Besuch beim Tra Que Garden Village
May 13, 2023 in Vietnam ⋅ ☁️ 29 °C
⚠️ Achtung: Dieser Eintrag ist etwas lang geworden, weil der Besuch bei dem Dorf eine schöne Erfahrung war. 😅
Heute Vormittag haben wir uns erst einmal mit der Planung der nächsten Tage für Vietnam beschäftigt, bevor es mit dem Rad zum Tra Que Garden Village ging. Das Dorf befindet sich auf einer kleinen Insel, nicht weit vom Strand entfernt. Das Besondere an diesem Dorf ist, dass es in der Mitte ein riesiges Ackerfeld zum Anbau unterschiedlichster Gemüse- und Kräutersorten hat. Ringsherum sind einige Restaurants und Kochschulen angesiedelt. Das scheint auf dem ersten Blick ziemlich touristisch zu wirken, aber der Garten besteht schon seit über 200 Jahren. Wir hatten vorher die Vermutung, dass es ein „Fake-Dorf“ ist und nur für den Tourismus erbaut wurde. Aber dem ist nicht so. Die Farmer arbeiten schon seit Generationen auf diesen Feldern. Noch heute kann man den Farmern bei ihrer Arbeit beobachten (oder selbst Hand anlegen).
Wir aßen in einem gemütlichen Restaurant zu Mittag. Das Restaurant baut selbst Gemüse und Kräuter im eigenen Garten an. So frisch wie heute, haben wir während unserer ganzen Reise noch nicht gegessen - direkt vom Garten auf den Teller!
Wir bestellten uns Spinat und Morning Glory, Tofu, Reis und frische Spring Rolls. Die Köchin zupfte sich den Spinat und Morning Glory für unser Gericht aus dem Garten. Obendrauf kamen noch viele frische Kräuter. Das Essen war zwar teurer als anderswo, aber dafür auch umso leckerer!
Wir fragten die Mitarbeiter vom Restaurant, ob es möglich sei, eine Tour im Gemüsefeld des Dorfes zu machen. Die Mitarbeiterin gab uns den Tipp ein Ticket für 30.000 VDN über den offiziellen Schalter zu kaufen. (umgerechnet ca. 1,20€) Im Ticket inbegriffen ist ein Willkommensgetränk und man kann gemeinsam mit einem Farmer auf dem Feld etwas anbauen. Der Preis schien uns ziemlich günstig. Zu günstig. Wir gingen zum Ticketschalter und sollten tatsächlich nur 30.000 VDN zahlen. Am Anfang des Feldes holten wir uns den Willkommensdrink ab: Minze mit Lemongras. Danach ging es auf´s Feld. Wir gingen entlang des riesigen grünen Feldes. Hier wird alles Mögliche angebaut, auch vieles, dass wir noch nicht kannten. Wir sahen einige Farmer, die auf dem Feld arbeiteten. An dem Ort, wo wir eigentlich die Farmarbeit näher kennen lernen sollten, sahen wir nur eine ältere Dame, die aber nicht den Anschein machte, als ob sie uns etwas zeigen möchte. Wir beschlossen erst einmal eine Runde über das Feld zu drehen.
Wir gingen weiter und sahen ein Restaurant, bei dem zwei Frauen standen. Sie riefen uns etwas zu, wir konnten aber nicht verstehen was. Also gingen wir einfach mal dorthin. Eine von ihnen fragte uns, ob wir was essen wollen, wir lehnten dankend ab, da wir ja schon vorher etwas gegessen haben. Wir unterhielten uns eine Weile. Die Frauen sind Schwestern. Die gesamte Familie arbeitet hier im Village: Ihre Eltern auf dem Feld und die Geschwister sowie Cousinen helfen beim Restaurant mit. Sie erzählten uns ein wenig vom Feld. Sie gaben uns einen Flyer mit für eine Kochstunde in ihrem Restaurant. Da wir jedoch die nächsten Tage schon verplant waren und Montag, Dienstag arbeiten mussten, werden wir das wohl nicht schaffen. Nach einer Weile verabschiedeten wir uns und gingen wir weiter über das Feld. Erschreckend wie wenig wir von dem Gemüse und den Kräutern, die hier angebaut werden, wussten. Die Kräuter rochen so frisch, als wir mit den Händen drüber gingen. (Das war ein Tipp von den beiden Frauen) Mir kam auf einmal so ein Gedanke: Warum nicht einfach umdrehen und fragen, ob sie Zeit haben eine kleine Tour über das Feld zu machen. Sie schienen sich hier sehr gut auszukennen und wir wollten mehr über das Dorf und die Menschen erfahren. Wir gingen zurück und tatsächlich hatte Lieu, einer der Frauen, gerade wirklich Zeit, um eine Führung zu machen! Wir waren begeistert. Und Lieu auch.
Lieu zeigte uns viele Kräuter und erklärte uns in welchen Gerichten die Kräuter am besten schmecken. Es war wirklich interessant. Auch einiges an Gemüse zeigte sie uns. Die riesengroßen Zucchinis, die wir auch schon vorher im Restaurant gesehen haben, entpuppten sich als WIntermelonen - ein Gemüse, das geschmackstechnisch wenig mit der Melone am Hut hat...
Hier auf dem Feld wird u.a. Thai Basilikum, Lemon Basil, Minze, Kopfsalat angebaut. Lieu hatte richtig Spaß daran uns alles über den Garten zu erzählen. Unser Gespräch wurde auch tiefgründiger: Wir erfuhren vieles über die vietnamesische Tradition und Lebensweise, die Wünsche und Träume der jungen Generation, nachhaltigen Ackerbau vs. schädlichen Ackerbau und wie sie den Klimawandel und dessen Folgen spürte.
Lieu hilft mit im Restaurant ihres Onkels. Auf dem Feld, wie ihre Eltern zu arbeiten, kann sie sich nicht vorstellen. Ihre Eltern arbeiten den ganzen Tag in der Hitze - Tag für Tag. Ein Knochenjob, wie sie findet. Die jungen Menschen flüchten raus in die Stadt. Sie möchten anders ihr Geld verdienen und ihren eigenen Weg gehen. Lieu arbeitet eigentlich als Rezeptionistin in einem Hotel, momentan hilft sie aber ihrer Famillie im Restaurant. Sie ist auf dem Feld groß geworden. Ihre Eltern haben ihr alles über die Farmarbeit beigebracht. Wenn ihre Eltern körperlich nicht mehr können, muss sie auf´s Feld und die Arbeit ihrer Eltern weiterführen. Es nahm mich richtig mit, wie sie das so erzählte. Ich spürte, wie sehr sie das belastet. Für uns unvorstellbar: Ein Leben zu führen, das schon vorbestimmt ist.
Es war ein wirklich tiefgründiges Gespräch und wir hätten uns stundenlang so weiter unterhalten können. Um 17 Uhr wurde es so langsam dunkel und es sah nach Regen aus. Wir verabschiedeten uns. Wobei ich im Gefühl hatte, dass das nicht unser letzter Besuch war. Lieu hatte so viel zu erzählen und was mir besonders gut gefiel, sie war verdammt ehrlich und sagte, wie es war.Read more















