Huellas de Ariane y Marco

Joined May 2018Living in: Sohren, Deutschland
  • Day218

    Kuala-Lumpur, Malaysia

    March 17 in Malaysia ⋅ ⛅ 32 °C

    Selamat siang,

    unser Flug nach Kathmandu geht über Malaysia. Nach kurzem Nachdenken beim Buchen entscheiden wir uns, die "Umsteigezeit" auf 4 Tage zu erweitern und uns Kuala Lumpur anzusehen. Arianes temporärer Reisepass ist nun um ein weiteres Visum reicher und wir können, nachdem wir im "immigration-office" einem hohen Beamten, der nicht lächeln kann, unsere Weiterflugtickets, Unterkunft in Kuala Lumpur und Reportnummer zur Verlustanzeige der chilenischen Polizei gezeigt haben, tatsächlich nach Malaysia einreisen. Was für ein Prozedere!

    Wir haben ein nettes Hostal mitten in der Altstadt gefunden, wo man die dreckigen Schuhe im Foyer stehen lässt! Das haben wir auf unserer gesamten Reise noch nicht gehabt, aber echt gut! Witzigerweise ist auch eine große, grüne, ovale Frucht mit Stacheln (Jackfruit?) auf den Zimmern verboten, da diese wohl auch nach Käsefüßen stinkt :-)

    Wir sind von Anfang an darüber verwundert, dass die meisten Frauen Kopftücher tragen - wir hätten uns das nicht so vorgestellt, dass Malaysia zu großem Teil islamisch geprägt ist und es ist nicht selten, dass man den Muezin in der halben Stadt hört.

    Einmal in Kuala Lumpur, stehen natürlich die "Petronas Towers" auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin besichtigen wir den Fernsehturm von Kuala Lumpur - ein Video zeigt, wie dieser Turm gebaut wurde: interessanterweise von der deutschen Firma "Wayss & Freytag".
    Die Petronas-Towers sind 88-stöckige Zwillingstürme des gleichnamigen ölfördernden Konzerns. In der Fassade ist der arabische Einfluss zu erkennen, der aber auch vielerorts erkennbar ist. Bemerkenswert ist die riesige, parkähnliche Gartenanlage zur Rückseite der Türme: Eine Tartanlaufbahn, öffentliche Trinkbrunnen, Ruhezonen mit überdachten Sitzplätzen, Spielplätze und ein riesiges Planschbecken für die Kleinen. Wir setzen uns an den Rand, essen unser Picknick und schauen uns die Türme und das bunte Treiben im Wasser lange an.

    Wir haben einen Stadtplan gefunden, in dem verschiedene Routen beschrieben werden, entlang der man interessante Gebäude, Kirchen, Moscheen, hinduistische und buddhistische Tempel besichtigen kann. Wir folgen einer Route und gelangen so auch in das indische Viertel, wo wir unglaublich leckere Gerichte finden.

    Auf Entdeckungstour der verschiedenen Routen durch Chinatown, die Altstadt und den Botanischen Garten fällt uns auf, dass fast alle dieser angepriesenen, bewunderungswürdigen, historischen Gebäude total verranzt und eigentlich abbruchreif sind - so schade! Eine Ausnahme bietet die 'Sultan Abdul Samad Jamek Moschee'. 'Jamek' ist übrigens das Malayische Synonym für 'Arabische Welt'. Erbaut wurde die Moschee überraschendender Weise von einem Briten. Hier muss ich mich verhüllen. Es wird versucht eine offene Willkommenskultur zu praktizieren - man möchte auch zeigen, dass nicht alle Islam-Gläubigen fanatische Selbstmordattentäter sind. Eine schwierige Situation, wo doch in den Medien oft ein einseitiges Bild gezeigt wird - immer dann, wenn wieder etwas passiert ist. Ein wenig stutzig werden wir, als die dort freiwillig arbeitende Frau uns vom Menschenrecht der Verschleierung erzählt und darauf andeutet, dass man sich in einigen europäischen Staaten in bestimmten Berufen nicht verschleiern darf - aber was ist mit dem Recht sich nicht zu verschleiern? Ich hätte die Moschee ohne Schleier nicht betreten dürfen. Wo ist da die gleiche Behandlung? Wir beenden das Thema dann schnell.

    Für uns sind das eigentliche Highlight Kuala Lumpurs die 'Batu'-Höhlen - eine Stunde mit dem Zug nördlich vom Stadtzentrum. Es ist ein riesiger Höhlenkomlex, groß wie eine Kathedrale, in der sich zwei sehr alte hinduistische Tempel befinden. Bis man die Höhlen erreicht, muss man sich jedoch erst einmal über gefühlt 1.000 steile Treppenstufen hinauf quälen. Oben angekommen begrüßen einen unzählige diebische Primaten, bevor es in das Dunkel der 'Hindu'-Höhle geht.

    Bevor wir das Land in Richtung Nepal verlassen, bereitet uns mein grüner, temporärer Reisepass wieder einige spannende Minuten, da uns die Fluggesellschaft zunächst nicht einchecken und somit nicht ins Flugzeug steigen lassen möchte. Wir müssen erst an einen anderen Schalter gehen, wo wir dann auch noch nach dem notwendigen Weiterflugticket von Nepal gefragt werden - wir haben keines! Und dann wollen sie den Hintergrund dieses grünen Reisepasses im Detail wissen. Zum Glück haben wir schon ein Hotel für die erste Nacht reserviert, so können wir zumindest diese Adresse bei den ständigen Nachfragen angeben, wo wir in Nepal hin wollen. Es wird lange telefoniert - mit Nepal... ob sie uns überhaupt unter diesen Bedingungen ins Land lassen. Es ist wohl schon vorgekommen, dass Fluggesellschaften Passagiere wieder mit nach "Hause" nehmen mussten, weil sie nicht ins Land gelassen wurden - darauf haben die wohl keine Lust mehr und informieren sich nun vor Flugantritt, was ja eigentlich auch nicht so dumm ist. Ist man jedoch in einer solchen Situation, so sitzt man ganz schön auf heißen Kohlen!

    ... der Anruf aus Nepal - alles ok! Los geht's! Das ganze hat uns über 1 Stunde Zeit gekostet und das Boarding hat schon begonnen.

    Wir sind gespannt, was uns auf der nepalesischen Seite bei der Einreise erwartet, nachdem Iris uns schon die Info geschickt hat, dass einem am nepalesischen Flughafen alles passieren kann, es total chaotisch sei, jedoch am Ende in der Regel alles gut ausgeht - die Frage ist, wie lange es dauert. Wir sitzen im Flugzeug, fliegen los und bemerken, dass wir ohne die benötigten Unterlagen für das Tourivisum, ohne die hierfür benötigten 40 USD für 4 Wochen und ohne Passfoto, bald am nepalesischen Immigrationsschalter stehen werden...

    Viele Grüße
    Ariane & Marco
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day216

    Hongkong, Sonderverwaltungszone der VRC

    March 15 in Hong Kong ⋅ ⛅ 18 °C

    Nǐmenhǎo,

    … es ist schon etwas Komisches, mit der „Zeit“... waren wir die ganze Zeit „hinter“ der deutschen Zeit, sind nun „vor“ der deutschen Zeit UND vor allem 12 Stunden zeitversetzt zu Chile – das, in Verbindung mit dem Flugmarathon und 3 Nächten ohne richtigen Schlaf, zerstört gleich die Planung des ersten Tages!

    Ying kommt uns am Flughafen abholen, wir fahren gemeinsam in die Unterkunft und Ariane sieht ein Bett – schwuppdiewupp... eingeschlafen ;-) „nur kurz mal hinlegen“ - eine halbe Stunde später einigen wir uns dann darauf, dass wir uns nicht laut Plan – den haben wir mit Ying in den vergangenen 6 Wochen immer wieder gefüllt und abgestimmt – einen Tempel in der Nähe ansehen, sondern nur noch kurz ein paar Lebensmittel einkaufen, kochen, essen, schlafen – und so liegen wir um 19:00h im Bett.

    ...bis 3:30h – dann ist Ariane hell wach – na super!

    Wie machen das denn Geschäftsleute, die eine solche Strecke für gerade mal 3 Tage „business“ hinter sich bringen müssen, beim Geschäftemachen hell wach sein müssen und dann wieder heim fliegen? Es ist uns unbegreiflich.

    Dementsprechend traumwandlerisch laufen wir bestimmt noch 2 weitere Tage durch Hongkong. Die neuen Eindrücke dieser Mega-Stadt tun ihr Übriges – wie im Film „Das 5. Element“, es fehlen nur noch die fliegenden Taxis...
    ...wird bestimmt nicht mehr lange dauern!

    Hier ist mit Ausnahme der Hochhäuser einfach alles mini: die Appartements, die Läden, jeder noch so geringe Platz wird irgendwie ausgenutzt - unter Treppen, Vorsprüngen und in Hinterhöfen finden sich kleine Restaurants, oder Garküchen und in den hintersten Gassen sind die teuersten Läden versteckt. Die Menschen zahlen für kleinste Wohnungen enorme Summen! ...ein Backofen passt meist gar nicht in die Küche hinein. Es scheint jedoch sehr viele wohlhabende Menschen in Hongkong zu geben: wir haben in keiner bisher besuchten Stadt so viele mega teure Autos (Bently, Ferrari, Tesla) und Luxusgeschäfte gesehen! Die Autos sind alle wie Rennwagen ausgestattet – was sich natürlich in einer solchen Megastadt und 'freier Fahrt' ja besonders gut nutzen lässt ;-)

    Die Stadt ist voll – voller Autos, voller riesiger Häuser, voller Menschen – und es wollen immer mehr Chinesen nach Hongkong ziehen. Dies hängt noch damit zusammen, dass Hongkong einst zum BritishEmpire gehörte, zwar 1997 wieder zurückgegeben wurde, doch noch immer eine Sonderstellung in der Volksrepublik China genießt: z.B. andere Handelsbeziehungen, dadurch andere (bessere) Lebensmittel und eine eigene Währung. Dies schützt jedoch nicht mehr vor der immer größer werdenden Macht Chinas, die mehr und mehr die britische Geschichte vergessen lassen möchte und Einfluss auf die zu sehr demokratisch erzogenen Einwohner von Hongkong nehmen möchte – die junge Generation, die die Zeit des British Empires nicht miterlebte, scheinen ein guter Nährboden zu sein und so wird es, wie auch Ying vermutet, nur noch eine Frage der Zeit sein, bis China die letzten demokratischen Ideen in den Menschen unterdrücken kann. Auf die Frage hin, ob Ying einmal mit uns nach China reist, beantwortet sie dies mit einem klaren „NEIN“ - sie könne und werde keinen Fuß nach China setzen. Sie arbeitete bei den letzten Wahlen für eine demokratische Partei, somit sei sie „gelistet“. Viele ihrer Freunde mit ähnlichen Überzeugungen sind bereits nach Taiwan umgezogen. Das in China bereits umgesetzte „credit-point-system“, bei dem jeder Einzelne entsprechend seines Handelns „gewertet“ wird und bei nicht gewünschte Verhalten, 'falschen' Interessen, Aufrufen falscher Internetseiten, etc.) man selbst UND das soziales Umfeld Punkte abgezogen bekommt, setzt Menschen natürlich sehr unter Druck. Bewirbt man sich für eine neue Arbeit, kann der Arbeitgeber dieses Punktesystem einsehen und bei nicht genügenden Punkten – ohne überhaupt auf die Qualifizierung zu achten – die Einstellung ablehnen! Der Kontrollapparat der chinesischen Regierung ist unvorstellbar! Selbst in Hongkong funktioniert keine Google-App. Viele andere Internetseiten kann man nicht öffnen.

    Besonders beeindruckt hat uns das „Museum of History“, das damals von den Briten gebaut wurde. Es ist vergleichbar mit dem „Haus der Geschichte“ in Bonn und zeigt wichtige Meilensteine in der Geschichte Hongkongs: Reisanbau, Feste und Feiern, Religion,Opiumkriege, Handel, etc. bis zur Rückgabe der Stadt an die chinesische Regierung... ab da an wurde nichts mehr hinzugefügt. Ying glaubt, dass es in der Zukunft geschlossen wird, wenn der Einfluss der Chinesen weiter steigt – um die Geschichte vergessen zu lassen.

    Interessanterweise haben die Chinesen schon früh Handel mit den Briten begonnen (17.Jh.), der sich jedoch darauf beschränkte, dass die Chinesen begehrte Produkte wie Seide und Gewürze den Briten für Silber verkauften, die Chinesen jedoch im Gegenzug keinerlei Produkte der Briten kaufen wollten – sie sagten, dass sie keinerlei ausländische Waren benötigten – irgendwie doch genauso wie heute: die Chinesen produzieren, die ganze Welt kauft dort ein und macht sich dadurch abhängig. Damals führte dies zu einem Ungleichgewicht – in Großbritannien gab es fast kein Silber mehr um den Handel weiter aufrecht zu erhalten. Daraufhin begannen die Briten als die größten Drogendealer der Geschichte die Chinesen vom Opium abhängig zu machen – wie sie das hingekriegt haben, keine Ahnung... auf jeden Fall waren die meisten Chinesen bald opiumabhängig – zahlbar nur in Silber, was nun zum einen zu unfähigen Arbeitern und zum anderen zu keinem Silber mehr im Land der Chinesen sorgte... der Opiumkrieg begann. Am Ende wurden Handelsbeziehungen erstritten.

    Die Stadt scheint aus allen Nähten zu platzen. Gewitzt löst die Stadt dieses Problem und fängt sogar zwei Fliegen mit einer Klatsche: Landgewinnung durch Müllentsorgung. Ein Stadtteil heißt sogar „Junkbay“ - das sagt doch schon alles. Das auf der ganzen Welt vorherrschende Problem der Müllentsorgung lösen die Menschen aus Hongkong, indem sie diesen als „landfill“ nutzen, den Müll ins Meer werfen, verdichten und somit teure Grundstücke mit Meeresblick entstehen lassen. In „Junkbay“ stehen über 50-stöckige Wohntürme, in denen pro Wohnturm geschätzt so viele Menschen wie in der gesamten Verbandsgemeinde Kirchberg wohnen. Für die Frage nach „Architektur“ bleibt da kein Platz.

    Es scheint auch immer weniger „Platz für Kultur“ zu geben. Die in den alten Teilen der Stadt verteilten Dau-Tempel werden zwar von Einwohnern zum Beten besucht, machen aber einen sehr traurigen Eindruck – sie wirken vergammelt, wenig prunkvoll und dreckig.

    Dem entgegengesetzt machen wir große Augen bei der unglaublichen Vielfalt an traditionellen Lebensmitteln und Mahlzeiten – waren wir von vielen Ländern in Südamerika „Pinto“ gewohnt (Reis mit Linsen, Linsen mit Reis, Reis mit Bohnen oder sogar mal Bohnen mit Reis), fehlen uns hier Tage, vielleicht Wochen um die verschiedenen und uns neuen Gerichte und Lebensmittel auszuprobieren: wir essen in Garküchen in Seitenstraßen super leckere Suppen mit Nudeln und Gemüse aller Art, werden von Yings Mutter zum „Dim Sum“-Essen eingeladen – kleine Geschmacksfeuerwerke, wobei unterschiedliche Füllungen in unterschiedlichen Teigvarianten eingepackt werden und trauen uns nicht an Schlangensuppe oder getrocknete Schmimmblasen von Fischen. Alles scheint für irgendetwas gut zu sein – für die Nieren, die Verdauung, die Gesundheit und im Zweifelsfall für ein besseres Liebesleben – wie beispielsweise die Schwimmblasen, die deswegen pro Stück für über 300 US-Dollar angeboten werden (nach oben keine Grenzen!). Andere unbekannte, getrocknete, geschwefelte, eingelegte, gefriergetrocknete, oder, oder, oder Lebensmittel, würden wir wahrscheinlich auch dann nicht hinunterschlucken können, selbst wenn sie Superkräfte versprächen.

    Ying hat sich sehr viel Zeit für uns genommen – neben ihrer Arbeit macht sie zurzeit einen Deutschkurs und eine Weiterbildung zum Moviedirector... Wahnsinn! Zeit ist sehr wertvoll für sie – wir wissen das zu schätzen! Sie zeigt uns verschiedene Tempel in und um Hongkong, fährt mit uns in ein traditionelles Fischerdorf 'Tai O' im Südwesten, zeigt uns die verschiedenen Stadtteile Hongkongs und auch das, was nicht so repräsentativ ist – arme Wohnviertel, in denen aber eine Jugend heranwächst, die mit Kunst eine neues Leben in diese Viertel bringt und sich in „art cafes“ austauscht. An einem Abend waren wir sogar zum Galopprennen auf eine riesige Rennbahn mitten in der Stadt - so ganz genau haben wir das Wettsystem nicht verstanden, aber die Menschen in und um Hongkong lieben es um Geld zu spielen (schon nachmittags im Hintergässchen) und so kommen kurz vor Rennbeginn horrende Summen zusammen! Wir haben außerdem gelernt, dass Marco im Jahr des Drachen und Ariane im Jahr des Hundes geboren wurde und wie sehr modernes Leben doch noch mit Traditionen und Glauben zusammen hängen: Yings Geburtsjahr hat wohl keine gute Konstellation mit dem aktuellen Jahr 2019, sodass sie eine Opfergabe (Spende) gibt, damit sie auch in diesem Jahr nichts Böses ereilt.

    Wie reist man in einem Land, in dem man nichts versteht? Qingdao, die Eindrücke aus der Luft, die Informationen von Ying, die Propaganda im Flugzeug und das Zusammentreffen mit den Menschen in Qingdao haben uns geprägt und eine Reise nach China ist bei uns zunächst nicht vorstellbar. Hier in Hongkong merkt man noch den Einfluss aus der Zeit des British Empires – fast alle können Englisch, es gibt englische Informationen und die Menschen handeln globaler. Die Frage wird jedoch sein, wie lange noch?

    Es ist toll ein Land von jemandem gezeigt zu bekommen, der hier geboren und aufgewachsen ist, hier arbeitet und lebt! Lieben Dank Ying :-)

    Zuì hǎo de wènhòu
    Ariane & Marco
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  • Day208

    Zwischen den Kontinenten

    March 7 in China ⋅ ☀️ 10 °C

    您好在家 :-)

    Das Visum in der Tasche, ziehen wir am Sonntagabend los Richtung Flughafen Santiago. Wir müssen um 4:00h morgens einchecken, also wollen wir die Nacht einfach am Flughafen verbringen. Wir haben dort schon einmal übernachtet, als wir nach Puntarenas geflogen sind.

    Der Flugmarathon nach Hongkong beginnt:

    Da ich ab jetzt mit einem temporären Reisepass reise und wir deswegen den Online-Checkin im Voraus nicht abschließen können, wollen wir immer früh genug am Schalter zum Einchecken sein. Das ist auch wirklich gut so. Bei keinem der Flüge funktioniert das Einchecken reibungslos - immer muss nocheinmal eine Vorgesetzte herbei geholt werden, die dann die Flugdaten vergleicht und was weiß ich so alles macht. Letztendlich können wir dann jedoch immer mitfliegen!

    Die erste Nacht in Santiago war ja noch ganz nett - wir haben sogar zwei Polstersitze ergattert und schlafen immerhin satte drei Stunden.

    Im Flieger sitzend, ist es schon komisch, die komplette Route, die wir auf dem Landweg in Mittel- und Südamerika bereist haben, wieder zurück zu fliegen. Es war schon ein Abschnitt überhaupt diese Flüge zu buchen! Damit war die Zeit in Südamerika "gezählt" und nun verlassen wir den Kontinent, den wir sieben Monate lang Stück für Stück kennen lernen durften und doch noch so vieles nicht gesehen haben.

    Der nächste Stopp ist Lima. Auch hier haben wir schon eine Nacht verbracht: auf dem Weg nach Iquitos am Amazonas. Der Aufenthalt ist heute jedoch kurz - 2 1/2 Stunden, bevor es auch schon weiter nach San Salvador geht. Seltsam, auch hier waren wir bereits im Oktober auf dem Weg nach Costa Rica :-) Diesmal steigen wir jedoch nach 5 1/2 Stunden Wartezeit in den Flieger Richtung San Francisco. Yaehhh, wir wollen es kaum glauben! Es jat geklappt! Keine Probleme mit dem US-Visum und dem vorläufigen Pass!!!

    Es ist schon etwas Komisches mit der "Zeit". Wir fliegen und fliegen und der Tag hört einfach nicht auf. Die Zeit wandert rückwärts. Waren wir in Santiago nur 4 Stunden HINTER unserer deutschen Zeit, sind es in San Francisco dann schon 9 Stunden.

    Wir kommen am Montagabend gegen 23:00h am riesigen, neuen und scheinbar verlassenen Flughafen in San Francisco an. Hier gibt es ganze Sitzreihen, auf denen wir es uns gemütlich machen können. Einige Obdachlose nutzen diese Möglichkeit auch und geben uns ein ordentliches Schnarchkonzert.

    Wir sind zwar müde, können aber direkt noch nicht schlafen. Nach einiger Zeit fallen uns dann doch für ca. vier Stunden die Augen zu. Am Morgen wollen wir uns ein wenig die Beine in den Vororten San Franciscos vertreten und versuchen einen Fußweg zu finden - aber wir vergaßen: wir sind ja in den USA! Wer geht denn hier zu Fuß! Also wurde unser kleiner Ausflug an die frische, kalte Luft nach kurzer Zeit wieder beendet. Ach ja - wir merken, es ist Winter! Wir sind wieder auf der Nordhalbkugel! Winterliche Kälte mit regnerischem Wetter begegnen uns nun zum erstem Mal seit Langem wieder! In Patagonien gehört das ja zum Sommer dazu ;-)

    Marco inspiziert den Flughafen genau: Computerarbeitsplätze, Aufladestationen für mobile Geräte, viele Sitzgelegenheiten und zwei Ausstellungen aus dem 'MOMA - Museum of modern art' - eine zu Katzen, die andere zu kunstvollen Gefäßen aus Silber. Toll! Wir fahren mit dem Flughafenshuttle ein paar Runden um uns so ein wenig die Gegend anzusehen, ziehen uns noch ein paar US-Dollar (kann man immer gut als Reserve gebrauchen) und checken dann ein. Im Sicherheitsbereich genehmigen wir uns noch einen Kaffee zum Frühstück und los geht es über das große Wasser - haben wir gedacht!
    Uns überrascht es schon sehr, dass wir, statt irgendwann links abzubiegen und über den Pazifik nach China zu fliegen, bis nach Kanada und hoch nach Alaska über das amerikanische Festland und über Russland wieder nach Süden fliegen... Aber klar: die Erde ist keine Scheibe - und so ist dies dann doch die kürzeste Flugroute! Wahnsinn!

    Wir wurden schon vorgewarnt: in Qingdao, unserem ersten Zwischenstopp auf chinesischem Gebiet, gibt es keinen Transit. Also bekommen wir ein 24-Stunden Visum. Hier hilft es uns sehr, dass wir alle Flugdaten ausgedruckt haben und wir zeigen können, dass wir nicht in China bleiben wollen.

    Es ist schon etwas Komisches mit der "Zeit". Wir haben die Datumsgrenze überflogen und sind nun 6 Stunden VOR der deutschen Zeit. Wir sind völlig durcheinander!

    Wir kommen um 18:20 Uhr Ortszeit an - in eine für uns völlig fremde Welt. Am "internationalen" Flughafen steht alles nur auf 中文! Nun gut. Wir schauen uns das Terminal genauer an und stellen fest dass es hier wirklich kuriose Dinge zum Essen gibt: Ganz viel getrocknetes Fleisch oder getrockneten Fisch abgepackt als Snacks, lebende Schwabbel-Meerestiere und Früchte, die wir nicht kennen, von denen wir aber auch keinen Namen herausfinden können. Wir haben ein wenig Hunger und wollen uns beim bekannten großen gelben "M" etwas kaufen. Da kann man ja nicht so viel verkehrt machen - außerdem haben wir gesehen, dass man dort mit Karte zahlen kann... Super!
    ... haste gedacht!
    ... wir sind ja schließlich am "internationalen" Flughafen in Qingdao, wie kommen wir da nur auf die Idee, dass man mit einer Visa-Karte bezahlen könnte?!? Aber natürlich nicht - es wird nur die "China-Card" akzeptiert! Seltsam, aber so weiß der chinesische Staat auch, wer, wann, wo und wieviel Geld abgehoben hat! So sind wir heilfroh, dass wir noch Müsli und Milchpulver im Gepäck haben. Am Flughafen gibt es überall Getränkespender, an dem man heißes und kaltes Wasser zapfen kann - eine wirklich gute Idee! Also gibt es Müsli und heißen Tee im McDonalds in Qingdao. Die Einheimischen nutzen diese Getränkespender intensiv - fast jeder hat eine kleine Flasche dabei in denen wir Teeblätter erkennen können. Wir werden an Argentinien und Patagonien erinnert, wo jeder seinen Matetee ständig und immer trinkt, so wird hier vielleicht grüner Tee immer wieder aufgegossen.

    Wir suchen uns einen Platz, wo wir die Nacht verbringen können und erhalten eine Vorstellung einer chinesischen Marsch-Übung... Es muss etwas ähnlich Sinnfreies sein, denn einen Zweck können wir nicht erkennen. Etwa zwei Dutzend uniformierte Flughafenangestellte stellen sich mal in 2er, mal in 3er Reihen auf, bleiben stehen, ein Kommando kommt und es wird sich im Spalier am Eingang aufgestellt, einige Pylonen werden umgestellt und dann wieder von vorne, still stehen, nach links drehen und stehen. Irgendwann gehen sie dann... Und alle waren eifrig dabei, ja keinen Fehler bei der Aufstellung zu machen.

    Um 23:45h wollen wir uns dann ein wenig hinlegen. Um Punkt 24:00h werden wir dann jedoch gebeten, diesen Bereich zu verlassen - der wird geschlossen. Super! Also Sachen packen und den anderen hinterher. Ein Stockwerk tiefer. Es ist sau kalt dort. Keine Sitze mehr frei. Na toll! Wir lehnen uns an einen Pfeiler, setzen uns auf unsere Rucksäcke und packen uns nach und nach immer dicker ein. Zuletzt werden die Schlafsäcke ausgepackt um uns warm zu halten. Von Schlafen kann keine Rede sein. Um 6:10h geht unser Flieger. Um 4:00h geht die Rolltreppe nach oben zum Einchecken wieder auf. Was für eine Nacht!

    Und dann kommt das Beste: Unser Flug wird nirgends angezeigt. Es gibt niemanden am Infoschalter und bei den Schaltern unserer Fluggesellschaft zeigt sich auch 1,5 Stunden vor Abflug auch noch niemand. So langsam werden wir nervös - falscher Flughafen? Falsches Datum? Falsche Uhrzeit? Irgendetwas nicht mitbekommen? Der elektronische Checkin-Automat bestätigt unsere Zweifel: "kein Flug in den nächsten Tagen nach Xianyang"! Die Menschen, die wir fragen, können alle kein Englisch. Auch kann man sich mit Ihnen komischerweise nicht mit Händen und Füßen verständigen - es ist wirklich eine absurde Situation.

    Nach einiger Zeit finden wir eine junge Frau, die sich zumindest auf unsere nonverbal Sprache einlässt und sogar ein paar Worte Englisch kann - sie fliegt auch nach Xi'an! Und sogar zur selben Zeit wie wir! Naja, dann wird es den Flug wohl doch geben!

    Qingdao haben wir als Ort kennen gelernt, in dem wir völlig verloren waren. Keine lesbaren Infos, kaum Menschen, mit denen man weder verbal noch nonverbal kommunizieren konnten! Eine völlig andere Welt!

    Auf dem Weg nach Xi'an können wir immer wieder durch Wolkenlücken auf China schauen. Wir sehen geplante, angelegte Städte. Die Hochhäuser in den verschiedenen Blocks sind immer gleich hoch, alles ist parallel und symmetrisch - wie in einer Armee. Wo ist da das Feng Shui? In den niedrigeren Häusern denken wir uns, wohnen vielleicht wohlhabendere Chinesen. Aber in allen Städten sieht man neben den Wohnblocks gleich die Fabriken. Verrückt! Planwirtschaft! Im Flugzeug erzählt uns dann ein Werbevideo von einem Mann, der in einer kleinen Straße eines Dorfes ein Lebensmittelgeschäft betreibt. Er erzählt von seinem Leben und dass er heil froh ist, dass die chinesische Regierung nun die Straße und alle Häuser abreißt, da er sowieso nicht mehr genügend verdient, da die Menschen jetzt in den Supermärkten einkaufen. Und er kann dank der tollen Initiative der Regierung in ein neues Haus in einer geplanten Stadt ziehen und dort in einer Fabrik arbeiten - einfach toll! Gehirnwäsche wo man hin sieht...

    In Xi'an angekommen, geht es recht schnell und ohne Probleme weiter. Zwar gibt es schon wieder keinen Transitbereich, dafür ist aber die Info besetzt, die sogar Englisch kann. Der Flug ist sogar angeschrieben und wir können, nachdem wir einen grünen und dann einen gelben Zettel ausgefüllt haben (die nirgends eine Bedeutung zu haben scheinen) in den Sicherheitsbereich. Hier schlendern wir hin und her und bemerken zwei interessante Dinge: die vielen Geschäfte, die elektronische Dinge verkaufen und Karaokeboxen :-)

    Vor einem Geschäft wartet ein kleiner, hüfthoher Roboter mit großen Augen auf uns. Wir fragen den Verkäufer, für was der Roboter gut ist. Staubsaugen...? Der Verkäufer kann kein Englisch, nimmt sich ein kleines Gerät (so groß wie ein Feuerzeug), wählt die Sprachen aus und textet seine Erklärung in dieses Gerät - was prompt und wirklich gut verständlich seine Worte ins Englische übersetzt. So können wir uns unterhalten. Wir fragen uns, warum bei 'Google translator' oft noch so ein riesiger Blödsinn rauskommt - das Gerät ist wirklich schnell und übersetzt präzise. Naja, die Erklärung für diesen kleinen Roboter mit großen Augen ist ein wenig erschreckend! Er soll in einer Familie dem Kind Dinge beibringen, z. B. Sprachen oder Regeln... sozusagen als Geschwisterersatz. Ohhh Mann!

    Nach diesem letzten Flug ab Xi'an, kommen wir dann endlich nach mehr als drei Tagen um 13:30h Ortszeit in Hongkong an. Puuuhhh - was für ein Trip!!!

    Willkommen in Hongkong

    问候
    Ariane & Marco
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  • Day201

    US Embassy, Santiago de Chile

    February 28 in Chile ⋅ ☀️ 17 °C

    Hola,

    hätten wir uns ja auch nicht vorstellen können, dass wir während unserer Reise in einem Consulat Platz nehmen dürfen und dann auch noch in dem der USA. Naja, unerwartete Dinge und Planänderungen gehören nun mal zum Alltag einer langen Reise. Am besten macht man sich auch keine großen Pläne, das ist stressfreier! In unserem Fall raubt es uns doch schon unsere Nerven.

    Wie haben wir eigentlich unsere Tickets für den Besuch in unser guten deutschen Botschaft und die der Amis erworben?

    22. Februar 2019, wir kommen mit dem Nachtbus aus Temuco nach Santiago und wollen uns für unsere verbleibenden 9 Tage in Chile eine Auto mieten, mit dem wir etwas flexibler sein können, als mit einem Bus. Wir wollen noch ein paar Tage an die Pazifikküste zum Schwimmen und in die Weinregion südlich von Santiago, um uns einen leckeren Pisco Sour zu gönnen.

    Nachdem wir unser erstes Auto wegen defekter Beleuchtung gerade wieder zurück geben mussten, geht es nun mit einem neuen schnuckeligen Kleinwagen an der Mietstation am Internationalen Flughafen in Santiago los. Mit im Gepäck: Eine Reifenversicherung ;-)

    Es ist ein bisschen Konfus, denn das Mautsystem ist nicht sonderlich verständlich und wir halten erst kurz an einer Zahlstation, bevor wir uns doch entscheiden das fahrzeuginterne automatische Abrechnungsystem zu nutzen. Wie es aussieht sind wir auch nicht die einzigen Touris, denn mit uns hält hier noch ein weiteres Auto, welches wohl nicht so recht weiß, wie das hier funktioniert! Naja, weiter geht's...
    ... als nach kaum 1 km der Verkehr etwas staut, sehen wir, daß hinter uns der Fahrer eines Autos aussteigt und zwischen unseren beiden Autos irgendetwas macht. Wir denken uns nichts großes dabei und es geht auch schon gleich weiter auf die Autobahn. Endlich freie Fahrt Richtung Süden :-) Oder auch nicht! Plötzlich leuchtet die Warnanzeige für den Reifendruck auf! Na Klasse, das fängt ja schon mal gut an. Noch keine 2 Kilometer haben wir geschafft und noch bevor wir erkennen, dass unser Reifen hinten links vollkommen Platt ist, fängt links neben uns auch schon ein Auto wild an zu Hupen und der Beifahrer zeigt auf unser Hinterrad. Anhalten? Hier? Völlig unmöglich! Die Autobahn ist in unsere Richtung allein 4-spurig und richtig voll! Wir fahren langsam noch etwa 1 km bis ein Auto vor uns fährt und uns mitzuteilen versucht, daß wir hier rechts raus fahren könnten und sie würden uns helfen. Wir fahren ab und parken auf einem breiten Randstreifen. Das andere Auto hält ein gutes Stück vor uns. Es steigen 2, oder 3 Leute aus. Einer bleibt im Auto sitzen. Mit Warnwesten bekleidet wuseln sie plötzlich überaus hilfsbereit um uns herum, wollen unser Ersatzrad aus dem Kofferraum holen, oder unser Gepäck aus dem Kofferraum auf die Rücksitzbäcke räumen. Als einer dieser Warnwestenmänner unbedingt mit einem von uns gemeinsam das Warndreieck schön weit entfernt von unserem Auto aufstellen will, merken wir, daß die 'Dreck am Stecken' haben! Immer schön Ablenken ist die Devise. Die wollen an unser Gepäck! Ariane versteckt schnell noch meinen Geldbeutel mit Pass unter der Fußmatte und schließt schnell das Auto mit dem Funkschlüssel ab... Klick! Alles sicher...! Wir machen deutlich, daß wir keine Hilfe benötigen und machen uns dann an das Reifenwechseln. So wirklich lassen die Typen jedoch nicht locker, schleichen immer noch umher und wir können die Situation nicht vollkommen überblicken... Und plötzlich ziehen sich die 'Helfer' zurück und verschwinden mit ihrem Auto. "Die Türen sind auf!", "Sch....!", "Die haben uns beklaut!"

    Uns spielte die Technik einen Streich, denn mit offenem Kofferraumdeckel schließen die Seitentüren nicht, wenn man den Knopf am Schlüssel drückt! "Die Drecksäcke haben uns beklaut!", höre ich Ariane rufen, "Meine Reisepapiere sind weg! Sch...., sch...., sch....!"

    Und dann läuft alles seinen Weg... Polizei rufen, Reifen wechseln, zur Anzeigeaufnehmen ins Präsidium, zurück zur Autovermietung und und und! Wir sind gerädert und lassen alles Revue passieren! Wir realisieren erst später was passiert ist und wie es passieren konnte: Sind wir doch direkt schon hinter der Autovermietung von einem Mann gefragt worden, wie denn der Weg in eine bestimmte Stadt wäre - und gleich die zweite Frage: wo wir her kämen. Dabei wurde unser Auto mit Inhalt schon gescannt. Die vermeintlichen Touristen, die mit uns an der Mautstelle seltsam gefahren sind, waren bereits unserer "Helfer" und der Mann, der während des Staus zwischen unseren Autos war, hat uns mit einem Messer den Hinterreifen zerstochen! Eine organisierte Sache, von Anfang bis Ende. Dabei haben die Typen jetzt nicht einmal großen Erfolg gehabt, denn außer Arianes Reisepass, einer Kreditkarte, wenig Bargeld war nicht viel im Rucksack. Für uns bedeutet dies nun jedoch mächtig Aufwand und es kostet viel Nerven.

    Habe ich doch noch in der Woche vor unserem Abflug von zu Hause André cool und lässig erzählt, dass ich in einem Forum gelesen hätte, dass auf einer solchen Reise jeder mal überfallen, oder beklaut würde. Dabei habe für mich gedacht, ja ja, uns passiert das nicht, wir passen ja auf! Fahren wir 7 Monate durch die verrücktesten Länder Südamerikas und nichts passiert...

    Naja, eilig haben wir es jetzt erst mal nicht mehr, denn es ist mittlerweile Freitagnachmittag und die deutsche Botschaft macht erst am Montag ihre Türen wieder auf. Wir machen uns für Montag eine Todo-Liste und fahren mit unserem nun dritten Mietauto an einem Tag nach 'Valparaiso' an die Pazifikküste, legen uns an den Strand, gehen Schwimmen und sehen uns die Stadt an. Wir können am Wochenende eh nichts bewegen. Den Kopf bekommen wir nach diesem Erlebnis jedoch nicht frei!

    Montag, 25. Februar 2019, wir haben einen Termin für heute bei der Deutschen Botschaft im Internet vereinbart, um einen vorläufigen Reisepass zu beantragen. Die Formulare haben wir bereits am Wochenende organisiert und ausgefüllt, Passfotos machen lassen und und und. Stellen aber vor der Tür fest, dass ich im noch verwirrten Kopf einen Termin für den 25. März 2019, statt Februar, vereinbart habe... Mist! Wir werden dennoch sehr freundlich empfangen und bekommen den Ersatzpass schon für Dienstag in Aussicht gestellt :-)

    Jetzt wird es jedoch dolle: Haben wir doch vor einigen Wochen für den kommenden Montag einen Flug über San Francisco nach Hongkong gebucht und stellen nun fest, daß man mit einem 'Vorläufigen Reisepass' nicht einmal zu Zwecken des Transits in die USA reisen darf. Dies geht nur mit Visum und ein US-Visum können wir nur beantragen, wenn der neue Pass vorliegt, grrrr! Und die Krönung folgt: Teilt uns die deutsche Botschaft mit, dass ein US-Visum etwa 7 Tage dauert....
    ...das wird nix! Benötigen wir das Visum doch bereits am Freitag, um den Flug überhaupt am Montagmorgen um 6:00h nehmen zu können, grrrr!

    Wir wollen es nicht unversucht lassen: Visum beantragen steht auf dem Plan. Wir suchen uns ein Plätzchen, an dem wir Internet haben und Sachen ausdrucken können! Und?! Siehe da, Ariane muss dem Mann an der Rezeption des Intercontinental Hotel gefallen haben, denn wir bekommen ein voll ausgestattetes Büro im Businesscenter zur Verfügung gestellt, kostenlos ;-) Ganze 5 Stunden wühlen wir uns durch die US Visaformalitäten, zahlen die Visagebühren von 160 Dollar (ohne zu wissen, ob es zeitlich überhaupt klappt!) und beantragen den erforderlichen Interviewtermin in der US Botschaft. Wir überlegen, zum Interview ein 'Captain America' T-Shirt zu kaufen ;-) könnte ja helfen.

    Ja und wir suchen schon mal nach neuen Flügen nach Hongkong, die nicht über die USA gehen. Umbuchen heißt der Plan B! Doch plötzlich erhalten wir eine Mail der US-Botschaft. Interviewtermin ist bereits am Donnerstag morgen... Yeah!

    ... Die US Botschaft gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Konnten wir bereits nach einer kurzen Überprüfung völlig stressfrei in die einlandende Deutsche Botschaft, muss ich hier nun draußen bleiben. Ich warte vor den hohen Mauern des fensterlosen Komplexes und bin doch ganz schön nervös, obwohl ich doch nur hier draußen sitze und nicht mehr machen muss als darauf warten, bis Ariane wieder raus kommt.

    Am Freitag Morgen sollen wir wieder kommen und nachfragen, ob das Visum fertig ist. Und...

    ... die Amis haben sich zu unserer Überraschung und riesigen Freude an die Bearbeitung unseres Antrages gesetzt. 2 Stunden vor unserer Deadline ist Ariane im Besitz des US Visums! Danke Maja und Hanna für den Glücksbringer. Der war im Hosenseckel mit in der US Botschaft :-)

    Yeah! Es ist der Kracher! Uns fällt in einem Moment der ganze Stress der Woche von den Schultern und wir gönnen uns erst einmal einen guten Kaffee und genießen die letzten zwei Tage in Chile in einem guten Appartement im 19. Stock und Pool auf dem Dach, gehen leckeren Kuchen essen und verabschieden uns bei einem super lecker-schmecker Abendessen im 'El Arbol' von Süd America :-)

    Auf nach Hongkong...

    Adios America del sur
    Ariane & Marco
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  • Day186

    Auf der Carretera Austral und Ruta 40

    February 13 in Argentina ⋅ ☀️ 19 °C

    Hallo Ihr Lieben zu Hause :-)

    Wo wollten wir nochmal hin? Wir erinnern uns... Die abgelegenen Ortschaften an der Carretera Austral in Nordpatagonien erkunden! Jetzt sind wir 2 Tage nach Pueblo 'Cerro Castillo' gewandert ohne uns Gedanken zu machen, wie man von dort wieder weiter kommt! Aber, hier fährt ein Bus :-) Das Problem ist nur, daß der eine Bus aus dem Süden kommt und bis Cerro Castillo in der Regel voll besetzt ist und der andere Bus sich nur bewegt wenn er voll besetzt ist - und für letztere Variante weit und breit keine weiteren Reisenden zu sehen sind. Alternative: wir fahren einfach zu zweit und zahlen für jeden leeren Sitzplatz mit, so das Angebot! Lustig, gell! Glücklicher Weise treffen wir hier einen jungen Mann aus Santiago, den es ebenfalls wie uns nach Norden zieht und er flitzt unermüdlich durch den Ort um Mitfahrer zu organisieren. Uns hat er bereits gewonnen und es dauert nur wenige Stunden, bis wir voll besetzt nach 'Coyhaique' fahren, wo wir für 3 Nächte bleiben wollen.

    Es ist doch echt verrückt. Auch hier auf unserem kleinen Zeltplätzchen in 'Coyhaique' angekommen, sieht man das gleiche Bild. Im ganzen Land genießt der Kult einen hohen Stellenwert. Die Leute schlürfen das bittere Kräutergebräu zu Hause, bei der Arbeit und beim Sport und auch beim Reisen und bei Picknicks sind die Schalen und Thermoskannen mit heißem Wasser immer mit von der Partie. Das Zauberwort heißt 'Mate'. Wo immer wir hinschauen wird Mate-Tee aufgegossen. Übrigens: wir finden den ersten Schluck Matetee schauderhaft, aber bei dem bitteren, nach Gras schmeckenden Getränk kommt man leicht mit Menschen ins Gespräch.

    Über 'Coyhaique' gibt es nicht sonderlich viel zu erzählen. Wir nutzen den Ort um einiges zu organisieren (Unterkunft in Hong Kong, Flug nach Nepal) und um Einkäufe zu tätigen, bevor wir uns auf den Weg zum Parque Nacional 'Queulat' machen.

    Allein der Weg auf der 'Carretera Austral' ist malerisch. Eine bis heute nur in Teilen asphaltierte Straße, die Pinochet bauen ließ um die abgelegenen Orte Nordpatagoniens zu erschließen. Es geht vorbei an Fjorden und Seen und unser Bus schlängelt sich nur langsam durch die Berglandschaft, die der der Alpen sehr ähnelt, bis nach 'Queulat', wo uns der Busfahrer dann aussteigen lässt.

    Es ist noch erstaunlich früh am Tag. Wir stellen unser Zelt unter den vielen anderen kurz vor dem Park auf und wollen noch heute hinauf zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man einen tollen Blick auf einen beeindruckenden Hängegletscher haben soll. Der Weg verläuft gleich zu Beginn über eine fast 100 Meter lange nicht sonderlich vertrauenserweckende Hängebrücke über einen wirklich reißenden Fluss. "Maximal 4 Personen" steht auf dem Schild geschrieben und beidseitig stehen bestimmt 20 Leute an. "Die sollen ja stehen bleiben, wenn wir auf der Brücke stehen!", denken wir uns.

    Ein verwunschener Pfad über Wurzeln und Bäche. Farne und Moose verschlingen Bäume und Bäume verschlingen wiederum Steine und bis wir nach etwa 2 Stunden den Aussichtspunkt erreicht haben, werden wir von viel Vogelgezwitscher begleitet. Dort angekommen überflutet uns ein beeindruckender Blick. Ein halbes Dutzend ewig hoher Wasserfälle fassen den scheinbar an einer riesigen Felswand hängenden Gletscher ein. Das Wasser braucht knapp 10 Sekunden, bis es unten ankommt. Ein Bild wie aus 'Herr der Ringe', gewaltig schön, dass es dies eigentlich gar nicht geben kann! Es würde nur noch fehlen, dass wir hier alleine wären...

    Am kommenden Mittag warten wir an der Straße, bis ein Bus hält und uns mitnimmt. Wir wollen bis nach 'Futaleufu' einem Ort an der Grenze zu Argentinien, bleiben aber erst einmal in einem netten Örtchen namens 'Puyuhuapi' hängen.

    Uns gefallen einfach die Namen der Ortschaften hier und wir brauchen ewig, bis wir sie nur ansatzweise richtig ausgesprochen bekommen. Sie haben alle ihren Ursprung bei den 'Mapuche', dem indigenen Völkchen, dem dieses Land hier schon seit tausenden Jahren gehört(e)! Spannend finden wir auch, dass uns nicht nur die Architektur der Häuser mit ihren schönen Sprossenfensten recht bekannt vorkommt, sondern auch viele Straßennamen :-) So heißt doch die Hauptstraße in 'Puyuhuapi', 'Avenida Otto Uebel'. Die Erklärung: in den 1930er Jahren wurden viele Ortschaften hier von deutschen Siedlern gegründet und deswegen...
    ...gibt es hier auch 'Küchen' und 'Berliner' zu kaufen :-)

    Jeder im Dorf erzählt uns unterschiedliche Möglichkeiten und Abfahrtszeiten um weiter nach 'Futaleufu' zu kommen, bis wir letztenendes völlig verwirrt sind! Dabei gibt es wohl nur einen Bus, angeblich um 19:30 Uhr, so die häufigste Variante... Gegen 21:00 sitzen wir dann im Bus und fahren, man höre und staune, einen Ort weiter. Als wir dann am nächsten Morgen in der Früh mit einem Bus in einem Ort Namens 'Villa Santa Lucia' ankommen, glauben wir hier ist die Welt zu Ende. Hier sitzt der Dorfpolizist am alten Holzofen eines, hmmm, wir nennen es mal Dorfrestaurant. Das Feuerwehrauto in einem anderen Garten ist fast eingewuchert, der Rest des Ortes wurde 2017 von einer Schlammlawine völlig verschüttet und ein Bus nach 'Futaleufu' gibt nicht - denn der einzige am Tag, um 13:30h, ist voll...

    ... ein Drama!

    Bis wir endlich in 'Futaleufu' ankommen haben wir das große Glück zweimal beim Trampen mitgenommen zu werden - zusammen mit zwei jungen Chilenen, die das Tampen für uns in die Hand nehmen... wahrscheinlich klappt es deswegen! Einmal werden wir mitgenommen von Nino, der mit "Fahne" und Bierdose am Steuer sitzt und dann von Andes, dessen Auto in so desolatem Zustand ist, daß er damit kaum die Spur halten kann. Dennoch vielen Dank :-)

    'Futaleufu' ist ein herrlicher Ort mit prächtigem Dorfplatz, umgeben von zwei Rafting-Flüssen und zum Wandern einladenden Bergen. Wir fühlen uns wohl hier :-) Zu unserer Freude findet an diesem Wochenende der Auftakt zum 90-jährigen (!) Bestehen des Ortes statt. Auf der Auftakt Veranstaltung in der Sporthalle dürfen wir natürlich nicht fehlen. Und heute ist obendrauf auch noch ein Rodeo. Also volles Programm! Unsere Lieblingsdisziplin: Rinderrodeo! Hierbei versuchen mehrere Gauchos mit einem Lasso ein Rind einzufangen, indem sie mit dem Lasso die Vorderläufe "fangen" und so das Rind zu Fall bringen. Dann wirft sich schnell einer der Gauchos auf das Rind, das Lasso wird gelöst und los geht das Rodeo, buckelnd durch die ganze Arena. Ein wirklich lustiges Spektakel :-)

    Leider dürfen wir unseren Kalender nicht aus dem Auge verlieren. Könnten wir noch lange in Patagonien bleiben, doch geht unser Flug bereits in 14 Tagen nach Hongkong und es sind immer noch 1500 km bis nach Santiago de Chile. Wir überspringen einige wahrscheinlich wunderbare Orte und wollen direkt nach 'Bariloche' in Argentinien um dort noch einige Tage mit unserem Zelt und viel Ruhe in den Bergen wandern zu gehen.

    Auf der 'Ruta 40', das ist für die Argentinier so etwas wie die 'Route 66' für die Amis, geht es nach 'Bariloche'. Keine sonderlich schöne Stadt. Es ist wieder laut hier! Also schnell die Sachen packen. Wir rüsten uns für 4 Tage mit allem Nötigem und wandern los in den 'Parque Nacional Nahuel Huapi'. Steil bergauf geht es. Eine selten schöne Bergkulisse, vorbei an Bergseen, über Grate in zum Teil anspruchsvoller Blockgratkletterei und... wir treffen Mate trinkende Argentinier ;-) An dieser Stelle viele Grüße an Waltrauds Wilfried :-)

    Die Berghütten ähneln denen der Alpen, nur etwas kleiner. Die schönste, in dessen Nähe wir unser Zelt aufschlagen, ist das Refugio 'Frey'. Wunderschön an einem See gelegen in einem Paradies für Kletterspezialisten. Nachdem wir unser Zelt erstmal gegen den aufkommenden Wind hinter einer aufgesetzten, halbrunden Wand aus Steinblöcken gesichert haben, wird der Wind sehr stark und wir sehen, wie unweit von uns ein anderes Zelt auch schon in Teilen wegfliegt. Unseres steht "bombig" :-) Uns gefallen die Berge hier! Wir waschen uns grob im See, schlafen auf dem warmen Fels ein, kochen am Ufer Nudeln und erfreuen uns riesig an dem Sonnenuntergang. Schade, dass wir nicht lange bleiben können.

    Auf dem Weg nach Santiago machen wir noch einmal Halt in 'Temuco', einer Großstadt im chilenischen Seengebiet und nur wenige Stunden vom 'Parque Nacional Conguillio', unserer letzten Etappe entfernt. Wir treffen uns hier noch einmal mit Nicole, einer Chilenin, die wir im Januar im 'Torres del Paine' Nationalpark kennen gelernt haben und wir werden zu einem fürstlichen Essen in ihrem Elternhaus eingeladen. Vielen lieben Dank hierfür und auch für den leckeren 'Pisco Sour' :-) Sie gibt uns noch einige Tips, wie wir am besten zum Parque Nacional kommen und verabschieden uns hoffentlich nicht zum letzten Mal!

    Im 'Parque Nacional Conguillio' sehen wir noch einmal in einer von den Vulkanen 'Llaima' und 'Sierra Nevada' eingefassten und von riesigen Araukarientannen übersäaten Landschaft die riesigen Andencondore und freuen uns hier einen schönen Abschluss von der südamerikanischen Natur gefunden zu haben :-)

    Auf nach Santiago...

    Muchos Saludos :-)
    Ariane & Marco
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  • Day176

    Pueblo Cerro Castillo, Nordpatagonien

    February 3 in Chile ⋅ ☀️ 12 °C

    Buenas!

    Wir wechseln den Kontinent! Am 04. März fliegen wir von Santiago nach Asien. Und somit sind auch unsere Tage in Südamerika leider gezählt. Das heißt, daß wir uns langsam Richtung Norden machen müssen. Wir wollen noch einmal nach Chile zurück und über die 'Carretera Austral' die abgelegenen Ortschaften, Weiler und Nationalparks Nordpatagoniens erkunden.

    Wir nehmen den Grenzübergang im kleinen Örtchen 'Los Antiguos' am 'Lago General Carrera' und fahren in das Städtchen 'Chile Chico', wo wir das chilenische Nationalgericht 'Completo' zu Mittag essen. Completo - das sind Würstchen im Brötchen, also wie Hotdogs, aber mit unterschiedlichen Zutaten. Der "normale" Completo "Italiano", wird mit Guacamole und Tomaten zubereitet, der Completo "Aleman" mit Sauerkraut ;-)
    Mit der Fähre geht es dann am Nachmittag auf die andere Seeseite und wir erreichen den Hafen von 'Puerto Ibáñes' nach 2 1/2 Stunden. Ein wirklich verschlafenes Örtchen. Gespickt mit vielen alten bunten Holzhäuschen, kleinen, jedoch meist ungepflegten Vorgärten, die Straßen breit und gelegentlich wechselt ein Hund die Straßenseite. Außer 2 - 3 einfachsten Tante Emma Läden ist hier nicht viel los. Wir finden einen netten Platz, wir nennen es mal Campingplatz, zwischen einerseits Schafen und Ziegen und andererseits einem Schweißerbetrieb, an dem wir unser Zelt umringt von Hühnern aufstellen können.

    Um 9:00 Uhr am Folgetag soll ein Bus für 800 chilenische Peso (1,07€) nach Pueblo Cerro Castillo fahren. Das hatte uns ein Ladenbesitzer und unser "Schweißer" erzählt. Nur hatte keiner auf dem Schirm, daß samstags und sonntags keine Busse fahren, was er uns natürlich erst samstags morgens erzählt! Das fängt ja gut an! Super Idee die abgelegenen Ortschaften zu erkunden...! Pueblo Cerro Castillo ist über 40 km entfernt, unmöglich zu gehen, denke ich mir! Nach einer halben Stunde des erneut vergeblichen Versuches zu Trampen fragt mich Ariane, ob denn ein Fußweg über die Berge nach 'Castillo' in unserer Landkarte eingetragen wäre. Ich denke nur, das ist ein Scherz...! Schließlich haben wir volles Gepäck mit knapp 20 kg auf dem Rücken!

    Keine Stunde später haben wir für 2 Tage in einem der Lädchen Essen eingekauft, geprüft, ob Bäche mit trinkbar en Wasser an der Wegstrecke liegen und sind hinter dem Ortsschild bereits links abgebogen...

    "Quien se apura en la Patagonia pierde el tiempo" – Wer sich in Patagonien beeilt, verschwendet seine Zeit, erklären die Einheimischen - Also gar nicht erst hektisch werden...

    So wandern wir in aller Ruhe erst auf einer Schotterstraße ohne große Höhenunterschiede und immer entlang des Rio Ibañez, vorbei an einem wirklich sehr prächtigen Wasserfall und durch ein trockenes von kargen Bergen eingefasstes Tal. Nach gut 2 vollen Stunden geht es plötzlich steil bergauf und in diesem Moment hält neben uns der roter Pickup zweier amerikanischer Kletterer, die eine kurze Zeit vorher bereits uns entgegen kamen. Perfekt, wir werfen unsere Rucksäcke hinten auf die Ladepritsche und springen auch mit gleich hinterher. Oben angekommen und 1 1/2 km später springen wir ab, die beiden biegen links ab und wir folgen weiter unserem Weg. Dieses Glück haben wir am frühen Nachmittag nochmal, als uns Alejandro, der hier in den Bergen lebt, ebenfalls uns zu Beginn einer Steigung für 2 km mitnimmt. Verrückt! Und alles ohne trampen :-)

    Wir sind so froh uns für den Weg nach 'Castillo' zu Fuß entschieden zu haben. Der Weg ist einmalig und schlängelt sich nun durch ein enges, beinahe klammähnliches Tal und neben uns ist nur der Fluss, viel Grün und gelegentlich Streifen Kühe, oder Pferde durch den Wald.

    Als wir uns am späten Nachmittag an einem entlegenen und wunderbaren See nach einem Platz zum Zelten umsehen, hören wir einem Mann, der eine Kuh mit einer 'Steinfletsch' an einen Zaun entlang treibt. Wir kommen mit ihm ins Gespräch und kurz darauf gesellen sich noch ein paar weitere Leute dazu. Allesamt Amerikaner aus Alaska und Montana, die hier über den Sommer nach Patagonien gekommen sind, um hier auf einer Fliegenfischer-Lodge zu arbeiten. Es wird richtig gesellig. Wir quatschen, trinken Bier und vergessen darüber fast unsere Zeltplatzsuche. Nach gut 2 Stunden ziehen sich die "Fliegenfischer" in ihre nahegelegene Hütte zurück und wir bleiben einfach dort, schlagen unser Zelt, immer im Blickfeld eines 'Zorro Chilla' - einem Graufuchs - unweit des Ufers auf, waschen uns im See und kochen was feines...

    Es ist bereits lange dunkel und plötzlich hören wir unsere Namen rufen. Die Stimme hört sich an wie die des Mannes mit der 'Steinfletsch'. "Are you dressed?... I have something to eat for you! Tacos und a bottle of wine... Enjoy and nice to meet you!". Ist das nicht toll! Wir sind schon so oft auf unserer Reise von Fremden zum Essen, oder Trinken eingeladen worden. Wie oft machen wir das für Fremde zu Hause? Nie, oder?

    Am nächten morgen ziehen wir früh los, denn in Pueblo Cerro Castillo soll heute ein Rodeo stattfinden und das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Es sind zum Glück nur noch 15 km, aber die Sonne brennt uns bei fast 30°C ganz schön auf den Kopf. Der Weg besteht nun nur noch aus einem schmalen Pfad und scheinbar war hier auch schon länger niemand mehr, zumindest kein Mensch, denn auf dem Weg sind neben unseren Schuhabdrücken nur Abdrücke verschiedenster Tiere auszumachen. Wir sind hier für uns alleine und können neben wilden Pferden, Füchsen und Hasen auch Unmengen von Schwarzspechten bei der Arbeit zusehen.

    Als wir am Ortseingang von Pueblo Cerro Castillo ankommen wird gerade eine Herde von vielleicht 20 Pferden zwischen Mopeds, Autos und LKWs über die Hauptstraße zum Rodeo Festival getrieben. Echt mutig, womit auch unsere Neugierde immer größer wird.

    Wir suchen uns schnell einen Platz für unser Zelt, und los geht es zum 'Encuentro Costumbrista Rescatando Traditiones', wie die Einheimischen sagen. Ein Mal im Jahr findet das in der Region wichtigste Rodeo statt und wir sind dabei :-) Und bevor wir uns am Berghang ein gutes Plätzchen zum Zuschauen suchen, schlendern wir erst mal an den vielen Essensständen vorbei, sehen dem Treiben zu, probieren gegrilltes Lamm und kaufen uns eine dicke Portion Pommes, frittiertes Brot und eine große Büxe Bier :-)

    So wirklich wissen wir nicht was uns gleich erwartet. Wir vermuten nur, daß man hier wohl nicht so zimperlich mit Pferd und Rind umgeht. Wir sind mal gespannt... Der Platz ist etwa halb so groß wie ein Fußballfeld und im rechten Viertel stehen 2 schwere Pfosten, groß wie ein Marterpfahl an denen je ein Pferd angebunden ist. Mindestens 3 Männer sind am Werk. Zuerst werden die Pferde ganz eng an den Pfahl gezogen, den ganz wilden Pferden werden die Augen verbunden, bevor sie dann mit verschiedenen Riemen und Stricken für das Rodeo vorbereitet werden. Eine Prozedur von 10 Minuten, bis zu guter letzt ein weiterer Reiter das angebundene Pferd mit seinem Pferd in Richtung Platzmitte drückt. Dann ein Zeichen des Rodeoreiters! Das Seil wird gelöst und. .. Wow...! Los geht es! Ohweia! Jetzt gehts ab... Das Pferd buckelt und fegt über den Platz wie von einer Tarantel gestochen und der Caballero versucht irgendwie sich zu halten. Ein Höllenritt... Der Hammer...! Das Schauspiel dauert am heutigen Tag maximal 12 Sekunden, bis der Reiter spektakulär zu Boden fällt. Dabei sieht es manchmal aus als wäre es das letzte Mal gewesen. Die Nummer sieht für den Laien echt kreuzgefährlich aus. Die sind verrückt, die Chilenen!

    Abseits des ganzen Geschehens spielen mehrere dutzend Männer ein Glücksspiel namens 'Taba'. Es ähnelt dem des Hufeisenwerfens, nur wirft man hier ein Eisenteil, welches mit einer bestimmten Seite auf einer Schlammfläche aufkommen muss. Und, hier spielt man nicht nur um paar wenige Groschen. Hier liegen manchmal ganz schöne Mengen Geld auf dem Trockenen Gras inmitten der Menschenmenge!

    Zu Hause wäre eine solche Veranstaltung im Nu von den Behörden beendet bzw. gar nicht erst zugelassen. Zu gefährlich, Tierschutz, Geldspiel, und und und! Aber es ist ein ganz großartiges Fest und auch mit Maß! Muss man bei uns erst mal eine Veranstalter-Haftpflichtversicherung vorweisen, bevor man auf dem Kirchplatz in Büchenbeuren Bier verkaufen darf! Oder der Fastnachtswagen ist 2 cm zu breit! Ach, was gibt es da Beispiele. Und leider oft zu Lasten der Kulturvielfalt.

    Wir sitzen noch eine Zeit lang unter den vielen Zuschauern am Hang und bestaunen das Treiben. Ein rundum großartiges Spektakel, viel Tradition und eine Menge Spaß haben wir hier in 'Pueble Cerro Castillo'.

    Muchos Saludos

    Ariane & Marco
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  • Day171

    Fitz Roy & Cerro Torre, Südpatagonien

    January 29 in Argentina ⋅ ☀️ 7 °C

    Holala...

    Wir sind begeistert vom Bild der Berggipfel entlang des Südpatagonischen Inlandeises mit seinen unzähligen Gletschern und Granitgipfeln und wir finden größten Gefallen daran diese weitestgehend unberührten Naturlandschaften zu erwandern.

    Das 'Fitz Roy Massiv' in Argentinien soll unser nächstes Wanderziel sein und wir nehmen nach einer Nacht in Puerto Natales einen Bus nach El Calafate in Argentinien... Kaum haben wir den Grenzposten
    'Caso Laurita', mit seinen überaus geruhsamen Grenzbeamten und ihrer faultierähnelnden Arbeitsweise nach 1 1/2 Stunden passiert, ändert sich die Landschaft schlagartig. Bis zum Horizont nichts als dorres Grasland und vereinzelte Farmen mit tausenden von Schafen. Noch seltener wie Bäume sind hier Straßenkurven. Es geht meist einfach nur gerade aus... Nur die einzelnen Guanakos, die wir manchmal zwischen den dorren Grasbücheln erspähen können, lassen uns etwas Schönes an diesem Fleckchen Erde empfinden... Das ist also die argentinische Pampa!

    Glücklicherweise geht es auch bald wieder in Richtung Westen in die Berge und wir erreichen nach einigen Stunden Fahrt das Städtchen El Calafate. Bis zum Fitz Roy Massiv sind es von hier aus noch 5 Fahrstunden, entscheiden uns aber für 3 Nächte hier zu bleiben um noch einen Abstecher zum Perito Moreno Gletscher zu machen. Der Gletscher ist zwar eine Touristenhochburg, dies aber auch zurecht. Es er wahrscheinlich der dynamische Gletscher der Erde. Er dringt bis zu 2 m pro Tag vor, was jede Menge aufregend-gruseliges Kalben bedeuten soll. Also nichts wie hin...

    Bei der Suche nach einer Busverbindung, stellen wir fest, daß es nur welche mit einem unverschämten Touristentarif von 800 Pesos (18,50 €) / Person gibt. Für eine gleiche Strecke zählt man sonst nur ein Fünftel. Unser Dickkopf siegt und wir stehen kurz darauf als Tramper-Greenhorns am Straßenrand...

    ...nach ganzen 2 1/2 Stunden an zwei aufeinander folgenden Tagen geben wir genervt auf, nachdem bis dato unzählige Touristen mit ihren Autos und leeren Rücksitzbänken an uns vorbei fahren. Trampen ist einfach nichts für uns, kommen wir uns nicht nur vor wie Bittsteller, sondern ist uns auch die Zeit des Wartens viel zu wertvoll. Grrrr, also zahlen wir 800!

    ...Wir beobachten mit Spannung, wie der nächste häusergroße Brocken abbricht, donnernd ins Wasser stürzt und eine kleine Flutwelle auslöst. Einfach fantastisch! Beeindruckende 70m Meter hoch sind die gezackten Eisgipfel der 5 km breiten Gletscherzunge und der Gletscher misst sage und schreibe 35 km Länge! Zu guter letzt haben wir auch noch das große Glück Andenkondore und sogar Ñandus, das sind große, flugunfähige straußenähnliche Laufvögel zu sehen.

    Es geht weiter nach El Chaltén. Ein farbenfrohes Dorf zu Füßen des zackigen Cerro Fitz Roy. Wir wollen für 4 Tage die Bergwelt erkunden, haben unser Zelt und Proviant eingepackt. Es heißt, daß man selbst im Sommer auf Wind, Regen und kaltes Wetter eingestellt sein muss; dann sind auch die Gipfel wegen der Wolken nicht zu sehen. Wenn aber die Sonne scheint, ist El Chaltén ein Paradies für Wanderer und Bergsteiger. Wir sind gespannt :-) Bevor es jedoch für uns losgeht übernachten wir auf einem kleinen Zeltplatz am Ortsrand und welch Überraschung: Es ist derart windig, daß wir unser Zelt mit allen Heringen sichern die wir haben und zusätzlich an einem Zaun festbinden müssen ;-) Ab rein ins Zelt und gute Nacht!

    Am frühen Morgen ist keine Wolke am Himmel und die Sonne strahlt. Ein perfekter Tag. Gut gelaunt geht es steil bergauf. Wir haben uns für die Tage nur kurze Etappen vorgenommen und wollen, nachdem wir unseren Zeltplatz gefunden haben, die Gegend ohne großes Gepäck erkunden und einfach genießen. In einem Halbrund aus Todholz, um unser Zelt vor dem starken Wind zu schützen und auf einer felsigen Anhöhe oberhalb der Laguna Capri haben wir einen wirklich tollen Platz gefunden. Wir gehen noch zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man einen tollen Blick auf das Fitz Roy Massiv haben soll. Aber, es wird schnell frisch und das gesamte Massiv versteckt sich hinter einem dicken Wolkenvorhang. Dem nicht genug fängt es leicht zu nieseln an. Wir machen uns auf den Rückweg, kochen uns etwas Leckeres und kriechen schnell in unsere Schlafsäcke...

    Wir sind am kommenden Morgen kaum 10 Minuten auf dem Weg fängt es an zu regnen und es wird für den Rest des Tages nicht mehr aufhören wollen. Was bleibt uns übrig als einfach weiter zu gehen. Wir haben ja auch keine Alternative. Uns geht es trotz des Wetters einfach gut und der Regen stört unsere gute Laune nicht. Die saubere Luft riecht unheimlich frisch. Wann geht man schon mal in Ruhe zu Hause im Regen durch die heimischen Wälder wandern, oder spazieren.... Viel zu selten, oder eher nie!

    Dennoch sind wir froh am Camp 'Poincenot' in einem total verwunschenen Wald unser Zelt aufgeschlagen zu haben und uns erst einmal von unseren nassen Klamotten zu entledigen. Glücklicherweise ist der Wind nicht kalt, noch nicht..., und unsere Hosen trocknen schnell, aber mit Wandern ist heute nichts mehr! Die Nacht jedoch wird bitter kalt, noch weit aus kälter als die vorherige. Wir sind aber gut vorbereitet, können unsere beiden Schlafsäcke zu einem großen zusammenzippen, Mütze, Schal und Thermounterwäsche an und alles was geht zum zudecken mit in den Schlafsack. Ich habe zusätzlich, das ist jedoch aus der Not heraus geboren, meine Daunenweste wie eine Hose angezogen. Sieht aus wie eine Windel, hält aber warm ;-) Wir kuscheln uns zusammen und schlafen warm und wie ein Stein :-)

    Am kommenden Tag sieht das Wetter nicht besser aus und vom 'Fitz Roy' ist nicht ein Schimmer zu sehen. Zusätzlich hat es auch noch geschneit und die Berge weiß eingedeckt. Wir sind halt in Patagonien, hier ist das Wetter wie es ist. Wir entscheiden uns eine weitere Nacht hier zu campieren und abzuwarten. Wir entspannen einen Tag im Zelt: Lesen, Spanisch lernen, Wasser am Bach holen (das kann man hier übrigens ohne Sorge trinken) um lecker zu kochen und hin und wieder aus dem Zelt zu gucken... Es hat aufgehört zu nieseln. Also mit vollem Elan in unsere Eisklotzhosen und los zu einer kleinen Wanderung zu einem beeindruckenden Hängegletscher.

    Wieder im Zelt angekommen überfällt mich das Verlangen nach Dingen, zu denen wir seit Wochen keinen Zugriff haben. Diesmal sind es wieder 'Snickers' - Was würde ich jetzt dafür geben! Manchmal ist es Schokolade, oder auch ein selbst gemachter Joghurt aus Mamas Jughurtmaker.

    Unser Warten zahlt sich aus. Um 7 Uhr am nächsten Morgen - der Blick aus dem Zelt: es sind kaum Wolken am Himmel... Nicht lange Fackeln, das Wetter kann sich schnell ändern. Los geht es ohne Frühstück, steil bergauf zum 'Lago de los Tres', von dem aus man den besten Blick auf den 'Cerro Fitz Roy' haben soll. Der Weg ist vereist und voller Schnee. Nach einer Stunde kommen wir oben an und haben vielleicht noch 2 Minuten einen verhältnismäßig guten Blick, bevor der 'Fitz' wieder hinter Wolken verschwindet ;-)

    Glücklicherweise bleibt das Wetter stabil und der Tag wird richtig sonnig warm. Uns zieht es durch wunderbare Pfade weiter in das Nachbartal des 3100m hohen Berges 'Cerro Torre'. Er ist der Hauptgrund, weshalb wir nach El Chaltén gekommen sind. Eine erstmals vor 3 Jahren frei gekletterte Granitnadel von über 2000 m Höhe und umgeben von einer grandiosen Gletscherlandschaft. "Da hinter den Wolken muss er sein!" Man braucht einfach sehr viel Glück. Fast das ganze Jahr sind die Gipfel wolkenverhangen, da die warme Luft aus der argentinischen Pampa an diesem Bergmassiv auf die Kaltluft des Südpatagonischen Inlandeises trifft und zu Wolkenbildung führt. Aber es ist trotzdem sehr schön hier und wir liegen noch eine Zeit lang am Ufer des unweit unseres Zeltplatzes gelegenen Gletschersees und genießen die Abendsonne.

    Bevor wir den Heimweg ins Tal antreten, wollen wir noch einen Abstecher über die Gletschermoränen zu einem Aussichtspunkt machen, von dem aus man die Gletscher um den 'Cerro Torre' und an einigen Tagen im Jahr auch den 'Torre' sehen kann. Und plötzlich sehen wir, daß die Wolken immer dünner werden. Wir setzen uns windgeschützt hinter einen dicken Stein in die Sonne und verfolgen das Geschehen. Es dauert etwa eine halbe Stunde und der Wolkenvorhang verschwindet Stück für Stück bis der 'Torre' sich in seiner ganzen ehrfürchtigen Pracht zeigt. Es wird nicht jeder verstehen, aber wir sind fasziniert, begeistert und unglaublich beeindruckt von diesem außergewöhnlichen Naturschauspiel und es wird für uns ein unvergesslicher Tag...

    Viele Grüße aus dem Süden Südamerikas :-)

    Ariane & Marco
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  • Day160

    Torres del Paine, Südpatagonien

    January 18 in Chile ⋅ ☁️ 13 °C

    Hallo :-)

    Punta Arenas, die Stadt am südlichsten Punkt des amerikanischen Festlandes... Yippee, wir sind in Südpatagonien angekommen! Ist es doch unser eigentliches Hauptziel Lateinamerikas und vielleicht auch unserer Reise :-) Wir kommen hier her, um umgeben, oder vielmehr inmitten von unberührter Natur die isolierte Schönheit dieser Gegend zu erwandern.

    Erst aber sind wir im sturmgepeitschten Punta Arenas und haben in einem für Patagonien, typischen alten mit Wellblech verkleideten Holzhaus eine Bleibe gefunden. Und es gefällt uns hier so gut, daß wir gleich viele Tage hier bleiben könnten. Holz an Wänden, Decken und Böden, eine wohlige Wärme und eine Couch vor einem großen Sprossenfenster, in das die Sonne hereinstrahlt. Wir lassen uns erst mal 'fallen' und genießen den angebotenen Kaffee :-) ist es doch ein kleiner Kälteschock für uns, aus der Atacama-Wüste hierher nach Patagonien zu kommen!

    Ja, Punta Arenas zeigt uns schon gleich wie Patagonien nun mal ist. Der unaufhörlich starke Wind bläst von der nahen 'Magellan-Straße' durch die Gassen der Stadt und wird uns wohl auch noch einige Wochen durch Patagonien begleiten. Die frühere Strafkolonie hat schon Bergleute, Robbenjäger, Seemänner, ausgehungerte Pioniere und durch den Wolle-Boom reich gewordene Händler beherbergt. Heute sind es Touristen wie wir, die die Stadt als Ausgangsbasis zu Wanderungen in die nahen Nationalparks nutzen.

    Wir wollen für 9 Tage das Bergmassiv der 'Torres del Paine' umrunden. Bevor wir jedoch losziehen können, brauchen wir noch einige Gaskartuschen für unseren Kocher. Diese konnten wir ja nicht mit ins Fluggepäck stopfen. Nachdem unsere Rucksäcke mit Zelt und allem wichtigem gepackt sind, nehmen wir einen Bus nach Puerto Natales um dort einen Teil unseres Gepäcks, was wir zum Wandern nicht brauchen, einzulagern. Weniger ist mehr, ist die Devise!

    Nach weiteren 3 Stunden Fahrt, vorbei an gigantischen Weideflächen der patagonischen Pampa, kommen wir an der Laguna Amarga, unserem Startpunkt an. Voll motiviert und mit großer Vorfreude geht es los :-) Vor uns liegen 130 km Wege und Pfade über Stock und Stein mit dem Ziel des Lago Torre, am Fuße der mächtigen Granittürme, 'Torre del Paine'.

    Nach einer 1. Nacht im 'campamento central sur' starten wir in der Früh zu unserer ersten Etappe. Exakt 30 km mit gefühlten 20 kg Gepäck, 6 kg Lebensmittel und welch Überraschung: Einer ganzen Menge Wind!
    ...und ratet mal aus welcher Richtung ;-) Es geht durch eine steppenähnliche jedoch hügelige Landschaft bis zu einer Anhöhe und dahinter erstreckt sich ein riesiges Tal, indem sich der Fluß ganz natürlich durch die Landschaft schlängelt. Und das schönste: keine Straßen und keine Häuser! Genau das haben wir gesucht. Je länger der Tag wird, desto breiter werden die Füße. Nach einigen Pausen und 11 Stunden liegt unter uns in Sonne getaucht das Camp Dickson, unser Tagesziel und kaum sind wir angekommen fängt es kräftig an zu regnen.

    So ist es halt in Patagonien! Man sagt, hier gibt es an einem Tag alle 4 Jahreszeiten, wenn einem, das Wetter nicht passt, solle man nur 5 Minuten warten...
    Eine sichere Wetterprognose sei unmöglich, man läge immer falsch. Ariane meint: Hier werd' ich Meterologe :-)

    In den folgenden Tagen geht es durch verwunschene und geisterhafte Wälder, vorbei an kleineren Gletschern, über Moränen weit hinauf zum 'John Garner Pass', wo es derart stürmt, dass wir kaum stehen können und so eine Unterhaltung beinahe unmöglich erscheint. Wir pausieren nur kurz für ein 'Selfie' vor dem gigantischen 'Glaciar Grey' und gehen einige hundert Meter tiefer, bis wir uns im Schatten der Scheinbuchen eine Pause gönnen und einen herrlichen Blick auf den strahlend blauen Gletscher genießen dürfen. Mit Ausnahme des Aletsch Gletschers gibt es solch einen Anblick in Europa wohl nicht mehr! Nachdem wir wieder eine 11 Stunden Wanderung hinter uns gebracht haben, bleiben wir für 2 Tage im 'campamento grey' und bringen unsere Füße nochmal in Form ;-) Es ist toll hier. In der Nacht hören wir oft das Grollen des nahen kalbenden Gletschers. Angeblich schiebt sich dieser pro Tag über 4 Meter ins Tal. Nur leider nimmt auch dieser in seiner Masse enorm ab. Wir halten uns den Tag über meist in der Schutzhütte auf. Hier ist es durch die vielen Gasbrenner der anderen Wanderer schön warm. Wir lernen viele nette Menschen kennen, plaudern, lesen und trinken Tee :-)

    Nach einer weiteren und ausnahmsweise mal sturmfreien Nacht im Camp 'Paine Grande' kommen wir unserem Ziel der 'Torres del Paine' immer näher. Azurblaue Seen, gewundene Pfade
    smaragdgrüne Wälder und rauschende Flüsse mit wackligen Hängebrücken belohnen die anstrengende 25 km Etappe. Wir sind gut unterwegs und gönnen uns mehrfach schöne Pausen, essen die am Wegrand wachsenden Calafate-Beeren und schlafen sogar kurz auf von der Sonne erwärmten Felsen ein. Bevor wir am folgenden morgen die letzte Etappe zu den 'Torre' in Angriff nehmen wollen, übernachten wir nochmal an unserem ersten Zeltplatz...

    Wir ziehen den Reißverschluss unseres Zeltes auf und das Wetter ist perfekt. Kräftiger Wind, aber es ist kein Wölkchen am Himmel und in der Ferne sehen wir die 'Torre' in der Morgensonne. Los geht es. Mit nur leichtem Gepäck steil die fast 1 000 Höhenmeter hinauf. Doch auf 3/4 der Strecke ändert sich das Wetter schlagartig. Es wird bitter kalt und es kommt Regen und leichter Schneefall hinzu. Der Sturm aber bleibt. Wir gehen weiter zur Lagune 'Torre' am Fuße der Granittürme und siehe da...
    ...nichts! Wir stehen inmitten einer undurchdringbaren Wolkenwand uns sehen nichts,..., nichts, nichts und nochmal nichts! Schei...! Völlig durchgefroren treten wir nach einem 'Selfie' den Rückzug an :-)

    Franziska und Luca, zwei liebe Schweizer aus Bern, die wir bereits am Camp Grey beim Mittagskochen kennengelernt haben, Zelten neben uns und waren bereits in der Nacht um 2 Uhr hinauf gestiegen und wurden von einem unvergesslichen Blick auf die berühmten 'Torre' bei Sonnenaufgang belohnt. Wir denken, warum nicht einen 2. Versuch wagen! Gehen wir in der Folgenacht die 3 1/2 Stunden bergauf noch mal an...

    ...gesagt getan! Der Wecker klingelt und wir ziehen den Reißverschluss unseres Zeltes auf. Der Mond strahlt uns leuchtend in die Augen, aber im Seitental hängt der Nebel und wir entschließen uns nicht zu gehen. Wollen wir uns nicht ein zweites Mal eine Enttäuschung abholen. Am Mittag müssen wir leider den Bus zurück nach Puerto Natales nehmen. Ein Dritter Versuch bleibt uns so leider verwehrt.

    In Puerto Natales bleiben wir für eine Nacht, um unser Durcheinander in unseren Rucksäcken zu entwirren und auch noch einmal eine normale Dusche zu nehmen. Als wir uns einen heißen schwarzen Tee gönnen, erhalten wir eine Nachricht von Franziska und wir werden zu ihrem Geburtstag zum Essen in ein urgemütliches Restaurant in Hafennähe eingeladen. Ein schöner und geselliger Abend. Vielen vielen Dank ihr beiden!

    Bis bald
    Ariane & Marco
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  • Day151

    Chuquicamata

    January 9 in Chile ⋅ 🌬 20 °C

    Hallo! Da sind wir wieder :-)

    Die Grenze zu Chile liegt sozusagen in einem Nirgendwo - und wir wollten uns schon die 70 Bolivianos sparen, die uns die Agentur, mit der wir die 3-Tagestour auf und um den Salar de Uyuni gemacht haben, extra berechnet hat um bis nach San Pedro zu kommen. Wir wollten sehen, wie wir an der Grenze alleine weiter kommen, so wie wir das an anderen Grenzen auch gemacht haben. Was für ein Glück, dass wir das NICHT SO gemacht haben! Wir hätten hier schön blöd gestanden, im Nichts und ohne eine Möglichkeit weiter zu kommen! Wir fahren mit einem Kleinbus vom bolivianischen Grenzposten aus in das chilenische Grenzgebäude - und zack, geht hinter uns das Rolltor zu! Wir werden alle völlig auf den Kopf gestellt: alle Rucksäcke und Koffer müssen geöffnet werden und wir werden gefilzt. Hier lassen die Chilenen nicht mit sich spaßen! Wir müssen sogar unseren Leinsamen und den getrockneten Mais abgeben!... Es sollen keine Früchte, kein Obst und andere Dinge eingeführt werden, die der Natur Chiles gefährlich werden könnten. Nach einer halben Stunde öffnet sich das Tor vor uns und dann geht es bergab - 3000m tiefer nach San Pedro de Atacama - in eine völlig andere Welt!

    San Petro - es ist heiß, es ist staubig, es ist ein Ort voller Touristen und wir glauben, er existiert nur noch für diese! Nicht desto trotz ist es sehr schön hier. Wie haben wir es vermisst: kein Müll und gute Ideen! Hier hat man die interessanten alten Lehmhäuser alle erhalten und zu interessanten Cafés, Restaurants, Geschäften und allerlei kleinen Läden umgebaut. Hier sind sogar die Dächer aus Lehm, faszinierend.

    Wir haben unser Zelt auf einem netten Zeltplatz unweit des Ortkernes aufgestellt und wollen für 3 Tage hier bleiben um die Umgebung etwas kennen zu lernen und haben uns überlegt, ach wäre das toll, in das weltweit größte und modernste Observatorium ALMA, 30km östlich des Ortes zu fahren. Ist hier doch der Sternenhimmel so klar wie nirgendwo sonst in der Welt... Und schon holt uns der Tourismus wieder ein... 3 Monate im Voraus muss man die Eintrittskarten reservieren. Also wieder nichts für uns Individualreisende!

    Also mieten wir uns Fahrräder und fahren am Nordrand des 'Salar de Atacama' entlang zum 'Valle de la Luna', dem Mondtal. Eine faszinierende Landschaft inmitten der Wüste. Wir denken, die umliegenden Berge wären aus Fels! Nix da - die Überraschung ist groß! Bei einer Wanderung durch eine kleine Schlucht und ein kleines Höhlensystem stellen wir fest, dass hier unsere Umgebung völlig aus von Sand bedecktem Salz besteht. Es ist ein sehr anstrengender Tag, über eine Schotter- und Sandpiste vorbei an alten verlassenen Minen und riesigen Sanddünen. Unsere Anstrengungen belohnen wir uns in der Abenddämmerung mit einem beeindruckenden Blick auf das Schattenspiel der umliegenden Berge und einem tollen Sonnenuntergang, bevor wir mit Stirnlampen bewaffnet zu unserem noch 12 km entfernten Zeltplatz zurück radeln.

    Wir wollen am 12. Januar in Antofagasta, einer Stadt an der chilenischen Pazifikküste sein, um von dort in den tiefen Süden Chiles, sozusagen dem Sommer hinterher zu fliegen! Also machen wir uns auf, um mit einem Zwischenstopp in Chuquicamata, einer bedeutenden Bergbaustadt, an die Küste zu fahren. Und diesmal sind wir schnell! Wir wollen uns beim Betreiber der größten Kupfermine der Welt, Codelco, in Chuquicamata zu einer kostenlosen Besichtigungstour anmelden und schreiben denen als Individualtouristen ganze 2 Tage vorher eine Mail. Siehe da, die Antwort kommt prompt mit einer Absage. Alle Plätze seien voll. Wir würden jedoch auf einer Warteliste stehen...! Einen Versuch ist es Wert, denken wir uns und nehmen den nächsten Bus nach Calama, hechten durch die Stadt und kommen mit dem Stadtbus gerade pünktlich, als ein Mitarbeiter die Liste der Nachrücker vorliest. Wir sind dabei :-) bekommen umgehend einen Helm und eine Warnweste und los geht es.

    Wir können es noch kaum fassen, als wir durch die Tore der heute völlig verlassenen Arbeiterstadt Chuquicamata fahren. Denn die Stadt wurde bereits vor 11 Jahren verlassen und die Arbeiter nach Calama umgesiedelt, da viele von ihnen in Minennähe krank wurden. Es erinnert uns etwas an die Hahn Airbase in den 90er Jahren. Dennoch ist alles erstaunlich gut erhalten und man könnte meinen, dass die Arbeiter mit Familien erst gestern die Stadt verlassen hätten. So hängen die Schilder noch an den Geschäften, Werbung in den Schaufenstern, Gardinen in den Fenstern und am Hauptplatz steht ein geschmückter Christbaum, aber die Straßen sind leer. Keine Autos und keine Menschen. Die ehemaligen Einwohner sind jedoch so sehr mit ihrem 'Chuqui' verbunden, dass sie sich noch immer alljährlich an Weihnachten auf dem Dorfplatz treffen - daher auch die noch so "frische" Weihnachtsdeko. Wir können ein wenig umherlaufen, doch leider sind die Gebäude alle verschlossen. Was haben uns die Kneipen, das Theater, oder so manch' Wohnhaus von innen interessiert...
    ... Bevor es jedoch in den tiefsten Tagebau der Welt geht, fahren wir vorbei an vielen technischen Anlagen und eben an riesigen Becken, in denen leuchtend blaue Chemikalien gelagert sind. Ja, da zeigen sich die negativen Seiten des Kupferabbaus, denn das Kupfer wird eben mit Unmengen Chemikalien aus dem Stein gelöst! Naja, ist Chile doch der größte Kupferexporteur der Welt und so profitieren wir zu Hause eben auch sehr von diesen Minen mit deren Umweltsünden.

    Abraumhalden so hoch wie Berge, die halbe Stadt würde einfach zu geschüttet, eine enorm tiefe Schlucht und hausgroße Lastwagen – das sind nur einige Beispiele für die unglaublichen Dimensionen der Mine von Chuquicamata (alias „Chuqui“). Wir starren in den atemberaubenden Abgrund des in den Wüstenboden geschürften Loches.

    Die Mine mit ihren 20 000 Arbeitern erzeugt eine permanente Staubfahne, die in der wolkenlosen Wüste über viele Kilometer sichtbar ist. Die elliptische Grube misst 'nur' 8 Quadratkilometer, ist dafür aber unglaubliche 1250 m tief und wir fahren ein gutes Stück hinunter. An uns fahren die mit über 100 Tonnen Gestein beladenen Lastwagen vorbei, von denen es 90 Stück geben soll. Riesig diese Maschinen im Stückwert von 5 Millionen US-Doller! Kann man doch kaum mit den Händen an die Radnarbe der Reifen greifen. Heute ist der Tagebau aufgrund der Tiefe wohl kaum mehr zu händeln und so ist es das letzte Jahr, in dem der Tagebau in Betrieb ist. Man geht künftig Untertage!

    Ein interessanter Ausflug nach Chuquicamata! Wir fahren weiter nach Antofagasta. Dort wollen wir noch einige Besorgungen für Patagonien (hier ist es viel günstiger als im tiefen Süden, so denken wir zumindest) machen und noch unsere in San Pedro geschriebenen Karten zur Post bringen. Als uns die gute Dame am Postschalter nur riesige, die halbe Postkarte bedeckende Briefmarken mit einem weit höheren Betrag als notwendig verkaufen will, hilft uns ein Mann aus Bremen. Er kann, da er vor 30 Jahren hierhin ausgewandert ist, mit einem perfekten Spanisch die Angelegenheit klären und, wir möchten es kaum glauben, er lädt uns für den Abend zu einem BBQ zu sich nach Hause ein :-) Erst nachts um 1 Uhr fallen wir noch einmal ins Bett, bevor wir uns von Antofagasta verabschieden.

    Wir nehmen ein Taxi zum 26 km entfernten Flughafen, da es kurioserweise keine Busverbindungen gibt. Unser Taxifahrer ist stolz auf seine Stadt und möchte uns unbedingt das Tor von Antofagasta zeigen, da man nie wirklich in Antofagasta gewesen sei, wenn man nicht einmal dort gewesen wäre. Und so macht er mit uns noch eine kleine kostenlose Sightseeingtour zur natürlichen Steinbrücke an der Küste. Vielen Dank...!

    Und kurz darauf sitzen wir im Flieger an die Südspitze Amerikas...

    Hasta luego
    Ariane & Marco
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  • Day146

    Boliviens wilder Südwesten

    January 4 in Bolivia ⋅ ☁️ 10 °C

    Hallihallo :-) da sind wir wieder...

    Wir fahren an den großen Silber- und Bleiminen von Potosí vorbei, über das von kargem Steppenland geprägte Altiplano und gelegentlich vorbei an kleinen Siedlungen und Bauerndörfern, bis wir in Uyuni, einer Kleinstadt südlich des größten Salzsees der Welt ankommen.

    Es gibt kaum befestigte Straßen und der Sand und Staub der Wüste bedeckt alles was sich ihm in den Weg stellt und scheint zudem in jede Ritze zu kriechen. Irgendwie liegt etwas Endzeitstimmung in den grauen und ockerfarbenen Straßen und doch ist der erste Eindruck von Uyuni gar nicht so schlimm, wie uns der ein oder andere Reisende vorher geschildert hat. Und trotz der eiskalten Bedingungen herrscht in Uyuni eine fröhliche Atmosphäre, das Städtchen macht neugierig!

    Wir haben uns für zwei Tage eine Unterkunft gesucht, um zu überlegen, wie wir am sinnvollsten die einzigartige Landschaft der nördlich gelegenen Salzwüste erkunden können. Mit dem Fahrrad oder zu Fuß ist es wenig praktisch und angesichts der beginnenden Regenzeit schwierig, da die Salzebene in Teilen jetzt schon unter Wasser steht (das Gebiet rund um die Insel mit den alten Kakteen ist jetzt schon gesperrt). Zudem müssen wir schauen, wie wir im Anschluss zur chilenischen Grenze kommen und mit dem Bus kann es im Südwesten dank unzuverlässiger Transportmittel und der Abgelegenheit der Gegend zu einer echten Herausforderung werden. Wir entscheiden uns mit einem einheimischen Fahrer für 3 Tage die Wüste und den völlig unbesiedelten Südwesten Boliviens mit einem 'Landcruiser' zu erkunden, denn ohne einen ortskundigen Führer mit Fahrzeug ist es fast unmöglich in dieser Region an die Grenze zu Chile zu gelangen. Für 920 Bolivianos (umgerechnet 116 €) geht es los und das Tolle ist, dass Miriam und Timm, die mit uns von Sucre nach Uyuni gereist sind und mit denen wir eine wirklich tolle Zeit dort verbringen durften, wollen mit uns diese Tour unternehmen :-)
    Anna-Lena, eine junge Frau, die nach ihrem Abi alleine durch Südamerika reist (ganz schön taff!), sowie ein junger Mann aus Belgien (Wemme - wir wussten nie, wie der Name richtig ausgesprochen wird... irgendwann hieß er nur noch "W") sind auch mit dabei.

    Bevor wir jedoch aufbrechen, wurde uns empfohlen dem Büro der Migración in Uyuni einen Besuch abzustatten, um die Grenzformalitäten für den Grenzposten nach Chile 'Hito Cajón' abzuklären, was wir natürlich tun. In einem völlig herunter gekommenen Bürohaus und einem ebenso eindrucksvollen Büro bekommen wir jedoch nur die verwirrende Info, dass wir alles an der Grenze klären sollten...! Welche Funktion hat nur dieses fragwürdige Büro fragen wir uns! Dann machen wir es eben so...

    Am folgenden Tag treffen wir uns um 10:00 Uhr mit Javier, unserem Fahrer, Guide und Koch. Unser Gepäck wird auf dem Dach des 'Landcruiser' fest verzurrt und Tag 1 unserer Tour beginnt.

    Wir fahren, bevor wir in Richtung Salzebene aufbrechen, zuerst zu einem alten Friedhof von dutzenden verrosteten Dampflokomotiven. Für uns ein riesiger Abenteuerspielplatz für Erwachsene, denn wir können auf den 'Loks', Tendern und Wagen herumkletten und uns in der alten Zeit hier verlieren. Zudem ist es vor der Kulisse der Berge und andererseits der Wüste ein toller Platz für viele skurrile Fotos. Timm lässt seine Drohne fliegen - tolle Aufnahmen von den Zügen, den vielen anderen Touristen und uns entstehen.

    Nachdem wir auf den 'Salar de Uyuni' mit unserem Geländewagen fahren, eröffnet sich für uns eine der fesselndsten und schaurigsten Sehenswürdigkeiten unseres Planeten. Ist die Salzebene doch unglaubliche 12 000 km² groß und liegt auf einer Höhe von über 3600 m. Wenn er austrocknet, dann wirkt der 'Salar' wie ein weißer Ausläufer des unvorstellbaren Nichts. Da sind nur der blaue Himmel und der weiße Boden. Und wenn sich etwas Wasser auf der Ebene sammelt, spiegeln sich die Wolken und der blaue Himmel des Altiplano perfekt auf der Oberfläche wider und der Horizont verschwindet. Für uns natürlich die perfekte Gelegenheit die schon kultigen Fotos von Spielchen mit Spiegelungen und der Perspektive zu machen. Ein riesiger Spaß :-) Wir bleiben den restlichen Tag auf dem 'Salar', bevor wir den See in der Abenddämmerung verlassen und noch eine ganze Weile über Schotterstraßen unserem Nachtquatier entgegen fahren. Für mich ein abenteuerlicher vom Scheinwerferlicht gefluteter Weg durch die Nacht, bis wir in einer kleinen Ortschaft und einer netten fast ganz aus Salz bestehenden Unterkunft in unser auch aus Salz gebautes Bett fallen.

    An unserem zweiten Tag geht es in den südwestlichsten Zipfel von Bolivien. Javier stopft sich seine Backen voller Coca-Blätter und auch Timm und Miriam haben eine Tüte Coca-Blätter dabei. Es soll gegen die Höhenkrankheit helfen, schließlich bewegen wir uns immer auf Höhen von 4000m - 4500m Höhe. Man nimmt also erst einmal 5, 6 Blätter und legt sich diese für etwa 15 Minuten in die Backen zum einweichen. Nach und nach nimmt man immer mehr Blätter hinzu bis die ganze Backe voll ist und kaut genüsslich den ganzen Tag auf den Coca-Blättern herum. Soweit die Theorie! Ich halte es für etwa eine 3/4 Stunde aus und spucke sie heimlich aus dem Fenster, nachdem mir das Zahnfleisch taub wird und bevor ich anfange zu würgen. Bekomme ich doch lieber Kopfschmerzen durch die Höhe, als dass ich weiter auf diesen Blättern herumkaue und mir am Ende noch die Zähne ausfallen!

    Für uns eine wirklich ehrfurchtgebietende Ansammlung rauer und vielfältiger Landschaften. Wir sind im Eduardo Avaroa Andean Fauna National Reserve und fahren an unzähligen schneebedeckten Vulkanen vorbei, alle weit über 5000m und zu großen Teilen mit einer perfekten Kegelform. Durch eine Wüstenlandschaft mal mit gelbem oder rotem Gestein, ein anderes mal ganz in grau. Ich könnte wetten, dass hier die NASA ihre Marsrover testet. Denn auch einen Meteoritenkrater sehen wir in einer Bergflanke. Aber auch nach Schwefel riechenden Fumarolen, blubbernden Schlammlöchern unterschiedlichster Farben und Geysiren bekommen wir zu Gesicht.

    Wir halten an Lagunen, die mal aufgrund von Mineralien türkisfarbenes Wasser haben, oder aufgrund von Bakterien in einem satten Rot leuchten. Wir sitzen auf einer Anhöhe oberhalb der Laguna Colorado und sind unglaublich beeindruckt. Vor uns stehen mehrere Tausend rosafarbene Flamingos im 'Rot' der Lagune. Wir schweigen und sehen einfach nur fern... Ist es doch genau dieser Moment, von dem wir vor dieser Reise geträumt haben :-)

    Immer wieder sind wir überrascht, wie Tiere in dieser unwirklichen Umwelt überleben können. Wir sehen Lamas und Vicuñas (zwei der Vier Arten von Andenkamelen), Wüstenfüchse, Hasen, Flamingos und unzählige Vögel. Gibt es hier doch nicht einmal einen Baum. Nur manchmal scheinbar verdorrte Büsche und Kakteen.

    Es ist schon sehr erstaunlich, wie sich Javier in dieser Gegend auskennt. Mal fahren wir hinter dem nächsten Berg links, mal mitten im Nirgendwo rechts. Es gibt keine Dörfer, oder Siedlungen und auch keine Straßen. Man fährt einfach, wie mal will. Manchmal sind bestimmt 20 verschiedene Reifenspuren im Sand zu erkennen, was ja grundsätzlich nichts besonderes ist, doch ist jede 20 - 30 Meter von einander weg!

    Und es gibt sie doch... Häuser! Nach einem sehr langen Tag kommen wir unweit einer Lagune zu einer Ansammlung verschiedener Gebäude, von denen eines unsere Unterkunft für die Nacht sein wird. Es gibt keine Duschen und auch keine Heizung. Doof nur, daß wir auf etwa 4600m Höhe sind und es nicht sonderlich warm hier ist, ehrlich gesagt bitter kalt. Aber etwa 300m unterhalb unserer Unterkunft entfernt, direkt an der Lagune gelegen, steigen die Dampfwolken eines kleinen Thermalbeckens in die Luft und wir können bis tief in die Nacht den unglaublich strahlenden Nachthimmel der südlichen Hemisphäre aus dem heißen, 38°-Becken heraus bestaunen. Ein Traum...! Nur leider erkennen wir nicht ein einziges Sternzeichen...

    ... unsere folgende Nacht wird gemilde gesagt, nicht sonderlich geruhsam. Wir träumen beide nur unvorstellbaren Stuss, werden ständig wach, da wir gaaanz tief Luft holen müssen, da wir das Gefühl haben keine Luft zu bekommen. Hätten wir doch nicht gedacht, daß die Luft hier schon so dünn ist!

    Etwas müde von unserer fast schlaflosen Nacht geht es nach dem Beladen unseres Geländewagens weiter ge'n Süden zur 'laguna verde' (warum sind hier die Flamingos eigentlich nicht grün :-) und zur chilenischen Grenze.

    Für uns ist hier die Reise mit Javier, Miriam, Timm und den anderen beiden zu Ende. Es geht nach Chile. Die anderen fahren nach Uyuni zurück. Es würde uns sehr freuen, wenn wir uns nach unserer Reise wieder mit Miriam und Timm treffen könnten und unsere Erlebnisse austauschen könnten!

    Die bolivianische Grenzstation zu Chile gleicht eher einem alten verlassenem Außenposten, als einer offiziellen Grenzstation, wenn an dem etwas herunter gekommen Häuschen aus Lehm nicht eine Landesfahne wehen würde. Unseren Ausreisestempel und die -formalitäten organisiert uns übrigens Javier und das, ohne das wir je einen Grenzbeamten haben zu Gesicht bekommen....
    ....wofür ist nur dieses Büro für Migracion in Uyuni?..!

    Viele Grüße in die Heimat
    Ariane & Marco
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