• Durchs verminte bosnische Bärengebiet

    Yesterday in Croatia ⋅ 🌙 22 °C

    Frühstück war so lala. Dafür gab's direkt gegenüber von meiner Unterkunft einen Obst- und Gemüsestand. Für 2 Konvertible Mark (= 1 €) erstand ich drei Äpfel und eine viertel Melone. Ein Genuss! Dann gings sofort bergauf. Zuerst tolle kleine asphaltierte Straße, aber nach etwa einem Kilometer kam nur noch Geröll und Steine. Garmin piepst: :piep! Anstieg beginnt"! 17 km nur berghoch und das bei diesen drecks Steinen! Die ganze Zeit machte ich mir Sorgen um meine Speichen! Dann kamen Warnschilder mit Totenkopf. "Achtung! Alles vermint!" Relikte aus dem Jugoslawienkrieg der 90er Jahre. Schon machte ich mir keine Sorgen mehr um meine Speichen!
    Dann kam das nächste Warnschild: Achtung Bärengebiet! Die Behörden übernehmen keine Verantwortung, sollte ein Radfahrer gefressen werden! Schon machte ich mir keine Sorgen mehr um meine Speichen und und nicht um die Minen! Insgeheim malte ich mir aus, dass ich während der Reparatur meiner gebrochenen Speichen von einem Bären angegriffen werde, der aber kurz bevor er mich erreicht, auf eine Mine tritt!
    Das macht die Sonne! Wir hatten hier schon morgens um 9 Uhr schon 28 °!
    Irgendwann - nach vielen verlassenen und zerschossenen Häusern kam ich endlich in die bosnische Stadt Bihac. 20 Kilometer in vier Stunden! Super!
    Ab hier gings dann auf vielbefahrenen Straßen Richtung Bosnisch-Kroatischer Grenze. Kein Vergnügen, aber deutlich schneller. An der Grenze ein ellenlanger LKW-Stau. Ich nahm Rache für die ganzen riskanten Überholmanöver und radelte feixend an denen vorbei. Am ersten bosnischen Schalter zeigte ich mein passport vor, der Beamte wünschte gute Reise. Bei den Kroaten fragte mich der Zöllner, ob ich Zigaretten zu verzollen hätte, zeige auf mein bepacktes Rad und grinste: "du rauchst glaube ich nicht!" Ich bedankte mich und wollte los. Dann kam aus dem zweiten bosnischen Schalter eine fette Polizistin rausgeschossen und fuhr mich an: "Passport!" Ich erklärte ihr höflich, dass ich den Pass schon am ersten Schalter vorgezeigt hätte. Egal, sie habe hier das Sagen und ich sollte gefälligst warten bis die 6 hinter mir stehenden Autos durch sind! Eine dreiviertel Stunde durfte ich in der prallen Brite stehen, weil "Problembärin Bruni" etwas gegen Radler hatte! Für diese blöde Kuh stand nirgends ein Warnschild!
    Die nächsten 25 km ging es mal wieder nur bergauf bis zum Nationalpark Plitvitzer Seen. Eigentlich wollte ich mir dort Quartier nehmen, aber hunderte deutsche Survivaltouristen mit Rucksäcken größer als der von Tensing Norgay (der Sherpa von Sir Edmond Hillary) und die 23 € Eintritt in den Nationalpark (Preis Nebensaison) haben mich zügig vorbei radeln lassen.
    Jetzt geht's ins Bettchen, morgen warten noch mehr Höhenmeter!
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