Mats

Mein Name ist Mats und ich bin 18 Jahre alt. Derzeit lebe ich in Port Elizabeth, Südafrika und mache hier mit weltwärts einen Freiwilligendienst. In diesem Blog versuche ich einige meiner Erfahrungen festzuhalten und mit anderen zu teilen.
Living in: Unkel, Deutschland
  • Day115

    Ferientrip - Betty's Bay

    December 28, 2018 in South Africa ⋅ ☀️ 22 °C

    Am zweiten Tag unserer Reise ging es zu einem meiner persönlichen Lieblingsspots: Betty’s Bay.

    Dabei handelt es sich um eine kleine Bucht ganz in der Nähe von Kapstadt, welche von bemoosten Bergen umgeben ist. Zum Einen wirkte die Landschaft auf mich beeindruckend, mit dem langen Sandstrand, dem blauen Meer und im Hintergrund den grünen Bergen, zum Anderen war auch das Hostel eine der kleinsten, aber gemütlichsten Unterkünfte, die ich hier bisher gesehen habe. Zudem hatte der Balkon eine fantastische Aussicht auf den atlantischen Ozean, da wir das Kap der zwei Meere schon passiert hatten.

    Den Nachmittag verbrachten wir damit, uns Pinguine anzusehen, was allerdings nicht so spannend war, da es sich lediglich um schäzungsweise 80-100 Pinguine auf einer abgesperrten Rampe, ähnlich unerer NATO-Rampe, handelte, auch wenn sie sehr süß waren. Abends wurde gekocht und am nächsten Tag ging es voller Vorfreude weiter nach Kapstadt.
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day114

    Ferientrip - Mossel Bay

    December 27, 2018 in South Africa ⋅ ⛅ 17 °C

    Wie im vorangegangenen Blogeintrag bereits angedeutet, ging es am 27. Dezember die Garden Route entlang, Ziel: Kapstadt.

    Unser erster von zwei Stopps war das wunderschön gelegene Mossel Bay. Die große Bucht war zu einem Teil von touristischen Straßen und Gassen mit Souvenirshops, kleinen Cafés und einem kleinen Hafen gesäumt, während sie auf der anderen Seite von industriellen Anlagen und größerer maritimer Infrastruktur geprägt war. Hinter dem Ort war direkt ein Berg, auf dessen Spitze ein Gipfelkreuz stand, hinter welchem ein Township lag. Das Hostel, in dem wir übernachteten (zusammen mit den Freiwilligen aus der Gauteng Region) war topp. Der Ausblick auf das Meer war nett, zur Happy Hour gab’s günstige Cocktails und die ganze Anlage bot viele Möglichkeiten auf engem Raum.

    Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten (als einziger Junge der Gruppe musste ich in einen eigenen Dorm, da diese geschlechtergetrennt waren), wurde in einer Küche mit tollen Blick aufs Wasser gekocht. Am Abend unternahmen Charlie und ich noch einen kleinen Spaziergang auf der Suche nach Schokolade, was ich sehr genoss, denn es war das erste Mal, seit ich hier in Südafrika bin, dass es sicher war, im Dunkeln durch die Straßen zu laufen. Nach dem kleinen Ausflug entspannten wir alle (insgesamt 10-14 Leute, ich weiß es nicht mehr genau) in einer loungeartigen Sitzlandschaft draußen vor der Bar.

    Am nächsten Tag checkten wir wieder aus und nutzen die Zeit bis zur Abfahrt damit, uns das Städchen noch etwas näher anzusehen. Vorher konnte ich noch kurz die Familie von Milah, einer südafrikanischen Austauschschülerin, kennenlernen, die zurzeit bei uns Zuhause in Unkel wohnt. Während die anderen in einen Hippie-Shop liefen, erkundete ich die Straßen bei Tageslicht auf einge Faust. Insgesamt gibt es nicht so viel zu sehen, aber es gab nette Lokalitäten. Beispielsweise ein süßes kleines Café, dass mich von der Art her an unser „Krönchen“ in Unkel erinnerte und ebenso verpielt mit vielen Pastellfarben und Goodfeeling-Sprüchen eingerichtet war. Dort bekam ich eine heiße Schokolade für unterwegs, bevor wir wieder den Wagen bestiegen und uns auf den Weg zur nächsten Station machten.

    Mir persönlich hat Mossel Bay sehr gut gefallen und auch wenn man bemängeln könnte, dass es sehr touristisch ist, hat es einen interessanten Mix aus aufrikanischen und europäischen Flaire und es hat mich an einigen Stellen auch etwas an Deutschland erinnert, obwohl es mit der Lage am Strand, den warmen Temperaturen und lokalen Kultur ganz anders ist.
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  • Day111

    Weihnachten im Sommerlook

    December 24, 2018 in South Africa ⋅ ☀️ 25 °C

    Wie jedes Jahr, stand auch in diesem Weihnachten am 24. Dezember vor der Tür. Allerdings ein bisschen anders, als gewohnt. Wie in meinem vorherigen Blogeintrag zu lesen ist, sind wir am 21. aus den Drakensbergen zurückgekommen. Nach einer etwas stressigen Shoppingtour am nächsten Tag, um letzte Geschenke zu besorgen, waren am Heiligabend dann endlich alle vorbereitet. Dieses feierten wir in ziemlich großer Runde, da wir Besuch von den anderen SAGE Net Freiwilligen aus der Gauteng Provinz und dem Western Cape, genauer gesagt aus Kapstadt, hatten. Durch die große Gruppe, einer Temperatur von über zwanzig Grad und dem Fehlen der sonst klassischen Traditionen, die ich von Zuhause kenne, war die weihnachtliche Stimmung nicht wirklich vorhanden. Für mich fühlte es sich mehr wie ein Treffen unter Freunden mit Essen und guter Stimmung an, aber als irgendwann Weihnachtslieder liefen und wir unsere Geschenke auspackten, war es für einen Augenblick doch ein bisschen weihnachtlich. Es gab ein sehr leckeres Buffet, es wurde gesungen und sich lange unterhalten. Irgendann bin ich dann ins Bett gegangen, weshalb ich nicht genau sagen kann, wie lang es schlussendlich noch ging.

    Die nächsten Tage verbrachten wir hauptsächlich mit entspannen vom Urlaub und waren am Strand. Am 26., meinem Geburtstag, überraschten mich meine Mitbewohner, damit, dass sie mir den Bungyjump von der Bloukrans-Brücke schenkten. Dabei handelt es sich wohl um den höchsten (legalen) Bungyjump der Welt mit etwa 216m. Aktuell steht noch kein genaues Datum fest, aber in den kommenden Monaten werde ich wohl noch ein paar mal an der Gegend vorbeikommen.

    Ansonsten verlief Weihnachten sehr harmonisch, die Kreativen unter uns bemalten am ersten Weihnachtstag weiter unser Haus, bevor die Truppe am nächsten Tag weiterreiste und wir uns auch für unsere Tour nach Kapstadt am 27. vorbereiteten.
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  • Day105

    Testing the African Soil - Lesotho

    December 18, 2018 in South Africa ⋅ ⛅ 28 °C

    Von Coffee Bay aus ging es dann weiter Richtung Lesotho und den Drakensbergen. Die Straße hielt erneut einige Überraschungen für uns bereit, bereits kurz hinter dem Ortsausgang trabte eine kleine Kuhherde über die Straße und verzögerte die stockende Weiterfahrt um knapp zehn Minuten. Danach folgten Schlangenkurven, Schlaglöcher und ein etwas zwielichtig aussehendes Kaff, in dem wir kurz Pause machten. Dazu muss man noch sagen, dass selbst die Fahrt auf der „Autobahn“ nicht sonderlich spaßig ist, denn diese ist zwar ganz gut befestigt, aber leider meistens nur zweispurig, was es anstrengend uns teilweise gefährlich macht, LKWs oder andere Transporter zu überholen.

    Ansonsten verlief die Fahrt relativ problemlos und wir erreichten Nachmittags unser Backpackers, die Amphitheatre Lodge. Ein großes Gelände mitten im Nichts mit vielen Touristen aus aller Welt, aber nicht überfüllt. Es gab einen großen Campingplatz, eine nette Lounge mit Whirlpool und Sauna und ganz gemütliche Dorms.
    Den Abend verbrachten wir damit, zu kochen und etwas von der Autofahrt zu entspannen.

    Am nächsten Tag ging es dann richtig in die Berge, auf 3400m während einer siebenstündigen Wanderung mit Guide. Zwar lag kein Schnee auf den Kuppen, aber der Ausblick war fantastisch! Über riesige bemooste Berghügel wanderte der Blick über Kluften, Schluchten und unendlichen Weiten. Dabei verstand ich das erste Mal, woher der Name Drakensberge überhaupt kam: Die hügellige und gefurchte Landschaft sollte an einen riesigen schlafenden Drachen erinnern, das Wort „Draken“ entstammt der Sprache Afrikaans (die hier weitverbreitet überwiegend von der weißen Bevölkerung gesprochen wird) und bedeutet soviel wie Drache (engl. Dragon), was einleuchtend erscheint, da es aus dem Niederländischen enstanden ist, was wiederum dem Deutschen sehr ähnelt. Meine persönliche Vermutung ist allerdings, dass es sich tatsächlich nicht um einen Drachen handelt, zumindest im klassischen Sinne, sondern um einen Draken, was im Prinzip nichts anderes als ein flügelloser Drache ist (Falls Euch das Thema mehr interssiert, leite ich Euch gerne an Ben weiter, der kennst sich da noch ein bisschen besser aus, oder verlinke Euch auf die entsprechende Seite).

    Die Wanderung war jedenfalls der Hammer und unglaublich beeindruckend. So ging es die ersten eineinhalb Stunden stur gerade aus, immer mit der gleichen kontinuierlichen Steigung von ein paar Grad. Dabei musste eine Person leider aus gesundheitlichen Gründen abbrechen und die Gruppe verlassen, um am Wagen zu warten.

    Die zweite Hälfte des Anstiegs bestand größtenteils aus immens anstrengender Kraxelei eines Abhangs hinauf. Dafür war der Anstieg so lohnenswert wie kraftraubend, denn oben angekommen hatte man einen atemberaubenden Blick über die Landschaft. Wir rasteten auf einem Plateau an dessen Kante es senkrecht etwa tausend Meter hinab ging. Ich werde einige Fotos von der Wanderung hier hochladen, muss jedoch jetzt schon etwas enttäuscht zugeben, dass sie das einzigartige Panorama nicht ganz einfassen konnten. Deswegen empfehle ich es jedem, der Südafrika bereist sich einmal selbst ein Bild von den Drakensbergen zu machen, wo meines Wissens nach auch der Ursprung der Menschheit liegt, da sich die ersten Menschen sich wohl von hier aus überall hin verteilt haben sollen.
    Im Anschluss bekamen wir noch eine weitere Attraktion vor die Linse: den angeblich zweithöchsten Wasserfall der Welt. Klingt erstmal beeindruckend, war aber leider eher eine Entäuschung. Zwar war der Wasserfall sehr hoch und man konnte sogar in einem Becken vor dem Abgrund baden, aber die Wassermenge, die hinabfiel war mehr ein Rinnsaal. Hätte ich mich auf den Stein daneben gestellt und meine Wasserflasche ausgekippt, hätte ich schnell dem zweithöchsten Wasserfall der Welt den Platz abnehmen können.

    Der Rückweg war erneut abenteuerlich, denn es ging Strickleitern hinab, die fast senkrecht am Abhang lagen und ich bezweifle, dass es so etwas wie einen TÜV oder so in Südafrika gibt, denn zwar waren sie fest verankert, aber abgesehen davon gab es keine andere Absicherung. Außerdem gab es die „stabile“ und die „spaßige“ Version, wobei die eine Strickleiter star an der Wand anlag, während die andere etwas mehr herumschaukelte.
    Gerade als wir wieder im Van saßen und bereit für die Rückfahrt waren, kam die Meldung, dass es Proteste in dem Ort gab, durch den wir fahren mussten. Anscheinend war den Leuten dort seit mehreren Tagen Wassser und Strom abgestellt worden und aus Protest wurden alle Straßenzugänge blockiert. Angeblich brannten wohl auch Busse, weshalb wir für weitere eineinhalb Stunden in ein kleines nahegelgenes Hotel fuhren und uns dort mit Kaffe und Tee versorgten. Als es dann schlussendlich wieder zurückging, gerieten wir noch in ein relativ heftiges Unwetter. Wieder zurück im Backpackers legte sich der Sturm rasch und man konnte einen gemütlichen Abend genießen.
    Außerdem ist es spannend, wem man in den Hostels so begegnet. Am Abend unterhielten wir uns ziemllich lange mit zwei Studenten aus Dresden über das Studium, Afrika und eine Menge anderer Themen. Am nächsten Tag war rumgammeln angesagt und ich lernte einen netten Texaner namens Brian kennen, der eine Art zweijährigen Freiwilligendienst in der Nähe Pretorias, soweit ich mich erinnere, macht.

    Nach dem erholsamen Nichts-tu-Tag ging es dann am 21ten Dezember wieder zurück. Die Autofahrt am Stück von ungefähr erneut eintausend Kilometern war in unserem kleinen Chico definitiv anstrengend, aber alle waren stolz auf unser Auto, diese enorme Strecke ohne größere Probleme bewältigt zu haben.

    Insgesamt würde ich dem Urlaub 4/5 Sternen geben, da mich Coffee Bay zwar nicht in Gänze überzeugt hat, aber dafür die Drakensberge umso beeindruckender waren und es auch das Hostel topp war und viele Freizeitaktivitäten geboten hat.
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  • Day103

    Testing the African Soil - Coffee Bay

    December 16, 2018 in South Africa ⋅ ☀️ 27 °C

    Mitte Dezember ging in Südafrika der vierte und letzte Schoolterm vorbei und damit standen die großen Sommerferien an. Für uns Freiwillige bedeute das, dass wir unsere erste richtige Reise antreten konnten.
    Ziel waren die etwa tausend Kilometer entfernten Drakensberge. Geplant waren zwei Fahreinheiten mit eintägiger Unterbrechung in dem kleinen Coffee Bay an der Wild Coast. Unser Autovermieter, welcher anfangs gar nicht begeistert von der Idee war, warnte uns direkt vor Schlaglöchern, Trickbetrügern und Autopannen. Da die Wild Coast nicht so sehr touristisch erschlossen ist, wie die Garden Route, sondern noch etwas natürlicher ist, waren die Straßen tatsächlich in keinem sehr guten Zustand, allerdings weit besser, als wir bei den pessimistische Vorausdeutungen von Karl (niemand kennt unseren Autovermieter unter anderem Namen) erwartet hatten. Dementsprechend gibt es über die Fahrt nach Coffee Bay wenig Interessantes zu sagen, außer, dass sie in unserem kleinen Golf 1 sehr anstrengend war.

    Coffee Bay selbst ist ein kleiner Ort, der aus praktisch nur einer Straße besteht und die so ungefähr aus nur einem Backpackers. Dieses wiederum ist dafür sehr groß. Ansonsten zur raumanalytischen Beschreibung Coffee Bays gibt es zu sagen, dass es etwa auf halber Strecke zwischen Port Elizabeth und Durban liegt. Es ist eingebettet in eine Hügelkette, von deren Spitze aus man einen wunderschönen Blick in die Abendsonne hat. Die Strände sind leider sehr felsig und es gibt unerwartete Strömungen, die das Badeerlebnis auch schnell in ein unangenehmes Abenteuer verwandeln können.

    Größte Überraschung für uns war jedoch, dass aufgrund der Tatsache, dass der 16 Dezember ein nationaler Feiertag ist, beinahe der komplette Strand in dem winzigen Ort voll mit Menschen war. Da wir sieben (hatten noch zwei Bekannte von Anne, ebenfalls Freiwillige, in dem Hostel getroffen) so ungefähr die einzigen Weißen waren, gab es innerhalb weniger Minuten unmengen Aufsehens um uns. Uns allen war es sehr peinlich, alle drei Minuten von jemandem angequatscht zu werden, der ein Foto mit einem machen will, aber irgendwann wurde es richtig nervig, als die Leute aufhörten zu fragen, und neben uns posierten, ungefragt Fotos mit uns machten und sich sogar zu uns legten, während wir am Strand einfach entspannen wollten. Nach einiger Zeit verzogen wir uns zurück ins Hostel.

    Am nächsten Tag erkundigten wir ein wenig den Ort, während Lena einen Surfkurs machte, was sich jedoch schnell erledigte, da er wirklich winzig war. Nachmittags wurde auf den Felsen am Meer entspannt (diesmal ohne gestört zu werden), während wir uns am Abend erneut aufteilten. Ein paar gingen mit zwei Kumpels aus dem Hostel sich eine Sehenswürdigkeit anschauen, während wir anderen auf die Hügelkette fuhren und den Sonnenuntergang bewunderten. Abends gingen wir dann noch mit den zweien aus dem Hostel was essen, wobei sich der eine als Zane vorstellte und angeblich wohl professioneller Pokerspieler sei Richtig merkwürdig wurde es, als ihm in dem kleinen Lokal (mehr eine Art Biergarten auf einem Balkon) zu heiß wurde und er vor versammelter Mannschaft sein Tshirt auszog, und von da an Oben-ohne weiteraß.

    Am nächsten Tag war Abfahrt angesagt und wir fuhren so früh es ging zur nächstgelegenen Tankstelle, welche erst um sieben Uhr morgens öffnete und etwa zwanzig Kilometer weit entfernt war.

    Insgesamt ist Coffee Bay eine wunderschöne verträumte Ecke, die sich auf jeden Fall einen Besuch lohnt, aber nicht für einen längeren Aufenthalt, da es meiner Meinung nach nicht allzuviel zu machen oder zu sehen gibt und sich somit eher für einen Zwischenstop mit Übernachtung eignet, um den romantischen Sonnenuntergang zu bewundern, denn als richtiges Urlaubsziel.
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  • Day94

    Summercamp 2

    December 7, 2018 in South Africa ⋅ ☀️ 22 °C

    Diesen Freitag ging es auf das Summercamp der High School Kids. Wie bereits das erste Camp im Oktober fand auch dieses etwas außerhalb der Stadt nahe Despatch statt.
    Die Abfahrt war auf 10:00 Uhr veranschlagt, was im Gegensatz zum letzten Mal erstaunlich gut funktionierte. Auch fuhr ich dieses Mal nicht im Crafter von Mr. Rush mit, sondern im Bus mit den Kids. Ich durfte sogar ganz vorne neben dem Busfahrer am Fenster sitzen :).
    Nach etwa einer Dreiviertelstunde Fahrt erreichten wir das Camp, wo wir zuallererst unsere Zimmer bezogen. Wie letztes Mal teilte ich mein Zimmer mit Fu und Yonela, aber dieses Mal war auch Fabian, ein internationaler Student aus Deutschland, der ein Auslandssemester an der Nelson Mandela University macht und schon häufiger mit uns unterwegs war, dabei. Zudem kam ab Sonntag auch Manelisi, ein weiterer Kollege des Learn4Life-Teams, dazu.
    Der Tagesplan sah für die ersten Tage etwa folgendermaßen aus:

    6:30 - 7:00 Uhr Morgensport
    8:00 - 9:00 Uhr Frühstück
    9:00 - 13:00 Uhr Workshops mit (Teabreak zwischendurch)
    13:00 - 14:00 Uhr Mittagessen/Lunch
    14:00 - 15:00 Uhr Freizeit
    15:00 - 18:00 Uhr Outdoor Activity
    18:00 - 19:00 Uhr Abendessen
    19:00 - 20:00 Uhr Freizeit und Teammeeting
    20:00 -22:00 Uhr Night Activity
    22:00 - 22:30 Uhr Freizeit
    22:30 Uhr Nachtruhe

    Soweit der Plan, in Realität haben sich die Zeiten jedoch meistens verschoben.
    Das Thema des Camps dieses Jahr war Globalisierung und Xenophobie, sowie die Bedeutung und Verantwortung des Einzelnen im globalen Zusammenhang. Die Kids sollten sich eigene Länder ausdenken und für diese Regeln und Gesetze, sowie Flaggen, Währungen, Sprachen und vieles anderes erfinden. Das sollte die Komplexität eines Staates und das Zusammenspiel mit anderen Ländern, vermute ich, darstellen. Am nächsten Tag wurden Gefahren im Internet und verantwortungsvolles Nutzerverhalten besprochen. Dabei sollten die Kinder Regeln aufstellen und über ihr eigenes Verhalten reflektieren.
    Als Teil des Outdoorteams war ich nachmittags meistens mit den Outdooraktivitäten beschäftigt und habe von Kursinhalten dadurch relativ wenig mitbekommen. Da mir die Rolle des Fotografen dieses Mal zufiel, habe ich dennoch in jede Gruppe und ihre Unterrichtsinhalte einen Blick werfen können.

    Am ersten Nachmittag machten wir mit den Kids einen Hindernismarathon, wo es verschiedene Hürden zu nehmen galt, bevor man den Stab überreichen konnte. Beispielsweise musste man durch Hula-Hoop- Ringe klettern, mit aneinander gebunden Beinen rennen, sich verkleiden oder in einem Eierlauf mit seinem Ei heil beim nächsten Läufer des Teams ankommen. Danach gab es noch einen Buiscuit-Run. Aufgabe dabei war es, zu einem in der Mitte platzierten Tisch zu rennen, einen Keks zu essen und zurück zum Team zu laufen, um den nächsten Teamkollegen abzuklatschen. Das Team, bei dem als erstes alle Teammitglieder ihren Keks ganz aufgegessen hatten und zurück gelaufen waren, hatte gewonnen.
    Weitere Aktivitäten waren ein Hindernislauf, an einem Nachmittag ein Wasserspiel, Schwimmunterricht, Basketball, Volleyball und einige andere Spiele.

    Ein ganz besonderes Highlight in meinen Augen war die Nachtwanderung, welche von meinem Kollegen Yonela durchgeführt wurde. Mit ruhiger Stimme bat er die Kinder ganz leise zu sein, nicht zu sprechen und sich auf eine Geschichte einzulasse. Danach erzählte er von der Situation vieler Flüchtlinge aus Simbabwe, die nach Südafrika fliehen und schaffte eine beeindruckende Atmosphäre. Die authentische Erzählweise ermöglichte einem wirklich, sich gut in die Situation hineinzuversetzen und in der Diskussion im Anschluss, teilten viele ihre Empfindungen und es wurde übeer Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gesprochen
    So in etwa verliefen die Tage, bis am Montag dann die Reihenfolge etwas geändert wurde und es abends noch eine Veranstaltung für die Schüler der Klassen elf und zwölf gab, zusammen mit einer Verabschiedungszeremonie für die Absolventen. Parallel dazu hat ein Teil des Outdoorteams und ein paar andere Betreuer für alle gebraait.
    Am letzten Tag gab es dann eine weitere Abschlussveranstaltung, bei welcher die Workshopgruppen ihre Ergebnisse in Form von Tänzen, Theaterdarbietungen, Ausstellungsstücken oder Videos präsentierten.

    Insgesamt muss ich sagen, dass ich dieses Summercamp noch etwas besser fand, als das letzte. Die Schüler (viele auch in meinem Alter oder sogar älter) haben gut mitgemacht, die Outdooraktivitäten haben alles in allem sehr gut funktioniert und das meisten sogar in der vorgesehenen Zeit. Das Team war nett, es war wärmer und ich hab mich mit viel mehr Leuten unterhalten können, weil man sich vom letzten Camp oder von der Arbeit mittlerweile kannte.
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  • Day85

    Das Township

    November 28, 2018 in South Africa ⋅ 🌬 17 °C

    Das Walmer Township in dem ich arbeite, offizieller Name hier Gqebera, ist das einzige stadtinterne Township, dass man in Port Elizabeth finden kann. Laut einer Einwohnerzählung leben hier angeblich ca. 30.000 Menschen, die Dunkelziffer wird jedoch deutlich höher geschätzt. Es liegt neben dem Flughafen und hat eine ganz besondere Bedeutung in der Geschichte der Stadt. 1898 kam es im Zuge der Apartheit zu einer Stadträumung, bei der bisher überwiegend „schwarze“ Wohnviertel nach außerhalb der Stadt verlegt wurden, um neuen Wohnraum für die weiße Bevölkerung zu schaffen. Im Walmer Township gab es jedoch starke Gegenproteste und die Einwohner weigerten sich zu gehen. Unterstützt wurden sie dabei von einigen weißen Familien aus dem anliegenden Suburb (unsere Wohngegend). Die vorerst nobel erscheinende Geste hatte jedoch mehr praktische und eigennützige Gründe, da man es als vorteilhaft erachtete, wenn die Angestellten möglichst nah am eigenen Stadtviertel wohnten, da die Pünktlichkeit und Verfügbarkeit wesentlich besser waren. Dennoch war dies einer der Mitgründe, warum das Walmer Township, oder einfach nur „Walmer Location“ von den Bewohnern gennant, bis heute existiert.
    An der Situation von damals hat sich meiner Einschätzung nach, jedoch noch nicht viel geändert. Die Entwicklung/Tendenz sieht zwar besser aus, aber eine Verbessung des Lebensstandarts im Township hat gerade erst begonnen. Ein Beispiel dafür ist, dass es sich die südafrikanische Regierung zum Ziel gesetzt hat, jedem Einwohner ein richtiges kleines Steinhaus zu bauen. Mein Arbeitsplatz liegt relativ am Eingang des Townships, wo die meisten Wellblechhütten gegen solche Häuser ersetzt wurden, weshalb ich lange Zeit dachte, unser Township wäre eine Art edles oder besonders wohlhabendes Township im Vergleich zu den anderen, die man aus den Nachrichten kennt. Das war eine Fehleinschätzung. Nach einer Township-Tour in der zweiten oder dritten Woche mit unserem Mentor Jonas, in welcher wir tiefer in die Location fuhren, sah ich viele Blechhütten eng aneinander gereiht und verfallende Steinhäusschen, deren Bewohner zwar die vom Staat versprochene Unterkunft erhalten hatten, aber nicht über die Mittel verfügten, diese in Schuss zu halten, geschweige denn selbst reparieren zu können. Kleine Anmerkung: laut Jonas ist so ein Steinhaus etwa 5000 Rand wert, was umgerechnet ca 300 Euro entspricht. Daran zeigt sich schon, dass die subventionierten Häuser ohnehin nicht wirklich das Beste sein können. Ein anderer Grund für eine Verbesserung ist, dass sich immer mehr Organissationen für das Township einsetzen, vorzugweise NGOs, wobei Masifunde soweit ich es einschätzen kann, eine der Größten ist.
    Besonders das Viertel Airport Valley hat es schwer getroffen. Es ist der ärmste Teil des Townships und liegt direkt neben dem Flughafen, weshalb es der Stadtverwaltung immer ein Dorn im Auge war, aber bis heute nicht geräumt werden konnte. Die Bewohner sind auch sehr stolz auf ihre Geschichte und das es ihnen bis heute gelungen ist, sich erfolgreich gegen Räumungsversuche zu wehren. Zudem leben hier mittlerweile bei weitem nicht nur noch Südafrikaner, sondern auch Somalier, Leute aus Simbabwe, Nigeria und und und. Dabei ist der Rassismus, zu dem es eventuell auch noch einen eigenen Blogeintrag gibt, unter den Afrikanern angeblich schlimmer, als zwischen der schwarzen und der weißen Bevölkerung. Gewalt gegen Ausländer anderer afrikanischer Länder ist nich unüblich und es kommt schnell zu Eifersucht und Gewalttaten. Insgesamt herrscht ein großes Problem im Township mit Gewalt, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Teenagerschwangerschaften, Überfällen und vielen anderen teilweise sehr heftigen Problemfeldern.
    Darum gibt es auch einige Regeln, wie man sich im Township zu verhalten hat: zum Einen darf man nie ohne Begleitung weiter ins Township hingehen, als den Arbeitsweg selbst und es gibt viele Gebiete, in denen seit Jahren keine Weißen mehr herumgelaufen sind und überhaupt erst seit Masifunde regelmäßig Leute für seine Projektarbeit ins Township schickt und regelmäßig jedes jahr neue Freiwillige hierhin kommen, war es für die Leute normal, Bewohner aus dem Suburb etc zu treffen. Außerdem sollte man niemals Wertsachen offen mit sich herumtragen, da es sogenannes Grab-and-Run gibt, wo einem das Handy oder was auch immer einfach aus dem Nichts aus der Hand gerissen wir und der Betroffene erst gar nicht realisiert, was passiert ist, ist der Dieb schon längst über alle Berge. Oder man wird direkt überfallen, da gibt es beispielsweise eine Abkürzung zu unserer Arbeit, die ein paar von uns zu Anfang mehrmals genutzt hatten, bis wir darauf hingewisen wurden, dass es ein No-Go wäre, hier entlang zu laufen, da die Überfallgefahr auf den circa 200m bei gefühlt 95% liegt. Es soll wohl Kids geben, die aus den anliegenden Büschen springen und einen mit Messern und manchmal sogar Handfeuerwaffen bedrohen. Aber genug davon, zur Kriminalität habe ich ja bereits etwas geschrieben. Jedenfalls nehme ich meine Kopfhörer fast immer ab, wenn ich das Township betrete und überprüfe meistens nochmal, ob alle Reisßverschlüsse an meinem Rucksack zu sind und nicht wertvolle Sachen offen zu sehen ist.
    Das größte Problem des Townships liegt jedoch in der Bildung der Bevölkerung. Zwar gibt es eine Grund- und weiterführende Schule (Hier Primary und High School), aber nach einer in den letzen Jahren, glaube ich, aufgeführten Statistik schaffen es im Schnitt von 100 Schülern, die die Schule besuchten nur etwa 56 in die zwölfte Klasse, 13 von ihnen bestanden die Abschlussprüfungen und nur von zweien war das Ergebnis gut genug, um sich an den südafrikanischen Universitäten zu bewerben. Dieser schlechte Schnitt ist der Hauptgrund, warum schon in der Primary School viele Kids es aufgeben, die Schule zu besuchen oder für Prüfungen anständig zu lernen, da die meisten davon ausgehen, es ohnehin nicht zu schaffen, die Final Exams zu bestehen, wenn sie denn bis dahin kommen. Hinzu kommen teilweise extreme familiäre Belastungen, häusliche Gewalt, viele Waisen, die bei Verwandten aufwachsen, Kataststophen und und und.
    Fazit: Insgesamt schätze ich, dass Walmer Township eigentlich gute Chancen hat, in Zukunft zu wachen und seinen Bewohern einen besseren Lebensstandart bieten zu können, da Regierung und und Nicht-Regierungs-Organisationen sich immer mehr für die Leute einsetzten. Davor gilt es jedoch, einige Probleme zu lösen und vor allem die große Bildungslücke zu schließen, damit mehr Kids es auf die Uni schaffen, um später im Township neue soziale Strukturen aufzubauen und eine neue Generation Kinder frei von Gewalt großzuziehen.
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  • Day74

    Tsitsikamma

    November 17, 2018 in South Africa ⋅ ☀️ 21 °C

    Dieses Wochenende ging es das erste mal die Garden Route entlang (Jeffrey’s Bays Ausflug mal abgesehen) zum Tsitsikamma National Park. Unterwegs waren wir mit unserer Freundin Emily, eine Amerikanerin aus der Nähe von Boston, welche hier ein knappes Jahr lang an der örtlichen Universität unterrrichtet. Am Freitagnachmittag ging es um drei Uhr los, allerdings nicht direkt in den Park, sondern wir besuchten die Eltern von einer von Emilys Studentinnen, etwa eineinhalb Stunden entfernt vom Tsitsikamma National Park. Unsere Gastgeber waren weiße Farmer wie aus dem Buche. Er, namens Neil, war in der Gegend um Tsitsikamma aufgewachsen und war dann in die Armee gegangen, bevor er entschied, wie sein Vater Gemüsefarmer zu werden. Seine Frau Anne, stammte aus England, schien aber schon einige Jahre in Südafrika zu leben. Das Haus in dem sie wohnten war stilvoll eingerichtet mit afrikanischen Holzmöbeln und Dekorationsartikeln und die Terasse war vollunterdacht und bot neben einem Grill auch einen herrlichen Blick über die Landschaft, welche hauptsächlich von Feldern und Baumalleen dazwischen geprägt war. Im Horizont sah man die Silhouetten einiger Berge. Also ingesamt ein sehr romantisches Plätzchen mit großem Pool im Garten und einem Wohnzimmer praktisch unter freiem Himmel. Unsere Gastgeber waren auch sehr nett und luden uns direkt auf ein Bier oder zwei ein, allerdings merkten man schnell, dass sie ein Paradebeispiel weißer Farmer waren. Während des Gesprächs fielen immerwieder Bemerkungen von ihnen, die uns allen etwas hinterwäldlerisch und ich will nicht sagen rassistisch, aber definitv nicht angebracht gegenüber einigen Bevölkerungsgruppen hier in Südafrika waren.
    Danach fuhren sie mit uns zu ihrem nahegelegenen Ferienhaus, wo sie uns kurz alles zeigten, bevor sie uns allein ließen. Wir bezogen unsere Zimmer und ich muss sagen, die Einrichtung war sehr die umfangreichste, die ich hier in SA bisher gesehen habe. Mit Emily zusammen kochten wir uns was Nettes und beoachteten die Sonne, die über den Orangenbäumen neben unserem Haus unterging. Neben der ersten Spülmaschine, die ich hier gesehen habe, war auch meine Matraze ganz gut und ich konnte richtig ausschlafen.
    Am nächsten Tag ging es mit unserem Chico dann weiter in den Tsitsikamma National Park. Dort wanderten wir ein paar Stunden entlang der Küste über die Berge und bewunderten ein atemberaumbendes Panorama. Highlight war zudem die große Hängebrücke über eine der Buchten.
    Am späten Nachmittag trennten wir uns dann von Emily, die zurück nach PE musste, da sie noch was für die Uni zu erledigen hatte, eine ihrer letzten Stunden, da sie nächsten Samstag abreist. Für uns ging es in ein nahegelegenes Hostel namens „Wild Spirit“, das wie ein sehr großes Patchworkbaumhaus an einen Hang gebaut worden war. Wir kochten uns etwas und entspannten in der Lounge. Ich genehmigte zum Ausklingen noch ein gekühltes Savannah, der beste Cider, den es hier gibt, und wir unterhielten uns mit eine paar internatonal Students aus Deutschland, welche gerade am herumreisen waren und von denen wir einen auch schon aus PE kannten.
    Ich denke bei Gelegenheit werde ich zu den lokalen Spirituosen, Bieren und leckeren Gerichten noch einmal einen eingenen Blogeintrag machen, sobald ich ein paar mehr kennengelern habe.
    Am Sonntag ging es dann weiter Richtung Plettenberg Bay, wobei wir das Elephant Sanctuary skippten, da es uns einfach zu teuer war und gingen in einem Restaurant etwas essen, bevor es nach einer kurzen Strandbesichtigung dann wieder zurück Nachhause ging.
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  • Day72

    DDR meets South Africa

    November 15, 2018 in South Africa ⋅ 🌙 17 °C

    Heute ging es mit unseren Mitfreiwilligen aus dem Masinyusane-Projekt ins Theater. Der Titel des Stücks hieß „Changes“ und es war lustigerweise eine Kooperation des Staatstheaters Oldenburg mit dem Operahouse Port Elizabeth. Thematisiert wurden die Parallelen zwischen der Apartheid in Südafrika und dem Überwachungssystem der DDR, sowie deren Zerfall.
    Das Stück begann mit einer flüchtenden Südafrikanerin ins nahegelegene Lesotho, welche von einem weißen Wissenschaftler über die Grenze geschmuggelt wurde. Dort schloss sie sich einer Widerstandsgruppe an, über welche sie Kontakte nach Westdeutschland bekam und an einer Art Austauschprogramm teilnahm. Nach einer anstrengenden Reise landete sie im schönen Hamburg. Zu Anfang völlig verloren stieß sie nach einigem Suchen auf den jungen Thorsten Mann. Dieser verstand ihre Vergangenheit, da er selbst als DDR-Flüchtling viele Strapazen auf sich genommen hatte. Er hatte an der Ostseeküste gelebt und war mithilfe eines selbstgebauten Segelsurfbretts nachts nach Dänemark geflohen. Dramatisch beschrieb Thorsten seine Reise, die Fluch über den Strand, den Hundeatem beinahe schon im Nacken, Taschenlampen, die die Umgebung durchforsteten und dann die vielen Stunden auf See, in dem Wissen, dass er jederzeit vom Meer verschlungen werden könnte.
    Ich fand die Beschreibung sehr beeindruckend und selbst die Grundschulkinder in den vorderen Reihen waren ganz still.
    Von Dänemark reiste Thorsten dann nach Hamburg, wo er sie (ich habe leider ihren Namen vergessen...) traf.
    Die beiden heirateten 1987 und zogen nach Südafrika. Dort wurden sie von vielen schief angesehen und sie erzählte ihre Geschichte, wie es war unter der Apartheid zu leben. Zu diesem Zeitpunkt hätte es bereits ein Happy End geben können, aber wie der liebe Geschi-LK Sieg es uns gelehrt hat, kam es zwei Jahre später zum berühmten Mauerfall. Zum erstenmal außerhalb der DDR entschied Thorstens alter Freund Thomas sich, seinen Freund in Südafrika zu besuchen. Dort angekommen, völlig überfordert mit den vielen neuen Eindrücken, gelang es ihm schließlich auch diesen zu finden. Die DDR wurde in Südafrika zu diesem Zeitpunkt scheinbar als eine Art Prototyps-Modell betrachtet, denn Thomas stieß immer wieder auf Leute, die begeistert darauf reagierten, dass er aus einem sozialistischen System kam und einige planten selbst eines in Südafrika aufzubauen.
    Ganz besonders sichtbar wurden die Parallelen, als der DDR-Gegner Thomas und der sozialisische Südafrikaner sich über ihre Vorstellungen von Staat, Politik und Lebensweise unterhielten und der eine von dem klassischen Bild des Sozialismus‘ schwärmte, während der andere abwehrend von dessen fatalen Folgen berichtete. Ein ganz besonders wichtiger Punkt dabei war für Thomas die Tatsache, dass die DDR ihre Bürger zwang, sich gegenseitig zu bespitzeln. An dieser Stelle nahm die Geschichte erneut Fahrt auf, denn wie sich herausstellte, hatte Thorsten für die Stasi gearbeitet und Thomas nachspioniert. Natürlich nicht freiwillig und es tat ihm in seinen Geständnis auch offensichtlich leid, aber Thomas, zutiefst getroffen, wehrte ab. Um das Geschehen und den Ärger nach dieser Offenbarung abzukürzen: Thomas hatte die Erkenntnis, dass wenn er sich wirklich von der DDR lösen und einen Neuanfang starten wolle, er sich zuallererst von seinem Hass lösen und lernen müsste, zu vergeben und sich daraufhin sich mit Thorsten wieder versöhnen.
    Insgesamt fand ich das Theaterstück richtig gut, denn es erinnert mich stark an unseren Geschi-Unterricht und auch an meine Abenteuer hier, wie ich völlig überrumpelt meine ersten Erfahrungen mit südafrikanischer Kultur gemacht habe.
    Dabei habe ich jedoch wieder feststellen müssen, wie schade es ist, dass der Geschichtsunterricht in Deutschland so auf Europa fokussiert ist, dass man normalerweise die Geschichte Südafrikas und vieler anderer Länder, nicht wirklich wahrnimmt.
    Auf jeden Fall einen Besuch wert und wer sich ebenfalls dafür interessieren sollte, es soll wohl auch noch eine Deutschlandtour geben.
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  • Day68

    Smalltalk mit Gott

    November 11, 2018 in South Africa ⋅ ⛅ 21 °C

    Diesen Sonntag waren wir das erste Mal in einem südafrikanischen Gottesdienst. Eingeladen wurden wir von unserer Kollegin und Freundin Noni, welche selbst Mitglied in der freien (ich glaube katholischen aber auf jeden Fall christlichen) Kirche ist. Grund der Einladung war ein spezielles Jugendevent, dass von Donnerstag bis Montag gefeiert wurde. Bei dem Kirchengebäude handelte es sich um einen kleinen betonierten Raum mitten im Township. Der Boden bestand aus einem grau-weiß-Mix mit einem großen roten Kreuz entlang des Mitttelgangs. Im Raum waren Stühle und Bänke für die Leute verteilt, und Wände waren mit weißen und roten Vorhängen geschmückt worden. Am Kopfende des Mittelgangs war eine kleine Freifläche, welche immer wieder für Tänze benutzt wurde und dahinter, etwas nach links (vom Eingang aus) verrückt, die Kanzel mit einer Bank dainter, wo die hochrangigen Gemeindemitglieder saßen. Kaum hatten wir den Raum betreten, wo ich mich zu den anderen setzten wollte, wurde ich darauf hingewiesen, dass ich als Junge getrennt von den anderen auf der Männerbank am rechten Ende des Raumes sitzen sollte. Ich fand den Sitzplatz zuanfang nicht besonders toll, da ich wie auf dem Präsentierteller für alle Gemeindemitgleder (schätzungsweise 60-70 Leute) saß. Die Mädels dagegen saßen wie alle anderen Frauen, auf den Bänken im Raum, bevor sie dann auf eine eigene Bank mir gegenüber gesetzt wurde. Dafür stellte ich fest, dass ich einen sehr guten Blick auf das Geschehen an der Kanzel und davor hatte, was jedoch keinesfalls so ruhig und kühl wie in Deutschland blieb. Bevor ich mit dem Gottesdienst anfange zuerst noch eine kleine Bemerkung zu der traditionellen Kleidung der Mitglieder. Der Dresscode schrieb für die Männer Buisnesslook mit schwarzem Jacket und Hose nach Wahl vor, während die Frauen weiße Kleider und Mützen trugen, was einen im ersten Augenblick an Krankenschwesteruniformen während des zweiten Weltkriegs (siehe Film Pearl Harbor) erinnern ließ. Dazu ein rote Krempe.
    Der Gottesdienst begann mit einem Tanz, der uns Begrüßen sollte. Die Musik war hauptsächlich Acapella und die einzigen Instrumente waren kleine Kissen, auf die man schlug und deren dumpfes Klopfen den Takt vorgab, so wie verschiedene Rasseln.
    Im Anschluss wurde aus der Bibel vorgelesen – leider auf Xhosa. Zum Glück hatte mein Sitznachbar auf seinem Tablet eine Xhosa – Englisch-Übersetzung der Bibel, damit ich mitlesen konnte. Die Predigt handelte unteranderem von dem Buch Exodus, soviel ich verstehen konnte. Danach wurde wieder getanzt und dann ein paar Kinder getauft. Es gab ein Abendmahl, wobei der Traubensaft aus Shotgläsern getrunken wurde und dann eine Predigt. Zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits um die zwei Stunden im Gottesdienst und es wurde spürbar wärmer und begann zu müffeln. Kleiner Reminder: bei uns fängt bald der Sommer an :). Jedenfalls wurde es ab diesem Zeitpunkt richtig merkwürdig, denn die Predigt war kein normaler ruhig gesprochener Text passend zum Thema, sondern nach nur wenigen Minuten sprach der Pastor nicht mehr normal, sondern schrie die Menge förmlich an. Das Rumgebrülle sollte uns wohl einschüchtern, während er uns die Wahrheit über die Welt vermittelte oder so, zumindest war das mein Eindruck, denn alle waren mucksmäusschen still, während der Pastor extatisch am rumschreien war. Dabei fuchtelte er noch mit den Armen herum, was die ganze Situation noch skuriler und meiner Meinung nach etwas lächerlich machte.
    Aber damit nicht genug, danach wurden die Mitglieder in Gruppen auf die kleine Fläche vorne gebeten und sollten die Augen schließen, während vier hochrangige Mitglieder herumliefen, sie anbrüllten, Jesus dankten und ihre Köpfe packten und schüttelten, als würden sie versuchen, ihnen den Glauben einzuprügeln. Aber die Gehirnwäsche funktionierte! Einige Mitglieder brachen in Tränen aus , während andere es nicht wagten eine Miene zu verziehen. Nach etwa vier Stunden Gottesdienst kam Noni zu uns, um uns nach draußen zu begleiten, dort gab es noch etwas zu essen, bevor wir wieder Nachhause fuhren. Insgesamt würde ich sagen, war die Kirche eine der krassesten und merkwürdigsten Erfahrungen war, die ich hier nicht wieder brauche. Der Gottesdienst im Ganzen dauerte übrigens 11 Stunden...
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