Tagesbericht No.2
June 3, 2024 in Ecuador ⋅ ☁️ 24 °C
Auch dieser Tag beginnt bereits in der Frühe, denn heute steht einiges auf dem Programm.
Hostelwechsel und um 8 Uhr den Bus erreichen, der uns (inkl. ein Mal Umsteigen) ins Nationalparkgebiet nach Mindo bringen sollte.
Das Bus-Netz innerhalb Quitos ist richtig gut ausgebaut und so können wir mitten in der Rush Hour ca. 40 Minuten bis zum größeren Busbahnhof fahren.
Wilde Spurwechsel, die Polizei, die den Verkehr regulieren soll und dazu laute, vitalisierende Folklore aus den Lautsprechern haben die Fahrt zu einem Erlebnis für sich werden lassen.
Der Intercity-Bus, den wir von der Estación La Ofelia aus nehmen, hat ein ganz eigenes Ambiente. Alle Sitze sind mit durchsichtigem Plastikschutz überzogen und über einen Flachbildfernseher läuft ‚Rush Hour 2‘ in spanischer Synchronfassung (übrigens auch auf dem Rückweg). Die Musik, die unsere allgegenwärtige Begleitung zu sein scheint, dudelt natürlich trotzdem vor sich hin.
Auf geht‘s also in den Nebelwald. Eine spezielle Art von Regenwald, die ihre ganz einzigartige Flora und Fauna mit sich bringt.
Der Bus schlängelt sich entlang einer atemberaubenden Kulisse 2 Stunden lang durch die Serpentinen der Anden. Hierbei werden wir 4 Mal den Äquator kreuzen. Zeit für Sudokus, ein kleines Nickerchen und keine belegten Brote. Denn die liegen noch im Hostel.
In Mindo steuern wir direkt eine Tourist Información (oder auch: Ausflugsunternehmen) an. Die Frau vor Ort stellt uns in schnellem Spanisch eine Tagestour zusammen, die uns über einen Sessellift und eine Seilbahn zu Wasserfall-Wanderrouten bringen soll. Im Anschluss werden wir noch ein paar Vögel beobachten und Kolibris füttern (ja! Kolibris füttern!).
Bewaffnet mit Wasser und Gebäck geht‘s also ins Taxi, das uns bei der Teleférico (dem Sessellift) absetzt. Auf dem staubigen Autofenster zeichnet uns Juan, der Fahrer, unsere Wanderroute auf und bittet uns, ihn am Ende anzurufen, damit er uns dort wieder abholen kann. Tja. Den Teil haben wir wohl nicht ganz verstanden, wie wir noch feststellen werden.
Zunächst aber trägt uns der Lift über die Spitzen der Gummibäume, Palmen und Farnbäume den Berg hinauf in den Nebelwald hinein. Eine Mischung aus Aufregung und ein Hauch Angst schleichen sich ein. Aber allem voran sind wir einfach überwältigt. Jetzt schon.
Oben angekommen, folgen wir der Wegbeschreibung einer Mitarbeiterin und biegen dann an der nächsten Seilbahn links ab. Immerhin steht da auf einem Schild etwas von ‚Cascadas‘ (Wasserfällen) - und da wollen wir schließlich hin. Knapp 45 Minuten folgen wir einer Schotterstrasse und suchen Vögel und Schmetterlinge zwischen all den tropischen Pflanzen.
Ein paar Tukane flattern laut meckernd fort; plüschige Raupen sind auf der Jagd nach Blättern und Schmetterlinge mit fast durchsichtigen Flügeln trinken Nektar aus bunten Blüten. Aber kein Wasserfall. Dafür irgendwann eine Lodge, in der uns für 15$ Eintritt ein Blick auf einen angeblichen Wassefall geboten wird. Wir lehnen dankend ab und kehren wieder um.
Wieder an der Seilbahn angekommen, werfen wir einen Blick auf die riesen Landkarte, auf der sehr eindeutig abgebildet ist, dass die Wasserfälle erst nach der Überfahrt auf uns warten.
Dann also: ab in den gelben Gitterkasten und schon überqueren wir rasant wieder ein Tal des Nebelwaldes.
Auf der anderen Seite angekommen, erwarten gleich 3 Routen mit Wasserfall-Aussicht uns.
Hier ist auch nichts mehr von einer Strasse zu sehen, stattdessen führt uns ein verwunschener (und manchmal nicht ganz dem europäischen Standard von „Sicherheit“ entsprechender) Wanderweg ettliche gewundene Meter den Berg hinab. Und endlich! Dort donnern Wassermassen in ein zum Baden einladendes Becken. (Haben wir nicht gemacht)
Ein Gebäckteil später müssen wir dank unseres Unweges schon wieder zurück. Und wir realisieren: was runter ging, müssen wir auch wieder hoch. Mist.
Aber immerhin kommen wir erneut vorbei an Farnen, Moosen, Lianen und wilden Pilzkolonien.
Der letzte Stopp des Tages ist eine kleine Vogelbeobachtungsstation. Die Tochter des Hauses reißt sich bei unserer Ankunft los von ihren Hausaufgaben und führt uns auf die Aussichtsplattform, auf der zwei Herren auf uns warten und uns mit dem Fernglas bunte Finken, Falken und andere heimische Vögel zeigen. Wenig später sitzen wir beide an einer Balustrade. Auf unseren Handflächen sind zuckerwasserbefüllte Flaschenverschlüsse und die winzigen Füßchen der Kolibris kribbeln auf den Fingerspitzen, wenn sie sich absetzen, um zu trinken. Gleichzeitig verursachen sie einen beeindruckenden Wind, wenn sie sich entschließen, den Nektar in der Luft verharrend zu sich zu nehmen.
Jetzt fängt es auch an, zu regnen. Was ist schon ein Tag im Feucht-Biotop ohne einen Schauer?
Also begeben wir uns mit Regenjacken bewaffnet zurück ins Dorf, wo wir den Bus zurück nach Quito nehmen.
3 Stunden später betreten wir das neue Hostel (‚Casa vista hermosa‘) - und der Blick über die Stadt ist, wie der Name schon sagt, wirklich fantastisch!
So schmecken die vergessenen Frühstücksbrote doch direkt viel besser!
In diesem Sinne: gute Nacht!Read more









TravelerDie Reise-Belletristik ist gekauft. Hab wärens dem Lesen ganz vergessen, dass ich auf findpenguins bin. Mega schöne Berichte. Und es ist fast(!) so, wie euch zu begleiten. Noch ganz viele tolle Eindrücke :-)
TravelerDu Liebe! Danke :)