• Mario Dieringer
  • Mario Dieringer

TREESofMEMORY

Seit März 2018 laufe ich um die Welt und pflanze Bäume der Erinnerung für Suizid-Opfer. Auf dieser Route / Karte sind alles gepflanzten Bäume vermerkt. Read more
  • Trip start
    March 31, 2018

    1. ToM für David Kaisers am 31.3.2018

    March 31, 2018 in Germany ⋅ ☁️ 7 °C

    1. ToM für David Kaisers am 31.3.2018

    Auf diesen Tag hatte ich eineinhalb Jahre lang gewartet und ich gestehe es, ich hatte ganz große Angst davor. Ich wusste nicht, was an diesem Tag passieren würde, aber ich wusste, ich gebe an diesem Tag mein bisheriges Leben ein für alle Mal auf. Den ganzen morgen überweist sehr geschäftig, zumal auch ein fernsehteam anwesend war, die mich begleitet haben. Es war neblig. Es war kalt vier Tage zuvor. Hatte es noch geschneit und dafür hatte ich keinen Plan. B. Ich hatte auch keine Ahnung, wie viele Menschen zur baumpflanzung kommen würden, ob überhaupt wirklich jemand kommt. Und dann macht mir uns auf nach Frankfurt ans mainufer genau gegenüber der EZB und ich erinnere mich noch gut daran, wie schlecht mir war. Und als ich da ankam, war da schon eine relativ große Gruppe an Menschen, die von Minute zu Minute anwuchs. Und plötzlich kamen Menschen aus ganz Deutschland, die teilweise fünf sechs Stunden mit dem Auto unterwegs waren, nur um an diesem ostersamstag mit mir zusammen diesen ersten Baum zu pflanzen. Am Ende waren es über 100 Menschen, womit ich niemals gerechnet hätte. Ich hielt eine sehr emotionale Rede, der Baum wurde gepflanzt, ich verabschiedete mich und zusammen mit 20 Mitläufern machte ich mich auf den Weg, um die Welt? Am Abend verabschiedeten sich so gut wie alle, die mit mir mitgelaufen sind. Und am nächsten Tag ging es für die nächsten sechs Tage noch weiter mit meinem Kumpel Hans, dann ging auch er und ich war auf mich allein gestellt. Heute frage ich mich: wovor hatte ich eigentlich Angst? Vor all dem Glück und der Schönheit und diesen unglaublich tollen Momenten mit Menschen mit Tieren mit der Natur, die mir das Universum schenkt?

    .....
    AUSFÜHRLICHER EINBLICK IN UNSERE ARBEIT
    Wir möchten Euch einen ausführlicheren und besonderen Einblick in unsere Projekte ermöglichen. So könnt Ihr mehr erfahren über unsere Arbeit, unser Tun und unsere Ziele sowie unsere Vereinsarbeit. Wie entstand der Verein TREES of MEMORY, was hat sich seit der Gründung getan? Wie empfinden unsere Mitglieder ihr Tun und Wirken, was treibt sie an? Wir lassen sie es Euch erzählen...
    TEIL 1: WOMIT ALLES BEGANN...
    Die Entstehung des Vereins Text von Iris
    Elf Menschen trafen sich im November 2017, um einen Verein zu gründen. Die meisten davon kannten sich untereinander nicht einmal... und waren aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Warum sie das taten? Weil jeder zuvor von einem Projekt gehört hatte, welches sie aus den unterschiedlichsten Gründen gut fanden. Das Projekt so wertvoll fanden, dass sie die Durchführung unterstützen und voranbringen wollten. Und jeder fand auf die eine oder andere Art und Weise dazu.
    Mario Dieringers Idee, um die Welt zu laufen und dabei Bäume der Erinnerung für Suizidopfer zu pflanzen, hatte mich zum Beispiel deshalb angesprochen, weil es verrückt klang. So ver-rückt, weg vom Normalen, wie mein Leben nach dem Suizid meines Sohnes sich nun anfühlte... und ich auf meinem Weg der Trauer nach etwas über zwei Jahren festzustecken schien. Warum dann also nicht mit diesem Mann Kontakt aufnehmen, ihm sagen, dass ich auch gerne so einen Baum hätte? Da war bei manch anderen bereits der Gedanke erwacht, dass diese Sache Unterstützung bräuchte. Die TREES of MEMORY nicht allein organisiert und finanziert werden könnten von einem Einzelnen. Auch ich bot ihm meine Unterstützung an. Als die Frage aufkam, welche Qualitäten oder welches Wissen ich mitbringen würde, gab es nur diese Antwort: Ich kann organisieren, da ich vor Jahren einmal Zweiter Vorstand eines Sportvereins war und ich keine Probleme für mich darin sehen würde, mit Behörden und Baumschulen zu telefonieren oder Mails zu schreiben... Und prompt wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, in der Vorstandschaft eines Vereins, den man gründen wolle, Schatzmeisterin zu werden. Nach einem Treffen in Marios Wohnung mit einem Berater, unserem seither Ersten Vorstand Gunter und mit Vitus, der ganz zu Anfang unser Zweiter Vorstand werden sollte war klar: Zwei Wochen später würde die Satzung vorbereitet sein und weitere Interessierte dazu eingeladen, um an der Gründungsversammlung den Verein aus der Taufe zu heben. Und so gab es nun zwei Dinge. Mario Dieringer mit seinem Projekt TREES of MEMORY. Und uns, den Verein, gegründet von elf Personen, der sich namentlich am Projekt orientiert und sich zwischenzeitlich ganz unabhängig von diesem stetig weiterentwickelte. An Ideen und Projekten, an der Mitgliederzahl... und auch die Mitglieder an ihren Aufgaben wuchsen.
    Wir möchten Euch nun nach und nach etwas näherbringen, wie sich all das aus unserer Sicht darstellt. Ja, am Anfang waren die Bäume der Erinnerung. Die ersten drei Jahre versuchte ich, die Organisation alleine zu stemmen. Doch mit dem Wachsen des Vereins, den neu hinzugekommenen Projekten, wurde das für eine Person allein schlichtweg zuviel. Und so kamen Sonja und Ildi in das Organisationsteam rund um die TREES of MEMORY. Zuerst wird Euch nun Sonja mitnehmen auf ihre Reise, wie sie zu uns fand und was diese ehrenamtliche Arbeit für sie bedeutet.
    ÜBER DIE BESONDERE ARBEIT MIT DEN TREES of MEMORY - DEN BÄUMEN DER ERINNERUNG Text von Sonja
    1. Suizid! Die Welt zerbricht – wozu einen Baum pflanzen?
    Bäume pflanzen für einen Suizid Verstorbenen? Klingt nach einer schönen Aktion. Aber kann sie wirklich mehr sein als ein trügerisches Symbol, eine Illusion auf Hoffnung? Mario Dieringer, der die Idee für die Baumpflanzungen hatte, will damit ein Zeichen setzen gegen Verdrängung und Tabuisierung gar Stigmatisierung von Suizidangehörigen. Aufzeigen, dass Depressionen noch immer nicht ernst, oder nicht ernst genug genommen werden. Aber ist mir als Hinterbliebene die Bedeutung der Bäume nicht doch komplett egal, denn nichts, aber auch gar nichts wird den Bruder, die Tochter, den Vater, das Liebste zurückbringen? Kann es wirklich sinnvoll sein, einem Baum zuzusehen, wie er wächst und gedeiht? Oder wird er nicht vielmehr zum Mahnmal, dass hier ein tragisches Schicksal quasi gegen die Natur geschehen ist?
    Solche und ähnliche Fragen jedenfalls gingen mir durch den Kopf.
    Dennoch, oder gerade deswegen, habe ich mich eines Tages entschlossen, die Organisation der Baumpflanzungen zu übernehmen. Mittlerweile organisiere ich seit mehr als zwei Jahren die Pflanzungen. Gemeinsam mit Ildi, die ihren Sohn Felix verloren hat und zuerst auch noch mit Iris im Team.
    Da ich inzwischen die Leitung der Baumpflanzungen übernommen habe, möchte ich euch gerne erzählen, wie ich zu den Bäumen kam. Aufzeigen, was alles beachtet werden muss, ehe ein Baum gepflanzt werden darf. Wie unsere interne Abstimmung funktioniert. Kurzum: ich möchte euch einen Einblick in meine überaus bereichernde Aufgabe geben.
    Wenn ihr mich bis zum Ende begleitet, werdet ihr mir zustimmen: (wenn ihr es nicht schon ohnehin tut): Ja! es ist mehr als eine wunderbare Idee und weit mehr als ein Symbol.
    Als mein Bruder sich vor vier Jahren suizidierte, wäre ich beinahe mit gestorben.
    Meine Welt zersprang in tausend Scherben und es blieb kein noch so kleines Teilchen heil. Haltlos kam ich mir vor. Sinnlos das Leben. Ich war nur noch Schmerz, Scham und Schuld. Tausend Fragen ließen mich nicht mehr zur Ruhe kommen und über allem stand die Suche auf die Antwort nach dem „Warum“. Ich verschlang Bücher über Suizid, Sterben, Trauer. Sah ausschließlich Sendungen, die die wirklich wichtigen Themen aufwarfen. In der Sendung „Nachtcafé“, hörte ich zum ersten Mal von Mario Dieringer, von seinem Lauf um die Welt, von den Erinnerungsbäumen, vom Verein.

    Ich suchte eine andere Art Hilfe.
    Vor dem Suizid war mein Leben ausgelastet mit Familie, Freunde, Partner, Arbeit. Danach? Nachdem ich jedoch meinen Halt durch meinen Bruder verloren hatte und ich nicht wusste, wie ich das überleben kann, fühlte ich zum ersten Mal ich brauche Hilfe. Ich fühlte, ich brauchte mehr.
    Mehr Hilfe als mir die Familie geben konnte, in der jeder auf seine Art versuchte mit dem Erlebten fertig zu werden. Ich benötigte mehr Gespräche als mein Partner auszuhalten im Stande war und ich brauchte vor allem mehr Verständnis als es die Freunde je geben konnten. Ich suchte eine andere Art von Gemeinschaft. Ich recherchierte alles über den Verein, fasste mir ein Herz und schrieb eine erste E-Mail. Obwohl ich davon ausging, dass nichts und niemand mir helfen könnte fand ich doch Hilfe. Schon die Tatsache, dass ich erleben durfte, dass es Menschen gibt, die dieses Schicksal auch erlebt haben, die es noch dazu überlebt haben, schon das linderte ein kleines bisschen meinen Schmerz.
    Ich habe mit Iris sicher über zwei Jahre Briefe geschrieben. Wie sie das ausgehalten hat, ist mir im Nachhinein ein Rätsel. Gefühlt tausend Briefe und Telefonate haben wir ausgetauscht. Nach und nach kam ich wieder ins Leben zurück. Es war schnell klar, ich werde Mitglied im Verein und ich will mich engagieren. Etwas zurückgeben, ausgleichen, was Gutes tun. Ich wollte, ich musste dem Irrsinn des Suizids einen Sinn abringen.

    So ein paar Bäumchen pflanzen – kein Problem für mich
    „Willst du mich bei den Baumpflanzungen unterstützen?“ die eines Tages gestellte Frage von Iris, die bis dato die ganze Organisation allein geschultert hatte, kam einerseits einem Ritterschlag gleich. Andererseits meldete sich eine innere Stimme, fast enttäuscht: „so eine simple Aufgabe.“
    Betreuung als erste Anlaufstelle, über die ich mit Iris auch schon gesprochen hatte, traute ich mir nicht zu, da ich keine Kinder habe und ich fürchtete, ich bin deswegen keine gute Stütze.
    Aber so ein paar Bäumchen pflanzen? Kann ich! Ich komme aus der Verwaltung, das sollte doch ein Klacks sein! Ob es für mich die große Herausforderung sein würde oder nicht, das Wichtigste war doch, ich konnte Iris entlasten. Sie würde den Kopf frei bekommen für ihre anderen Ideen und Projekte. So würde noch mehr Großes entstehen können und weiterwachsen: Prävention an Schulen, die Ersthelfer weiter unterstützen und viele weitere Projekte, die Iris bislang nur im Kopf rumgeisterten.
    Mit dieser voreiligen Einschätzung meiner neuen Aufgabe sollte ich mich allerdings gründlich getäuscht haben!

    2. Suizid – eine neue Gemeinschaft – ein neues Ziel
    Wir, Ildi und ich, sollten nun also Iris unterstützen. Iris blieb zunächst weiterhin für bestimmte Baumpflanzungen verantwortlich. Sie stand und steht weiterhin für alle unsere Fragen zur Verfügung. Sie behält den Überblick und steht beruhigend bei gelegentlicher Überforderung unserseits zur Seite.
    Wie so oft bei neuen Projekten, gab es zunächst eine „kleine“ Schulung für uns zwei. Iris benötigte einen ganzen Tag, ehe Ildi und ich das sogenannte Trello Board verstanden hatten. Dieses Computer Tool ist eine Art virtuelle Schreibtafel. Dort wird jede Baumbestellung eingetragen. Name des Bestellers, Wunschtermin der Pflanzung, Baumart etc. Jeder, der mit der Organisation der Pflanzungen zu tun hat, kann dort eintragen und auch einsehen, wie weit es mit der Planung steht. Hat die Gemeinde den Pflanzort genehmigt, passt der Termin für die Familie, was wird die Pflanzung kosten, welche Baumschule wird den Baum liefern? Kurz: alles rund um die Organisation tragen wir dort ein.
    Drei Musketiere für die Bäume
    Wir einigten uns darauf, dass Iris, Ildi und ich jeweils abwechselnd die Bestellungen betreuen sollten. Wir wollten keinesfalls, dass ein Baumbesteller seine Angelegenheit mit unterschiedlichen Personen besprechen muss. Im Falle eines Falles jedoch, sollte eine von uns ausfallen, könnten wir nahtlos weitermachen. Eine für die andere.
    „Drei Musketiere für die Bäume“ schoss es mir an dem langen Tag durch den Kopf. Am Ende des Tages waren wir erschöpft, aber dennoch voller Tatendrang.
    Mein erster „echter Fall“ ließ nicht lange auf sich warten. Meist fühlt man sich ja trotz Vorbereitung und Schulung, bei einer ersten selbständigen Bearbeitung, als würde man ins eiskalte Wasser geworfen werden. Mein Wasser war dagegen handwarm temperiert.
    Nachdem ich herausgefunden hatte, wer für „meine“ erste Baumpflanzung die Genehmigung erteilte, ging alles fast von allein. Der kommunale Mitarbeiter nahm mein Ansinnen sehr ernst und ich konnte jede Menge über Bäume und Baumpflanzungen von ihm lernen. Er informierte mich über die ortsübliche Baumart, kam mir bei den Kosten entgegen, hatte eine Baumschule an der Hand und rief zuverlässig zurück, wenn ich Fragen hatte.
    Na also, geht doch, dachte ich vorschnell.
    Da konnte ich noch nicht ahnen, dass Mario im September bei seinem „Lauf um die Welt“ unterwegs war und quasi an dem vorgesehenen Pflanzort vorbeikommen würde. Die Bestellerin und Mario kamen rasch überein, dass die Pflanzung dann eben im September stattfinden sollte, während ich von einem Novembertermin ausgegangen war.
    Ich geriet durch diese Information fast in Panik. Die Kommune musste dringend über die geänderte Zeitschiene informiert werden. Ohne Baum keine Zeremonie! Ausgerechnet jetzt befand ich mich im Urlaub mit einer Freundin. Ohne Computer, Laptop, oder sonstige Technik. Einzig das Tablet meiner Freundin rettete mich, beziehungsweise den Baum.
    Ich informierte den kommunalen Mitarbeiter und erwartete eine ablehnende Antwort. Statt dessen kam schon am nächsten Tag seine beruhigende E-Mail: „Das bekommen wir hin. Ich regle das für sie.“ Was sich der Mitarbeiter gedacht hatte, dass meine E-Mails mit der Signatur „Wellnessmassagen Helga“ unterzeichnet waren, behielt er dagegen für sich.
    Auf jeden Fall; er hielt Wort. Die Zeremonie konnte stattfinden, als wäre alles von Anfang an so geplant gewesen.
    Am Abend der Zeremonie erhielt ich Fotos vom Baum, von Mario, von Freunden der Bestellerin. Wie es schien, beendete man manchmal die Zeremonie mit einem gemeinsamen Essen. Eine Sprachnachricht begleitete die Bilder. Das war das Beste, was ich seit dem Suizid meines Bruders erleben durfte. Sie sprach davon, dass sie „Frieden schließen konnte mit dem Weggang ihrer Mutter.“ Ich hatte Tränen in den Augen und Gänsehaut auf den Armen. Auch mir wurde damit ein wunderbarer Moment des Friedens geschenkt.
    Einsetzen für andere – ein Heilmittel für mich
    Jetzt wusste ich ganz sicher: die Arbeit für andere ist auch ein Heilmittel für mich.
    Manchmal braucht es auch die Zeit der Auseinandersetzung mit dem Wunsch, einen TREE of MEMORY pflanzen lassen zu wollen. Der Wunsch bei Betroffenen ist da, gar schon eine ganz konkrete Vorstellung, wie, wo und wann alles stattfinden soll. Und dann kann es doch ganz anders kommen. Für die Hinterbliebenen bedeutet das, einen Prozess zu durchlaufen. Schon während der Planung in den Wandel gelangen zu können. Manchmal heißt es, sich auf einen anderen Platz als den zuerst gewünschten einzustellen. Auf einen anderen Termin als zuerst als Wunsch geäußert. Und doch ist jede Pflanzung einzigartig, jede davon bisher im Nachgang gesehen stimmig gewesen.
    Auch wenn die Zusammenarbeit mit Verantwortlichen in Gemeinden oder Kommunen ganz anders läuft: stockend, zäh, ablehnend. Meine Zielsetzung ist klar: die Baumpflanzung muss genehmigt werden. Es darf meine Nerven, meine Zeit kosten, Hauptsache die Zeremonie kann durchgeführt werden.
    Manche Städte und Gemeinden reagieren leider mit ziemlichem Unverständnis, fast schon mit Abwehr auf unser Anliegen. Sie fürchten Nachahmer, oder wie bei Shaninas Baum als es hieß: „wir wollen hier keinen Präzedenzfall schaffen.“ Eine andere Ausrede lautete: „Wir haben keinen Platz für einen Baum.“.
    Wird ein Baum auf einem privaten Grundstück gepflanzt wird, fallen all die Nachfragen und Genehmigungen natürlich weg.
    In den letzten zwei Jahren haben Ildi und ich die Feststellung gemacht, dass die Preise für eine Pflanzung nahezu astronomisch hochgestiegen sind. Bis zu 2.000 Euro berechnen große Städte wie München, Frankfurt u.ä. Da geht es natürlich nicht nur um den Baum selbst. Jede Anfahrt, jeder Gießvorgang, jede eventuelle Schneidearbeit wird mit einkalkuliert.
    Mit Argumenten wie „Klimawandel“, „Kostenbeteiligung an einem Baum, der ohnehin zu pflanzen wäre“, „Gemeinnützigkeit des Vereins“ lässt sich der Preis gelegentlich reduzieren. Diese Kosten lassen sich manchmal dank der überaus spendablen Baumbesteller oder Gärtnereien, die zu Selbstkosten pflanzen ausgleichen.

    Spannend bis zum Schluss
    Welche Hürden auch immer zu nehmen sind, jede Baumplanung bleibt spannend bis zum Schluss.
    Ich gehe gern auf Nummer sicher. Frage zwei, drei Tage vorher nochmals in der jeweiligen Gärtnerei oder Kommune nach. Wenn es dann heißt: „wie war nochmals ihr Verein“? „Um was ging es bei ihnen?“ Atme ich tief durch – und – bleibe ruhig. Denn wie gesagt, ich verfolge ein Ziel.
    Die Zeremonie selbst schildern die Betroffenen sehr emotional. Von „Frieden“ und „stimmig“ von „wunderbarem gemeinsamen Erlebnis“ erzählen die Betroffenen. Vielleicht kann ab da ein Stück Heilung beginnen, vielleicht ein bisschen Hoffnung mit dem Baum wachsen?
    Ich erhielt wunderbare Rückmeldungen und doch hatte ich lange noch nie eine Zeremonie „live“ erlebt. Von dem Moment an als ich das erste Mal teilnehmen durfte, wusste ich, vielmehr spürte ich: die Bäume bewirken noch viel mehr.
    3. Suizid – Trauer wandeln - Hoffnung schöpfen
    Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich still und leise und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise. Wann immer ich an unsere Bäume denke, fällt mir dieses Kirchenlied ein.
    Keiner von uns kann wissen, was eine Baumpflanzung bewirkt, wie groß die Kreise sind, die sie ziehen. Dank der Rückmeldungen von Betroffenen können wir die Bedeutung für die Hinterbliebenen erahnen. Aber was die Bäume wirklich bewirken, können wir nur vermuten.
    Mittlerweile durfte ich zwei-, dreimal an einer Zeremonie teilnehmen.
    Welch ein Unterschied zu einer Beerdigung. Ich kann mich kaum an das Begräbnis meines Bruders erinnern. Ich stand unter Schock und alles wurde überlagert vom blanken Entsetzen des Nicht Wahrhaben Wollens.

    Liebevoll geplante Baumpflanzungen
    Die Baumpflanzungen dagegen waren tief bewegend, ergreifend. Nein, der Liebste, die Mutter, die Schwester kehrt nicht mehr zurück. Aber jeder, der sich für eine Baumpflanzung entschieden hat, möchte damit die guten Erinnerungen hervorholen. Zeigen, dass die Verstorbenen mehr waren als deren Tod durch Suizid. Möchte dazu beitragen, dass Depressionen und psychische Erkrankungen anders in unserer Gesellschaft wahrgenommen werden. Jeder würde wer weiß was geben, könnte er einen Menschen vom Suizid abhalten, könnte er einer Familie das Leid nach einem solchen Schicksalsschlag ersparen.
    Sehr sorgfältig waren die Termine für die Pflanzungen geplant: der zehnte Todestag, der eigene Geburtstag. Tage, die die Wertschätzung für den Verstorbenen zeigen, die Liebe zu ihm. Die Zeremonie als Bündnis mit dem der gegangen ist. Ein Baum, der symbolisiert: es darf etwas Neues entstehen. Vielleicht darf sich die eigene Wunde allmählich schließen? Vielleicht neue Hoffnung wachsen? Vielleicht darf Frieden ins eigene Herz einkehren? Frieden und Einverstanden sein mit dem eigenen Schicksal?
    Die Kraft der Bäume
    Ich sehe Bäume die stolz unsere Plaketten tragen, als wüssten sie um ihre wichtige Botschaft. Vielleicht können sie einen, der kurz vor dem letzten Schritt steht, zum Verweilen einladen? Vielleicht können sie ihm ein Abbild der Kraft, des Wachsen, der Zuversicht sein?
    Fast 60 Bäume im In- und Ausland wurden schon gepflanzt. Für mich sind sie auch Sinnbild für die Gemeinschaft des Vereins. Wir Mitglieder sind über das ganze Land verstreut und bilden doch eine starke Gemeinschaft. Wir halten und stützen einander und versuchen unsere Kraft an andere weiterzugeben. Wir sind und waren den schlimmsten Stürmen des Lebens ausgesetzt, ganz wie unsere Bäume.
    Wann immer ich mich einsam, verzweifelt, auf mich zurückgeworfen fühle, denke ich an die Bäume. Ich sehe mich in ihrer Mitte sitzen und darf mich ausruhen. Dieses Bild ist mir ein großer Trost. Wir Hinterbliebenen werden immer wieder mit unserer Trauer kämpfen, mit der Sehnsucht, mit dem Schmerz. Und gleichzeitig dürfen wir auf dieses neue Leben schauen.
    Ich wünsche uns allen, dass wir die Kraft der Bäume spüren, unseren Liebsten für immer in der Mitte halten und selbst immer wieder die eigene Mitte finden, wo alle Stürme außen vor bleiben.
    Für mich sind die Bäume weit mehr als ein Symbol, sie sind mir Freund und Vorbild geworden.
    Bleiben wir stark wie die Bäume für und mit denen die uns Tag für Tag fehlen.
    Read more

  • 3. ToM als Mutmacherbaum

    April 4, 2018 in Germany ⋅ 🌧 11 °C

    Die lokale Zeitung hatte über meinen Lauf berichtet und Bernd vom laurenziberg, in gau-algesheim, hatte das gelesen und mich spontan eingeladen auf seinem Grund einen Baum zu pflanzen. Gesagt getan, die Route wurde geändert und wir machten uns auf den weg zum laurenziberg. Zwischenzeitlich hatte Bernd den Baum bereits bestellt, der von einem Freund von ihm geliefert wurde. Der Baum war riesig, einer der größten, die jemals gepflanzt wurden. Der Freund sagte uns, wie wir ihn pflanzen sollen und dann fuhr er wieder weg. Hans und ich schaufelten eine riesiges Loch, es hat Stunden gedauert, setzten den Baum hinein und waren super stolz. Dann kam der Freund von Bernd zurück. Schaute drauf und schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Wir haben den Baum zu tief eingegraben. Ich lernte damals, das die Erde niemals um den Baumstamm herumliegen darf. Also mussten wir den ganzen Baum wieder ausbuddeln dieses tiefe Loch zuschütten, bis es die richtige Höhe hatte und dann erst konnte der Baum wieder fachmännisch eingesetzt werden. Heute muss ich darüber lachen. Zwischenzeitlich habe ich genügend Bäume gepflanzt und ich weiß, worauf es ankommt. Damals war dies tatsächlich der erste Baum, den ich selbst in die Hand genommen hatte. Der Baum selbst steht auf der eselswiese und ich habe mich sehr gefreut, dass wird dort im wohnwagen schlafen durften. Esel sind meine lieblingstiere und ich mag die wirklich sehr. Ich hätte ja gerne einen Esel und ich würde gerne trees of memory mit Hund und Esel machen. Aber was mache ich mit dem Tier in der winterpause oder einer großstadt? Fragen über Fragen...Read more

  • 5. ToM für Free Kuiper

    May 3, 2018 in Germany ⋅ ☁️ 13 °C

    Mathil war die einzige Frau, die mich jemals über Twitter angeschrieben hat und Kontakt mit mir aufgenommen hat. Obwohl schon im fortgeschrittenen Alter, hatte sie ein twitter-profil und war sehr aktiv. Ihr Bruder hatte sich 30 Jahre zuvor das Leben genommen. 30 Jahre, in denen das Herz von drei Schwestern blutete. Eine Geschichte, die nie aufgearbeitet wurde, die im Schweigen und im Leben verdrängt wurde. Mathil denkt jeden Tag an ihren Bruder. Sie wollte, dass der Baum dort gepflanzt wird, wo ihr Bruder am glücklichsten war, während ihre Kindheit. Matil lebt heute in den Niederlanden, woher sie eigentlich auch kommt und damals kamen sie aus Frankreich und mussten zusammen mit ihrem Vater in diesem kleinen Dorf einen Neuanfang machen. Ihre damalige beste Freundin hatte sie seit dem wegzug vor über 50 Jahren nicht mehr gesehen. Und bei dieser Freundin im Garten wollten wir diesen Baum Pflanzen. Es galt also Kontakt aufzunehmen. Sie wurde gesucht, sie wurde gefunden und wir alle trafen uns in ittenbach. Es war unfassbar toll, diese zwei Frauen nach Jahrzehnten wieder zueinander zu führen und zu sehen, wie gut sie immer noch miteinander können und wie sehr sie sich gefreut haben. Und die Krönung wurde dann die baumpflanzung für den Bruder free. Das ist eine der Geschichten, die ich bestimmt niemals vergessen werde, und Mathil und ich stehen in Kontakt und hören uns eigentlich mindestens einmal im Monat seit 10 Jahren. Wir wurden Freunde und das freut mich sehr und darüber bin ich sehr dankbar.Read more

  • 12. ToM für Bruno Kalkhofen

    November 17, 2018 in Germany ⋅ ☀️ 10 °C

    Brunos Baum hatte es ebenfalls nicht leicht. Die Stadt Wesseling hat zunächst die Pflanzung verweigert. Bis sie einlenkten nachdem ein Internet shitstorm über sie hereingebrochen ist. Nachdem der Baum gepflanzt war, wurde er von Vandalen zerstört und es musste nachgepflanzt werden. Ich hoffe sehr, dass der zweite Baum zwischenzeitlich zu einem stattlichen Baum herangewachsen ist.Read more

  • 13. ToM für Peter

    March 17, 2019 in Germany ⋅ ☁️ 17 °C

    Sarah schreibt über ihren Lebenspartner Peter, dass sie nicht weiß, ob man den Verlust eines Menschen, mit dem man ein halbes Leben geteilt hat, jemals wirklich verarbeiten kann. Es wird immer eine Lücke bleiben, auch wenn die Welt sich weiterdreht.

    Peters Baum wurde im Schlossgarten unter dem Fenster der damaligen Wohnung von Sarah gepflanzt.
    Read more

  • 21. ToM für Andi Nickel

    June 20, 2020 in Germany ⋅ ☁️ 20 °C

    Ein zwei Fotos vom Baum müssen noch nachgereicht werden. Irgendwie fehlen die im Moment auf meinem Handy. Aber an diesem Tag musste ich auch noch zahlreiche Bücher signieren, die im Anschluss an die Gründungsmitglieder von trees of memory e.v geschickt wurden.Read more

  • 23. & 24. ToM für Hanno und Steffen

    October 19, 2020 in Germany ⋅ ☁️ 13 °C

    Ein ganz großes Danke an die Stadt Heidelberg, die mit und für TREES Of MEMORY uns heute ermöglicht hat, zwei Bäume der Erinnerung und zwei mutmachende Symbole für das Leben zu pflanzen. Ein Baum für Hanno und einer für Steffen. Ich danke den Familien, dass ich das für sie machen durfte und, daß sie mit mir zeigen wollen, dass es auch anders geht.Read more