• Welwitschien & verzweifelte Italiener

    July 20, 2024 in Namibia ⋅ ☀️ 13 °C

    Wer hat schon Mal was von der Welwitschia gehört? In einem der ersten Bücher, an die ich mich erinnern kann, gab es ein Kapitel über sie, und seitdem wünsche ich mir, sie einmal zu sehen (jeder hat so seine seltsamen Kindheitsträume...).
    Aufgeregt brechen wir also von der Blutkuppe Richtung Küste auf. Nach zwei Stunden Fahrt sehe ich einen Steinkreis um einen grünen Haufen auf dem Sandboden: die erste Welwitschia!! Es handelt sich dabei um eine sehr spezielle Pflanze, die nur hier und sehr langsam wächst. Ihre beiden harten, langen Blätter fransen mit der Zeit immer wieder aus, sodass es aussieht, als hätte sie viele Blätter. Wir kommen näher und sehen Käfer auf ihr herum krabbeln, die nur an der Pflanze leben können. Ein kleines, ganz spezielles Biotop!
    Andi kann mich nur losreißen, indem er eine Eidechse spottet, die exakt die Farbe des Bodens hat. Wie er die nur gesehen hat... Bei der Weiterfahrt sehen wir rechts und links immer mehr Welwitschien, bis wir im Welwitschia Valley angekommen sind. Viele tausend der besonderen Pflanzen wachsen hier. Hier finden wir auch heraus, was es mit dem Steinkreisen auf sich hat: jede Pflanze hat ein weit verzweigtes, empfindliches Wurzelnetz im Boden, mit dem es das wenige Wasser auffängt. Wenn viele Touristen über dem Wurzelnetz herumtanzen, könnte es der Pflanze schaden.
    Das ist auch der Grund, warum die mit Abstand größte Welwitschia eingezäunt ist. Die Pflanze wird auf stolze 1.500 Jahre geschätzt! Schon verrückt, sich vorzustellen, was alles in der Welt passiert ist, während diese Pflanze langsam in der Wüste Namibias vor sich hin wuchs.

    Wir machen uns auf die Weiterfahrt, als Leute auf der Straße vor uns aufgeregt winken. Wir treffen auf vier Italiener, die sich gerade einen Platten eingefangen haben und jetzt dezent überfordert sind. An ihrer Kleidung können wir erkennen, dass sie nicht wie wir gerade von einem Campingplatz im Nirgendwo mit Plumpsklo kommen.
    Also steigen wir aus und bieten unseren gesunden Menschenverstand zur Hilfe an - mehr haben wir nicht, schließlich mussten wir bei unserem Auto noch keinen Reifen wechseln.
    An mehreren Knackpunkten kann ich dann glücklicherweise helfen, sodass der Italiener sich weigert, irgendetwas zu tun, bevor ich es nicht freigegeben habe. Andi amüsiert sich und ist froh, dass mein Bestätigungspensum heute von anderen erfüllt wird.
    Laut Ciao rufend und winkend verabschieden die Italiener uns, als wir weiter Richtung Moon-Landscape fahren. Obwohl die Mondlandschaft auf mehreren Schildern angekündigt wird, haut uns der plötzliche Landschaftswechsel mal wieder von den Socken. Namibia, du wundervolles verrücktes Land! Auf der einen Seite sehen wir unspektakuläre sandfarbene Ebenen, auf der anderen graue zerklüftete Hügel und Krater.
    Entlang des Weges nach Swakopmund liegen zehn größere oder kleinere Sehenswürdigkeiten, von denen einige mit den Jahren verschwunden sind. Der letzte Stopp soll seltene Flechten in sehr alten Wagenspuren zeigen. Übrig ist aber nur noch ein Schild, auf dem steht, dass die Flechten gestohlen wurden - wer macht denn so etwas?

    Passend zum Sonnenuntergang kommen wir aus der Wüste in Swakopmund an und sehen zu, wie die Sonne langsam im Meer versinkt. Wir freuen uns auf einige Tage in dieser so ganz anderen Natur.
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