• Kultur in Sucre #1: Alltägliches

    September 26, 2024 in Bolivia ⋅ ☁️ 12 °C

    Dieser Post ist vor allem einem gewidmet: den Umzügen in Sucre. Jeden einzelnen Tag sehen wir einen anderen Umzug. Mal protestieren Kindergartenkinder im Bienen-Outfit gegen die Zerstörung der Umwelt, mal laufen die zehn Angestellten einer lokalen Druckerei mit Werbung und lauter Musik vorbei, mal wird in traditionellen Kostümen durch die Straßen getanzt. Die Bewohner Sucres lieben anscheinend Umzüge und zeigen dies auch. Wir sind begeistert von der Lebensfreude und den gelebten Traditionen, die uns hierdurch anstrahlen! Hier braucht man weder Fasching noch Alkohol, um durch die Straßen zu ziehen.

    Wir leben uns gut in Sucre ein und finden unseren Rhythmus. Andi futtert sich durch das Streetfood und lässt sich keinen Hotdog oder Hühnchenstand entgehen.
    Tanja traut sich auf den Markt, um Obst und Gemüse zu kaufen, und wird nur ein Mal finanziell ziemlich abgezogen. Auf dem Weg hört sie laute Musik und findet ein Sportstudio mit Jumping-Fitness (intensives Hüpfen auf kleinen Trampolinen). Zwei Mal wagt sie an dem Kurs teilzunehmen, und wird sehr herzlich von den Einheimischen empfangen.
    Sie findet einen kleinen Bücherladen und lässt sich vom Verkäufer beraten, um eine leichte Liebesgeschichte auf Spanisch zu finden. Dabei wird sie höflich von einem älteren Herr unterbrochen, der Professor an der Universität ist. Er besteht darauf, ihr einige komplexe Bücher zu Psychologie und Geschichte auf Spanisch zu bringen, und ignoriert ihre Einwände, dass das zu anspruchsvoll für ihre Sprachkenntnisse ist. Schockiert hört er, dass sie noch nicht alle Werke von Hermann Hesse gelesen hat ("¿¿Por qué no??"- "Warum nicht??"), und bringt sie zur Wand mit den deutschen Werken. Mittig prangen "Mein Kampf" und andere Bücher mit großem Hakenkreuz ("!Era un gran hombre!"- "Das war ein großer Mann!"). Tanja kauft ihre Schnulze und bedankt sich für die spannende Unterhaltung.
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