• Grey Hawk down!

    July 8 in Italy ⋅ ☀️ 33 °C

    Die Geschichte dieses Tages beginnt bereits am Vorabend! Ist spannend und hält uns aufgeregt. Vor dem Zu-Bett-gehen in Valmadrera beginnen wir die ersten Dinge zu packen. So holt auch Katrin die wichtigsten Papiere aus dem Safe. Oder besser, sie versucht es. Denn bisher war der Safe unser Freund und quittierte die Eingabe des Codes mit fröhlichem Piepsen und einen "Schrapp", was uns die Öffnung des Mechanismus verkündete. Das machte er an diesem Abend nicht. Und was dieses poetische Schweigen doch auslöst. Zuerst Irritation der Katrin. Dann bin ich dran. Ob ich mal aufstehe. Unterschwellige Botschaft: "Mach, dass das aufgeht!". In meinem Kopf so: Egon Olsen. Aber das Schloss ist halt elektronisch. Katrin eignet sich via Internet das gesammelte Wissen über Tresore dieser Art an. Das Ergebnis ist, dass wohl die Batterie alle ist und man ein Spezialdingsbums braucht. Oder anders, wir brauchen Massimo. Diesen bestellt Katrin wie den Botschafter eines abtrünnigen Staates ein. Jener liest die Nachricht um halb 6 am Morgen und versichert mehrfach (!!!) "No problem". Doch genau das macht uns nervös. Aber der sympathische Massimo erscheint und diese dumme Geschichte findet binnen 2 Minuten einen glimpflichen Ausgang. Warum? Spezialdingsbums!.
    Die Fahrgemeinschaft startet die romantische Tour nach Genau über Bobbia durch das sogenannte Hemingway-Tal. Allerdings müssen wir dennoch irgendwie am Moloch Milano vorbei, was verkehrsmäßig nervt und Sina im ersten Führerscheinjahr einige Kopfschüttler abverlangt. Mein Angebot, zu fahren, lehnt sie aber (noch) "höflich" ab. Die soll aber bezogen auf das Fahren nicht die einzige Herausforderung bleiben. Getrieben vom Hunger halten wir am Espresso-Imbiss. Irgendwie sehen wir sehr lost aus als wir da unser überteuertes Panini mümmeln. Nach Piacenza geht ins Hemingway-Tal. Es ist eigentlich das Tal des Trebbia in der Emilia Romangna. Dieses wurde von good old Ernest als eines der schönsten Täler der Welt beschrieben. Es ist wirklich schön und wildromantisch. Die Kurven (tornanti) sind wieder herausfordernd. Aber meine Mitfahrer sind wahre Englein was das angeht, Digga!
    Wir erreichen unseren romantischen Zwischenstop in Bobbio. Ein verschlafener Ort, der auf eine von einem irischen Mönch gegründete Abtei zurückgeht. Außerdem gibt es da die alte Brücke "Ponte Gobbo" oder auch "Ponte Diavolo" über den Trebbia. Die wollen wir angucken. Und wir wollen die Füße ins Wasser tun und wir wollen die Brücke per Drohne knipsen. Dabei finde ich den Rückwartsgang und ignoriere Regel Nummer 1 beim Rückwartsfliegen. Erst gucken, was hinten ist. Da waren Bäume und unten drunter die Wasser des Trebbia. Grey Hawk down!
    Aber wo? Katrin sucht bis zu den Schultern im Wasser. Ich erreiche das gegenüberliegende Ufer und finde die Drohne von oben! Witzig! Liegt im Wasser und sieht traurig aus. Davon lassen wir uns aber die Laune nicht verderben. Wir lassen sie einfach erstmal trocknen. Bei 36°C kein Ding. Dann erorbern wir den kleinen Ort Bobbio. Genießen in einem niedlichen Cafe einen Imbiss, besuchen die schön ausgestaltete Kirche Santa Mario Assunta aus der Zeit um 1075 und finally bekommen wir italienisches Eis der Spitzenklasse.
    Ein paar Kilometer weiter gehen wir im Fluss baden. Das ist herrlich wohltuend und macht riesig Spaß.
    Zuletzt bleibt die Einfahrt nach Genua. Erneut lehnt Sina das Pilotenangebot ab. Wir kommen in unserer Wohngehend an und wissen unsere dörfliche Heimat sehr zu schätzen. Der Hochhauskomplex hat 1.000 Appartments und von diesen Komplexen steht hier einer am anderen. Schön ist anders! Aber ein großer Teil der Weltbevölkerung lebt so. Dreckig. Laut. Abgeranzt. Und dann die Anfahrt auf unsere Garage. Die wir hier wohl aus kriminalistischer Sicht dringend benötigen. Mit dem VW Passat haben wir hier die fetteste Karre, was die Anfahrt aber erschwert. Die ist nur für Vespas und Fiat 500 ausgelegt. Beide Kinder zollen Respekt. Katrin ruft an, weil zum auskundschaften vorausgegangen, wo ich denn bleibe. Während ich durch eine Gasse fahre, links und rechts Autos, die genau EINEN Zentimenter breiter ist als das Auto. Gruß an den Leasing-Geber: erst mal alles im Lack! Begrüßt werden wir von Wael, einem Syrer, keine Stimme, weil gestern mit Husband zum Konzert. Ich erkläre meinen Namen. Schließlich sage ich "call me Hawk". Alle verleiern die Augen. Finya fragt: "Kann es sein, dass er gay ist?" Alle verleiern die Augen. Wael gibt uns die Bedienungsanleitung für das Gebäude. Erst hier rum, der Schlüssel, dann da links, rechts Fahrstuhl, aber dann von -2 auf -1, weil alles am Hang gebaut, dann raus, hier rechtsrum, dort Haupteingang, anderer Fahrstuhl da hinten, dort auf 1, da Wohnung. Die ist aber echt ok. Wenn man in den Flur tritt, würde man sich aber über einen SEK-Einsatz nicht wundern. So, noch einkaufen, Nudeln essen, Wäsche waschen, dann Klappe zu! Junge, Junge!
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