• Spielabbruch in Nürnberg

    Aug 11–20, 2008 in Germany ☁️ 23 °C

    Ich schloss mich spontan meinem Kumpel an, um ihn zum Bundesliga-Heimspiel des 1. FC Nürnberg gegen den VfL Wolfsburg zu begleiten. Was als ganz gewöhnlicher Stadionbesuch am Freitagabend begann, sollte recht schnell in die Geschichtsbücher des deutschen Fußballs eingehen.

    Zunächst lief für den Club alles nach Plan: Ivan Saenko erzielte in der 35. Minute die verdiente 1:0-Führung, und die Stimmung im easyCredit-Stadion war bestens. Doch rund um die Halbzeitpause zogen über Nürnberg dunkle Wolken auf, und es entlud sich ein Platzregen von wahrlich biblischem Ausmaß. Der Rasen verwandelte sich innerhalb von Minuten in eine Seenlandschaft. Schiedsrichter Jochen Drees schickte die Teams zwar noch einmal für ein paar Minuten auf den Platz, stellte das Ballrollen aber schnell wieder ein: Nach 57 Minuten folgte der unvermeidliche Pfiff – der allererste Spielabbruch der Bundesliga-Geschichte aufgrund von Unbespielbarkeit des Rasens durch Regen!

    Beim Verlassen der Tribüne machten wir noch eine glückliche Entdeckung: Auf der Tribüne entdeckten wir eine herrenlose Eintrittskarte. Da die Tickets ihre Gültigkeit für die Neuansetzung behielten, bedeutete dieser Fund für uns ein Gratis-Ticket, um beim Wiederholungsspiel noch jemanden mitzunehmen.

    Knapp eine Woche später stieg das Nachholspiel. Wie im Regelwerk vorgeschrieben, startete die Partie komplett von vorn beim Stand von 0:0 – das gestrichene Saenko-Tor war nur noch eine Anekdote für Fußballexperten. Die Frankennacht hielt jedoch ihr Happy End bereit: In der 79. Minute stieg Sturmtank Jan Koller nach einer Pinola-Flanke am höchsten und köpfte den Club zum umjubelten 1:0-Sieg. So holte sich der FCN die drei Punkte einfach im zweiten Anlauf – und wir hatten dank des Nürnberger Wolkenbruchs eine unvergessliche Anekdote samt Bonus-Mitfahrer im Gepäck.
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