Tag 143 - 144 - Vientiane
November 16, 2025 in Laos ⋅ ☁️ 23 °C
Arnd:
Vientiane ist die Hauptstadt von Laos und liegt direkt an der Thailändischen Grenze. Dort ist auch die Endstation der China Laos Eisenbahn, mit der wir aus Luang Prabang angereist sind. Die Eingangshalle im Bahnhof von Luang Prabang war ziemlich voll mit Menschen, die alle unseren Zug nehmen wollten. Sie stellten sich auch brav 25 Minuten vor der Öffnung des Gates an, obwohl sie alle Platzkarten hatten.
Der Bahnhof in Vientiane liegt 15km außerhalb des Zentrums. Wir nehmen jetzt immer ein per App gerufenes Taxi. Das ist einfach und zuverlässig. Es war allerdings mit über 8€ ziemlich teuer. Gründe dafür dürften sein: Die Regierung hat ihren Daumen drauf (Vermutung) und die Geschwindigkeit des Taxis ist erschreckend. Im Durchschnitt 15km/h, wir waren eine ganze Stunde unterwegs. Da wäre ich mit meinem Fahrrad schneller.
Beim Hotel wurde es dann ärgerlich. Unser mit Mühe und Sorgfalt ausgesuchte Hotel war „überbucht“ und hatte keinen Platz mehr für uns. Der junge Mann an der Rezeption hat sich dann aber alle Mühe gegeben, dass wir bei Laune bleiben. Er hat uns ein anderes Hotel gesucht, ein Taxi gerufen und auch bezahlt und es gab noch ein Trostgeschenk. Das andere Hotel war aber nicht unsere Wahl. Es lag ungünstiger und im Zimmer mussten wir erstmal 10 Mücken ermorden und Löcher nach außen stopfen, bevor wir unbehelligt schlafen konnten (ab Laos sind wir in Malaria und Denguegebieten).
Wir haben in dem Hotel dann zu Abend gegessen. Die Karte war beeindruckend lang, wenn auch mit etwas gehobenen Preisen. Und es gab gute Ratschläge, was wir essen sollten. Tatsächlich war das Hotel ziemlich neu und hatte nur wenige Gäste. Deshalb konnten sie auch nicht alles schnell kochen und auch das Frühstück war ziemlich mager. Die Portionen im Restaurant waren für gedehnte westliche Mägen etwas klein. Hea-Jee fühlte sich nachher leicht betrogen, während ich das positive gesehen habe. Ich bin ja bekanntlich ein Vielfraß und bei solchen Gelegenheiten kann ich lernen, dass viel weniger essen auch reicht und vermutlich gesünder ist. Das Personal war äußerst freundlich und bemüht.
Vientiane hat touristisch nicht viel zu bieten und ist eine eher trieste Stadt. Unser erstes Ziel war ein Informationszentrum zu den Streubomben, die die Amerikaner im Vietnamkrieg in den 1960er Kahren über Laos abgeworfen haben. Dort sind wir zu Fuß hingelaufen und konnten unterwegs ein paar Kolonial (französich) geprägte Häuser sehen.
Die Mengen an Streubomben, die über Laos abgeworfen wurden sind absolut gigantisch. Laos ist pro Kopf das am meisten bombardierte Land der Erde und die Aufräumarbeiten dauern immer noch an. Die Zahl der Opfer ist entsprechend hoch und es gibt noch neue Opfer, die alle, wenn sie es denn überleben, prothetisch versorgt werden müssen. Am meisten betroffen sind Kinder. Es gibt in dem Zentrum Spendenboxen, die tatsächlich 25% aller Finanzmittel für dieses Aufräumen generieren.
Zu Mittag sind wir dann zu einer Mall gelaufen, in der es ein Lotteria-Restaurant gab. Für Nichtkoreaner: Lotte ist ein koreanischer Konzern, der vor allem mit Lebensmitteln handelt und Kaufhäuser betreibt. Wir haben uns einen Bulgogiburger und Korean Fried Chicken gegönnt. Auch hier waren die Portionen ziemlich klein. Für Laoten wahrscheinlich vollkommen ausreichend. Ach ja, warum nicht laotisch essen? Wir haben einfach nichts gefunden, was wir unbedingt essen wollten.
Noch etwas weiter zum zentralen Busbahnhof gelaufen und den Bus #14 genommen. Der fährt erst zur Lao-Thai-Friendshipbridge, über die wir morgen nach Thailand fahren und dann noch etwas weiter zum Vientiane Buddhapark. Das hatte ich mir ausgesucht, weil ich da schöne Fotomotive erwartet habe. Da wurde ich nicht enttäuscht und Hea-Jee hat es auch gefallen. Der Park ist von 1954 und eine der größeren Attraktionen in Vientiane. Der Park liegt direkt am Mekong und ist 2024 wohl bei einem Hochwasser überschwemmt worden.
Ihr habt ja sicher schon bemerkt, dass ich ständig über Verkehrsthemen meckere. Und der hat hier bei mir wieder ziemlich gemischte Gefühle hinterlassen. Das Auto ist auch in dieser Stadt in diesem noch bitterarmen Land zum König geworden, für den man auf alles andere verzichtet. Nicht nur steht man hier schon im Stau (entsprechend viele Autos gibt es schon), es fahren auch viele teure mit Devisen bezahlte Autos rum. Auch eine Erdölförderung gibt es in Laos nicht, Benzin muss importiert werden.
Auch hier wird sehr viel Verkehr mit Scootern gemacht. Die Fahrer sind aber mehrheitlich weiblich. Männer fahren wohl Auto , sobald sie sich das leisten können.
Noch schlimmer: In Vientiane ist eine besonders beliebte Autosorte die Pickup Trucks. Das sind diese amerikanischen Monster mit Ladefläche. Ich nenne die immer Kindermörderautos, weil der Fahrer mehrere Meter vor seinem Auto stehende Kinder gar nicht sehen kann und weil ein Kind, das mit so einem Auto zusammenstößt fast keine Überlebenschance hat, weil das eine fahrende Wand ist. Und nein, die brauchen das nicht fürs Land. Aus dem Zug konnte man sehen, dass da fast keine Autos fahren.
Auf der Straße geht es zu, wie es in Verkehren zugeht, in denen das Auto noch nicht zivilisiert wurde. Geparkt wird z.B auf dem Gehweg. Nein, nicht etwa mit zwei Rädern, sondern komplett auf dem Weg, so das der arme Fußgänger die Straße benutzen muss.
Ein Lichtblick war allerdings ein im Aufbau befindliches Bus-Rapid-Transit System. Auf einer großen Straße war in der Mitte eine breite Bahn mit Stationen nur für Busse. Das ist gerade im Probebetrieb. Die Fußwege waren überwiegend in sehr schlechtem Zustand, Fußgängerampeln leuchteten nicht, wenn es überhaupt welche gab. Ich habe aber an vielen Stellen Bauarbeiten für Fußwege gesehen. Ich drücke die Daumen.
Hea-Jee:
Seit ich in Vientiane angekommen bin, hatte ich kaum etwas zu lachen, aber im Buddha-Park musste ich plötzlich lachen. Dieser Park, der 1954 angelegt wurde, ist voller riesiger Statuen von Buddha, Elefanten und anderen Figuren, die humorvoll aussehen. Egal wohin ich schaute, es machte einfach Spaß. Ob das nun künstlerisch oder historisch wertvoll ist, weiß ich nicht. Es war einfach lustig.
Ich ging dann zum Mekong-Ufer hinüber, das direkt am Buddha-Park liegt. Der unglaublich breite Fluss fließt langsam in einer dunkelbraunen Farbe dahin, und mir läuft ein kleiner Schauer über den Rücken. Wenn dieser riesige Fluss über die Ufer tritt, muss das wirklich furchterregend sein. Die Fläche, die als Überschwemmungsgebiet freigehalten wird, wirkt im Vergleich zur Größe des Flusses viel zu klein. Auf der thailändischen Seite sieht man gleich die Gebäude – und ich frage mich, ob es dort vielleicht gar kein Überschwemmungsgebiet gibt. Es ist gar nicht mein Land, und trotzdem mache ich mir Sorgen.
Das Essen war in Luang Prabang war insgesamt sehr gut. Jetzt fällt mir auf, dass das vietnamesische Nudelsuppe und thailändische Gerichte waren, was ich lecker fand. Hier in den Restaurants gibt es sowieso querbeet alle möglichen Küchen. Ich wollte einmal etwas richtig Traditionelles aus Laos essen und bestelle deshalb eine laotische Nudelsuppe. Arnd versucht mich davon abzuhalten und droht mir scherzhaft, ich solle später nicht mit ihm das Essen tauschen wollen. Er hatte recht. Ungenießbar war meine laotische Suppe nicht, aber seine frittierten Frühlingsrollen sahen einfach viel leckerer aus.
Seit ich in Vientiane bin, hatte ich entweder keinen großen Appetit oder ich habe einfach keine guten Restaurants gefunden. Also esse ich meistens nur irgendetwas, um satt zu werden.
Eine Freundin hatte mir erzählt, dass es mit dem Essen besser wird, wenn ich aus Xinjiang weiter in den Südosten Chinas komme, nachdem sie gelesen hatte, wie sehr ich dort mit dem Essen kämpfte. Und tatsächlich: Je näher ich Korea komme, desto mehr verschwinden diese fremden Gewürze und Kräuter, die mir nie so recht schmeckten. Und jetzt, wo ich wieder nach Süden unterwegs bin, ist das Essen auch angenehm für mich. In Thailand wird es wahrscheinlich noch besser. Thailändisches Essen ist selbst in Deutschland nichts Fremdes für mich.
Laos scheint mir das ärmste Land zu sein, das ich auf dieser Reise bisher gesehen habe. Ich habe nachgeschaut – und tatsächlich stimmt es. Da muss ich mich fast schämen, dass ich in Luang Prabang über das „mager ausgestattete Museum“ gemeckert habe. Wenn man kaum genug zum Leben hat, wie soll man dann Museen pflegen?
Und arm sind sie sicher nicht, weil sie faul wären. Laos leidet doch bis heute unter den Schäden des „Secret War“, den die USA geführt haben. Im Besucherzentrum von KOPE (Cooperative Orthotic and Prosthetic Enterprise) war ich überrascht, dass alle Informationstafeln auf Laotisch, Englisch und Koreanisch verfasst waren. Wie sich herausstellte, arbeitete die KOICA (Koreanische Internationale Zusammenarbeitsgesellschaft) aktiv an diesem Projekt mit. Dabei war Südkorea während des Vietnamkriegs eigentlich ein Verbündeter der USA und somit ein feindlicher Staat für Laos. Umso positiver empfand ich es als Koreanerin, dass eine koreanische staatliche Institution sich heute so engagiert an einem Unterstützungsprogramm für Kriegsopfer in Laos beteiligt, die Wahrheit offenlegt und sich für die Behandlung der Spätfolgen einsetzt.
Nach meinem Besuch im COPE Visitor Centre habe ich das Gefühl, dass kleine Länder immer wieder Opfer der Grausamkeit der Großmächte werden. Und irgendwie fühle ich jetzt eine Art Verbundenheit mit Laos – einem Land, das vorher keinerlei Beziehung zu mir hatte. Vielleicht ist das ja wirklich eine der guten Seiten des Reisens.Read more




















