Das ist also diese gelbe Wand
August 22 in Germany
☀️ 18 °C
Nicht erst, seitdem ich in NRW wohne, steht das Westfalenstadion weit oben auf meiner Liste der Stadien, die ich unbedingt einmal besuchen wollte. Leider hatte ich bei den gewöhnlichen Ticketvergaben nie Glück – bis jetzt! Es hatte endlich geklappt, und ich konnte sogar meinen Herzensverein, den FC Bayern München, zum Auswärtsspiel begleiten: Beim Supercup 2026 ging es direkt gegen Borussia Dortmund um den ersten offiziellen, wenn vielleicht auch nicht ganz so wichtigen Titel der jungen Saison.
Die Anfahrt mit dem Auto verlief entspannt und auch das Parken klappte reibungslos, da ich vorab ein Parkticket online gebucht hatte. Begleitet wurde ich von meiner Frau, meinem Vater und einem Bekannten aus meinem Ehrenamt – vier waschechte Bayernfans!
Am Stadion angekommen, hielten wir an den Buden davor noch Ausschau nach etwas Geselligkeit und schlossen uns einer Gruppe Jungs eines Fanclubs aus Niederbayern an. Wir stießen gemeinsam an und kamen schnell ins Gespräch. Auch wenn sie anfänglich etwas skatisch auf unseren fränkischen Dialekt reagierten, entwickelte sich ein herrlich herzlicher Austausch. Uns entging allerdings nicht, dass die Gruppe schon ordentlich gebechert hatte und völlig ungeniert Schmähgesänge auf den BVB anstimmte.
Die Dortmunder Fans verhielten sich im Allgemeinen eher zurückhaltend und beließen es bei argwöhnischen Blicken. Lediglich ein besonders charmantes Exemplar rülpste meiner Frau und mir im Vorbeigehen direkt ins Gesicht. Meine Frau war sichtlich irritiert, doch ich beruhigte sie mit der Erklärung, dass dies in Dortmund eben die gängige Form einer höflichen Begrüßung sei.
Danach ging es hinein ins Stadion – wo allerdings eine kleine Enttäuschung auf uns wartete: Der Umlauf des Stadions wirkt erstaunlich karg. Außer einem nackten Beton-Treppenhaus, das zu einem Bereich mit Bratwurstbude und Toiletten führt, gibt es dort nicht viel. Der Weg in den Block war zudem ziemlich verwinkelt, sodass es gar nicht so leicht war, unsere Plätze zu finden. Dort lernten wir ein Ehepaar mittleren Alters kennen, das in Norddeutschland lebt und dennoch zu jedem Spiel des FC Bayern reist – eine beachtliche Leistung, wenn jedes Heimspiel einer halben Weltreise gleicht!
Die Stimmung im Stadion blieb leider etwas hinter den Erwartungen zurück und der Tempel konnte seinem legendenumwobenen Ruf an diesem Tag nicht ganz gerecht werden. Beim Supercup war das allerdings absehbar, da die organisierten Fan-Szenen beider Vereine dem Spiel fernblieben. Die mitgereisten Bayernfans machten das Beste daraus, während es von den Dortmundern eher ruhig blieb – auch wenn es natürlich trotzdem ein imposantes Bild abgibt, wenn auf der Südtribüne 25.000 Fans ihre Schals in die Höhe strecken.
Das Spiel selbst war richtig gut: Bayern zeigte eine starke erste Halbzeit und ging in der 28. Minute durch Neuzugang Brown nach Vorarbeit von Olise verdient in Führung. Nachdem weitere Torchancen ungenutzt blieben, erhöhte Olise kurz vor dem Pausenpfiff auf 0:2.
In der zweiten Hälfte kam der BVB besser in die Partie. Die Bayern standen zwar defensiv weitgehend stabil, mussten in der 75. Minute aber doch den Anschlusstreffer durch Fábio Silva hinnehmen. Es keimte schon das leidige Gefühl auf, dass die Bayern ihre Überlegenheit mal wieder nicht konsequent nutzten und das Spiel noch aus der Hand geben könnten – zumal es bei einem Unentschieden nach 90 Minuten direkt ins Elfmeterschießen gegangen wäre. Doch dem eingewechselten BVB-Stürmer Beier verließen in der 93. Minute frei vor dem Tor die Nerven: Er vergab die Riesenchance zum Ausgleich, und kurz darauf durften wir den ersten Titel der Saison bejubeln!
Während die Bayern-Mannschaft die Trophäe in Empfang nahm und ausgiebig vor unserem Gästeblock feierte, leerte sich das Stadion auf Heimseite schlagartig. Die BVB-Anhänger auf der Haupttribüne waren dabei wenig zu beneiden: Um den Block zu verlassen, mussten sie direkt am Gästeblock vorbei, wo sie von den Bayernfans mit reichlich Hohn und Spott verabschiedet wurden. Schmunzelnd beobachtete ich die Szenerie – und erkannte in der allerersten Reihe prompt unsere niederbayerischen Bekanntschaften von vor dem Spiel wieder, wie sie mit abfälligen Gesten und sicherlich vielen gehässigen Kommentaren beschäftigt waren.
Nachdem genug gefeiert war und die Mannschaft in den Katakomben verschwand, machten auch wir uns auf den Rückweg zum Auto. Meiner Frau war es nicht ganz geheuer, sich im Dunkeln auf fremdem Terrain zu bewegen. Nicht gerade hilfreich war dabei die Bemerkung eines entgegenkommenden BVB-Fans, der ihr im Vorbeigehen zuraunte, weiter vorne würden schon die Hooligans auf uns warten. Zum Glück nur diffuser Müll, um sie grundlos in Schrecken zu versetzen.
Da sich der Parkplatz bereits gut geleert hatte, waren wir im Nu auf der Autobahn und rollten – nach nur einem kurzen Stau – müde, aber glücklich wieder zu Hause ein.Read more




