• Strand von Legzira

    20–21 feb, Marocco ⋅ ☀️ 16 °C

    Nach meiner letzten ruhigen Nacht auf der anderen Seite von Sidi Ifni, mache ich mich auf in Richtung Cache Nr. GC6AJ07. Ein Earthcache! Es soll eine Art Bogen am Strand von Legzira sein. Ganz ehrlich gesagt erwarte ich nicht viel, da es solche Naturspektakel zu Hauf in Portugal gibt, die wunderschön sind, aber scheuen wir mal.

    Von der R104 sehe ich sehr gut, dass bereits einige Camper auf einem Cliff stehen, das direkt vor Legzira liegt. Die Abfahrt ist sehr gut machbar und ich stelle den Chälli quer mit der Tür zum Strand, hier ist ja genügend Platz. Ausnahmsweise kommt kein Marokkaner und fragt nach Dirham. 🤣🤣

    Ich esse noch eine Pfanne Reis mit Hack und packe mir den Rucksack mit Badehose, Hand- und Strandtuch. Apple Watch auf Wandern und los geht‘s!

    Irgendwo hatte ich schon etwas von mörderischen Abstiegen gelegen, aber ich glaube, dass sich das auf eine Treppe in Legzira bezog. Ich wähle mit Blick auf’s Meer den Abstieg links, der direkt über dem „Nomadic Beach Camp“ liegt. Der Abstieg hat es nämlich in sich. Es sieht es gar nicht so wild aus, aber nach ein paar Metern wird mir klar, dass die Kombination aus sandigem Boden und Kieselsteinen obendrauf eine halsbrecherische Kombination ist. 1x geht mit der untere Fuß weg, was ich Gott sei Dank abfedern kann, sonst geht es nämlich schnurstracks nach unten! Ich bewege mich überaus vorsichtig, da ich weiß, wenn du hier 1x rutschst war‘s das! Gut, dass ich mir meine Vans angezogen habe, für den maximalen Grip, ich hatte nämlich erst die Adiletten überlegt! 🤣
    Nun noch eine kleine Klettereinlage und ich bin unten am Strand.

    Ob die Familie mit dem Kind, die den gleichen Weg nimmt, weiß, worauf sie sich einlassen? Ich versuche ihnen von unten noch Zeichen zu geben, dass sie den Weg NICHT nehmen sollen, aber ich kann auch gar nicht hinsehen und gehe Richtung Bögen!
    Die typisch marokkanisch diffusen Lichtverhältnisse lassen die Bögen in einem ganz besonderen Glanz erstrahlen, schön. Ich freue mich! 🤩
    Es entstehen ein paar Bilder und ich durchschreite den Bogen, setzte mich auf der anderen Seite in die Sonne und widme mich dem Listing des Caches. Es gibt 4 Fragen zu beantworten. Easy peasy!

    Nun ist mal eine Sonnen-Chill-Pause in der herrlichen Kulisse angesagt und ich lege mich mit nacktem Oberkörper auf die Pepples. Obwohl ich ja vorher schon rund 15 Minuten da saß, kommt nach 1 Minute eine Welle und ich liege komplett im Wasser! 🤣🤣 -> das mir das nach all den Jahren am Meer doch nochmals passiert?! 🤣🤣
    Es zeigt mir in jedem Fall 1x mehr, dass ich der See hier nicht vertrauen kann, passt für mich aber auch irgendwie, haha! 😜
    Nur meiner Blitzschnellen Reaktion ist es zu verdanken, dass nur meine kurze Hose auf der Rückseite und die Boxershorts darunter komplett nass sind. Na gut und den Rucksack, der neben mir lag hat es auch voll erwischt und darin befinden sie mein T-Shirt, Hand- und Strandtuch, Geldbörse und Schlüssel. Gut, dass der Schlüssel und die Camel Ledergeldbörse im vorderen Fach und etwas mehr geschützt waren.
    Ich springe auf, realisiere, was genau passiert ist und muss selber lachen! Vor allem weil das Wasser 2 Typen, die 100m rechts von mir sitzen einfach ausgespart hat, aber that‘s life 😁
    Es ist das erste Mal die letzten 3 Jahre und 1x hatte ich die Schuhe nass, da kann man sich eh nicht beschweren, bei dem, was ich am Meer rumspringe. 😏

    Ich nehmendes mit Humor, obwohl die vollgesogene schwere Levi’s Short mit klitschnasser Boxer darunter nicht gerade angenehm ist. Ab nun, aber jetzt immer schön mit dem Arsch zur Sonne, haha 😂

    Nach und nach verlassen die Menschen „die Sonnenseite“, nur noch ein Markkaner in einer wirklich wunderschönen grünen Seidendjellaba ist da, aber auch er bewegt sich langsam zurück durch den Bogen. Dann, wie aus dem Nichts, taucht noch ein rauchender Typ auf und auch er bewegt sich durch den Bogen. „Das ist für mich der Zeitpunkt für ein passendes Endfoto!“, denke ich mir und positioniere erst das iPhone vor dem Rucksack und dann mich vor dem Bogen. Das Titelfoto des Footprints entsteht! 🫶❤️

    Nun durchschreite auch ich den Bogen und schaue nochmals genau das Sandgestein an, da ich verstehen möchte, ob es sich um roten Pelit, Sandstein selbst oder Konglomerate handelt oder eventuell eine Mischung. So oder so ist das Hämatit, was hier im Kitt enthalten ist, die Quarzkörner verschweißt und dem Gestein seine rote Farbe verleiht. Das lässt wiederum darauf hindeuten, dass die Landschaft hier so vor 100-150 Millionen Jahren so entstanden ist.
    Und der Granit?
    Besonders an der Nordspitze des Strandes fällt auf, dass der Sandstein auf einem Granitsockel ruht.
    Hier klafft eine gewaltige zeitliche Lücke, denn der Aufschluss stammt aus dem Präkambrium. Das Prakambrium blickt auf eine über vier Milliarden Jahre lange Geschichte zurück, in der das Leben auf der Erde entstand und die ersten Elemente der afrikanischen Kontinentalkruste gebildet wurden!
    Der Strand von Legzira ist ein Beispiel für eine sogenannte „Boutonnière" (Knopfloch): eine durch Erosion entstandene Vertiefung, die den Zugang zu alten geologischen Schichten ermöglicht. Das erste Mal in meinem Leben befinde ich mich an einer solchen Stelle auf unserer Mutter Erde 🌍 😳😁🫶❤️💫✊💪👏
    Als ich das begreifen erlangt der Ort seine Magie 💫

    Demütig gehe ich weiter, passiere einige Leute, mache noch Fotos von der anderen Seite und ziehe meines Weges den Strand entlang. Ich passiere das Camp, ein altes Steinhaus, die Surffschule und dann zieht sich hinter der nächsten Ecke vom Cliff der untere Restaurant- und Touriteil von Lezira. Völlig in meinem Zen schaue ich umher und gucke auf eine Speisetafel, was gleich jemand zum Anlass nimmt und angeglotzt kommt, um mir Essen schmackhaft zu machen. Ich winke ab, da ich völlig woanders bin.
    Aus der Ferne entdecke ich einen attraktives Hinterteil, was zu einer Frau gehört, die sich dort mit ihrem glatzköpfigen Mann ein Sonnenbad gönnt. Ich gehe nichts achtend vorbei und finde ein paar Meter weiter eine warme Stelle im Sand, wo ich das Strandtuch und meine restlichen Sachen in der Sonne ausbreiten und mich nur in der Boxershorts bekleidet in die Sonne fläze. Ehe ich mich versehe knacke ich ein und wache 30 Minuten später wieder auf, nur, um völlig neben der Spur zu sein. „Nun gut!“, denke ich mir, sehe Leute und dieses Pärchen im Restaurant sitzen, sehe meinen knallroten Schädel in der Reflexion meines Handys, ziehe mich an und packe meinen Kram zusammen.

    Ziemlich schlafbenommen wackele ich vorbei an dem Restaurant einige Treppen hinauf, die meinen Körper fordern. Ich schaue auf das Handy, in welche Richtung der Cache Nr. GC7MYC8. Auf dem Weg dahin entdecke ich auch endlich die mörderische Treppe, von der ich schon irgendwo gelesen hatte. 🤣👌*
    Auch diese steige ich noch leicht widerwillig auf, bis mich oben eine süße, kleine und gestreifte Katze erwartet. Sie ist zutraulich und schmust gerne mit mir. Unter einem Mauz mauz passiere ich das Eisentor in den Innenbereich des „was auch immer es mal war oder ist“, das weiß man ja hier in Marokko teilweise nicht so genau. Wird es noch benutzt oder ist es schon ein LP (Lost Place). 🤣
    Es geht nach rechts, vorbei an der Kaschemmen auf den Parkplatz, der wohl ein Campingplatz sein soll, wie ich später auf Google Maps finde 🤣🤣
    Ich inspizieren die typischen Ecken etc., irgendwo muss der scheiß Cache ja sein! Dann steht urplötzlich ein junger Schäferhund neben mir, der wohl auch unbedingt gekuschelt werden möchte. Gesagt, getan!
    Nun werde ich doch mal besser ein Blick auf das Handy, anhand dessen ich erkenne, dass der Cache wohl draußen an irgendeiner Steinkonstruktion zu finden ist. Ich gehe wieder zurück, passiere wieder die Katze, die sich aufgrund des Schäferhundes wie ein Transformer in etwas größeres mit Buckel zu verwandeln scheint, links um die Ecke an der Wand entlang bis zu einem Wasserhäuschen. Ich gucke in ein Loch hier und ziehe ein Tuch aus einem Loch da, dann finde ich den Cache. Für das Beweisfoto gehe ich auf die Ecke vor, von der man wunderbar auf den Strand herunterblicken kann. Ich nehme meine typische Cache-Sieger-Beweisfoto-Pose ein und lass die Kamera vom IPhone auslösen. Die schwarze kleine Dose ist schnell wieder in der Wand verstaut und ich gehe zurück zur Treppe. Dort schaue ich noch einmal von der anderen Seite hinunter zum Strand und will m dann die Treppe nach unten nehmen, als mir drei junge Frauen den Weg versperren. Ich sage freundlich hi und zwei von drei grummeln sich irgendwas aus ihren nicht vorhandenen Bärten zurück. Runter ist die strebe aber nun wirklich mit Vorsicht zu genießen, da sie doch sehr zerstört ist.

    Unten angekommen gehe ich zurück zum Parkplatz, passiere den Wächter, den ich mit Salam Aleikum grüße und der seltsame arabische Musik hört, die ich so noch nie wahrgenommen habe. Ein Stück weiter rauf geht es nach rechts durch die scheinbar im Bau befindliche neue Straße und weiter rechts den Abhang herauf und so komme ich wieder auf das Plateau mit den Campern.

    Dort mache ich mir erst mal vom Hunger geplagt ein paar schöne Bratkartoffeln marokkanischen Gewürzen und Gouda Käse in der gusseisernen Pfanne und dazu Oliven mit Kapern.

    Danach beschließe ich, es den Rest des Tages ruhig anzugehen, da ich etwas Kopfschmerzen habe und zudem leicht geschafft bin. Ich lege mir die Yogamatte vor dem Chälli, mit dem großen Kissen an den Hinterreifen gelehnt und chille einfach mein Leben. So geht der Tag zu Ende, aber seht doch selbst!
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