• Tag 134-136 Aufbruch in Seoul

    November 6 in South Korea ⋅ ⛅ 16 °C

    Arnd:
    Wir haben es ziemlich lange in Korea ausgehalten. Wir hatten die Hoffnung, dass wir noch die herbstliche Rotfärbung der Wälder mitbekommen, die in Korea immer die Menschen begeistert. Diese Zeit ist nach dem Baum Danpung benannt, der eine besonders schöne rote Farbe der Blätter entwickelt.

    Erste Ansätze haben wir noch mitbekommen, aber voll ausgeprägt war es leider nicht. Es ist dieses Jahr auch ungewöhnlich verlaufen. Es ist lange warm geblieben. Außerdem hat es viel geregnet, was in Korea im Herbst ganz untypisch ist. Wir haben auch Danpung-Bäume gesehen, deren Blätter schon braun waren. Vielleicht fällt es dieses Jahr auch weitgehend aus. In einer Zeitung steht, dass es nächste Woche soweit ist.

    Länger bleiben ging aber nicht, sonst schaffen wir es nicht bis Weihnachten in Australien anzukommen. Außerdem war es zum Schluss schon unangenehm kalt, worauf wir kleidungsmäßig nicht eingestellt sind. Also war es an der Zeit, wieder aufzubrechen.

    Damit wir überhaupt zu Weihnachten in Melbourne ankommen, müssen wir uns jetzt ziemlich beeilen. Die Zugtickets bis nach Malaysia sind schon gebucht. Deshalb wird es hier nicht so viel zu berichten geben, wir sitzen eher viel in Eisenbahnzügen. Dafür werden wir uns auf der Rückreise in Südostasien mehr Zeit lassen. Ein paar Highlights haben wir uns aber doch rausgesucht.

    Wir verlassen Korea so, wie wir angekommen sind, mit dem Schiff nach Qingdao. Es fährt zwar erst am Abend ab, aber wir sollen schon um 15:30 im Fährterminal sein. So ist das ganze eine sehr entspannte slow travel Übung. Draußen ist es schon dunkel, als wir im Schiff sind, es gibt also nicht viel zu sehen und zu fotografieren.

    Im Fährterminal gibt es hinter der Passkontrolle Abholstationen, wo man seine tax free Einkäufe abholen kann. Wir haben keine. Aber im Schiff gibt es einige Passagiere mit riesigen und schweren Koffern. Vermutlich sind das Händler, die ihre Ware persönlich in Korea einkaufen.

    Wir sind morgens um 9:30 mit einer halben Stunde Verspätung angekommen. Bis wir ausgestiegen sind und den Stempel im Pass haben, ist es 10:30. Dann mussten wir noch das Internet einrichten. Ich hatte für die Weiterfahrt einen Zug um 13:15 gebucht, also mit reichlich Reserve, falls das Schiff mehr Verspätung hat. So konnten wir entspannt zum Bahnhof fahren, noch Mittag essen und dann ohne allzu lange Wartezeit in den Zug steigen.

    Zum Glück funktionierte das Bezahlen per App noch. Wie wir uns in China orientieren, wissen wir mittlerweile ganz gut. Es gab also keine unangenehmen Überraschungen.

    Der Zug bringt uns nach Hefei, eine dieser Großstädte in China, von denen wir noch nie gehört hatten. Dort kommen wir abends im Dunkeln an und werden am nächsten Morgen nach dem Frühstück den nächsten Zug besteigen, der uns nach Guilin bringt, dem ersten Zwischenziel unserer Reise.

    In Guilin fahren noch mehr von diesen Elektrokleinmotorrädern herum. Als wir vor unserem Hotel aus dem Taxi steigen, hat gerade ein Autofahrer die Fahrspur für die Motorräder blockiert und in kürzester Zeit einen Megastau hervorgerufen.

    Nach dem Einchecken gehen wir noch kurz in die Stadt. Es gibt einen alten Palast mit einer Stadtmauer drum rum. Wir hätten aber nur noch eine halbe Stunde zum anschauen gehabt und dann geht auch die Sonne unter. Das haben wir uns geschenkt und sind lieber in die Einkaufsstraße und haben ein bisschen Street Food zu Abend gegessen.

    Hea-Jee:
    Die zwei Monate, die wir in Korea verbracht haben, waren wirklich schön und sinnvoll. Gleich nach der Ankunft passierten einige unerwartete Dinge, wodurch ich ziemlich beschäftigt war, aber ich nahm alles gerne an. Es war kaum zu glauben, wie viel Liebe und Zuneigung ich immer noch von so vielen Menschen bekam – und dafür war ich dankbar und glücklich.

    Das Korea, das ich nach langer Zeit wieder selbst erleben durfte, war sauberer und moderner, als ich es mir von außen vorgestellt hatte. Alles war auf smarte Weise gut organisiert. Die Menschen hielten sich an die öffentliche Etikette besser als irgendwo sonst, und sie waren freundlich und herzlich. Vieles wurde still und effizient gelöst. Natürlich gab es auch Dinge, die mir nicht gefielen, aber unter all den Ländern, die ich bisher kennengelernt habe, freute ich mich zu erkennen, dass Korea das Land ist, in dem ich am liebsten leben würde.

    Als ich mir die Fotos von heute ansah, bemerkte ich, dass mein Gesicht rundlicher geworden ist. Wahrscheinlich, weil ich all die Gerichte gegessen habe, die ich so sehr vermisst hatte: Patbingsu, scharfer Fischsuppeintopf, gegrillte Makrele, geschmorter Fisch, Nudelsuppe, Jajangmyeon, Tangsuyuk, Kalguksu, Bossam, Sundae, frittiertes Essen, Mandu, Gimbap, Fischkuchen, Doenjang-Jjigae, Reiskuchen, koreanischer Chickin…

    Trotz allem fällt es mir nicht allzu schwer, Korea jetzt zu verlassen. Ich freue mich auch ein wenig darauf, nun allein mit Arnd auf Reisen zu gehen. In Korea hatte ich alles geplant und organisiert, doch jetzt hat Arnd wieder das Steuer übernommen. Ich kann mich also entspannt zurücklehnen und einfach genießen. Arnd hat sich in Korea vielleicht etwas gelangweilt, aber er hat viel Rücksicht auf mich genommen und vieles mitgemacht. Jetzt beginnt wieder unser einfaches Leben zu zweit – und darauf freue ich mich sehr.
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