Tag 165 - Darwin
7. december 2025, Australien ⋅ ☁️ 31 °C
Arnd:
Im Moment ist Sommer in Darwin und da ist es schon sehr unangenehm schwül-heiß. Deshalb ist derzeit auch keine Touristensaison und diverse Angebote für Touristen finden jetzt nicht statt. Wie immer sind wir auch hier nicht gut vorbereitet und agieren eher spontan. Morgens habe ich den Plan gemacht, zuerst in den Botanischen Garten zu gehen, solange es noch nicht zu heiß ist und danach in das in der Nähe gelegene Museum der Northern Territories zu gehen. Dort gibt es auch ein Café in dem wir zu Mittag essen können.
In Darwin gibt es ein Busnetz und die Benutzung ist kostenlos. Sie fahren so etwa zweimal pro Stunde. Eine Linie hält in der Nähe unseres Hotels und in der Nähe des Botanischen Gartens, wobei da zwei Stationen in Frage kamen.
Im Bus saß ich auf der Fensterseite und berührte die Außenwand des Busses. Die war sehr heiß, kurz vor der Verbrennungsgefahr. Die Klimanalage kämpfte wacker dagegen an. Dann hat uns der Bus einen Strich durch die Planung gemacht. Ich hatte, gedacht, dass wenn es eine Haltestelle auf der einen Straßenseite gibt, dann gibt es auch eine auf der anderen. Dem war aber nicht so. Dort wo wir aussteigen wollten hielt der Bus einfach nicht. Die nächste Station war beim Museum.
Also Planänderung: Wir gehen gleich ins Museum. Dort gab es eine ganze Reihe von Ausstellungen, die sonst in verschiedenen Museen sind. Zunächst haben sie eine jährlich wechselnde Ausstellung von Kunst von Aboriginal People. Es gibt eine Jury, die die Werke auswählt und es gibt auch ein paar jährlich vergebene Preise. Ich fand es sehr beeindruckend und mich hat erstaunt, wie vielfältig die Werke waren. Zu jedem Werk gab es einen Begleittext. Die waren durchweg im Tonfall sehr trauernd. Der Landverlust durch die Landnahme der Europäer ist eine permanente Wunde, die durch die Kunst verarbeitet werden soll.
Dann kamen wir durch eine Ausstellung anlässlich des 50. Jubiläums von Zyklon Tracy (1974). Damals war ich 14 Jahre alt. Ich versuche, mich daran zu erinnern. Das muss auch durch die deutschen Medien gegangen sein, aber wahrscheinlich war es für mich einfach zu weit weg. Tracy kam am Weihnachtsfeiertag und war eigentlich nicht sehr groß. Die Menschen in Darwin kannten Zyklone und haben es nicht besondern ernst genommen. Viel Wind und Regen, was soll schon passieren? Tracy hat die Stadt nahezu vollständig zerstört. Der Australian Broadcasting Service (ABC) hat gleich in den ersten Tagen eine Dokumentation dazu gemacht, die hier gezeigt wurde.
Die Gebäude waren dafür nicht ausgelegt und der Sturm hat sie meist in mehreren Schritten zerlegt. Erst flog das Dach weg, dann sind die Wände eingestürzt und schließlich hat es auch noch die Bodenplatte weggefegt. In der Ausstellung wurde das Geräusch beschrieben, das die Menschen gehört haben. Es kam von diesen Häuserteilen, die mit enormer Geschwindigkeit über den Boden geschrammt sind. Einige Menschen haben 6 Stunden ohne jeden Schutz draußen auf dem Boden gelegen. Nur nicht den Kopf heben. 66 Menschen sind gestorben.
Ein erheblicher Teil der Einwohner wurde in den Süden Australiens evakuiert. Aber viele sind wohl zurückgekehrt. Darwin wurde wieder aufgebaut. Zum vierten Mal in seiner kurzen Geschichte. Zwei andere Zyklone und ein Bombardement durch die Japaner im zweiten Weltkrieg hatten die Stadt vorher auch schon dreimal zerstört. Man würde also erwarten, dass die Gebäude in Darwin mehrheitlich so etwa 50 Jahre alt sind. Die meisten sind aber wesentlich neuer. Darwin sieht im Zentrum sehr modern aus.
Dann gab es noch drei Dauerausstellungen. Eine zeigte die Geschichte der Northern Territories, deren Hauptstadt Darwin ist, seit dem späten 19. Jhdt. Neben Europäern und Aborininee gab es noch eine große Chinesische Minderheit, die während eines Goldrausches in den 1870er Jahren hergekommen waren. Die wirtschaftliche Situation war lange sehr schwierig. Erst mit besseren Transportmöglichkeiten in der Luft und auch zu Land wurde es besser.
Dann gab es eine Naturkundliche Ausstellung. Darin war u.a Sweetheart zu sehen. Ein riesiges Salzwasserkrokodil, das hier lange eine bestimmte Gegend unsicher gemacht hat. Sehr beeindruckend war auch ein Termitenbau.
Und zum Schluss hatte man auch noch eine Sammlung von historischen Schiffen und Booten.
Zwischendurch waren wir im Café und haben zu Mittag gegessen. Wir wollten eigentlich nicht viel essen und wollten uns deshalb eine Portion Pommes Frites (mit Aioli) teilen. Es gab kleine und große Portionen. Wir dachten uns, eine kleine Portion zu zweit ist sicher zu klein, also haben wir die große bestellt. Die hätte auch für vier Personen gereicht. Sie waren irgendwie gewürzt und das war sehr lecker. Sonst hätten wir sie wohl nicht aufgegessen.
Dann war es draußen so heiß, dass wir nicht mehr in den botanischen Garten gegangen sind, sondern ins Hotel. Dort haben wir etwas Pinguintexte geschrieben. Muss auch sein, sonst kommen wir ins Hintertreffen.
Gestern habe ich schon geschrieben, wie abgelegen die Stadt ist. Man kann sie per Flugzeug und per Schiff erreichen. Über Land gibt es den Stuart Highway, der Darwin mit Adelaide verbindet. Adelaide liegt auf der gegenüberliegenden Seite des Kontinents in 2700 km Entfernung. Dazwischen gibt es nur ganz kleine Städtchen wie Alice Springs. Wie wird diese Stadt eigentlich versorgt?
Abends waren wir im Woolworth einkaufen, das ist eine Supermarktkette. Wir wollten uns für die anstehende Busreise versorgen. Es ist immer interessant, in einem anderen Land einen Supermarkt, sein Angebot und die Preise zu erkunden. An die Preise werde ich mich wohl gewöhnen müssen. Ich hoffe, dass das teilweise durch die abgelegene Lage Darwins begründet ist. Joghurt ist für mich z.B. eigentlich ein billiges Lebensmittel. Eine Einzelportion schlug hier mit 2,80$ zu Buche, 1,75€. Das ist fast der dreifache Preis wie in Deutschland.
Hea-Jee:
Endlich sind wir auf dem australischen Kontinent angekommen, wo unsere Kinder leben. Scott und Eva, die am anderen Ende Australiens wohnen, verfolgten unseren Flug aus der Ferne und meldeten sich jedes Mal, wenn wir eine neue Etappe erreichten. Ihr seid wohl gelandet. Willkommen! Wie war die Einreise? Wo seid ihr jetzt? Meistens war es Scott. Unsere Familie ist eigentlich ziemlich zurückhaltend miteinander, und ich weiß nicht, wie so ein herzlicher Mensch zu unserer Familie gekommen ist. Es fühlt sich an, als hätten wir im Lotto gewonnen.
Als ich das pia-tuktuktuktuktuk der Fußgängerampeln hörte, das ertönt, wenn das Licht auf Grün springt, wurde mir erst richtig bewusst, dass ich tatsächlich in Australien angekommen bin. Ich bekam plötzlich große Sehnsucht nach Finn und wollte so schnell wie möglich nach Melbourne weiterreisen. Erinnerungen an meinen Aufenthalt vor einem Jahr, als ich zur Wochenbettpflege für unsere Tochter hergekommen war, kamen zurück – und sogar etwas Heimweh danach.
Hier müssen wir uns wohl wieder daran gewöhnen, dass die Preise plötzlich höher sind und dass die Portionen beim Essen viel größer ausfallen. Wir wollten einfach Pommes, also bestellten wir zu zweit eine große Portion – die war am Ende viel zu viel. Aber unglaublich lecker. Ganz anders als die Pommes, die wir in München gegessen hatten. Was machen sie hier bitte anders, dass das gleiche Essen so viel besser schmeckt?
Die Menschen sind hier anders. Die Freundlichkeit erinnert an andere südostasiatische Länder, aber gleichzeitig halten sie eine angenehme Distanz. Es ist nicht wie in Südostasien, wo jemand sofort herbeieilt, um zu helfen. Hier mischt sich niemand ungefragt ein; jeder geht seiner Arbeit nach und wenn man um Hilfe bittet, lächeln sie breit und helfen gern. Eine europäische Art. Ein Vielvölkerland – Hautfarben und Gesichter der Menschen sind unglaublich vielfältig. Faszinierend, dass nach nur einer Meeresüberquerung die Menschen, die eigentlich genauso aussehen wie in Südostasien, das wir gerade erst verlassen haben, plötzlich eine so andere Ausstrahlung haben.
Ich bin in einem Land angekommen, in dem selbst völlig Fremde sich mit einem freundlichen „Hey mate, how are you?“ begrüßen – so herzliche, unkomplizierte Leute.Læs mere


























Rejsende마침내 호주 도착! 축하드립니다~
Rejsende점점 피니가 가까워져요. 말 통하고 문화가 비슷하니까 확실히 편하네요. 그런데 여행하기에는 한국보다 비싸요.