• Eisiger Freitagabend in Freiburg

    January 20, 2017 in Germany ☀️ -3 °C

    Ein früherer Studienfreund aus Mosbacher Zeiten, ebenfalls eingefleischter Bayern-Fan, hatte zwei Karten für das Auswärtsspiel beim SC Freiburg ergattert und bot an, mich mitzunehmen. Da musste er mich nicht zweimal fragen – ich war natürlich sofort dabei!

    Am Spieltag holte ich ihn am Rande von Heidelberg ab, wo er mittlerweile in einer Art Studentenwohnheim lebte. Das Besondere an dieser Unterkunft: Einige Jahre zuvor wurde hier noch dem horizontalen Gewerbe nachgegangen. Die vielen kleinen, zweckgebundenen Zimmer passten erstaunlich gut zu beiden Verwendungszwecken. Er erzählte mir auch, dass er jedesmal auf dem Heimweg vom Feiern vom Taxifahrer darauf angesprochen wurde, dass bei der Adresse nichts mehr los sei und die Fahrt vergebens wäre.

    Mit meinem Kumpel auf dem Beifahrersitz steuerte mein treuer VW Polo schließlich die restliche Strecke gen Süden in Richtung Freiburg.

    Vom letzten Auswärtsbesuch kannte ich glücklicherweise noch den perfekten Park-Spot. Allerdings war ich nicht in allen Bereichen so vorausschauend vorbereitet: Vor Ort pfiff ein eisiger Wind durch den Breisgau, und ich hatte im Eifer des Gefechts glatt meine Mütze zu Hause vergessen. Ein fataler Fehler bei den Minusgraden! Zu meinem Rettungsanker wurde zum Glück ein kleiner Fanartikel-Verkaufswagen vor dem Stadion, an dem ich mir rasch eine Mütze des FC Bayern kaufte, die meinen Kopf vor dem Erfrieren bewahrte.

    Drinnen im Schwarzwald-Stadion bot sich kurz vor dem Anpfiff ein fantastisches Bild: Die Freiburger Fanszene präsentierte eine eindrucksvolle Choreografie, die von einem sehenswerten Feuerwerk direkt hinter der Tribüne begleitet wurde – man hatte hier offensichtlich noch einige wohlbehütete Restbestände aus der Silvesternacht übrig gehabt.

    Auf dem Rasen entwickelte sich von der ersten Minute an ein echter Winterkrimi: Der freche Aufsteiger erwischte die Bayern eiskalt. Bereits in der 4. Minute nutzte Janik Haberer eine Unachtsamkeit in der Münchner Hintermannschaft und schoss den SC Freiburg mit 1:0 in Führung. Die Bayern taten sich auf dem tiefen, frostigen Boden extrem schwer, kämpften sich aber noch vor der Pause zurück: In der 36. Minute verwertete Robert Lewandowski eine Ecke von Douglas Costa direkt per Volley zum 1:1-Ausgleich.

    In der zweiten Halbzeit rannten die Bayern unermüdlich an, doch die Freiburger Verteidigung stand wie ein Bollwerk. Als sich bereits alle mit einem Unentschieden abgefunden hatten, schlug in der ersten Minute der Nachspielzeit (90.+1) die große Stunde von Robert Lewandowski: Nach einer Flanke von Franck Ribéry nahm der Pole den Ball im dicht besetzten Sechzehner kunstvoll mit der Brust an, legte ihn sich mit dem linken Fuß selbst hoch und spitzelte ihn per Volley-Bogenlampe millimetergenau über den Torwart hinweg an den innen liegenden Pfosten und ins Netz zum 1:2-Siegtreffer!

    Ein absolutes Traumtor kurz vor dem Abpfiff – und die kalte Freiburger Nacht wurde auf einen Schlag zum rot-weißen Jubelmeer. Mit drei Punkten im Gepäck, wohlig warmen Ohren dank der neuen Mütze machten wir uns im Polo auf den Heimweg.
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