• Tag 151 - Singapur

    November 23 in Singapore ⋅ ☁️ 29 °C

    Arnd:
    Der erste Tag in Singapur sollte laut Wetterbericht trocken sein, während für Tag zwei Regen angesagt war. Also sind wir erstmal in die Gardens by the Bay gegangen, ein muss für Singapurtouristen. Den Park selbst kann man kostenlos betreten, es gibt aber ein paar besondere Angebote, für die man zahlen muss. Die Hauptattraktion sind zwei spektakuläre Gewächshäuser. Das haben wir auf den zweiten Tag verschoben. Für heute haben wir die Aussichtsplattform auf einer dieser künstlichen Baumstrukturen gewählt. Dort konnte ich einige schöne Fotos machen.

    Auf der einen Seite lag das Marina Bay Sands Hotel, dieser Dreichfachturm mit Steg oben drauf. Da muss eigentlich auch jeder Tourist rauf. Das haben wir uns aber gespart. Nach den Gärten sind wir um das Hotel herum in Richtung Bay gelaufen und dann über die „The Helix“ genannte Brücke in Richtung einer U-Bahn Station gegangen. Dann war es Mittag.

    Ein anderes Thema, das wir hier anschauen wollten, sind die neuartigen grünen Gebäude. Wenn man in den Medien was über Singapur hört, dann gern, dass hier die Stadtbegrünung sehr fortschrittlich ist. Hea-Jee hat ChatGPT danach gefragt und einige sehr konkrete Tips bekommen. Wir haben das auf der Karte gesucht und dann einen Weg geplant, wie wir mehrere dieser Gebäude besuchen können.

    Das erste Ziel war ein Flop. Es war einfach ein ziemlich dunkles Hochhaus mit einem grünen Innenhof. Es lag in Downtown. Downtown in Singapur ist, wo die Banken ihre Hochhäuser stehen haben. Weil Sonntag war, war dort fast niemand und die meisten Restaurants waren geschlossen.

    Ich wähle mittlerweile unsere Hotels auch nach dem Frühstück aus. Und das bietet häufig eine sehr große Auswahl. Ich kann dann so viel essen, dass ich eigentlich erst abends wieder Hunger bekomme, aber Hea-Jee braucht mittags noch eine Stärkung.

    Da Hea-Jee jetzt wegen Hunger sehr unglücklich wurde sind wir schnell geflohen und haben eine Gegend angesteuert, die auf meiner Karte so aussah, als ob es da was zu essen gibt. Das war China Town. Nachdem wir endlich was zu essen gefunden hatten, haben wir unsere Suche nach grünen Gebäuden fortgesetzt. Der zweite Kandidat hatte schon etwas mehr Grün an der Fassade, aber echt spektakulär fanden wir das auch nicht, waren enttäuscht und haben die Suche nach diesen Gebäuden beendet.

    Statt dessen sind wir noch ein bisschen durch die Stadt gelaufen und haben am Fluss ein nettes Viertel entdeckt. Richtig, Singapur hat einen Fluss, und man kann sogar mit Schiffen darauf fahren! Singapur liegt auf einer nicht sehr großen Insel. In diesem Viertel gab es eine Reihe von Sonnenschirmen, die die Straße beschatten. Und unter den Sonnenschirmen hingen designmäßig schön integrierte Gebläse, die einen feinen Nebel verteilt haben, der den öffentlichen Raum gekühlt hat. Vielleicht werden wir sowas in überhitzten Städten in Zukunft öfters sehen.

    Abends sind wir dann nochmal zur Bay gefahren. Dort wird täglich eine recht spektakuläre Wasser- und Lichtschau gezeigt. Auf der anderen Seite der Bay, hinter der Show, ragten die Hochhäuser in den Himmel. Oben dran stand jeweils, welche Bank da drin sitzt. Der Reichtum hier beruht auf Handel und Finanzwirtschaft. Kleine Länder locken die Finanzwirtschaft ja gern mit Niedrigsteuern an. Ich finde, Banken sollen den Menschen dienen und sich nicht so in den Vordergrund drängen.

    Hea-Jee:
    Ich dachte eigentlich, dass ich über unseren ersten Tag in Singapur nicht viel zu schreiben hätte. Aber nachdem ich Arnds Eintrag gelesen habe, ist mir doch einiges eingefallen. Unterschiedliche Perspektiven! „So habe ich es gesehen!“

    So habe ich es gesehen!:
Seit wir unterwegs sind, kommt mir Arnds Bauch ein bisschen runder vor, also habe ich ihn ab und zu angefasst. Vielleicht hat es ihn selbst auch beschäftigt, denn plötzlich gab er mir die Schuld. Ich würde ihm ständig meine übriggebliebenen Essen anbieten, meinte er, und weil er so viel essen müsse, komme jetzt sein Bauch raus. Und dann sagte er heute plötzlich, dass wir ab sofort kein Mittagessen mehr essen sollten. Überrumpelt habe ich zugestimmt – immerhin geht es um die Gesundheit meines Mannes.

    Nach einer Weile wurde ich aber hungrig, und mit sinkendem Blutzucker wurde auch meine Laune schlechter. Ich bin jemand, der nicht nur ein Mittagsessen braucht, sondern auch einen Snack zwischen Frühstück und Mittagessen, damit ich mich wohlfühle. Auf Reisen fällt meinen Snack aber ständig unter den Tisch. Arnd isst ja große Portionen auf einmal und versteht nicht, wie jemand wie ich lieber oft und kleine Mengen isst.

    Vielleicht hält er es auch einfach für eine schlechte Angewohnheit. Wenn ich auf Reisen Hunger habe, sagt er: „Halte noch ein bisschen durch, beim Mittagessen kannst du dann richtig viel essen. Wenn wir so oft Pause machen, wann wollen wir dann noch etwas anschauen?“

    Eigentlich sind wir so verschieden, dass wir uns ständig streiten könnten. Aber dauernd zu streiten macht ja auch keinen Spaß. Also haben wir uns angewöhnt, außer bei wirklich wichtigen Themen nicht endlos zu diskutieren, sondern uns ungefähr in der Mitte zu treffen. Jedenfalls hat mich die plötzliche Ankündigung, das Mittagessen zu streichen, innerlich zerrissen: Einerseits wollte ich mich seinem Gesundheitsplan zuliebe darauf einlassen, andererseits fühlte ich mich einfach unwohl. Und wenn man dieses Gefühl einfach so stehen lässt, wird daraus schnell Wut.

    Aus meiner Achtsamkeitsübung bei Jungto weiß ich: Man muss die Dinge so sehen, wie sie wirklich sind, und seine Gefühle bemerken, bevor sie zu Wut werden. Also habe ich die Situation im Kopf schnell sortiert: „Arnd will aus Gesundheitsgründen kein Mittagessen. Gut! Ich will aus Gesundheitsgründen doch Mittag essen. Gut! Er hat die Freiheit, nicht zu essen, und ich habe die Freiheit, zu essen. Gut! Ich bin gerade dabei, ihm vorzuwerfen, dass er nicht so denkt wie ich. Das ist diktatorisch. Es gibt keinen Grund, wütend zu werden. Ich muss nur klar kommunizieren.“

    Also sagte ich zu Arnd: „Ich bin gerade echt hungrig. Wenn ich jetzt nichts esse, bekomme ich richtig schlechte Laune.“ Arnd verstand sofort und begann, nach einem Restaurant zu suchen. Als wir endlich eines fanden und hineingingen, hatte er dann doch das Gefühl, auch etwas bestellen zu müssen. Also aß er am Ende doch Mittag. Irgendwie hatten wir beide das Gefühl, ein bisschen verloren zu haben.

    Hätten wir irgendeinen Street-Food-Stand am Straßenrand oder einen Snack-Bereich in einem Einkaufszentrum gefunden, wäre es viel einfacher gewesen. Dann hätte ich allein schnell etwas essen können. Beim nächsten Mal werde ich auf jeden Fall vorher dafür sorgen, dass ich unterwegs etwas zum Knabbern dabeihabe.
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