• Preikestolen

    July 8, 2023 in Norway ⋅ ⛅ 20 °C

    Insgesamt war es eine tolle Wanderung, dennoch gibt es offenbar nichts, was es nicht gibt, so wie folgende Begebenheit:
    Schon nach dem ersten größeren Anstieg gelangten wir an einen kleinen, idyllischen See. Doch die Ruhe wurde empfindlich gestört durch einen Menschen mit Hang zur Selbstdarstellung. Er stand mit wehendem Haar auf einem Felsen, hatte ein Mikrophon in der Hand und sang zu überlauter Schlagermusik Musik mit den dazugehörigen "großen Bewegungen". Er wurde dabei von zwei Begleitern gefilmt. Verwundert blieben wir stehen und betrachteten diese etwas skurile Situation von Weitem. Auch andere Wanderer gingen kopfschüttelnd vorüber.
    Während wir eine kurze Wanderpause einlegten, überholte uns das "Trio" .
    Da wir kurz darauf auch weiterwanderten, hatten wir die Drei leider irgendwie permanent im Blick. Der Sänger setzte sich mit Handystick wandernd dauernd selbst in Szene, sodass die Wanderer hinter ihm immer wieder gezwungen waren, stehen zu bleiben oder "in Deckung" zu gehen, um nicht mitgefilmt zu werden. Wenn andererseits ein Wanderer in die Landschaft fotografieren wollte, nahm er keine Rücksicht und lief ihnen vor die Linse. Ein unmögliches Verhalten, und doch irgendwie unterhaltsam, wenn man die Szenerie und die Wirkung auf andere Menschen betrachtete. Alles in allem ging er den Leuten zunehmend auf die Nerven.
    Oben angekommen, ließen wir uns bei den anderen Wanderern nieder, um die unfassbar schöne Aussicht zu genießen und uns bei einer Brotzeit für den Abstieg zu stärken.
    Da erschraken wir und die anderen Wanderer, denn schon wieder ertönte aus der mitgebrachten Musikbox des Sängers unglaublich laute und gruselige Schlagermusik. So, jetzt reichts! Ich konnte mich nicht mehr zurückhalten und fragte auf Urbayerisch, ob er noch ganz sauber wäre, diese Idylle derart krass und für alle nervig zu stören. Da er offenbar meine Gesichtsausdruck zu deuten wusste, nicht aber meine Sprache verstand, war ich so frei, es ihm auf englisch zu übersetzen. 😉🤪 Dem Gesichtsausdruck meiner Mitwanderer nach zu urteilen, die der Szene gespannt folgten, sprach ich ihnen wohl aus der Seele. Leider war das Trio nicht bereit, mit dem Unfug aufzuhören. Sie erklärten, dass sie für das Video, das sie aufnahmen, 5000 km gekommen wären und es nun fertig drehen würden. Es wäre unser Pech, wenn es uns nicht gefällt. Da sie offenbar bemerkten, dass ihr Verhalten allgemein nicht gut ankam, drehten sie die Musik wenigstens leise, während der Sänger sich wie ein Käfer auf dem Rücken liegend nahe des Abgrundes wälzte und sich dabei filmen ließ. Gottseidank sang er nicht wirklich, sondern bewegte nur die Lippen, was das ganze wirklich lustig werden ließ. Mehrmals fiel mein Blick auf die Musilbox neben mir und ich sinnierte darüber nach, ob man den Platsch im Wasser hier oben noch hören würde, wenn.....naja lassen wir das. 😉😉😉🙈
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