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- Day 33
- Thursday, October 9, 2025 at 9:14 AM
- ⛅ 21 °C
- Altitude: 27 m
South Korea세진리35°32’32” N 128°24’46” E
26 Tage auf dem Land (2)
October 9 in South Korea ⋅ ⛅ 21 °C
Hea-Jee:
Dieser Text ist ein etwas ungeordneter Rückblick, den ich beim Betrachten der Fotos von unseren 26 Tagen auf dem Land geschrieben habe.
Arnd ist jemand, für den das Frühstück wichtig ist. Obwohl er gerne neue Gerichte ausprobiert, freut er sich morgens immer über eine gute Tasse Kaffee und etwas Brot. Den Kaffee konnten wir dank Mugi, einem jungen Mann aus unserem Dorf, genießen – er röstet die Bohnen selbst und hat uns sogar alle Hilfsmitteln zum Kaffee-Machen ausgeliehen. Das Brot aus der Bäckerei im nahe liegenden Städtchen war uns zu süß, also kauften wir Toast im Supermarkt und aßen ihn mehrere Tage lang.
Zu Erntedank-Feiertagen fuhren wir zu meiner Freundin Yeonhee, die in der Provinz Gyeonggi lebt. Sie hat lange in Deutschland gewohnt und mahlt heute noch verschiedene Getreide selbst, um daraus frisch Brot zu backen. Auf den Rückweg zum Upo-Sumpf gab sie uns viele liebevoll selbstgebackene Brote mit. Ich wollte sie eigentlich mit Agi und Mugi teilen, die während einer Radtour durch Deutschland gerne Brot gegessen hatten. Doch da wir sie nicht gleich wiedersehen konnten, trauten wir uns nicht, ihnen das Brot später – nicht mehr ganz frisch – zu geben. So aßen wir schließlich alles selbst. Überraschenderweise schmeckte es, gut gekühlt, noch tagelang wunderbar.
Mit dem Fahrrad fuhren wir zum Ökologie-Erlebniszentrum in der Nähe des Upo-Sumpfes. Dort konnte man die verschiedensten seltenen Tiere und Pflanzen sehen, anfassen und erleben – ein halber Tag verging im Nu. Zum Glück hat Arnd viele schöne Fotos gemacht, sodass die Erinnerungen lebendig bleiben. Jedes Mal, wenn ich diese Fotos sehe, fühlt es sich an, als wäre ich wieder dort. Arnd sagt, das häufige Anschauen der Fotos sei auch gutes Gedächtnistraining – besonders, wenn die vielen Eindrücke einer Reise im Kopf durcheinander geraten.
Changnyeong, der Ort, in dem wir wohnten, war nicht nur wegen des Upo-Sumpfes schön. In der Umgebung gab es alte Grabhügel, einen Eiskeller aus alter Zeit und natürlich den berühmten Berg Hwawangsan. Mit Mugi sind wir dort hinaufgestiegen, und Arnd war begeistert. Er liebt das Wandern und das Fotografieren auf den Gipfeln. Oben blühten silberne Grasfelder – ein erstaunlicher Anblick, den wir so noch nie gesehen hatten. Die koreanischen Berge haben ihre ganz eigene Form: sanft, rund und in Schichten angeordnet – das wirkt auf mich sehr vertraut.
Agi und Mugi sind wie Juwelen in diesem Dorf, in dem sonst nur ältere Menschen leben. Sie sind freundlich und vielseitig – richtige Alleskönner. Auch wir verdanken ihnen viel. Arnd war überrascht, im Dorf jemanden zu treffen, der so gut Englisch spricht. Agi und Mugi haben mehrere Jahre lang eine Fahrradtour durch die Welt gemacht und oft bei Einheimischen gewohnt. Aus diesen Erfahrungen heraus beherbergen sie heute ausländische Radreisende, die nach Korea kommen. Ich selbst bin bei unseren Radtouren diejenige, die hinterherfährt und bremst, weil mir die Kondition fehlt – aber Agi ist genauso sportlich wie ihr Mann und liebt die Bewegung selbst. Mugi kann sich wirklich glücklich schätzen.
Ich war neugierig auf das Leben der Dorfbewohner und beobachtete sie genau. Nach einem heftigen Regen sah ich, wie ältere Frauen gemeinsam auf Elektrowagen losfuhren, um am Straßenrand Blumen zu pflanzen oder Beete zu pflegen. Es wirkte weniger wie Arbeit, mehr wie ein soziales Zusammensein. Man verdient dabei nicht viel, aber offenbar melden sich viele Freiwillige – eine schöne Initiative. In Korea gibt es wirklich viele erfrischende und feinfühlige Ideen für die Altenpflege.
Früher gab es hier ein Dorfkunstprojekt, daher hängen an vielen Orten kleine und große Kunstwerke. Auch wenn die Häuser alt sind, werden sie liebevoll gepflegt – mit Kürbissen auf dem Dach oder bunten Blumenbeeten davor. Ich finde, die Dörfer sehen auf Fotos oft noch idyllischer aus als in Wirklichkeit.
Unser Haus war ein traditionelles koreanisches Ziegelhaus, das fast originalgetreu restauriert wurde. Nur Küche und Bad waren modern angebaut. Ich mag solche Häuser, in denen man die alte Struktur noch sieht. Für jemanden, der an modernen Komfort gewöhnt ist, braucht es ein wenig Zeit zur Eingewöhnung, aber es war ein wenig mühsam aber nicht unangenehm. Es gab weder am Tor noch an der Haustür ein Schloss – alles blieb einfach offen. Das war in dem Dorf ganz normal. Wir konnten das Haus den ganzen Tag unverschlossen lassen, ohne uns Sorgen zu machen.Read more

























