• Lykischer Weg - Tag 3: Bel - Kumluova

    April 29 in Turkey ⋅ 🌙 17 °C

    25,5 km; 780 m aufwärts; 1.390 m abwärts

    Ich glaube, ich bin ein Kamel. Jetzt habe ich heute sicherlich 5 Liter Wasser getrunken und musste nicht einmal aufs Klo. Kommt alles wieder aus den Poren raus. Unseren Schildkröten-Count haben wir inzwischen auf 6 erhöht. Die Viecher laufen dir hier einfach so über den Weg.
    Am Morgen verlassen wir unser Zieglein, im Laufe des Tages haben wir uns auf den Namen Willy geeinigt. Leider müssen wir feststellen, dass hier in der Türkei kaum vor 8 Frühstück gebracht wird. So kommen wir immer relativ spät los. Die Beschreibung des Tages las sich so einfach, es geht ja fast nur runter. Na dann. Es kommt mal wieder anders als gedacht bzw. erhofft.
    Gleich zu Beginn geht es auf neuer Wegführung erstmal hinauf bis wir den Abgrund zur Küste erreichen. Ich gebe zu, der Anblick ist schon sehr stark. Aber der Pfad ist schwierig zu gehen, man muss auf jeden Schritt aufpassen. Sobald der Abstieg beginnt können wir einen Blick ins Tal erhaschen und sehen schon unser Ziel für heute. Der anschließende Wald ist mega hübsch, hier begegnet uns Schildkröte #2. Gleich danach beginnt auch der lange Abstieg bis kurz oberhalb der Küste. In ewigen Kehren über Stock und Stein geht es abwärts. Minute um Minute verstreicht, ohne dass die Kilometer weniger werden. Doch irgendwann kommen wir dann doch unten an.
    Noch ein letztes Mal geht müssen wir 200 Höhenmeter überwinden. Inzwischen brennt der Planet runter und wir steigen in der prallen Sonne auf. Das Wasser ist mittlerweile in meinen Körper geflossen. Da kommt die Quelle genau richtig. Also filtere ich gleich mal 4 Liter, das Wasser schmeckt nicht ganz so geil, aber ich vertraue auf meinen Filter. Beim folgenden Abstieg eröffnet sich der Blick über die Ebene Richtung Kumluova und den ewig langen Strand von Patara. Nach Kumluova reiht sich ein Gewächshaus ans andere, hier wachsen Millionen Tomaten.
    Und noch was fällt in unser Blickfeld: die Ruinen von Pydnai, die Überreste einer gut erhaltenen hellenistischen Festung. Die Anlage diente ursprünglich dem Schutz eines Hafens vor Piraten und sicherte die Straße von der Küste nach Xanthos ab. Unser Weg führt direkt durch das Gelände. Allerdings muss man dazu durch einen flachen Durchgang, durch den ich mit Rucksack fast krabbeln muss.
    Um zum Strand zu kommen, muss man über eine Brücke, deren Löcher mit einfachen darauf gelegten Bretter abgedeckt sind. In Deutschland wäre so eine Brücke zehn Jahre gesperrt, aber die Reparatur nie fertig gestellt werden. Wir verspüren ein kleines Hüngerlein und würden gerne was essen. Doch das Restaurant ist leider nicht mehr existent. Gut, dass kurz vor der Brücke ein Schild an einem Haus stand. Wir gehen zurück und werden von Selvan mit ihren Eltern empfangen. Ein super leckeres Essen mit einer herzlichen Begegnung.
    Der Rest des Wegs verläuft wenig spektakulär. Der Wanderführer hatte sogar empfohlen, die 10 km mit dem Bus zu überspringen. Aber nix da. Zuerst führt der Weg entlang des Sumpfgebiets. Hier können wir zahlreiche Vögel beobachten und die weiteren Schildkröten #3-6. Teilweise ist der Weg hier aber auch überschwemmt, da müssen wir aufpassen, damit wir keine nassen Füße bekommen. Die restlichen Kilometer verlaufen auf Straße entlang der Gewächshäuser. Wenig spannend. Allerdings sorgen bei mir die teilweise freilaufenden Hunde für Adrenalin. Laut bellend kommen sie auf uns zu. Hang ist meist entspannt, ich bekomme schon fast ein feuchtes Höschen.
    Zum Schluss erreichen wir die Ruinen von Letoon, das zentrale religiöse Heiligtum des Lykischen Bundes. Das Heiligtum war der Göttin Leto sowie ihren Kindern Artemis und Apollon gewidmet. Gut erhalten sind heute noch Teile der drei Tempel und ein hellenistisches Theater. Nach dem Besuch der Anlage wandern wir zum einzigen Hotel im ganzen Ort. Im aktuellen Wanderführer wurde es noch mit 54€ angepriesen. Mittlerweile zahlt man aber schon 75€. Weiterlaufen wollten wir aber auch nicht mehr.
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