• Fort Kochi - das Erbe der Kolonialzeit

    December 28, 2022 in India ⋅ ⛅ 31 °C

    Nächste Haltestelle: Kochi

    Nachdem wir die Kühe vom Bahnsteig in Gokarna irgendwie davon überzeugen konnten unsere Rucksäcke und unser Reiseproviant in Ruhe zu lassen, stiegen wir mit unserem Holzklasse Ticket in den Zug. Auf gut Glück und in der Hoffnung einen Platz in AC 1, 2 oder 3 zu bekommen - so heißen die mit Klimaanlage ausgestatteten und bequemeren Abteile in denen man die Sitzplätze zu Liegeflächen ausklappen kann. Alles andere wäre wahrscheinlich der absolute Horror, wie wir von einem italienisch-indischen Pärchen mit Baby später erfahren. Denn mit dem "General Ticket" - also der Holzklasse - hat man nicht mal einen Sitzplatz d.h. es drängen sich Mann und Frau in alle Ecken, während ständig Leute ein- und aussteigen. Keine gute Option für die 10 stündige Nachtfahrt, die vor uns lag 😅. Aber wie so oft, wurden wir von netten Menschen an die Hand genommen und durften uns ein Upgrade in AC 2 erkaufen, wo wir tatsächlich jeder eine Schlafliege hatten und Ruhe finden konnten. Felix war zwischendurch so aufgeregt, dass er kein Auge zumachen konnte, denn ein Kindheitstraum würde ihm erfüllt: einmal mit dem Nachtzug fahren.

    Morgens um 6 kamen wir in Kochi an. Mit einer Autoriksha selbst organisiert mit der App "UBER" fuhren wir direkt zu unserem Homestay wo wir schon angemeldet hatten, dass wir viel früher als zur üblichen Check-in Zeit ankommen würden. "No Problem, No Problem" - wir wurden herzlich empfangen, wurden gefüttert und durften bei der netten Nachbarin duschen, die wie sie selber sagt mehr Engländerin sei als Inderin. Dies sei sehr typisch für die Menschen in Kochi, hier gibt es eine große Community, die sich sehr dem europäischen Lebensstil angenommen hat. Kein Wunder, denn hier herrschten lange die Holländer und Portugiesen, was noch immer am Stadtbild zu erkennen ist, auch wenn sich dies mit Hindutempel und indischem Flair stark vermischt 😊. Sehr spannend und wundervoll zu Fuß zu erkunden.

    In unserer Unterkunft machten wir bald Bekanntschaft mit dem indischen Pärchen Amal und seiner Freundin und verbrachten einen wundervollen Abend und den nächsten Tag miteinander.

    Am 31.12 liefen wir die Straßen entlang und waren verblüfft von der Menschenmenge, die sich durch die Gassen schub. Schnell suchten wir uns eine Bar, die wir nur durch das Nachbargeschäft betreten konnten, da alle Tore mit Schlösser verriegelt wurden um nur ausgewählt Gäste hinein zu lassen - Pärchen und Ausländer 🫣😄. Hier trafen wir auf zwei Engländer, die uns an den Tisch gesetzt wurden und nachdem wir die Verlegenheit überwunden hatten, folgten ein paar tolle Stunden mit wundervollen Gesprächen. Natürlich mit Parallelen.. Ein Sozialarbeiter, den die Sehnsucht nach einer Pause nach Indien trieb, der bald ein Vipassana Meditationsretreat macht und einfach mal nur sein will - wahrscheinlich um etwas zu finden, ohne zu wissen was er sucht - wie wir alle irgendwie und irgendwann mal. Wir verstanden uns ohne große Worte. Naja und sein budenständiger Kumpel, der ihn besuchte 😄. Es ist schön zu wissen, dass man nie alleine ist mit seinen Fragen 🙏 😌🙏. Wir sprachen über Gott und die Welt, über die indischen Verkehrsregeln und über die Heldenreise, lachten und teilten ein paar Getränke miteinander.

    Auf das große Event, den riesigen brennenden Santa Claus auf einer Fußballfeld großen Festwiese zu sehen während DJs Musik für tausende von Menschen auflegten, haben wir dann doch dankend verzichtet und haben stattdessen auf der Straße vor der Unterkunft, dankbar mit Wasser und liebevollen Blicken angestoßen. Froh darüber fern vom Getümmel zu sein 🥰❤️.
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