder in meinem Boot, hat sich aber dieses Mal getraut mich anzusprechen. Man hat ihm richtig angesehen, wie stolz er über diesen Move war. Süß. Er sprach gutes Englisch und war auch gar nicht so klein, wie sich herausstellte. Student im Xten Semester, aus Bogota, mit großen Plänen, aber immer mit Mutti im Schlepptau. Na ja, jedem das Seine.

    So entspannt die 2 Tage auch waren, die reichten mir auch. Ich bin einfach nicht der Strandtyp. Vor der Fahrt zurück nach Cartagena hatte ich, nach den Erfahrungen der Hinfahrt, etwas Bammel. Ganz so schlimm wurde es nicht, aber danach habe ich zum ersten Mal gedacht: kein Bock mehr auf diese langen Busfahrten, das Chaos, den Lärmpegel, das Nichtwissen wo man ankommt und wie man weg kommt… ich freute mich tatsächlich auf Zuhause.
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  • Day194

    La Guajira - Tag 3

    December 10, 2018 in Colombia

    Am letzten Tag der Tour mussten wir die Strecke, die wir vorher an 2 Tagen zurückgelegt haben, jetzt an einem Tag machen.
    Um das Ganze etwas abzukürzen bzw. um nicht zu lange im Auto sitzen zu müssen, haben wir einen Teil der Strecke mit dem Boot absolviert. Winny ist früher mit dem Auto los gefahren und hat auf der anderen Seite der Bucht auf uns gewartet

    Auch auf der Rückfahrt wurden wieder ganz oft angehalten. So oft, dass uns irgendwann die Kekse ausgegangen sind und wir deshalb angefangen haben unser Essen weggeben. Nüsse, Riegel, Äpfel, sogar eine Packung Toastbrot. Für die Kinder, die diese bekommen haben, war es wie Weihnachten. Sie haben sich so unglaublich darüber gefreut, dass es schön und traurig zugleich war, das zu sehen.

    Winny raste nur so über die Wüste, dass einem wirklich schwindelig werden konnte. Ich fand das aber gut, denn nur so konnte ich sicher sein, dass ich an dem Tag noch einen Bus nach Cartagena bekommen würde.
    Dann passierte es aber! Kurz hinter der Wüste hielt der Jeep plötzlich an. Winny stieg aus. Wir hinter her und dann sahen wir es: wir hatten einen Platten.
    Am Tag davor hat uns Winny noch erzählt, dass es total oft passiert und dass die meisten Jeeps, insbesondere die, die mit den selbstorganisierten Touris unterwegs sind, keinen Ersatzreifen haben. Dann wartet man eben Stunden in der Hitze, bis jemand vorbei kommt und einem hilft. Das war bei uns zum Glück nicht der Fall.
    Während wir Gringos in der Hitze um das Auto herum standen, kroch Winny unter das Auto und wechselte mit Hilfe eines anderen Guides schnell den Reifen. Keine Dreiviertelstunde später ging es mit gemäßigter Geschwindigkeit weiter.

    Das Mittagessen hatten wir wieder am Strand. Es gab Fisch. Mit Kokosreis, frittierten Kochbananen und etwas Salat. Lecker
    Wenn wir durch die Panne nicht so viel Zeit verloren hätten, hätten wir sicherlich noch länger an dem Strand verbracht. So wollten wir aber alle recht schnell weiter. Und tatsächlich hat Winny die Zeit wieder gut rausgeholt in dem er querfeldein irgendeine Abkürzung genommen hat.
    Um kurz nach 15 Uhr waren wir zurück in Riohacha.

    Nachdem wir uns alle verabschiedet haben, habe ich nur schnell meinen Rucksack im Hostel abgeholt, kurz Katzenwäsche betrieben und bin gleich weiter zum Busterminal.
    Hier wartete schon der Bus nach Cartagena auf mich.

    Bisher war Kolumbien ein Land, das mich insbesondere durch die Freundlichkeit der Menschen begeistert, aber landschaftlich nicht gerade umgehauen hat. Das änderte sich mit La Guajira.
    Hinzu kamen die Eindrücke, die man über das Leben der Menschen dort bekommen hat, die einen nachhaltig haben nachdenken lassen...
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  • Day193

    La Guajira - Tag 2 (Punta Gallinas)

    December 9, 2018 in Colombia

    Der zweite Tag hat um 6.00 angefangen. Normalerweise kein großes Problem für mich, an dem Tag hätte ich allerdings noch eine ganze Weile weiterschlafen können. Diese Hängematten waren einfach so super bequem, da wäre ich gerne länger drin liegen geblieben.
    Nach einer Katzenwäschen und einem kleinem Frühstück ging es wieder in den Jeep mit dem Ziel des Tages: Punta Gallinas, der nördlichste Punkt Südamerikas.
    Bis dahin war es aber noch ein langer Tag und eine noch längere Fahrt.

    Wir fuhren durch die tiefe Wüste, auf Wegen die keine waren, in einem Tempo, da konnte manch einem schlecht von werden. Aber Winny war ein guter Fahrer. Zumindest hatte man das Gefühl, er weiß was er da tut.
    Zu sehen gab es dort nichts. Kakteen, ein paar Sträucher und Wasserlöcher. Sonst war es einfach nur Sand und ausgetrockneter Boden. Aber gerade das hat es so schön gemacht.

    Und dann, mitten im Nichts, tauchen wieder diese Kinder auf und hielten uns an. Wo kamen die her? Wo lebten sie? Wie lebten sie? Unvorstellbar. Bei Kindern hat auch selbst bei Winny gemerkt, dass es ihn nicht kalt ließ.

    Am Vormittag fuhren wir etwa 3 Stunden bis wir zum ersten Stopp, einen ausgetrockneten Salzsee, kamen. Wenn ich nicht vorher in Bolivien gewesen wäre, würde ich sagen: so was hab ich noch nie gesehen. Genau genommen, war das auch so, denn in der Wüste bzw. am Meer habe ich so einen Salzsee tatsächlich noch nicht gesehen.
    Denn nur wenige Meter dahinter befand sich ein traumhafter Strand mit türkisblauem Wasser und feinem Sand. Karibik pur. Das beste daran, den Strand hatten wir ganz für uns allein. Es war keine Menschenseele da. Nur ein Mann mit seinem Sohn, der eine kleine Holzhütte betrieb in der wir Getränke kaufen konnten bzw. unser Mittagessen bekamen.
    Die Agentur mit der wir unterwegs waren, hat diesen Spot errichten lassen und damit 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Zum einen wurden die Touris mit dieser exklusiven Location glücklich gemacht und zum anderen unterstützte sie damit die Einheimischen.

    Jedenfalls, dieses kleine Fleckchen Erde war die pure Naturschönheit. Hier hatten wir dann erstmals etwas Beachtime und anschließend unser Mittagessen. Fisch bzw. hier waren es Shrimps. Mit Reis, frittierten Kochbananen und etwas Salat. Lecker.
    Als nächstes auf dem Programm standen Dünen. Große, hohe, sandige Dünen. Einmal über die Dünen drüber gelaufen standen wir wieder am Meer.
    Auch hier hatten wir wieder etwas Beachtime. 1,5 Stunden insgesamt. Anders als an dem Traumstrand, war das Wasser hier aber stürmisch und der Wind so stark, dass man weder schwimmen noch entspannt am Strand liegen konnte. Ich hab Letzteres trotzdem probiert, bin dabei eingeschlafen und bin ganz sandig wieder aufgewacht. Natural Peeling.

    Letzter Programmpunkt für den Tag sollte das eigentliche Highlight sein: der Besuch der Punta Gallinas, das nördlichste Ende des südamerikanischen Kontinents. Erwartet habe ich dramatische Klippen, an die das der wilde Ozeans nur so peitscht und bei denen man das Gefühl hat, man steht am Ende der Welt. Gesehen haben wir einen flachen Strand aus Felsen, auf dem Menschen Steintürme errichtet haben. Von Dramatik keine Spur. Deshalb war es auch nur ein kurzer Stopp.

    Gleich danach ging es zu der Unterkunft für die Nacht. Untergebracht wurden wir in einer der 3 Behausungen in der Umgebung, Ich weiß nicht, wie die anderen beiden aufgebaut waren, bei unserer sah man aber, dass man sich bereits Massentourismus eingestellt hat. Sowohl das Restaurant als auch die Schlafplätze waren für hunderte von Menschen ausgerichtet - auch wenn an dem Abend waren nur ein paar wenige Touris da. Aber Kolumbien als Reiseziel boomt, da wird es nicht lange dauern, bis die Massen auch nach Punta Gallinas kommen.

    Überraschenderweise war die Unterkunft auch sehr gut ausgerüstet. Überraschend deshalb, da wir in der Wüste, mitten im Nirgendwo, am Ende von Südamerika waren und es gab sowohl Strom als auch fließend Wasser. Die Anlage war sogar gepflegter als manch eine andere in der Stadt.

    Die Zeit bis zum Abendessen hat sich gezogen. Es war recht stürmisch draußen, zudem auch schon dunkel, so dass wir als Zeitvertreib nicht mal die Gegend etwas erkunden konnten. Also saßen Camille, Evert und ich an einem der vielen Plastiktische im Restaurant, hinter uns blinke ein kitschiger Plastikweihnachtsbaum, wir hörten Reggaeton Musik aus einer schlechter Box und warteten auf das Essen. Als es dann endlich serviert wurde gab es Fisch. Filet. Mit Reis, frittierten Kochbananen und etwas Salat. Lecker.

    Geschlafen wurde draußen bzw. in einer offenen Hütte und natürlich wieder in Hängematten. Wieder super bequem. Anders als in der Nacht zuvor, war es ziemlich stürmisch, so dass der Wind einen nicht richtig gut schlafen ließ. So konnte ich aber mitten in der Nacht den wunderschönen Sternenhimmel beobachten.
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  • Day192

    La Guajira - Tag 1 (Cabo de la Vela)

    December 8, 2018 in Colombia

    Die nette Französin aus meinem Hostel erzählte mir am Morgen, dass sie sich zusammen mit den Spanierinnen einer größeren Gruppe angeschlossen hat, die die La Guajira Tour alleine durchführen wollte. Da habe ich es kurz bereute bereits eine organisierte Tour gebucht zu haben. Aber gut, erstmal abwarten.

    Um kurz nach 8.00 Uhr wurde ich von einem Jeep abgeholt, der mich in die Reiseagentur brachte. . Ein völlig unnötiger Abholservice, da die Agentur nur eine Straße entfernt war, aber bezahlt ist bezahlt.
    In dem Jeep saß bereits Evert, ein junger Belgier. Er sprach seinen Name so aus, dass man zwei Mal nachfragen musste wie er eigentlich heißt und dann wusste man es noch immer nicht. Da half aber seine sehr eingängige Eselsbrücke: „Evert like eBird - a digital bird“.

    In der Agentur trafen wir dann noch auf 3 Franzosen und Camille, eine Dänin. Das war also meine Gruppe für die nächsten 3 Tage. Mit Camille und Evert habe ich mich gleich sehr gut verstanden, die Franzosen erfüllten alle Klischees und blieben unter sich, den ganzen Trip über.
    Mit unserem Fahrer/Guide/Opi Winny brachen wir um kurz nach 9.00 auf.
    Winny war ein Original. Über 60 Jahre, hatte von Natur aus eine tiefe, rauchige, versoffene Stimme, war seit 18 Jahren Tourguide, ein ziemlich cooler Typ und wie wir später erfahren durften auch ein richtiger Lebemann. Denn neben seiner Ehefrau, mit der er 3 Kinder hatte, hatte er 4 weitere Kinder mit 4 verschiedenen Frauen. Für ihn war das ganz normal. Er war sogar sichtlich stolz drauf. In Kolumbien war das tatsächlich keine ungewöhnlich Konstellation.

    An Tag 1 stand zunächst der Besuch von Salinen auf dem Programm. Ich habe im Vorfeld schon gelesen, dass die Salzgewinnungsanlage nicht besonders sehenswert sein soll und so war es dann auch. Entsprechend kurz war auch der Stopp hier.
    Weiter ging es in die letzte größere Stadt vor der Wüste. Urubia. Hier sind wir dann erstmal shoppen gegangen. Nicht für uns, sondern für die Kinder. Denn das, was und in den kommenden Stunden und Tagen erwartet hat, war mit normalem Verstand nur sehr schwer zu begreifen gewesen und beschäftigte einen nachhaltig.

    Hinter Urubia verließen wir die einigermaßen gut gepflasteren Straßen und begaben uns auf Schotterwege.
    Die Umgebung wurde rauer, heißer und zunehmend unerschlossener. Zwischen ein paar vertrockneten Sträuchern und Kakteen sah man mal ein, zwei Hütten, die teilweise nur aus Ästen gebaut wurden. Betonierte Häuser oder gar Lehmhütten sah man selten. Ab und an tauchten Ziegen in den Büschen auf, was ein Zeichen für Leben in der Gegend war. Und dann waren da eben die Kinder. Auf der sandigen Straße, mitten im Nichts, versperrten sie mit einer Schnur den Weg, rannten zu den Autos und hielten die Hand aus. Sie bettelten um Geld, was zu Essen und vor allem um Wasser. Sie waren schätzungsweise zwischen 3 und 10 Jahren, dreckig, dünn und tanden teilweise ohne Schuhe auf dem heißen Sand. Und es waren so viele von ihnen. Streckenweise wurden wir alle 10 Meter angehalten. Wir reichten ihnen Wasserbeutel und Kekse aus dem Fenster. Die Sachen, die wir vorher in Urbia gekauft haben. Und jedes Mal sah man, wie sehr sich die Kinder über das „Gschenk“ freuten.
    Für unseren Guide war das eine ganz normale Situation. Er schrie die Kinder teilweise an, die sollen sich beeilen und die Schnur schnell runternehmen oder er hat manchmal auch einfach draufgehalten und nicht gestoppt, wohlwissend, dass die Kids, den Weg freimachen würden.
    Wir waren mit der Situation komplett überfordert und konnten nur schwer glauben, was da gerade passiert.
    Warum gibt es so viele Kinder mitten in der Wüste? Wo kommen sie her? Warum sind sie nicht in der Schule? Was ist das für eine Art Leben? Warum kümmert sich keiner um sie?
    Winny konnte uns einige der Fragen beantworten, für uns war es aber nach wie vor unverständlich.

    La Guajira zählt zu den ärmsten Regionen Kolumbiens, wenn es nicht sogar die Ärmste ist. Von der Regierung vergessen und vernachlässigt, sind die Ureinwohner – die Waynuits – auf sich alleine gestellt.
    Manche verdienen Geld mit Fischfang andere mit den Verkauf von den typischen Taschen, die man überall in Kolumbien findet und wieder andere schicken eben ihre Kinder auf die „Straße“.
    Die Leute dort haben keinen Zugang zu Wasser, geschweige denn zu Elektrizität. Sie sind nicht gebildet und bekommen nur durch die Touristen mit, dass es noch eine andere Welt geben muss. Nach wie vor herrschen dort Konflikte, die einem unbegreiflich für die heutige Zeit erscheinen. Vor wenigen Wochen wurde z.B. eine komplette Familie ermordet und anschließend ihr Haus abgefackelt, nur weil sie irgendeine Behauptung aufgestellt hat, die wohl nicht stimmte aber andere Dorfbewohner verärgert hat. An dem abgebrannten Haus sind wir vorbeigefahren.
    Eine Waynu Frau hat im Durchschnitt 6 Kinder, bis zu 10 ist nicht unüblich, für die sie natürlich nicht sorgen kann. Noch Trauriger, die Mädchen sind teilweise erst 12 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind bekommen. Puh, das waren teilweise ganz schön schwere Brocken, die Winny uns da so mir nichts, dir nichts hingeworfen hat.

    Und dann auf der anderen Seite gibt es da diese Landschaft. So schön. Für mich, das Beste, was ich in Kolumbien gesehen habe. Kolumbien hat bis dato bei mir mit Naturschöheiten nicht punkten können, hier gab das Land aber noch mal alles.
    Wüste und gleich daneben diese wunderschönen Strände, die Berge im Hintergrund, die Salzseen... es war so ein Bißchen wie bei der Uyuni Tour, nur dass es eben 30 Grad wärmer war. So wurde es auch nicht langweilig, wenn man stundenlang nur im Jeep saß.

    Der nächste Stopp hieß Cabo de la Vela. Ein bei Backpackern recht bekannter Ort und der Kite Surf Hotspot von Kolumbien. Entsprechend konnte man dort auch einige Unterkünfte und Restaurants vorfinden. Und zu unserer Überraschung sogar in einem sehr guten und gepflegten Zustand. Der Tourismus wurde hier bereits entdeckt und für sich genutzt. So gab es Strom und fließend Wasser, was wiederum vor dem Hintergrund des vorhin Erlebten, ziemlich skurril war, es war alles sauber, das Essen war gut, es fehlte wirklich an nichts. Gut, wir schliefen in Hängematten, aber das war Absicht. Ich würde fast behaupten, das waren eine der Besten Schlafplätze der ganzen Reise. Direkt am Strand mit Blick auf den Sternenhimmel. Und anders als in Tayrona, waren die Hängematten auch richtig bequem.

    Es war Mittag, als wir in Cabo angekommen sind. Da gab es dann erstmal Mittagessen. Fisch. Mit Reis, frittierten Kochbananen und etwas Salat. Lecker. Wir konnten sogar zwischen 3 Fischsorten wählen, hatten aber weder eine Ahnung welcher Fisch das war, noch kannten wir den Unterschied. Camille konnte aber glücklicherweise fließend Spanisch und war damit immer unser Sprachrohr zum Guide und den Bedienungen. Herauskam dann der Fisch mit den wenigsten Gräten
    Danach ging es zum Pilón de Azúcar, was nichts anderes war, als ein kleiner Berg mit einer Mariastatue. Der Blick von da oben war aber ganz nett.
    Hier zeigte sich aber erneut der Kontrast dieser Region bzw. des Landes als plötzlich ein Hubschrauber über unseren Köpfen kreiste. Für die Einheimischen musste das wie ein Ufo gewesen sein. Denn es war nicht einer der Rundflughubschrauber für Toursiten. Den Herrn, der in den Hubschrauber saß, haben wir kurz vorher getroffen. Es begrüßte uns freundlich, hieß uns herzlich in seinem Land willkommen und erzählte uns, dass er eigens aus Bogota angeflogen kam. Da dachten selbst wir: krass!

    Ein paar weniger Meter neben der Mariastatue befand sich der nächste Aussichtspunkt, El Faro. Auch wenn der Leuchtturm kein richtiger Leuchtturm war, der Sonnenuntergang von da oben war trotzdem schön. Dort habe ich dann auch die Französin und die restlichen Leute aus dem Hostel getroffen, die mir ein wenig von ihrem Trip erzählte. Da merkte ich, so gern ich die Tour auf eigene Faust gemacht hätte, in dem Moment war ich doch happy über die organisierte Tour. Nicht nur, weil es weniger strapaziös war, ich hätte sonst niemals die ganzen Hintergrundinfos gehabt, die WIlli uns mitgegeben hat. Davon ganz abgesehen war die Sprache in der Gruppe Spanisch, das wäre mir auf Dauer zu anstrengend geworden.

    Nach dem Sonnenuntergang gab´s das Abendessen. Fisch. Mit Reis, frittierten Kochbananen und etwas Salat. Lecker.
    Bis 21.00 haben wir uns noch wach halten können, danach ging es für Camille, Evert und mich in die Hammocks und für die Franzosen in normale Betten. Es hat keine 10 Minuten in der Hängematte gedauert und ich war weg.
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  • Day191

    Riohacha

    December 7, 2018 in Colombia ⋅ ☀️ 30 °C

    Nachdem ich in Riohacha angekommen bin, haben mir diverse Leute davon vorgeschwärmt, wie gut und komfortabel deren Busse waren, mit denen sie angereist sind. Hmm, also ich bin mit einem normalen lokalen Bus gefahren, der wie immer ständig und überall angehalten hat und alles mögliche transportiert hat. Vielleicht lag es daran, dass ich irgendwo außerhalb von Santa Marta eingestiegen bin. Mir wurde aber auch gesagt, dass man von dort die beste und schnellste Verbindung hätte. Davon ganz abgesehen, war diese “Bushaltestelle” zufällig in der Nähe des Claro Shops zu dem ich vorher gehen musste. Im Grunde war es mir aber auch egal, dass es ein unkomfortabler, enger und heißer Bus war, denn es war eine nette Fahrt. Ich wurde gut von einem jungen Mann unterhalten. Besser gesagt: fragte, ich antwortete. Wir führten fast schon so etwas wie eine richtige Unterhaltung. So warnte er mich unter anderem auch, dass ich in Riohacha bloß gut aufpassen und z.b. niemals mein Handy auf offener Straße zeigen soll. OK, das war mir jetzt nicht neu, mir war aber tatsächlich nicht bewusst, dass Riohacha so viel gefährlicher sein sollte als jede andere Stadt. Aber gut.

    Generell hatte ich so gar keine Ahnung von der Stadt. Die Entscheidung dahin zu fahren war auch eher spontan und eigentlich bin ich auch nicht der Stadt wegen hingefahren, sondern um von dort aus in die Region La Guajira zu kommen.

    Der Bus brauchte 5 Stunden (normal wären 3 Std.) und je näher wir dem Ziel kamen, desto mehr änderte sich die Umgebung. Aus dem tropischen Grün, den Palmen und Bananenbäumen wurden zunehmend trockene Sträucher und karge Landschaften.
    Rausgelassen hat mich der Fahrer nicht am Busterminal, sondern irgendwo mitten auf einer sehr belebten Straße in Riohacha. Für mich super praktisch, da ich zu Fuß zum Hostel laufen konnte. Ganz wohl fühlte ich mich allerdings in dem Getümmel nicht. Den jungen Mann aus dem Bus noch im Ohr, habe ich versucht mein Handy so wenig wie möglich rauszuholen und habe meinen kleinen Rucksack vorne auch fester festgehalten als sonst. Wahrscheinlich alles nur reine Kopfsache.

    Es gab nicht viele Hostels in Riohacha. Ich habe nicht vorgebucht, da ich mir dachte, so viele Menschen werden sich schon nicht in die Stadt verirren. Und ich hatte Recht. In dem schicken, neuen Hostel, in dem ich letztendlich abgestiegen bin, waren gerade mal 4 Gäste. Ich hatte mein 8er Zimmer also fast für mich alleine. Was super war.
    Zwei der Gäste waren Mädels aus UK bzw. Frankreich. Beide studierten Spanisch in Kolumbien und sind unabhängig voneinander für einen Weekendtrip nach Riohacha gekommen. Später kamen noch 2 ältere Mädels dazu, Spanierinnen aus Sevilla. Ein Bisschen verrückt, aber nett. Nur leider verstand ich sie nicht, da sie nur Spanisch sprachen, aber das richtige Spanisch (nicht Latino) und das in einer Geschwindigkeit, dass ich es für eine komplett andere Sprache gehalten habe.
    Am Abend sind wir dann alle zusammen noch ein Bier am Strand trinken gegangen. Ich konnte nicht viel zu den Unterhaltungen beitragen, wusste teilweise nicht mal worum es geht. Egal, war aber trotzdem ein schöner Abend.

    Am nächsten Tag habe ich vormittags erstmal ein wenig die Umgebung erkundet. Es gab einen Strand, eine Strandpromenade mit unzähligen Souvenirverkäufern und ein Pier. Der Rest war unspannend. Da war die Suche nach einer Tour-Agentur fast schon spannender. In der Regel versuchte ich so viel wie möglich auf eigene Faust zu machen, da mir aber nicht mehr viel Zeit blieb, habe ich mich für eine organisierte 3-tägige Tour entschieden. Außerdem, alles was ich über La Guajira gehört und gelesen habe, war, dass die Region noch nicht gut erschlossen und es mit dem Transport sehr schwierig und langwierig werden könnte. Vor dem Hintergrund erschien mir da eine Tour am sinnvollsten.
    Von den 4 aufgesuchten Agenturen, hat nur eine eine Tour für den kommenden Tag angeboten und hatte glücklicherweise auch noch einen letzten Platz frei. Da war die Entscheidung nicht so schwer.

    Später am Nachmittag kam eine Französin in mein Zimmer, mit der ich mich auf Anhieb gut verstanden habe - was nicht immer selbstverständlich war bei Franzosen. Wir sind dann abends zusammen zur Promenade und wollten nochmal nach ein paar Souvernirs schauen. An dem Tag sollte dort auch irgendein Festival stattfinden, denn es war mal wieder Feiertag in Kolumbien. Der Tag der Kerzen. So richtig erklären konnte mir den Tag allerdings keiner, ich glaube aber, dass es so eine Art 2. Allerheiligen ist.
    Wir sind die Promenade ein paar Mal rauf und runter abgelaufen, dass hier aber bald eine Veranstaltung beginnen sollte, keine Spur. Stattdessen wurden wir von einer venezolanischen Straßenverkäuferin ewig zugetextet, die uns mehrfach warnte, wir sollten bloß vorsichtig sein, es sei so gefährlich hier.
    Als wir später an einem Geldautomaten anstanden, waren da zwei Typen aus Bogota, die uns ebenfalls sagten, dass wir in Riohacha besonders aufpassen müssen. Ich fragte mich ernsthaft, was die Leute von uns dachten? Dass wir nachts in die dunkelsten Gassen gehen, alle unsere Wertsachen dabei haben, diese zur Schau stellen?
    Wie dem auch sei, so richtig viel los war ohnehin nicht mehr. Also sind wir wieder zurück ins Hostel.

    Das hat sich in der Zwischenzeit gut gefüllt. Der tschechische Hostelbesitzer/DJ hat an dem Abend nämlich ein Rock Konzert organisiert. Es spielten 4 lokale Bands. Eine schlechter als die andere. Die Gäste (Freunde der Bands) waren aber voll aus dem Häuschen. Für mich war das eher, von einer Band ganz abgesehen, schiefes Geschrei und Eunuchengesang.
    Da das Konzert im Innenhof des Hostels stattfand konnten/durften wir uns das Ganze auch vom Bett aus anhören. Eine der wenigen Momente in dem meine Ohropax zum Einsatz kamen.

    So leer das Hostel in der ersten Nacht war, so ausgebucht war es in der 2ten.
    Am Morgen sind alle Gäste mehr oder weniger gleichzeitig aufgestanden, um rechtzeitig zu ihrer Tour aufzubrechen. Das Hostelpersonal war mit der Situation komplett überfordert. Das Frühstück hat gedauert, die Badezimmer waren ständig besetzt, es war hektisch und dann hat auch noch die Kaffeemaschine versagt. Kein allzu guter Start in den Tag. Ich hoffte nur, dass das kein schlechtes Zeichen für die bevorstehende Tour war...
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