Tag 147 - 148 - Reise nach Kuala Lumpur
19 de noviembre de 2025, Malasia ⋅ ☁️ 27 °C
Arnd:
Auf dieser Reise sind wir ständig unterwegs. Heute geht es schon wieder weiter nach Malaysia. Allein bis zur Grenze sind es 900km und in Malaysia dann nochmal 500. Dazu sind wir zunächst in Thailand wieder per Nachtzug 14,5 Stunden bis kurz vor die Grenze nach Hat Yai gefahren.
Um 5:00 machte mein SmartPhone Ping. Ich habe in Deutschland die Gefahrenwarnungen aktiviert und für die Reise nicht ausgeschaltet. In Korea kam da dauernd was, die Koreaner sind sehr mitteilsam. Ich konnte es nicht lesen, aber Hea-Jee konnte. (Hea-Jee: In Korea waren das nicht nur Gefahrenwarnungen, sondern auch Hilferufe an die Bürger. Z.B.: Wir suchen nach einem vermissten älteren Herrn. Er trägt ein weißes T-Shirt und eine blaue Hose. Er ist dement. Wenn Sie ihn sehen, melden Sie sich bitte bei der nächstgelegenen Polizeidienststelle oder unter folgender Nummer.) Hier in Thailnad können wir es beide nicht lesen.
Aber als es heller wurde, gab es eine Vermutung. Draußen regnete es. Ein Blick in den Wetterbericht zeigte, dass da in der Nacht ziemliche Wassermassen runter gekommen sein müssen. Und draußen war die Gegend teilweise überflutet. Wir sind jetzt wohl in den Tropen. Die Temperatur ist aktuell nicht sehr hoch, die Luftfeuchtigkeit aber schon.
Im Bahnhof von Hat Yai wollte ich ein paar Fotos machen, wurde aber schnell darauf hingewiesen, dass ich das nicht soll. Nach gut einer Stunde Aufenthalt hat uns dann ein Nahverkehrszug nach Padang Besar in Malaysia gebracht. Die Grenzformalitäten waren entspannt und gingen sehr schnell. Man muss sich hier allerdings in jedem Land vorher online anmelden und sie wollen auch wissen, wo man am ersten Tag schläft. Man braucht also vorher schon ein Hotel.
Auch die eSIM fürs Internet ist jetzt erstmal einfach. Ich habe welche gekauft, die in Thailand, Malaysia, Singapur und Indonesien gelten. Ich kaufe die hier nur noch bei trip.com, das kostet einen Bruchteil von dem, was westliche eSIM Händler haben wollen.
In Padang Besar mussten wir 3 Stunden auf unseren Zug nach Kuala Lumpur warten. Dieser Zug ist Teil der Hochgeschwindigkeitsstrecke von China nach Singapur (siehe Tag 140). Er braucht allerdings 5 Stunden für die gut 500km. Das liegt wohl auch daran, dass in dieser Gegend die Eisenbahnen traditionell Schmalspurbahnen sind, da kann man nicht so schnell fahren, er fuhr maximal 140km/h. Und das weniger ruhig, als richtig moderne Bahnen bei 300km/h. Aber der Zug ist modern und komfortabel und sicher ein großer Fortschritt. Und wenn ich drüber nachdenke, dann ist das auch gar nicht so schlecht. In Deutschland fährt der ICE ja manchmal deutlich schneller, aber dann bummelt er wieder und so dürfte der Durchschnitt gar nicht so viel schneller sein.
Irgendjemand hatte Hea-Jee den Tip gegeben, dass man, wenn man die Plätze selbst wählen kann, am besten die Plätze ganz vorn nimmt. Da hat man mehr Beinfreiheit. Stimmt, allerdings hatten wir auch kein Fenster. Aber draußen hat es sowieso geregnet.
Die Wikipedia hat mir ein bisschen was über die Länder hier erzählt. Während die nördlichen Länder Laos, Vietnam und Kambodscha einst französisch kolonisiert waren und Thailand dieses Schicksal nie hatte, ist Malaysia aus mehreren englischen Kolonien hervorgegangen. Das hat für uns jetzt den Vorteil, dass man hier gut mit Englisch durchkommt. Die Wikipedia sagt sogar, dass das hier zweite Amtssprache ist.
Zum anderen konnte ich zum ersten Mal bei meinem Welt-Stecker-Ladegerät die englische Stiftvariante benutzen.
Nach der Ankunft im Hotel gegen 18:00 wollten wir schnell noch was essen. Google Maps hat uns dann klargemacht, dass es in unserer Gegend praktisch nur Inder gibt. Das hat aber den Vorteil, dass man da endlich mal was fleischloses essen kann.
Hea-Jee:
Wir sind in Malaysia angekommen. Viele Frauen tragen hier ein Hijab. Genau wie in einigen Regionen Südthailands ist auch dieses Land stark vom Islam geprägt. Mit Laos und Thailand haben wir zuvor Länder erlebt, die tief vom Buddhismus durchdrungen sind. Überall in den Städten begegneten uns Tempel und Mönche. Und besonders oft sah man, wie die Bewohner vor ihren Häusern kleine Altäre aufgebaut hatten, an denen sie Blumen und Räucherstäbchen darbrachten. Die buddhistische Frömmigkeit war im Alltag deutlich zu spüren.
In Laos stellte Arnd mir eine unerwartete Frage:
„Seit wir in Südostasien sind, verbeugst du dich eigentlich nicht mehr vor einer Buddha-Statue. Ich habe gehört, dass der Buddhismus hier ein anderer Zweig ist als in Korea. Liegt es daran?“
„Doch, ich verbeuge mich auch hier – nur nicht immer.“
Auf dieser Reise habe ich mich in jedem Tempel vor dem Buddha in der Haupthalle verneigt. Ich habe Arnd nie dazu gedrängt, und er hatte auch keinerlei Interesse daran. Weil er so gleichgültig wirkte, dachte ich sogar, er hätte gar nicht bemerkt, dass ich mich überhaupt verbeuge.
Arnd schlug vor, ich könnte einmal über die Unterschiede zwischen dem ostasiatischen Buddhismus – wie er in China und Korea praktiziert wird – und dem südostasiatischen Buddhismus schreiben. Schon anhand von Fotos erkennt man sofort die unterschiedlichen Baustile und Buddha-Darstellungen.
Ostasiatische Tempel aus Holz haben meist Dächer und Wände in gedeckten Naturfarben; nur die Holzbalken sind zum Schutz farbig verziert. In Südostasien hingegen sind sowohl die verputzten Wände als auch die Dächer bunt oder sogar mit Blattgold verziert. Tempel und Stupas glänzen, und die oft übergroßen Buddha-Statuen, dick mit Gold bedeckt, strahlen eine eindrucksvolle Erhabenheit aus.
Doch die Unterschiede sind nicht nur äußerlicher Natur. Zwischen beiden Traditionen liegt ein grundlegender Unterschied. In Südostasien herrscht der Theravada-Buddhismus vor, während Ostasien der Mahayana-Tradition folgt. Im 5. Jahrhundert v. Chr. entstand im Norden Indiens auf Grundlage der direkten Lehren des Buddha der frühe Buddhismus. Im Mittelpunkt stand die Gemeinschaft der Mönche, deren Ziel die individuelle Befreiung war.
In den 500 Jahren nach Buddhas Tod wuchs der Buddhismus stark und spaltete sich in zahlreiche Schulen auf. Der Theravada-Buddhismus breitete sich nach Südostasien aus, während der Mahayana-Buddhismus, der im 1. Jahrhundert n. Chr. entstand, über China nach Korea und Japan gelangte.
Während im Theravada die persönliche Befreiung des Mönchs im Vordergrund steht, betont der Mahayana das Mitgefühl: den Wunsch, anderen Menschen auf ihrem Weg zur Erleuchtung zu helfen. In den Theravada-Buddhismus flossen Elemente des hinduistischen Indien ein, während sich der Mahayana an die chinesische Kultur und Denkweise anpasste.
Arnds Beobachtung, dass ich mich in Südostasien seltener verbeuge, stimmte durchaus. Wenn eine Statue mehrere Arme hat oder stark hinduistisch geprägt ist, verspüre ich einfach keinen Impuls zur Verbeugung.
In Korea wird der Buddhismus heute auf drei Arten praktiziert: als Glaube, als Philosophie oder als Weg der Übung. Mit Jungto-Society habe Ich mich für den Weg der Übung entschieden. Wenn ich mich dreimal vor dem Buddha verneige, dann ist das keine Bitte an einen allmächtigen Gott, sondern ein stiller Vorsatz: die Lehre des Buddha folgend in jedem Moment wach und achtsam zu bleiben, damit mich negative Gefühle nicht mitreißen.
Ob Arnd wohl merkt, dass ich – früher empfindlich und ungeduldig – langsam ruhiger und gelassener werde?Leer más







