Mats

Mein Name ist Mats und ich bin 18 Jahre alt. Derzeit lebe ich in Port Elizabeth, Südafrika und mache hier mit weltwärts einen Freiwilligendienst. In diesem Blog versuche ich einige meiner Erfahrungen festzuhalten und mit anderen zu teilen.
Living in: Unkel, Deutschland
  • Day68

    Smalltalk mit Gott

    November 11 in South Africa

    Diesen Sonntag waren wir das erste Mal in einem südafrikanischen Gottesdienst. Eingeladen wurden wir von unserer Kollegin und Freundin Noni, welche selbst Mitglied in der freien (ich glaube katholischen aber auf jeden Fall christlichen) Kirche ist. Grund der Einladung war ein spezielles Jugendevent, dass von Donnerstag bis Montag gefeiert wurde. Bei dem Kirchengebäude handelte es sich um einen kleinen betonierten Raum mitten im Township. Der Boden bestand aus einem grau-weiß-Mix mit einem großen roten Kreuz entlang des Mitttelgangs. Im Raum waren Stühle und Bänke für die Leute verteilt, und Wände waren mit weißen und roten Vorhängen geschmückt worden. Am Kopfende des Mittelgangs war eine kleine Freifläche, welche immer wieder für Tänze benutzt wurde und dahinter, etwas nach links (vom Eingang aus) verrückt, die Kanzel mit einer Bank dainter, wo die hochrangigen Gemeindemitglieder saßen. Kaum hatten wir den Raum betreten, wo ich mich zu den anderen setzten wollte, wurde ich darauf hingewiesen, dass ich als Junge getrennt von den anderen auf der Männerbank am rechten Ende des Raumes sitzen sollte. Ich fand den Sitzplatz zuanfang nicht besonders toll, da ich wie auf dem Präsentierteller für alle Gemeindemitgleder (schätzungsweise 60-70 Leute) saß. Die Mädels dagegen saßen wie alle anderen Frauen, auf den Bänken im Raum, bevor sie dann auf eine eigene Bank mir gegenüber gesetzt wurde. Dafür stellte ich fest, dass ich einen sehr guten Blick auf das Geschehen an der Kanzel und davor hatte, was jedoch keinesfalls so ruhig und kühl wie in Deutschland blieb. Bevor ich mit dem Gottesdienst anfange zuerst noch eine kleine Bemerkung zu der traditionellen Kleidung der Mitglieder. Der Dresscode schrieb für die Männer Buisnesslook mit schwarzem Jacket und Hose nach Wahl vor, während die Frauen weiße Kleider und Mützen trugen, was einen im ersten Augenblick an Krankenschwesteruniformen während des zweiten Weltkriegs (siehe Film Pearl Harbor) erinnern ließ. Dazu ein rote Krempe.
    Der Gottesdienst begann mit einem Tanz, der uns Begrüßen sollte. Die Musik war hauptsächlich Acapella und die einzigen Instrumente waren kleine Kissen, auf die man schlug und deren dumpfes Klopfen den Takt vorgab, so wie verschiedene Rasseln.
    Im Anschluss wurde aus der Bibel vorgelesen – leider auf Xhosa. Zum Glück hatte mein Sitznachbar auf seinem Tablet eine Xhosa – Englisch-Übersetzung der Bibel, damit ich mitlesen konnte. Die Predigt handelte unteranderem von dem Buch Exodus, soviel ich verstehen konnte. Danach wurde wieder getanzt und dann ein paar Kinder getauft. Es gab ein Abendmahl, wobei der Traubensaft aus Shotgläsern getrunken wurde und dann eine Predigt. Zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits um die zwei Stunden im Gottesdienst und es wurde spürbar wärmer und begann zu müffeln. Kleiner Reminder: bei uns fängt bald der Sommer an :). Jedenfalls wurde es ab diesem Zeitpunkt richtig merkwürdig, denn die Predigt war kein normaler ruhig gesprochener Text passend zum Thema, sondern nach nur wenigen Minuten sprach der Pastor nicht mehr normal, sondern schrie die Menge förmlich an. Das Rumgebrülle sollte uns wohl einschüchtern, während er uns die Wahrheit über die Welt vermittelte oder so, zumindest war das mein Eindruck, denn alle waren mucksmäusschen still, während der Pastor extatisch am rumschreien war. Dabei fuchtelte er noch mit den Armen herum, was die ganze Situation noch skuriler und meiner Meinung nach etwas lächerlich machte.
    Aber damit nicht genug, danach wurden die Mitglieder in Gruppen auf die kleine Fläche vorne gebeten und sollten die Augen schließen, während vier hochrangige Mitglieder herumliefen, sie anbrüllten, Jesus dankten und ihre Köpfe packten und schüttelten, als würden sie versuchen, ihnen den Glauben einzuprügeln. Aber die Gehirnwäsche funktionierte! Einige Mitglieder brachen in Tränen aus , während andere es nicht wagten eine Miene zu verziehen. Nach etwa vier Stunden Gottesdienst kam Noni zu uns, um uns nach draußen zu begleiten, dort gab es noch etwas zu essen, bevor wir wieder Nachhause fuhren. Insgesamt würde ich sagen, war die Kirche eine der krassesten und merkwürdigsten Erfahrungen war, die ich hier nicht wieder brauche. Der Gottesdienst im Ganzen dauerte übrigens 11 Stunden...
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day67

    Jeffrey's Bay

    November 10 in South Africa

    Dieses Wochenende haben wir zum ersten Mal das Surfernest Jeffrey’s Bay besucht.
    Die Bucht liegt etwa eine Stunde außerhalb von PE in Richtung Kapstadt und ist besonders für ihre sonnigen Strände und starken Wellen bekannt. Hier findet auch im Juni die alljährliche Surfweltmeisterschaft im Wellensurfen (In Wellenrichtung rechts) statt. Für jeden der die Garden Route bereist also ein absolutes Muss.
    Am Freitag Abend ging es nach der Arbeit und dem Sport dann los in den Sonnenuntergang hinein. Nach einer guten Stunde Fahrt erreichten wir unser Hostel, das „African Ubuntu Bagpackers“, und entspannten auf der loungartigen Terasse, bis wir kurz darauf von ein paar Dänen eingeladen wurden, in einem anderen Hostel feiern zu gehen. Gesagt getan, verließen wir unser Nachtquatier, dass im Übrigen parktisch nur aus deutschen Gästen bestand, und gingen mit. Das andere Hostel hatte zwar nicht den Charme unseres, aber dafür einen wunderschönen Blick auf den Ozean, wovon man allerdings hauptsächlich nur die Brandung bei Nacht wirklich wahrnehmen konnte. Kurz darauf machten wir spontan noch eine kleine Townshiptour mit einem Local namens Tristan, gebürtig wohl Belgier, welcher bei uns im Hostel wohnte und uns in seinem Auto mitnahm.
    Am nächsten Tag ging es dann an den Strand, wo wir den Tag über mit surfen, spazieren gehen oder entspannen am Strand verbrachten. Highlight war zudem eine Gruppe Buckelwale, die wir aus einiger Entfernung vom Strand aus beobachten konnten. Majestätisch warfen sich die gigantischen Tiere in die Höhe und sorgten für riesige Wasserfontänen, wenn sie zurück in den Ozean fielen. Selbst aus der Distanz waren wir alle von der Größe der Wale sehr beeindruckt und freuen uns umso mehr auf’s Whalewatching in Hermanus.
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  • Day66

    Kleines Update zu unserem Chico

    November 9 in South Africa

    Eine kleine Anmerkung zu meinem letzen Blogeintrag, seit heute haben wir das weiße Auto, bei dem uns die Scheibe eingeschlagen wurde, wieder und es wurde ziemlich gut in Schuss gebracht. Die Anzeigen funktionieren zwar immernoch nicht, aber dafür haben wir einen neuen Schalthebel, eine neue Fenserscheibe, neue Reifen und eine neue Batterie gabs auch noch oben drauf. Jetzt kann der Tour nach Kapstadt im Winter hoffentlich nichts mehr im Weg stehen.Read more

  • Day65

    Kriminalität in Südafrika

    November 8 in South Africa

    Heute mal ein kleiner Blogeintrag über eine nicht so liebenswerte Seite des Landes: Die Kriminalität.
    Bedauerlicherweise ist das Thema besonders in der Großstadt fast allgegenwärtig. Südafrika ist zwar drittstärkste wirtschaftliche Kraft in Afrika (nach Ägypten und Nigeria), aber dennoch lebt ein großer Bevölkerungsteil in Armut. Hinzu kommen Nachwirkungen der Apartheid und Rassismus, welche das Konfliktpotenzial enorm verstärken. PE gilt im Vergleich zu Kapstadt oder Johannesburg aufgrund seiner übersichtlichen Größe noch als ziemlich ungefährlich, dennoch gibt es einige Vorsichsmaßnahmen bei einem längeren Aufenthalt in der Stadt zu beachten.

    Grundregel Nummer 1 dabei: Niemals allein im Dunkeln draußen rumlaufen.

    Seit unserer Ankunft wurden uns so viel Sicherheitshinweise eingebläut, dass wir lange Zeit dachten, eigentlich wäre es gar nicht so wild hier und die Leute würden nur versuchen uns etwas Angst zu machen, damit wir nicht unvorsichtig werden. Zudem sind die meisten Menschen, denen wir bisher begegnet sind sehr freundlich und bemüht zu uns gewesen, ihr erinnert euch vielleicht noch an meinen anderen Blogintrag „Die Reise“, als ich festgestellt habe, dass Südafrika so voller Lebensfreude ist. Das täuscht etwas, denn bei Nacht verändert sich die Stadt. Bekannte Ecken können gefährlich werden und es müssen andere Regeln beachtet werden. Auch das konnten wir uns lange nicht vorstellen und ich laufe gelegentlich immernoch abens von der etwa 800 Meter entfernten Mall Nachhause. Man kann es sich ungefähr wie in dem PC-Spiel Minecraft vorstellen, tagsüber ist alles super und sobald die Nacht hereinbricht sucht man einen Unterschlupf, weil Zombies etc sichherauswagen. So ungefähr fühlt es sich an.

    Dennoch ist es kein Muss, dass etwas passiert, wenn man im Dunkeln herumläuft, die Gefahr ist nur deutlich erhöht. Zudem kommt es stark auf die Gegend an, im Township beispielsweise, ist die Wahscheinlichkeit abgezogen zu werden je nachdem wie lange man darin herumläuft gefühlt 110 Prozent, während wir im Suburb leben, wo nachts niemand herumläuft und wenn doch direkt von Hundegebell auf den Grundstücken verraten wird. Hunde findet man bei uns in der Gegend im Übrigen in fast jedem Haushalt, manchmal sogar mehrere. Diese sind aber nicht nur als geliebtes Familienmitglied da, sondern sollen in erster Linie das Haus vor Einbrüchen schützen, weshalb man auch nicht so vielen süßen Hunden begenet, sondern vorwiegend Rottweilern, Bulldoggen oder Schäferhunden. Unser Haus ist auch schon fast eine kleine Festung, die Eingangstür hat ein Extragitter, zwei Schlösser, zwei Riegel und ein Schnappverschluss, jedes Fenster hat ein Gitter davor und das ganz Haus ist mit Bewegungssensoren alarmgesichert.

    Für uns war es am Anfang eine relativ große Umstellung, mehr auf Sicherheit zu achten, aber wir konnten bis zu mehrern Erlebnissen Anfang Oktober noch nicht so wirklich glauben, dass es in PE tatsächlich gefährlich sein kann.

    Eine Mitbewohnerin, Toni, hatte am 14 Oktober Geburtstag und wir wollten reinfeiern. Zu Besuch waren einige Freunde von der Arbeit, mit welchen wir um zwölf noch feiern gehen wollten. Der Plan sah vor, dass wir in einen bekannten Club in Strandnähe fahren wollten. Aus unerfindlichen Gründen ging es dann aber nicht zum „White Tiger“, sondern wir fuhren alle zusammen nach Central, eine etwas unsichere Gegend, aber mit vielen Clubs. Kaum hatten wir die Location betreten, verflog meine Lust aufs Feiern enorm, denn es war ziemlich eng, überall war dieses unseriöse Rotlicht und eine Nebelmaschine verpestete die Luft. Damit hätte ich soweit noch leben können, denn so sind etwas gammelige Clubs halt, ich kann auch immernoch nicht sagen, ob ich Kabelbinder als Eintrittsbändchen ne gute Idee finde oder nicht, aber was mich wirklich störte waren zum einen die Musik, welche nur aus rhytmischen unglaublich lauten Bässen ohne jegliche Melodie geschweige denn mit Gesang war, sowie die Tatsache, dass mich alle fünf Minuten jemand fragte, ob es mir keinen Spaß machen würde, weil ich wohl etwas unbegeistert am Tanzen war.

    Dafür war der Eintritt sehr günstig. Für 10,00 Rand (ca. 60 Cent) p.P. kamen wir in den Club.

    Nach etwa drei Stunden hatten die Ersten von uns keine Lust mehr aufs Feiern und wir fuhren im kleinen Kreis zu KFC um uns was zu Essen zu organisieren. Zwei von uns blieben noch im Club mit unseren Freunden, selbst Locals, weshalb es Ok war, sie zurückzulassen.
    Als wir sie ca dreißig Minuten später wieder einsammeln wollten, war die Straße dermaßen verstopft von falschparkenden Autos, dass wir gezwungener Maßen ans Ende der Straße zurückfuhren und dort zwischen anderen Autos am Straßenrand parkten.
    Wir dachten uns nichts dabei, da es eine belebte Straße direkt neben einer großen Kreuzung war. Da es bereits nach drei Uhr Nachts war, dämmerten wir vier (eine Freundin aus einem anderen Projekt war noch mit dabei) langsam ein, bis die anderen uns ca 20 Miunten später kontaktierten, dass wir sie abholen müssten, weil sie sich, bereichtigter Weise, nicht trauten, allein durch Central zu laufen. Wir hatten jedoch keine Möglichkeit sie aufzusammeln, weshalb ich entschied, sie abzuholen.

    Warum schreibe ich erst von Sicherheit und Kriminalität in Südafrika und erzähle dann, wie wir nett Geburtstag feierten?

    In den knapp zehn Minuten, die ich tatsächlich unterwegs war, was schon leichtsinnig an sich war, als weißer Junge Nachts durch Central zu laufen, sind die Mädchen im Auto größtenteils eingeschlafen, bis urplötzlich eine Scheibe zerschlagen wurde. Ein Mann drängte sich in das kleine Auto und war beinahe mit seinem ganzen Oberkörper im Wagen und griff nach allem was er in die Hände bekam. Die anderen fingen natürlich an um Hilfe zu schreien, aber auch wenn viele Menschen auf der Straße rumliefen, kam niemand. Stattdessen kam ein zweiter Mann dazu und griff ebenfalls nach Wertsachen im Auto. Eines der Mädchen fing an auf die Männer einzuschlagen. Nach wenigen Sekunden verschwanden diese zusammen mit einem Handy, dass gestohlen wurde. Glücklicherweise wurde niemand ernsthaft verletzt, bis auf ein paar wenige Schnittwunden von den Glassplittern. Der psychische Stress hingegen war bei allen hoch.

    Ich selbst war zu dem Zeitpunkt auf der Straße unterwegs, wo mich ein Mann ansprach, welcher mir helfen wollte den Club zu finden, an dem die anderen warteten, vermutlich wollte er aber einfach nur Geld. Ich wimmelte ihn mit ein paar flüchtigen Sätzen ab, aber er folgte mir, bis ich schließlich anhielt und ihm die Location beschrieb. Von ihm erfuhr ich, dass ich nicht weitergehen solle, da ich im nächsten Abschnitt der Straße wohl ausgeraubt werde würde, woraufhin ich entschied, zurück zum Auto zu laufen.

    Insgesamt lässt sich also sagen, dass der Abend nicht ganz so verlaufen ist, wie wir es uns vorgestellt hatten, ich würde also wegen der schlechen Musik und der Unfreundlichkeit der Leute in unserem Auto maximal 3 von 10 Sternen geben und in nächster Zeit nicht mehr nach Central fahren. Aber immerhin haben wir alle die ziemlich wichtige Lektion gelernt, dass die vielen Warnungen nicht unberechtigt sind.

    Trotzdem möchte ich an dieser Stelle nochmal für alle, die vielleicht mit dem Gedanken spielen, nach Südafrika zu reisen, betonen, dass das für normale Touris nicht üblich ist und wir uns einfach leichtsinnig verhalten haben. Und wer aus Angst jetzt nicht nach Südafrika fährt, der wird sein Leben lang spannende Sachen verpasen, denn eine hundertprozentige Garantie gibt es nirgendwo und ich kann es nur jedem ans Herz legen, auch nach dieser Erfahrung, sich einmal Südafrika anzusehen. Wenn man ein paar Regeln beachtet und sich mit Locals über Gefahren unterhält und ihre Warnungen ernst nimmt, dann wird man auch ziemlich sicher unbeschadet durch’s Land kommen. Und noch ein kleiner Tipp, es ist nicht peinlich jemanden nach Gefahren und Sicherheitsvorkehrungen zu fragen, denn Sicherheit ist hier ein großes Thema und sogar die Leute aus dem Township sehen die Kriminalitätsrate in ihrer Wohngegend kritisch.
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  • Day61

    Auf den Spuren der neun Gefährten

    November 4 in South Africa

    Dieses Wochenende haben wir unseren ersten Kurzurlaub gemacht. Ziel war das kleine aber idyllische Hogsback, dass etwas im Landesinneren in der Nähe von East London, Eastern Cape liegt. Der Name stammt von den drei großen Bergen, welche das Tal umgeben und wohl aussehen sollen, wie drei Schweinerücken :).

    Der ganze Ort besteht praktisch aus nur einer Straße mit zwei kleinen Restaurants, einem Secondhand-Shop und einem kleinen Supermarkt. Unser Hostel „Away with the Fairys“ war ein nahezu magischer Ort, der eine Ruhe und Tiefenentspanntheit ausstrahlte, die ich hier in Südfrika bisher noch nie gefühlt hatte. Das Hostel lag etwas abseits der Hauptstraße, hatte einen großen Platz vorm Eingang, wo jeden Abend ein Lagerfeuer brannte. Im Halbkreis ums Feuer herum waren dann die Rezeption, die Schlafräume und eine kleine Bar. Alle Zimmer waren nach den neun Gefährten aus Tolkiens Trilogie „Der Herr der Ringe“ benannt, da Tolkien, welcher selbst einige Jahre in Südafrika gelebt hatte, sich wohl von dieser Gegend zu seinem Roman hat inspirieren lassen, weshalb wir auch überall kleine Gemälde aus dem Film oder dem Buch an den Häuserwänden fanden.

    Wir erreichten Hogsback am Samstag etwa gegen 14 Uhr, weshalb uns noch genug Zeit blieb, um die Gegend zu erkunden. Die Vegetation bot so ungefähr fast alles von Dschungel über Nadelwälder bis hin zur Steppe und das auf nur wenigen Quadratilometern. Unser Spaziergang wurde jedoch jäh unterbrochen, als fünf Hunde unangeleint und ohne Besitzer kläffend auf uns zurannten. Panisch drehten wir um, glücklicherweise begriffen wir nach kurzer Zeit, dass wir die Hunde mit lauten Geräuschen und hektischen Bewegungen vertreiben konnten.

    Den Abend genossen wir dann noch bei einem kühlen Savannah und einer heißen Pizza in der kleine Taverne bei unserem Hostel, wo ich mich mit einem Südafrikaner und einer Dänin unterhielt, die einen zweieinhalbmonatigen Freiwilligendienst absolvierte und nun mit ihrem Kollegen etwas reiste.

    Am nächsten Morgen stand dann die richtige Wanderung an. Dafür teilten wir uns auf, denn Charlie und Anne wollten mit zwei deutschen Studentinnen wandern gehen, während wir anderen drei uns einer Gruppe südafrikanischer Kumpels anschlossen, die wir am Abend vorher kennengelernt hatten.
    Das war zum einen Jade, ein mitzwanzigjähriger Bodybuilder mit verfilzten Dreads, der gleich an Tarzan erinnerte, aber sehr sympathisch war und sein Freund Skullk ebenfalls Mitte zwanzig, sowie dessen achtzehnjährige Ehefrau und seinem Geschäftspartner, dessen Namen ich leider nicht behalten konnte.

    Ich muss zugeben, zu Anfang war mir ein wenig mulmig, da mir Jade und seine Freunde etwas suspekt vorkamen, was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet war, dass sie sich vor Beginn der Wanderung Magic Mushrooms genehmigten, um die richtige „Connection to the Forrest“ zu bekommen, was sich später jedoch als total unbegründet herausstellte, und Jade zudem selbst in Hogsback lebt und den Wald oder eher Dschungel besucht, seit er ein kleines Kind war. Von ihm erfuhr ich dann auch, dass es sich bei diesem Waldstück wohl um den ältesten Wald Afrikas handele, wobei man nicht genau sagen kann, wie alt er genau ist, man schätzt ihn jedoch auf mehrere tausend Jahre.

    Kaum hatte die Wanderung begonnen, kamen wir aus dem Staunen fast nicht mehr heraus. Zu allererst ging es hinab in das Tal, da das Hostel in einiger Höhe an einem Berghang liegt, das wie bereits erwähnt mehr an einen dicht bewachsenen Dschungel mit Lianen und Schlingpflanzen erinnerte, als an einen Wald. Den ersten Stopp legten wir nacch knapp einer halben Stunde ein, als wir einen der wohl ältesten Bäume des Waldes erreichten, der nur „Big Tree“ genannt wurde. Das hört sich jetzt jedoch spannender an, als es eigentlich ist, denn dabei handelt es ich lediglich um einen etwa 30 Meter hohen Baum, der eingezäunt wurde mitten im Wald. Nach einer kurzen Rast ging es weiter, bis wir einen kleinen Bach erreichten, der durch ein paar Felsen floss. Die Mädchen gingen ein bisschen den Urwald erforschen und kletterten zwischen den Felsen hindurch. Die anderen waren schon vorgegangen, weshalb ich mit Jade allein blieb und mich ein bisschen mit ihm über den Wald unterhielt, wo er mir dann erklärte, dass dieser die anderen gerade rufen würde, wehalb er noch nicht wisse, wie lange die Pause dauern würde.

    Vielleicht vermittle ich hier ein etwas falsches Bild von ihm, denn er war wirklich super symapathisch und war als Host der Wanderung sehr bemüht darum, dass war alle Spaß hatten. Die Fröhlichkeit lag vielleicht aber auch etwas an der durchaus beeindruckenden Menge an Gras, die unsere Begleiter den Trip über konsumierten.

    Eine halbe Stunde später etwa erreichten wir einen kleinen Wasserfall mit aufgestautem Wasser darunter, eine Dschungeloase wie man sie aus dem Fernsehen kennt, wo fast alle schwimmen gingen.
    Das eigentliche Highlight erwartete uns jedoch etwa eine halbe Stunde später, als wir die Madonna and Child Falls erreichten. Dabei handelt es sich um einen schätzungsweise 25 bis 30m hohen Wasserfall, welcher uns alle verzauberte. Nach weiteren 60 Minuten Rast und mehrere Joints später, machten wir uns auf auf den etwas anstrengende Rückweg (es war aber ok, danke nochmal an @BenSchneppensiefen fürs Training :). Zwischendurch hielten wir noch an einem kleinen See, der in einem angelegten Park lag und genossen die Aussicht über die trübe neblige Wasseroberfläche und die riesigen Rhododendronbüsche, welche den Weg säumten, zusammen mit einigen anderen bunt blühenden Pflanzen.

    Nach etwa sechs Stunden Wanderung erreichten wir wieder unser Hostel, wo wir Abends gemütlich Essen gingen. Da es bereits Dunkel wurde, nahm uns Jade freundlicherweise hinten auf seinem Pickup mit.

    Gestern Morgen ging es dann wieder zurück, wobei wir einen kurzen Kaffeestopp in Grahamstown machten. Vorher wurde allerdings noch einmal im Cliff Bath des Hostels gebadet, wobei es sich im Prinzip nur um ein Badewann handelt, die jedoch direkt an die Kante des Abhangs gebaut wurde.

    Von Grahamstown aus bin ich die letzten anderthalb Stunden mit unserem Auto zurückgefahren, was mich Blut und Wasser hat schwitzen lassen, denn unser neues Auto (ich erkläre in einem anderen Blogeintrag nochmal warum), ein goldener VW Chico Golf1, ist in fast noch schlechterem Zustand als das Alte und ließ sich nur beschwerlich bedienen, da beispielsweise ein Reifen kaputt zu sein scheint, denn es zieht stark nach links, da hinten Links wohl Unterdruck hat.
    Einige todeserschreckende Momente später erreichten wir dann doch schlussendlich unser Haus.

    Resumee: Ich gebe dem Kurztrip 8/10 Sternen, da wir ein total süßes Hostel hatten und sehr spannende neue Menschen getroffen haben, jedoch wäre es mir für einen längeren Aufenthalt wohl etwas zu einsam. Wer jedoch Ruhe und tolle Wanderstrecken sucht, für den ist Hogsback wohl der perfekte Urlaubsort.
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  • Day47

    Wir gehen auf Safari

    October 21 in South Africa

    Dieses Wochende war ich das erste Mal im bekannten Addo Elephant National Reserve, das größte Naturschutzreservat in der Nähe von PE. Es liegt etwa eine gute halbe Stunde mit dem Auto entfernt von unserem Wohnort, wesalb es für Wochenendtrips und Tagestouren ungemein geeignet ist. Das hieß für uns jedoch nicht, dass wir uns auf der Strecke nicht trotzdem verfahren durften. Nach über einer Stunde auf der Suche nach dem Eingang des Parks mussten wir überrascht feststellen, dass wir ihn von außen bereits halb umrundet hatten und uns mittlerweile an dem gegenüberliegenden Eingang als ursprünglich beabsichtigt befanden.
    Nach Anmeldung an der Rezeption ging es auch schon los. Kaum hatten wir den Park mit unserem Chico (ganz alter VW Golf 1 – aber in Gold ;) betreten, begeneten uns nach wenigen Metern die ersten Warzenschweine. Ich kannte die Tiere bisher nur als „Pumba“ aus Disneys Musical „Der König der Löwen“ und war ganz fasziniert von deren breiten Hauern und dem unförmigen Kopf, welcher viel zu klein für den sonst doch eher kleinen Körper und die ziemlich dünnen Beine wirkte. Gleichzeitig begegnete uns ein riesiger Mistkäfer, welcher laut Safariauskunft eine Seltenheitsstufe von 8 von 10 hatte, aber anscheinend war gerade Käferzeit, denn wir begeneten kaum einem anderen Tier so oft, wie diesem Mistkäfer.
    Ein paar Kurven weiter erwartete uns jedoch die erste wirklich beeindruckende Begegnung, als direkt zwischen uns und ein paar anderen Wagen eine Herde Wasserbüffel zusammen mit einem Elefanten die Straße überquerten. Das die massigen Tiere unseren armen Wagen wohl mit wenigen Stößen auseinandernehmen hätten können bezweifelte niemand im Auto. Zum Glück waren die Tiere Touris gewohnt und posten sogar regelrecht vor unseren Kameras.
    Als die Herde irgendwann wieder abgezogen war, machten wir uns auf zu unserem ersten Aussichtspunkt an einem Wasserloch.
    Insgesamt waren wir gute neun Stunden unterwegs, wovon wir einen Großteil im Park verbrachten, demenstprechend sind die Erlebnisse von denen ich noch erzähle nicht mehr wirklich in chronologischer Reihenfolge, da es einfach zuviel zu entdecken gab um sich an alles zu erinnern.
    Wir sahen unzählige Elefanten, mehrere Zebraherden, wovon eine Gruppe sogar direkt am Straßenrand graste und ein Fohlen bei sich hattte, welches einfach nur unfassbar niedlich war, meiner Meinung nach sogar fast so niedlich wie die Elefantenbabys, die wir sahen.
    Der Park, welcher semiseriösen Berichten zufolge die Größe Belgiens haben soll (der Krüger Nationalpark sogar die Größe Großbritanniens), bestand aus mehreren natürlichen Arealen mit jeweils etwas anderer Vegetation von Savanne über mit Büschen bewachsenes Land, bis hin zu blühenden Wiesen. Allerdings gab es abgesehen von denen in der Parkbroschüre abgedruckten Tieren wenig andere zu sehen. Dafür spielten wir ein lustiges Spiel, da jedes Tier eine, wie bereits erwähnt, Seltenheitstufe hatte, die mit Punkten von 0-10 versehen waren. Das Spiel funktionierte so, dass jeder Spieler, der ein Tier entdeckte sich dessen Punkte aufschrieb, und wer am Ende vom Tag die meisten Punkte gesammelt hatte, der hatte gewonnen.
    Ich glaube Charlie hat am Ende gewonnen. (Kleine Notiz am Rande: Ben ich hätte dich trotz deines Wissens abgezogen ;).
    Das beeindruckenste Erlebnis war jedoch definitiv die großen Elefantenherden, die wir an einem Wasserloch aus unmittelbarer Nähe beobachten konnten. Große, kleine, junge und alte Elefanten waren dort zusammengekommen, um in der Hitze Wasser aufzutanken. Dabei ließen sich unglaublich viele soziale Kommunikationen zwischen den Tieren beobachten. Vom Streit zweier Bullen über die ersten sexuellen Annäherungversuche eines jungen Elefanten an eine junge Dame in der Herde, bis hin zu kleinen Kälber, die fast noch zu klein waren, um mit dem Rüssel an die Oberfläche des Wassers zu kommen, konnten wir alles beobachten.
    An dieser Stelle noch ein kleiner Hinweis an alle, die vielleicht auch mal den Park besuchen wollen, austeigen ist wirklich nur an den Aussichtspunkten erlaubt und auch da nur auf eingene Gefahr (überall hängen Schilder, die vor Löwenüberfällen warnen). Die anderen, die schon am 24. September im Park waren wurden bei der Parkverwaltung von einer Frau angezeigt, die sie beim Aussteigen aus dem Wagen angesprochen hatte. Glücklicherweise sind sie mit einer Verwarnung davon gekommen.
    Nach neun Stunden und unzähligen Elefanten, Zebras, Kudus (einheimische Antilopenart), Warzenschweinen, Füchsen, einer Gruppe Erdmännchen und Wasserbüffeln später, sind wir dann alle total erschöpft aber sehr zufrieden wieder zurück Nachhause gefahren.
    Fun Fact: Der Addo Elephant Park ist einer der wenigen Orte, der sogar alle Big Seven (Elefant, Nashorn, Leopard, Wasserbüffel, Löwe, Glattwal und weißer Hai) beherbergt, da er sogar eine Marinesektion besitzt.
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  • Day45

    Essen in Südafrika

    October 19 in South Africa

    Wer an Südafrika und Essen denkt, dem kommen vermutlich als allererstes exotische Gerichte mit fremden Gerüchen und Gewürzen in den Sinn, Fleisch das über offenem Feuer brät und eine große Fülle an Früchten. Das war zumindest meine Erwartung, als ich hier herkam, doch da muss ich meinen Erfahrungen nach leider enttäuschen. Da ich in urbaner Umgebung wohne, muss ich sogar sagen, dass es sich fast gar nicht von europäischen Essen unterscheidet. Die erste Ernüchterung kam schon mit dem ersten Einkauf. Die Supermärkte hier lassen sich drei großen Ketten zuteilen, dass ist zum Einen Checkers, dann Pick`n`Pay und Spar. Pick`n`Pay hat noch einen kleinen 24/7 Shop, der sich Pick`n`Pay Express nennt und rund um die Uhr geöffnet hat, sowie eine Kleiderabteilung namens Pick`n`Pay Clothing. Spar hat darüber hinaus noch eine kleinere Version ihres Geschäfts erfunden, die man an vielen Ecken sieht und den kreativen Namen Superspar trägt, sowie einen eigenen 24 Stundenkiosk namens Kwikspar. Geht man durch einen dieser Supermärkte, stellt man schnell fest, dass der größte Unterschied zu Aldi, Lidl oder Netto in den Labels auf den Produkten, sowie der englischen Produktbeschreibung besteht. Hier bekommt man fast alles von frischem Obst und Gemüse bis hin zu Ferreros Nutella. Der einzige wirklich bemerkbare Unterschied im Konzept, den wir festsellen konnten, ist die Tatsache, dass mit Alkohol in den Supermärkten ganz anders umgegangen wird. Es gibt kleine Shops, neben den Supermärkten, die sich Liquorstores nennen und alkoholische Getränke verkaufen. Diese schließen um sieben, was vor der üblichen Zeit der Supermärkte ist. Auch Tankstellen führen keinen Alkohol im Angebot.
    Bald beginnt die Obstsaison in Südafrika, wo intervallartig überall in Südafrika nach und nach altbekannte, wie tropische Früchte reifen und an jeder Ecke verkauft werden. Direkt außerhalb von PE befinden sich Orangen und Ananasplantagen, welche ich mir dann unbedingt anschauen möche.
    Insgesamt merkt man schon, dass es so langsam Richtung Sommer geht, allerdings ist der große Wetterumschwung, der uns seit Wochen versprochen wird, noch ausgeblieben und ich trage meistens lange Hosen und hab immer eine Jacke oder einen Sweater dabei.
    Allerdings gilt diese Art der Ernährung nur für die städtischen Teile des Landes, sobald man etwas außerhalb ist, oder Bewohnern des Townships beim Kochen über die Schulter guckt, stellt man zügig fest, dass eine sehr fleischlastige und ungesunde Ernährung vorherrscht. Grundlage jedes Frühstück, Schulbrots oder Abendessen ist zuallererst Weizenmehltoast, das in beeindruckenden Mengen konsumiert wird, da die Nahrhaftigkeit sehr zu wünschen lässt. Das Toast für unterwegs wird dann meistens mit einer rot verpackten Wurst belegt, welche es für einen Rand zu kaufen gibt (ca 6ct). Überall werden Süßigkeiten und Snacks in quitschbunten Vepackungen gegessen. Ein traditionelles Gebäck ist der sogenannte Fatcake, welcher im Prinzip einfach nur ein frittiertes Brötchen ist. Obst und Gemüse ist da leider zweitrangig, was wohl auch auf deren Preis zurückzuführen ist. Das höchste Gut in Südafrika bleibt jedoch definitiv das Fleisch. Es wird immer und überall gegrillt und gigantische Fleischberge zubereitet mit zig Steaks und meterlangen Würsten. Es gibt sogar einen nationalen Braaiday, welcher mit dem höchsten Feiertag des Landes zusammenfällt (24. September). Trotzdem muss ich sagen, dass das meiste Fleisch in mir als allererstes einen Würgreiz hervorruft. Das Biosiegel zu suchen kann man sich gleich sparen, überall hängen Fettstreifen dran und der Geruch sit auch nich unbedingt der Angenehmste. Hinzu kommt, dass in Südafrika mit Fingern gegessen wird und auch sonst die Esskultur hier in Deutschland wohl verpöhnt würde, während ich nicht mal einen Burger ohne Besteck gegessen bekomme .
    Als einziger Nicht-Vegetarier meiner WG werde ich von unseren Freunden und bei Ausflügen natürlich ganz besonders begeistert an alles Fleisch zum Kosten herangeführt und ich muss sagen mir gehen so langsam die Ausreden aus, wahrscheinlich bin ich am Ende des Jahres auch Vegetarier oder esse zumindest bedeutend weniger Fleisch.
    Sucht man klassische afrikanische Restaurants muss man Locals fragen, da die gesamte Touristengegend nur mit Italienern, Mexikanern, Spaniern und anderen Restaurans gesäumt ist.
    Gestern waren wir auf einem Foodmarket, welcher zweimal im Monat (erster Samstagmorgen und dritter Donnerstagabend im Monat) stattfindet. In einer mittelgroßen Halle im Fabriklook gab es dutzende kleine Stände mit unterschiedlichstem Essen, Gratismassagen und Livemusik. Wir waren alle sehr angetan und die moderaten Preise verleiten schnell zum Schlemmen. Da war dann auch der Eintritt von 20 Rand (ca 1,20 €) eine gute Investition.
    Ich werde später noch mehr über südafrikanisches Essen berichten, wenn ich mehr probieren oder mal über die Märkte Kapstadts laufen konnte, aber diesen Beitrag zuersteinmal um einen kleinen Eindruck zur kulinarischen Seite des Landes zu geben.
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  • Day44

    weltwärts - was ist das?

    October 18 in South Africa

    weltwärts ist ein entwicklungspolitischer Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der seit 2008 Freiwillige in alle Welt verschickt. Bedingung dabei ist, dass es sich um ein Entwicklungs / Schwellenland handeln muss. Finanziert wird weltwärts durch das BMZ, das sich für die Umsetzung der Unterstützung seiner Tochtergesellschaft Engagement Global bedient. Die Projekte, in denen die Freiwilligendienste stattfinden, werden von deutschen Nicht-Regierungsorganstaionen und deren lokalen Partnern umgesetzt.
    Für wen ist weltwärts? weltwärts ist für junge Erwachsene zwischen 18 und 28 Jahren, Qualifikationen spielen im Allgemeinen keine Rolle, sondern jeder darf mitmachen.
    Was genau macht man als Freiwilliger bei weltwärts? Als Freiwilliger bei weltwärts arbeitet man in einem sozialen Projekt unterschiedlichster Ausrichtung: Gesundheit, Recht, Bildung, Kultur und Sport, ...
    Wie lange dauert so ein Einsatz? Die Einsätze dauern immer ein halbes oder ein ganzes Jahr, was je nach Organisation unterschiedlich ist und wen es richtig packt, der kann auch noch um ein weiters Jahr / halbes Jahr verlängern, aber Achtung, man kann nur einmal mit weltwärts ins Ausland, auch wenn man bei der zweiten Bewerbung auf einen neuen Einsatz noch im vorgegebenen Altersrahmen ist.
    Was bringt mir ein weltwärtsjahr? Ein weltwärts Jahr hat viele Vorteile und für jeden sind es andere. Für die meisten ist es einfach die super spannende Erfahrung, in einer ganz anderen Kultur zu leben und mal von Zuhause rauszukommen. Man hat eine Entsendeorganisation, die einem bei allem Organisatorischen unterstützt, wie etwa beim Visumsantrag etc, man leistet (zumindest einen kleinen) Beitrag um den Menschen vor Ort zu helfen und im Lebenslauf macht es sich auch nicht schlecht .
    Wie funktioniert der Berwerbungsprozess für weltwärts? Nachdem du dich auf der Website von weltwärts umgesehen und für ein Projekt entschieden hast, bewirbst du dich bei der entsprechenden Organistaion. Nach erfolgreicher Aufnahme, bei der sich das exakte Projekt in Absprache mit dem Bewerber eventuell nochmal ändern kann, wird die Organisation, welche das Projekt in dem jeweiligen Land letet kontaktiert. Gibt es auch von dieser ein OK, so startet die Vorbereitung, mit einem circa 10-tägigen Vorbereitungsseminar, danh folgt der Visumsantrag etc und (meist im Spätsommer) dann die Ausreise.
    Hier ist der Link weltwärts-website, falls Interesse vorhanden: https://www.weltwaerts.de/de/
    Seit einiger Zeit stand für mich fest, dass ich nach dem Abitur ins Ausland möchte. Besonders interessiert haben mich dabei für Südamerika und Afrika. Die Idee eines Freiwilligendienstes existiert tatsächlich schon fast genauso lang, denn ich hörte erstmals in der neunten Klasse von meinem Vater davon, welcher beruflich selbst in der Entwicklungszusammenarbeit tätig ist. Er riet mir, mich einmal bei weltwärts zu informieren und ein bisschen durch deren Website zu surfen, um zu schauen, ob das nicht vielleicht auch etwas für mich ist. Damals war ich mir schon sicher, wie ich mein Gap-Year zwischen Schule und Uni füllen wollte, allerdings begann ich erst Ende der elften Klasse mit der intensiven Recherche.
    Das erste Projekt das ernsthaft mein Interresse weckte, war die Kooperation eines Startups mit der Uni in Windhuk, Namibia. Leider musste ich schnell feststellen, dass dieses Projekt ab 2018 eingestellt wurde, sprich genau zum Zeitpunkt meiner Ausreise. Als nächstes stieß ich auf ein Projek, dass sich mit Mikrokrediten in der ländlichen Region Tansanias beschäftigte, alerdings wurde mir hier zügig abgesagt, da die allermeisten Plätze schon vergeben waren und es höchstens ein Kennenlerntreffen geben würde, falls spontan Leute absprangen.
    Die Wochen verstrichen und ich konnte mich für wenig wirklich begeistern, bis ich schließlich gleich auf zwei Organisationen stieß, die mich interessierten. Die erste operierte haupsächlich in Uganda, Tansania und Malawi und auch wenn mir das Kennenlernseminar sehr gut gefiel, konnte ich ziemlich zügig feststellen, dass die Projekte nicht zu mir passten. Bei der zweiten Organisation handelte es sich um SAGE Net. Ich hatte mein Vorstellungsgespräch ziemlich spät, erst im März, aber das Projekt, dass man mir vorschlug, gefiel mir ziemlich gut und ich sagte zu. So kam ich schließlich zu Masifunde nach Port Elizabeth.
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  • Day34

    Meine Arbeit

    October 8 in South Africa

    Meine Arbeitssstelle liegt, wie im Blogeintrag zuvor bereits erwähnt, im Walmer Township (lokaler Name Gqebera). Hier existiert seit Septemer 2017 ein Gebäude, dass Masifunde Changemaker Academy heißt und für die Kinder und Jugendichen des Townships außerschulische Freizeit- und Weiterbildungsmöglichkeiten bietet. Hier finden vor allem Programme im künsterlischen Bereich statt. Es gibt mehrere Chöre für Klein und Groß, Theater- und Dramagruppen, bildende Künste wie Malen, Zeichnen oder Basteln, sowie Computerunterricht zur Verbesserung der Englischkenntnisse der Kinder, Programme zum internationalen Austausch mit deutschen Schülern oder einfach als Angebot für Recherchearbeit für die Schule.
    Im Eingangsbereich liegt die kleine aber sehr schöne rustikal eingerichtete Cafeteria mit dem Namen MyMiTo, wobei MiTo die Abkürzung für Mitochondria (auf Deutsch Mitochondrien, die Kraftwerke der Zelle :) ist. Dahinter ist ein Flur, der zur Rezeption, dem Kunstattelier, dem Computerraum und dem Kindergarten führt. Hinter der Rezeption ist das Backoffice, wo zudem der Server steht. Geht man die Treppe in den ersten Stock hinauf, kommt man zu den größeren Räumlichkeiten. Das ist zum Einen eine kleine Aula, welche mit Bühne, Licht- und Tontechnik ausgestattet ist und deshalb auch immerwieder von Gruppen von außerhalb genutzt wird, so hatten wir beispielsweise schon ein Treffen der GiZ Bolivien, welche ihre Partnerorganisationen in Südafrika über ihre Arbeit informiert hat, auf der anderen Seite ist dann der Multipurpose-Room der, wie der Name schon sagt, für verschiedene Zwecke genutzt wird.
    Meine Arbeit ist an der Rezeption, wo ich zusammen mit meiner Kollegin Nosipho verschiedene Verwaltungsaufgaben erledige. Darüber hinaus kümmere ich mich mit um die Technik im Gebäude sowohl im täglichen Troubleshoot, als auch bei Evens um die Licht- und Tontechnik in der Halle. Seit kurzem gibt es auch ein Startup, wo Bewohner des Townships kleine Schmuckstücke produzieren, welche hier im Gebäude und Online nach Deutschland verkauft werden. Ich unterstütze dabei die Leute bei der Produktionsabwicklung hier in Südafrika. Außerdem betreue ich eine Art Schülerzeitung, die halbjährig Magazine veröffentlicht und sich immer ein spezielles Thema für ihre Beiträge sucht.
    Mein Arbeitszeiten sind von 8:30 Uhr bis 17:00 Uhr, allerdings sind im Moment noch Bauarbeiten am Gebäude, weshalb es schon um 07:30 Uhr geöffnet werden muss. Da ich auch am Ende des Tages alles abschließe und die Sicherheitsvorkehrungen aufgrund der Lage im Township mehr an einen Hochsicherheitstrack eines Gefängnisses erinnern, als an eine Bildungsinstitution, bin ich selten vor 17:40 Uhr zurück.
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  • Day27

    Summercamp 2018

    October 1 in South Africa

    Vom 01.10 bis zum 05.10 war ich als Betreuer auf einer Freizeit mit Kids aus örtlichen Grundschulen (Primary School bis siebte Klasse). Am Montag ging es an unserem Gebäude, der Changemaker Academy mit dem Bus los. Nach ca 30 Minuten Fahrt erreichten wir unser Ziel: ein Camp etwas außerhalb von PE nahe Despatch. Untergebracht waren wir in kleinen Häusern mit je einem Schlafraum für sechs bis acht Leute, welcher zugleich als Aufenthaltsraum der Gruppe diente und einem kleinen Bad mit Dusche und Waschbecken und nochmals separierter Toilette.
    Ich teilte mir mein Zimmer mit zwei anderen ziemlich entspannten Betreuern: Fundile und Yonela. Da wir Jungs nur zu dritt waren und als Facilitators (es wird versucht, dass Wort Lehrer zu vermeiden) aber einen eigenen Raum bekamen, hatten wir recht viel Platz und glücklicherweise auch keine Stress um die Benutzung des Bades, Duschzeiten oder Ähnliches.
    Der Tag ließ sich in zwei große Blöcke einteilen, morgens ging es um 6:30 mit Frühsport los, meist Zumba, Streching oder Yoga, gefolgt von einem (English) Breakfast. Danach startete der erste Block mit Workshops. Dieses Jahr war das große Thema „Peer Pressure“ und die Facilitor versuchten die Sensibilität gegen Gruppenzwang bei den Kids zu schärfen, um über Alkoholkonsum, Drogenmissbrauch und deren fatalen Folgen aufzuklären. Die Präventionsarbeit war sehr ähnlich derer die wir alle aus der Schule kannten.
    Nach dem Mittagessen ging es, jenachdem wie gut der Zeitplan eingehalten wurde, dann mit eine zweiten Runde Workshops weiter um dann ab 15:00 Uhr mit Sport und Spielen im Außenbereich zu beginnen. Das war dann Aufgabe von Fu, Yonela und mir, zusammen mit Zamo, Lebo und Lena.
    Wir machten Spiele mit den Kids wie Fußball mit verbundenen Augen spielen, Hindernissstaffellauf, jede Menge Energizer oder ließen sie Denkaufgaben als Team lösen wie beispielsweise an einem Nachmittag, wo sich die Kinder in Kleingruppen einteilten, auf Plastiktüten stellten und dann diese einmal komplett mit der Unterseite nach oben wenden sollten, ohne das irgendjemand von der Matte trat, vielleicht kennt das jemand von Assesmentcentern oder so.
    Nach dem Abendessen gab es dann von dem Outdoorteam noch eine Abendbeschäftigung, wie beispielsweise eine Nachtwanderung über das Gelände, wo jeder im Dunkeln und in der nächtlichen Ruhe noch einmal den Tag, seine Erkenntnisse und sich selbst reflektieren sollte. An einem anderen Abend gab es ein großes Lagerfeuer oder mal eine Movie Night. Am letzten Abend gab es dann noch ein großes Braai, für welches Yonela, Lumka (eine andere Betreuerin) und ich bestimmt sechs Stunden am Grillen waren um Fleisch für knapp hundert Leute vorzubereiten.
    Nachdem die Kids dann um zehn Uhr abends endlich im Bett waren, trafen sich die Facilitator noch für Gesellschaftspiele und nettes schnacken, allerdings fand dies immer in unserem Raum statt, da wir wie erwähnt den Platz dafür hatten, was mir zu anfang sehr unangenehm war, da ich erschöpft und einfach müde war, aber der Peer Pressure zwang mich dann ab dem zweiten Abend doch dazu, mitzumachen .
    Am Freitag Mittag ging es dann für alle wieder zurück nach PE. Ich muss sagen, ich bin zwar definitiv kein Fan von Freizeiten und bin es auch nach dieser nicht geworden, aber es hat insgesamt doch Spaß gemacht und ich hab tolle Leute kennengelernt.

    PS: Bilder kommen später, wenn ich auf die von der Campcam zugreifen kann
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