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  • Day3

    Ausfahrt

    June 1, 2020 in Croatia ⋅ ☀️ 19 °C

    Bereits um kurz vor sechs Uhr herrscht Betrieb auf Deck. Verdammte Frühaufsteher. Mach ich eben auch mit. Wobei ich bin eigentlich beleidigt, da Scampi-Robin das einzig verfügbare Wasser an sich gerissen und in sich geschüttet hat. Die Sau. In Marc‘s Auto hätte es noch fünf Flaschen, aber niemand der sie für mich holt. Scheissfreunde. Neben den Wasserflaschen erinnere ich mich eigentlich nur noch an das Abendessen und den Typ, der sich während dessen mit dem Skateboard auf die Fresse gelegt und aus eben dieser geblutet hat. Nur dank intensivem Brainstorming und gegenseitiger Stimulierung des Erinnerungsapparates kommen weitere Fetzen zum Vorschein. Verdammter Schlibo. Taeschler schwört bereits hoch und heilig keinen einzigen Schluck mehr anzurühren. Aus meiner Sicht - wie bei der politischen Meinungsbildung - sehr voreilig. Wir werden sehen.

    Das Einkaufen und Bunkern verläuft dank sonntäglicher Offenheit von Supermarkt, Bäcker und Metzger grösstenteils reibungslos. Nur Transport-Genie Marc wird stellenweise angehupt, was bei seiner heutigen Schlibo-Fresse aber nicht weiter überrascht. Vielleicht ist es auch aufgrund der bescheidenen Parkplatzwahl. Wahrscheinlich beides. Der erste Segeltag ist purer Luxus. Sonne, fünfundzwanzig Knoten Wind und keine Wellen. Eher selten und völlig übertrieben für die Segelneulinge Fönz und Marc. Aber das gönn ich ihnen natürlich. Grosszügig wie ich bin. Weniger grosszügig bin ich bei seglerischen Fehlleistungen, schliesslich trainieren wir bereits für die Regatta am Folgetag. Inmitten der Kornaten wollen wir dem Pavel und seiner Crew eine kleine Lektion erteilen. Standen wir letztes Mal noch zusammen auf dem siegreichen Kahn - und Robin auf dem anderen -, so stehen sich der erfahrene Seebär und der überhebliche Taktiker heute gegenüber. Doch egal wie es ausgeht, den im Anschluss geplanten Schweinebraten haben wir bereits mariniert. Und einen Grill hat unsere scharfe Schüssel auch zu bieten. Genau was man(n) für die gehobene Zeit auf See braucht. Neben Bier. Und Schlibo.

    Auch am zweiten Tag beginnt der morgendliche Trubel schon vor sechs Uhr. Hinzu kommt die Beschallung mit „Guten Morgen Sonnenschein“ von Nana Mouskouri. Als ob Sandra Joho zu einem fastnächtlichen Spontanbesuch gekommen wäre. Was ist bloss mit den drei bettflüchtigen Senioren los?! Echt grenzwertig. Ich könnt schon wieder kotzen. Aber egal, die Stimmung muss halten, sonst wird es heute nichts mit der Lektion für Pavelito. Und die hat er sich doch sicher verdient, das alte Segelhäschen. Also Segel rauf. Wind viel. Reff rein. Wind wenig. Segel ganz raus. Wind weg. Segel runter. Motor. Bier. Tolle Vorbereitung.

    Im laufe des Tages schenkt uns das kroatische Volk - oder wer auch immer für das hiesige Wetter verantwortlich ist - dann aber einen weiteren Luxussegeltag mit unfassbar perfekten Konditionen. Dann allerdings kurze Verwirrung kurz vor dem Ziel. Wo liegt der Pavel mit seinem Schiff genau? Dort hinten in der Bucht, von der wir seit Stunden sprechen? Gehen wir mal schauen. Der Tiefenmesser schaut auch. Etwas besorgt. 2m, 1m, 50cm ... sind wir hier richtig? Klar, schliesslich reden wir schon den ganzen Tag von dieser schönen Bucht. 30cm, 20cm, ... hmm, sicher?? 10cm, 0cm ... das wird eng - findet der Tiefenmesser. Und auch Skip Robin, der geistesgegenwärtig vollen Schub zurück gibt und das Schiff rückwärts aus der verdammten Schlickgrube manövriert. Ein kurzes Telefonat mit Regattengegner Pavel bestätigt. Nein, da hinten ist er nicht. Dort passen gar keine Segelschiffe durch. Soso. War ja klar.

    Nachdem wir den kleinen Buchten-Ausflug beinahe mit dem Leben bezahlt hätten - oder auch nicht -, bestaunen wir die schöne Segeljacht, die sich der Pavel gepösterlet hat. Einen kleinen Apero gibt es bei den Freunden auch. Allerdings wartet auch eine massive Enttäuschung auf uns. Es wird keine Regatta geben. Nicht heute und auch nicht morgen früh. Pavel hat zwar eine wunderschöne Jacht aber scheinbar die Hosen voll. Als Gründe werden der baldige Wetterwechsel und die weite Strecke genannt, welche die flüchtigen Gegner ab 06:00 zurückzulegen hätten. Klar. Das wird es sein. Der überhebliche Taktiker in mir fühlt sich natürlich trotzdem als Sieger. Der ebenfalls überhebliche Taeschler natürlich auch. Zur improvisierten Siegesfeier auf unserem Schiff serviert der Gute feierlich die nächste Flasche Schlibo. Total konsequent der Mann. Mir gefällts.
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