Mach et yut, alte Dame!
12 septembre 2018, Canada ⋅ ⛅ 20 °C
Der Tag unseres Abschieds rückte immer näher und es blieben noch ein paar Dinge zu erledigen bevor es in den Flieger Richtung Deutschland ging. Das beinhaltete vor allem alle die organisatorischen Dinge, die wir zu Beginn unserer Reise abwickeln mussten, wieder rückgängig zu machen. Wir mussten also unsere Autoversicherung kündigen, das Bankkonto schließen und.. ja.. wir mussten uns wieder von unserer Hilde trennen. Keiner von uns Beiden hatte jemals zuvor ein eigenes Auto besessen und wir müssen zugeben, dass wir es unwahrscheinlich genossen haben, derart selbstständig unterwegs zu sein, vor allem in Ländern wie den USA und Kanada.
Wir waren ja schon super froh, dass uns die gute Hilde 17000 km sicher durch Nordamerika getragen und trotz ihrer vielen kleinen Handicaps bis zum Ende durchgehalten hatte. Dennoch waren wir nach wie vor der Meinung unsere treue Begleiterin sei noch viel zu sehr in Schuss, um sie in den ewigen Ruhestand zu schicken. Daher versuchten wir wirklich alles einen neuen Besitzer für sie zu finden, der ihr solides Fahrgestell, ihre einfache unkomplizierte Art und ihren rustikalen Charme zu schätzen wusste und bereit war ein wenig Geld in die Hand zu nehmen, um die kleinen Wehwehchen auszubessern. Unser großes Problem war wieder einmal die Provinz Ontario, dessen komplizierte und teuren Richtlinien die meisten Traveller ohnehin von einem Kauf in dieser Provinz abhält und die zudem bei jedem Autokauf einen Sicherheitscheck verlangt. Hätten wir das Auto in jeder anderen Provinz gekauft und dort auch wieder verkauft wäre das nicht nötig gewesen. Es war nahezu ausgeschlossen, dass Hilde den Sicherheitscheck mit den vielen kleinen Baustellen bestehen würde. Das bestätigte uns auch nochmal Beates Mechaniker. Nachdem auch der letzte Bewerber im Rennen um Hilde schließlich ausgeschieden war, entschieden wir uns schweren Herzens dafür, sie dem Autohospiz zu übergeben und sie in ihren wohlverdienten ewigen Ruhestand zu entlassen. Sie hat wirklich unglaubliches geleistet und den Kontinent mehr als einmal durchquert. Sie hat uns getragen, geschützt und geborgen. Sie hat uns einen Platz zum Schlafen, zum Essen, zum Lachen, einen Platz zum Leben gegeben. Sie hat uns begleitet, auf einer wundervollen Reise durch zwei wunderschöne Länder. Sie hat uns eine Zeit ermöglicht, die uns niemand mehr nehmen kann. Ruhe in Frieden, liebe Hilde.
Wir haben ihre Organe und alles was noch verwendbar ist, zur Organspende freigegeben. Auf das zumindest ein Teil von ihr, ihre lange Reise fortsetzen kann.En savoir plus
Letztes Wochenende in good old Canada
14 septembre 2018, Canada ⋅ ⛅ 25 °C
Unser letztes Wochenende in Kanada steht an und wir wollten noch einmal schön kanadisch feiern gehn. Zuvor wollten wir uns jedoch zunächst noch bei Kevin und seinen Eltern für die Zeit am Cottage revanchieren. Wir luden sie zum Abendessen in Beates Haus ein. Mit selbstgekochten Essen verbrachten wir noch einen schönen Abend mit allen.
Wir waren leider noch vom Campingtrip ziemlich erkältet, aber nichts was man nicht mit ner anständigen Runde Bierpong in den Griff kriegen könnte. Emma hatte ohnehin schon ihre Freunde aus dem Studium eingeladen und Jonas war auch schon quasi auf dem Weg zu Beates Haus, sodass wir aus der Nummer eh nicht mehr rauskamen. Also rappelten wir uns auf und begannen den Abend im Garten mit ein paar Bier. Später verlagerten wir das Geschehen an den großen Esstisch, der zum Bierpongtisch umfunktioniert wurde. Im Anschluss daran gings per Uber nach Waterloo Uptown in einen kleinen Musikschuppen. Wir tanzten, tranken und lachten und hatten n wirklich coolen Abend! Beim nächtlichen Familienpizzasnack, schliefen dann bereits 2/3 der Crew gesättigt und zufrieden auf dem Sofa ein.
Das letzte Wochenende bedeutete auch das letzte mal St. Jacobs Farmersmarket und der wird uns wirklich fehlen. Es ist einfach ein so cooler Ort mit so vielen netten Menschen und toller Athmosphäre. Wir versuchten noch einmal uns alle Eindrücke, alle Gerüche und Geräusche und den Geschmack vom erstklassigen Latté einzuprägen, um noch lange daran zurückdenken zu können. Hoffentlich bekommen wir noch einmal die Gelegenheit mit all den tollen Menschen, die wir hier getroffen haben, hier zusammen zu sitzen, frischen Kaffee zu trinken und zu lachen und zu erzählen.
Am Abend gingen wir noch mit Jonas, Emma Janosh, Kayleigh und Beate und einem Freund von ihr zu einem Straßenfest mit Livemusik in der Nähe. Wir lauschten der Musik, genossen den lauen Abend an der frischen Luft und tranken noch etwas in einer Bar zusammen bevor es dann wieder zurück nach Hause ging.
Es war ein wirklich schönes letztes Wochenende hier in Kanada und wir werden einiges hier ziemlich vermissen.En savoir plus
Bye Bye beautiful Canada
17 septembre 2018, Canada ⋅ ☀️ 25 °C
Und da ist er, der Tag an dem dieses unglaubliche und wundervolle Abenteuer vorerst einmal Enden sollte. Da der Flug aber erst Abends ging, hatten wir nochmal einen ganzen Tag zur Verfügung. Den Morgen verbrachten wir dann erst einmal mit packen, da Beate noch arbeiten war. Das fühlte sich schon ein wenig seltsam an. Ein paar Sachen schafften es nach der intensiven Nutzung in den letzten Monaten nicht mehr in den Rucksack und wurden durch ein paar neue Dinge ersetzt. Und so packten wir ein letztes mal unsere sieben Sachen und versuchten dabei nicht an Abschied zu denken.
Am Nachmittag kam dann Jonas noch ein letztes Mal vorbei. Er sollte ja noch das gesamte nächste halbe Jahr hier verbringen. Das coolste daran war, dass wir es so regeln konnten, dass er ab Oktober sogar aus seinem eigentlichen AirBnB ausziehen und bei Beate einziehen konnte.
Wir hielten es aber nicht lange aus nur rumzusitzen und auf den Abflug zu warten, also entschlossen wir uns nochmal einen gemeinsamen Spaziergang durch die Conservation Area zu machen. Janosch und Felix begleiteten uns ebenfalls. Es ging mal wieder den gewohnten Weg über die Zäune und Gatter und am See vorbei. Es war nochmal ganz schön und lenkte uns von dem bevorstehenden Flug ab. Wir redeten und lachten noch viel, ließen die Reise nochmal Revue passieren und genossen die letzten gemeinsamen Stunden. Aber auch dieser Spaziergang endete irgendwann und wir schnappten noch schnell unsere restlichen Sachen und verstauten sie irgendwie in unseren Backpacks. Und dann hieß es Abschied nehmen. Zumindest schon einmal von Kayleigh, Janosch, Felix und Jonas. Wir gelobten regelmäßigen Kontakt und ein baldiges wiedersehen. Und dann wars auch schon vorbei und wir luden unsere Sachen in Beates Auto und fuhren mit einem lachenden und einem weinenden Auge von der Einfahrt des Hauses, dass ein Stück weit auch zu unserem kanadisches Zuhause geworden war. Raus aus dem Daleview Place, raus aus Waterloo und über den Highway zum Pearson Airport.
Das alles hinter sich zu lassen fühlte sich schon ziemlich seltsam an aber wir hatten auch unsere Familien vor Augen und freuten uns ziemlich alle bald wieder in die Arme schließen zu können.
Am Flughafen wartete Emma bereits auf uns, da sie sowieso schon in Toronto war. Wir tranken noch einen Kaffee zusammen bis das Boarding begann. Und dann hieß es ein letztes mal Abschied nehmen. Wir trösteten uns damit, dass es schon ziemlich sicher war, dass wir Beate, Emma und Lea um Weihnachten herum wieder sehen werden, da sie nach Deutschland kommen werden. Also eine letzte feste Umarmung und dann gings schon durch die Sicherheitskontrollen und mit einem Shuttlebus ab zu unserem ausgelagerten Terminal. Ab dann ging alles relativ schnell. Wir hatten einen ruhigen und recht angenehmen Flug und landeten ohne besondere Vorkommnisse in Frankfurt. Nachdem wir nach einer kleinen Odyssee endlich unser Gepäck hatten, dauerte es gar nicht lang bis Vince uns gefunden hatte und wir schon Richtung Köln unterwegs waren. Von dort ging es dann nach Solingen und mit unserem RE7 nach Rheine. Müde und völlig zerstört kamen wir dort schließlich an. Manuel und Jessica warteten schon auf Sarah und Papa und Dave empfingen mich. Nach einer schönen und herzlichen Begrüßung ging es dann für Sarah und mich zum ersten Mal nach fast 5 Monaten mal wieder getrennte Wege. Einfach total verrückt. All das was wir erlebt haben liegt jetzt hinter uns und wir werden noch eine ziemlich lange Zeit brauchen, um wirklich alles verarbeitet zu haben. Aber jetzt sind wir erst einmal überglücklich unsere Familien wieder in die Arme schließen zu können und von unsere Abenteuern persönlich zu berichten.
Ich glaube aus den vielen Einträgen und den über 300 Bildern geht ganz gut hervor, was für eine einzigartige Zeit wir hier in den den letzten 4 1/2 Monaten verbracht haben. Wir sind einfach so unglaublich dankbar und froh, die Chance gehabt zu haben, das alles erleben zu dürfen, wunderbare Menschen zu treffen und über uns hinaus und auch noch viel enger zusammen zu wachsen. Das alles kann uns keiner mehr nehmen, denn jede Reise, egal wohin, ist auch immer eine Reise zu sich selbst.En savoir plus


















