• Mit dem Klapprad in den Iran 🇦🇲/🇮🇷

    October 30, 2025 in Armenia ⋅ ☀️ 10 °C

    Plötzlich ist der Iran wieder für Reisende ohne begleitenden Guid zu bereisen. Bevor es Weihnachten nach Deutschland geht, habe ich noch gut einen Monat Zeit.

    Die Idee kommt mir schnell, ich reise in den Iran! Fahrzeug fällt wegen einem abgelaufenen Zolldokument (CDP) aus. Aber das macht ja nichts. Mohammad hat ja kürzlich in die andere Richtung bewiesen, dass es per Autostop funktioniert. Die Idee ist geboren. Als mobile Basis dient das Klapprad, für die weiten Distanzen der Autostop.
    Das eröffnet tolle Möglichkeiten viele Menschen kennenzulernen. Das Klapprad schafft wiederum Flexibilität.

    Das Visum besorgt mir Aram innerhalb weniger Werktage. Dann geht es zur iranischen Botschaft in Jerewan. Ebenfalls freundlich & reibungslos. Es geht wieder in den Iran❤️. Was vor wenigen Monaten, noch auf unbestimmte Zeit aussichtslos erschien, ist jetzt wieder möglich🤟.

    Ein Stellplatz für Robur ist ebenfalls zügig organisiert. Die Fa. Morris Trucks gibt mir unkompliziert grünes Licht für die Abstellung auf deren Gelände👍.

    Dort angekommen wird gepackt. Die Nacht ist regnerisch. Regen gibt's im Armenischen Herbst fast nie. Das Wetter fast immer fantastisch. So auch der kommende Morgen. Vom Werkstattgelände grüßt bereits der Ararat. Die Luft ist rein gewaschen und der Ausblick wunderschön. Die Schneefallgrenze stark gesunken, langsam kommt der Winter.

    Mit dem Kettenhund habe ich mich angefreundet. Er freut sich bereits über Streicheleinheiten. Das arme Tier hätte die Freiheit verdient!
    Um 10:20 Uhr geht es los. Stadtauswärts ist der Highway gen Süden schnell erreicht. Die Lage der Werkstatt für dieses Vorhaben top geeignet👌.

    376km sind es bis zur armenisch- iranischen Grenze. Der Weg führt durch die konfliktreiche Region nahe Karabach und Nachitschewan. Wer Nachitschewan nicht kennt, gerne einmal googeln. Dieser Landstreifen zwischen der Türkei und Armenien ist nämlich politisch und geografisch nicht uninteressant und kaum einem geläufig.

    Ich stehe mittlerweile an dem Highway Richtung Süden. Die Sonne scheint und der Ararat strahlt mit feinstem Neuschnee. Das Abenteuer beginnt und ich freue mich. Keine 10 Minuten später stoppt ein Sil130. Genau auf solche Fahrzeuge hoffte ich insgeheim. Einfach mega Geil🙌.
    So geht es los. Das Fahrrad halb auf dem Schoß gen Süden. Ich bekomme einen Armenien Schlüsselanhänger geschenkt, dann verabschiedet sich der erste Chauffeur mit seinem russischen Gefährt.

    Eine knappe Stunde später stoppt Armen. Er ist Geologe und spricht gut Englisch. Er nimmt mich bis Areni mit. Dort stoppt ein Lada und bringt mich bis Vayk. Hier sind wie im letzten Jahr große Truppentransporte des armenischen Militärs zu beobachten.
    Ich stehe bestimmt eine Stunde und der Nachmittag schreitet voran. Dann stoppen zwei Angestellte der Jermuk Mineralwasser Quelle. Schwache 10km weiter stehe ich bereits wieder auf der Straße.
    Mitten im Nirgendwo am Abzweig nach Jermuk. Der Abend kommt und die Sonne verschwindet hinter den Bergen. Autofahren hupen und sind wenig hilfreich. Dann wird auch noch ein Hund überfahren. Er saß mitten auf der Straße, was einem Selbstmord glich. Die arme Hündin wird mit ca. 100kmh erfasst und 15 Meter in meine Richtung katapultiert. Überschlägt sich dann weitere 5 Meter über den Asphalt und kommt jaulend zum erliegen. Puh, läuft grad nicht so gut. Kurz kommt mir der Gedanke ich will zurück nach Hause. Zurück zu Robur. Ich konzentriere mich aber erstmal auf die Hündin. Sie blutet aus und nimmt ihre letzten Atemzüge. Das ist schrecklich anzusehen. Ich nehme meine Kraft zusammen und ziehe das noch warme Tier, aus seiner Blutlache, von der Straße an den Straßenrand. Nun trampe ich neben dem toten Hund. Es ist kalt und wird gleich dunkel. Am Ende ist Reisen auch das Leben. Mit allen Höhen und Tiefen. Möge die Hündin in frieden Ruhen.

    Ich bin nicht so guter Dinge. Fahrer in dicken SUVs lachen spöttisch beim Vorbeifahren. Ich wechsel die Straßenseite und versuche wenigstens die 10km nach Vayk zurückzukommen. Dort habe ich ein Hotel gesehen. Mit dem Fahrrad kommt diese Passage durch ein schmalen Canyon nicht in Frage. Die Autos überholen lebensgefährlich und das bei kurviger und enger Straße. No way!

    Kurz vor der Dunkelheit schaffe ich es ein Auto zu stoppen. Er kennt ein Hotel ganz in der Nähe. Sogar Richtung Süden, in die richtige Richtung. Ich bin froh als ich dort bin. Der Abend klingt bei Suppe und Dolma aus.

    Nach gutem Schlaf ist die Motivation wieder komplett da. Das Abenteuer geht weiter. Nach einem Omelett starte ich um 8 Uhr. Draußen sind minus 5 Grad. Nach kurzer Strecke auf dem Klapprad stehe ich an einem Seitenstreifen im Nirgendwo.
    Alle drei Minuten ein Auto. Keines macht Anstalten zu halten. Viele schauen star nach vorne. Ein SUV Fahrer schneidet mich mit Absicht. Beide lachen. Wer die Menschen kennt, liebt die Tiere, so kommt es mir in den Sinn! Offensichtlich fühlen sich einige Menschen in ihrem Kraftfahrzeug unantastbar. Es wäre ihnen auch egal wenn ich dort erfrieren würde. Mein Gefühl von Nächstenliebe war in anderen Ländern schon größer!

    Immerhin stoppt die Polizei. Sie wollen mich auch nicht mitnehmen. Ich zeige auf den EU Aufkleber und erwähne das mein Heimatland deren Fahrzeug mit finanziert hat. Dies sicherlich um Menschen zu helfen. Außerdem erwähne ich, dass wir Brüder sind und sie mich doch wohl ein Stück mitnehmen können. Ja, tief in die Schatzkiste gegriffen😉 . War aber auch echt scheiße kalt! Die Denkzentrale des Polizisten springt jedenfalls an und nach einigen Sekunden stimmt er zu. Puh, ist das hier alles anstrengend! Aber egal, hat ja keiner gesagt, dass es einfach wird. So startet meine erste Mitfahrt komplett vergittert im hinteren Abteil des modernen Fahrzeugs. Hilfsbereit waren die Polizisten schlussendlich schon. Sie brachten mich ca. 30km an die Bezirksgrenze.
    Dort ging es dann schnell. Weitere 60km vergingen in angenehmer Kommunikation. Der Militärarzt mit Ziel Goris erzählt gerne und ist offensichtlich froh über Gesellschaft. Ich bin es auch. Kann doch alles so schön sein😀.

    Dann eine kurze Mitfahrt mit einem Touristenguid, bevor es mit einem Iveco Truckfahrer auf einen längeren Abschnitt geht. Er gibt mir erstmal einen Kaffee. Dann geht es über zwei Pässe. Die Natur wunderschön. Mit Robur hätte ich die 5-fache Zeit benötigt. Ich möchte keineswegs tauschen, bin aber von den Bremsen und den schnellen Kurvenfahrten sehr beeindruckt.
    Der Herbst ist wunderschön und wir gelangen nach Kapan.
    Hier bringt das Klapprad riesige Vorteile und ungläubige Blicke. 10km ist der Ort langgezogen. So radel ich einmal quer durch.
    Am Ortsausgang geht es nach einer knappen Stunde weiter. 20km mit einem Kleinbus des Bergbaukombinats. Mittlerweile sind von den heutigen 200 Kilometern, bis zur Grenze, nur noch 60 Kilometer übrig. Ich stehe am Fuß des letzten Passes in Kajaran. Ein AMG Fahrer stoppt und das Finale bis zur Grenze startet. Er ist im Außendienst und beruflich unterwegs. Der Pass und die Landschaft wunderschön, der Austausch angenehm. Er bringt mich direkt zum Grenzposten.

    Die Grenzabfertigung selbst verläuft ohne motorisiertes Fahrzeug deutlich einfacher. Der armenische Zöllner verabschiedet mich mit den deutschen Worten: "auf Wiedersehen". Das ist schon etwas lustig. Der iranische Zöllner findet mein Fahrrad echt komisch und ist etwas ungläubig. Er fragt sich offensichtlich wie ich mit dieser Zwiebel von Deutschland hier her gekommen bin😅. Die Abwicklung ist freundlich & unkompliziert und geht schnell von statten. Nachdem ich unter zahlreichen Blicken das weitläufige Gelände durchradelt habe folgt die Endkontrolle. Ich werde per Handschlag begrüßt und im Iran Willkommen geheißen.

    Mit dem Klapprad durch den Iran. Das Abenteuer beginnt🇮🇷❤️!!!
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