Produktion von Räucherstäbchen
March 10, 2020 in Vietnam ⋅ ⛅ 27 °C
Eine Frau sitzt an einem schrägen Tisch und rollt etwas Teigartiges auf ein Stäbchen. Das Teigartige ist eine Grundpaste aus Holzpulfer, pflanzlichem Kleber und etwas Wasser. Die Stäbchen sind aus Bambus. Zudem arbeitet sie mit einem Brettchen jeweils etwas Zimtpulfer ein. So entstehen bei guten Arbeiterinnen rund 2000Stück pro Tag. In Vietnam werden Räucherstäbchen bei der Ahnenverehrung verbrannt. Häufig sieht man sie im Haus- oder Ahnenschrein. Sie werden aber auch auf Trottoirs, in Blumenbeeten und an anderen Stellen entzündet.
Gleich daneben wird gezeigt, wie der typische Sonnenhut aus Reisstroh gefertigt wird. Beim Glätten des Strohs auf einer heissen Platte mit einem Stein, ist darauf zu achten, das Stroh zu bewegen und nicht den Stein. Ansonsten das Stroh nach der Behandlung nicht mehr weiss ist. Anschliessend werden die zurechtgeschnittenen Blätter auf ein Gerüst drappiert und von Hand vernäht. Da es zwei Schichten der Blätter gibt, werden zum Teil Symbole aus Papier dazwischen gelegt, welche später im Gegenlicht erkennbar sind. Um den Hut noch wasserdicht zu bekommen, wird er lackiert.
Im Garten dieses Gebäudes wächst ein Pfefferstrauch, welcher, ähnlich wie Efeu, einen Wirtsbaum benutzt. Gleich dahinter befinden sich mehrere Gräber. Man will die Verwandten bei sich wissen. Im Zentrum jeder Wohnung befindet sich aus dem selben Grund ein Altar. Geburtstagsfeiern sind nicht in der Kultur der Vietnamesen verankert. Gedenkfeste zu Ehren der Ahnen hingegen schon. Über Riten erfahre ich schon auf der Hinfahrt hierher. Ein Haus ist gelb geschmückt und weiss gekleidete Leute sind zugegen. Dort ist jemand gestorben aber noch nicht beerdigt, erklärt Lâm. Etwas weiter, beim Überholen eines Mopeds mit einer hübsch gekleideten Frau, erfahre ich, dass die Frau Opfergaben zu Ehren des Ahnengedenktages transportiert.
A propos Beerdigung: In Nordvietnam werden die Leute für 36 Monate - nicht selten in oder in der Nähe eines Reisfeldes - begraben. Da es um 36 Mondmonate geht, sind es weniger als drei Jahre. Das mit dem Reisfeld hängt damit zusammen, dass es feucht genug sein muss, damit die Verwesung schnell voran schreitet. Dann werden die sterblichen Überreste wieder ausgegraben und die Knochen gereinigt. Die sauberen Knochen werden dann wieder begraben.
In Zentralvietnam werden die Leute lediglich einmal begraben. Allerdings wird hier auf den Mondkalender Rücksicht genommen. So kommt es vor, dass der Leichnam längere Zeit bei der Familie verbleibt. Dass hier die Temperaturen für ein derartiges Unterfangen nicht gerade günstig sind, dürfte klar sein. Um Geruchsemissionen zu vermeiden, werden 30kg Sand in den Sarg gegeben. Der Leichnam wird in Trockentee gehüllt und anschliessend wieder mit 30kg Sand bedeckt. Anschliessend wird der Sarg geschlossen und mit Harz versiegelt. Allerdings ist der Sarg nun so schwer, dass 20-25 starke Männer für den Transport notwendig sind. Der "Totengräber" der jeweiligen Ortschaft weiss, wo die jungen, kräftigen Burschen wohnen und trommelt sie zusammen. Nicht selten nehmen sie frei für diese ehrenvolle Aufgabe.Read more



