• Tag 5: Inka Trail Tag 1

    April 30 in Peru ⋅ ☁️ 15 °C

    **Aus den Chroniken einer Expedition in das verborgene Reich der Inka**
    Der Tag hob an in tiefer Finsternis, noch bevor der erste Hahnenschrei die Stille zerriss. Zur vierten Stunde nach Mitternacht wurden wir von unseren Wagen aufgenommen, um die beschwerliche Reise in die unwegsamen Täler des Urubamba-Flusses anzutreten.
    ### Die Vorbereitungen bei Kilometer 82
    Drei Stunden dauerte die Fahrt durch das schroffe Gestein, unterbrochen nur von einer kurzen Rast in **Ollantaytambo**, um den Magen mit einem Frühstück für das Kommende zu stählen. Eine weitere halbe Stunde brachte uns schließlich an jenen Ort, den man **Kilometer 82** nennt – das Tor zur Wildnis und der Beginn unserer Pilgerreise.
    Dort trafen wir auf unsere getreuen Lastträger, die *Porter*, und inspizierten ein letztes Mal unsere Bündel. Unsere Kompanie ist ein bunter Haufen aus aller Herren Länder:
    * **Brian & Carly** aus den fernen Kolonien der Amerikaner (stets an der Spitze der Vorhut zu finden).
    * **Frank & Liaine** aus den nördlichen Wäldern Kanadas (deren Gemüt stets von heiterer und positiver Natur ist).
    * **Dominik & Gloria** aus den germanischen Landen.
    * Sowie unsere eigene **fünfköpfige Reisegruppe**.
    Es sei vermerkt, dass die Germanen wahre Meister im Packen der *Duffelbags* waren. Gloria führte gar ein Buch zur Erbauung des Geistes mit sich – es bleibt abzuwarten, wie viel Muße ihr die Pfade zum Lesen lassen. Dominik hingegen hatte seinen Sack so prall gefüllt, dass er am Ende gezwungen war, einige Habseligkeiten zurückzulassen.
    Bevor wir den ersten Schritt in den Staub setzten, mussten wir unsere Papiere den königlichen Wächtern zur Registrierung vorlegen. Unser Führer zeigte uns an einem Miniaturmodell die Route: **14 Kilometer** bis nach **Ayapata**.
    ### Über schwankendes Holz in das Reich der Vögel
    Der Marsch begann mit dem rituellen Bildnis vor dem hölzernen Schild und der Überquerung einer höchst wackeligen Brücke, die unter unseren Stiefeln ächzte. Doch der Pfad dahinter war zunächst lieblich und eben. Myriaden von **Kolibris**, winzige fliegende Juwelen, umschwirrten uns.
    > **Wusstet Ihr schon?** Die Inka glaubten, dass Kolibris die Seelen der Verstorbenen seien. Ihr Gefieder glänzt wie Metall, weil sie kein Pigment nutzen, sondern die Lichtbrechung ihrer Federn – eine Kunstfertigkeit der Natur, die jeden Alchemisten erblassen lässt.
    >
    Nach kurzen Rasten an kleinen Hütten erreichten wir eine weite Wiese. Dort trafen wir auf ein junges Alpaka und **Meerschweinchen** (die hier *Cuy* genannt werden). Besonders die junge **Klara** und **Isa** waren von diesen Kreaturen verzückt; Klara hätte das Getier wohl am liebsten gar nicht mehr verlassen.
    Dort versuchten wir uns auch an **Sapito**, einem Spiel der Alten: Man muss Münzen aus drei Metern in den Rachen eines bronzenen Frosches werfen. Doch der Frosch blieb hungrig – trotz aller Mühen schaffte es keiner von uns, das Ziel zu treffen.
    ### Ein Festmahl in der Einöde
    Ohne weiteres Verweilen marschierten wir gen Mittag. Was der Koch dort unter freiem Himmel zauberte, übertraf alle Vorstellungen:
    * Eine goldene **Kürbissuppe** als Vorspeise.
    * Frisch gefangene **Forellen**, feinstes **Ceviche** (Fisch, im Saft saurer Früchte gegart) und ein herzhafter **Spinatkuchen**.
    * Dazu Kartoffeln und Reis in Hülle und Fülle.
    Wahrlich, eine **10 von 10** auf der Skala der kulinarischen Genüsse! Nach einer kurzen Erleichterung und dem Spiel mit den dortigen Hunden, die von großer Heiterkeit waren, nahmen wir die letzte Etappe zum Lager unter die Füße.
    ### Die Reinigung und die Nachtruhe
    Im Camp angekommen, erwartete uns kein Bad aus Marmor, sondern die **„Schüssel-Dusche“**: In kleinen Becken wuschen wir uns den Staub von Antlitz, Körper und den geschundenen Füßen.
    Das Abendmahl begann seltsamerweise mit gepopptem Korn, gefolgt von einer kräftigen **Hühnersuppe** und einem Hauptgang aus Huhn und Reis. Die Erschöpfung vernebelt mir nun den Geist, so dass ich mich an die weiteren Speisen nicht mehr entsinnen kann.
    Nun müssen wir ruhen. Morgen, zur vierten Stunde, gibt es Brot, und um fünf Uhr erschallt der Ruf: **„Haku!“** – was in der Zunge der hiesigen Naturvölker so viel heißt wie: *„Aufbruch!“*
    Mögen die Geister der Anden über unseren Schlaf wachen.
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