Huellas de Ariane y Marco

Joined May 2018Living in: Sohren, Deutschland
  • Day116

    Wir sind pünktlich um 15:00 Uhr am Hafen 😊 "Henry 8" heißt unser Frachtschiff! Wir suchen uns ein strategisch gutes Plätzchen im obersten Geschoss um unsere Hängematten aufzuhängen. Kriterien: gut sichtbar und an einer Wand um unsere Rucksäcke gegen "Langfinger" besser im Griff zu haben und ein Plätzchen, von dem aus man gut nach draußen sehen kann. Um 17:00 Uhr ist Abfahrt. Ich flitze noch schnell die Straße entlang, um noch etwas Warmes zum Essen zu kaufen...

    ... Es ist mittlerweile 18:00 Uhr und wir schauen den Hafenarbeitern zu, wie sie pro Mann fünf schwere Zementsäcke auf einmal vom Nachbarschiff abladen...

    ... 21:00 Uhr, mittlerweile haben sich unzählige Hängematten zu uns gesellt und wir sehen dem Gewimmel im Hafen zu und wie ein Teil der Fracht mit großen Planen gegen Regen abgedeckt wird...

    23:00 Uhr, das wird wohl nichts mehr mit 17:00 Uhr Abfahrt. Wir kuscheln uns in unsere Hängematten, "Gute Nacht!"

    1:30 Uhr, es rumpelt und kracht. Unsere Hängematten schwingen nach links und rechts. Da tut sich was 🙂
    Es gibt nur ein Problem! Unser Boot ist eingeparkt von dutzenden Schiffen und unseres schiebt und drückt sich wie auf italienischen PKW Parkplätzen in 40 Minuten aus unserem Stellplatz. Verrückt... Es geht los! Ganze 800 Kilometer Fluss aufwärts nach Pucallpa. Erst auf dem Amazonas, dann den ersten schiffbaren Nebenfluss des Amazonas, dem Ucayali, entlang. Beide Flüsse sind braun von der ganzen Erde und Sedimente, die sie mitführen - und riesig! Soooo viel Wasser! ... und das ist erst der Anfang vom Amazonas!

    Es ist keine klassische Kreuzfahrt. Es ist vielmehr ein alternativloses Verkehrsmittel für viele tausend Menschen, die entlang des Flusses leben.

    Unser Boot ist das größte der "Henry" - Flotte und misst vielleicht 120m Länge. Genug Platz also für eine ganze Menge Fracht. Da Iquitos eine konsumierende und keine produzierende Stadt ist, sind die Frachter von Pucallpa kommend, immer mehr beladen, als in unserer Fahrtrichtung - dadurch können wir uns ein wenig auf dem Boot bewegen.

    Unser Boot hält wie hier die Busfahrer 🙂 eben überall dort, wo Bedarf besteht - in jedem Dorf und noch so kleiner Siedlung. Sei es, daß Fahrgäste ein-, oder aussteigen, oder dass eben Fracht auf-, oder abgeladen wird. Mehrmals am Tag und in der Nacht halten wir an. Manchmal für ein bis zwei Stunden, manchmal aber auch nur für wenige Sekunden bis jemand aufgestiegen ist.

    Wir stehen an der Reling und schauen in die tief dunkle Nacht. Ungestört von künstlichem Licht strahlen unglaublich viele Sterne am Himmel. Es ist ein Gedicht! Wir fragen uns, wie unser Kapitän in der Lage ist, unser Boot durch die tief schwarze Nacht zu steuern, ohne für uns ersichtliche Orientierungspunkte. Es gibt keine Karten, kein Radar und auch kein GPS. Aldo, der Supervisor des Schiffes nimmt sich viel Zeit für uns und erklärt uns unsere Fragen. Für den Kapitän genügen wohl die unterschiedlichen Dunkel Töne, die die Bäume am Ufer machen, manchmal kontrolliert der Kapitän mit Scheinwerfern die Richtung - wahnsinn!

    Plötzlich erkennen wir ein blitzendes Licht in der Ferne. Nachdem von unserem Schiff mit großen Scheinwerfern die Stelle abgesucht wird, erkennen wir den Grund des Lichtes. Es ist ein Mann mit Taschenlampe, der unser Schiff sozusagen anfunkt und um Mitnahme von sich und seiner Waren zu bitten. Wir steuern die Stelle an und rammen mit dem Schiffsbug in die bewachsene Uferbefestigung. Es erscheint eine kleine Siedlung von vielleicht zehn Häusern. Der Mann springt auf und weiter geht es! Verrückt! Dieses Schauspiel wiederholt sich dutzende Male. Manchmal werden ganze Bananen-Ernten, oder der Fischfang des Tages mit unzähligen Dorfbewohner aufgeladen. Ich hätte nicht gedacht, dass doch so viele Menschen hier am Amazones/Ucayali im Dschungel wohnen.

    Um die Dörfer herum sind meist die Dschungel-Bäume durch Platanen ersetzt. In Guatemala haben wir erlebt, was dabei heraus kommt, wenn man Menschen einfach machen lässt - sie benötigten immer mehr Holz und auch Fläche... Aldo erklärte uns, was wir eigentlich aus dem Erdkundeunterricht schon wussten: wird eine Fläche im Dschungel abgeholzt und bebaut, so ist der Ertrag im 1. Jahr gut, im 2. noch ok und im 3. erntet man schon nicht mehr genügend um die Familie zu ernähren und noch ein wenig zu verkaufen - also müssen neue Flächen gerodet werden... Wir sehen auch mehrere Flächen, wo viel Holz geschlagen wurde, ohne dass eine Aufforstung oder landwirtschaftlicher Nutze darauf folgte. Inwieweit Peru hier ein Auge drauf hat, können wir nicht sagen, aber so, wie wir die Dschungel-Bevölkerung auf dem Frachter kennen lernen dürfen, scheint da nicht viel für Naturschutz bei den Menschen übrig zu sein. Es ist normal, den Müll in den großen braunen Fluss zu schmeißen... der Müll ist dann ja schließlich weg...

    Und das, was wir im "Centro de Rescate" gehört haben, dass die Leute noch immer Tiere aus dem Dschungel als süße kleine Haus- und Knuddeltiere mehr schlecht als recht halten, bestätigt sich auf dem Frachter: 1 Mann mit großem Papagei in Mini-Schachtel, 1 Dame mit 4 kleinen Loros (Jessica, total nett, unsere "Nachbarin", aber auch völlig falsche Ernährung für die kleinen: Plätzchen Fisch, etc. - Loros essen eigentlich kein Fleisch), 1 noch junger Affe an einer Schnur festgebunden, später auf der Fahrt ein Händler, der große Loros für 'n Appel und 'n Ei verkauft... Schade - das macht einen traurig!
    ... haben die Leute doch gelernt, dass sie das Klopapier nicht in den Klo, sondern daneben in eine Tüte werfen, warum können sie Plastik nicht in Mülltonnen werfen (selbst Ameisen haben eine "Mülldeponie") und die Tiere da lassen, wo sie hingehören?!?

    Es ist fantastisch, welch' freundliche Menschen mit den außergewöhnlichsten Geschichten uns an Bord begegnen. Ein älterer Mann zeigt uns ganz stolz riesige Bunte Federn einer Papageienart, giftige Pflanzen und die Haut einer kleinen Boa Negra. Das Öl sei gesund, sagt er! Es würde durch die Hand rinnen und diese ganz warm machen. Dann erzählt er, es gäbe Boas mit 30m Länge und andere mit 2 Köpfen! Dem nicht genug: Es leben Tiere im Dschungel, die faustgroße Diamanten im Kopf haben...! Wir müssen uns zusammenreißen um nicht zu lachen. Ja, vielleicht muss man nur ganz fest daran glauben 😁
    Ach ja - und es gibt gute und schlechte Delfine. Die schlechten springen aus dem Wasser und hauen mit den Schwanzflossen die Fischer aus den Booten. Und ein Tierchen namens Perrito, das Männern mit seinen kleinen Insektenschaufeln das Schnarchen aus der Nase zaubern

    6:00 Uhr, wie jeden Morgen klingelt, nachdem auch der Hahn aus dem Frachtraum gekräht hat, eine Glocke. Essen ist fertig, bedeutet dies! Und kurz darauf stehen wir mit in der großen Schlange vor der "Cocina", der Bordküche, mit unseren Schälchen und warten auf unser Frühstück. Das Prozedere wiederholt sich um halb 12 und nochmal gegen 17 Uhr zum Abendessen. Die Zeiten sind wie immer sehr variabel. Zu essen gibt es Reis mit Hühnchen, die frisch aus dem Todestrakt im Maschinenraum an Board geschlachtet werden, Reis mit Suppe und Reis mit süßer Milch-Wasser-Zubereitung. Die Hühner, die unter unserem Tisch gelagert werden, sind wohl erst mal noch verschont. Nach dem Essen wird gespült... Sehr gewöhnungsbedürftig, dass aus dem Hahn das braune ungefilterte Flusswasser läuft. Übrigens auch aus der Dusche... 😜

    Es kostete ein wenig Überwindung, die Duschen zu benutzen, aber nachdem Marcos lange Haare ein eigenes Biosphärenreservat zu werden drohten, war duschen dringend notwendig. Manche Einheimische tranken nach dem Spülen noch vom Wasser - wie man es gewöhnt ist😣

    Auf so engem Raum zusammen mit den vielen Einheimischen, lernen wir deren Sitten recht gut kennen: Viele Frauen reisen mit ihren Kindern. Die kleinsten bekommen eine ultra-süße Limonaden-ähnliche Plörre zum Frühstück, Mittag, Abend und zwischendurch. Aber sehr abwechslungsreich wird mal Brot, oder auch Chips darin getunkt! 🙃 schön bunt für die Kinder. Aber dass die Familie gemeinsam isst, sieht man nicht.

    Am 4. Tag sind zu uns unzählige Fahrgäste hinzu gekommen und mittlerweile zählen wir fast 200 Hängematten. Marco fungierte aufgrund seiner Größe auf unserem Deck als "Hängemattenaufhänger". In Tierra Blanca steigen überwiegend Männer und Frauen in traditionellen Kleidern hinzu. Die Männer in Hemden, Latzhose und Hüten, die Frauen in Kleidern. Wir vermuten eine Glaubensgemeinschaft wie Mormonen, oder Menoniten. Sie kommen wohl ursprünglich aus den Niederlanden es sind großgewachsene, meist blonde Männer und helle Frauen, sie sprechen dutsch. Sie siedeln bei Tierra Blanca in einer abgeschlossenen Kommune mit mehreren Kolonien/Familien mit bis zu 150 Menschen. Wir trafen einen, der auch ein wenig deutsch konnte, die Kommunikation war jedoch schwierig. Einige Familien kamen vor kurzem aus Belize, andere aus Bolivien. Wir haben nicht herausbekommen, warum sie dort weg sind. Echt verrückt!

    Wie auch in den Bussen stürmen unzählige Verkäufer an manchen Dörfern das Schiff und verkaufen Getränke, Obst, Kuchen, Fisch- und Fleischgerichte. Wir kaufen einen super leckeren Bananen-Kuchen und 2 Platano-Kugeln (tacacho), von denen Marco eine halbe isst und den Rest verschenkt. Die Menschen aus dem Dschungel sind unheimlich stolz auf deren Essen-sie lieben vor allem den frischen Fisch, von dem es hier genügend gibt, sowie Platano - wir können nach dem dritten Tag keine Freude mehr darüber empfinden 😒

    Beim Essen sind uns weitere hiesige Gepflogenheiten aufgefallen: Das Essen wird eher geschaufelt, Knochenstückchen und alles, was dann doch im Mund stört einfach vor sich gespuckt oder geschmissen... auch auf die eigenen Füße... und später läuft man dann da durch und andere richten ihr Nachtlager auf dem Boden😝

    Abends, wenn die Nacht anbricht, lockt das Licht unseres Bootes unzählige Moskitos, Falter, Käfer und sonstige seltsame Geschöpfe an Bord - wir zwei, als einzige Gringos an Board, haben uns natürlich gut eingedeckt und sowohl Fliegenschutzspray UND für jeden ein Moskitonetz gekauft - wir sind die einzigen an Bord mit so 'nem Kram... Da fallen die Gringos wieder auf😊 wir beide waren aber, angesichts dieser viele Käfer, Falter und sonstigen Krabbeltiere soooo froh, dass wir uns unter dem Netz in die Hängematte kuscheln konnten! Und wir haben echt gut geschlafen! Auch mit Motorengebrumm, Musik vom Handy anderer Mitfahrer, Gelächter, lautes Geschnatter... Die Einheimischen haben den gaaaanzen Tag in der Hängematte gelegen, entspannt und abends ging es dann los... Insgesamt ist uns aufgefallen, dass hier nicht sehr viel Rücksicht aufeinander genommen wird. Ein Parade Beispiel war unser Hängematten-Nachbar. Immer laut, übertrieben freundlich und dann fehlten uns 2l Wasser, während seine Flasche wieder gefüllt war... Ein Einheimischer, der schon mal in Deutschland im Urlaub war beschrieb es so, dass hier kein Respekt vor dem anderen gelehrt wird - was er wohl in Deutschland als positiv empfand.

    Unser Deck war verhältnismäßig wenig besetzt. Für 1 Nacht ist das Schiff so voll geworden, dass einige unter freiem Himmel schlafen mussten. Aldo erzählte uns, dass manchmal 400 Leute mitfahren (Kapazität: 200 Personen). Dann werden zusätzlich Planen gespannt! Die hygienischen Verhältnisse will ich mir gar nicht vorstellen! Solche Stoßzeiten seien, wenn die Kinder Ferien bekommen und wenn Wahlen anstehen - wer nicht wählt muss Strafe zahlen (aber ob das geahndet wird, wenn so viel Gravierenderes übersehen wird!?!).

    Am Ufer wird auch Reis angebaut. Wenn der Wasserspiegel dann steigt, finden die Bauern keinen Halt mehr zum Stehen und Ernten im Kajak oder schwimmend. Der Reisanbau ist wegen der Wasserschlangen nicht ganz ungefährlich!

    Neben Wäsche flicken, Block schreiben, Spanisch lernen und mit anderen an Board quatschen, genießen wir es, auf den Fluss zu schauen und die frische Luft zu atmen, vor allem am Abend, wenn es kühler wird! Schiffe, die uns entgegen kommen, scheinen vor Ladung fast unter zu gehen. Wir haben Glück und sehen einige Amazonas-Delfine! Und... am letzten Tag wurde ein Deck unter uns noch ein Kind geboren. 😊

    Ein großes Abenteuer...

    Viele Grüße vom Amazonas
    Ariane & Marco
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day112

    Hola,

    yippee, wir sind in Peru. Hinter der Grenze wechselt die Landschaft in eine Wüste und es tritt eine Endzeitstimmung ein. Peru ist in drei sehr unterschiedliche Landschaftsformen aufgeteilt: la Sierra (Bergkette), la Selva (Dschungel) und la costa (Küste). Wie wir das schon in der Gegend um die Atacama-Wüste kennengelernt haben, ist auch hier der komplette Küstenstreifen quasi Wüste - so extrem haben wir uns das nicht vorgestellt! Alles ist verstaubt. Häuser, Autos, einfach alles! Und zwischen den Zähnen knirscht der Sand. Es gibt große, zum Teil eingezäunten Grundstücke, die einfach Sand von Sand trennen. Oft ist der Zaun auch nur halb, oder 3/4 fertig - auch egal, es steht ja kein Tier drauf, was weglaufen kann! Wir verstehen diese zum Teil aufwendigen Mauern nicht, zumindest der Teil der dort steht 🙂. Vielleicht hoffen sie noch auf Erdschätze? Auch gibt es unheimlich viele Häuser, die lediglich begonnen wurden und nun als Ruinen im Sand verrotten. Für uns ist es rätselhaft, von was diese Menschen leben!

    Zwischendurch steigen immer wieder unmengen Verkäufer im Bus ein, oder auch Prediger... die problemlos 30 Minuten am Stück predigen ... ein Glück, dass wir nicht alles verstehen. Der Rest der Leute im Bus macht munter mit und stimmt natürlich immer zu 🙃 Es kommt uns vor wie im Mittelalter, nur dass es zu der Zeit keine Busse gab.

    In Lima am Flughafen angekommen erzählt uns ein Mann, der angeblich vier Jahr beim Militär in und um Iquitos im Amazonasgebiet war, dass ihm ein Medizinmann eine selbst gebraute Flüssigkeit aus geheimen Dschungelessenzen gegeben hätte und er danach einen Monat lang eine Erektion gehabt hätte! Er hätte nur wenig davon nehmen sollen - diese Info hatte er wohl vor lauter Euphorie vergessen 😅.
    Er gab uns außerdem den Tipp, dass wir unbedingt Aguacaje-Eis essen sollten, was leider echt scheußlich schmeckt... 🙃 (Aguacaje ist der Baum hier im Amazonas, der 3x so viel CO2 aufnimmt, wie andere). Inzwischen haben wir auch die Frucht dazu probiert - da kann das Eis gar nicht besser werden! 😝

    Nach einigen Reisetagen im Bus landen wir mit dem Flugzeug am großen Amazonas. Bienvenidos a Iquitos. Iquitos ist die größte Stadt der Welt, die nicht auf dem Landweg, sondern nur mit dem Flugzeug oder dem Boot erreicht werden kann. Und man merkt es sofort. Es gibt kaum Autos. Das Verkehrsmittel Nr. 1 ist, ratet mal..., das Tuktuk, hier nennt man es jedoch Mototaxi und es sieht eher nach Motorradrikscha aus. Das verrückte ist jedoch, daß hiervon unglaubliche 40.000 Stück in den Straßen umherwirbeln. In unserem Reiseführer, der gerade mal ca. 2 Jahre alt ist, steht, dass in Iquitos ca. 472.000 Einwohner leben. Aldo, den wir später auf dem Boot kennen lernen, kennt jedoch die aktuellen Zahlen! - mehr als 600.000 Einwohner ist Iquitos groß. Kinder seien, neben wenigen Holzprodukten, das Einzige, das in Iquitos produziert werden würde 🤔
    Vom Flughafen aus geht es, welch Überraschung, mit dem Mototaxi zu unserer Unterkunft. Glauben wir...

    ...während Taxi-, oder Tuktuk-Fahrten verfolgen wir grundsätzlich die Route mit dem Handy und stellen diesmal fest, daß wir eben nicht direkt zu unserer Unterkunft gefahren werden. Stattdessen hält der Fahrer vor der Tür eines Tourveranstalters. In unserem Reiseführer lasen wir, daß in Iquitos viele Schlepper oder selbsternannte Dschungelführer mit aggressiven, hartnäckigen und meist betrügerischen Geschäftsmaschen die neu angekommenen Touris abfangen und direkt verpflichten wollen. Dankend lehnen wir jedes Angebot freundlich ab. Schließlich werden wir auf kurzem Weg zu unserem Hostal gefahren. Natürlich ist unser Hostal in einer sooo gefährlichen Gegend und unser Fahrer kennt ein besseres - so langsam geht der einem echt auf die Nerven!

    Unser Plan für heute ist erst einmal der Weg zum 3 km entfernten Hafengelände, um zu prüfen, ob und wann wir ein Frachtboot ins 900 Flusskilometer entfernte Pucallpa bekommen können und um die Boote erst einmal in Augenschein zu nehmen...
    ...Allein der Weg zum Hafen lohnt sich. Ein solch lebendiges Wirrwarr haben wir seit Guatemala nicht mehr gesehen. Ein kaum vorstellbares Gewimmel und Gewusel. Die Straßen scheinen vor Tuktuks bald überzuquellen und unzählige Läden, Essensstände und Gewerbebetriebe flanieren den Weg. Die Luft ist voll von Tuktuk-Lärm und Tuktuk-Abgase, die Straßen dreckig.

    Wir sind am Hafen von "Henry Boats" angekommen. Es stehen viele Frachtboote im Hafen und es ist hier ein Treiben wie auf den Straßen. Es ist dreckig und wirkt alles furchtbar durcheinander. Das Hafenbüro ist aber nicht zu verfehlen. "Die Boote fahren nur alle zwei Tage!" Für uns sinnvoll, also erst am Sonntag! Wann genau wüsste man aber erst morgen. Fünf bis sieben Tage soll die Fahrt dauern und 100 Soles / Person (etwa 25 €) Kosten, inkl. Verpflegung. "Eine Reservierung braucht ihr nicht und gezahlt wird auf dem Schiff!" Klingt doch gut 😊 Jedoch gibt es weder Kabinen, noch Betten, oder Matratzen. Es gibt nur große Decks, auf denen alle Passagiere ihre Hängematten aufhängen können. Nach einem ersten schüchternen Blick auf die nicht sonderlich komfortabel aussehenden Frachtschiffe holt einen ganz schnell die Realität ein. Wir haben viel über die Fahrt gelesen und konnten uns ein gutes Bild davon machen, wie wir reisen werden, und doch beeindruckt uns, wie die Leute hier arbeiten, wie der Hafen organisiert ist und wie das alles hier "normal" für alle um uns herum ist! Für's erste sind wir mit Infos versorgt. Morgen wollen wir nochmal zum Hafen um eventuelle Änderungen zu erfragen - keine Änderungen! Abfahrt: Samstag, 01.12.18 um 17:00h, wir sollen zwischen 14:00 und 15:00h da sein um unsere Hängematten aufzuhängen. Von Berichten wissen wir, dass Abfahrtszeiten hier sehr variabel sind😉...

    Wir haben ja erst Freitag und somit noch genügend Zeit für Besorgungen. Schließlich müssen Hängematten, genügend Wasser, Mückenschutz und das wichtigste: Eine Menge Leckerlis für die Fahrt eingekauft werden. Und was wir auch noch machen wollen ist ein Besuch des CREA - "Centro de Rescate Amazonico". Hier werden wilde Tiere, die vom Aussterben bedroht sind oder in Gefangenschaft waren, wieder aufgepeppelt, mit dem Ziel sie wieder in die Freiheit zu entlassen. Angefangen hat das Zentrum mit dem Versuch "Manatis" wieder im Amazonas zu verbreiten - riesige Wasserkühe, die zu viel gejagt wurden. Mittlerweile sind dann aber auch andere Tiere eingezogen: Paiche, verschiedene Affenarten, 3 Faultiere, 2 kleine Juguare, Loros (Papageien) und jede Menge Schildkröten. Ein junger Mann aus Deutschland, der dort seit Februar als Volontär arbeitet, hat uns eine gesonderte Führung angeboten, die wirklich sehr interessant war!... und doppelt so lange dauerte, wie die Führung der Einheimischen - es war echt kurzweilig und wir haben uns ein bisl verquatscht. Wir haben uns neben den Lebensläufen der Tiere auch über seine Erfahrungen mit den Einheimischen unterhalten. Es ist einfach ein bisschen erschreckend! Viele verstehen den Sinn und Zweck eines "Centro de Rescate" - Zentrum zur Rettung der Tiere - nicht! Viele dieser Tiere stammen aus illegalem Tierhandel, oder wurden aus Wohnungen mit völlig falscher Haltung und Ernährung (Chips und Cola für Affen etc.) und meist voll mit Parasiten gerettet. Einige der Einheimischen Besucher erklären, sie wollten diesen Affen doch gerne als Haustier haben - er sei ja sooo süß! Auch die Ernüchterung, wie hier mit Müll und der Natur umgegangen wird, teilt der junge Mann. Er lebt in einer peruanischen Familie und hat noch viel intensivere Einblicke in deren Leben. Hühnchen und Reis zum Frühstück, zu Mittag und zu Abend kann er auch nicht mehr sehen 😣. Dreh- und Angelpunkt: die schlechte Bildung ☹️ Leidtragende: die Natur!

    Der Tag der Tage ist gekommen. Um 17:00 Uhr soll unser Frachtschiff ablegen. Die letzten Besorgungen sind auch schnell gemacht und so wollen wir am Vormittag noch an den Südostrand der Stadt. Dort befindet sich die schwimmende Hüttenstadt Belén, die aus unzähligen auf Flößen erbauten Hütten besteht, die sich mit dem Fluss heben und senken. Oberhalb Beléns befindet sich der Markt. Was wir dort zu sehen und zu riechen bekommen übertrifft jegliche bei uns vorhandene Vorstellungskraft. Uns war bisher nicht bewußt, wie Menschen leben können! Es ist total ekelhaft!

    Es wird mit Obst und Gemüse, allersorten Fisch, Schildkrötenfleisch, egal ob geschützt oder nicht, Kaimanschwänze, Schlangen und und und gehandelt. Auch selbsternannte Medizinmänner verkaufen die dubiosesten Mixturen gegen allerlei Krankheiten.

    Dem ganzen nicht genug, werden sämtliche Lebensmittelreste, sei es Fisch und Huhn, deren Blut von Schlachten, Speisereste und Müll einfach neben den eigenen Stand geschüttet. Dem Geruch her zu urteilen wird dann auch dort hin gepinkelt! Es wird fleißig herumgespuckt, Verpackungsreste gleich neben dem Grillgut verbrannt und all' das gemacht, worauf wir im tiefen Alptraum nicht auf die Idee kämen. Der uns bei schwülen 30°C in die Nase ziehende Gestank ist nicht zu beschreiben.

    Doch scheint das ganze Treiben außer uns niemanden zu stören. Zwischen den Ständen wird genüsslich gegessen, Schwätzchen gehalten und flaniert. Echt verrückt! Überraschender Weise erkennen wir, daß das ganze Geschehen um uns herum bei uns zumindest Neugierde weckt und uns doch länger dort hält wie erwartet.

    Als wir jedoch an den am Amazonasufer liegenden Ortsteil Beléns wollen und links abbiegen, werden wir erst von einer brummelnden Frau und kurz darauf von einem Mann mit einer eindeutigen Geste einer flachen Hand am Hals aufmerksam gemacht, daß "Gringos" wie wir, zumal noch mit Rucksack bepackt, dieses Gebiet meiden sollten...! Warum Risiko, wir machen Urlaub und so zieht es uns zeitnah in unser Hostal. Rucksack holen und ab zum Hafen. Wir sind gespannt was uns auf unserer Reise auf dem Frachtschiff erwartet...

    Viele Grüße aus einem wahnsinnigen Regenwald- Sodom 😜 wir verlassen Iquitos und behalten diese Stadt als laut, dreckig und stinkend aber auch sehr interessant in Erinnerung.

    Ariane & Marco
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  • Day101

    Otavalo, Ecuador

    November 20 in Ecuador

    Hola! ¿Como esta?

    Erst spät abends kommen wir in Macao an, für diesen Tag eigentlich nur als Zwischenstopp auf dem Weg nach Pasto geplant. Am Busbahnhof werden wir, wie so oft, von einem Dutzend Männern bedrängt, die uns natürlich das beste Angebot zur Weiterfahrt anpreisen. Tagsüber wäre es zu gefährlich... ist manchmal nicht ganz einfach sich umzingelt wieder aus der Situation zu winden - ganz schön anstrengend!

    Wir fragen ein junges Paar, welches auf einen Bus wartet, ob es hier eine günstige Unterkunft gibt. Die Antwort ist nicht nur ja, sondern die beiden möchten uns auch dorthin zu Fuß begleiten, da der Weg nicht ganz einfach zu erklären und zu finden wäre. Toll! Würden wir das zu Hause tun..!?

    Am nächsten Morgen geht es auf separaten Sitzen der überdachten Ladepritsche eines in die Jahre gekommenen Pickups über die Cordillera. Eine in Teilen nur einspurige Schotterpiste. Hinten auf der Ladefläche war es eben billiger! Wir rutschen und hüpfen auf der Bank hin und her und sind fasziniert von den scheinbar undurchdringlichen Wäldern und tiefen Tälern. Schmal, staubig und kurvenreich ist der Weg und schlängelt sich über 100km und mehr als 6 Stunden durch die Anden nach Pasto, einer kleinen Stadt unweit der Grenze zu Ecuador, immer auf Höhen um die 2.000 - 3000m. Als wir diesen Weg kennen lernen und unser Fahrer uns Bilder von abgerutschen Kleintransportern zeigt (Obst- und Gemüse-Lkw fahren diese Strecke nur nachts) sind wir froh, nicht in der Nacht gefahren zu sein. An einer Passhöhe werden wir von einer Militärpolizei angehalten und unsere Pässe werden "überprüft" und nach einem gemeinsamen Gruppenfoto werden wir gefragt aus welchem Land wir kommen!¿..? Als wir dann Pasto kennen lernen, sind wir doppelt froh, nicht dort in der Nacht angekommen zu sein!!

    Wir brauchen einen neuen Plan... Lateinamerika ist einfach riesig, die Strecken von Ort zu Ort nicht nur weit, sondern auch oft ganze Tagestrips auf mangelhaften Straßenverhältnissen. Zudem regnet es annähernd jeden Nachmittag und die Sicht in den Bergen ist nur früh morgens passabel... die Regenzeit ist einfach nichts, um mehrere Tage in die Berge zu gehen 🤔

    In Pasto bleiben wir für zwei Tage, um über unseren Landkarten zu Brüten, eine grobe Route nach Süden und unsere Weihnachts- und Sylvesterferien 😜 zu planen... Wir entscheiden uns, schneller nach Süden zu reisen. Weihnachten wollen wir in Sucre, Bolivien verbringen und im Februar im Süden Chiles bzw. Argentiniens sein, um den patagonischen Sommer zum Wandern nutzen zu können. So der grobe Plan... Für die Länder Rund um den Äquator haben wir zurzeit eine schlechte Reisezeit - also warum sollen wir uns hier vom Regen ärgern lassen? In diese Länder reist man besser zu unserer Sommerferien-Zeit.

    Also los geht's! Auf nach Ecuador, auf in Richtung Äquator. Mit dem Nachtbus geht es über die Grenze mit Ziel: Otavalo

    Wir dürfen in Peguche, einem kleinen Ort vor Otavalo, unser Zelt im Garten eines Hostals aufschlagen. Ein untouristischer indigener Ort entlang einer leider stillgelegten Eisenbahntrasse. Die Gleise sind jedoch nicht ungenutzt und dienen heute nicht nur als normaler Fußweg. Auch treiben die Bauern ihre Kühe allmorgentlich zu ihren Futterplätzen über die Gleise. Ein wunderschönes Bild, wenn die fast ausschließlich in Trachten gekleideten Bauern und Dorfbewohner beladen mit Waren über die Gleise gehen. Auch unsere Unterkunft ist nur über die Gleise zu erreichen, wo unweit die Bahntrasse entlang drei mal die Woche ein Volleyballspiel abgehalten wird, bei dem wir natürlich nicht fehlen dürfen 😁

    Wir nutzen das tolle Wetter um die Umgebung Otavalos zu Fuß zu erkunden. Eine herrliche Gegend! Irgendwie fühlen wir uns in der Zeit zurück versetzt. Die Felder sind klein und schmal. Überwiegend wird auch hier Mais das ganze Jahr über angebaut und die Bauern bewirtschaften die Felder meist ganz allein' mit Hacke und Spaten. Die Furten zwischen den Maisreihen werden mittels einem aus Holz gefertigtem pflugähnlichen Gerät von einem Kuhgespann gezogen, während der Mann den "Pflug" in Richtung hält, dirigiert die Frau die Kühe mit kurzen Kommandos.

    Die Region um Otavalo ist gespickt mit Seen, Wanderpfaden und traditionellen indigenen Dörfern. Wir fahren zur nahe gelegenen Laguna Cuicocha, inmitten eines erloschenen erodierten Vulkans, um dessen riesigen Kratersee wir ganze 14 Kilometer wandern und hätten wir Weitsicht gehabt, hätten wir bis zu den Vulkanriesen Cotopaxi und Chimborazo mit ihren fast 7.000m Höhe sehen können... 😣 Einmal rund, fühlen wir uns noch fit um die 8 Kilometer zurück zur nächsten Ortschaft zu gehen, um das hiesige Leben noch in uns aufzunehmen. Es ist schön hier zu Wandern...! 😊

    ...auch wenn man abseits der größeren Orte die Armut der Menschen deutlicher spürt. Manche sind nicht nur arm sondern scheinbar auch perspektivlos. So sehen wir in einem Vorgarten eine Familie sitzen, die völlig unbeeindruckt zusieht, wie die Hühner am im Garten liegenden toten Hund herumpicken. Uns irritiert oft diese Gleichgültigkeit!

    Auf dem Markt in Otavalo hingegen sind wir fasziniert vom Kunsthandwerk der 'Otavaleños', die selbstbestimmt und ihrer ursprünglichen Kultur treu geblieben sind. Nicht nur beeindruckende Alpaka-Wolldecken, sondern auch einmalige Wandteppiche, Ponchos und Hüte werden angeboten. Ein Schmaus für unsere Augen. Müssten wir nicht noch so weit reisen, wären die Rucksäcke ab heute vollgepackt 😁

    Nach drei erlebnisreichen Tagen zieht es uns nach Quito, der Hauptstadt Ecuadors, um von dort ohne längere Aufenthalte den langen Weg von über 1.000 km über Cuenca und Piura nach Lima anzugehen, von wo unser Flug nach Iquitos am Amazonas in Peru startet. Also los geht's mit dem Bus... Ein Flug von hier aus ist uns zu teuer!

    Wir sind gar nicht so traurig darüber den Bus zu nehmen, schließlich ist es wie Fernseh schauen, nur alles echt 😜

    In Quito, der Stadt am Äquator, muss man natürlich neben der schönen kolonialen Altstadt auch zum Äquator. Für uns ein Meilenstein, schließlich betreten wir hier die Südhalbkugel unserer Erde und wer kann schon mal auf dem Äquator balancieren!

    Es geht weiter...
    ... Und es fällt uns auf, daß es keine Straßenränder, oder sonstige Flächen gibt, die ungemäht sind. Der Grund ist einfach: Jedes Haustier, seien es Pferde, Kühe, Ziegen, oder Schweine, dürfen an Pflöcke gebunden eine Fläche von vielleicht 20 m2 ihr eigen nennen und jeden Tag gibt es Neuland. Auch Lamas gehören mittlerweile zu den Rasenmähern!

    Wir sehen Kindern beim Spielen zu, wie sie aus alten Kanistern Türme bauen und versuchen sie zu besteigen, oder aus Bänken und Brettern Wippen bauen. Meist wissen sie sich zu beschäftigen. Leider sehen wir aber auch wie auf einer Müllhalde nach Brauchbarem gesucht wird. So ist es eben!

    Wir fahren quer durch die Anden und...
    ... auch an den Vulkanen Cotopaxi und Chimborazo vorbei. Letzteren sehen wir, dem trüben Himmel geschuldet, nur auf der Landkarte. Die Berglandschaft zeigt kaum mehr einen Wald, nur wenige Bäume und so sieht man nicht selten, dass die Felder nach einem Regenguss von Rinnen durchspühlt sind und die Ernten nur miserabel sein können. Da rächt sich der Raubbau!

    Nachts um 1:30 Uhr kommen wir am ganz neu von Ecuador und Peru gemeinsam errichteten Grenzübergang an. Ein Gebäude, zwei Reihen einzelner unterschiedlicher Schreibtische und die Grenzbeamten beider Länder sitzen bunt durcheinander gewürfelt an den Tischen. Nur durch ein zartes Winken, sofern erkennbar, des einen, oder anderen Beamten, kann man erkennen wo man den Ein-, oder Ausreisestempel erhält! Welch ein Wirrwarr 🤔

    Viele Grüße
    Ariane & Marco
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  • Day94

    Holá!

    Genug von Stadt! Zwar haben wir pro Tag so einige Kilometer Strecke in Medellin gemacht, wollen jetzt aber mal wieder in der
    Natur wandern gehen und fahren weiter in den Süden nach Salento, einem kleinen Ort in den Bergen der Kaffeezone.

    Dass das Busfahren abenteuerlich ist, haben wir ja schon beschrieben, bekommen heute aber wieder eine Kostprobe par Excellance! Busfahrer telefonieren, überholen in einer Rechtskurve bei doppelt durchgezoger Linie und liefern noch Post aus. Hier gewinnt der Stärkere oder Schnellere, zwischenzeitlich fahren 3 Fahrzeuge nebeneinander und die hohen und steilen Berge machen die Fahrt nicht einfacher. Wir kommen 3 Stunden nach Fahrplan an🤔.

    In Salento kann man kleine Führungen auf kleinen Kaffeeplantagen machen - und wir lernen wieder, wie die Marktwirtschaft und Globalisierung so alles im Griff hat: Kaffee 1. Wahl wird nach Europa exportiert, die 2. Wahl bekommen Starbucks, USA und Kanada und dritte Wahl und schlechter bleibt im Land und wird als billiger Tinto an allen Ecken verkauft. So langsam entwickelt sich ein Bewusstsein dafür, nicht den ganzen Ertrag der 1. und 2.Wahl ins Ausland zu verkaufen, sondern zumindest einen kleinen Teil im Land zu lassen und selbst dort zu verkaufen.

    Interessant ist auch, dass die heutigen Kaffeeplantagen genau dort wachsen, wo früher ganz viel Kanabis gewachsen ist - zuerst ganz ursprünglich als natürliches Unkraut 😉 und das ist auch heute noch so. Die Erde ist in dieser Region wohl so fruchtbar, dass man einen Sämling egal welcher Pflanze nur "wegwerfen" muss und schon wächst es. Mit ca. 3000ml Regen im Jahr muss auch nicht extra gegossen werden. Zudem kommt hinzu, dass die Marihuana-Pflanze wohl so widerstandsfähig ist, dass auch Versuche von der Regierung (in Zusammenarbeit mit den USA und Holland als Lieferant der Chemikalien) die Plantagen von der Luft aus mit Pflanzengift auszurotten nur als Ergebnis aufweisen konnten, dass die Natur rundherum kaputt ist und die darin lebenden Menschen nun krank sind, das kleine feine Kanabis-Pflänzchen aber nach kurzer Zeit wie der Phönix aus der Asche wieder munter weiter wächst. Die verarmten Bauern haben sich dann überlegt, Flächen in den Naturschutzgebieten zu bebauen, da dort nicht gespritzt werden darf 😉

    Weil Kanabis-Samen noch immer in den Böden der heutigen Kaffeeplantagen schlummern, werden diese regelmäßig von der Regierung kontrolliert, dass nicht auf einmal wieder die alte Einkommensquelle bevorzugt wird. Der Staat unterstützt die Kaffeeplantagen auch aus dem Grund der Prävention mit jährlichen Spenden von Kaffeesamen für die Nachzucht.

    Wir packen unsere Rucksäcke, lassen Unnötiges im Hostal und wollen für 3 Tage in die Berge. Das Wetter ist kühl und nachmittags regnet es regelmäßig. Deswegen werden die Wege, je höher man kommt, auch immer matschiger. Wir wandern im dichten Nebelwald, sind schon viel zu früh am angeratenen Zeltplatz und entscheiden uns weiter zu gehen. Auf dem Weg werden wir durch Schilder über Flora und Fauna informiert und erfahren, dass wir zwischen Orchideen, Bromelien, vielen Vogelarten (Kolibri etc.) und Pumas und Leoparden übernachten werden 🙃

    Nachdem wir eine Hütte hinter uns lassen mussten, wo man nicht übernachten darf, peilen wir einen Zeltplatz 1 Stunde dahinter an. Wir queren Flüsschen mit und ohne Schuhe und kommen nach ca. 45 Minuten an unsere Grenze: der Weg wird nun so matschig, dass man ohne Gummistiefel bis zu den Knien nicht mehr weiter kommt. Marco hat zum Glück am letzten Fluss eine Nische im Wald gesehen, in die unser Zelt hinein passt! Also heißt es, wieder zurück...
    Nachdem das Zelt steht und wir innen Fotos des Tages ansehen, hören wir, warum diese Wege derart tief verschlammt sind:ein Reiter mit 5 oder 6 Packpferden kommt vom Berg. Die kleinen Pferde mit den feinen Hufen graben sich tief in den Matsch. Es wird bald dunkel - ob dieser Reiter noch bis ins Tal reitet, erfahren wir nicht. Es zeigt sich aber wieder, dass die Menschen hier bei weitem nicht so zimperlich sind, wie wir zu Hause!

    Wir haben gut geschlafen und wandern hinunter ins Tal. Wir kommen durch einen Teil des Parks, in dem der Nationalbaum Kolumbiens wächst:die bis zu 70m hohe Wachspalme - wirklich beeindruckend!

    Da wir schneller als geplant waren, nehmen wir schon einen Tag früher den Nachtbus nach Neiva um von dort aus für 3 Tage in die Tatacoa-Wüste weiter zu fahren.

    Die Tatacoa-Wüste entstand, weil sich um sie herum wie ein Ring eine sehr hohe Bergkette aufgetürmt hat, die die Wolken festhält. Da das Gebiet jedoch einen hohen Grundwasserspiegel hat, gehen die Leute dort recht verschwenderisch mit dem Wasser um. Wir erfahren das, als wir unsere Wäsche mit möglichst wenig Wasser waschen wollten und Ariane dann eine Unterrichtsstunde im Fach "Wäsche mit der Hand waschen" erhält. Die beiden Frauen des Hauses müssen sich kaputt gelacht haben, wie wir Wäsche gewaschen haben 😊! Wir haben einen Zeltplatz mit Familienanschluss gefunden.

    Neben den netten Menschen, lernen wir auch Polly und ihren Freund (haben den Namen nie richtig verstanden) kennen - 2 Papageien, die wirklich witzig waren! Neben spanisch, können sie auch katzisch (miaumiau) und haben schnell deutsch gelernt (verrückt). Neben den Katzen ärgert Polly auch andere bunte kleine Vögelchen und macht mehr oder weniger elegante Turnübungen auf dem Baum. Man könnte ihnen den ganzen Tag beim Quatsch-machen zusehen😀

    Wir wandern durch die rote Wüste - und sind total beeindruckt! Von den Farben und den Formen, die Regen und Wind geschaffen haben, als ob der Steinbeißer aus der unendlichen Geschichte gleich aufstehen würde. Die graue Wüste ist ein wenig weiter weg. Sie hat als Besonderheit ein kleines Freibad, das aus dem Grundwasser gespeist wird. Der Wanderweg zum Schwimmbad ist nicht ausgeschildert. Nach einiger Zeit kehren wir um und haben uns ruckzuck in den kleinen Wegen ein wenig verlaufen - es ist hier wie in einem Labyrinth. Im Schwimmbad angekommen genießen wir die Abkühlung!

    Witzigerweise regnet es in unserer letzten Wüstennacht und wir packen unser Zelt nasser ein als nach den Regentagen in den Bergen...

    Muchos Saludos
    Ariane und Marco
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  • Day89

    Medellin, Kolumbien

    November 8 in Colombia

    Buenos días!

    Am Busbahnhof angekommen, wird erst einmal gefrühstückt. Wir versuchen herauszufinden, wie wir am besten zu unserem Hostel kommen und stellen fest, dass es super einfach ist: Medellin hat als erste Stadt Kolumbiens eine Metro!

    Unser erster Eindruck von Medellin ist nicht der Beste. Man sieht viele Menschen, die betteln und viele Venezuelaner, die versuchen mit dem Verkauf von Lutschern oder Bonbons auf der Straße ein wenig Geld zu bekommen. Die Häuser sind einfach und überwiegend vergammelt.

    Ungefähr so ist auch der erste Eindruck vom "City-Center". Wir sitzen auf einer Bank unter dem riesigen Bauwerk einer Metrostation und müssen einfach lachen - das ist Medellin! Das Touri-Viertel "Poblado" dagegen sieht anders aus: Viele trendige Bars und Restaurants, Hotels und Hostels. Die Einheimischen nennen es Gringo-Town!

    Die Geschichte mit den Fahrrädern!

    Wir wollen mehr von Medellin sehen und was gibt es besseres als mit Fahrrädern die Stadt zu erkunden. Der Plan: wir mieten "einfach" - bicicletas publica (öffentliche Fahrräder), die wie bei car-sharing in der Stadt verteilt stehen und kostenlos ausgeliehen werden können. Klingt gut, man benötigt NUR eine Karte dazu. Hmmm-hört sich gut an, also los, Karte im Internet beantragen und...
    ...hier wird es kompliziert!

    Man benötigt für das Beantragen der einen Karte eine weitere Karte, die "Bürgerkarte", die man an bestimmten Metrohaltestellen beantragen kann. So wie dutzende Medelliner stehen wir dann also in der Schlange und füllen Formbögen aus. Dann wird der Pass natürlich wieder kontrolliert und Passnummer notiert. UND Fingerabdruck verlangt! Aber wir waren erfolgreich! Stolz mit der grünen Bürgerkarte in der Hand suchen wir uns einen Platz mit WiFi, da wir Scans dieser Bürgerkarte, unseres Reisepasses und eines Passfotos machen und all' dies im Internet hochladen müssen. Fertig!? Nö, haste gedacht! Das nächste Browserfenster ploppt auf und weitere Informationen werden abgefragt: Stromabrechnung, Wohnort, Beruf, Kontaktnummer der Arbeitsstelle, monatliches Einkommen und, wir wollen es kaum glauben, unsere Blutgruppe! Das alles nicht genug: Es wird nach dem sozialen Status gefragt - zwischen sozialer Stufe 1 und 6 kann man wählen. Unglaublich, ein Hoch auf unseren europäischen Datenschutz!

    Später bekommen wir heraus, dass alle Kolumbianer in eine soziale Stufe eingruppiert werden. Es ist wie in Indien, wo die Menschen im Kasten-System leben! Bei einer kolumbianischen Heirat müssen auch Braut und Bräutigam gleich viel Geld in die Ehe mitbringen. Man hat also eigentlich gar keine Chance, in seinem Leben in eine andere Stufe zu gelangen! Unvorstellbar! Die junge Frau, die in unserem Hostel arbeitet (sie hat 3 Jahre einen Job gesucht) hat deshalb für sich entschieden, nie zu heiraten und keine Kinder zu bekommen. Sie schläft im Hostel in einer Kajüte neben den anderen Gästen, arbeitet den ganzen Tag und wünscht sich irgendwann mal ein eigenes Zimmer mit eigenem Bett und Kochgelegenheit zu haben. Im Hostel arbeitet auch noch eine junge Frau aus Venezuela - sie erhält kein Lohn, hat aber dafür ein Dach über dem Kopf!

    Übrigens unsere Challenge mit dem Versuch der Fahradleihe haben wir verloren 😁 wir gehen zu Fuß, oder nehmen die Metro!

    Zu Hause ist uns Medellin als eine Stadt mit schlimmer Vergangenheit und extrem hoher Kriminalität im Kopf! Medellin-Kartell, Pablo Escobar, Drogenhandel, Banden und Morde. Uns interessiert wie es heute hier ist und fahren mit der Metrobahn in einen der armen Außenbezirke. Auf dem Weg, aber auch sonst in der Stadt, werden wir oft angesprochen und gefragt wie uns die Stadt gefällt. Die Medelliner sind freundlich und stolz auf ihre Stadt. Es ist ihnen wichtig, dass wir uns wohl fühlen.

    Es wird viel investiert. In den Armenvierteln wurden Schulen gebaut, Krankenhäuser und sogar eine der größten Bibliotheken Kolumbiens. Wir fahren mit einer der neuen Seilbahnen über eines dieser Viertel. Ein überaus interessanter Blick über die Stadt und die verwinkelten, in die steilen Hügel gebauten Viertel. Aber so perfekt ist es dann doch nicht. Schaut man ins Detail, zeigt sich das Leben der untersten Sozialschicht. Auch werden wir gebeten an den Zwischenstationen aus Gründen der Sicherheit nicht auszusteigen!

    Sein Name wir hier nicht offen ausgesprochen. Manche sagen nur P. E., oder nur "er". Die Rede ist von Pablo Escobar, während des Drogenkrieges der 80er und Anfang 1990 Jahre wurden fast 40.000 Menschen und pro Jahr bis zu 6.500 Menschen allein in Medellin auf sein Geheiß hin ermordet. Angeblich soll die Mordrate jedoch heute immer noch bei 700 Menschen liegen und das ebenfalls pro Jahr! Wir machen eine "free guided tour" und erfahren viel über die Historie der Stadt, interessante Orte und Geschichten aus der Zeit des Drogenkrieges.

    Obwohl der Besitz, wie auch der Konsum von Kanabis und Kokain in Kolumbien verboten ist, bekommen wir mehrfach Drogen angeboten. Erst bekommt man Früchte oder Snacks von scheinbar normalen Straßenverkäufern angeboten, dann folgt im zweiten Satz das Wort Kokain. Die junge Frau in unserem Hostel sagt, es wäre einfacher an Waffen und Drogen zu kommen, als an Kondome! Das sagt einiges...

    Die Gesellschaft Medellins ist gespalten. Diejenigen, die die Zeit Escobars miterleben mussten, erfreuen sich an der neuen Moderne der Stadt. Andererseits werden von jungen Männern auch T-Shirts mit dem Gesicht Escobars in den Straßen angeboten. Schließlich wurde er damals von vielen Robin Hood Kolumbiens genannt, da er in Armenviertel investierte (Häuser baute, Grundstücke verschenkte) um Stimmen zu fangen - hat geklappt: P. E. wurde kurz darauf in den Kongress gewählt! In diesen Armenvierteln wird er noch heute verehrt - die Infos zu den ganzen Morden seien nur "Geschichten/Gerüchte"!

    Wir sind jedoch angetan von der Historie und dem Wandel der Stadt, wie aktiv mit Sozialprojekten, Kunst im öffentlichen Raum der ärmeren Viertel, zum Teil guter Stadtplanung und Imagekampagnen, die Stadt sich entwickelt.

    Eigentlich mögen wir keine Millionenstädte, sind aber froh, die Stadt erlebt und einen Abstecher hierhin gemacht zu haben 😜

    Hasta luego
    Ariane & Marco
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  • Day85

    Hola, qué tal!

    Willkommen in Cartagena! Früher war es die Stadt in der afrikanische Sklaven zu tausenden auf dem Markt angeboten und nach Nordamerika gebracht wurden, das geraubte Gold nach Spanien verschifft wurde, oder Captain Morgen sein Unwesen trieb. Heute ist es eine sehr gut erhaltene Kolonialstadt die täglich von tausenden Touristen besucht wird.

    Bei unserer Überfahrt von Panama haben wir uns beide eine ordentliche Erkältung eingefangen und wir müssen uns für einige Tage auskurieren. Nur fällt es uns sehr schwer sich bei 35°C und einer unerträglich hohen Luftfeuchtigkeit auszuruhen. Wir sind total platt...!

    Wir entscheiden uns die Küste zu verlassen und wollen ins Hochland um bei für Hunsrücker annehmbaren Temperaturen dem Tourismus zu entfliehen. Erst geht es für ein paar Tage nach Santa Cruz de Mompox, einer quirligen colonialen Kleinstadt am Rio Magdalena bevor wir nach San Gil unweit der venezuelanischen Grenze aufbrechen.

    Was uns auffällt ist, dass sehr viele Menschen aus Venezuela sich hier in Mompox niederlassen um einer Arbeit nachzukommen, da es aus politisch und wirtschaftlichen Gründen dort nicht mehr möglich ist. Auch unser mit Kakalaken bestücktes Hostal wird von einer Frau aus Venezuela geführt. Entlang der Straßen betreiben viele kleine Verkaufsstände, oder bieten Dienstleistungen aller Art an. Ich hatte mich an einem Stand schon fast fürs Haare schneiden entschieden. Ich habe es echt nötig ;-) Die Sorge war nur, daß ich dann genauso aussehe wie der Rest der Leute, die dort bedient wurden... fast kahl rasiert! Ich hab es im Sinne von Ariane gelassen! Wobei der Preis von 5000 Pesos, umgerechnet 1,35 € unschlagbar gewesen wäre.

    Interessant, welchen Einnahmequelle man sich hier bedient. So zeigte uns ein Kolumbianer ganz stolz seine drei ebenso stolzen Kampfhähne, die er regelmäßig in den "Ring" schickt. Da er keinen Stall für seine schmücken Hähne hat, werden sie einfach an einer Leine im Boden festgepflockt.

    Es gefällt uns hier. Wie in einem Wimmelbuch fahren Mopeds und Tuktuks in Unmengen durch die Straßen und mittendurch drängen sich die Menschen und das ohne über den "Haufen" gefahren zu werden. Zumindest haben wir es nicht mitbekommen ;-) Wie leer sind doch so oft die Straßen zu Hause!

    Es geht weiter... Schließlich wollen wir ins Hochland. Nach einer 13 stündigen Fahrt fallen wir spät abends in San Gil müde ins Bett und... bei 23°C schlafen wir prächtig. Wir haben endlich nochmal Wetter um uns sportlich zu bewegen, waren wir doch nach fünf Tagen auf dem Schiff und zwei Tagen im Bus fast eingerostet. Wir wandern in das wunderschöne, von Spaniern gegründete und von Baumarktsünden völlig verschont gebliebe kleine Örtchen Guane. Es ist fast wie in der Toskana, würden wir nicht manchmal von Kokospalmen daran erinnert, in Kolumbien zu sein. Einfach ein schönes Land! In einem Ort namens Curiti gibt einen über dutzende Kaskaden fließenden Fluss, in dessen unzähligen Becken man den ganzen Tag schwimmen und entspannen kann, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Endlich nochmal ein Land, in dem wir mal nicht für alles bezahlen müssen! Auch nicht als "im Geld schwimmender Ausländer"!

    Es ist der 31. Oktober, Halloween! Wir wollen noch kurz in der Stadt was zum Abendessen einkaufen. Am Hauptplatz im Stadtzentrum angekommen, steigt eine mega Fiesta. Tausende Menschen, überwiegend verkleidet als wäre Fastnacht sind in guter Stimmung. Begeistert sind wir von den tollkühnen Eigenbaukonstruktionen der Schiffsschaukeln und Fahrgeschäfte. Der Hammer! Zusammengeschraubt aus Blechen und betrieben von Rasenmähermotoren, sitzen Kinder festgegurtet in ihren Kostümen wie auf einem Schleudersitz und werden wagemutig durch die Luft geschleudert. Die Konstruktionen scheinen auch die Kinder sehr zu beeindrucken, denn ein Junge bekreuzigt sich sogar, bevor er den Bügel schließt. Grüße an Thomas und Claus, die garantiert direkt angefixt wären, die Konstruktionen zu toppen 😫

    Am 3. Tag wollen wir auf dem Rio Fonce, der direkt an San Gil vorbei führt, Raften gehen. Der Rio Fonce wird bis Level 3 eingestuft, was für einen unserer Mitfahrer schon ausreichend war um in einer Stromschnelle über Bord zu gehen - zum Glück hat ihn Marco noch an einem Bein festhalten können, sonst wäre er gleich sehr viel weiter vom Boot weg gewesen! Als Alternative wird der Rio Suarez mit Stromschnellen bis zu Level 5 angeboten - für uns war es eine schöne Tour!

    Es ist schon später Nachmittag und in der Stadt ist plötzlich laute Musik zu hören. Neugierig zieht es uns noch einmal vor die Tür und es ist unglaublich was wir zu sehen bekommen!

    Hunderte von Reitern auf kleinen, zierlichen Criollos schlängeln sich durch die Straße Richtung Hauptplatz. Es sind Caballeros aus umliegenden Dörfern und Haciendas. Stolz sind ganze Familien unterwegs - sie tragen alle weiße Schals mit entsprechendem Aufdruck oder Muster. Auf der Straße werden sie mit reichlich Bier und Schnaps verköstigt und die am Straßenrand stehenden Zuschauer machen fleißig Fotos von den posenden Caballeros. Natürlich darf ordentlich laute Musik nicht fehlen! Wahnsinn! Vom Rhythmus gepackt stellen sich einige der Reiter sogar auf ihre Pferde und tanzen! Jeder möchte auftrumpfen - manche kommen jedoch nicht mehr alleine aufs Pferd.

    Je später es wird, desto besoffener werden die Reiter und wir müssen an Stumms Reinhold denken, der so ein Spektakel garantiert auch mitgemacht hätte und Pferd sei Dank, irgendwie Heim gekommen wäre!
    Die berittene Polizei (Kolumbien hat eine eigene Polizeireitschule) zeigte mit ihren großen, ruhigen argentinischen Pferden eine bemerkenswerte Souveränität in einem solchen Chaos! Diese Tradition ist wohl schon so alt wie die Stadt. Es waren über 650 Reiter!

    Als wir erfuhren, dass wir für die nächste Etappe 12h Busfahrt einplanen müssen, haben wir uns entschlossen, den Nachtbus nach Medellin zu nehmen und gewinnen so einen weiteren Tag, an dem wir die Cascades de Juan Curi besichtigen - ein beeindruckender Wasserfall in einer tollen Natur!

    Auf nach Medellin...

    Viele Grüße
    Ariane und Marco
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  • Day75

    Ein Resumee, Zentralamerika

    October 25 in Colombia

    Hola!

    Wir haben Zentralamerika hinter uns gelassen - Zeit für einen Rückblick. Oft unterhalten wir uns über die Unterschiede, die wir von Land zu Land, von Kultur zu Kultur gesehen haben - und vergleichen diese mit unserem zu Hause.

    Es ist einfach ein unheimlich großes Privileg in einem Land zu leben, in dem man einfach nur den Wasserhahn öffnen muss und so viel Trinkwasser wie man braucht zur Verfügung hat! Costa Rica hat es als einziges Land geschafft ein gutes Versorgungsnetz aufzubauen.

    Hier in Zentralamerika haben sich auch alle schon daran gewöhnt, immer mal wieder keinen Strom zu haben. Und Toilettenpapier kommt nicht in den Klo, sondern in einen Mülleimer. Hier wird mit kaltem Wasser gespült - das wäre ja gar nichts für die Tante Irma ☺️!

    Als ein weiteres Privileg sehe ich es mittlerweile an, dass wir in Deutschland einen "Sonntag" haben! Und dass viele, außer diejenigen, die Schicht arbeiten, ein Wochenende haben, das sich vom Rest der Arbeitswoche abhebt. Hier ist nicht nur jeder Tag ein Arbeitstag, es unterscheidet sich auch in der Jahreszeit kaum etwas-also jeden Tag im Jahr das Gleiche!

    Hier kann man bauen wie und wo man will. Das würde ja gut funktionieren, wenn die Ausbildung bei Planern und Handwerker entsprechend wäre. Es ist für meine (Marcos) Augen ein Graus. Ich sehne mich so nach überlegter und guter Architektur. Ich kann einfach nicht im Ansatz erkennen, dass sich die Menschen an schönen Dingen erfreuen und bereit sind dafür auch Zeit und Hirn zu investieren... Und wenn einen mal ein schmuckes Haus anlacht, ist es aus spanischer Kolonialzeit. Ein Unterschied der Bauart zwischen einem Urnengrab auf dem Friedhof und einem Wohnhaus ist nur an den Fenstern zu erkennen ;-) Hinzu kommt: Instandhaltung wurde hier noch nicht erfunden. Furchtbar!

    In allen zentralamerikanischen Ländern gibt es unheimlich viele Kirchen und unterschiedliche Glaubensgemeinschaften - in dem kleinen Crooked Tree (Belize) mit ca. 1000 Einwohnern gab es 7 Kirchen! Das sind zum Teil nur Blechhallen oder größere Räume, aber zu den Gottesdiensten sind diese voll und laute Musik dröhnt aus ihnen heraus.

    Mit Pünktlichkeit haben es die Zentralamerikaner nicht. Beginnt der Gottesdienst um 10:00h, kommen die Leute noch um 11:00h. Soll um 8:30h eine Schulveranstaltung beginnen, trudeln die Eltern mit den Kindern um 9:00h noch gemütlich ein.

    Vor allem in Guatemala lieben es die Menschen ihre Zähne mit Gold oder Silber zu "verschönern". Es gibt ganze Zähne mit Metall, Zähne mit Umrandungen oder Zähne mit bestimmten Formen wie Sternchen - eine junge Frau hatte auf ihren beiden Schneidezähnen jeweils einen Stern **. Mich (Ariane) hatte das an die 90er erinnert, als viele Spätaussiedler in den Hunsrück kamen. Viele der älteren hatten auch goldene oder silberne Zähne. Ich weiß aber nicht mehr, ob es damals dort auch als "schön" galt, oder damit Gold für schlechte Zeiten gebunkert wurde?!?

    In den meisten der zentralamerikanischen Ländern ist die Machete ein ganz wichtiges Werkzeug - ein Allround-Gerät, das Kaefers Küchenmaschienen und Herbstreuthers komplettes Sortiment scheinbar ersetzen könnte. Mit der Machete werden Obst und Gemüse geschält und portioniert, oder auch Rasen gemäht - ganze Straßenrabatte werden fein säuberlich mit der Machete gemäht. Eine Motorsense haben wir erst in Costa Rica gesehen. Mit Traktoren oder anderen hilfreichen Geräten sieht es ähnlich aus. Interessant sind die Berufe. Sind es doch die selben wie zu Hause, ist es die Art der Umsetzung, die in uns oft Erstaunen, oder auch Bewunderung auslöst. Haben wir doch in Guatemala Männer gesehen, die für das Bauhandwerk Schotter herstellen. Höret und staunt: Man sitzt auf dem Allerwertesten, hält zwischen den Knien einem großen Wacker und klopft diesen mit Fäustel und Meißel über Stunden klein! Einen nach dem anderen, Tag für Tag! Hier darfst du kein Atheist sein! Welch' Berufe es allein auf den Straßen zu sehen gibt: Die Straßenpolizisten auf Kreuzungen, die Schuhputzer, die Eis- und Kaffeeverkäufer, sogar die Schreiner und Schlosser verrichten ihre Arbeit mit einfachsten Hilfsmitteln auf der Gasse. Die Obst- und Gemüseverkäuferinnen tragen ihren Waren auf dem Köpft und zwängen sich zwischen Autos, Mopeds und Tuktuks.

    Als Fremder im Land ist man ohne Navi total aufgeschmissen - es gibt keine Straßennamen, keine Straßenschilder, man weiß eigentlich nie, in welche Ortschaft man gerade hineinfährt, geschweige denn, wohin man fahren müsste, würde man selbst fahren. Witzig ist auch: fragt man die Einheimischen nach dem Weg, wissen die immer wo es ist. Es kam aber schon oft vor, dass uns ein Einheimischer in die eine und der nächste in die andere Richtung geschickt hat.

    Tragisch und unvorstellbar sind die Infos, die wir von Terry haben - sie erzählte von Guatemala. Ob und wie dies auch in den anderen zentralamerikanischen Ländern zutrifft, kann ich nicht sagen. In Guatemala werden noch immer Menschen verschleppt - für den Organhandel. Organe von Kindern seien am meisten gefragt. Uns sind in Guatemala außerdem die vielen noch sehr jungen Mädchen mit kleinen Babys, die auf den Rücken gebunden waren, aufgefallen. Guatemaltekische Frauen sehen mit 30 Jahren gut doppelt so alt aus.

    Im Ländervergleich hat sich für uns das Bild ergeben, dass Belize weit abgeschlagen, ganz hinten liegt. Für uns hat Belize ein wirklich trauriges Bild gezeigt. Gibt man im Internet den Ländernamen als Suchbegriff ein, so erhält man grandiose Bilder der Küste, das "Blue Whole" mit gigantisch schönen Bildern, traumhafte Sandstrände und noch tollere Hotels. Diese gehören jedoch ausländischen Investoren. Einheimische Arbeiter verdienen kaum etwas und so gelangt nichts, was die Touris an Geld mit ins Land bringen, wirklich ins Land. Belize hat seine Unabhängigkeit von Großbritannien gefeiert, es scheint jedoch nicht auf eigenen Beinen stehen zu können. Die Kolonialmacht scheint sich reichlich bedient zu haben. Das Land hat für sich keine Ideen und Eigeninitiative entwickelt. Es produziert außer ein wenig Obst im Süden scheinbar nichts. Die Supermarktregale sind leer, außer aus den USA importierte Waren werden teuer verkauft. Wenn es etwas gibt, ist dies meist in Pulver-Form (Milch, Kaffe...). Die lokalen Tiendas (Geschäfte) werden fast ausnahmslos von Chinesen übernommen (wie auch in Panama), weil sie früher, länger aber auch verlässlicher geöffnet haben als die Tiendas von Einheimischen, die dann aufmachen, wenn sie Lust dazu haben. Schnell lohnt es sich dann gar nicht mehr, weil die anderen Einheimischen ihr Bier und die Chips zum Chinesenladen kaufen gehen. Mit dem Bier sitzen sie dann ohne irgendeinen Ausdruck in den Augen zu haben auf ihren kleinen ungepflegten Grundstücken und versinken im Müll und Drogenrausch. Sie scheinen keine Idee zu haben, was sie mit sich, ihrem Leben und ihrer Zeit anfangen sollen. Während in Guatemala an den kleinsten Stellen Mais angebaut wird und in anderen Ländern sogar Viehaltung das Einkommen aufbessert und der Wirtschaft Milch- und Käseprodukte liefert, haben die Belizianer hektarweise Urwald und Dschungel abgeholzt um nichts mit den verbliebenen Landflächen zu machen.

    Das Grün und die Vegetation Costa Ricas erinnert an das satte Grün in Irland, wo auch Palmen wachsen...
    Es gibt Straßenschilder und geteerte Straßen!
    Häuser und Grundstücke sind sehr viel gepflegter
    Es gibt Flächen, die landwirtschaftlich genutzt werden und andere, die Naturparks sind - Costa Rica versucht den Spagat zwischen Landwirtschaft (leider auch hier wie in Deutschland mit viel Einsatz von Spritzmitteln aller Art) und Naturschutz. Die vielen Naturparks wurden schon früh etabliert, die zahlreichen Touristen unterstützen dies durch die doch recht knackigen Eintrittspreise. Costa Rica sticht als Land hervor. Wir haben uns gefragt, wie es sein kann, dass Menschen auf einmal keinen Müll mehr auf die Straßen werfen?!?

    Was wir zu Hause von den Ländern lernen können: sie haben ein super ausgebautes, flexibles öffentliches Verkehrsnetz mit kleinen Bussen, die dort anhalten, wo jemand steht.

    Und noch ein Riesen-Vorteil in Zentralamerika: es gibt keine Nacktschnecken! Grüße an Norbert und Winters Volker ;-)

    Adios America Central
    Ariane & Marco
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  • Day73

    Archipel San Blas, Südkaribik

    October 23 in Panama

    Muchos Saludos de Puerto Lindo!

    Wir sind im kleinen Fischerdörfchen Puerto Lindo angekommen. Morgen soll es losgehen! Wir haben uns in einem kleinen Hostel Namens Wunderbar :-) eingebucht, um unsere Sachen für unseren 6 tägigen Törn nach Cartagena in Kolumbien zu packen. Ganz so wunderbar ist das Dörfchen jedoch nicht. Wir fragen uns von was die Menschen hier leben. Die kleinen Ein-, oder Zweizimmer-Wellblechhäuschen sind zum großen Teil völlig vernachlässigt und die Menschen sitzen scheinbar den ganzen Tag ziellos herum! Ganz schön trist.

    Um fünf Uhr nachmittags ist das Treffen mit unserem kolumbianischen Kapitän Fabian in einem kleinen Restaurant und nach einigen Instruktionen und Informationen flitzt er los, um unsere Ausreiseformalitäten zu klären. Er nimmt unsere Pässe und behält diese bis Cartagena bei sich. Schon komisch, wenn jemand deinen Pass mitnimmt und man sich nicht mehr ausweisen kann...! Nachdem er gegen 20 Uhr wieder kommt, fahren wir mit einem kleinen offenen Boot durch die Nacht in eine Nachbarbucht in der unsere kleine Segelyacht im Hafen liegt.

    Ein schmuckes Stück ist unser 50 Fuss Einmastsegler und ein wenig größer als erwartet. Hätten wir uns ja auch denken können, schließlich sind wir auch zu zwölft, plus Kapitän und 3 weiteren helfenden Händen, die für uns kochen, navigieren und uns begleiten. Wir sind eine bunt gemischte Truppe. Zwei Australier, ein Amerikaner, ein Neuseeländer, ein Engländer, eine Schweizerin und neben uns noch weitere vier Deutsche.

    Es geht nun sechs Tage über die San Blas Inseln quer über die Südkaribik nach Cartagena. Wir Zwei haben uns mit ausreichend Pillchen gegen Seekrankheit ausgestattet. Schließlich haben wir recht wenig Muße auf sechs Tage Übelkeit. Erst um 0:30 brechen wir auf. Der Plan für die ersten Tage ist, dass wir über Nacht unserem Ziel entgegen schaukeln und tagsüber das San Blas Archipel, das aus über 300 kleinen Inselchen bestehende autonome Fleckchen Erde der Kuna Yala, kennen lernen. Die Kuna Yala sind ein Volk, das sehr konservativ in kleinen aus Kokospalmen gebauten Hütten wohnen und überwiegend vom Fischfang leben. Heute aber auch vom Tourismus, wobei sie sich bisher ausnahmslos gegen den Bau von Hotels gewehrt haben :-)

    Da es ein autonomes Gebiet ist, können die Kuna Yala eigene Gesetze machen - ein Gesetz ist, dass jeder, der dort einreisen möchte, 20 USD zahlen muss. Unser Käpten hat auf einer der ersten Inseln die Einreiseformalitäten für uns geregelt.

    Witzigerweise fand zu diesem Zeitpunkt gerade ein Fußballturnier verschiedener Schulen der unterschiedlichen Inseln statt. Wir sind zur Insel geschwommen und haben es uns ein wenig angesehen. Ein Lehrer hat mit uns gesprochen und uns erklärt, dass dies eines von vielen Turnieren sei. Am nächsten Tag sei auf einer anderen das Volleyballturnier - 5 Tage hintereinander, jedes Mal eine andere Sportart auf einer anderen Insel. Das interessanteste dabei ist, dass die Schüler der verschiedenen Inseln gar nicht miteinander sprechen können, da jede Inselgruppe ihren eigenen sehr unterschiedlichen Dialekt hat!

    Es ist ein kleines Paradies hier. Morgens wird eine große Platte tropischer Früchte aufgetischt, dann, nach einem Sprung ins warme Nass erst mal eine "Katzenwäsche" gemacht. Gefischt wird nicht selbst, denn die Kuna sollen unterstützt werden. So kaufen wir vom anfahrenden Einbaumboot erstmal ein dutzend große Langusten, die wir dann abends auf einer der Inseln grillen, hmmm!

    Die Inseln sind überwiegend kaum größer als unser Garten zu Hause. Für einen Tag haben wir vor einer der kleinen Inseln den Anker ausgeworfen und können die Insel für uns nutzen, nachdem unser Kapitän den Kuna dafür bezahlt hat. So öffnen uns die Kuna in Perfektion und Kunst die frischen Kokosnüsse, wir spielen am weißen Strand Volleyball (haben ja unseren Ball dabei 😀) und im Riff vor seiner Insel ist für uns ein Paradies zum Schnorcheln. Die Unterwasserwelt ist umwerfend. Nachdem auf Ariane ein großer Rochen zuschwimmt, steht sie nach nur wenigen Augenblicken kreidebleich am Strand und wird von den in der Hängematte faulenzenden Kuna schmunzelnd und den Worten: Ein Stachelrochen? begrüßt. Es ist wie im Aquarium zu schwimmen. Wir sind umgeben von hunderten bunter Fische und Korallen.

    So schön und traumhaft die Bilder alle aussehen, so zeigen sie nicht den stetig wachsenden Bappigkeitsgrad, den jeder Passagier erfährt - geduscht wird nicht, da Wasser auf See wie Gold ist! Alternativ steht immer ein Bad in der wunderschönen "Salzbadewanne" zur Verfügung, was jedoch das bappige Gefühl auf Haut und Haar nicht weg spülen kann!

    Am Ende des dritten Tages verlassen wir das Archipel in Richtung offene See und jetzt ist's auch mit waschen im Meer nichts mehr. Wir sind gespannt wie es so ist, um sich herum nur noch Wasser zu sehen...

    Bevor wir uns in unsere Kajüte legen, trinken wir noch unseren mitgebrachten Weinbergspfirsich und genießen panamaischen Rum... Die kommende Nacht gleicht dann leider einer Tortur. Es ist eine unerträgliche Hitze in unserer Kajüte und unser Kapitän hat bei Gegenwind den Motor angeworfen, der ohrenbetäubend brummt. Es geht mit Vollgas gegen die Wellen, was dazu führt, daß wir gefühlt eine Achterbahnfahrt in Dauerschleife fahren und mit Pillen betäubt wird der folgende Tag bei gleichen Bedingungen halb verschlafen.

    Natürlich gibt es auch die besonderen Momente auf hoher See. Wir werden mehrfach von Schulen unzähliger Delfine begleitet und bekommen das ein oder andere Mal Besuch verschiedenster Vögel. Man wird schon manches Mal nachdenklich, wenn man in die endlose Ferne schaut und sich die Sonne vor ihrem Untergang im Wellengang spiegelt.

    Noch vor Sonnenaufgang am sechsten Tag morgens um 5 Uhr laufen wir vorbei an riesigen Containerschiffen, aber auch vielen kleinen Seglern wie unserem, im Hafen von Cartagena ein. Wir sind in Südamerika :-) Jetzt gilt es nur noch mal unsere Pässe zu organisieren. Diese hat unser Kapitän hoffentlich zu einem Büro in der Stadt gebracht, welches unsere Einreiseformalitäten regelt. Ein seltsames Prozedere, aber ein Hafen hat ja keinen Grenzübergang! Um 15:00 Uhr haben wir endlich unseren Stempel... Wir sind nun offiziell in Kolumbien 😀

    ... und ab in die Dusche :-)

    Hasta luego
    Ariane y Marco
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  • Day63

    Bocas del Toro, Panama

    October 13 in Panama

    Pura Vida,

    nach unseren Unwettertagen auf der Halbinsel Nicoya verschlägt es uns wieder nach San José, oder genauer nach Alajuela. Wir suchen uns eine Unterkunft für die kommenden drei Tage und Nächte um unsere feuchten Klamotten zu waschen, die Rucksäcke zu schrubben, Essen und einen neuen Bikini für Ariane zu kaufen. Den Bikini hat wohl in einer Nacht der Hund unseres Schildkrötenfachmanns geklaut. Unser Plan für die nächsten Tage sind keine Ausflüge, vielmehr müssen wir unseren Grenzübertritt nach Panama vorbereiten.

    Panama verlangt an der Grenze nämlich den Nachweis min. 500 US$ pro Person zu besitzen. Entweder in bar, oder auf der Kreditkarte. Nur wollen wir ja nicht zusammen mit 1000 US$ im Seckel durch die Lande ziehen. Aber wie weist man das aktuelle Guthaben einer Kreditkarte an einer Grenze nach? Zusätzlich darf man nur dann einreisen, wenn man schriftlich nachweisen kann, daß man das Land wieder verlässt. Da wir von Panama aus nach Südamerika, also nach Kolumbien wollen, muss also jetzt schon die Einreise nach Kolumbien organisiert werden, um überhaupt nach Panama zu kommen! Es gibt zwischen Mittel- und Südamerika keine direkte Verbindung, keine Straße, kein Grenzübergang. Es sei denn man geht zu Fuß durch das Dariengebiet. Für die Variante muss man aber eher lebensmüde sein, da dort die Mafia mit Menschen und Drogen handelt. Realistische Möglichkeiten sind nach Bogota zu fliegen, auf einem der angeblich völlig überladenen Frachtschiffe anzuheuern, eine der großen Fähren zu nehmen, oder mit dem Segelschiff über die Karibische See nach Kolumbien zu segeln. Wir entscheiden uns natürlich für die entspannteste Variante: Das Segeln! Und so chartern wir einen kleinen 51 Fuss-Einmastsegler ab Puerto Lindo in Panama nach Cartagena in Kolumbien :-)

    Bevor es aber so weit ist, wollen wir noch an die costaricanische und panamaische Karibikküste und es uns ohne Regen gut gehen lassen. Wir nehmen den Bus und fahren nach Cahuita...
    ... Wir beide sind einfach keine Strandrumgammler und können nicht mit dem Badetuch abhängen und in die Sonne starren. Das geht keine 2 Minuten gut. Einfach zu langweilig! Also treibt es uns an einen fast unberührten Küstenabschnitt unweit des Dorfes. Es ist ein wirklich urtümlicher Wald mit unzähligen Postkartenmotiven. Und wir haben auf unserer 20 km Wanderung das große Glück, lange ersehnt, ein Faultier im Wipfel eines Baumes zu sehen. Nur zu gut, dass das nicht so schnell wegspringt wie die Kapuziner Affen 😀 Es ist wie ein Gedicht! Unsere Badesachen haben wir natürlich dabei und springen in der Hitze immer mal zur Abkühlung in die karibische See. Ein Traum...!

    Costa Rica ist entscheidend fortschrittlicher als der Rest der Länder Mittelamerikas. Das sehen wir wieder, als wir an der Grenze zu Panama ankommen. Das Ausreiseprozedere aus Costa Rica entspricht zwar nicht wirklich westlicher Vorstellung, denn erst muss man in einem Tante Emma Laden zwischen Chips und Coca Cola die Ausreisegebühr zahlen und dann 100m weiter und nach einer Stunde Wartezeit den Zahlungsbeleg den Grenzbeamten vorlegen, bevor man den costaricanischen Ausreisestempel bekam. Aber nachdem wir dann nach weiteren 100m Fußmarsch über eine alte Brücke panamaischen Boden betreten, holen uns dort bekannte Bild ein: Es ist wieder alles heruntergekommen, überall liegt Müll und es ist alles andere als einladend. "Ach wie schön ist Panama!"

    Hat in unserer Kindheit nicht Janosch erzählt, daß es in Panama nach Bananen riecht ;-) ?

    Und doch, auf dem Weg mit dem Bus nach Bocas del Toro, einer Inselgruppe vor der Karibikküste, fahren wir an kilometerweiten Bananenplantagen vorbei. Bis zum Horizont nur Bananen! Das Symbol kennen wir doch! Hunderte Seecontainer mit dem Symbol der Chiquita Fruit Company sind hier aufgetürmt, oder fahren auf LKWs an uns vorbei. Also wenn wir nicht gerade im Bus sitzen würden, würde es bestimmt nach Bananen riechen 😀

    Mit dem Motorboot geht es nach Bocas, der einzigen Stadt auf den Inseln. Cool, die Häuser sind kunterbunt und alle, die an der Küste genauso wie jene im Inselinneren, auf Pfählen gebaut. So entzückend wie es klingt ist es nur leider nicht überall. Stellt man sich die Idylle noch mit einer gehörigen Portion Müll und gepaart mit fehlendem Erhaltungswille vor, sind wir in der Realität.

    Es ist anderes als auf dem Festland, die Menschen sind ein Mix aus Afroamerikanern, Latinos und Europäern. Karibisch eben ;-) Auf einer Fahrrad-Erkundungstour treffen wir einen Katalanen, der hier als Segler vor 20 Jahren hängen geblieben ist und nun Psycho-Bücher schreibt. Wir erzählen von unserem geplanten Segeltörn nach Kolumbien, worauf er uns empfiehlt in Kolumbien unbedingt "Ayahuasca" zu trinken, es wäre ein Muss. Nach unseren Mitchilada-Erfahrungen in Guatemala sind wir etwas misstrauisch und nach einem Blick in Wikipedia legen wir den Vorschlag für immer ad Akta ;-)

    Um zu unserem Abfahrtshafen Puerto Lindo zu kommen, muß man zwangsläufig über Panama City fahren und so nehmen wir uns die Zeit zwei Tage dort zu bleiben und die riesige Stadt mit ihrer UNESCO-Altstadt und natürlich dem Panamakanal und dessen gigantische Schleusenbauwerke zu besichtigen. Die Schleusen sind wirklich äußerst beeindruckend. Wir dürfen zusehen, wie fünf Ozeanriesen geschleust werden. Eine Durchfahrt kostet für die größten Pötte 450.000 US$. Aber bis wir erst mal am Kanal sind...
    ... ist es einfach wieder ein Graus. Es gibt einfach keine Beschilderungen. Weder Straßennamen, Hausnummern, noch Haltestellen. Einfach nichts. Und so fragen wir uns immer erst durch, natürlich oft mit unterschiedlichen Antworten, an welchem Bordstein, welcher Straßenecke denn der gesuchte Bus hält. Panama-City ist einfach nicht gleich Hunsrück ;-)

    Ach übrigens keine Straßenbeschilderungen...
    ... Wenn in Costa Rica jemand einen Brief schreibt, steht als Adresse oft so etwas wie: Das gelbe Haus mit den zwei Bäumen und dem blauen Zaun. Die Briefträger werden ihren Spaß haben
    - Grüße an Melli 🙃 ...

    Bis bald
    Ariane und Marco 😀
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  • Day57

    Peninsula de Nicoya, Costa Rica

    October 7 in Costa Rica

    Hallo Ihr Lieben!

    Unser Ziel ist es eigentlich in den Süden der Peninsula de Nacoya zu fahren, um dort in die für ihre Surferszene bekannten Orte Santa Teresa und Montezuma zu fahren (die Einheimischen sagen Montefuma - fumar heißt auf Spanisch rauchen ;-). Doch wir hätten es fast vergessen, es ist Regenzeit! Auf den Schotterpisten kommt man nur sehr langsam vorwärts. Das größte Problem liegt jedoch darin, daß es auf der Strecke nur wenige Brücken gibt, sodass wir die Bäche und kleinen Flüsse furten müssen. Viele der Bäche sind durch die starken Regenfälle leider nicht passierbar und so nehmen wir einen Umweg nach dem anderen und erreichen unsere Unterkunft Santa Teresa erst nach 9 Stunden Fahrt und über 100 km Umweg! Heil froh, geduscht und gesättigt fallen wir in ins weiche Bett :-)

    ... Wir haben gut geschlafen und machen, bevor es weiter geht, noch Geschäftliches: Überweisungen von zu Hause, Post beantworten, die André uns immer scannt und in die Cloud lädt :-) und eben Reiseplanungen für die nächsten Tage. Die müssen ja auch gemacht werden! Gefrühstückt und los geht es...

    Es hat in den vergangenen Tagen schon viel geregnet. Wir denken uns, warum im Regen im Appartement sitzen, dann können wir mit unserem "Plastik-Jeep" schon mal zum 40 km entfernten Ostufer der Halbinsel fahren, um von dort morgen früh eine Fähre zum Festland zu nehmen. Was wir dann am späten Nachmittag erleben ist unglaublich und alles andere als geplant! Es regnet nicht nur, es scheint der ganze Himmel aufzugehen. Wir haben noch nie ein solch' dauerhaften und unerbittlichen Regen erlebt. Die Dörfer und Häuser stehen nach kürzester Zeit völlig unter Wasser. Hinzu kommt, daß aus der Dämmerung nun tief dunkle Nacht geworden ist. Der Scheibenwischer fliegt von links nach rechts. Im Scheinwerferlicht sehen wir nicht so gut wie tief die Fluten sind. Dabei fahren wir auf der sicheren Straße, auf der normalerweise keine Flüsse zu furten sind, doch das Wasser schießt in Massen die Hänge hinunter und fließt über die Schotterstraße. Wir können nirgends halten, denn wir fahren nur durch bergige Wälder.

    Nichts geht mehr... nachdem wir nach einigen sehr bedenklichen Furten und Straßenabschnitten mehrere Steinschläge unter das Auto bekommen, das Wasser sich gegen die Tür drückt, wird es unpassierbar. Das war echt eng. Wir bleiben auf einem verhältnismäßig sicheren hohen Abschnitt des Weges stehen und sehen uns gezwungen hier zu übernachten. Hier sind keine Bäume, kein Bach, oder eine Böschung zu erkennen. Wir stellen uns den Timer auf 15, später 30 Minuten, um die Situation um uns herum zu kontrollieren. Was eine Sch....! Die Situation haben wir völlig unterschätzt!

    Wir sind auf unserer Anhöhe nicht allein, ein Einheimischer steht auch in diesem relativ sicheren Straßenabschnitt und sagt uns, daß weder vor, noch hinter uns die Straßen befahrbar sind. Wir teilen uns unsere Kekse und warten bis zum Morgen...

    ...5:00 Uhr, es regnet weiter ununterbrochen wie aus Eimern...,
    ...7:30 Uhr, William, der ebenfalls Gestrandete, erzählt uns, daß es bis morgen weiter so regnen kann. Die Straßen seien mit dem Auto nicht mehr passierbar.

    William arbeitet bei einer Straßenbaufirma und noch in der Nacht informierte er mit dem Telefon seine Kollegen über unseren Standort. Heute morgen sind die Netze alle ausgefallen...
    ...Wir wollen es kaum glauben, gegen Mittag nieselt es nur noch! Und so nehmen wir die Gelegenheit wahr und gehen ein Stück die Straße entlang, die wir gestern gefahren sind. Wir kommen nicht weit... Es ist ein verheerendes Bild. Nachdem es wieder anfängt zu regnen gehen wir zu den Autos zurück und kaum angekommen sehen wir am Ende der Straße zwei in gelbe Regenjacken gehüllte Personen auf uns zukommen. Es sind die Kollegen von William. Es ist ein Gedicht: Sie bringen für uns Kaffee und je eine große Portion Pinto (traditionelles Frühstück: Reis mit Bohnen, Ei, Wurst und Maistortillas).

    Sie berichten uns über den katastrophalen Zustand der Straße und dass es einige Tage dauern wird, bis wir mit unseren Autos hier weg kommen. So lassen wir unsere Autos zurück und gehen alle gemeinsam die 4 Kilometer bis zum nächsten Dorf Rio Grande. Der Weg ist anstrengend. Die Straße gleicht einem Trümmerfeld und ist eher mit einem Flussbett zu vergleichen. Die Hänge sind abgerutscht, die Straße an vielen Teilen weggespült, Bäume und Strommasten umgerissen, Brücken in beide Richtungen zerstört. Vorbei an völlig überfluteten und verschlammten Viehweiden. Verheerend!

    Wir haben das Glück bei William übernachten zu dürfen. Wir erfahren, daß die komplette Halbinsel von den Folgen des Unwetters betroffen ist. Das Dorf Rio Grande hat keine nutzbare Zufahrtstraße mehr, kein Wasser, kein Strom, kein Telefon! Na super! Es ist das große Glück, dass in der Gegend sowieso gerade die Firma von William die Straße am Sanieren war und viele große Baumaschinen in der Gegend sind. So wird direkt mit dem Beheben der Schäden begonnen und erst mal so grob geflickt, dass zumindest eine Befahrung möglich wird. Wir sehen mit dem halben Dorf dabei zu, wie die Brücke an der Dorfzufahrt repariert wird. Es hat sich hier herumgesprochen, daß zwei Gingos gestrandet sind und wir Weishäupter werden natürlich immer erkannt :-) Wir werden hier von allen bestens versorgt. Melonen, Guyanas, grüne Orangen, usw. und haben keinen Grund zur Klage! Es fehlt an nichts 😉

    Die Bauarbeiten gehen super voran und wir wollen es kaum glauben, nach 2 Tagen ist zumindest die Straße zur nördlichen Fähre wieder frei. Wir werden zu unserem Auto gebracht und fahren erleichtert an die Fähre nach Playa Naranjas... Dort jedoch sind wir allein, die Fähre soll erst am nächsten Tag wieder fahren ;-) uns bleibt nichts anderes übrig, wir schlafen im Auto! Am Morgen die Ernüchterung, die Fähre fährt auch heute nicht, da die Brücke in diesem Ort ebenfalls weggespült wurde... Doof nur, daß wir hätten gestern schon das Auto in Alajuela wieder zurück geben müssen!

    Wir schauen uns die Bauarbeiten dort an und erfahren, dass es hier die nächsten zwei Tage nicht weiter geht aber die Fähre 30 km südlich erreichbar ist und wieder den Betrieb aufgenommen hat. Also: ab ins Auto... Erleichtert, wir können es kaum glauben, verlassen wir die Insel 😀

    Wow, aber so lernt man Land und Leute kennen 😊

    Hasta luego
    Ariane & Marco
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