• Rennbericht

    April 11 in Morocco ⋅ 🌬 23 °C

    Es ist nahezu unmöglich die Ereignisse und das Erlebte hier in einen Footprint zusammenzufassen. Aber ich will es dennoch versuchen.

    Stage 1 (35 km) und Stage 2 (40,5 km) waren für uns ziemlich gut gelaufen. Wir haben relativ schnell unseren Rythmus gefunden und kamen mit der Hitze von ca. 35 Grad gut zurecht. In die Abläufe im Camp kommt nach und nach die Routine und wir gewinnen etwas an Sicherheit, dass wir gut auf das Rennen vorbereitet sind. Es wird allerdings auch gleich zu Beginn deutlich, dass hier ausnahmslos jeder der Teilnehmer genau weiß was er tut. Neben den Seriensiegern aus Marokko ist diesmal auch der aktuelle UTMB Weltmeister mit dabei. Ein noch höheres Leistungslevel gibt es praktisch nicht. Die diesjährige Strecke ist zudem super sandig, aber das sollte sich sich später für uns noch auszahlen. Nach Stage 3 (29,1 km) liegen wir etwa auf den Plätzen um 900 herum.

    Wir wussten schon im Vorfeld, dass die Long Stage mit 100 km (erstmalig beim Marathon des Sables in dieser Länge) unsere Etappe sein wird. Start war 5 am (d.h. Aufstehen um ca. 3 am). Schon nach zwanzig dreißig Kilometern waren wir in unserem Element. Super konstant, so dass die ersten 70 km schnell gelaufen waren. Als wir je länger die Stage dauerte so durch die Checkpoints kamen und merkten, dass immer mehr Läufer um uns herum eine Pause oder eine Mütze Schlaf brauchten, sich Essen kochten oder die Blasen an den Füßen behandeln lassen mussten, wurde uns immer mehr klar, dass der Plan aufzugehen scheint. Mein Bruder fand dann auf den letzten 20 km, die ziemlich hart wurden und einfach nicht enden wollten, irgendwie den Knopf und zog uns praktisch die ganze Zeit das Tempo machend durch die Nacht und über die Wüstenebenen bis wir schließlich gegen 2:30 Uhr weit vorne im Feld im Ziel ankamen. Geschafft aber glücklich! Mit den Plätzen 742 und 743 konnten wir zudem einen großen Schritt nach vorne machen und mehrere Stunden (das sind mittlerweile die Zeitabstände) auf die vor uns liegenden Läufer aufholen.

    Die freie Zeit bis zum nächsten Tag und Stage 5, war dann eigentlich für Regeneration und Essen vorgesehen. Aber ein Wüstensturm hat mehr oder weniger das gesamte Bivouac zerlegt. Die Zelte mussten wieder auf- bzw. umgebaut werden, es war überall Sand und an Regeneration nicht ansatzweise zu denken. Das schlägt auf die Stimmung.

    Unabhängig davon aber ging es am nächsten Tag weiter - die Marathon Etappe Stage 5 (42,2 km) stand auf dem Programm. Unsere Renneinteilung führte nun dazu, dass wir in den Dünen und im tiefen Sand in unserer Bubble ausnahmslos immer mit zu den Schnellsten zählten, und alle die uns am Vormittag noch joggend überholt haben, nun einfach im Sand stehen gelassen werden konnten. "And another one, and another one bites the dust!" Das hat Spass gemacht!

    Nach 270 km und 54:43:54 Stunden durch die marrokanische Sahara bogen wir schließlich zum Ende von Stage 6 (23,5 km) - wie sollte es anders sein - im Weltuntergangswüstensturm und bei teilweise Sichtweiten von unter 20 Metern links auf den roten Teppich in Richtung Marathon des Sables Zielbogen ab. FINISHER! LEGENDS!

    Es war eine tolle Zeit und eine absolute Grenzerfahrung. Vielen Dank an meinen Bruder für die unermüdliche Arbeit von vorne!!! Es war wahnsinnig anstrengend und unglaublich schön ... aber nochmal komme ich nicht mit. 🤣

    Hier ein paar Bilder, die mal eben schnell während des Rennens entstanden sind. Die Fotos vom Veranstalter werden später noch nachgereicht.

    The Official Movie: https://youtu.be/goIL7_6CWNE?is=xW8oXhSCAsZw9lEk
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