• Zwischen Allopathie und Ayurveda

    February 25, 2023 in India ⋅ ☀️ 37 °C

    Meine "Gastmutter" hat seit längerem starke Schmerzen im Bein und im unteren Rücken und kann nicht laufen. Da die lokale Klinik nicht weiterhelfen kann, fährt das Ehepaar 2 Stunden mit dem Auto zu einem Spezialisten - in einem kirchlichen Krankenhaus. Ich fahre mit, weil ich sehen will wie das hier funktioniert und es nett ist mal raus zukommen. Nach 30 min. Fahrt ist mir kotzübel denn ich hatte ganz vergessen wie kurvig die Straßen hier sind und wieviel Andrenalin man aushalten muss bei dem Fahrstil 🫣. Ich darf den Platz wechseln und vorne sitzen. Es wird besser. Zum Glück fährt Gott "Shiva" auf dem Armaturenbrett mit.

    Wir sitzen und warten bis wir dran aind. Unikrishnan hält mir den zweiseitigen MRT Befund unter die Nase: "cervical and dorsal spondylosis with degenerative disk disease" - auf Englisch. Der hat ca. 50€ gekostet was bei jemanden der als Alleinverdiener ca 100-200 € im Monat verdient ordentlich reinhaut. Auch die Konsultation wird in bar bezahlt, denn die beiden sind nicht versichert. Zu teuer meinte er - ca. 200€ im Jahr. Mittlerweile hätte es sich gelohnt, sieht er ein.

    Leider spricht der indische Otto-Normal-Verbraucher auch hier kein Englisch, es sei denn er oder sie ( meistens er) war ein paar Jahre im Ausland arbeiten. Oft in Israel, Bharain oder Saudi-Arabien als Krankenpfleger*in oder Fachkraft im Bereich Handwerk oder Sicherheit.
    Unikrishnan gehört dazu aber bei der medizinischen Fachsprache muss auch er passen. Der Neurologe soll nun die Auswertung vornehmen. Dank meiner Yogatherapie Ausbildung glaube ich zu verstehen worum es geht. Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule und Bandscheiben mit Druck auf umliegende Nerven, die den Schmerz verursachen 🧐🤔🤷😊.

    Sie bekommt entzündungshemmende Medikamente und auf meine Frage nach der Ursache des Problems, antwortete der nette Neurologe, dass das viele Treppensteigen ein Grund sein könnte. Ich wundere mich, denn zuhause gibt es zwar eine Treppe aber die ist nicht besonders schwer zu begehen 🤔 . Therapie oder andere Vorschläge zur Verbesserung der Situation oder zur Prävention von weiteren Problemen gibt es keine. Sie soll einfach die Medikamente nehmen.

    Das sind Ratschläge der westlichen Medizin - hier auch als Allopathie bekannt. Bekannt für die vielen Medikamente zur Behandlung der Symptome und chirurgische Eingriffe für eine schnelle Linderung der Schmerzen.

    Ayurveda widerum ist das ursprüngliche indische Heilsystem, welches den Menschen ganzheitlich betrachtet (also Faktoren wie Ernährung, Bewegung, Sozialleben, mentale Verfassung etc.) in die Behandlung miteinbezieht.

    Leider haben viele Menschen den Bezug zur traditionellen Heilkunst verloren und wollen - wie so viele Menschen - eine schnelle Linderung Ihrer Beschwerden ohne etwas dafür tun oder verändern zu müssen. Die zugrundeliegenden Ursachen werden nicht ergründet und dementsprechend auch keine Lebensstilanzupassung. So bleibt auch hier die Endlosschleife: Medikamente, Medikamente, Medikamente... Mit allen Nebenwirkungen für Leber und Niere.

    Subjektive Observation:
    In dieser Familie leben Schwiegertochter und Schwiegereltern im Haus der Schwiegereltern. Der Tagesablauf bei den Frauen dreht sich um den Haushalt und ums Essen. Die Schwiegertochter nimmt dabei eine aktive Rolle ein und ist eigentlich wie eine freundliche Servicekraft, die das Essen zubereitet und serviert. Fehlt etwas, steht sie auf und holt es. Sie selbst isst als letztes. Gelegentlich führt sie kosmetische Behandlungen in dem kleinen Studio unten im Haus durch oder frisiert die Damen des Dorfes. Eine regelmäßige Arbeitstätigkeit - so wie wir es kennen - gehen beide Frauen nicht nach.

    Natur, Sport oder sonstige Bewegung draußen an der Luft gibt es nicht. Mir ist damals nach vier Tagen langsam die Decke auf den Kopf gefallen, denn insbesondere die beiden Damen gehen so gut wie nie aus dem Haus. Maximal um den Sohn von der Schule abzuholen oder drei Schritte vom Auto zum Tempel oder zum Markt zu denen der Mann sie fährt. Es wird viel telefoniert mit Verwandten oder Freunden. Die erwachsenen Kinder arbeiten irgendwo, sind mit ihrem Leben beschäftigt und kommen wenig zu Besuch. Der Fernseher ist oft an, es laufen indische TV Serien a la "Gute Zeiten schlechte Zeiten" und es wird viel gesessen oder gelegen nach den regelmäßigen Mahlzeiten:

    1. Vor-Frühstück - Kaffee mit Milch und Zucker, fritiertes Knabberzeug 🍮☕
    2. Frühstück - Reis, Tapioka, Porota oder Dosa und schwarzer Tee mit Zucker ☕🍛
    3. Mittagessen - eine riesen Portion Reis mit Curry (Gemüsesoße) und gelegentlich mit Fisch oder Hühnchen versehen.🍛
    4. Nachmittag - Chai mit Zucker und indische Süßigkeiten (oft voller Zucker und Fett 😅)🍡🍪🍢🫖
    5. Abendessen - wie Mittag 🍛

    Natürlich braucht hier alles viel länger. Man wäscht die Wäsche draußen mit der Hand und gekocht wird mit Feuer und Gas.

    Trotzdem ist das ziemlich viel Nahrung für Menschen, die sich kaum bewegen. Vielleicht liegt es an der hügeligen Landschaft, vielleicht daran, dass es nicht üblich oder diese Familie speziell ist - keine Ahnung🤷.

    Asthma, Nierensteine, Übergewicht und starke körperliche Einschränkungen sind die Folgen - darüber wird auch gerne mit leidenden Gesichtsausdruck gesprochen 🤷😅. Man verlässt sich wie auch bei uns allzu gerne auf den "Experten" im weißen Kittel und weiß nicht um die Verbindung zwischen Gesundheit und den eigenen Verhaltensweisen, die die gesundheitsschädigende Situation befördern oder heilen könnten.

    Die Beobachtung bestätigt sich hier im Little Flower Mercy Home. Das Gründerpaar leidet an Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes. Andere Angestellte haben Asthma, Nierensteine, und Zucker 🫣😯. Ganz zu schweigen von den Problemen der Bewohner*innen, für die es aus finanziellen Gründen auch nur eine eingeschränkte medikamentöse Behandlungen gibt. Ihr seht ein paar Fotos von dem sogenannten "Medical Camp": Eine Allgemeinärztin kommt mit ihrem Assistenten und misst den Blutdruck. Falls jemand besondere Beschwerden hat (neben den mentalen) ist hier die Möglichkeit diese anzusprechen. Die Gespräche gehen schnell. Vor allem weil man nicht immer dieselbe Sprache spricht. Allgemeine Medikamente gegen die üblichen Unanehmlichkeiten wie Pilzinfektion oder Schmerzen hat sie schon mitgebracht. Abgesehen von den einmal im Monat stattfindenden Medical Camps ist eine medizinische Fachangestellte für die Tablettenausgabe zuständig. Einen eigenen Arzt oder Therapeuten gibt es hier leider nicht. Für Psychiatrie betreffende Themen inkl. Medikamentenanpassung soll wohl auch mal ein Arzt kommen - den habe ich in fast zwei Monaten allerdings nocht nicht gesehen. Es ist ein langer weg bis Mercy Home wirklich eine Klinik ist. Aber immernoch besser als die öffentlichen psychiatrischen Einrichtungen. Diese "Aufbewahrungsorte" erinnern an Zustände in den 30er Jahren, hat mir jemand geflüstert. So gesehen ist Mercy Home also top ausgestattet. Lasst uns hoffen, dass es weiter geht!

    Auf Ayurveda wird hier allerdings nicht gesetzt. Der Gesundheitszustand ist gleichbleibend. Die Lebensgewohnheiten bei vielen genau wie oben beschrieben.

    🌱🌅🌸🌳In den nächsten Wochen möchte ich das andere Indien kennenlernen. Das Indien, welches das Wissen über das Leben (=Ayurveda) noch kennt und praktiziert. Es ist nicht einfach, das zu finden aber ich mache mich auf den Weg um diesen Schatz zu ergründen 🌳🌷☀️🌱🌅🌸🏞️

    Wünscht mir viel Glück bei meiner Suche!! 😊

    Währenddessen mache ich jetzt erstmal ein dreitägiges Leber-Detox-Programm mit viel klarer Suppe und wichtigen Vitaminen. Das sollte man laut Naturheilkunde, Ayurveda und Co. einmal im Monat machen, um alle angesammelten Schadstoffe v.a. in der Leber ( z.B Pestizidrückstände etc.) auszuwaschen, aber auch um in den Zellen, wo sich durch unsere " moderne" Lebensweise und den dazugehörigen Essgewohnheiten, unverarbeitete Eiweiße ablagern (was übrigens zu chronischen Krankheiten führt) wieder Freiraum zu schaffen.
    😃✌️🌿🍵

    Peace
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