• Tag 163 - Bali

    5. december 2025, Indonesien ⋅ ⛅ 30 °C

    Arnd:
    Nachdem wir den halben Vormittag verbummelt hatten und uns entschlossen haben, nicht die berühmten Reisterassen anzuschauen (haben wir unterwegs schon zur Genüge gesehen) und auch nicht in den Affenpark zu gehen (die sollen manchmal beißen und das können wir gerade gar nicht gebrauchen) haben wir mal wieder einen Kulturtag eingelegt und sind erstmal ins Museum gegangen.

    Das Museum Rudana ist von einem privaten Spender 1995 gebaut worden und zeigt hauptsächlich Werke von indonesischen Künstlern nach der Befreiung von den Niederländern. Es war sehr beeindruckend, die Fotos geben das nicht gut wieder.

    Wir waren die einzigen Besucher und ein Mitarbeiter hat uns immer wieder wichtige Dinge gezeigt und sogar die auch ausgestellten Gamelan Musikinstrumente für uns erklingen lassen. Wunderbar.

    Im einem Film hört man die runden glockenartigen Teile. Einzeln haben sie eine klare Tonhöhe. Das ist nicht selbstverständlich. Anders geformte Blech-Schlaginstrumente klingen eher scheppernd. Damit ein Instrument mit einer flächigen Form überhaupt eine klare Tonhöhe hat, muss es eine sorgfältig gewählte Form haben.

    Wenn man sich die Tonhöhen anhört, dann kommen sie einer Fünftonskala (nur die schwarzen Tasten auf dem Klavier) nahe. Das ist das, was Debussy daraus gemacht hat, nachdem er diese Musik auf einer Weltausstellung gehört, seine Musik aber weiterhin für westliche Instrumente geschrieben hat.

    Aber die Tonhöhen klingen hier unsauber, als ob das Instrument verstimmt wäre. Es ist aber so, dass nur durch diese Verstimmung, der Zusammenklang von mehreren solcher Instrumente einigermaßen harmonisch klingt. Die Verstimmung ist also auch sorgfältig gewählt.

    Für den Abend hatten wir ein Ticket gebucht für eine traditionelle Tanzvorführung, die von einem Gamelanorchester begleitet wird. Dies fand in einer Einrichtung statt, die auch von einem Privatmenschen aufgebaut worden ist und sowohl ein Kunstmuseum, als auch ein Resort für Touristen enthält. Um zur Bühne zu gelangen mussten wir lange durch dieses ausgedehnte Resort laufen, es ist extrem luxuriös. Hea-Jee meinte, wenn man da wohnt braucht man den Rest des Ortes eigentlich nicht.

    Wir kamen ziemlich früh und waren die ersten Zuschauer. Bis kurz vor der Aufführung sah es so aus, als ob wir auch die einzigen bleiben würden. Dann kamen zum Glück noch 4 andere Zuschauer, so dass die erste Stuhlreihe einigermaßen besetzt war.

    Das gegebene Stück ist wohl eine alte indische Sage und normalerweise würde die Aufführung wohl viele Stunden dauern. Für diese regelmäßige Veranstaltung für Touristen haben sie es auf 45 Minuten gekürzt. Auch dies war sehr eindrucksvoll. Die Tänzer und Musiker haben sich auch über uns gefreut und wir durften zum Schluss mit ihnen ein Foto machen.

    Hea-Jee:
    Ich war im Rudana Museum und habe mir sowohl die traditionelle indonesische Kunst als auch die moderne Kunst angeschaut. In der modernen Kunst gab es viele Werke, die traditionelle Motive mit westlichen Maltechniken verbanden. Trotzdem fühlten sie sich nicht wie westliche Bilder an, weil die Atmosphäre irgendwie anders war. Zum Beispiel zeigte ein Werk mit dem Titel „Freude der Liebe“ Tänzerinnen in gelber Kleidung, und es hatte etwas Traumhaftes an sich. Auch „Meditation“ wurde durch Tänzerinnen in roten Gewändern dargestellt. Wie schon in Museen in Laos und Thailand hatte ich auch hier wieder das Gefühl, dass Indonesien – obwohl das Land arm sein mag – kulturell genauso entwickelt ist wie die fortgeschrittenen Länder.

    Bei der traditionellen Kunst war ich allerdings etwas beunruhigt, denn außer einigen wenigen Werken aus dem späten 19. Jahrhundert war kaum etwas zu sehen. Ist vielleicht alles den Angriffen fremder Mächte zum Opfer gefallen und verbrannt? Gibt es das nur in diesem Museum nicht, aber woanders schon? Kann es sein, dass es vor dem späten 19. Jahrhundert überhaupt keine Kultur gab? Und wenn jemand das einfach behauptet, wie soll man widerlegen, dass es nicht so war? Schon auf der Straße fielen mir fast nur kolonialzeitliche westliche Gebäude als „indonesische Kulturgüter“ ins Auge, was mich etwas nervös machte. Als jemand, der schon oft gehört hat, das „unterentwickelte“ Korea sei angeblich erst durch die japanische Kolonialzeit vorangekommen, war ich wohl ein bisschen vorbelastet und mein Adrenalin schoss hoch bei dem Gedanken, dass westliche Leute etwas Ähnliches über Indonesien sagen könnten.

    Doch dann hat mir ein freundlicher Mitarbeiter die traditionellen Instrumente vorgespielt, und meine Sorge löste sich. So wie Arnd oben erklärt hatte: Um ein Instrument zu bauen, das so präzise Klänge hervorbringt, braucht es einen hochentwickelten musikalischen Sinn und eine lange angesammelte technische Fertigkeit. Gibt es einen klareren Beweis dafür, dass Indonesien eine hochstehende traditionelle Kultur besessen hat?

    Das Rudana Museum lag in einem wunderschönen Garten. Der Garten ging in grüne Reisfelder und offene Landschaft über, und der Ausblick durch die großen Fenster des Museums war wirklich beeindruckend. Durch das Museum war der ganze Stress, den ich gestern wegen des Verkehrs in Bali hatte, wie weggeblasen.

    Am Abend ging ich zu einer traditionellen Tanzaufführung. In der Mitte tanzten die Tänzer und Tänzerinnen, auf beiden Seiten saß das Orchester, und vor dem Orchester rechts saßen zwei Sänger und zwei Sängerinnen mit Mikrofonen, die das aussprachen bzw. sangen, was die Tänzer und Tänzerinnen sagen sollten. Irgendwie erinnerte mich das an unser koreanisches Changgeuk. Die Gamelan-Musik klang wie eine Disharmonie und war doch harmonisch, wirkte einfach und gleichzeitig geheimnisvoll – selbst wenn sie sich wiederholte, wurde sie nie langweilig.

    Die Tanzbewegungen, die Gefühle besonders mit Händen und Füßen ausdrückten, zogen mich völlig in ihren Bann. Ich schaute vom Anfang bis zum Ende hochkonzentriert zu. Einer der Gründe, warum ich mich so gut konzentrieren konnte, war ein anderer: Am Vormittag hatte ich im Rudana Museum Bilder gesehen, die die indische Ramayana-Saga darstellten, und Arnd hatte mir gesagt, dass die heutige Aufführung genau das Ramayana sein würde. Deshalb hatte ich mir die Bildbeschreibungen genau durchgelesen und ChatGPT gebeten, mir die Handlung zu erklären, was mir half, die Aufführung besser zu verstehen.

    Das Resort, in dem die Aufführung stattfand, war riesig, fast wie ein ganzes Dorf, und die Landschaft war unglaublich schön. Es gab dort Cafés, Restaurants, sogar ein Museum für moderne Kunst, und die Umgebung bot Wälder, Bäche und Reisfelder. Ich weiß nicht, wie teuer es ist, dort zu übernachten, aber bei dem chaotischen Verkehr draußen dachte ich, dass es vielleicht angenehm wäre, sich einfach hier einzukapseln, Kultur zu genießen und sich zu erholen. Aber das wäre dann eine Reise, bei der man das wirkliche Indonesien nicht zu Gesicht bekommt.
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