• Tag 140 - Von China nach Laos

    November 12 in Laos ⋅ ⛅ 24 °C

    Arnd:
    Auf in den Süden. Von knapp 18°C nach 28°C. Die Fahrt machen wir mit einem ganz besonderen Zug. Die Wikipedia schreibt: „2006 schlug China den Bau einer 3900 km langen Schnellfahrstrecke Kunming–Singapur vor, die die Reisezeit zwischen den Metropolen auf gut zehn Stunden verkürzen sollte.“ Da müssten sie dann im Durchschnitt 390km/h fahren, das kann nicht stimmen.

    Entstanden bisher ist die Strecke von Kunming bis in die Laotische Hauptstadt Vientiane. Dafür haben sich die Laoten bei den Chinesen hochgradig verschuldet und mit ihren Bodenschätzen gebürgt. Die Thais wollten wohl nicht so viel Geld ausgeben, da entwickelt man die Eisenbahn nur langsam weiter. In Malaysia gibt es eine Teilstrecke von der Thailändischen Grenze bis zur Hauptstadt Kuala Lumpur, die wir auch fahren werden und sie arbeiten an der Strecke von Kuala Lumpur nach Singapur.

    Die Höchstgeschwindigkeit hat man auf 160km/h festgelegt, so werden wir heute allein gut 8 Stunden bis Luang Prabang brauchen. Da sind dann aber auch zwei Aufenthalte wegen Grenzkontrollen dabei. Ich hatte mich auf die Fahrt gefreut, weil sie durch den fast urwaldartigen Nordteil von Laos verläuft. Allerdings verläuft sie zu wohl 90% in Tunneln.

    Für den Zug gab es erhöhte Sicherheitsregeln. Es gab einen eigenen Abfahr-Wartebereich. Um da hineinzukommen wurde unser Gepäck zum zweiten Mal geröntgt und dabei wurden mehrere Scheren entdeckt, die wir nicht mitnehmen durften. Ich habe eine teure Schweizer Nagelhautschere verloren und die arme Hea-Jee ein altes Erinnerungsstück. Ein Studienfreund von ihr hatte vor 40 Jahren einige Jahre in Japan gelebt und ihr von dort eine ganz frühe Keramikschere von Kyocera geschenkt. Die Klinge war 1,5cm lang und an der Spitze rund. Unmöglich, damit jemanden zu verletzen. Aber Regel ist Regel, auch wenn man nicht in Deutschland ist. Um den Ärger zu dämpfen musste sie sofort in dem Convenience Store im Wartebereich einen Snickersriegel kaufen. Sie hat ihn mit mir geteilt.

    Noch was zur Chinesischen Eisenbahn: Die Tickets werden nur mit 14 Tagen Vorlauf verkauft und sind meist bald ausverkauft. Außerdem ist es als Ausländer schwierig, die Tickets bei der Chinesischen Bahn zu kaufen. Als Alternative bietet sich trip.com an, ein Chinesisches Online-Unternehmen für Reiseservices. Dort kann man mehr als 14 Tage vorher buchen. Sie kaufen das Ticket dann automatisch, sobald es verfügbar ist.

    Ich habe für diesen Teil der Reise sämtliche Tickets sehr früh bei trip.com bestellt. Wir hatten beschlossen, uns etwas zu gönnen und erste Klasse zu fahren, was immer noch sehr günstig und vom Platz her nicht so beengt ist. In der zweiten Klasse stehen 5 Sitze in einer Reihe.

    Die erste Teilstrecke hatte ich so schon bestellt. Bei der zweiten fiel mir auf, das trip.com anzeigt, wie wahrscheinlich es ist, dass ich das Ticket bekomme und da stand 30%. Das wäre eine Katastrophe. Bei der zweiten Teilstrecke sah ich, dass man in derselben Bestellung auch Alternativen zulassen kann. Da habe ich dann bei den weiteren Teilstrecken auch die zweite Klasse als Alternative zugelassen. Dadurch änderte sich die Schätzung der Wahrscheinlichkeit aber nicht im geringsten.

    Wir haben sämtliche Strecke bekommen und zwar überall wo ich zweite Klasse zugelassen hatte, haben wir auch nur die zweite Klasse bekommen. Man bekommt den Differenzbetrag dann zurückerstattet. Bis heute war mein Verdacht, dass die erste Klasse stärker nachgefragt war und sie all diejenigen, die sich flexibel gezeigt haben, in die zweite Klasse verschoben haben. Das ist natürlich gemein.

    Nur heute ist der Zug ziemlich leer. Ich bin gerade einmal von vorn bis hinten gelaufen. Es gibt eine erste Klasse und da sitzt kein einziger Fahrgast. Die ersten drei Wagen am anderen Ende des Zuges sind komplett voll und der Rest ziemlich leer. Ich glaube, die Firma sollte mal an ihren Algorithmen feilen.

    Die Landschaftsbilder aus dem Fenster zeigen die Gegend in China vor der Grenze und drei Bilder in Laos.

    Als wir ankamen, war es schon dunkel. Der Bahnhof ist 11 km von der Innenstadt entfernt. Die Zahl der Menschen, die mit uns ausstiegen war ziemlich groß und so auch die Zahl der Kleinbusse und Autos, die Leute abholten. In Laos gibt es ein eigenes Taxi-App-System. Das hatten wir gestern noch installiert, uns angemeldet und eine Kreditkarte hinterlegt. Es funktionierte alles auf Anhieb und wir kamen bequem zum Hotel.

    Die Fahrt dauerte so etwa eine halbe Stunde! Der erste Teil der Straße ist in den Karten als Fernstraße eingezeichnet. Er war so voller Schlaglöcher, dass alle gleich langsam gefahren sind. Nach kurzer Pause vom Hotel aufgebrochen, Bargeld vom Automaten geholt und noch essen gegangen. Wunderbar, wir sind in Südostasien angekommen!
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