Wanderung Tag 1: Inka-Trail & Krater
October 6, 2024 in Bolivia ⋅ ☀️ 14 °C
Es gibt eine zweitägige Wanderung, die uns von einigen Backpackern in Sucre empfohlen wird: über einen alten Inka-Weg bis in einen verloschenen Vulkan, vorbei an Dino-Spuren bis in ein kleines Dorf. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Die Informationslage ist dabei ziemlich dünn. Von einer Deutschen wird mir eine fragwürdige Wegbeschreibung zugeschickt (Zitate: "[...] wenn du die Schafe siehst rechts gehen [...]" und "[...] dann kommt ein Erdrutsch, der gefährlich aussieht, aber ziemlich sicher ist [...]"). Von einer Belgierin bekomme ich eine französische Seite geschickt, auf der eine Route auf einer Karte eingezeichnet ist, die aber nicht so wirklich zum Text der Deutschen passt. Tanja tut ihr Bestes und erstellt eine Route auf Komoot, die anstrengend, aber immerhin begehbar aussieht.
In einem öffentlichen Minibus bekommen wir morgens die letzten beiden Plätze und fahren eingequetscht eine Stunde bis zum Startpunkt in dem Dörfchen Charaquila. Zufällig sind die Belgierin und eine Französin mit in dem Bus, sodass wir nicht ganz alleine verloren gehen würden. Dann laufen wir einen alten, gut gepflegten Inkaweg bergab. 800 Höhenmeter auf 5 km Länge! Das ist zu viel für Tanjas Knie, und mit starken Schmerzen quält sie sich bergab, während Andi lieberweise ihren Rucksack trägt. Tanja dazu: Sag mal, ich bin doch noch zu jung für Knieschmerzen!
Dann geht es Offroad, und über kleine, oft kaum erkennbare Wege legen wir die nächsten flachen (juhu!) 5 km entlang eines Flusses zurück. Die Ausblicke auf die vielfarbigen Berge sind dabei unglaublich!! Wir gelangen an eine wackelige, schräge Brücke, die wir lieber nicht alle gleichzeitig überqueren. An deren Ende wartet ein Einheimischer auf uns, der einen inoffiziellen Wegezoll verlangt. Wir fügen uns und stapfen weiter.
In der prallen Sonne klettern wir Hügel hinauf und hinab, bis wir an besagtem Erdrutsch ankommen. Der sieht tatsächlich gefährlich aus, und als Tanja probehalber einen Fuß auf den Weg setzt, rieseln viele kleine Steinchen nach unten - beängstigend, vor allem mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken! Andi traut sich bis zur sicheren Mitte und spricht Tanja gut zu, sodass sie es ebenfalls unbeschadet schafft. Währenddessen entscheidet sich die Französin, dass das zu gefährlich ist, und verschwindet aus unserem Blickfeld, um die Stelle über uns auf einem anderen Weg zu umklettern. Das finden wir gar nicht gut, aber es ist nunmal ihre Entscheidung. Die sportliche Belgierin hat bei uns gesehen, dass alles gut ging, und überquert die Stelle ganz entspannt. Die zweite Hälfte des Erdrutsches ist flacher, und so kommen wir gut an Ende an. Die Belgierin sehen und hören wir nicht und machen uns daher ziemliche Sorgen. Inzwischen sitzt am Anfang des Erdrutsches ein riesiger schwarzer Hund. Plötzlich erscheint die Belgierin tränenüberströmt hinter dem Hund - sie hat keinen besseren Weg gefunden, um zu uns zu gelangen. Mit der Kraft der Verzweiflung drückt sie sich an dem Hund vorbei und überquert schnell den Erdrutsch. Puh, Gott sei Dank hat alles geklappt! Mental und körperlich war das alles ziemlich anstrengend.
Die letzten 6 km und 300 Höhenmeter bergauf auf teils schwierigem Terrain ziehen sich, und Andis Batterie ist inzwischen leer. Zwischendurch spielt er mit dem Gedanken, sich einfach auf den Weg zu legen und zu schlafen.
Als wir im Dorf im riesigen Vulkankrater mitten im nirgendwo endlich bei unserer per WhatsApp gebuchten, heruntergekommen aussehenden Unterkunft ankommen, interessiert sich niemand für uns. Auf unsere Nachrichten antwortet niemand, und im Gespräch mit einem kleinen Jungen erfährt Tanja, dass die Inhaberin gerade eine Freundin besucht. Also sagt Tanja per WhatsApp die Unterkunft ab und bekommt sofort zwei Daumen geschickt, super. Wir laufen zu einer anderen Unterkunft, die verlassen wirkt. Wir rufen den Inhaber auf der groß aufgemalten Handy-Nummer an. Er verrät uns das Versteck des Haustürschlüssels und verspricht, eine Stunde später da zu sein. Wir sind total glücklich, uns schon Mal (leider nur kalt) duschen zu können und uns ins Bett zu legen. Beim Essen entscheiden wir uns dazu, die Wanderung abzubrechen oder zumindest abzukürzen, da der nächste Tag noch härter sein soll. Tanja und ihre schmerzenden Knie nehmen Andi’s Vorschlag gerne an und so organisiert uns der Inhaber ein Taxi, das uns am nächsten Tag von den Dino-Spuren abholen soll. Erschöpft fallen wir ins Bett und schlafen sofort ein.
Kosten pro Person:
- Transport Hinfahrt (Bus): 3,00€
- Wanderweggebühren: 5,30€
- Unterkunft: 13,20€Read more





























Traveler
Das fängt ja gut an 😎🦋💙
Traveler
Das sieht auch noch fresh aus 😘🦋💙
Traveler
Ich sehe ihr seid gut über die sieben Brücken gekommen ❤️🦋💙