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- Day 44
- Monday, October 20, 2025 at 4:42 PM
- ☁️ 15 °C
- Altitude: 42 m
South KoreaGyeongju35°50’30” N 129°12’11” E
3 Tage in Gyeongju
October 20 in South Korea ⋅ ☁️ 15 °C
Arnd:
Die nächste Etappe unserer Reise liegt etwa 100km nördlich von Busan, die alte Hauptstadt des Sillareichs Gyeongju. Das Reich Silla existierte rund 1000 Jahre bis etwa ins Jahr 950. Dort hatte man die Tradition, Menschen unter Erdhügeln zu begraben, die es bis heute gibt. Je bedeutender der Mensch, desto größer der Hügel. Das Stadtgebiet von Gyeongju ist übersäht mit diesen Hügeln und da hier die Könige lebten, sind die ziemlich groß und prägen das Stadtbild. Gyeongju ist eines der touristischen Zentren in Korea.
Zunächst aber hatten wir dort eine sehr spezielle Übernachtung. Wie schon im zweiten Teil über Seoul geschrieben, hatte Hea-Jee so eine Art VIP Status. Und das brachte uns eine Übernachtung in einem ganz neuen, modern gestalteten traditionellen Haus ein. Das Haus gehörte einer alten Familie von lokalen Adligen.
Der junge Erbe dieser Familie hat direkt neben dem schönen traditionellen Familienanwesen ein neues modern traditionelles Haus gebaut und mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet. In diesem Haus nehmen sie Gäste auf, und zwar immer nur eine Familie oder Gruppe. Wir hatten das Haus für uns allein. Man kann sich auch abends und morgens bewirten lassen und dann wird nur für diese Gäste ein umfangreiches traditionelles Essen auf Sterneniveau gekocht.
Uns wurde das alte Familienanwesen gezeigt, wir durften auch den Ahnenschrein betreten. Die Familie war außerordentlich freundlich und liebenswürdig.
Am nächsten Tag nach dem sehr schönen Frühstück sind wir dann in die Stadt Gyeongju gefahren und haben in einem gewöhnlichen Hotel noch zwei Nächte verbracht und uns noch einmal die Stadt und das nahegelegene Kloster Bulguksa angeschaut. Vor 40 Jahren hatte ich das zum ersten Mal gesehen und es war eine wunderbare Erinnerung.
Zum Bulguksakloster gehört auch eine Einsiedelei oben an einem Berg mit einer Grotte aus der Mitte des 8. Jhrds, in der sich eine sitzende Buddhafigur aus Stein befindet. Ich habe sie jetzt zum zweiten Mal gesehen und war beide Male zutiefst beeindruckt. Sie strahlt eine so unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus. Leider darf man sie nicht fotografieren, aber es gibt Fotos, z.B. in der Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Seokguram (deutsch)
https://en.wikipedia.org/wiki/Seokguram (english)
Die Fotos können den Eindruck aber nicht wiedergeben, den man hat, wenn man davor steht.
Am letzten Tag waren wir noch kurz in einem kleinen aber feinen Museum für moderne Kunst mit Ausblick auf ein Königsgrab, den man bei gutem Kaffee genießen kann.
Hea-Jee:
Ich erhielt ein äußerst großzügiges Geschenk: eine Übernachtung mit Verpflegung im Hyowudang in Gyeongju.
Der Hyowudang befindet sich in Sohyeon-ri, Hyeongok-myeon, in Gyeongju, und ist ein etwa 600 Jahre altes Stammsitzhaus der Familie Seo, dessen Name bereits seit der frühen Joseon-Dynastie verwendet wird. In diesem alten Anwesen wurde ein neues, freistehendes Hanok-Haus gebaut, das etwa 500 m² einschließlich des Hofs umfasst. Es kann jeweils nur von einer Familie oder Gruppe genutzt werden, was ein privates und entspanntes Erlebnis ermöglicht. Außerdem kann man hier die kulinarische Kultur einer traditionellen Familie kennenlernen – das Zusammenspiel von traditionellem Gericht und Übernachtung macht diesen Aufenthalt besonders attraktiv.
https://www.stayfolio.com/findstay/hyowudang?ut…
Der junge Erbe empfing uns auf äußerst moderne und zugleich sehr ungezwungene Weise. Bei einem Stammsitzhaus hätte man vielleicht gedacht, dass ein so privilegierter junger Mann ein wenig arrogant wirken könnte, doch dieser junge Mann war äußerst höflich und achtete auf alle Etiketten. Ich selbst, mit nur geringem Wissen und Erfahrung über unsere Traditionen, war bei unserer Ankunft etwas angespannt, doch schon beim ersten Gruß mit ihm entspannte ich mich sofort und fühlte mich willkommen.
Zunächst führte er uns durch das alte Stammsitzhaus und erklärte uns die damit verbundenen historischen Hintergründe. Für mich, aufgewachsen in einer christlichen Familie ohne Erfahrungen mit Ahnenritualen, war alles äußerst interessant und neu. Besonders beeindruckt war ich von der Freundlichkeit, mit der er uns sogar den Ahnen-Schrein zeigte, und von den Anekdoten, die er dazu erzählte.
Das neue Hanok-Haus, in dem wir übernachteten, war das beste moderne Hanok, das ich je gesehen habe. Es verbindet die Schönheit eines traditionellen Hanok mit einer modernen Interpretation, die die typischen Unannehmlichkeiten und Einschränkungen ausgleicht. Auch die Ausführung war äußerst sorgfältig und perfekt. Nicht nur das Gebäude, sondern auch Möbel und Dekorationen waren hochwertige Kunsthandwerke. Ich wachte nachts auf, um auf die Toilette zu gehen, und war von einer minimalistischen Dekoration im Badezimmer so fasziniert, dass ich gleich Fotos machen musste.
Ebenso beeindruckend wie das Haus selbst war das traditionelle Stammsitz-Menü, das hier seit 600 Jahren überliefert wird. Viele der Gerichte waren traditionelle koreanische Speisen, die mir bislang unbekannt waren. Das Menü war sehr reichhaltig und ausgewogen, mit Fleisch, Geflügel und Fisch, und dabei modern und ansprechend angerichtet. Die Zubereitung lag in den Händen der Stammsitz-Frau, deren Hintergrund besonders interessant war: Sie hatte in diesem Fach promoviert, war schlank und jung, und unterschied sich damit deutlich von meiner Vorstellung einer typischen ältesten Schwiegertochter aus einer großen Adelsfamilie. Sowohl die Stammsitz-Frau als auch der junge Erbe achteten streng auf höfliche Umgangsformen nach dem Vorbild des Adels, erzählten aber zugleich ungezwungen und locker viele Geschichten und erklärten uns vieles detailliert.
Am nächsten Morgen servierte sie uns ein typisch traditionelles Frühstück des Stammsitzhauses. Es war im Vergleich zum Abendessen schlicht, aber sehr angenehm am Morgen zu essen. Arnd, der normalerweise lieber Kaffee und Brot frühstückt, meinte, er könnte jeden Tag so ein Frühstück genießen. Dank unseres Gesprächs am Vorabend über mein Buch „Verbot der Makrele“ wurden wir am Morgen sogar mit gegrillter Makrele verwöhnt – ein wahrer Genuss.
Der Aufenthalt im Hyowudang wäre für jeden ein erfreuliches Erlebnis, für mich aber, mit wenig Kenntnis und Erfahrung über die koreanische Tradition, war es ein besonders wertvolles Geschenk. Vielen Dank dafür.Read more

























