• Tag 146 - Bangkok

    18 novembre 2025, Tailandia ⋅ ☁️ 29 °C

    Arnd:
    Wenn man über den Verkehr in Bangkok im Internet liest, will man ja diese Stadt gar nicht erst besuchen. Man kann entweder vor 7 Uhr morgens, um die Mittagszeit oder spät abends unterwegs sein. Ansonsten steht man entweder im größten Stau des Planeten und kommt überhaupt nicht an sein Ziel, wenn man mit Auto oder Bus unterwegs ist, oder man steckt in der Sardinendose, genannt Bahn. Einzig die Mopedfahrer kommen überall durch und können ihre Freiheit genießen. Fürs Fahrrad ist die Stadt zu groß und man müsste auch etwas todesmutig sein.

    Um überhaupt unsere Ziele zu erreichen hatte ich auf die Bahn gesetzt (es gibt sowohl U-, als auch Hochbahnen) und ein Hotel in der Nähe von zwei Bahnlinien gewählt, die uns zu unseren Destinationen bringen konnten. Das Bahnnetz in Bangkok besteht aus zwei Netzen mit unterschiedlichen Betreibern. Muss man umsteigen, braucht man ein neues Ticket. Und die halten auch nicht im selben Bahnhof, man muss etwas laufen. Außerdem gibt es nicht viele Linien, so dass erhebliche Teile der Stadt so nicht erreichbar sind.

    Die Bahn um 6:00 vom Bahnhof zum Hotel war schon so voll, dass wir stehen mussten. In einer Bahn um 8:00 haben wir dann aber nach ein paar Stationen sogar einen Sitzplatz bekommen. Ganz so schwarz-weiß ist es wohl doch nicht hier.

    Da wir so früh mit dem Nachtzug angekommen sind, konnten wir unsere Unternehmungen früh starten und haben an einem Tag das geschafft, was ich für zwei Tage geplant hatte.

    Zunächst haben wir zwei der großen Buddhistischen Tempel besucht. Der eine, Wat Pho, beherbergt einen riesigen vergoldeten liegenden Buddha. Der andere, Wat Arun, hat eine große, reich geschmückte Stupa. Zum Wat Arun mussten wir mit Boot auf die andere Seite des Chao Phraya Flusses fahren. Da gibt es ein Pendelboot für 0,13€.

    Anschließend haben wir ein Museum besucht, von dem wir hofften, das wir etwas über die Thailändische Geschichte lernen. Das Museum ist ziemlich neu und versucht mit „modernen Präsentationstechniken“ zu arbeiten. Inhaltlich dreht es sich um die Frage was Thai sein bedeutet. Haben die Thailänder etwa eine Identitätskrise? Zentral fürs Thai sein sind Nation, König und Religion. Daneben gab es aber noch ganz nette Alltagsdinge.

    Anschließend sind wir einkaufen gegangen. Nein, nicht shoppen. Wir brauchten ein paar Dinge für die Reise, z.B. Ersatz für die Scheren, die uns die Chinesen abgenommen haben. Und Mückenspray. Um zu dem Einkaufsdistrikt zu kommen, haben wir eine oberirdische Bahn benutzt.

    Das zweite Museum des Tages war das Art and Culture Center im Einkaufsdistrikt. Zum Abendessen dann aufgrund eines Tips von einer Freundin von Hea-Jee nochmal Shabu Shabu.

    Und hat mir Bangkok gefallen? Klar, es gibt kulturell einiges zu sehen, die Food-Szene ist unüberschaubar vielfältig und es soll auch ein reiches Nachtleben geben. Für junge Leute auf einer Reise ist das bestimmt alles sehr attraktiv. Aber als Lebensraum ist es für mich wenig attraktiv. Zu laut, zu lange Wege in einer unfreundlichen Verkehrssituation. Alt will man hier nicht werden. Das gilt aber für andere sehr große Städte mit einigen Millionen Einwohnern ähnlich.

    Hea-Jee:
    Ich mag die Menschen in Bangkok. Sie sind freundlich und demütig. Außerdem kommt man überall mit Englisch zurecht. Zwar spricht nicht jeder auf der Straße fließend Englisch, aber es gibt nichts, was man nicht irgendwie regeln könnte, weil man sich nicht verständigen kann. Wahrscheinlich wäre es für Ausländer in Deutschland etwas unbequemer, mit Englisch überall zurecht zu kommen als in Bangkok.

    In der vollen U-Bahn stehen die jungen Leute wie selbstverständlich auf, um älteren und hilfsbedürftigen Menschen den Platz anzubieten. Ich sagte Arnd, dass das mich an Korea erinnert, und Arnd antwortete, dass es in dieser Hinsicht sogar besser sei als in Korea.

    Die Thailänder scheinen ein natürliches Talent fürs Kochen zu haben. Egal, was man isst, das Essen schmeckt immer hervorragend.

    Trotzdem glaube ich nicht, dass ich in Bangkok leben möchte. Es gibt viele Autos und Motorräder auf den Straßen, die Elektrifizierung ist noch nicht weit fortgeschritten, weshalb es laut ist und die Luft schlecht. Der öffentliche Verkehr ist nicht dicht genug, sodass man viel zu Fuß gehen muss, aber die Straßen sind so gestaltet, dass es für Fußgänger schwer ist, sich fortzubewegen.

    Früher war es in Seoul auch so. Deshalb dachte ich damals, dass ich dort nicht leben möchte. Aber das heutige Seoul ist anders. Die Straßen sind inzwischen ruhiger, die Luft sauberer. Auch das Verkehrssystem priorisiert nicht mehr nur Autos, das spürt man deutlich.

    Deshalb glaube ich, dass die Straßen Bangkoks, sobald sie die stürmische Phase der Entwicklung hinter sich gelassen haben, genauso ruhig werden und saubere Luft bekommen wie die Straßen in Seoul oder in chinesischen Städten. Ich bin überzeugt, dass auch die Straßenführung und die städtebauliche Gestaltung menschlicher ausgeführt werden.
    Leggi altro